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13.05.05
8-bit to heaven: Cory Arcangel
Angewandte Medienarchäologie: Die alten 8-bit Nintendo-Konsolen kann man auf den Speicher räumen, um sie alle Jahr lang mal herunter zu holen, verträumt anzuschauen - und danach wieder gut zu verstauen, um sie später vielleicht noch den Enkelkindern zeigen zu können. Man kann aber auch den Schraubenzieher plus ein paar andere Werkzeuge nehmen und etwas mehr daraus machen.
Wie Cory Arcangel zum Beispiel...
Cory Arcangel (Beige): Nerdzone I
Glaubt man Cory Arcangel, dann braucht es für den Weg in den Himmel gerade mal 8-bit. Seine "Super Mario Clouds V2k3" (2003) zählen mittlerweile schon zu den Inkunabeln der Gameboy-Hacker-Kunstgeschichte. In diesem Frühjahr sind sie nun in der Schweiz aufgezogen. Zwar nicht im Aargauer Kunsthaus, wo sie eigentlich ebenfalls hingehört hätten, als dieses die ansonsten wunderbare Ausstellung "Wolkenbilder" zeigte. Dafür aber wandern sie noch bis zum 22.05.05 im migrosmuseum übers blaue Pixelfirmament.
Zeit zum Träumen? Nicht unbedingt. Ein paar Schritte weiter ist es nämlich mit dem himmlischen Frieden schon wieder vorbei: In "Super Mario Movie" (2005) lässt Arcangel den pummligen Game-Helden zwar noch ein wenig leben und streben - aber nur, um ihn dann genüsslich mitsamt seiner kleinen Welt in Einzelteile zu zerlegen und die Szene in eine bei längerem Hinschauen und -hören leicht psychedelisch wirkende 8-bit-Variation auf die Filme Oskar Fischinger zu verwandeln.
Derart getunt, empfiehlt es sich, zum chillen eine Runde "Super Slow Tetris" (2004) einzulegen - das allerdings wieder so gemächlich daherkommt, dass nach kurzer Zeit sicher auch das friedfertigste Gemüt über genug Adrenalin verfügt, um zum Shooter nebenan zu wechseln. Schön, dass man bei "I Shot Andy Warhol" (2003) richtig losballern darf. Weniger schön, dass es es nicht nur Punktabzug gibt, wenn man daneben liegt, sondern auch, wenn man den Falschen trifft. Was sich spieldidaktisch in diesem Fall auf die Formel bringen lässt: Mag sein, dass für fünf Minuten jeder ein Star sein kann - aber nicht jeder, der einem vor den Lauf springt, ist ein Künstler. Oder so ähnlich? Dank Mary Herrons gleichnamigem Film über Valerie Solanas sollten allerdings auch Spätgeborene erfahren haben, dass mit Treffern tatsächlich nicht immer zu punkten ist - selbst, wenn man Warhol persönlich vor der Kimme hat. Oder so ähnlich.
Besser ist es in jedem Fall, die destruktiven Energien in Konstrukives umzuwandeln. Und wie das gehen kann, führt Cory Arcangel dankenswerter Weise ebenfalls gleich vor, mit dem Doku-Video "The Making of Super Mario Clouds" (2004). D.I.Y.
Die Bauanleitung kommt zwar leider als Stummfilm daher, aber auf die Ohren gibts in der Ausstellung sowieso genug. Selbstredend auf zünftiger 8-bit-Konsolenbasis komponiert wie so manches, was Arcangel mit seinen Kollegen vom Programmierkollektiv beige über das gleichnamige Label in die Welt entlässt bzw. distribuiert. Für diejenigen Konsolen-Hardliner, die zwischendurch mal was anderes hören wollen, bietet sich dann noch der "Nipod V2" (2004) an - wie der Name schon ahnen lässt, eine Kreuzung aus dem aktuellen Lieblingsgadget der Generation mp3 und dem der Gamer der 1980er.
In Summa: Ob Video, Game oder Audio - wenn man sich aufs Basteln versteht, braucht's für den Weg in den Himmel vielleicht wirklich nur 8-bit.
Obgleich selbst kein Konsolen-Nerd schon fast überzeugt, empfiehlt miss.gunst an dieser Stelle daher wärmstens, bevor man gleich selbsttätig ganz ins 8-bit Nirvana abfährt noch die folgenden anregenden Umwege zu nehmen:
Bis 22.05. einen Abstecher ins
migrosmuseum für gegenwartskunst
Limmatstrasse 270 - CH-8005 Zürich
tel +41 44 277 20 50
Di, Mi, Fr: 12 bis 18 Uhr
Do: 12 bis 20 Uhr
Sa, So: 11 bis 17 Uhr
...sowie eine kleine Surftour zu...
Cory Arcangels Heimseite: www.beigerecords.com/cory
beige records: www.beigerecords.com
beige programming ensemble: www.post-data.org/beige/
Von miss.gunst am 13.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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