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31.05.05

Vogelstimmen

Treufreund:
Nun merkt auf und schaut auf! Und zwischen diesen beiden, was seht ihr?

Zweiter Vogel:
Zwischen Himmel und Erde?

Treufreund:
Ja, dazwischen.

Vögel:
Nun, nun, da sehen wir – nichts.

Treufreund:
Nichts? O, ihr seid ja fast so blind wie die Menschen! Seht ihr nicht den ungeheueren Raum, ausgebreiteter als das Oben und Unten, das unermessliche Land, das an alles grenzt, diesen lustig wässrigen See, der alles umgibt, diesen ätherischen Wohnplatz, dieses mittelweltische Reich?

Vögel:
Was meinst du damit?

Treufreund:
Die Luft mein’ ich. Wer bewohnt sie als ihr? Wer beschifft sie, wer begibt sich darin von einem Orte zum andern? Wem gehört sie zu als euch?

Vögel:
Daran haben wir gar nicht gedacht.

Um es ausnahmsweise mal nicht mit Blumen, sondern mit Vögeln zu sagen. Genauer gesagt: Mit Goethes Variation* auf die Ornites des Aristophanes, die nun tatsächlich danach streben, zwischen Himmel und Erde ein eigenes Reich zu errichten. Die Hauptstadt heisst Nephelokokkygia, Wolkenkuckucksheim. Wer ihre Bewohner kennenlernen will, sollte am besten mit Louise Lawlers Vorstellung einiger Ehrenbürger beginnen. Bereitgestellt von ubu.com und hiermit herzlich empfohlen von miss.gunst.

* Für den Volltext der antiken Komödie muss man sich mit einer englischen Übersetzung befreunden; der Weg zu Goethes Vögeln ist nicht ganz so weit – dafür wurden diesen von Jürgen Kuehnle ein wenig die Federn gestutzt (s.a.o.).


[Romainmoîtier, Sternzeit ca. 19:10. Die Vögel singen noch nicht.]

Von miss.gunst am 31.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.05.05

Murmura

Orbe locus medio est inter terrasque fretumque
caelestesque plagas, triplicis confinia mundi;
unde quod est usquam, quamvis regionibus absit,
inspicitur, penetratque cavas vox omnis ad aures:
Fama tenet summaque domum sibi legit in arce,
innumerosque aditus ac mille foramina tectis
addidit et nullis inclusit limina portis;
nocte dieque patet: tota est ex aere sonanti,
tota fremit vocesque refert iteratque quod audit;
nulla quies intus nullaque silentia parte,
nec tamen est clamor, sed parvae murmura vocis,
qualia de pelagi, siquis procul audiat, undis
esse solent, qualemve sonum, cum Iuppiter atras
increpuit nubes, extrema tonitura reddunt.

So weit den Metamorphosen (liber XII) entwendet. Nicht um der Fama selber willen. Sondern weil in der Welt des Klangs einiges so und gerade deshalb gut funktioniert.

[Romainmoîtier, Sternzeit ca. 19:11. Gewölk]

Von miss.gunst am 30.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.05.05

Wassermusik

Reach, Reach, some leaves
havent hastened near
enuf – Roll, roll, purl
the sand shark floor
a greeny pali andarva
- Ah back – Ah forth -
A shish – Boom, away,
doom, a day – Vein we
firm – The sea is We – vad, tapada, pow
Parle, parle, boom the
earth – Aree – Shaw
Shoo, shush, flut,
ravad, tapavada pow,
coof, lock, roof, -
No, no, no, no, no, no -
Oh ya, ya , ya yo yair -
Shhh –

Jack Kerouac (Appendix zu: Big Sur, London: Flamingo, 1993)*

Was tun, wenn Big Sur fern ist und die Sehnsucht, sich in Wassermusik zu verströmen nah?
In Romainmoîtier nichts einfacher als das. Hinter dem Haus wächst nicht nur Andres Bosshards Klanggarten. Als Platzhirsch musiziert dort tagein tagaus der Bach. Gutgelaunt perlend, beharrlich klopfend schickt er akustische Tropfen auf die Reise über das Ufer, durchs Gezweig ins Haus hinein, wo sein Wasser an den Wänden entlang trippelt oder gleich frech den kürzesten Weg über den Dachstuhl nimmt, da es nachts sehr viel deutlicher zu hören ist als gartenseitig bei offenem Fenster. Wenig wunderlich, dass sich angesichts dieser Kunst nicht wenige wünschen, wie Wasser komponieren zu können.
John Cage gelang es mit seiner "Water Music", Wasser ohne Wasser herzustellen – Wasser also, mit präparierten Instrumente trocken gelegt und dennoch eine Dusche für das dankbar getäuschte Ohr. Der arme Luigi Russolo hatte mit dem Gurgler seines Intonarumori-Orchesters nicht so viel Glück, insofern er gerade danach strebte, das Geräusch um des Geräusches willen zu erzeugen – jenseits einer weiteren Assoziation. Sein ignorantes Publikum dagegen vermeinte "die See im Sommer" oder "einen erfrischenden Regenschauer" zu vernehmen. Zplitsch.**

* Für FreundInnen der Stimmen aus dem Jenseits: Jack Kerouac speaks...

** Zum Weiterlesen entlang der verschlungenen Läufe der Wassermusik sei Douglas Kahns wunderbares Buch Noise Water Meat. A History of Sounds in the Arts, Cambridge & London: MIT Press, 1999 wärmstens empfohlen, das neben einem einschlägigen Kapitel zu Water Flows and Flux eben an anderer Stelle auch Kerouacs Einladung zur onomapoietischen Selbstauflösung enthält.

[Romainmoîtier, Sternzeit ca. 05:27. Leichter Wind.]

Von miss.gunst am 29.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.05.05

Türme

Towers of fabled immortal fashion'd from mortal dreams!
You too I welcome and fully the same as the rest!
You too with joy I sing.

Passage to India!
Lo, soul, seest thou not God's purpose from the first?
The earth to be spann'd, connected by network...

Nein, Walt Whitman war nicht dabei. Aber:

Ausflüge in die Welt der wandernden Klänge und zu den Körpern, in denen sie gern schwingen. Von Athanasius Kirchers Musurgia Universalis über indischen Tempelbauten, die sich wie Hüllkurven in den Himmel schrauben (stimmt es, dass wer drinnen steht irgendwann spüren kann wie die Erde sich dreht?) kommt Andres Bosshard zu Klangtürmen und Konzerten mit Tönen, die steile Staumauern auf- und abwandern, steigen, fliegen und fallen.

Als Nachtlied darf es dann heute eine sanfte Wendeltreppenchleife sein.
Wie Saties Gymnopédie No.1 auf dem Theremin, gespielt von J. Jacobson und bereitgestellt in Lydia Kavinas ThereminVox-Audiothek.

[Romainmoîtier, Sternzeit ca. 19:24. Leuchten.]

Von miss.gunst am 28.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.05.05

Lehrreiche Lektüre

Das Medium von HOME MADE, eigentlich zum Besorgen von Obst in den Laden gegenüber geschickt, hat dort im Korb mit Restpapier soeben ein gutes Buch gefunden. Das ganz hervorragend zum Thema passt. Die Geschichte zweier Pensionäre, die ausziehen, um künftig alles selbst zu machen. Als ehemalige Beamte meinen sie sich bestens vorbereitet: Jeder Schritt in Richtung der ersehnten Selbsterzeugergemeinschaft wird minutiös geplant und kalkuliert. Allein: Die Schnecken fressen den Salat, das Brot verbrennt und den Kuchen fressen die Mäuse, die Katze wildert die Hühner, die sowieso keine Eier legen wollen, der Hund verjagt die Katz und der Mehltau mordet den Wein. Und so weiter. Nicht besser wird es ihnen ergehen beim Erlernen verschiedener Handwerke, Wissenschaften und Künste. Ach, grau ist alle Theorie.
Das alles lässt sich natürlich nicht wirklich so schön nacherzählen, wie es geschrieben worden ist - sondern will selbst gelesen werden. miss.gunst empfiehlt: Gustave Flaubert, Bouvard et Pécuchet.

Das französische Original lässt sich über die von der Association des Bibliophiles Universels (ABU) bereitgestellte Bibliothèque Universelle online lesen und laden.
Schöner ist das Ganze doch immer noch auf Papier. Am schönsten aber, wenn man dieses zufällig aus dem Remittendenkörbchen eines Krämerladens fischt, wo es unter Groschenromanen aus den 1950ern und einer dicken Staubschicht liegt.

[Romainmoîtier, Sternzeit ca. 09:55. Zählen? Unmöglich, noch unsichtbar. Stattdessen warme Abendsonne.]

Von miss.gunst am 27.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Sonore Lampe

Können Lampen klingen?*
Diese hier kann es. With a little help from. Dann aber wie: Die Holzdielen beginnt leicht zu schwingen, das Licht wird warm und eine sonore Woge rollt - ziemlich mächtig, aber trotzdem sanft - durch den Raum. Ohne zu verebben: Eher gemächlich ausgebreitet, als wolle sie hier nisten für den Rest der Zeit.
Das ist sehr angenehm. So angenehm, dass man sich unvorsichtigerweise wünschen könnte, wirklich Ohren zu besitzen, die auf Infrarot und Magnetfelder aufgespitzt sind.
Was aber sicher sehr, sehr anstrengend wäre: Stets Sphärenmusik zu vernehmen. Schon besser, dass wir weder den Erdkern sich drehen noch die Sonne an ihrer Bahn schaben hören. Die Lampe aber liefert wirklich ein wunderbares Konzert.
Danke, Norbert Möslang.

[Romainmoîtier, Sternzeit ca. 16:45. Zählen? Zu viele.]

* Weiters zu dieser Frage: siehe auch den Anker zu Herrn Du Bois Duddell...

Von miss.gunst am 27.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.05.05

Vilm-Audienz bei Ubu Roi

Ein Nachtrag noch vom HOME MADE-Medium für alle diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer (beispielsweise, weil sie bereits fleissig für den Klangtag und den Workshop basteln) nicht allabendlich in Zürich zu VIDEOEX fahren können:
Zwar keine aktuellen Produktionen, aber immerhin einige Klassiker des Experimentalfilms finden sich auf dem Filmseiten von ubu.com bereitgestellt (sowieso der Zetelkasten der Zettelkästen sicher nicht nur für miss.gunst).
Und natürlich auch einschlägige Vilmdokumente, die speziell im Radius von Medien und Musik von Interesse sind. Beispielsweise lässt sich eine der beliebtesten Mythen der Geschichte der experimentellen Musik leicht entkräften, wenn man einen Blick auf John Cages 4'33'' wirft...
Gleich mal reinschaun? Bitte sehr: Vilm ab!

Von miss.gunst am 26.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Circuit Bending

Beim Circuit Bending geht es, kurz gefasst und wie der Name auch schon sagt, um die gezielte Manipulation von Schaltkreisen – und um die Klänge, die sich auf diese Weise erzeugen lassen. Vorzugsweise werden daher Apparate frisiert, die bereits ein gewisses Basispotential mit sich bringen: Batteriebetriebene Musikinstrumente für Kinder beispielsweise oder anderes Spielzeug, das Tröten und Tönen kann – aber im Grunde sind je nach technischem Know-How dem Basteltrieb sowohl nach oben in Richtung High Tech als auch nach unten in Richtung Low Tech keine Grenzen gesetzt. Zünftige Circuit-Bender ziehen wohl eher Letztere vor...

Für einen kleinen Ausflug in die wunderbare Welt des Schaltkreisbiegens, -beugens und -in-neue-Schlaufen-ziehens sei zunächst die kompakte Einführung von Jörg Werner auf datamath.org empfohlen.

Nicht fehlen darf in der Runde Reed Ghazala, der als CB-Pionier seit den 1960er Jahren das Feld erkundet - und dementsprechend ausführlich in die Kunst des "How to Circuit Bend" einweihen kann. Auf seiner Heimseite präsentiert er verschiedene Bentsounds wie die Töne der Photon-Klarinette (eine Art CB-Version des DIMI-O bzw. des Theremin). Und im Bereich SoundArt hat es unter anderen Instrumenten auch eine Reihe von "Insektophonen" (im Hintergrund zirpt an dieser Stelle unhörbar, aber echt entzückt das bereits als Instektenmusikfan geoutetete Medium von HOME MADE, miss.gunst – erst mal allerdings als unfreiwillige Solistin, denn in Ghazalas Galerie werden die Phone tonlos vorgestellt und man muss wieder zu den Bentsounds wandern, um zu erlauschen, was die "Vox Insecta" zu bieten hat).

Wunderbare Dinge gibt es auch bei Dave Wright von carrionsound zu entdecken. Akustisch mögen manche der manipulierten Spielsachen vielleicht nicht so sehr vom Hocker reissen (wie zb der fies mit den Soundzähnen knirschende kleine Carrion-Computer). Aber die Wunschmaschine scheint ziemlich gut zu funktionieren – jedenfalls wenn man eine Katze ist.

Eher schlicht gestaltet, aber ziemlich informativ kommen die "Warranty Void"-Seiten von CO Windler daher, der als CyberYogi auf seiner Heimseite auch noch andere kreative Basteleien sowie (sic und übrigens aus Fachperspektive) Gesundheitstipps für UserInnen vorrätig hat.

Wortwörtlich nahe liegt schliesslich aus HOME MADE-Labor-Perspektive zum einen der Verweis auf die Aktivitäten der in Basel beheimateten Crew von Drop-da-Bomb und ihr D.I.Y.-Projekt Y-MIXER (inklusive einer Kostprobe fürs geneigte Gehör).
Und zum anderen auf Norbert Möslang, der als Experte des Metiers bei HOME MADE zu Gast sein wird, um in die hohe Kunst des Circuit Bending einzuführen.

Zu guter Letzt – behaupte noch eine/r, der Beschäftigung mit Drähten und Kontakten gehe die Erotik ab – ein weiterführender Hinweis des CB-Grossmeisters Reed Ghazala (im Original natürlich auf seiner Heimseite zu finden):
"Body-contacts are also found through circuit-bending. These allow
electricity to flow through the player's body, flesh and blood now
becoming an active part of the electronic sound circuit. This interface extends players and instruments into each other, creating, in essence, cuit new life forms. An emerging tribe of bio-electronic Audio Sapiens."

("... and insects", souffliert aus dem Hintergrund miss.gunst).

Von miss.gunst am 26.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.05.05

Tenniskurs mit BIOBAS

Das Medium von HOME MADE mahnt an, dass noch die drei Punkte fortgesetzt werden wollen, mit denen der Eintrag zu Superflex endete. Es geht nämlich um nichts Geringeres als die seltene Gelegenheit, auf gepflegte Weise einer sportlichen Betätigung zu huldigen, ohne dabei gleich ins Schwitzen zu kommen. Angesichts der aktuellen Witterungslage wohl ideal, oder nicht?

Wie das gehen soll? Begeben wir uns einfach noch einmal zum bereits erwähnten dänischen Musiksystem, welches das Musik-TOOL 002 von Superflex vertreibt.
Unter "MP3" liest man zwar zunächst den im Zusammenhang mit der Fusszeile "This site was last modified October 1 2003" ziemlich entmutigenden Satz "***All files are currently offline***".
Wunderbarerweise ist dem aber nicht so.
Online zu erlauschen respektive auch zu laden gibt es dort nämlich einen akustischen Tenniskurs von BIOBAS – einem Projekt, hinter dem wiederum August Engkilde steckt, der auch schon für die bereits erwähnte goldige Superflex-Scheibe "Warum sollten wir Angst vor grossen Tieren haben" mitverantwortlich war. Und der eben, sozusagen über den traurigen Ist-Zustand des Musicsystem-Dowload-Menues hinweg, dank einer Umleitung über seine Heimseite dafür sorgt, dass sein Tenniskurs weiter belegt werden kann.
Wer nun spontan seinen Sportsgeist ein bisschen üben möchte, schenke schon mal Lektion 1 das geneigte Ohr.
Alle weiteren Lektionen bis auf Weiteres sowohl bei Musicsystem/Sportmusic als auch bei August Engkilde selbst.

Wie meinen doch die Musiksystemer?
"We love sport, particular to watch it! and to make music for".

miss.gunst findet das fein. Und was spricht dagegen, sich – statt bei glühender Hitze in hässlichen weissen Röckchen oder Höschen blöden Bällen nachzujagen – lieber zu guter Musik zu bewegen? Dafür darfs dann gern auch mit ein bisschen Schwitzen verbunden sein.

Von miss.gunst am 25.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.05.05

Supersachen von und mit Superflex

Von der Insektenmusik führt ein Pfad in die Basler Kunsthalle, die derzeit sich selber zeigt. Dabei geholfen hat ihr die dänische Gruppe Superflex (näheres dazu in einer Review von Simon Baur im Kunst-Bulletin vom Juni, Link zum Artikel folgt). Weshalb Superflex nicht nur vom Radar erfasst wird, sondern auch in den Zettelkasten gehört? Ganz einfach: Superflex macht immer wieder Supersachen. Entweder selber selbst oder mit anderen. Oder hilft anderen beim Selbermachen. Und entwickelt Supertools, die den Gedanken des Werkzeugkastens schon noch mal etwas anders fassen als gewohnt. Mehr dazu auf der umfangreichen Superheimseite von Superflex, wo unter anderem ein Blick in den bzw. die Superchannels lohnt.
Besondere Aufmerksamkeit muss an dieser Stelle, und hier kommen die Insekten ins Spiel, natürlich den musikalischen Aktivitäten der Superflexer gelten, die wenig erstaunlicherweise Supermusik heissen und übrigens auch zu den Supertools zählen.
Ziemlich insektenmusikalisch klingt insbesondere die vor langen Jahren mal bei Gelbe Musik erstandene Produktion "Warum sollten wir Angst vor grossen Tieren haben" – die allein schon wegen der schönen Titel punkten kann: "Two female frogs taped to an office table" beispielsweise oder: "A well functioning hippo state needs no hippos".

Das Musiksystem, bei dem die Scheibe zur Distribution abgelegt ist, führt seinerseits im Sortiment noch andere schöne Dinge, von denen insbesondere einer einen eigenen Eintrag im Zettelkasten verdient...

Von miss.gunst am 24.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.05.05

Free Sound sucht inspirationale Ideen

Von Daniel Reichmuth (der mit Sibylle Hauert "Rosen & Spademan Enterprise" betreibt und - im Programm noch unter dem Namen des Vorgängerprojekts "any affair" - auch beim HOME MADE-Workshop dabei sein wird) empfing das Medium von HOME MADE einen interessanten Hinweis, der weitergegeben werden will.

Und zwar auf die Konferenz "Free Sound", die vom 05. bis 09. September in Barcelona stattfinden wird. Worum es geht, lässt schon der Titel ahnen - was weiters natürlich einen eigenen Eintrag im Zettelkasten verdient. Aus aktuellem Anlass erst einmal nur dies:
miss.gunst - als Medium naturgemäss von allem, was mit dem Wörtchen "spirit" schwanger geht, magnetisch angezogen - stiess sofort ins Auge, das just für den heutigen Tag die "Deadline for Inspirational Ideas" ausgerufen ist. Also gerade noch Zeit, dem zugehörigen Call zu folgen.

Das etwas seltsam anmutende Neonym als solches wird dort nicht erklärt. Nur soviel: Wer seine inspirationalen Ideen in Richtung Todeslinie schickt, sollte sie auch gut verteidigen können. Sie kommen nämlich tatsächlich vor ein Tribunal.

Von miss.gunst am 23.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

22.05.05

Geburtstagslieder für (und eines von) Jean Tinguely

Das Medium von HOME MADE möchte dazu einladen, den heutigen Geburtstag von Jean Tinguely zünftig zu begehen.
Dazu bietet sich beispielsweise ein Besuch in dem ihm gewidmeten Museum in Basel an, wo derzeit die Ausstellung Bewegliche Teile lockt.
Oder aber man lauscht ergriffen einer 1988 ausgestrahlten Sendung mit Material aus der Sammlung von William Furlong im Archiv von kunstradio.at.
miss.gunst, die ziemlich schlecht singen kann, zirpt für J.T. im Insektenchor von "Invasoren der Herzen" aus Graham Ravells Stück "The insect musicians toward a micro-music" mit.

Von miss.gunst am 22.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Les DIMIs n'existent pas? Les DIMIs existent!

Nun also endlich zum DIMI, oder genauer gesagt: den DIMIs.
Das klangvolle Kürzel steht für DIgital Music Instrument, und der auf diesen Seiten bereits mehrfach gewürdigte finnische Elektronik-Pionier Erkki Kurenniemi (siehe die Einträge zu den Nadeldrucker-Symphonien und zu Mika Taanila bzw. dessen Filmen "Optical Sound" und "Future Is Not What It Used To Be") benannte so eine Serie von Synthesizern, die er Ende der 1960er/Anfang der 1970er Jahre konstruierte.
Die ersten DIMIs entstanden - wie schon 1968 das sogenannte "Andromatic" - für den schwedischen Komponisten Ralph Lundsten, um verschiedene Möglichkeiten zu schaffen, einerseits Bild und Ton zu synthetisieren, andererseits verschiedene Formen der Interaktion ins Spiel mit einzubeziehen.
Zur DIMI-Familie zählen:
... das DIMI-A (Digital Music Instrument, Associative Memory)
- zu spielen mit zwei digitalen Stiften;
... das DIMI-O (Digital Music Instrument, Optical Input)
- das in Realzeit Bilder in Töne übersetzte;
... das DIMI-T (auch: "Electroencephalophone")
- das über die Hirnstromaktivitäten der SpielerInnen gesteuert wurde;
und, neither last nor least:
... das DIMI-S (auch: "Sexophone")
- das über die Berührung(sintensität, und zwar wohl auch die emotionale, nämlich den Hautwiderstand) zwischen den SpielerInnen funktionierte.

Warum die Veranstaltung, mit der Erkki Kurenniemi, Mika Taanila, Mika Vainio und der FreundInnen von Musik und Medien ebenfalls nicht unbekannte Carl Michael von Hausswolff in den letzten Jahren durch Festivals und Kunsthäuser tourten (hier zB Biennale Venedig) ebenso wie die DVD-Version von Taanilas "Future Is Not What It Used To Be", nämlich "The Dawn of DIMI" hiess - wenn selbiges durch den Film doch gerade wieder eine Neuentdeckung erfuhr und in Fachkreisen sowieso längst Legende ist? Nunja. Nehmen wir das mal mehr als werbenden Stabreim.

Schliesslich als Dreingabe noch ein paar Leszeichen zum Thema:
Zu "The Dawn of DIMI" gibt es im Archiv von reboot.fm eine Radiosendung zur gleichnamigen Station im Rahmen einer Koop zwischen der berlin biennale 04 und Maerzmusik 04 (hier eine Presseinfo als pdf), die leider gerade erst am 12.05. ausgestraht wurde - aber am 19.10. wieder ausgestrahlt werden wird.
Einer der nahrhaftesten Kommentare ist - als Zitat eines Textes von Mika Taanila in der finnischen Zeitschrift framework, die ihre Ausgabe 2/2004 zum Thema Medien (bis auf Häppchen) leider nicht online freigibt - in den Hintergrundinfos zur Ausstellung Kuriennemi/Taanila der Londoner HTTP Gallery zu finden.
Weiteres auch auf den Seiten des KIASMA, das seinerzeit die DoD-Tour durch die Kunstwelt schickte.
Dann gibt es noch ein paar deutschsprachige, aber sehr lückenhafte Infos zum DIMI auf den ansonsten extrem reichhaltig ausgestatteten und empfehlenswerten SYNRISE-Seiten von Stephan Dargel.
Und die in diesem Weblog bereits vorgestellten Aktivisten von beige.org haben nach dem Besuch einer Veranstaltung mit Erkki Kuriennemi in Helsinki einen "Dimi-H Prototype v2" entworfen.


Von miss.gunst am 22.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.05.05

Sehnsucht nach dem SuperCollider?

Dem Medium im Hintergrund von HOME MADE ist es nicht entgangen, dass soeben jemand nach dem SuperCollider suchte.
Da mittlerweile Freeware, helfen wir doch gern mit einem Link zur
SuperCollider-Homepage...

Von miss.gunst am 21.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Optical Sound, continued...

Die ausführlichere Beantwortung der gelegenheitshalber bzw. anlassbedingt gestellten Frage "Was war doch gleich ein DIMI?" muss noch mal warten. Akut wichtiger ist es nämlich, auf das derzeit in Zürich stattfindende Internationale Experimentalfilm & Videofestival VIDEOEX hinzuweisen. Mit Optical Sound vom Feinsten - u.a. in den Themenprogrammen "Pure Celluloid: Light, Paint and Scratches" und "Sound, Pixels & Noises", Arbeiten von Thomas Köner sowie einer Wiederaufführung der Berliner Matinee "Der absolute Film" von 1925 mit: Ballet Méchanique von Fernand Léger (hier ein bei antheil.org bereitgestellter Auszug), Entr'Acte von René Clair und Francis Picabia, Diagonal-Symphonie von Viking Eggeling, Rhythmus 23 von Hans Richter (hier ein Standbild aus Rhythmus 21) und Opus I-IV von Walter Ruttmann.
Und natürlich noch unendlich vielen anderen absolut sehenswerten Filmen und Videos.
Wer vor der Fahrt nach Zürich noch einen appetitanregenden Einblick in die Geschichte der Visuellen Musik von 1742 (sic!) bis zur Gegenwart gewinnen möchte, wird hier auf den ansonsten etwas esoterisch angehauchten Seiten von paradise 2021 bedient.

Zum Festival (noch bis 29.05.05) ausführliche Programminformationen bei:
VIDEOEX
international experimentalfilm & video festival
Kanonengasse 20
CH 8004 Zürich
tel 0041- 43 322 08 13 fax 0041- 433 22 08 15
info@videoex.ch
http://www.videoex.ch

Von miss.gunst am 21.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.05.05

Was war doch gleich ein DIMI?

Diese Frage (und einige mehr, die man vorher wahrscheinlich nicht zu stellen gewusst hätte) beantwortet der schon anlässlich der kleinen Hommage an die Nadeldrucker-Symphonien entschieden empfohlene Film "Future Is Not What It Used To Be" von Mika Taanila über den finnischen Elektronik-Pionier Erkki Kureniemmi - anzuschauen im Rahmen von Taanilas Austellung "Human Engineering", die noch bis zum 22.05.05 im migrosmuseum Zürich zu sehen ist. Angesichts der unaufhaltsam fortschreitenden Tage im Kalender muss einfach noch einmal eiligst auf diese Gelegenheit hingewiesen werden.
Dem DIMI gebührt ein Extra-Eintrag. Um Taanilas Ausstellung weiters ein bisschen schmackhaft zu machen, nach dem Blick auf "Optical Sound" noch mal ein zweiter auf weitere Werke, die zu sehen Freundinnen und Freunde des Labors für Medien und Musik Freude machen könnte...

Mika Taanila: Human Engineering

Auf der Manifesta 4 (2002) in Frankfurt fiel seine Installation "Fysikaalinen rengas" ("Ein physikalischer Ring") auf; eigentlich ein 35mmm-Film, der auf Found Footage-Material der Dokumentation einer Experimentalanordnung basiert, das durch den Neuschnitt und dank des Soundtracks von Mika Vainio (Pan Sonic) eine nachgerade hypnotische Wirkung entfaltet und als ebenso schlichte wie schöne Arbeit die Anerkennung, die er 2002 auf der ars electronica erhielt, klar verdient hat.
Der im gleichen Jahr entstandene Film "The Future Is not What It Used To Be" gehörte u.a. auf der berlin biennale 3 (2004) zu den kleinen Highlights: Für das allein schon aufgrund der Fülle raren historischen Materials faszinierende Porträt des finnischen Elektronik-Pioniers Erkki Kurenniemi lohnt es sich, die erforderlichen 52 min. Zeit mitzubringen (die man ja auch sonst für alles Mögliche hat, ergo darf sie getrost auch mal in eine Ausstellung mitgebracht werden. Nicht alles lässt sich in 3' verhandeln).
Zumal der Protagonist selbst eigentlich keinen Anlass für nostalgisches Zurückträumen in vermeintlich gute alten Zeiten frohen Frickelns und ungebrochener Techo-Utopien gibt - dem dürfte die reale Gegenwart vor sein, der zweifellos so, wie sie Kureniemmi seit einigen Jahren lebt, etwas Tieftrauriges anhaftet.
Fragt man nämlich, wie die medien-technologischen Zukunftsvisionen von Gestern heute aussehen, wenn man jemanden davon erzählen lässt, der seit mehr als fünfzig Jahren auf der Überholspur Richtung Übermorgen lebt, dann mündet das in den alten Dokumenten so enthusiastisch vorgetragene Vertrauen in die Zukunft der kybernetisch aufgerüsteten Biomasse letztlich in ein Verbitterung verratendes Eingeständnis eines Scheitern an der Endlichkeit, die an entscheidender Stelle eben doch nicht zu überwinden ist: Der ortlose und neuerdings mit einigem Eifer ja auch von den Hirnforschern ein weiteres Mal dem Tier Mensch aberkannte Zipfel Seele ist schlichtweg nicht den Speichermedien zu überantworten. Auch nicht, wenn man - wie Kuriennemi - seit Jahrzehnten jeden Partikel seines Universums in elektronischen Tagebüchern dokumentiert. Asche zu Asche, Staub zu Staub - das wird früher oder später auch für die digitalen Daten gelten.

Aber wie auch immer. Um nicht in Melancholie zu versinken, kann man sich in der Zürcher Schau im Anschluss an die Sichtung des Films wahlweise in den "Optical Sound" der Nadeldrucker-Symphonien versenken oder eine Runde Robofussball ("RoboCup99", 2000) schauen, wo eifrige motorisierte und kybernetisch frisierte Mini-Mechas dem runden Ding nachjagen, das angeblich die Welt bedeutet (und definitiv zu den Sachen zählt, mit denen sich denkbar viele Menschen erfolgreich vom Wälzen existenzieller Probleme abzulenken vermögen).
Oder in dem ebenfalls klug die Erinnerung an bereits historische Zukunftsvisionen mit einer Gegenwartsperspektive verbindenden Film "Futuro - A New Stance For Tomorrow" (1998) etwas über die UFO-förmige autonome Wohneinheit gleichen Namens lernen, die 1968 von Finnland aus den Siegeszug um die Welt hätte antreten sollen - aber anders als dekorativ designte Ausstattungsstücke aus Glas (bis in die 1980er) oder Mobiltelephone (ab den 1990ern) eben keinen dauerhaften Eintrag in die Hitliste finnischer Exportprodukte schaffte. Schade eigentlich.

Wem das allerdings nicht weiterhilft, nach der Sichtung von "The Future Is not What It Used To Be" sein Gemüt wieder etwas heiterer zu stimmen, der sollte selbigem entweder Taanilas lakonischen Blick auf eine definitive Erfolgsgeschichte zuführen - zu haben in der Installationsversion des 1997 entstandenen Films "Thank You For The Music - A Film About Muzak", die nun den schönen Titel "Stimulus Progression" (2005) trägt. Oder nebenan in der zeitgleich laufenden Ausstellung von Cory Arcangel eine Runde "I Shot Andy Warhol" spielen gehen.

Bis 22.05. im
migrosmuseum für gegenwartskunst
Limmatstrasse 270 - CH-8005 Zürich
tel +41 44 277 20 50
Di, Mi, Fr: 12 bis 18 Uhr
Do: 12 bis 20 Uhr
Sa, So: 11 bis 17 Uhr
www.migrosmuseum.ch

Ausserdem als definitive Linkempfehlung in Sachen finnischer Techno(Musik)Kultur und Electronica die in diesem Eintrag ohnehin weidlich verknüpften Seiten von phinnweb.org, auf denen u.a. auch ein kleiner Einblick in die Geschichte der finnischen Elektronika-Szene geboten wird.

Von miss.gunst am 20.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.05.05

Geräuschmaschinen-Orchester

Gewürdigt werden muss an dieser Stelle nahe liegender Weise, dass Luigi Russolo nicht nur in der Theorie den Geräuschen huldigte, sondern sein Konzept einer Arte dei Rumori auch in die Praxis umsetzte und zusammen mit seinem Kollegen Ugo Piatti ein veritables Intonarumori-Orchester zusammenstellte. Dazu gehörten, wenn man seinem Manifest der Geräuschkunst von 1913 Glauben schenken darf, u.a. so schöne Instrumente wie der "Scharrer", der "Gurgler", der "Dröhner" und die "Heule".
Das "rumoramonio" (zu deutsch: Geräuschharmonium) liess er sich 1921 sogar patentieren.

Ein Bild seines Intonarumori-Orchester findet sich unter anderem – eine schöne thematische Brücke zum HOME MADE-Labor für Musik und Medien schlagend, in Adolfo Núñez' Dokumentation "Pioneros de la Música Electrónica" auf den Seiten des Elektronika-Zines Resonancia. Das seinerseits natürlich noch eine ganze Menge mehr Stoff zum Thema bereithält – und in seiner "Zona Sonora" auch so einiges zum Hören. Wie wäre es (auch für den vergleichsweise jungen Morgen gut geeignet) mit einem Auszug aus Kim Cascones Gravity Handler?

Von miss.gunst am 19.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.05.05

Geräusche

Zur irdischen Sphärenmusik zählen alle jene Geräusche, die das menschliche Ohr zwar wahrzunehmen im Stande ist - aber oft zu filtern oder auszublenden pflegt. Wären es nicht dazu fähig: Der Wahn hätte ein leichtes Spiel. Andererseits lohnt es zweifellos, zuweilen eben dieser Sphärenmusik nachzulauschen - wie schon der bereits erwähnte Luigi Russolo wusste (und je auf ihre Weise auch die Singenden Spannungsbögen und die Symphonien spielenden Nadeldrucker belegen):

"Um sich von der erstaunlichen Vielfalt der Geräusche zu überzeugen, genügt es, an das Dröhnen des Donners zu denken, an das Pfeifen des Windes, an das Prasseln eines Wasserfalls, an das Gurgeln eines Baches, ans Rascheln der Blätter, an den Trab eines Pferdes, das sich entfernt, an das wackelnde Holpern eines Karrens auf dem Strassenpflaster und an den weiten, feierlichen und weissen Atem einer nächtlichen Stadt, an alle Geräusche, die die wilden Tiere und die Haustiere von sich geben und alle jene, die der Mund des Menschen ohne zu sprechen oder zu singen hervorbringen kann. Durchqueren wir eine grosse moderne Hauptstadt, die Ohren aufmerksamer als die Augen, und wir werden daran Vergnügen finden, die Wirbel von Wasser, Luft und Gas in den Metallrohren zu unterscheiden, das Gemurmel der Motoren, die unbestreitbar tierisch schnaufen und pulsieren, das Klopfen der Ventile, das Hin-und-herlaufen der Kolben, das Kreischen der mechanischen Sägen, das Holpern der Tramwagen auf ihren Schienen, die Schnalzer der Peitschen, das Knistern der Vorhänge und Fahnen. Wir werden uns damit unterhalten, das Getöse der Rolläden der Händler in unserer Vorstellung zu einem Ganzen zu orchestrieren, die auf- und zuschlagenden Türen, das Stimmengewirr und das Scharren der Menschenmengen, die verschiedenen Getöse der Bahnhöfe, der Eisenhütten, der Webereien, der Druckereien, der Elektrozentralen und der Untergrundbahnen."*

[Luigi Russolo: Die Geräuschkunst, Mailand 1913;
hier zit.n. ders.: L'Arte dei Rumori, Mailand: Edizioni Futuriste di 'Poesia', 1916; deutsche Übersetzung von von Justin Winkler und Albert Mayr bei klanglandschaft.org, Basel 1999]

* Was folgt, wird an dieser Stelle absichtsvoll nicht mit zitiert - auch wenn es kaum verchwiegen werden kann: Dass Russolo bekanntlich in seine Ode auf die Geräusche auch diejenigen des Krieges einschloss. Wem auch immer diese Musik in den Ohren sind, dem auch nur Bedauern zu schenken fällt denkbar schwer.

Von miss.gunst am 18.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.05.05

Sphärenmusik

A propos Sphärenmusik - für alle diejenigen, die sich möglicherweise wundern, warum sie hier mit dem Sound der Nadeldrucker assoziiert worden ist, aus gegebenem Anlass noch ein Zitat:

"Die Griechen glaubten, die Sonne auf ihrer Fahrt über den Himmel riebe sich an ihrer Bahn und erzeuge so einen Ton, der unaufhörlich und ewig gleichbleibend und deshalb für unser Ohr nicht vernehmbar sei.
Wie viele solcher unhörbarer Laute leben um uns? Eines Tages werden sie zu vernehmen sein und unser Ohr mit Entsetzen erfüllen..."

[Günter Eich: Träume, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1964]

Von miss.gunst am 17.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Symphonien für Nadeldrucker

Dass und wie ein Nadeldrucker klingt, daran werden sich die meisten gerade noch erinnern können. Mehr oder weniger leidvoll vermutlich. Aber dann vielleicht auch an das wunderbare Moment, in dem das monotone Rattern, Hacken, Fiepen und Schnarren – den Selbstschutzmechanismen des Nervensystems sei Dank – auf einmal ins Musikalische kippte und den idealen Soundtrack für nächtliche Schreiborgien lieferte.

Diese sehr spezielle Sphärenmusik scheint dem kanadischen Duo Thomas McIntosh und Emmanuel Madan, a.k.a. The User, noch in den Ohren nachgeklungen zu haben. Jedenfalls haben sie einen ganzen Chorus der guten alten Plotter aus den ewigen Jadgründen des Computerschrotts zurückgeholt und wieder zum Leben erweckt. Per Netzwerk bekommt das Orchester die Noten geliefert, natürlich eine zünftige ASCII-Code Komposition.
Auf ihrer Heimseite stellen die beiden aus ihrer Symphony for Dot Matrix Printers nicht nur verschiedene Tracks fürs heimische Hörerlebnis bereit (etwa: "control to efficiency"), sondern auch ein Filmchen, das sie als eifrige Dirigenten mit ihren singenden und spielenden Maschinen zeigt.

Wer dann Feuer gefangen hat, kann auch die gesamte Symphonie #2, die als CD bei Asphodel erschienen ist, bei e.music.com Track by Track per Download erwerben.

Den besten Ersatz für ein Live-Konzert wiederum bietet Mika Taanilas auf DVD geloopter Film "Optical Sound", der – SchweizerInnen aufgemerkt – noch bis zum 22.05. in Rahmen der Ausstellung zu sehen ist, die das migrosmuseum in Zürich dem finnischen Filmer, Künstler und Electronica-Spezialisten ausgerichtet hat.
Und mal ganz abgesehen davon, dass diese Schau noch weitere Highlights bietet – wie beispielsweise "Future Is Not What It Used To Be", Taanilas Porträt des finnischen Computer-Pioniers und Erbauers des DIMI-Synthis Erkki Kurenniemi – kann man passender Weise nebenan noch bei Cory Arcangel eine Mütze voll herrlich nudelnder Nintendo-Kompositionen mitnehmen (mehr dazu im HOME-MADE WEBLOG hier).

Von miss.gunst am 17.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.05.05

Singende Lichtbögen

Tesla-Spulen sind - vom eigentlichen Zweck und Nutzen der Erfindung einmal abgesehen - eher für die optische Attraktivität der Spannungsbögen bekannt, die sie erzeugen.
Der Spulenspezialist Richie Burnett, der auf seiner Seite so einige sehenswerte Experimente präsentiert, kann die Lichtbögen sogar zum Singen bringen - wie dieses kleine Filmchen demonstriert.
Sein Vorbild und ein Pionier auf diesem Gebiet war der Brite William Du Bois Duddell, der sich 1899 von den zeitgenössischen Lampen entsprechend inspirieren liess - zunächst, weil sie sich beim 'Zünden' geräuschvoll bemerkbar zu machen pflegten.
Da Dudell wohl - anders etwa als Luigi Russolo - dem Alltagslärm weniger zugeneigt war, nahm er sich der Sache weiter an; am Ende scheint es ihm sogar gelungen zu sein, den Klang mit einer Tastatur zu modulieren.
Zu sehen - allerdings leider nicht zu hören - ist eine historische Carbonlampe, wie sie Duddell seinerzeit zum Singen und Klingen brachte, hier auf den schönen Seiten zur Geschichte der Instrumente für Elektronische Musik bei obsolete.com (die derzeit leider etwas instabil laufen - also ggf. mehrmals anpingen, wenn der Link nicht gleich zum Erfolg führt...).

Von miss.gunst am 16.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

15.05.05

Elektro-Musikalisches Lock-Picking

Ein gutes Motto für das Tagwerk des Bricoleurs - und für das HOME MADE-LABOR:

"Computer, Schaltkreise und Prozessoren sind nichts weiter als Dietriche, um in Räume zu gelangen, für die uns der Vermieter erst noch die richtigen Schlüssel geben muss – der Dieb, der zu laut mit ihnen rasselt, findet sich rasch eingesperrt."

[Nicolas Collins in einem Statement über seine Arbeit, zu finden auf den Seiten des Temporären Klangmuseums]

Von miss.gunst am 15.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

14.05.05

Leuchtturm-Leichtbau von Amon Tobin

Für Stunden wie diese an einem unentschlossen blinzelnden Nachmittag ideal geeignet: Lighthouse, das erste Stück aus Chaos Theory, der derzeit jüngsten Produktion vom Amon Tobin. Und insofern nicht einmal off topic, da dessen Debut bei ninja tune vor gut acht Jahren passenderweise den Titel Bricolage trug. "old jazz music with modern technology", wie Ryan Schreiber in seiner Kurzkritik für Pitchfork nicht ganz unzutreffend kommentiert.

Von miss.gunst am 14.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

13.05.05

8-bit to heaven: Cory Arcangel

Angewandte Medienarchäologie: Die alten 8-bit Nintendo-Konsolen kann man auf den Speicher räumen, um sie alle Jahr lang mal herunter zu holen, verträumt anzuschauen - und danach wieder gut zu verstauen, um sie später vielleicht noch den Enkelkindern zeigen zu können. Man kann aber auch den Schraubenzieher plus ein paar andere Werkzeuge nehmen und etwas mehr daraus machen.
Wie Cory Arcangel zum Beispiel...

Cory Arcangel (Beige): Nerdzone I

Glaubt man Cory Arcangel, dann braucht es für den Weg in den Himmel gerade mal 8-bit. Seine "Super Mario Clouds V2k3" (2003) zählen mittlerweile schon zu den Inkunabeln der Gameboy-Hacker-Kunstgeschichte. In diesem Frühjahr sind sie nun in der Schweiz aufgezogen. Zwar nicht im Aargauer Kunsthaus, wo sie eigentlich ebenfalls hingehört hätten, als dieses die ansonsten wunderbare Ausstellung "Wolkenbilder" zeigte. Dafür aber wandern sie noch bis zum 22.05.05 im migrosmuseum übers blaue Pixelfirmament.

Zeit zum Träumen? Nicht unbedingt. Ein paar Schritte weiter ist es nämlich mit dem himmlischen Frieden schon wieder vorbei: In "Super Mario Movie" (2005) lässt Arcangel den pummligen Game-Helden zwar noch ein wenig leben und streben - aber nur, um ihn dann genüsslich mitsamt seiner kleinen Welt in Einzelteile zu zerlegen und die Szene in eine bei längerem Hinschauen und -hören leicht psychedelisch wirkende 8-bit-Variation auf die Filme Oskar Fischinger zu verwandeln.
Derart getunt, empfiehlt es sich, zum chillen eine Runde "Super Slow Tetris" (2004) einzulegen - das allerdings wieder so gemächlich daherkommt, dass nach kurzer Zeit sicher auch das friedfertigste Gemüt über genug Adrenalin verfügt, um zum Shooter nebenan zu wechseln. Schön, dass man bei "I Shot Andy Warhol" (2003) richtig losballern darf. Weniger schön, dass es es nicht nur Punktabzug gibt, wenn man daneben liegt, sondern auch, wenn man den Falschen trifft. Was sich spieldidaktisch in diesem Fall auf die Formel bringen lässt: Mag sein, dass für fünf Minuten jeder ein Star sein kann - aber nicht jeder, der einem vor den Lauf springt, ist ein Künstler. Oder so ähnlich? Dank Mary Herrons gleichnamigem Film über Valerie Solanas sollten allerdings auch Spätgeborene erfahren haben, dass mit Treffern tatsächlich nicht immer zu punkten ist - selbst, wenn man Warhol persönlich vor der Kimme hat. Oder so ähnlich.

Besser ist es in jedem Fall, die destruktiven Energien in Konstrukives umzuwandeln. Und wie das gehen kann, führt Cory Arcangel dankenswerter Weise ebenfalls gleich vor, mit dem Doku-Video "The Making of Super Mario Clouds" (2004). D.I.Y.
Die Bauanleitung kommt zwar leider als Stummfilm daher, aber auf die Ohren gibts in der Ausstellung sowieso genug. Selbstredend auf zünftiger 8-bit-Konsolenbasis komponiert wie so manches, was Arcangel mit seinen Kollegen vom Programmierkollektiv beige über das gleichnamige Label in die Welt entlässt bzw. distribuiert. Für diejenigen Konsolen-Hardliner, die zwischendurch mal was anderes hören wollen, bietet sich dann noch der "Nipod V2" (2004) an - wie der Name schon ahnen lässt, eine Kreuzung aus dem aktuellen Lieblingsgadget der Generation mp3 und dem der Gamer der 1980er.
In Summa: Ob Video, Game oder Audio - wenn man sich aufs Basteln versteht, braucht's für den Weg in den Himmel vielleicht wirklich nur 8-bit.
Obgleich selbst kein Konsolen-Nerd schon fast überzeugt, empfiehlt miss.gunst an dieser Stelle daher wärmstens, bevor man gleich selbsttätig ganz ins 8-bit Nirvana abfährt noch die folgenden anregenden Umwege zu nehmen:

Bis 22.05. einen Abstecher ins
migrosmuseum für gegenwartskunst
Limmatstrasse 270 - CH-8005 Zürich
tel +41 44 277 20 50
Di, Mi, Fr: 12 bis 18 Uhr
Do: 12 bis 20 Uhr
Sa, So: 11 bis 17 Uhr

...sowie eine kleine Surftour zu...
Cory Arcangels Heimseite: www.beigerecords.com/cory
beige records: www.beigerecords.com
beige programming ensemble: www.post-data.org/beige/

Von miss.gunst am 13.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

12.05.05

Mousey (Bewegliche Teile, ff.)

Noch so ein schönes bewegliches Teil. Im Alltag muss man normalerweise noch klassisch Kraft einsetzen und die kleine Masse sanft beschleunigen, damit sich am Bildschirm (bzw. 'dahinter' bzw. 'darunter') etwas in Gang setzt. Doch, doch: Computermäuse sind auf ihre Weise so träge, dass mancher schon seine manuelle Motorik ähnlich arg überstrapaziert haben soll wie weiland der ehrgeizige Sportsfreund den Tennisarm.
Findige Bastler bieten nun mit "The Fine Art of Making 'Frankenmice'" eine ideale Alternative an: Mit etwas Fingerfertigkeit und technischem Geschick wird eine ausgediente Computermaus zu "Mousey" - einem possierlichen Robotertierchen, das flink seiner eigenen Wege huschen kann...
Die Anleitung gibt's aktuell beim Kultmagazin für Elektronik-BastlerInnen MAKE als appetitanregendes pdf.

Von miss.gunst am 12.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

11.05.05

Basteln / Bricolage

"Der Bastler ist in der Lage, eine große Anzahl verschiedenartigster Arbeiten auszuführen; doch im Unterschied zum Ingenieur macht er seine Arbeiten nicht davon abhängig, ob ihm die Rohstoffe oder Werkzeuge erreichbar sind, die je nach Projekt geplant oder beschafft werden müssten: die Welt seiner Mittel ist begrenzt, die Regel seines Spiels besteht immer darin, jederzeit mit dem, was ihm zur Hand ist, auszukommen [...]"

[Claude Lévi-Strauss: Das wilde Denken, Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1968
(frz. O.A.: La pensée sauvage, Paris: Plon 1962)]

Von miss.gunst am 11.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Bewegliche Teile

Noch bis zum 26.06.2005 ist im Museum Tinguely in Basel die Ausstellung "Bewegliche Teile. Formen des Kinetischen zu sehen".
Ein wahrer Hort für Werke, die je auf ihre Weise die hohe Kunst der Bricolage als DIY-Disziplin demonstrieren. Diesmal darunter auch einige, die sich durchaus für den Hausgebrauch empfehlen könnten: Zum Beispiel als Arte Povera-Alternative zum Aibo Fernando Palma Rodriguez' "Jetzt kommen die armen Halter ins Haus" (2004) oder Christian Zwannikens "Frantic Diggers" (2004), die möglicherweise als Helferlein fürs Umgraben des heimischen Kleingartens taugen.
Und der Klang? Kommt bei beweglichen Teilen meist wie von selbst ins Spiel. Einfach hingehen, anschauen und hinhören...

Di-So 11-19 Uhr (Mo geschlossen)
Museum Tinguely Basel
Paul Sacher-Anlage 1
CH-4002 Basel
T- +41-61-6819320
www.tinguely.ch

Von miss.gunst am 11.05.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)