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16.06.05
Again (Aitken)
... and then ... everything begins again ...
Diesmal also keine Projektionen, die sich, wie sanft auch immer, traumsicher durch die Netzhaut hindurch hinter die Augen schrauben und irgendwo dort einzunisten scheinen. You can't stop, und so war das nicht nur mit jener Installation aus 2000, die sagte, was sie tat und war, wie sie hiess: I am in you.
Diesmal stehen Menschen, mitten im Jahrmarktsgetriebe der Messehalle und doch aus der Welt, auf einer weissblauen Teppichinsel, offenbar gefesselt von etwas, das von fern wie eine seltsame Kreuzung aus Stranddusche und Antenne ausschaut. Genauer gesagt, sie stehen nicht, sondern bewegen sich langsam, schlafwandlerisch, den Blick zu Boden gesenkt oder glasig ins Nirgendwo gerichtet, den mählichen Drehungen dieses Dings folgend, das sie in ihren Bann geschlagen hat: Doug Aitkens "skyliner (two disappearing points)".
Eine "sonic mobile sound sculpture", wie der Katalog auf putzige Weise nah an der Redundanz erläutert und dabei doch das Wesentliche verfehlt. Was man allerdings auch nur schwer in schnöden Worten vermitteln kann: Eben jenen Magnetismus einer sich zunächst einmal ziemlich sanft ans Ohr anschleichenden Atmosphäre, die Raum ist, bevor Du es richtig realisiert hast und Dich nicht mehr so einfach loslässt. Sondern Dich ein Stückchen und noch ein Stückchen mitzieht, dann vielleicht weiterreicht dorthin, wo es auch Worte gibt, Satzfetzen, möglicherweise eine Geschichte – die der Wind aber längst wieder zerstreut hat, wenn Du genau hinhören, sie Dir noch ein zweites Mal erzählen lassen willst. Nur um sicher zu gehen, dass Du Dir das alles nicht eingebildet hast.
Aber da hast Du, fast wie im wirklichen Leben, keine Chance, weil sie sich immer neu zusammensetzt. The ponys, they go round and round – doch die Runde, die Du drehst, wird kein zweites Mal dieselbe sein und wenn Du die Geschichte mit jemand teilen willst, dann muss dieser Mensch sehr nah und mit Dir sein.
Aitken selbst hat seine Arbeit anlässlich der Präsentation des Prototyps, vergangenes Jahr in Barcelona (wo seine Ausstellung den wunderbaren Titel "We're safe as long as everything's moving" trug; auch dies übrigens Worte, die der skyliner flüstert), beschrieben als
"an attempt to create a work that is a visual stimulus. It’s sound... only sound waves. But sound waves are extremely precise and sculptural and take on forms. I’m interested in the idea of the in-material; this idea of making works of art that are invisible. Is it feasible to take graphic narration and convert it into sonic narration? Is it feasible to take a literary narration and create sound out of it? It’s an offering to the spectator so that they can really get into the work, move around in it and discover those different aspects of the sound that allow them to organize their own experience based on it. I’d like it to be a very generous work: I’d like it to offer the spectator the chance to go in, spend a little time there, discover something and then leave. Unspoken suggestions, fragments of conversations, sounds that evoke certain memories as responses. I see it as a fortuitous, controlled composition. Controlled in the process of its creation and fortuitous in the way it is offered to the spectator."
Das ist auch schön gesagt, aber reicht noch immer nicht an das heran, was der skyliner tatsächlich schenken kann. A very generous work. Wie wahr.
Doug Aitken: "skyliner (two disappearing points)" (2004/2005)
[303 Gallery/N.Y. - Presenhuber/Zürich - Miro/London]
Noch bis 20.06. im Rahmen der Art Unlimited / Art Basel 36
www.ArtBasel.com
Von miss.gunst am 16.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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