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28.06.05

Kleine Pause

Das Medium von HOME MADE hat zu vermelden, dass aus übertragungstechnischen Gründen sehr wahrscheinlich eine klitzekleine Zwangspause eingelegt werden muss.
Aber keine Sorge: So nicht gänzlich Unerwartetes dazwischen kommt, wird es Freitag, Samstag – spätestens aber Sonntag wieder weitergehen.

Bis dahin also. Und: Bleibt treu!

Von miss.gunst am 28.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Das Ende des Mondes (Anderson)

Schliesst eigentlich ganz gut an die sterbende Sonne an: Aus gegebenem Anlass ein Hinweis auf The End of the Moon, die Konzertperformance, mit der Laurie Anderson CH-nah am heutigen Abend beim Stimmen-Festival in Lörrach gastiert.
Und eine kleine Verneigung vor dem Oeuvre hat Anderson als Veteranin des "doing strange things with electricity" an dieser Stelle sowieso verdient.

miss.gunst kann sich noch gut an den Moment erinnern, als da auf einmal Eine sang, was zuvor ein Anderer in seinen Texten versprochen hatte: Dass die Sprache ein Virus ist. Nicht nur wie einer funktionieren kann, sondern einer ist.
Bei Burroughs wusste man damals ja nie so richtig, ob ihn seine Lektüren einschlägiger Quellen nicht doch zu sehr gehirngewaschen hatten - was natürlich, andererseits, der beste Beleg für seine These gewesen wäre. Während er nun also zu United States mit Anderson auf der Bühne Tango tanzte. Klar: wie stets Daddy Cool, aber immerhin mal nicht von den zarten Epheben umgeben, die sonst so in seinem Fahrwasser segelten. Über den Show-Effekt hinaus sprach das doch einmal mehr dafür, dass es bei seiner einprägsamen Formel eben nicht ums Unterschreiben einer verschwörungstheoretischen Bankrotterklärung gegangen sein konnte. Sondern: Um Souveränität. Sic.

Aber wie auch immer - weil hier eigentlich nicht Oden auf den guten alten W.S.B. angestimmt werden sollten, sondern für Frau Anderson die Trommel gerührt:
Mehr zur aktuellen Arbeit – insbesondere für diejenigen, die sowohl ihre Retrospektive in Düsseldorf verpasst als auch verabsäumt haben, den begleitenden Katalog zu erstehen – zum Beispiel in einem Interview, das von ihrer Produktionsfirma pomegranatearts ins Netz gestellt wurde, oder in einem anderen aus der Newsweek von 2004. Und last but not least natürlich auch der Anker zu ihren Heimseiten mit weiterem Material, wenngleich bedauerlicherweise nicht ganz up to date. Auf welche Daten Anderson am Ende des Mondes gestossen ist, wird bis auf weiteres also am Besten bei ihr selbst in Erfahrung zu bringen sein.

Von miss.gunst am 28.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.06.05

Während wir so reden (Lyotard, Santos)

Während wir so reden
wird die Sonne immer älter.
Sie wird in viereinhalb Milliarden Jahren
explodieren.
Mit ihrem Ende
werden auch alle unbeantworteten Fragen
am Ende sein.
...
– ohne Antwort zwar,
aber untadelig formuliert.*

Das klingt überzeugend. Und wie zum Beweis, noch überzeugender als seinerzeit bei der Lektüre des Originals, Jean-François Lyotards Überlegungen zur Frage "Ob man ohne Körper denken kann" (1986, eingegangen in seinen Essayband L'inhumaine, Das Unmenschliche). Weil es hier ein Körper denkt. Und spricht.

Mehr nicht, und trotzdem ist es genau dies, was die entscheidende Differenz einträgt – obschon man Lyotard selbst durchaus ein gewisses Geschick im fleischlichen Formen der Worte zugestehen kann, so sehr er auch mit der Negation des Fleisches ringt.
Und wie leicht lässt er sich nun lösen, sein Zweifel. Tatsächlich ein ganz schlichtes Arrangement, dieser Vilm (16 mm, dann auf Video-DVD) von Lucinda Miranda Santos – fast eine Zufallsbegegnung übrigens auf dem Weg zur dorkbot-hacienda im Zürcher Walcheturm. Aber sofort eingefangen worden von diesem denkenden Körper und diesem verkörperten Denken. Was sich sicher auch dem suggestiven Singsang verdankt, den Santos aus Lyotards Zeilen gedreht und in ihren Loop eingespeist hat. Vor allem jedoch dem denkenden, sprechenden Körper, der sie rezitiert. Ein Bild, das bleibt.

  • Die Daten:
    Noch bis 02. 07. 2005
    Lucinda Miranda Santos: Ein Lächeln im Kosmos (2004)
    * Text nach: Jean-François Lyotard, Ob man ohne Körper denken kann (1986)
    Noch bis 02. 07. 2005
    Kunstraum Walcheturm
    Kanonengasse 20
    CH-8004 Zürich
    www.walcheturm.ch

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    26.06.05

    Finden

    Das Medium von HOME MADE teilt mit, dass zum besseren bzw. einem anderen Auffinden, als es das Weblog-eigene Suchmaschinchen anbietet, ein Extra-Index eingerichtet worden ist.
    Extern, willkürlich und subjektiv. Und ziemlich unelegant HTML-handgestrickt (ob eines schönen Tages und intern eine alternative Applikation angeboten werden kann, wird sich weisen - da übt die Perlenkettenweberin lieber noch ein wenig...).

    Aber immerhin. Oder?

    Von miss.gunst am 26.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    25.06.05

    Helle Schatten (Dreyer, Von Haußen)

    At aabne efter min Dod. Kaum zu glauben, dass diese Botschaft einen Tag einleiten kann, der sich direkt ins Herz schliessen lässt? Doch, das geht. Man muss nur wissen wie. Und mit Null beziehungsweise um Null Uhr beginnen...

    Beispielsweise in Bremen, wo Lilian von Haußen heute zur bezeichneten Stunde ein Mitternachtskonzert zu Carl Theodor Dreyers Film "Vampyr" gegeben hat.
    Das dann noch lange angenehm nachklingt in den Ohren, ebenso wie Dreyers Bilder im Kopf.

    "Vampyr" ist ein Klassiker, aber kein typischer Vertreter seines Genres. Ein durch und durch lichter Film. Kaum Hinweise auf das Erbe des Expressionismus, eher ein ziemlich eigenwilliges und auch erfinderisches Arbeiten mit kleinen Gesten. Schatten, die sich selbständig machen – aber weit davon entfernt sind, dämonisches Pathos zu entwickeln. Erdklumpen, die rückwärts auf die Schippe fliegen. Beerdigung bei lebendigem Leib mit Fensterplatz im Sarg. Ersticken in einem Berg rieselnden Mehls.
    Alles offenen Auges – nur, dass am Ende eigentlich keiner mehr weiss, ob er nun wacht oder träumt. Der Schauer entsteht überhaupt mehr aus den Randgeräuschen: Wenn sich die unruhigen Wolkenzüge am Himmel reiben, Fensterläden klappern, Blätter zittern.

    Auf genau dieses Rauschen, Flüstern, Schleifen, Lispeln und Knispeln konzentriert sich Lilian von Haußens Konzert – wirklich ein Konzert, keine Nach- oder Neuvertonung, sondern ein ziemlich zärtlicher, aber zugleich bestimmt einen eigenen Faden verfolgender, filigrane Verästelungen wachsen lassender Parallelprozess.
    Akustische Gesichte, die in den Nervenenden zu singen beginnen.
    Und Dich in den Tag begleiten, wie Dreyers helle Schatten in lichter Nacht.

  • Die Daten:
    Lilian von Haußen: "At aabne efter min Dod"
    Mitternachtskonzert zu Carl Theodor Dreyers Film "Vampyr"
    War: 26.06.2005 um 0.00 Uhr / Medien-Coop e.V. Bremen
    im Rahmen von "On Rules and Monsters. Horror und Transgression"

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    24.06.05

    Erbsensuppe (Collins)

    Im Radar von HOME MADE sind in diesen Tagen wieder Aktivitaeten von Nic Collins auszumachen. Diesmal in Berlin, wo er in der hoergalerie (der) singuhr seine Installation pea soup aufgebaut hat.

    Ein Soundzipfelchen für die Öhrchen aus einer älteren Aufnahme gibt es beim bayimproviser.com-Netzwerk;
    und wer noch ein bisschen Kont-Text nachlesen möchte, kann das beim Neue Musik/Sound-Performamce Spezialisten Volker Straebel tun, der 1997 anlässlich eines Konzerts in Berlin einen kleinen Artikel schrieb.

    Alles das ersetzt aber natürlich nicht: Hinfahren, hinhören.

  • Die Daten:
    Nicolas Collins: Pea Soup
    Noch bis 31.07.2005
    singuhr - hoergalerie in parochial
    Waisenstraße 28 - D-10179 Berlin
    Do-So 14-20 Uhr
    Lange Nacht: 31.07.2005 bis 24 Uhr
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    23.06.05

    Role Model (8 bit)

    Noch mal drin, was draufsteht. nomen est omen. Jedenfalls für alle Gameboy-Orchesterleiter und –Hausmusiker. Role Model, dem wir die Weichware LittleSoundDJ verdanken, kommt nach Zürich in die Rote Fabrik und wird dort zusammen mit Goto80 (am C64) live aufspielen.
    Mit Support von monoblock b + john player + wanga.

    Vorher gibt's für Wissbegierige und Lernwillige noch einen Workshop – und wer die LSDJ Software dann gleich erstehen und mitnehmen möchte, möge eine Gameboy-Cartridge in der Tasche haben.

    Kurzum: Eine weitere Perle auf unserem 8 bit to Heaven-Strang...

    Die Daten:
    Donnerstag, 23.06.05 ab 19 Uhr
    Rote Fabrik, Seestrasse 395, Zürich

    Arrangiert wurde das Ganze von micromusic.net
    ... wo miss.gunst, beiseit bemerkt, gelegentlich ihr Chat-Orakel offeriert.

    Von miss.gunst am 23.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    22.06.05

    dorkbot hacienda

    Zur Abwechslung mal von der praktischen Seite: Drin was draufsteht.
    Dass dorkbot mittlerweile eine aktive Schweizer Filiale hat, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Wer die letzten Abende verpasst haben sollte, an denen "Menschen, die seltsame Dinge mit Elektrizität machen" (so lautet nämlich die dorkbot-Parole: "people doing strange things with electricity") ebendiese Dinge vorstellen, bekommt am heutigen Mittwoch (22.06.05) eine neue Chance...

    dorkbot swiss lädt zur Hacienda in und vor den Kunstraum Walcheturm.

    Schon ab 12 Uhr mittags gibt es dort eine Ausstellung mit Installationen und anderen Arbeiten u.a. von Studierenden des Studienbereichs Neue Medien (snm) der HGKZ Zürich.

    Ab 14 Uhr wird lecker gegrillt und gechillt.

    Und ab 19 Uhr lockt dann nochmal ein volles Programm mit Beitägen von Bruno Spoerri, Matthias Lampe, Marc Bain, Jasch, John Flury, Alejo Duque und Lorenz Schori sowie dazwischen Soundperformances von Roland Roos u.a.

    Last but not least: Wer dann noch nicht der Medien und Musiken müde ist, darf noch bis 24.15 Uhr (sic!) das Tanzbein schwingen. Oder andere Körperteile. Oder einfach nur die gute Laune.

    Mehr Hintergrundinformationen zum Programm und selbstredend auch zum Grossen und Ganzen auf den Heimseiten von dorkbot swiss.

    Lokation:
    Kunstraum Walcheturm
    Kanonengasse 20
    CH-8004 Zürich

    Von miss.gunst am 22.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    21.06.05

    Wie Wolken klingen

    Wenn Gottheit Camarupa, hoch und hehr,
    Durch Lüfte schwankend wandelt leicht und schwer,
    Des Schleiers Falten sammelt, sie zerstreut,
    Am Wechsel der Gestalten sich erfreut,
    Jetzt starr sich hält, dann schwindet wie ein Traum,
    Da staunen wir und traun dem Auge kaum...

    So weit bekanntlich der gute Geheimrat Goethe in seinem Herrn Luke Howard gewidmeten Wolkengesang.
    Oder ob wir es doch lieber mit Percy B. Shelley halten wollen?

    Wie auch immer: Weil aktuell gerade mit dem Kopf in den Wolken, darf heute an dieser Stelle landen, was es andernorts – wo es mehr um das, was Bilder à l'interieur de la vue zu Sehen geben geht – leider nicht aus dem Zettelkasten schafft. Und klangbezogen wiederum in den Radius von Musik und Medien passt...

    ...wie zum Beispiel, nachgerade Klassiker des Metiers, die Linzer Klangwolken – die es mittlerweile sogar zu eigenen Webseiten gebracht haben.

    Eine Verbindung von den Geräuschempfangsgehäusen zu den Bildern, die dann in der weichen weissen und selber wohl etwas wolkigen Zone entstehen, die zwischen ihnen liegt, lässt sich mindestens so gut aber auch über andere Klänge schlagen.

    Etwa über Seth Nehils "Tracing the Skins of Clouds" (1998), wo man sich nachgerade ordnungsgemäss von Stratus- über Cirrus- zu Nimbus-Wolken vorarbeiten kann. (Beiseit geflüstert: Gar nicht schlecht kommt es übrigens, ganz unbotmässig alle drei gleichzeitig am akustischen Himmel aufziehen zu lassen...)

    Nehils aktuellere Produktionen, die beim auch sonst so einige Leckereien feilbietenden Label Sedimental zu finden sind, widmen sich wieder anderen Themen. Trotzdem vielleicht hier hervorzuheben: Die Kooperation "Sunder/Unite" (2003) mit Olivia Block (hier eine Hörprobe) - die ihrerseits die Wolken immerhin auf dem Cover eines älteren Solo-Release figurieren lässt: "Pure Gaze" (1999). Und möglicherweise nicht nur dort? Das entsprechende Soundzipfelchen verspricht durchaus mehr.

    Immerhin in voller Länge zu hören, doch etwas zu sehr Volksmusik, um weitergehend ins Wolkenträumen geraten zu können, sind dagegen die Regenwolken (Boroonii uul) aus den "Sounds Of Mongolia" des Ensemble Egschiglen. Und mitten in den Achtzigern landen wir wiederum mit dem "Sound of Clouds", den die Teslawaves aus den Niederlanden auf ihrer Heimseite anbieten. Jenseits von Nostalgieschüben auch nicht ganz das Wahre, ungeachtet des vielversprechenden Namens.

    Geeigneter wären da sicher andere Klänge. Definitiv: Steve Rodens "Music for Clouds" (2002), die im Netz aber leider nicht akustisch aufzurufen ist. Verständlich, insofern sie auch nicht vor dem Bildschirm, sondern nahe liegender Weise im Liegen gehört werden will. Mit den Wolken im Kopf und nahe am Himmel sozusagen.

    Weiter weg vom Firmament tragen dann die Forschungen der Arbeitsgruppe Audioclouds, die tatsächlich wearable computer entwickelt, die 3 D-Sound als output und Kopf, Hand und Aktion mit dem Gerät als input nutzen. Wem das zu abstrakt klingt und auch nach dem Besuch ihrer Heimseite noch bleibt: Einführendes dazu gibt es auch im networked_performance-Blog von turbulence.org zu lesen. (Beiseit: Ein Link, der wiederum durchaus auch sonst in den Radar von HOME MADE gehört).

    Last but not least: Für echte Fans der frei flottierenden Assoziationen – was die Relation von Wolken und Sound angeht, allerdings durchaus präzis zum Thema: Ein Artikel über schier phantastische Kondens(ations)wolkenbildungen, die beim Durchstossen der Schallgrenze entstehen.
    Wie hätte Goethe die wohl in seiner Dichtung untergebracht?

    Von miss.gunst am 21.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    20.06.05

    Oh my God (It's Egoexpress)

    Schwungvoller Start in die Woche gefällig?
    Das Medium von HOME MADE empfiehlt – und folgt da gerne, auch wenn es sonst nicht mehr so leicht fällt wie früher mal – der SPEX:
    Abfahren mit/auf Egoexpress
    - und bitte, wenigstens für's* erste, die Album-Version anwählen.
    Sonst verpasst man eine der schönsten existenziellen Fragen, welche Menschen, die Musik mit Medien machen, überhaupt gestellt werden kann.
    [Für den Fall, dass die Spexler ihre Tonprobe wieder lahmlegen: hilft leider nicht viel, auf den Heimseiten von Egoexpress selber nachzuhören, da hat es nur ein Zipfelchen des schönen Liedchens. Aber bis dahin haben sowieso alle die Scheibe, oder?]

    *PS:
    Liebes Korrekturprogramm,
    Folgendes muss ich Dir heute einfach mal schreiben. Ich wäre wirklich die allerletzte, die als Fan des fiesen Genetiv'"s" zu gewinnen wäre, den bzw. das es ja nun eigentlich gar nicht gibt. Niemals werde ich das sein und nie werde ich das werden. Und mir lieber eine Pizza holen, die am Bahnhof auf dem Boden liegt, als bei "Feinschmecker's Imbiss" Austern zu schlürfen.
    Aber zwischen "für" und "s" fehlt in diesem Fall doch ein "da". Was also etwas völlig anderes ist. Will sagen: Da-s sollte man nicht strichlos unterschlagen dürfen, oder?
    Findet jedenfalls
    Deine miss.gunst.

    Von miss.gunst am 20.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    19.06.05

    Now I See (Sala)

    Dunkelheit. Die dann vom Flickern eines Stroboskoplichts zerrissen wird. Als nächstes kreischt eine E-Gitarre auf, Spots on, Auftritt der Band: Schlagzeug und Bass zur Gitarre, drei Jungs, die sich richtig ins Zeug legen, soll ja noch was werden aus ihnen – und mindestens wie es auszusehen hat, das wissen sie schon. Könnte eins der üblichen MTV-Videos sein, wie es sie bald nicht mehr geben wird, wenn Musik nur noch in Form von Klingeltönen auf den Bildschirm darf, erst den grossen, dann den kleinen auf dem Mobiltelefon. Nun, egal, was morgen kommt – jetzt ist jetzt und jetzt geht es erst mal ab auf der Bühne. Da wird in die Seiten gegriffen und in die Grätsche gegangen, wird sich auf dem Boden gewälzt und mächtig geschrieen und geschwitzt. Wie es sich gehört, wenn man diese Musik nicht nur hört, sondern auch macht.
    Doch dann wird auf einmal alles anders.

    Das heisst, zunächst bemerkt man das Ding kaum. Für den Bruchteil einer Sekunde blinzelt es durch das Stroboskoblicht in die Kamera, die sich erst einmal gar nicht für es interessiert, schon wieder an den anderen Körpern dran ist, die sich weiter in ihren Konvulsionen winden und spreizen. Aber da war etwas, oder nicht? Also noch einmal hingeschaut, tatsächlich: Fast unsichtbar ist es im Halbdunkel des Bühnenrands, bewegt sich jetzt, scheinbar jenseits der Schwerkraft. Und so ist es auch, eigentlich lächerlich: ist ein kleines, aus Luftballons zusammengedröseltes Tierchen, kaum Gestalt oder eben eher die Ahnung von einer. In diesem Moment passiert es: Die Welt um dieses unscheinbare Ding verstummt, versinkt. Nur noch sein Schweben ist da jetzt, und jetzt kann man es auch hören, sieht es aufsteigen und taumeln und treiben, während die Musik eine völlig andere geworden ist. Das heisst: Im Hintergrund trommeln und schrammeln sie noch immer, werfen und wälzen sie sich. Jenseits und fern. Wie in einem Traum, der nicht mehr ihnen gehört, sind sie nurmehr das, was sie vielleicht schon immer waren: Three imaginary boys.
    Ja, jetzt sehe ich es.

  • Die Daten:
    Anri Sala: "Now I see" (2004)
    9'05'', 35 mm Film
    Starring: Trabant (IS)
    Courtesy: Hauser & Wirth
    war zu sehen im Rahmen von:
    ART FILM / Art 36 Basel, Stadtkino Basel
    am Donnerstag 16.06.2005
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    18.06.05

    Performance von Bepler, Konzert mit Bestie

    Das Medium von HOME MADE möchte mindestens diejenigen, die sich in diesen Tagen in der Regio Basilensis bewegen (und das dürften artanlassgmeäss ja nun nicht wenige sein), noch eiligst auf folgende Veranstaltung hinweisen:
    Schon seit Donnerstag (16.05.05) und noch bis Sonntag (19.06.05) findet in Basel das Electronic Music Festival statt, welches das Elektronische Studio der Hochschule für Musik ausrichtet.

    Wie günstig, das gerade noch rechtzeitig insbesondere das Programm des heutigen Samstagabends im Gare du Nord empfohlen werden kann.
    Ab 20.00 Uhr gibt es zunächst ein Konzert mit dem Birmingham ElectroAcoustic Sound Theatre (B.E.A.S.T.).
    Und ab 22.00 Uhr finden mal so eben der Pure Data-Guru Miller Puckette und der in den letzten Jahren nicht zuletzt für seine Musik zu Matthew Barneys Cremaster-Zyklus bekannt gewordene Jonathan Bepler zur Performance zusammen.
    Das lässt sich auch von den diversen art-Parties, auf denen auch in diesem Jahr wieder bevorzugt Künstler mit ihren Bands aufspielen, nicht so leicht toppen.

  • Die Daten:
    Electronic Music Festival
    des Elektronischen Studio der Hochschule für Musik Basel
    Gare du Nord
    Noch bis 19.06.05
    Konzerte ab 20.00; Performances ab 22.00 Uhr

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    17.06.05

    Vielleicht (Majakovskijs Melodie)

    Die Farbe direkt aus dem Becher verspritzend
    hab ich die Karte des Alltags bestrichen;
    aus einer Schüssel Sülze gezogen
    zeig ich des Meeres Wangenbogen.
    Von Blechfischschuppen las ich viele
    Rufe neuer Lippen vor.
    Und ihr?
    Könntet ihr ein Nachtlied flöten
    auf einem Wasserleitungsrohr?

    [Vladimir Majakovskij: Und könntet ihr?, 1913*]

    Vielleicht ist es wirklich so, dass wir uns Majakovskij heute als alten Mann vorstellen müssen. Der mit anderen russischen Immigranten in einem Birkenwäldchen bei Berlin Szenen einer Ausreise nachspielt, die längst von einer Ankunft überholt worden sein müsste. Wie in Clemens von Wedemeyers Film Weggang / Leaving.

    Die Zukunft hat also nicht stattgefunden. Bleibt die Musik dieser Zeilen, immerhin. Bei Wedemeyer eher fern, vom Dichter selbst (in "Mayakovky's Room") mehr skandiert als gesungen.
    Lesen wir es also lieber leise selbst und finden eine eigene Melodie.

    * In dieser Übersetzung zitiert nach der deutschen Fassung des Filmskripts zu:
    Clemens Wedemeyer: Weggang / Leaving (2005)
    bei Jocelyn Wolff auf der Liste Basel.
    Noch bis 19.06.2005.

    Von miss.gunst am 17.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    16.06.05

    Again (Aitken)

    ... and then ... everything begins again ...
    Diesmal also keine Projektionen, die sich, wie sanft auch immer, traumsicher durch die Netzhaut hindurch hinter die Augen schrauben und irgendwo dort einzunisten scheinen. You can't stop, und so war das nicht nur mit jener Installation aus 2000, die sagte, was sie tat und war, wie sie hiess: I am in you.
    Diesmal stehen Menschen, mitten im Jahrmarktsgetriebe der Messehalle und doch aus der Welt, auf einer weissblauen Teppichinsel, offenbar gefesselt von etwas, das von fern wie eine seltsame Kreuzung aus Stranddusche und Antenne ausschaut. Genauer gesagt, sie stehen nicht, sondern bewegen sich langsam, schlafwandlerisch, den Blick zu Boden gesenkt oder glasig ins Nirgendwo gerichtet, den mählichen Drehungen dieses Dings folgend, das sie in ihren Bann geschlagen hat: Doug Aitkens "skyliner (two disappearing points)".

    Eine "sonic mobile sound sculpture", wie der Katalog auf putzige Weise nah an der Redundanz erläutert und dabei doch das Wesentliche verfehlt. Was man allerdings auch nur schwer in schnöden Worten vermitteln kann: Eben jenen Magnetismus einer sich zunächst einmal ziemlich sanft ans Ohr anschleichenden Atmosphäre, die Raum ist, bevor Du es richtig realisiert hast und Dich nicht mehr so einfach loslässt. Sondern Dich ein Stückchen und noch ein Stückchen mitzieht, dann vielleicht weiterreicht dorthin, wo es auch Worte gibt, Satzfetzen, möglicherweise eine Geschichte – die der Wind aber längst wieder zerstreut hat, wenn Du genau hinhören, sie Dir noch ein zweites Mal erzählen lassen willst. Nur um sicher zu gehen, dass Du Dir das alles nicht eingebildet hast.
    Aber da hast Du, fast wie im wirklichen Leben, keine Chance, weil sie sich immer neu zusammensetzt. The ponys, they go round and round – doch die Runde, die Du drehst, wird kein zweites Mal dieselbe sein und wenn Du die Geschichte mit jemand teilen willst, dann muss dieser Mensch sehr nah und mit Dir sein.

    Aitken selbst hat seine Arbeit anlässlich der Präsentation des Prototyps, vergangenes Jahr in Barcelona (wo seine Ausstellung den wunderbaren Titel "We're safe as long as everything's moving" trug; auch dies übrigens Worte, die der skyliner flüstert), beschrieben als

    "an attempt to create a work that is a visual stimulus. It’s sound... only sound waves. But sound waves are extremely precise and sculptural and take on forms. I’m interested in the idea of the in-material; this idea of making works of art that are invisible. Is it feasible to take graphic narration and convert it into sonic narration? Is it feasible to take a literary narration and create sound out of it? It’s an offering to the spectator so that they can really get into the work, move around in it and discover those different aspects of the sound that allow them to organize their own experience based on it. I’d like it to be a very generous work: I’d like it to offer the spectator the chance to go in, spend a little time there, discover something and then leave. Unspoken suggestions, fragments of conversations, sounds that evoke certain memories as responses. I see it as a fortuitous, controlled composition. Controlled in the process of its creation and fortuitous in the way it is offered to the spectator."

    Das ist auch schön gesagt, aber reicht noch immer nicht an das heran, was der skyliner tatsächlich schenken kann. A very generous work. Wie wahr.

  • Die Daten:
    Doug Aitken: "skyliner (two disappearing points)" (2004/2005)
    [303 Gallery/N.Y. - Presenhuber/Zürich - Miro/London]
    Noch bis 20.06. im Rahmen der Art Unlimited / Art Basel 36
    www.ArtBasel.com
  • Von miss.gunst am 16.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.06.05

    Tout Ben

    Mais oui, das ist etwas für den Zettelkasten. Oder genauer gesagt: Da ist jemand, der in jedem Fall eine entsprechende Erwähnung verdient. Wenngleich auch nicht unbedingt wegen seiner musikalischen Produktionen, die sich eher so nebenbei in den schier unendlich vielteiligen und verzweigten Kosmos nischen, an dem dieser Veteran des D.I.Y.-Prinzips in der Kunst seit den 1960er Jahren bastelt: Ben Vautier.

    Ganz konkret war es nun seine aktuelle Newsletter-Aussendung vom Wochenende, die dem Medium von HOME MADE quasi mit dem elektronischen Zaunpfahl winkte, auf dem Umweg über seine aktuelle Webradio-Produktion gelegenheitshalber auch auf die Heimseite des Meisters zu verweisen. Die fügt sich ihrerseits nämlich derart gut in das Ben-der-Bastler-Prinzip, dass es richtig Spass macht, immer wieder mal in den kontinuierlich wuchernden Pfründen zu wühlen.

    Selbstredend und sozusagen qua Profession ist miss.gunst besonders von den Levitationsübungen und dem Ausflug in die Gefilde der Telephathie angezogen. Und freut sich zudem, dass sich Ben wie sie selbst für die bereits im Lab.Log besungenen Murmura, also die rumeurs interessiert.

    Handfesterem zugeneigten ZeitgenossInnen wiederum darf versichert werden: Ganz ähnlich wie in den reichhaltig bestückten Ladenlokalen, die Ben schon früh zu seiner Spezialität gemacht hat, immer wieder mal in Ausstellungen aufbaut oder in Museen hinterlässt oder eben, und zwar vorzugsweise, im Stadtraum inszeniert, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch auf seinen Webseiten so ziemlich für jede(n) etwas dabei.
    Mutige können zudem seine Newsletter abonnieren, um auf dem Laufenden zu bleiben. Allerdings, Achtung: Der wird von Ben ähnlich konsequent exuberant betrieben wie alles andere auch.

    Von miss.gunst am 15.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.06.05

    Bastelkurse beim Lektrolab

    Wenn es aber nun weder mit Spenden von oben noch mit einem Einkauf im PC Shop von Augst & Beck klappt, dann bietet es sich vielleicht doch an, mit 8 bit zu beginnen. Und beispielsweise einige Lehrstunden des Londoner Lektrolab bei Emma Davidson a.k.a. Lektrogirl und Paul B. Davis zu belegen (genau, dem Mitbegründer des Labels beige.records, auf das bereits im Zusammenhang mit Cory Arcangel verwiesen wurde - dessen Heimseite seit jüngstem übrigens ebenfalls als Weblog funktioniert).

    Im Programm hat das Lektrolab neben Kursen im Konsolentunen unter anderem auch Schulungen in der hohen Kunst des Circuit Bending, wobei sich beides natürlich auch kombinieren lässt.
    Wie ersteres funktioniert, erläutert Paul Davis online auch in einem älteren Interview des Chicago Public Radio (aus 2003) zum 8-Bit-Construction-Set; wie das Ganze konkreter aussehen kann, zeigt wiederum Kollege Cory am Beispiel seiner Super Mario Clouds.
    Anschaulicher wird die Fummelei ansonsten auch in den Workshop-Dokus, die Lektrogirl über das schicke Scroll-Blog-Diary auf ihren Heimseiten zugänglich macht. Wie zum Beispiel diese vielversprechenden Bilder, auf denen charmante Tape-Kreationen von KursteilnehmerInnen zu sehen sind.

    P.S. Gehört zwar nicht unmittelbar zum Thema, aber zu den netten Nebeneffekten des Stöberns im Lektrogirl-Diarium: Speziell SchweizerInnen und FreundInnen der Schweiz werden sich vielleicht freuen, ebendort auch einen freundlichen Fotobericht ueber das kürzlich in Zürich verbrachte Urlaubswochenende der beiden Lektrolaboranten zu finden.

    Von miss.gunst am 14.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.06.05

    Oh Lord, Won't You Buy Me...

    Da braucht es keinen Link auf zwielichtige mp3-Server oder fiese Coverversionen, um mitsingen zu können, oder? KünstlerInnen, die mit digitalen Medien arbeiten – jedenfalls, so sie nicht konsequent 8-bit-Basteln – werden den Liedtext allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach etwas abwandeln und sich vielleicht anstelle einer schicken Limousine lieber einen leistungsstarken Rechner wünschen...

    Wer sich nun nicht aufs Bitten und Beten verlegen bzw. auf milde Gaben von oberster Instanz verlassen will, dem könnte demnächst vielleicht von Kollegen geholfen werden. Oliver Augst und Stefan Beck – gemeinsam seit 1992 (unter anderem) als Augst & Beck aktiv – haben als aktuelles Projekt einen "PC-Shop" aufgesetzt. Davon, dass es etwas geschenkt geben soll, ist zwar nicht wirklich die Rede. Aber irgendwie verheissungsvoll winkt da doch ein Angebot, am 03. Juli über das Kunstradio einen Wunschrechner ausgeliefert zu bekommen.
    Also mal nachschauen, gegebenenfalls Bestellungen aufgeben. Und abwarten, was zum gesetzten Termin passieren wird.
    miss.gunst ist gespannt und wird weiter berichten.
    Und wünscht ihrerseits den Workstationsehnsüchtigen, dass ihnen mehr Glück beschieden sein möge als vor gut zehn Jahren Stefan Beck, als er als eines der ersten webbasierten Projekte bei The Thing New York seine Message to Edward McCracken lancierte – um dem Godfather von Silicon Graphics einzureden, er sei sein verlorener Sohn und, zumal ein armer Computer-Künstler, gleich mehrfach für eine einschlägige edle Spende disponiert.
    Leider ist das Ganze, da dem Konzept entsprechend auf zahlreichen externen Linx ins ehemalige Graphic-Engine-Himmelreich basierend, mittlerweile eine ziemliche Ruine. Kein Wunder, dass Beck die Sache mit den Computern für KünstlerInnen lieber selbst in die Hand nehmen will.

    P.S.
    Wer wissen möchte, was sich andere Leute so der Songline von J.J. entlang wünschen, der muss dem Google-Orakel sei Dank nicht lange suchen. Als da wären z.B. (in der Reihenfolge ihres Auftretens):

    - diverse fahrbare Untersätze
    (darfs dann vielleicht noch eine Tankstelle oder eine Ölquelle dazu sein?)
    - eine Sony-Konsole (na, wer's braucht)
    - ein Apple G4 (war gestern bzw. 2000 und nimmt sich daher schon fast etwas bescheiden aus, aus aktueller Perspektive)
    - ein Kernkraftwerk (war ebenfalls 2000 - ist aber noch immer das ideale Geschenk für Angela!)

    usw., usf.

    Von miss.gunst am 13.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.06.05

    Süsse Schnitte

    Nein. Nicht das, woran Sie jetzt denken. Sondern: Das aktuelle Release des in Basel beheimateten Netzlables interdisco, das unter HOME MADE-Aspekten schon noch seinen eigenen Eintrag im Zettelkasten bekommen sollte.
    Für heute und um einen ersten Appetithappen weiterzureichen bescheidet sich das brave Medium auf die Empfehlung der Produktionen von d'incise, seinerseits Mitglied des Genfer audioactivity-Kollektivs.
    Die sind nämlich bestens geeignet, um nach wie auch immer kurzer Nacht einem strahlenden Sonntag entgegenzuträumen.
    Als Hörprobe hier direktdeepverlinkt: fébrile, alles Weitere (und mehr) unter interdisco.net.

    Von miss.gunst am 12.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.06.05

    The smaller the idea the happier I am

    Sagt Cory Arcangel. In einem Interview, das John Bruneau mit ihm für die aktuelle Ausgabe des verdienten e-Zines Switch geführt hat.
    Und auf welches das Medium von HOME MADE unter anderem deshalb empfehlend verweisen möchte, da hier eine ganze Reihe eben jener Arbeiten diskutiert und teilweise in Form von Videoclips anschaulich gemacht werden, denen vor einiger Zeit anlässlich von Arcangels Ausstellung im Zürcher migrosmuseum ein eigener Eintrag im HOME MADE-Weblog gewidmet war (siehe im Radar: 8-bit to heaven: Cory Arcangel).
    Wie zum Beispiel "I Shot Andy Warhol". Oder auch die (in Zürich nicht präsenten) "Data Diaries" - die man allerdings wohl besser als im Clip auf den Originalseiten bei turbulence.org aufsuchen sollte.
    Lesenswert ist das Interview natürlich ausserdem.

    Von miss.gunst am 11.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.06.05

    Gut so!

    Bleiben wir doch noch einen Moment beim Ausgangspunkt Blick zurück in die Achtziger und von dort aus nach vorn in die Gegenwart. Zu den Neubauten gehörten im Gründungsjahr nämlich auch zwei Damen, die dann allerdings vergleichsweise flugs eine eigene Kombo formierten und eben auch musikalisch fürderhin eigener Wege gingen...

    Auftritt: Beate Bartel und Gudrun Gut, zu dieser Zeit erst mal a.k.a. Mania D (zu den Motiven G. G. in einem Kurzinterview auf ihren miasma-Seiten). Zusammen mit Bettina Köster, Susanne Kuhnke, Christie Hahn und Marion Duursma schrieb Gut schon wenig später unter dem Namen Malaria! NDW-Geschichte (entsprechende Würdigung unter peinlicher URL); den nachgerade legendären Malaria-Track "Klares Kaltes Wasser" (1982) kennen die meisten heute noch/wieder/neu in der Fassung der bzw. mit den Chicks on Speed (et voilà eine Kurzübersicht zu den verschiedenen Versionen).

    Was aber bitte nicht mit einem der üblichen Wiederbelebungsversuche im Zuge des zeitweilig grassierenden NDW-Revivals verwechselt werden sollte. Niemand hätte das weniger nötig als Gudrun Gut.
    1991 gründete sie mit der Kanadierin Myra Davies das Projekt Miasma, das Perfomances, Videos, Texte und natürlich auch Musik produziert, von der es auf den Miasma-Seiten auch online Kostproben zu hören gibt: (unter? dann ausser?) Kontrolle aus miasma1, ein feines Dinner aus miasma2 und liebliche Lilien aus miasma3.

    Ebenfalls regelmässig und mittlerweile auch online sendet Gudrun Gut zudem seit 1993 mit ihrem Ocean Club-Radio wunderbare, seltsame und schöne Muzik. Manchmal auch live, Äther/Kabel aber primär in Berlin, dank miss.gunsts Radiokollegen James Dean Brown im Austausch zudem einmal monatlich auf Radio X Frankfurt – und für alle und alle anderen via Archiv-Stream beim Berliner radio 1.

    Das schöne Sendungsarchiv auf orangorang.org hingegen ist leider wie so mancher Schatz im digitalen Nirvana versunken. Oceanclubradio aquis submersus sozusagen, eben in den unergründlichen Tiefen des Datenmeers.
    Folglich nicht schlecht, zu wissen, dass Gudrun Gut weiterhin auch Handfestes im Angebot hat – auch wenn die Lebenszeit von Tonträgern ebenfalls eine endliche ist, erst recht wenn es um Silberscheiben geht. Jedenfalls, für alle Datenformate, die sich in Regalen schichten und sammeln lassen, empfiehlt sich ein Besuch bei G.G.s Label Monika Enterprises. Auch deshalb, oder? ;-)

    [Und da wir gerade schon am wild werben sind: Die käuflichen mp3s dagegen gibt es derweil bei den Kollegen von kompakt in der entsprechenden Abteilung – die allweil sowieso nicht die schlechteste Adresse sind, um in allerlei Formaten angenehme Audio-Produktionen zu erstehen.]

    P.S. Vom Ocean Club könnte man natürlich gleich zu Thomas Fehlmann weiterpaddeln, Holger Hiller und Palais Schaumburg, Robert Fripp am Ende noch. Aber das dann doch vielleicht ein andermal.

    Von miss.gunst am 10.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.06.05

    Von der Baustelle

    Da wir gerade bei den 1980er Jahren sind, liegt es – gerade auch aus HOME MADE-Perspektive - ziemlich nahe, an eine Formation zu erinnern, die sich unter anderem mit dem exzessiven Spielen von Instrumenten aus dem Heim- und Handwerkerbedarf, Baustellen und Schrottplätzen einen Namen gemacht hat. Genau, die Einstürzenden Neubauten.

    Immerhin kann man aktuell zum 25. Geburtstag gratulieren, den die Neubauten in diesem Jahr begehen oder begangen haben (im Rahmen ihrer Tour vom März/April) – und nach wie vor zu einer ziemlich prima aufgesetzten Webseite, die imhop auch zu den ersten zählte, auf denen eine bekannte Band ihre Musik in mp3-Form selbst zum Verkauf anbot. Bzw. anbietet, denn die Neubauten sind natürlich immer noch gut dabei.

    Wem die Hintergrund-Infos auf den Neubautenseiten nicht genügen oder ob der schicken Aufbereitung zu unübersichtlich sein sollten, der freut sich vielleicht über die minutiös angelegten Disco- u. Bibliographien auf fromthearchives.com.
    Für eine kompakte Einführung taugt dagegen der Neubauten-Eintrag in der wikipaedia recht gut.

    Echte Fans wiederum dürfte es vermutlich auch zu den Heimseiten von Blixa Bargeld ziehen. Angesichts der Fotoserien, die B.B. von den auf Tourneen besuchten Hotelbadezimmern fertigt, muss man sicher nicht gleich in Ehrfurcht erstarren. Aber ein Projekt wie die Temporäre CD-Brennerei (1998 bei CFA in Berlin, dort aber nicht weiter dokumentiert) verdient es schon, erwähnt zu werden. Und gelegentlich mal wiederholt?
    Beiseit: Auf den Seiten von arte kann man übrigens nachlesen, wie sich Bargeld vor einiger Zeit für bares Geld bei einem bekannten Heimwerkerbedarf-Grossmarkt als Werbeträger verdingte (ob der Claim in etwa lautete "Bohren mit Blixa – kommt heftig, aber gut" ist nicht zu erfahren; tatsächlich las der Meister wohl das Kleingedruckte aus dem Angebotskatalog). Menschen mit Zeit zum Fernsehen können zudem just heute (09.06.05) abend in der Sendung Tracks ein Interview mit B.B. ansehen bzw. –hören, das allerdings auf den arte-Seiten auch schon nachzulesen ist.

    Ansonsten hat übrigens auch Neubauten-Neubauer Alexander Hacke eine ziemlich niedliche eigene Webseite, leider nicht ganz so skriptsicher (ggf. über die Sitemap gehen) – aber dafür gibt es im mp3-Bereich immerhin une saison d'enfer bzw. A season in Hell aus dem ersten Purgatory-Konzert vom Januar 2003 . Da das Stück nicht direkt zu verlinken ist und man folglich selbst hinkrabbeln muss, ersatzweise an dieser Stelle ein Bericht über Purgatory #1 (2003) aus dem Berliner Webzine dorfdisco.de (in Inglish) und ein weiterer zur Fortsetzung Purgatory #3 (2003). Im weitesten Sinne in den HOME MADE-Radius passt das Purgatory-Konzept insofern, als es durchaus um das CC-Prinzip eines Geben-Nehmen-Weitergebens und, wenn man so will, um eine Art von Tape Music geht: "Ich lade mir meine Musikfreunde auf die Bühne, jamme mit ihnen so 1 ½ Stunden auf zuvor eingespielten Backingtracks, nehme das Ganze live auf 24 Spur auf und gebe es jedem Mitspieler zur weiteren, freien Benutzung zurück" (in den Worten von Oliver Shunt, der #3 allerdings nicht ganz so einhellig begeistert beiwohnte).
    Schon richtig, Jam Sessions muss man mögen und – zumal, wenn man nur mit den Ohren dabei ist – in der richtigen Stimmung sein. Aber mindestens vermittelt der Ausschnitt aus #1 den Eindruck, dass man es sich sogar in der Hölle (jahres-)zeitweise richtig gemütlich machen kann. Und warum auch nicht? Wer will schon ständig in heftig einstürzenden Neubauten leben?

    Von miss.gunst am 09.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    08.06.05

    Desperately Missing Mixtapes

    Anknüpfend an die Windungen zum Mixtape drängt es das Medium von HOME MADE, das Forum dreist für eine Suchanfrage in eigener Sache zu nutzen. In den 1980er Jahren zählte nämlich zu seinen kleinen Freuden ein in München produziertes Fanzine namens "59 to 1"...

    ... benannt nach dem zweiten Track der legendären Tuxedomoon-Scheibe Halfmute (Tracklisting thx to joeboy).

    Aber zum Eigentlichen: Jede Ausgabe besagten Zines kam mit einem Mixtape erlesener Qualität, eben ausgewählten Independent-Produktionen von Der Plan über Laibach bis zu den Flowerpornoes daher.
    Während die Hefte mittlerweile sorgsam eingemottet auf einem Speicher ruhen (o ja, nur wo eigentlich so genau?), hat an den seinerzeit innig geliebten und viel gehörten Tapes der grausame Zahn der Zeit genagt. Eins ritt im Kassettendeck eines nur gastweise in Tschechien befahrenen Benz in die ewigen Jagdgründe, die Spuren eines anderen verloren sich auf irgendeinem rauschenden Fest, der Rest befand sich schon vor einigen Jahren in einem extrem bejammernswerten Zustand, was die verbliebenen Abspielqualitäten betrifft.
    Seither fragt sich miss.gunst (und regelmässig auch verschiedene Zeitgenossen, bislang jedoch leider vergeblich), ob es nicht irgendwo auf diesem Planeten bzw. dem Einzugsgebiet von 59 to 1 entsprechend mutmasslicherweise im deutschsprachigen Raum jemanden gibt, der oder die seine/ihre Kassetten etwas besser gepflegt oder die köstlichen Kompilationen anderweitig konserviert haben mag?
    Ansonsten wird wohl oder übel irgendwann ein letztes Mal tief geseufzt – oder eben eine Rekonstruktionsorgie nach den Tracklists stattfinden müssen.
    Aber noch ist ja Hoffnung, vielleicht: Selbige nährende Rückmeldungen bitte direkt an miss.gunst.
    Nostalgie, richtig dosiert, rules o.k., oder nicht?

    P.S. Natürlich wurde das Google-Orakel längst und immer wieder mal befragt. Einzige Ausbeute: Der Vermerk zweier Ausgaben (Hefte) im Mailorder-Zine-Archiv des Linzer Ladens Wahn & Sinn .

    P.P.S. Als Dreigabe für heute zum Hören eine neuere Produktion vom Tuxedomoon-Crewmitglied Winston Tong auf dessen Heimseite bereitgestellt.
    Burdens of Passion, aus Miserere (2003). Was wenigstens thematisch passt.
    Tröstlich den Puls beruhigt im Hintergrund allerdings besser die aktuelle Produktion von Vladislav Delay (die nun dort nicht, aber dafür anderes. Weitergraben durch zerrüttete Seiten lohnt in diesem Fall: unter dem Moos summt es fleissig...)

    Von miss.gunst am 08.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.06.05

    Tapes

    Der dezenten Melancholie, die von Gavin Bryars sehr spezieller Tape Music-Komposition ausgeht, lässt sich wahrscheinlich am besten mit einem ffwd entkommen. Prima passen könnte an dieser Stelle natürlich auch ein straighter Ausflug in die Musikgeschichte.
    Aber warum nicht erst einmal das Feld weiter aufmachen...

    ... und zwar mit einem Blick in Robin James' zunächst in Buchform publiziertem Fundus (zum) Cassettenmythos (New York: autonomedia, 1990 und noch immer erhältlich) – der aber angenehmerweise auch online anzuzapfen ist. Und zwar einschliesslich eines schier erschöpfenden Index, der nun wirklich für jedes nur denkbare Stichwort zum Thema die Angel auswirft. Oder fast jedes jedenfalls.

    Nicht, dass das schwarze Band, aus bzw. auf dem – bis dass die Oxidation uns scheidet - so manche Träume waren oder idealerweise eben noch sind, uns nicht in nostalgisches Nachsinnen verwickeln könnte. Vor allem anderen aber lässt sich mit ihm ein gutes Stück HOME MADE-Kultur hochhalten: Be your own recording industry.
    Zugegeben: Schon vor (*ächz*, tatsächlich) gut zehn Jahren lag die Hochzeit des Schnippelns und Frickelns mit roten Öhrchen (jedes Mixtape schliesslich eine Botschaft ganz im besten McLuhan'schen medium-message-massage-Sinn) lange genug zurück, um bei unverhofftem Wiedersehen unverhohlene Freude auszulösen. Nicht zu vergessen der eher bittere Moment im vorvergangenen Winter, als man in der Ausstellung "Kassettengeschichten" Aug' in Auge mit einer Mixtape-Tauschbox stand und eben dran dachte, flink daheim ein nettes Band zu schneiden – nur dass der Doppelrecorder da schon seit einiger Zeit nicht mehr steht. Also lieber weiteren Links ins weltweite Gewebe folgen, wo es immerhin einige Möglichkeiten hat, etwaigen Sehnsüchten Abhilfe zu verschaffen. Um nur eine zu empfehlen: den Tiny Mixtape Generator von tinymixtapes.com.

    Natürlich lässt sich das Verfahren an sich durchaus auf andere Trägermedien übertragen. Nicht von ungefähr wird der alte Klagegesang der Musikindustrie der 1980er – "Hometaping kills music" – heuer wieder gern repetiert.
    Hierzu wiederum gibt es auch im Netz (wo sonst) weidlich Vieles nachzulesen, wer dies etwas ausführlicher angehen möchte, ist etwa mit Niklas Werners Text "mp3 und die Musikindustrie" (2000, dazu ein Shortcut zum Hometaping-Kapitel) schon recht gut bedient.
    Tragfähige Argumente lassen sich allerdings auch schon aus einfachen Analogien beziehen. Wie zum Beispiel aus dieser hier, an die dankenswerterweise der Kollege vom bootsektorblog kürzlich erinnerte.
    Wie wahr, wie wahr. Und überzeugte HeimwerkerInnen wissen: Macht nicht nur mehr Spass, sondern spart auch Geld. Bzw. wichtiger noch: et vice versa.

    Von miss.gunst am 07.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.06.05

    Jesus' Blood (Never Failed Me Yet)

    Vom Wein mit Freunden mitgebracht, eine Wiederbegegnung. Gavin Bryars Komposition auf der Basis einer einzigen Liedzeile: Jesus' Blood Never Failed Me Yet. Gebetsmühle der Selbstversicherung in einem Sein, das seinen Grund längst hinter sich gelassen und doch genau darin hat. Kein Zweifel: This is a weeping song. Aber einer, der fern von Pathos funktioniert.
    Die Geschichte dazu hat Gavin Bryars auf seinen Heimseiten ins Netz gestellt. Wie auch einen kleinen Zipfel Musik – der aber wohl nur denjenigen etwas geben kann, für die er als Trigger taugt, das Tape im Kopf weiterzusingen, low strings, no strings, full strings, full strings: die Stimme weitergebend, coda.
    Jesus' Blood Never Failed Me Yet. Entscheidend ist nicht so sehr dieser Satz als das Unaufhaltsame jener Bewegung, die im da capo al fine liegt. Wer würde sich nicht zu gegebener Zeit eine weitere, nur eine weitere Schleife wünschen?

    Von miss.gunst am 06.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.06.05

    Sprich mit mir

    Eigentlich hätten an dieser Stelle einige zettelkastenreife Bemerkungen zum Thema low tech Robotic Voices stehen sollen.
    Wie weiland Walter Benjamins Angelus Novus von einem kleinen Sturm, der vom Paradiese weht - anstelle von Posaunen allerdings eher von einem Schwung Oszillatorengeheul (thx to Alan Sondheim) etwas abgetrieben, landete das Medium von HOME MADE unversehens im Sound Examples-Gestrüpp einer Studie zur "Synthese von Vokalen mit einem Oszillatormodell unter Berücksichtigung der stimmlosen Anregung".

    Und möchte aus gegebenem Anlass dazu einladen, speziell diesem Pfad zu folgen.*
    Nein, Du bist nicht allein.**

    * Valide nur solange es ihn noch nicht mehr gibt [sic. Der Weg ist das Ziel].
    ** [Nachtrag vom Juli 2005: Tja. Wie geschrieben: Natürlich gibt es, wie auf vielen gut betreuten Seiten, so auch hier im Hintergrund ein braves Script, dass Fehlanzeigen weitermeldet. Anders gesagt: Anstelle der Klage einer melancholischen Maschine wird man, obigem Anker folgend, wieder das vernehmen, was dieser zu bieten verspricht. So solls natürlich auch sein. Nur fehlt dem Medium von HOME MADE jetzt der Zugang zur doch so sehr geschätzen 404-Poesie.
    Glücklicherweise lässt sich sagen: Wer suchet, der wird finden - und das gilt auch, wenn man etwas finden will, das eben dies eigentlich negiert. Wer also die melancholische Maschine singen lassen will und nicht so bösartig ist, einem der oben versammelten Anker zu den wav-files einfach ein paar Phantasiezeichen einzufügen, kann entweder hier - hoffentlich stabil, weil von Award Winning Site Designs gefeiert - auf eine nahezu identisch schöne Ode stossen... oder folgendem Script die Tränen trocknen... solange es es noch gibt...]

    Von miss.gunst am 05.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    04.06.05

    Electric Renaissance

    Für den Fall, dass Halle (nicht irgendeine, sondern die gleichnamige Stadt an der Saale) gerade auf dem Weg liegen sollte, ein eiliger Hinweis auf die seit gestern ebendort im Rahmen der Händelfestspiele gefeierte Electric Renaissance; Schwerpunkt-Thema ist dieses Jahr "Remix".
    Das einleitende Panel ist natürlich nicht mehr einzuholen - aber am heutigen Samstag (04.06.) bis inkl. Sonntag (05.06.) gibt es tagsüber eine Ausstellung mit Installationen u.a. von Erwin Stache, Tilman Küntzel und Oliver Hangl; jeweils ab Mittag ein sattes Programm mit Performances und Konzerten.
    Aus dem Kreis der HOME MADE-HeimwerkerInnen sowohl mit einer Installation dabei als auch allabendlich zum Aufspielen engagiert: Christoph Hess a.k.a. Strotter.
    Der netterweise diejenigen Fans, die sich jetzt nicht noch schnell auf den Weg nach Halle machen können, auf seiner Heimseite mit einer Auswahl von Sound-Streams und Bildern tröstet. Was natürlich nie und nimmer ein vollwertiger Ersatz für Strotter Live sein kann.

    Von miss.gunst am 04.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    Aus dem Ameisenlabor

    Das Medium von HOME MADE möchte aus seiner persönlichen Favoritensammlung der geneigten Leserschaft die Seiten von John Walkers Fourmilab nahe bzw. in den Zettelkasten legen.
    Nicht nur, weil es mutmasst, dass der eine oder die andere unter den HOME MADE-Laboranten hier etwas finden könnte, das sich ins jeweilige Interessensgebiet fügt. Sondern vor allem anderen natürlich, weil es hier auch veritable Tipps für HeimwerkerInnen gibt. Wem das Illuminieren von Nuclear-Powered Christmas Lights oder Space Time Bending im heimischen Keller nicht so dringlich erscheinen (im ersteren Fall bleibt bis zum Fest immerhin noch ein bisschen Zeit zum Üben), wird sich möglicherweise über die praktischen Hinweise freuen, die Walker für den transnationalen Umgang mit Win-DVD-Playern gibt. Dass letztere, dem Systemwandel geschuldet, leider etwas veraltet sind, dürfte eingefleischten Bastlern denn auch eher ein Ansporn sein: Bekanntlich werden in gewissen Produktionen Probleme eher verschoben denn behoben...

    Das leselustige Medium erfreut sich derweil sowohl an Walkers SF-Klassiker-Sammlung als auch bzw. noch viel mehr an seiner Over-My-Shoulder Reading List - und darüber, dass es sich obendrein mal wieder ein wenig in Psychokinese üben darf.

    Von miss.gunst am 04.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.06.05

    Jenseits der Stille

    Heute wird es wieder still werden im alten Pilgerhaus. Natürlich nicht wirklich, denn die neuen Klänge werden sich eingenistet haben in seinen Ritzen und denjenigen, die schon immer dort wohnen, in Erinnerung bleiben. Wohl auch mitgenommen werden von denen, die weiterziehen.
    Gerade weil aber die Stille nicht die Abwesenheit von Klang, sondern die Voraussetzung für seine Wahrnehmung ist, gebührt ihr zum Ausklang des HOME MADE-Workshops eine kleine Verneigung.
    Wer dazu noch ein wenig weiter lesen möchte, könnte dies beispielsweise – es muss ja nicht immer J.C. mit 4'33'' sein – in der aktuellen Ausgabe des polylogischen e-Zines ATOPIA tun, deren Plattform The Sound of silence gleich mehrere schöne Texte (und Töne) zum Thema versammelt.
    Darunter auch einen zu den Arbeiten von Stephen Vitiello, die sowieso in den Radar eines Labors für Musik und Medien gehören.* Und zu dessen Heimseite ein Spaziergang schon deshalb lohnt, weil es dort, jenseits der Stille, auch einiges zu Hören gibt. Zum Weiterziehen wiederum passen vielleicht nicht schlecht die kleinen Iterationen der Small Things aus Chairs Not Stairs...

    * Und zwar nicht nur, weil sich NetzweltbewohnerInnen an seinen Beitrag zum gemeinsam mit Tony Oursler und Constanze de Jong entwickelten Projekt Fantastic Prayers erinnern werden, mit dem das DIA-Center 1995 als eine der ersten Kunstinstitutionen eine Plattform für webbasierte Kunst eröffnete. Sondern eben auch, weil seine Sondierungen an den Rändern der Wahrnehmung von Klang (und Stille) sich mutuell mit Manchem berühren, was während der Workshop-Tage im HOME MADE-Labor ein Thema war.


    Von miss.gunst am 03.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.06.05

    Amour! Bonheur!

    Yahouuuuu, vite, plus vite!*

    Das Medium von HOME MADE macht sich wieder unsichtbar.
    Dankt: Allen. (Auch dem Ort).
    Und winkt.**


    * Artemisia (Absinthium). Comédie féerique de Denis Rabaglia et Ahmed Belbachir. Sur une idée originale de Denis Rabaglia, Clamecy: L'Age d'Homme, 2002. Lag gerade hier zum Lesen.

    ** Mit den Zwergen im Wald nah des Schlosses. La vie est un roman, cf. A. R.

    Von miss.gunst am 02.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.06.05

    Biosimulator

    Mannigfache Wege gehen die Menschen. Wer sie verfolgt und vergleicht, wird wunderliche Figuren entstehen sehen; Figuren, die zu jener großen Chiffrenschrift zu gehören scheinen, die man überall, auf Flügeln, Eierschalen, in Wolken, im Schnee, in Kristallen und Steinbildungen, auf gefrierenden Wassern, im Innern und Äußern der Gebirge, der Pflanzen, der Tiere, der Menschen, in den Lichtern des Himmels, auf berührten und gestrichenen Scheiben von Pech und Glas, in den Feilspänen um einen Magnet her und sonderbaren Conjuncturen des Zufalls erblickt. In ihnen ahnet man den Schlüssel dieser Wunderschrift, die Sprachlehre derselben.
    [Chr. v. H.]

    Auf dem Weg von Berlin beziehungsweise Tübingen nach Romainmoîtier die Spuren der Käfer gekreuzt. Sie ins Jura mitgebracht. Selbst unter die Scolytinae, Ipinae, Hylesininae gegangen. Mit Fleiss gesägt, gebohrt, genagt.
    Nun dehnt sich das Feld im Grün und ist eine andere Schrift geworden: Sprachlehre und Lautmalerei zugleich.
    Über dem sechskanaligen Chor steigen die Schwingungen auf.
    Und in der Luft liegt Larvengesang.

    Hard- und Software: Jördis Drawe & Uwe Schüler;
    home made with a little help from some friends.

    [Romainmoîtier, Sternzeit ca. 16:25. Der Garten ruht.]

    Von miss.gunst am 01.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)