« Performance von Bepler, Konzert mit Bestie | Hauptseite | Oh my God (It's Egoexpress) »

19.06.05

Now I See (Sala)

Dunkelheit. Die dann vom Flickern eines Stroboskoplichts zerrissen wird. Als nächstes kreischt eine E-Gitarre auf, Spots on, Auftritt der Band: Schlagzeug und Bass zur Gitarre, drei Jungs, die sich richtig ins Zeug legen, soll ja noch was werden aus ihnen – und mindestens wie es auszusehen hat, das wissen sie schon. Könnte eins der üblichen MTV-Videos sein, wie es sie bald nicht mehr geben wird, wenn Musik nur noch in Form von Klingeltönen auf den Bildschirm darf, erst den grossen, dann den kleinen auf dem Mobiltelefon. Nun, egal, was morgen kommt – jetzt ist jetzt und jetzt geht es erst mal ab auf der Bühne. Da wird in die Seiten gegriffen und in die Grätsche gegangen, wird sich auf dem Boden gewälzt und mächtig geschrieen und geschwitzt. Wie es sich gehört, wenn man diese Musik nicht nur hört, sondern auch macht.
Doch dann wird auf einmal alles anders.

Das heisst, zunächst bemerkt man das Ding kaum. Für den Bruchteil einer Sekunde blinzelt es durch das Stroboskoblicht in die Kamera, die sich erst einmal gar nicht für es interessiert, schon wieder an den anderen Körpern dran ist, die sich weiter in ihren Konvulsionen winden und spreizen. Aber da war etwas, oder nicht? Also noch einmal hingeschaut, tatsächlich: Fast unsichtbar ist es im Halbdunkel des Bühnenrands, bewegt sich jetzt, scheinbar jenseits der Schwerkraft. Und so ist es auch, eigentlich lächerlich: ist ein kleines, aus Luftballons zusammengedröseltes Tierchen, kaum Gestalt oder eben eher die Ahnung von einer. In diesem Moment passiert es: Die Welt um dieses unscheinbare Ding verstummt, versinkt. Nur noch sein Schweben ist da jetzt, und jetzt kann man es auch hören, sieht es aufsteigen und taumeln und treiben, während die Musik eine völlig andere geworden ist. Das heisst: Im Hintergrund trommeln und schrammeln sie noch immer, werfen und wälzen sie sich. Jenseits und fern. Wie in einem Traum, der nicht mehr ihnen gehört, sind sie nurmehr das, was sie vielleicht schon immer waren: Three imaginary boys.
Ja, jetzt sehe ich es.

  • Die Daten:
    Anri Sala: "Now I see" (2004)
    9'05'', 35 mm Film
    Starring: Trabant (IS)
    Courtesy: Hauser & Wirth
    war zu sehen im Rahmen von:
    ART FILM / Art 36 Basel, Stadtkino Basel
    am Donnerstag 16.06.2005
  • Von miss.gunst am 19.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    Kommentare

    Kommentieren:

    Thanks for signing in, . Now you can comment. (sign out)

    (If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)


    Daten merken?