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07.06.05
Tapes
Der dezenten Melancholie, die von Gavin Bryars sehr spezieller Tape Music-Komposition ausgeht, lässt sich wahrscheinlich am besten mit einem ffwd entkommen. Prima passen könnte an dieser Stelle natürlich auch ein straighter Ausflug in die Musikgeschichte.
Aber warum nicht erst einmal das Feld weiter aufmachen...
... und zwar mit einem Blick in Robin James' zunächst in Buchform publiziertem Fundus (zum) Cassettenmythos (New York: autonomedia, 1990 und noch immer erhältlich) – der aber angenehmerweise auch online anzuzapfen ist. Und zwar einschliesslich eines schier erschöpfenden Index, der nun wirklich für jedes nur denkbare Stichwort zum Thema die Angel auswirft. Oder fast jedes jedenfalls.
Nicht, dass das schwarze Band, aus bzw. auf dem – bis dass die Oxidation uns scheidet - so manche Träume waren oder idealerweise eben noch sind, uns nicht in nostalgisches Nachsinnen verwickeln könnte. Vor allem anderen aber lässt sich mit ihm ein gutes Stück HOME MADE-Kultur hochhalten: Be your own recording industry.
Zugegeben: Schon vor (*ächz*, tatsächlich) gut zehn Jahren lag die Hochzeit des Schnippelns und Frickelns mit roten Öhrchen (jedes Mixtape schliesslich eine Botschaft ganz im besten McLuhan'schen medium-message-massage-Sinn) lange genug zurück, um bei unverhofftem Wiedersehen unverhohlene Freude auszulösen. Nicht zu vergessen der eher bittere Moment im vorvergangenen Winter, als man in der Ausstellung "Kassettengeschichten" Aug' in Auge mit einer Mixtape-Tauschbox stand und eben dran dachte, flink daheim ein nettes Band zu schneiden – nur dass der Doppelrecorder da schon seit einiger Zeit nicht mehr steht. Also lieber weiteren Links ins weltweite Gewebe folgen, wo es immerhin einige Möglichkeiten hat, etwaigen Sehnsüchten Abhilfe zu verschaffen. Um nur eine zu empfehlen: den Tiny Mixtape Generator von tinymixtapes.com.
Natürlich lässt sich das Verfahren an sich durchaus auf andere Trägermedien übertragen. Nicht von ungefähr wird der alte Klagegesang der Musikindustrie der 1980er – "Hometaping kills music" – heuer wieder gern repetiert.
Hierzu wiederum gibt es auch im Netz (wo sonst) weidlich Vieles nachzulesen, wer dies etwas ausführlicher angehen möchte, ist etwa mit Niklas Werners Text "mp3 und die Musikindustrie" (2000, dazu ein Shortcut zum Hometaping-Kapitel) schon recht gut bedient.
Tragfähige Argumente lassen sich allerdings auch schon aus einfachen Analogien beziehen. Wie zum Beispiel aus dieser hier, an die dankenswerterweise der Kollege vom bootsektorblog kürzlich erinnerte.
Wie wahr, wie wahr. Und überzeugte HeimwerkerInnen wissen: Macht nicht nur mehr Spass, sondern spart auch Geld. Bzw. wichtiger noch: et vice versa.
Von miss.gunst am 07.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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