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27.06.05
Während wir so reden (Lyotard, Santos)
Während wir so reden
wird die Sonne immer älter.
Sie wird in viereinhalb Milliarden Jahren
explodieren.
Mit ihrem Ende
werden auch alle unbeantworteten Fragen
am Ende sein.
...
– ohne Antwort zwar,
aber untadelig formuliert.*
Das klingt überzeugend. Und wie zum Beweis, noch überzeugender als seinerzeit bei der Lektüre des Originals, Jean-François Lyotards Überlegungen zur Frage "Ob man ohne Körper denken kann" (1986, eingegangen in seinen Essayband L'inhumaine, Das Unmenschliche). Weil es hier ein Körper denkt. Und spricht.
Mehr nicht, und trotzdem ist es genau dies, was die entscheidende Differenz einträgt – obschon man Lyotard selbst durchaus ein gewisses Geschick im fleischlichen Formen der Worte zugestehen kann, so sehr er auch mit der Negation des Fleisches ringt.
Und wie leicht lässt er sich nun lösen, sein Zweifel. Tatsächlich ein ganz schlichtes Arrangement, dieser Vilm (16 mm, dann auf Video-DVD) von Lucinda Miranda Santos – fast eine Zufallsbegegnung übrigens auf dem Weg zur dorkbot-hacienda im Zürcher Walcheturm. Aber sofort eingefangen worden von diesem denkenden Körper und diesem verkörperten Denken. Was sich sicher auch dem suggestiven Singsang verdankt, den Santos aus Lyotards Zeilen gedreht und in ihren Loop eingespeist hat. Vor allem jedoch dem denkenden, sprechenden Körper, der sie rezitiert. Ein Bild, das bleibt.
Noch bis 02. 07. 2005
Lucinda Miranda Santos: Ein Lächeln im Kosmos (2004)
* Text nach: Jean-François Lyotard, Ob man ohne Körper denken kann (1986)
Noch bis 02. 07. 2005
Kunstraum Walcheturm
Kanonengasse 20
CH-8004 Zürich
www.walcheturm.ch
Von miss.gunst am 27.06.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)
Kommentare
Ein fast perfekter Kommentar - und das «fast» resultiert aus der Tatsache, dass im ganzen Text kein Hinweis zu finden ist auf die aussergewöhnliche Machart dieses Films: Kein einziger Schnitt! Der gesamte Film wurde in einem einzigen Take aufgenommen. Dass dies vielleicht vom Schreiber nicht einmal bemerkt wurde spricht wiederum für die professionelle Umsetzung der Vorstellungen der Künstlerin. Da empfiehlt es sich, das «Making of», das ebenfalls auf der DVD vorhanden ist, zu betrachten.
Die DVD ist übrigens als nummerierte und signierte Edition erhältlich zu einem sehr anständigen Preis.
Von: Heinz Fiechter at 30.07.05 00:30
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