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05.07.05

Noise Maps

Natürlich sind nicht alle von der Geräuschmaschine (Gross-)Stadt so begeistert wie es weiland Luigi Russolo und Walter Ruttmann waren.
Was den einen Musik in den Ohren ist, empfinden andere schlicht als Lärm.
Inwieweit sich solche Empfindungen objektivieren lassen?

Nun, neben der bekannten Hörschwelle u.v.m., das die Wahrnehmungspsychologie zum Thema beitragen konnte, gibt es selbstredend auch so etwas wie schnöde Messungen von verortbarer Schallwellenakkumulation bzw. -belastung - dem Schalldruckpegel - in Dezibel (dB bzw. Dezi-Bel, beiseit und insbesondere VieltelephoniererInnen ins Öhrchen genuschelt: benannt nach niemand Geringerem als dem guten alten Alexander Graham Bell).

Veranschaulichen lässt sich das Ganze nun in einer Form, die - wäre es nicht allzu zynisch - im Zettelkasten von HOME MADE wahrscheinlich unter der Kategorie "optical sound" abgelegt werden könnte: In so genannten Noise Maps nämlich.

Übersichtliche Informationen zum Thema bietet beispielsweise die Seite der niederländischen nonoise-Initiative, auf der nebst einer Einführung auch eine Liste mit Linx zu europäischen Lärmkarten angeboten wird (etwa: Berlin); zum Verfahren selbst und der dabei zum Einsatz kommenden Software mehr auf einer Noise Mapping-Infoseite der Cambridge Environmental Research Consultants, die auch andere Umweltfaktoren wie die CO2-Belastung kartographieren.

Besonders weit auf diesem Gebiet scheint tatsächlich Grossbritannien zu sein, wo sich das Noise Mapping England project um eine "National Ambient Noise Strategy for England" bemüht.
Dort gibt es aktuell sogar eine London Noise Map, über die sich Detailinformationen zu den einzelnen Strassenzügen und -vierteln abrufen lassen.
Wer also wissen möchte, was die FreundInnen in London täglich im Schnitt auf die Öhrchen gedrückt bekommen, braucht (winkewinke Mr. Bell) dazu nicht mal mehr das Telephon.

Oder vielleicht doch?
Ob vor Ort vorwiegend Genervtheit vorherrscht oder begeistert der Musik der Grossstadt gelauscht wird, darüber dürfte auch die schönste Lärmkarte nur sehr bedingt Auskunft geben können - zumal dann, wenn sie sich nur auf den Verkehr limitiert. Denn wo bleiben da die streitenden Nachbarn und der nächtlichen Katergesang, die tapferen Vögel in den nahegelegenen Büschen, die spielenden Kinder und die sonor summenden Stromleitungen, die den einen Lärm und den anderen Musik in den Ohren sind?


Von miss.gunst am 05.07.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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