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20.07.05
Wohnwagen-Botschaft (message salon)
Zugegeben: Die Schweiz assoziiert man nicht unbedingt mit Camping. Naturnähe: Ja. Aber in Sachen Übernachtungsgelegenheit stellen sich die meisten doch eher mondäne Hotels oder, wenn es denn etwas einfacher sein soll, zünftige Almhütten vor. Dabei gibt es – wie man beispielsweise über einen Besuch beim Schweizer CampingNET unschwer feststellen kann – nicht nur ein denkbar dichtes Netz von Plätzen, sondern unter diesen auch einige mit Tradition.
Das Medium von HOME MADE beginnt seine Camping-Tour allerdings aus anderem Grund im sonst sicherlich eher für solide Werte stehenden Alpenland...
Zu den Kunst-Campern, deren Reisewege man in den letzten Jahren kreuzen konnte, zählt nämlich prominent auch einer aus der Schweiz: Esther Eppsteins message salon. 1998 zog die Künstlerin mit ihrem kleinen Projektraum, 1996 gegründet und zunächst in der Zürcher Ankerstrasse zuhause, in einen Wohnwagen um – und mit diesem fürderhin durch die Lande. Womit sich im Grunde die Kernkompetenz ihres Unternehmens um so besser vermitteln liess: Der Salon funktionierte nämlich nun wirklich als mobile(r) Botschaft(er) – sowohl für sich selbst als auch für die Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeiten Eppstein mit ihrem freundlichen trojanischen Pferdchen in die Ausstellungen transportierte, zu denen sie selbst eingeladen worden war.
Eine gute Sache also, gerade im Kunstbetrieb, wo gerade kleinere Berge ja häufiger mal zu den Propheten wandern müssen, die im Alpenrausch gern vergessen, dass Gipfelkreuze eben nicht einfach nur besonders schöne Aussichten markieren. Sondern eben auch solche von denen es früher oder später ohnehin Hochglanzpostkarten in hinreichender Menge zu kaufen gibt (was, um im Bild zu bleiben, nicht heisst, dass die Aussichten schlechter oder langweiliger würden oder es nicht mehr lohnte, sie selber aufzusuchen. Nur: weitere Postkartenkonvolute braucht es dann eben nicht mehr so dringend – jedenfalls nicht, wenn nicht auch mal eine andere Perspektive eingenommen wird. Und das scheint Endpunkten von Pfaden, die schon reichlich ausgetrampelt sind, erstaunlicherweise besonders schwer zu sein).
Aber wie auch immer: Das Kunstbotschafterinnenmobil jedenfalls war während der Jahre, in denen Esther Eppstein mit ihm on the road ging, stets einen Besuch wert, wenn man sich über jene Schweizer Szene informieren wollte, die bis dahin noch nicht die Weihen offizieller Landesvertretung im internationalen Betrieb erfahren hatte.
Wer heute nach dem message salon sucht, wird allerdings wieder auf eine feste Zürcher Adresse stossen: Das kleine mobile Heim ist erneut zum Kunstraum mutiert, der es vor 1998 gewesen war. Etwas schöner und grösser vielleicht. Was Esther Eppstein nun natürlich ganz andere Möglichkeiten eröffnet, Kolleginnen und Kollegen einzuladen und Dinge zu zeigen, die in dem winzigen Wohnwagen schwerlich unterzubringen gewesen wären. Ein bisschen schade ist es trotzdem um das wunderbare Kunstwohnmobil – auch wenn es mittlerweile einen denkbar ehrenvollen letzten Stellplatz in einer Museumssammlung gefunden hat. In einer ziemlich passenden obendrein. Insofern die Anfänge des Unternehmens, dem sie angehört, nämlich ebenfalls in einer praktischen Anwendung des Mobilitätsprinzips liegen: In Gottlieb Duttweilers 1925 erstmals auf die Schweizer Strassen geschickten Kolonialwarengefährt.
Die Staffel (oder sollte man besser sagen: den Zugwagen) in Sachen mobiler Kunstbotschafterei aber haben inzwischen andere übernommen. Dazu dann in den nächsten Tagen mehr....
message salon
Esther Eppstein
Universitätsstrasse 115/117
CH-8006 Zürich (am Rigiplatz)
Tram 9&10, Bus 33 bis Seilbahn Rigiblick
Telefon +41 (0)44 350 01 10
Von miss.gunst am 20.07.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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