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26.08.05

Camera Lucida

Bei diesem Stichwort dürften die meisten wahrscheinlich an Optische Medien denken. Nicht unbedingt an das gleichnamige Vorlesungsskript von Friedrich Kittler, denn da wird sie gerade nicht gewürdigt - und wenn an ein Buch, dann wohl eher an Barthes' Chambre Claire, wobei dessen Titel ebenfalls eher ex negativo die Camera Obscura und über diese die Photographie assoziiert. Also in jedem Fall etwas, das eher in der Video- als der Audiosphäre funktioniert.
Die Frage ist nun: Könnte es eine helle Kammer geben, die sowohl Licht- als auch Schallwellen bündelt und transformiert?

Die klassische Camera Lucida ist ein klug erdachter, aber für sich genommen nicht sehr attraktiver Apparat. Eine schlichte Zeichenhilfe, die anders als die Camera Obscura lange weit weniger Interesse bei den MedienhistorikerInnen weckte - und erst jüngst wieder stärkeres Interesse auf sich zog, als David Hockney sein Buch Secret Knowledge veröffentlichte. Wer sich über die Geschicke dieses Geräts informieren möchte, kann dazu in einem dreiteiligen Artikel bei about.com Näheres nachlesen.

Auf die eingangs gestellte Frage dagegen lässt sich andernorts eine Antwort finden. Nämlich bei Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand und in ihrem gleichnamigen Projekt:

Camera Lucida is a sonochemical observatory that allows one to see
sound moving through space right at the delicate horizon where acoustics and optics meet. By means of a phenomenon called sonoluminescence, sound waves are directly converted into light inside a glass chamber filled with gas-infused liquid. After adapting to the absolute darkness surrounding the installation, the viewer/listener gradually perceives the highly detailed shapes and movements of multiple sound sources.
Though the phenomenon still cannot be fully explained, it is known that the light emanates from imploding microscopic gas bubbles triggered by an acoustic field, which renders sound visible. In this conversion of sound into light, temperatures are produced that are as high as those found on the surface of the sun.

Mehr über die geheimnisvolle Versuchsanordnung ist auf einer im Netz bereit gestellten Projektseite zur Camera Lucida zu erfahren.
Hier findet sich neben einer kleinen online-Präsentation und einem Video auch der Anker zu einem anregenden Aufsatz (pdf), den die beiden 2003 für die Zeitschrift Leonardo geschrieben haben.
Für weitere Informationen zum wissenschaftlichen Hintergrund lässt sich ausserdem eine ihr gewidmete Seite des Physikalischen Institutes der Universität Göttingen empfehlen, über die bzw. deren Anker u.a. auch Hintergrundwissen zur Sonilumineszenz (also das Leuchten von Schallwellen) einzuholen ist.

Anzuhören, - zusehen und zu bestaunen ist die Camera Lucida von Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand jedoch ab dem heutigen Freitagnachmittag (26.08.05) auch im Tesla in Berlin.
Nichts wie hin!

  • Die Daten:
    Evelina Domnitch/Dmitry Gelfand: Camera Lucida
    Tesla im Podewils'schen Palais
    Klosterstrasse 68 – 70
    D – 10179 Berlin-Mitte
    26.08.2005 von 16 - 19 Uhr - Residence-Studio Raum 135
    und danach bis 02.09.2005 nach Anmeldung unter kiborion@yahoo.com
  • Von miss.gunst am 26.08.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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