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30.09.05

Kunstvolle Hüllen

Erster Preis für uneindeutige Überschriften. Handelt sich aber um genau das, was draufsteht. In mehrfacher Hinsicht. Wenn KünstlerInnen Schallplatten-Cover gestalten und dies für ihre eigenen Soundproduktionen tun, ist Kunst drauf und Kunst drin.

Eine ziemlich ansehnliche Sammlung solcher kunstvoller Hüllen ist derzeit nämlich im Neuen Museum Weserburg Bremen zu sehen.
"Vinyl - Records and Covers by Artists" heisst die Ausstellung, die samt und sonders auf der Privatsammlung von Guy Schraenen basiert, dem Bremen auch die Gründung eines Studienzentrums für Künstlerpublikationen verdankt. Während letzteres bislang vor allem Bücher, Zeitschriften und Editionen nach vorn gebracht hatte, ist nun also besagter Spezialzweig der Sound Art dran.

Die wird sowieso die gesamte Laufzeit über durch diverse Veranstaltungen wie Filmabende, Vorträge und natürlich Konzerte flankiert. An diesem Wochenende gibt es aber gleich geballt Programm für KunstMusik-Junkies.

Zum einen fährt man (offizieller Grund) nach Bremen, um an einem Symposium teilzunehmen, das sich unter anderem der frühen Moderne der Künstler-Musik widmet, wozu neben den üblichen Verdächtigen aus dem Umfeld von DADA und Futurismus (Russolo und so) diesmal vor allem die russischen Avantgardisten ins Visier genommen werden. Besonders spannend klingt dabei das Programm für den morgigen Samstag, wo es (geleitet von Sabine Breitsameter) um "Radiokunst im Wandel" und später dann um Intermedia gehen soll. Dass ausserdem Konzerte auf dem Beipackzettel stehen, gehört selbstverständlich zu den leckeren Nebenwirkungen.

Zum anderen aber (inoffizieller Hauptgrund um hinzufahren) lockt heftig ein zeitgleich stattfindender spezieller "Kunstmarkt zur Sound Art", der all jene oder wenigstens ziemlich viele der Dealer versammelt, bei denen man sich sonst mühsam seinen Stoff Stück um Stück zusammenjagen, -tragen bzw. bestellen muss.
Mit dabei u.a.: Gelbe Musik von Familie Block aus Berlin, A-Musik aus Köln, Slowscan Editions und Staalplaat. Also am besten abgezähltes Geld mitnehmen, Kreditkarte zufällig daheim vergessen oder Augen und Hände verbinden lassen.
Wobei letzteres natürlich für den Besuch der Ausstellung nicht so günstig ist. Aber da gibt's schliesslich nicht nur Dinge zu sehen, sondern auch zu hören.

  • Die Daten:
    Vinyl - Records and Covers by Artists
    Neues Museum Weserburg Bremen
    Teerhof 20 - D-28199 Bremen
    www.nmwb.de
    noch bis 27.11.2005
    Symposium und Kunstmarkt Sound Art
    30.09.-02.10.2005
  • P.S. Dem Kollegen von der ZEIT hat die Ausstellung übrigens offenbar nicht so gut gefallen. Was aber sehr wahrscheinlich vor allem daran liegt, dass er mit etwas falschen Erwartungen hingefahren ist (jedenfalls bespricht er die Schau so, als trage sie den Titel des Symposiums).

    Von miss.gunst am 30.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    29.09.05

    dorkbot-Abend in Basel

    Eigentlich findet ja sozusagen fast jeden Donnerstag eine Art dorkbot-Abend in Basel statt. Ziemlich regelmässig jedenfalls lädt das plug.in an diesem Wochentag zu Veranstaltungen ein, an denen KünstlerInnen ihre Projekte vorstellen, ExpertInnen zu aktuellen Entwicklungen der Netzkultur Position beziehen. Kurzum: Abende, an denen man Einblick bekommen kann in das, was "people doing strange things with electricity" so treiben. Ganz besonders gilt das aber für den heutigen Donnerstag.

    Da gastiert nämlich dorkbot swiss wieder einmal in Basel, mit einem offenkundig leckeren Programm.

    Bestritten wird es unter anderem von dem (nicht nur) treuen LeserInnen dieses Logs bestens bekannten circuit bending-Spezialisten Norbert Möslang, der in die Kunst der wave_translation einführen wird; Jean Pascale Princiaux aus Paris stellt seinen "jpp club" vor; wer die Game Arcade des Basler mobilen kinos während der letzten ArtBasel zu bewundern versäumt hat, erhält Gelegenheit, dies nachzuholen; Tom Lang präsentiert das interaktive Performance-Projekt "was geschah am 6. tag". Und für die Musik sorgt Martin Baumgartner von lunchbox.

    Wie immer bei dorkbot swiss also ein ziemlich dicht bestückte Agenda - daher am besten schön pünktlich sein!

  • Die Daten:
    dorkbot swiss zu Gast im plug.in Basel
    St. Alban-Rheinweg 64
    CH-4052 Basel
    Donnerstag, 29.09.05 ab 20.00 Uhr
  • P.S.
    Man könnte natürlich auch - harte Konkurrenz - zur selben Zeit, aber an anderem Ort, nämlich in Bern Carsten Nicolai bei der Vorstellung seines summenden syn.chron-Kristalls besuchen. Zu dieser Veranstaltung lädt digital brainstorming ein. So schön sich die Synchronizität bei Nicolai gestaltet - die der Ereignisse ist doch eher bedauerlich bzw. verlangt eben eine Entscheidung.
    Für den Fall, dass die Hauptstadt näher liegt bzw. Nicolai stärker locken sollte, auch hier die Daten, bitteschön:
    Hochschule der Künste Bern
    Papiermühlestrasse 13
    CH-3000 Bern 22
    (Bus Nr. 10 bis Schönburg)
    ebenfalls Donnerstag, 29.09.05 um 20.00 Uhr
    syn.chron selbst ist (dann jedoch ohne den Künstler) aber immerhin noch vom 08. bis 16. Oktober jeweils von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr vor Ort zu bewundern.

    Von miss.gunst am 29.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    28.09.05

    Sendepause, zum Zweiten (RADIOTESLA)

    Ist doch schön, wenn sich selbst zum Thema Pausenzeichen gleich ein passender Strang eröffnen lässt.
    In diesem Fall will das Medium von HOME MADE allerdings keineswegs wieder eine eigene Sendepause signalisieren, sondern auf eine Veranstaltung aus der Reihe RADIOTESLA aufmerksam machen.

    Die trägt in diesem Monat nämlich den klangvollen Titel Funkstille, unter dem am heutigen Mittwochabend (28.09.05) echte akustische Leckerbissen aufgetischt werden:
    Zum einen und vor allem anderen die (= DIE) Sendepause von Kraftwerk, ursprünglich 1975 im Rahmen von "Radioaktivität" (haben eh alle daheim, oder? Nur zur Erinnerung... und weil DIE Alternative zu Sonne statt...) bei Klingklang (wo es heute noch die passenden Tees dazu gibt. Schick!) publiziert und (naja, zumindestens wird das kundgetan und das in diesem Punkt erschreckend schlecht informierte Medium glaubt das mal ganz brav:) die erste komponierte Sendepause überhaupt.
    Und zweitens bis fünfundzwanzigstens dann die "24 Sendepausen", die 2002 als eine Art Trailer für ein Freies Radio Berlin erschienen.

    Im der vom Tesla versendeten Ankündigung heisst es dazu:

    "Jedes der 24 Stücke ist so angelegt, dass es eine Stunde lang wiederholt gespielt werden kann. In einer Reihe von 24 Endlosschleifen. Was am Ende, bei den Hörenden, entsteht, ist EIN Sendetag in 24 Sendepausen.
    Die teilnehmenden Musikerinnen und Musiker waren lediglich gebeten, je drei Stunden zu benennen, um zu einer Anordnung der Stücke in einem 24 Stunden-Verlauf zu gelangen. Teilgenommen haben (in alphabetischer Ordnung):
    Antizycle, coma, cushman, davidly, dj-dm, dj stuffit, dr nexus,
    dirk specht, guy, jeremy clarke, kelly davis, klankton, kristen_, mode-, moog-t., mzweig, noisiv, ohmnoise, pimui, sciss, -selektor, storno, tom & lars, version."

    Klingt doch gut. Und eignet sich vielleicht auch als prima Alternative zur artforum-Eröffnung?

  • Die Daten:
    Grenzen [sic!, so heisst die Veranstaltung offiziell]
    Sendepause(n)-Abend im Rahmen des September-Themas
    "Funkstille"
    Reihe RADIOTESLA
    am 28.09.05 um 20.30 Uhr
    Tesla im Podewil'schen Palais
    Klosterstraße 68-70
    10179 Berlin
    T. ++49-(0)30-247496
    www.tesla-berlin.de

  • Von miss.gunst am 28.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    27.09.05

    in concert

    Wie gestern bereits en passant angemerkt, lädt die Frankfurter Kunsthalle Schirn in dieser Woche zu sieben Konzerten ein, die von AkteurInnen bestritten werden, welche ansonsten bzw. sozusagen hauptberuflich in der bildenden Kunst zuhause sind.
    Das klingt zunächst einmal nach leidenschaftlichem Dilettieren, wenn nicht nach heftiger Mäntelchen-in-den-Wind-Hängerei, insofern Ausflüge in die (Pop-)Musikkultur in der Kunstszene schon seit einigen Jahren ziemlich boomen.

    Nun ist es zwar so, dass man in den vergangenen Jahren mit dem umgekehrten Fall, also malenden und/oder bildhauernden MusikerInnen, eher abschreckende Erfahrungen hat machen können (denken wir etwa an David Bowie oder Wolfgang Niedecken, wobei man letzterem immerhin konzedieren kann, dass die Sachen ungefähr so aussehen, wie BAP-Konzerte klingen). Doch das hat wohl eher generell mit der Deplatziertheit von entsprechenden Vertrauensvorschüssen zu tun, die Menschen offenbar dann zu leicht gegeben werden, wenn sie in einem Feld möglichst viele andere zu überzeugen wissen. Aus nahe liegenen Gründen kann derlei, anders als in der Musik- oder der Filmbranche, in einem Minderheitensportfeld wie der Kunstszene nur zu relativen Schieflagen führen: Was auch immer an Peinlichkeiten passiert, es bleibt im kleinen Kreis.

    Die Reihe "in concert" geht allerdings in zweifacher Hinsicht auf Nummer Sicher. Eingeladen wurden nämlich ausschliesslich KünstlerInnen, die nicht nur in ihrem primären Metier ziemlich erfolgreich sind (oder mindestens in die seit einiger Zeit gern bemühte Kategorie "young and upcoming" fallen), sondern sich auch schon länger in der Musikszene bewegen - und zwar so, dass von vornherein eines ziemlich klar ist: Hier wird weniger nach Goldenen Schallplatten geangelt, als vielmehr das Werkzeug gewechselt. Anders gesagt: Es wird weitgehend unter der Konzept-Flagge gesegelt - und wenn obendrein noch der Groove was hergibt: Um so besser. Da schunkelt dann nicht nur vernissagenbeschwipstes Kunstpartyvolk mit. Nein, das kann tatsächlich auch in Clubs (Creed) oder Konzerthallen (Prina) funktionieren. Und zwar gut.

    Wenn nicht sogar besser als in einer Kunsthalle wie der Schirn, wo aber eben diese Woche der Lackmus-Test funktionieren muss. Nach Martin Creed, der gestern das erste Konzert bestritt (und unter anderem im Juni diesen Jahres ja auch schon in der Basler Kunsthallen-Bar performte) geben sich heute Sergej Jensen und Michaela Meise die Ehre; weiter geht es dann mit Martin Eder (ggf. recht zur Einstimmung geeignet: ein Blick auf seinen Trailer zu "Black Hole"), Janine Gordon, Rodney Graham, Stephen Prina (bald schon häufiger mit seiner Musik in FFM zu Gast als mit seinen anderen Arbeiten) und Albers (weder Hans noch Josef, dafür aus Wien).

    Besonders nett für alle diejenigen, die keine Lust und/oder keine Zeit und/oder schlicht keine Gelegenheit haben, jeden Abend in die Frankfurter Kunsthalle zu eilen: Dank der KollegInnen von liga6000, die das Ganze als Medienpartner begleiten, gibt es jedes Konzert auch als Live-Stream im Netz. Nur das zünftige Zujubeln dürfte sich auf diesem Wege etwas schwierig gestalten.

    Von miss.gunst am 27.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    26.09.05

    Für InsektenmusikfreundInnen

    ... und zwar namentlich solche, die sich derzeit im Rhein-Main-Gebiet aufhalten: Der kürzlich bereits in einem einschlägigen Eintrag vorgestellte Insektenmusikspezialist Inox Kapell gibt am heutigen Montag den Gaststar im trotz traurigem Abriss der spektakulären Betonarabesken ringsum noch immer sehr beliebten Rotari in Offenbach.

    Und zwar anlässlich eines Abends, den der warst (a.k.a. Simon Schäfer) ebendort gestaltet.
    Der wiederum lockt traditionell mit Elektronoise und sportlichem Circuit Bending, das sozusagen auf klassischen Instrumenten ins Werk gesetzt wird. Was in musikalischer Umsetzung etwa so[ng] klingt (das Stück heisst tatsächlich ong und ist als ogg-file anzuhören).

  • Live also am heutigen Montag, 26.09.2005
    der warst + Inox Kapell
    noiselounge im Rotari
    berliner str. 50-52 (hochplateau)
    d-offenbach am main
    (ab ca. 21 Uhr geöffnet*)
  • PS:
    * musique: tendenziell später. Was Gelegenheit bietet, zuvor noch huschhusch beim Martin Creed-Konzert in der Frankfurter Schirn vorbeizuschauen, das seinerseits wiederum den Anfang in einer einwöchigen Reihe macht, die den sinnigen Titel "in concert" trägt. Dazu dann ein andermal mehr - spätestens, wenn die ursprünglich für den vorvegangenen Freitag geplante und kurzfristig verschobene GUNSTsendung zur Ausstrahlung kommt.

    PPS:
    Angelegentlich des Besuchs auf den Heimseiten von der warst sollte man sich getrost verführen lassen, den Anker zu den Filmen von Sebastian Linke zu folgen. Wo es übrigens auch einen über eine Wunschmaschine gibt.

    Von miss.gunst am 26.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    25.09.05

    Musik aus der Zelle

    Nicht doch. Weder hat sich das Medium etwas zu Schulden kommen lassen. Noch auch will es über den Ursprung des Lebens sinnieren. Das nur für den Fall, dass jemand bei dieser Überschrift unwillkürlich an Heinz Erhardt denken sollte.

    Der pflegte ja bekanntlich zu scherzen:

    "Das Leben kommt auf alle Fälle / aus einer Zelle / und manchmal / bei Strolchen / endet's auch in einer solchen..."

    Auch schön, sicher. Aber das Medium möchte einfach nur eine Musikempfehlung für den Sonntag ausgeben. Und hat dafür aus seiner Netzlabel-Linksammlung eben jenen herausgefischt, der zu abdicate cell führt.

    Die kleine, aufgegebene? entsagende?? Verzicht übende??? Zelle - an dieser Stelle ringt das Medium mehr schlecht als recht mit seinem internen Übersetzungsprogramm - erweist sich beim Blick in den hauseigenen Katalog nämlich nicht nur als ziemlich rege und produktiv, also ganz offensichtlich als weder aufgegeben noch besonders entsagungsvoll. Die drei Projekte, die als Leitlinie für ihre bis dato immerhin fünfzehn Produktionen fungieren, scheinen auch ziemlich home made zu sein.

    Für die Empfehlung des Tages fällt die Wahl des Mediums auf ein release aus der x-flow-Reihe, die - wie der passender Weise hübsch handschriftlich verfasste Projektbeschreibungstext mitteilt - in der Tat auf echten HOME MADE-Tugenden wie experimenteller Bastelarbeit, circuit bending u.a.m. basiert.
    Und zwar auf die Nummer 12, die auf den schönen Namen Ophiukkus hört und von ihrem Produzenten als "long visual track" beschrieben wird.

    Ob und wie visuell das Ganze ankommt, dürfte zwar auch vom Imaginationspotential der jeweiligen HörerInnen abhängen. Das Medium meint jedoch: Es funktioniert. Einfach mal die Öhrchen willig hinhalten und lauschen.

    P.S.
    Gleich zum Fan geworden? Dann bietet sich neben einem Blick in die Merchandising-Seite vielleicht auch ein Besuch bei a cell, dem Blog von abdicate cell an. Wo zherji, nicht ganz unpassend zur heutigen Musikempfehlung des Mediums, unter anderem auch ac-Kissen anbietet. Ja!

    Von miss.gunst am 25.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    24.09.05

    RadioNetz (Nach Neuhaus) (WRT)

    Höchste Zeit, mal wieder mit einem Webradio-Tipp zu winken.
    Beim Londoner resonance fm 'reinzuhören, geht natürlich fast immer (und fast von überall, zumal man sich je nach Verbindung und Präferenzen sehr bequem das Stream-Format aussuchen kann). Trotzdem lassen sich aber spezielle Programmhinweise auf besondere Leckerbissen geben.

    Samstags von 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr zum Beispiel sendet derzeit immer das erst in diesem Jahr frisch gegründete UNST-Kollektiv. Für resonance fm bestückt UNST ein Format namens "bespoke sound", bei dem aber mitnichten nur Töne besprochen werden sollen:

    Bespoke Sound presents an hour of custom-made radio art. The work produced for Unst: Bespoke Sound is created specifically for the weekly radio slot; it is not recycled or handed down from other sources, other purposes. Some weeks, the programme features the work of one artist who may present a single piece or a series of pieces. Other weeks feature a collaborative work by the members of Unst collective, bringing together our diverse approaches to transmission art. And sometimes a programme consists of a collection of works by different artists.

    So präsentiert UNST-Mitglied Seth Kim-Cohen - der sich übrigens selbst als "conceptual sonician" bezeichnet (vermerkt sich das Medium gleich mal auf seiner Liste potentieller Lieblingsberufe) - am heutigen Samstag (24.09.05) einen echten Klassiker, nämlich Max Neuhaus' "Radio Net".

    Ins Werk gesetzt wurde das Radionetz erstmals 1977 und stellte damals tatsächlich ein ziemlich radikales Sendekonzept vor, indem es nämlich Interaktvitiät und Closed Circuit - zwei Ideen, die damals eigentlich mehr im Bereich der Videokunst zirkulierten - miteinander kombinierte: Erst konnten die HörerInnen bei dem Sender, in dem Neuhaus sass, anrufen - das Klangmaterial liess Neuhaus dann von automatischen Mischpulten bearbeiten und schickte es mittels Radiotechnologie auf Rundreise durch die verschiedenen Senderstationen.

    "Daraus entstand ein riesiger 'Klang-Transformatorkasten' mit einer Breite von 2400 km, einer Länge von 4800 km und fünf Ein- und Ausgängen in Washington. [...] Sogar mit Frequenzmodulator und Verstärkungsregelung war jede Schleife eine Art Lebewesen, das sehr schnell außer Kontrolle geraten konnte. [...] Meine Aufgabe war es, dieses Riesentier aus fünf Schleifen mit so wenig Intervention wie möglich im Gleichgewicht zu halten."

    So weit Max Neuhaus selbst über sein Radio Net (und zwar in dieser Fassung aus "Rundfunkarbeiten und Audium", in: Zeitgleich, Wien: Transit 1994, S. 25-26) - um auch für diejenigen, die dem zu Guido Föllmers Kurztext für's MedienKunstNetz ausgeworfenen Anker nicht gefolgt sind, noch ein bisschen plastischer machen können, wie das ganze funktionierte.

    Wie es heute nachmittag bei der Sendung des UNST-Kollketivs funktionieren wird, darauf ist selbst das Medium sehr gespannt. Kann aber versichern, dass die bisherigen Bespoke Sound-Ausstrahlungen bereits sehr lecker ausgefallen sind. Am vergangenen Samstag (Sünde, keinen Webradio-Tipp gegeben zu haben) stand beispielsweise - ebenfalls ein Klassiker - Alvin Luciers Arbeit "I am Sitting In A Room" (1969; das Skript gibts beim MKN und das mp3 des Originals bei ubu.web) auf dem Programm. Und zwar von ihm selbst vorgetragen bzw. performt. Wer es verpasst hat, kann sich allerdings auf den UNST-Seiten im Bereich "Audio/Photo" sowohl ein mp3 der Performance als auch ein Interview abholen, das Seth Kim-Cohen mit Lucier geführt hat. Was will man mehr?

    P.S.
    Quasi als spezieller Gruss aus CH zu Neuhaus hier noch ein kleines Porträt und eine Werkliste der Electronic Music Foundation, ins Netz gestellt anlässlich seiner Suspended Sound Line, die 1999 für die Stadt Bern entstanden ist.

    Von miss.gunst am 24.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    18.09.05

    Sendepause

    Im Fernsehen gibt es sie fast nicht mehr. Die klassische Sendepause. Vom veritablen Sendeschluss ganz zu schweigen. An Fahnenwehen und Nationalhymne zu später Nacht- bzw. frühen Morgenstunde dürften sich zwar eh nur hartgesottene Gemüter erfreut haben. Aber das darauf folgende Testbild wird schon von einigen vermisst. Schliesslich macht es sich ebenso rar wie der schöne Sendeschnee: Schnee von gestern, so nicht gerade der Empfang gestört ist.
    Daneben gab es ehedem, als sich die Sender noch nicht in jeder freien Minute selbst bewarben, noch jene Zwischen-Zeiten, die "Kurze Pause" hiessen. Keine echten Sendepausen also. Sondern anfangs Standbilder - meint sich das Medium dunkel zu erinnern. Später dann, das aber sicher: Bewegtes. Nämlich lebendes Getier!
    Kleine Katzen mit aufdringlich hohem Niedlichkeitsfaktor, die etwas träg bzw. tendenziell verängstigt in einem Op Art-artigen Spielturm hockten. Oder Horden von hysterischen Finken, die ständig von Innen gegen die Mattscheibe zu fliegen drohten. Wirkte seinerzeit, und zwar selbst aus Kinderperspektive, schon ziemlich schräg.
    Trotzdem fragt sich das Medium gerade, was wohl aus diesen Bildern geworden ist. Ob sie überhaupt in Archiven aufgehoben wurden? Ob es dafür wohl ebenfalls Sammler gibt? Auf's Stichwort "Fernsehfinken" wirft Google jedenfalls nur eine DDF-Kinderserie aus.

    Kurzum: Das Medium sehnt sich nach sachdienlichen Hinweisen.
    Während es selbst - notgedrungen ohne zünftiges Zwischenbild - ebenfalls mal eine kleine Sendepause einlegen muss.

    Von miss.gunst am 18.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    17.09.05

    Ruf! Mich! An!

    Dass es einige Menschen gibt, die Berlin im allgemeinen und insbesondere Berlin Mitte für den Nabel der Welt halten, ist kein Geheimnis. Und so lange man nicht dem Irrtum verfällt, dem besondere Bedeutung beizumessen, ist das ja auch gar kein Problem.

    Um es mal spasseshalber in ein halbwegs passendes Bild zu fassen: So ein Nabel ist schon eine sexy Sache. Wenn man dann aber Sommers wie Winters nurmehr bauchfreie T-Shirts zu sehen zu bekommt, kann sich der Reiz mit der Zeit auch verlieren. Und man fragt sich unwillkürlich, ob andere zentrale Organe wie das ZNS nicht doch noch etwas wichtiger sind. Zur Abwechslung mal ein bisschen weniger Bauchnabelschau, bitte. Und dafür ein bisschen mehr Hirn. Oder so.
    Bildlich gesprochen, wie gesagt bzw. geschrieben.

    Aber vielleicht lässt sich der Sache mit der Mitte (der Welt) gerade dann wieder etwas abgewinnen, wenn sie beim Wort genommen wird?

    In Jens Brands gleichnamiger Installation in der Berliner Parochialkirche, dem Hauptquartier der hörgalerie singuhr, funktioniert das wie folgt:

    Eigentlich steht da nur ein schlichter Telephonapparat. Den vielleicht die Tatsache verdächtig machen kann, dass es sich um ein Exemplar der älteren Generation handelt. Eins der schönen grauen, die noch richtig klingeln konnten - anstatt zu düdeln oder ein paar Sekunden fies verfremdeter Musik von sich zu geben. Und die, besonders wichtig, noch eine wunderbare Wählscheibe haben. Was, beiseit und um noch mal auf das Bauchnabel-Bild zurückzukommmen, sowieso schon mal ziemlich sexy ist.

    Und genau darum geht's dann tatsächlich auch: Denn dieser Apparat will angefasst werden, um Beziehungen herzustellen - zur Mitte (der Welt).

    Tatsächlich verfügt das Telephon nämlich über ein geheimnisvolles Innenleben, das es dazu befähigt, als "Parochial Audio Messenger" tätig zu werden - als Call Center mit Spezialisierung auf Telephonbauchnabelschau, wenn man so will. Wen es anruft, dem flüstert es eine entsprechende Klangbotschaft ins Ohr.

    Ihre akustische Gestalt basiert auf den topografischen Daten derjenigen Strecke, die zwischen der Parochialkirche und dem Ort des Empfangsgerätes liegt. Das Telefon fungiert hierbei als ein Interface, das die gewählte Telefonnummer an einen Computer weiterleitet. Der Computer ermittelt über die Vorwahl den Ort des Empfängers und berechnet mit Hilfe der Daten eines dreidimensionalen Modells der Erde ein 30-sekündiges Musikstück.

    Klingt doch - wiewohl vielleicht ein wenig trocken formuliert - ziemlich reizvoll, oder nicht?
    Kommt aber noch besser. Denn man kann dafür sorgen, dass man angerufen wird. Eine E-Mail an info@singuhr.de genügt.*

    Gelegenheit, auf diese Weise die Liebe und die Distanz zum Nabel der Welt neu zu entdecken, bietet sich noch am heutigen Samstag (17.09.05) und am morgigen Sonntag (18.09.05) jeweils von 14-20 Uhr.

    Also kehren wir den klassischen TS-Imperativ einmal um. Hallo Nabel der Welt: Ruf! Mich! An!

    * Eine limitierende Voraussetzung für den 30 sec's-Service gibt es allerdings: Es sollte schon eine Festnetznummer sein.

    Von miss.gunst am 17.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    16.09.05

    Beuys (Voice)

    Als kleiner Ausgleich zur aufgeschobenen GUNSTradiosendung soll auf diesem Kanal wenigstens kurz in Richtung des Themas ("But is it art ... rock'n'roll?") geblinzelt werden.
    Daher Bühne frei für...

    ... (ja, schon gut, steht ja bereits in der Überschrift:) Joseph Beuys.

    Selbiger hatte zwar, entgegen anderslautender Gerüchte, lediglich eine Menge (meist übrigens männlicher) Groupies und keine eigene Band.
    Spielte aber (und das nicht schlecht) mehrere Instrumente, genauer gesagt: Cello und Klavier.
    Auf die Bühne ging er allerdings vorzugsweise als Performer, beispielsweise mit seinem FLUXUS-Kollegen Henning Christiansen (Geige und Tonband). Und natürlich mit Nam June Paik.

    Der sowieso unerreicht besten aller Plattformen, dem UBUWEB, verdanken wir die Möglichkeit, über die Beuys gewidmete Seite an dieser Stelle unsere Anker auf jenes berühmt-berüchtigte Musikvideo auszuwerfen, mit dem Beuys 1982 für die Grünen in den Wahlkampf zog. Genauer gesagt: Auf den Sound.

    Nun gut: Singen war sicher nicht seine Stärke.
    Aber wenn man beim Hören die Bilder zum Ton erinnert: Der ehemalige Stuka-Funker und mehrfach dekorierte Kriegsveteran, später mehrfach dekorierte Künstler, zu der Zeit übrigens in etwa grade so alt wie die Stones jetzt. Wie er da die eher schlecht gedichtete Botschaft tapfer rüberbringt und mit allem Mut zur Lächerlichkeit auch noch lässig das Mikro kreiseln lässt. Das war schon damals und ist heute noch verdammt anrührend.
    Und beim Wiederhören will es fast scheinen, als sei es eben nicht nur ein tiefer Griff in die Nostalgiekiste, aus der man ja demnächst wohl auch wieder die guten alten "Atomkraft - Nein Danke!"-Buttons wird hervorkramen können.

    Oh ja, die Zeiten haben sich schon geändert. Aber in mancher Hinsicht leider auch nicht. Wahrscheinlich hatte Nietzsche doch recht und wir müssen da wieder und wieder durch. Bis wir tatsächlich mal etwas dazugelernt haben. Aber das kann eben noch dauern, möglicherweise bis zum Sankt Nimmerleinstag.

    Seufzt das mit Blick auf den kommenden Sonntag ("Wie hätten Sie's denn gern? Das Fallbeil? Oder doch lieber den Strick?"*) leicht depressiv gestimmte Medium.

    * Ist selbstredend nur ein grober Scherz. Nehmen wir natürlich sofort zurück und behaupten das Gegenteil. Wie pflegte J.B. doch zu sagen (nicht zu singen): Demokratie ist lustig. Sic!

    Geht aber auch mit Nietzsche:

    Diese Krone des Lachenden, diese Rosenkranz-Krone: euch, meinen Brüdern**, werfe ich diese Krone zu! Das Lachen sprach ich heilig; ihr höheren Menschen, lernt mir - lachen!

    ** Und Schwestern. Kann sich das Medium nicht verkneifen zu ergänzen. Frei nach Monty Python's, bei denen man ja ebenfalls mitsingen kann: Always Look on the Bright Side of Life (try the LoFi stream, übrigens ebenfalls etwas frei nach MP, reicht aber schon zum mitpfeifen). Wie wahr.

    Von miss.gunst am 16.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    Statt GUNSTradio

    ... gibt es am heutigen Freitag (16.09.05) vertretungsweise ein möglicherweise noch viel spannenderes Programm.

    miss.gunst ist leider verhindert und wird es trotz telepathischer Talente nicht schaffen, aus der Ferne zu senden.

    Wer hat an der Uhr gedreht?
    Schon wieder ist es Zeit, eine GUNSTradio-Sendung anzukündigen.

    Nicht Aam heutigen Freitag (16.09.05), sondern dann erst in einer späteren Sendung wird miss.gunst die folgende Gretchenfrage stellen: But is it... a rock'n'roll party?

    Und das Groupie spielen* für:
    Joseph Beuys - Martin Creed - Janine Gordon - Rodney Graham - Martin Kippenberger - Stephen Prina - Claus Richter - Pippilotti Rist - Jörg Schlick - Georgina Starr - u.a.m. (tba)
    * Oder auch nicht? Man wird sehen bzw. hören.

    Von 14-15 Uhr auf radioX (neue Frequenz:) 91.8 fm / 99.85 Kabel stattdessen Einblicke in die aktuelle Kulturszene in Afghanistan, von und mit des Mediums freundlicher Radio-Kollegin Felicia Herrschaft.

    Von miss.gunst am 16.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.09.05

    Kulturministerium (DIY)

    Dass es in der Schweiz andere Wahlverfahren gibt als in den benachbarten europäischen Ländern, ist allgemein bekannt.
    Aber einfach mal eben so ein Kulturministerium wählen, wo man die entsprechenden Zuständigkeiten doch eigentlich von einer offiziellen Stelle wie dem Bundesamt für Kultur verwaltet wähnt?
    Doch, das geht.

    In dieser Woche wurde tatsächlich in der Schweiz ein Kulturminister gewählt. Stolze 32 KanditatInnen sind dazu angetreten, haben ihre Programme vorgestellt und natürlich auch kräftig Wahlkampf betrieben.
    Unter anderem auch in verschiedenen Blogs, wie zum Beispiel Peter A. Ziermann als dorftrottel.ch oder Christian P. Leu von relab.ch als leumund.

    Solcher Ausweis von Medien- und Kulturkompetenz hat den beiden letztgenannten durchaus eine Favoritenposition beschert. Ge- oder vielleicht auch erwählt wurde aber nun ein anderer, ebenfalls nicht ganz unbekannter Kulturaktivist: Heinrich Gartentor.

    Was insofern, beiseit bemerkt, besonders gut passt, als es sich bei Gartentor ebenso wie beim Kulturministerium selbst sozusagen um Artefakte handelt. Da nun aber ersterer seit einigen Jahren äusserst agil in eben jener Sphäre agiert, die man gemeinhin als "Real Life" bezeichnet (oh doch, mindestens aus der Perspektive des Mediums ist auch so ein sehr spezielles Feld wie die Kunst dieser Sphäre zuzurechnen. Schliesslich finden in der Kunst quasi kontinuierlich Materialisationsphänomene statt, wird Unsichtbares sichtbar gemacht!) - dürfen wir also den Gedanken wagen, dass auch das Kulturministerium nicht nur Symbolpolitik betreiben wird?

    Man wird sehen.
    Erst einmal allerdings zusehen: Beim Festakt der Amtsübernahme bzw. -gabe am kommenden Sonntag, 18.09.05 im Rahmen des forum des artistes bienne.

    Mag wohl sein, dass es den Initiatoren der ehrenhaften Beamtung - Beat Mazenauer und Adi Blum - mehr um den Weg zum Ziel gegangen ist. Gleichwohl heisst es auf den ministerialen Seiten programmatisch:

    Das kulturministerium.ch ist das Sprachrohr aller, die sich für eine lebhafte, farbige, aktuelle Kultur in der Schweiz engagieren.
    Das kulturministerium.ch ist besorgt um eine kritische Auseinandersetzung mit der Kultur in der Schweiz. Es soll mithelfen, die Kultur in Gesellschaft und Politik zu verankern und das Ansehen der Kultur zu stärken.
    Das kulturministerium.ch fördert die kulturelle Vielfalt in der Schweiz.
    Es entwickelt Ideen und Visionen für die kulturelle Zukunft.
    Das kulturministerium.ch setzt sich dafür ein, dass die im kulturellen Sektor Werktätigen frei und unabhängig arbeiten und sich entfalten können.
    Das kulturministerium.ch wacht darüber, dass Art. 21 der Bundesverfassung: "Die Freiheit der Kunst ist gewährleistet" uneingeschränkt Gültigkeit hat.
    Das kulturministerium.ch steht im Dienst der Kultur und arbeitet eng mit den Verbänden der Künstlerschaft in der Schweiz zusammen.

    Das will natürlich doch erst mal geleistet werden. Ob Heinrich Gartentor derlei dann allein stemmen will? Einen Stab beruft? Oder sich noch weiter vernetzt?

    Bleibt abzuwarten. Mit Blick auf die bisherigen Projekte des neuen Kulturministers - aber auch auf das Unternehmen als solches, zumal seine Initiatoren in der Netzkulturszene nun eben auch keine Unbekannten sind (siehe z.B. Pilgern & Surfen), will das Medium jedenfalls hoffen, das einiges für seine Zunft getan werden wird. Surplus zu sitemapping selbstredend.

    Kleiner Nachtrag:
    Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den virtuellen Realitäten des Kulturministeriums nimmt derzeit Kollege kus (von starfrosch) in seinem Log vor: Nach- und mitlesen lohnt!

    Von miss.gunst am 15.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.09.05

    Neureale Musikmaschinenkompositionen

    Muss man das Medium mal wieder an den imaginären Öhrchen ziehen, auf dass es nicht weiter seinen Leidenschaften für spleenige Automaten(bauer) fröne?
    Die Paarung von Musik und Maschine bringt jedenfalls noch anderes als steppende Karotten oder tönende Sonnenuntergangssimulatoren hervor.
    Derlei ist dann sicher nicht immer so possierlich anzusehen.
    Aber dafür kann es vielleicht akustisch ansprechender geraten.

    Ob das beim Dresdener Projekt "Musikmaschinen" so ist bzw. sein wird, darüber lässt sich derzeit allerdings nur spekulieren. Mindestens gibt es auf der Webpräsenz bislang nur vielversprechende Informationen - aber leider keine Klänge oder Bilder von in Gang gesetzten Konstruktionen.

    Worum es bei der ganzen Sache geht?
    Ausführlich steht's im Projektexposé (pdf), das angeblich eine Kurzfassung ist - aber immerhin fünf Seiten misst.

    Daher an dieser Stelle deutlich kürzer zusammengefasst: Behuf ist Vermittlung von Computermusik durch mechanische Klangerzeuger. Um eben für erstere eben jene Performance einzuholen, die man angesichts cooler Jungs oder Mädels, die leicht gelangweilt hinter ihren Laptops stehen respektive sitzen, möglicherweise schon ein wenig vermissen kann.

    Je nun. Auch wenn das mit dem Vermissen so eine Sache ist (geht sicher nicht jedem/jeder so, oder?): Gegen ein paar agile Maschinen, die obendrein nicht nur ächzen, trommeln oder tröten können, sondern ungeachtet ihrer mechanischen Eingeweide echten Elektro performen - dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden.

    Was ob der hoffentlich noch zu erwartenden Umsetzungen optimistisch stimmen kann, ist jedenfalls schon mal die Tatsache, dass die Beteiligten mit dem Netzlabel neureal.de verbandelt sind.
    Beim Projekt dabei ist beispielsweise auch der Label-Betreiber Lars Bock, dessen aktuelles Release Sehnsud man sich eigentlich schon ganz gerne von agilen Maschinchen performt vor dem geistigen Auge ausmalen kann.
    Schnell werden sie halt sein müssen, wenn es an ein Stück wie verpflichtet unverzüglich geht.

    Puls wieder ein bisschen runter? Das geht vielleicht mit einer der Produktionen von Moritz Hasselgruber, der bei neureal als Pjetro Moki und als Simon Geist veröffentlicht.
    Besonders glücklich trifft es sich für das HOME MADE-Registrarium, dass ein wirklich sehr sehr schönes Stück unter dem insektenmusiksammlungstauglichen Titel Kakerlak Dance rangiert. In was werden diese traumverloreren Schaben wohl gebadet haben?

    Jedenfalls, so fleissig wie die beiden bei neureal sind, wundert es nicht, dass man auf die Maschinenmusikmaschinen eben noch ein bisschen warten muss - und mit Blick bzw. Ohr auf die leckeren Publikationen des Labels lässt sich die Wartezeit ja auch ganz angenehm überbrücken.

    Von miss.gunst am 14.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.09.05

    Sofortiger Sonnenuntergang (mit Sound)

    Da beim gestrigen Eintrag, der ja eigentlich zuvorderst der netten Nachbarschaft hatte gewidmet sein sollen, sich unversehens auch des Mediums Zuneigung zu den KollegInnen der Gattung Automate Bahn brach, muss es heute einfach noch einmal in dieser Richtung weitergehen.
    Genauer gesagt: Ins britische Königreich, wo bekanntlich gerne so genannte Spleens gepflogen werden. Und zu höchst kreativen Ergebnissen führen können.

    Wie beispielsweise im Fall von Tim Hunkin, der einerseits dem seriösen Beruf des Illustrators nachgeht und als solcher unter anderem höchst anschaulich vermittelt, wie man mit einfachsten Mitteln kleine Schallerzeugungsinstrumente baut. Unter anderem - denn in Hunkins reichhaltiger Sammlung von echten HOME MADE Experimentalanleitungen sind noch viele weitere Klassiker zu finden, wie etwa Anleitungen zur optimalen Ausnutzung von Schwungkraft oder Vorschläge zum wirklich sinnvollen Einsatz von Plastikbechern (zumal sich zum Abwarten und Teetrinken Tassen ja auch viel besser eignen).

    Anderseits und vielleicht sogar hauptsächlichenfalls ist Tim Hunkin aber Automatenbauer. Einige seiner schönsten sind in der "Under the Pier Show" versammelt - und neben einem echten Automaten-Arcade-Autorennen findet sich hier eben auch die titelgebende phantastische Konstruktion einer Instant Eclipse, also eines sofortigen Sonnenuntergangs. Und zu dem gibt es sogar einen Sofortigensonnunenuntergangssound (komponiert von Sarah Angliss, deren Spacedog-Seite übrigens ebenfalls einen Stöberbesuch verdient). Toll, oder?

    Für die in ihrer ebenso schlichten wie aberwitzig klugen Konstruktion absolut überzeugende Installation würde das Medium jedenfalls jederzeit selbst so liebevoll gefertigte Stücke wie den handgeschnitzten gemeinen Nasenbohrer oder das geheimnisvolle Orakel wahlweise links oder rechts stehen oder liegen lassen (zumal, nunja, orakeln können wir auf unsere Weise ja auch).

    Von miss.gunst am 13.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.09.05

    ektopia

    Um heiteren Gemüts in die beginnende Woche zu starten, lässt sich bewährtermassen ein Blick über den Bloggartenzaun zu netten Nachbarn empfehlen.
    Heute mal in Richtung ektopia.

    Wer an dieser Stelle noch mitliest, hat wahrscheinlich noch nicht den Anker im vorstehenden Satz ausprobiert...

    Nun, da sich das Medium ob dieser Treu und Höflichkeit sehr geehrt fühlt, wendet es um so lieber noch einige weitere preisende Worte in die angegebene Richtung.
    Unter anderem verdankt es einem kürzlich auf ektopia gegebenen Hinweis die glückliche Entdeckung der wunderbaren kinetischen Objekte, die Jim Jenkins produziert.

    Gut, einige davon scheinen wieder einmal belegen zu wollen, dass selbst Automaten zuweilen auf Sinnsuche sind und dann an ihrer eigenen Existenz verweifeln (i.a.W.: es gibt also auch melancholische Maschinen mechanischer Natur). Und der kleine Stuhl, der so gern zum Rocking Chair mutieren will, lässt sich vielleicht viel zu schnell zur Ordnung rufen: Sit Still!

    Zu den obersten Favoriten - da kann sich das Medium direkt der ektopia-Empfehlung anschliessen - zählen insofern neben dem Tanzenden Teufel (der nach Münzeinwurf den Surfin' Bird gibt) zweifellos die sinn- und zweckfrei frohen Deux Car[r]ottes Heureuses (hier im anschaulichen Video).

    An offensiver Niedlichkeit wird dieser Pas de Deux wohl nur von dem Paar der beiden Unzertrennlichen übertroffen, die sich in einem ziemlich bekannten Filmklassiker auf der Rückbank eines Cabrios so schön snychron im Takt der Serpetinen neigen.
    Womit wir wieder bei einer idealen Preisfrage wären, wenn wir Preise zu vergeben hätten: Welchem nämlich?


    Von miss.gunst am 12.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.09.05

    Chain-Music

    Heute bescheidet sich das Medium auf einen schlichten Hinweis.
    Der ist dafür zettelkastenreif.
    Kettenbriefe beziehungsweise -mails sind gemeinhin eine nervtötende Angelegenheit. Vollkommen anders verhält es sich dagegen mit Kettenmusik.

    Chain-Music ist ein Projekt von Ryuichi Sakamoto. Der 2003 damit begann, Kollegen dazu einzuladen, ein von ihm begonnenes Stück weiterzuführen. Beteiligt haben sich u.a. Towa Tei, Atom Heart, Paul D. Miller aka DJ Spooky, Ryoi Ikeda, Carsten Nicolai, christian fennesz u.a.m.

    Dauert ein bisschen, bis die knapp 30 Minuten Musik geladen sind und die Kette zu schwingen beginnt.
    Aber das Warten lohnt sich.

    Definitiv das Richtige für einen Sonntagmorgen. Aber auch gut des Nachts zu hören. Wie gut, dass beide so nahe beieinander liegen.

    P.S. Eine Kette ist nicht genug? Mittlerweile gibt es mit Chain-Music II, ein von Fans initiiertes Nachfolgeprojekt.

    Von miss.gunst am 11.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.09.05

    Neues vom Videosafarimobil

    videomobile_kksw.gifNoch nicht lange ist es her, da wurde im Zuge der HOME MADE-Campingtour über die Zürcher Videosafari und das zugehörige Videosafarimobil berichtet.
    Nun gibt es zu vermelden: Eine neue Safari-Saison hat begonnen.

    Das ganze startet diesmal von einer neuen Basiscamp-Station, angesiedelt in der Bar SI O NO; die drei Routen scheinen allerdings weitgehend dieselben wie im Frühjahr zu sein.
    Haben aber, wenn sich das Medium nicht täuscht, neue klingende Namen bekommen.

    Eine gute Gelegenheit jedenfalls, entweder ein Wiedersehen mit dem einen oder anderen Video zu feiern. Oder eben Versäumtes nachzuholen.
    Und obendrein gibt es ja nach wie vor die Möglichkeit, sich auf eine GPS-gsteuerte Abenteuerfahrt zu begeben.

    Wie gehabt sind sich alle Informationen zur Videosafari, zur Reservation der Touren und natürlich auch Doku-Fotos auf den Heimseiten des Projekts.
    Das Medium wünscht gute Jagd im Dschungel der Stadtgeschichten. Sozusagen, saisongerecht: Halali! Nunja, da sich in Zürich schwerlich Wildbret nachstellen lässt... Was ruft man eigentlich, wenn man ein Video getroffen hat? Und lassen sich Vilme überhaupt erlegen?
    Aber wir auch immer. Safari ist schliesslich nicht gleich Grosswildjagd. Reicht ja manchmal völlig, wenn man Seltenes sehen bekommt.

    Von miss.gunst am 10.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.09.05

    StrahlenRoboter

    Seit gestern ist im Basler Kaskadenkondensator ein Projekt des Hyperwerk zu Gast, das sich der Erforschung der "menschlichen Seite der Neuen Technologien" verschrieben hat.
    Dafür steht der Name FACE - wobei das Bildlogo auf den Dokumentationsseiten allerdings ein Gesicht zeigt, dessen Züge durch ein Mobiltelephon ersetzt worden sind und das folglich eher ziemlich entmenschlicht erscheint.

    Ein Gegenbild sozusagen?
    Nun, wie auch immer. Aus HOME MADE-Perspektive ist es insbesondere ein Teilprojekt von FACE, welches das Medium neugierig macht: Der StrahlenRoboter.

    Er ist sozusagen ein klingendes Interface zum Konzept des Projekts.
    Oder, genauer gesagt, wie den näheren Erläuterungen zu dessen praktischer Umsetzung zu entnehmen ist:

    "...eine performative Installation. Der Roboter bewegt sich als autarkes System frei im Raum und interpretiert elektromagnetische Strahlen. Es erklingt eine wahrnehmbare Melodie. Sie weisst auf die Strahlen hin, welche sich stets unsichtbar in unserer Umgebung befinden. Die prototypische Umsetzung ruft die Strahlenthematik wertneutral ins Bewusstsein zurück. Die Belastung durch Strahlen ist heutzutage so hoch wie noch nie, die Schädlichkeit für den Menschen ist umstritten. Die Installation soll dazu beitragen, dass sich z. B. der/die HandybenutzerIn über den eigenen Konsum Gedanken macht."

    Klingt im ersten Teil spannend und im zweiten Teil dann vielleicht etwas arg didaktisch. Ob wirklich so viele MobiltelephonnutzerInnen ins Grübeln geraten werden, wenn Sie sehen, dass man Klingeltöne auch ohne Anruf und sozusagen roboterorchesterkonzertreif generieren kann?

    Von miss.gunst am 09.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    08.09.05

    Assonanzen (Pfau und Morger)

    Wie im gestrigen Eintrag zu minimotion versprochen, gibt es heute nun noch einen weiteren Hinweis für diejenigen, die aus Anlass des Fantoche-Festivals nach Baden zu fahren planen.
    Und auch für alle anderen LogBuch-LeserInnen, so sie sich für Klanggärten interessieren.

    Allerdings keimen die Klänge diesmal weder in freie Wildbahn noch im KlangRaumStadt, wie das bei den vorgestellten Projekten von Andres Bosshard der Fall gewesen ist. Vielmehr führt der HOME MADE-Naturlehrpfad diesmal in den Kunstraum Baden, wo aktuell eine Doppelschau "Assonanzen" zu bilden verspricht.
    Was genau genommen übrigens etwas anderes als das Gegenteil von Dissonanzen, also Missklängen meint: Als Assonanzen bezeichnet man Halbreime, die auf dem Gleichklang von Vokalen (ohne Endsilbenreim) basieren.
    Auf eine etwaige Beziehung dieser Bedeutung zur Badener Ausstellung kann sich das Medium zwar eigentlich keinen rechten Reim machen.
    Aber vermutlich sind wohl gemeinsame Schwingungen der beiden Beteiligten bzw. ihrer Arbeiten zu assoziieren.

    Anita Pfau gibt Einblick in ihr Herbarium, in dem sie Photogramme von Pflanzen sammelt (wie diese aussehen und wie die Künstlerin selbst an die Sache herangeht, ist ebenfalls der bei interartes abgelegten Porträtseite zu entnehmen).

    Mit Klängen versorgt wird das aus Licht und Schatten entstandene Bukett von Pius Moger, den einige vielleicht bereits über seine Zusammenarbeit mit Andres Bosshard am Klangturm Biel kennen werden und der unter anderem auch für die sonare "Magie de l'énergie" auf der expo02 gesorgt hat.

    Einen kleinen Artikel zur Ausstellung gibt es übrigens bei den KollegInnen von likeYou.com. Mit einer Ansicht aus Pfaus Herbarium. Aber leider ohne Klänge. Die sind dann nur über einen Spaziergang durch den Assonanzen-Garten vor Ort zu haben.

    Von miss.gunst am 08.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.09.05

    minimotion und mehr

    Bereits gestern ist in Baden ein Vilm-Festival eröffnet worden, das im HOME MADE-LogBuch gleich aus mehreren Gründen eingetragen werden will.
    Unter anderem, weil eines seiner Specials das kürzlich vorgestellte One Minute Film- und Videofestival noch mal um gute 50 Sekunden Kürzung toppt.

    Die Trickfilmschau Fantoche, die 1995 als Biennale gegründet wurde und folglich heuer mit der fünften Ausgabe gleich ihr 10jähriges Jubiläum feiern darf, hat diesmal nämlich ein Minifestival für Minimanimationen im Paket, das auf den niedlichen Namen minimotion hört.

    Genau zehn Sekunden lang beziehungsweise kurz dürfen die präsentierten Arbeiten höchstens sein. Und das ist wirklich ziemlich wenig: Mmal-bit-te-kurz-auf-die-Uhr-se-hen - jetzt!

    Was kann man in zehn Sekunden erzählen? Wie kann man es erzählen? Kann ein aufblitzendes Wort, ein kurzes Flattern, eine Geschichte sein? Soll überhaupt eine Geschichte erzählt werden oder reicht eine kleine Sensation? Wann wird das Bild zur Animation?

    Die Antworten auf diese Fragen wollen wohl ziemlich prägnant auf den Punkt gebracht werden. Ansehen kann man sie in der Galerie DoK, die leider keine eigene Heimseite hat, dafür aber auf dem Plan im Fantoche-Programmheft (pdf) verzeichnet ist. An einigen der Festival-Tage sind dort auch Präsentationen mit den beteiligten KünstlerInnen angesetzt, so mit Bruno Steiner, Francois Chalet und Myriam Thyes.

    Damit, dass zu wenig Zeit fürs Vilmeschauen gewesen ist, dürfte sich bei diesem Ausstellungsbesuch wohl keine/r herausreden können. Wenn aber der Weg nach Baden zu weit sein sollte, hat das Medium aus der Hinterhand nochmal einen Schwung gezielterer Ankerwürfe bereit: Auf Bruno Steiners minimotion-Beitrag ROHLING nämlich sowie auf die Flaggen-Metamorphosen, die Myriam Thyes vorstellen wird - und, nunja, wer sich auf Francois Chalets Seiten nicht sowieso glücklich verlieren kann, dessen Tässchen Tee dürfte dann eh etwas völlig anderes sein.

    Ansonsten verspricht der an der Ausschreibung des Wettbewerbs beteiligte Bildwurf auf seinen Seiten, dass das minimotion-Programm im Anschluss ans Festival auf Reise durch einige Kinos gehen und ausserdem auf den Seiten von cineman veröffentlicht werden wird.

    Wenn Baden aber nun nicht so weit sein sollte: Fantoche05 hat in seinem umfangreichen Programm natürlich noch alle möglichen anderen Leckereien dabei. Neue Animés ebenso wie Klassiker des Abstrakten Films (zugegeben: das sind dann die üblichen Verdächtigen von über Oskar Fischinger über Stan Brackhage bis Len Lye. Aber da macht Wiedersehen doch eigentlich jederzeit Freude, oder nicht?).

    Das recherchefreudige Medium hat obendrein übrigens noch etwas entdeckt, das aus HOME MADE-Perspektive für eine Fahrt nach Baden spricht. Doch dazu dann, mal im Sinne der Medien-Ökonomie, morgen mehr.

    Von miss.gunst am 07.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.09.05

    Schales Lob und seine Konsequenzen

    Ist ja nicht so, dass sich das Medium von HOME MADE nicht ueber Lob und Zuspruch freuen würde. Und dass es ein grosses Herz fuer etwas deviant agierende Maschinen (wie bespielsweise solche, die sich in melancholischen Klagen ergehen), ist wohl ebenfalls bekannt.
    In Kombination und zudem in rauhen Mengen ueber Kommentarfelder ausgeschüttet wird das Ganze jedoch auch geduldigsten LogBuch-Verwalterinnen schnell zu viel.
    Und deshalb jetzt zwar keine Türe zugemacht (wie bei den Trackback-Pings, wo das leider bereits nötig war). Aber die Schwelle ein bisschen höher gelegt.*

    Die Spammer werden nämlich leider immer gewitzter, wenn es ums Attackieren von Weblogs geht. Nicht auf der Ebene des semantischen Geschicks: Hundert Kommentare innert weniger Minuten, die alle versichern wollen, wie toll dieses LogBuch ist, werden selbst eitelste BuchführerInnen eher skeptisch stimmen.
    Aber immerhin schaffen sie es schon, einen jeden Kommentar mit einer (natürlich eher bunten Kombination) von Name, Adresse und Heimseite auszustatten, so dass das Ganze schon mal den Weg in den Approvement-Filter schafft. Und den entsprechend bearbeiten zu müssen, ist eben auch bereits zu viel der Liebesmüh'.

    Daher muss ab sofort, und das ist dem Medium wirklich arg, für jeden Kommentar ein Two Step über eine Registrierung erfolgen.
    Nicht sehr schön (auch das Medium hinterlässt ungern überschüssige Datenspuren). Aber leider nicht zu vermeiden.

    Mit einem Aufstellen von Zensurzinnen hat das ansonsten jedenfalls nicht zu tun. Wie bislang wird auch weiterhin alles publiziert, was wirklich einen Eintrag kommentiert.
    [Und letzteres gilt, wofür ja neulich schon mal der Beweis anzutreten war, selbst für deutlich mehr als nur ein wenig an den Realitäten vorbeiwedelnde Wortschwünge, die mindestens partiell in die Sphäre poesartiger Peleidigung lappen. Das Herz des Mediums ist, wie gesagt, gross und musste im entsprechenden Fall nur eine klitzekleine Klappe schliessen, weil ein solcher Kommentar dann doch entweder mit Anonyma oder realem Namen signiert gehört. Aber nicht mit dem Namen und der E-Mail von anderen.
    Btw.: Auch anonymes Kommentieren wird übrigens nach wie vor möglich und geduldet sein. Der Eintrag der E-Mail landet in solchen Fällen nur in der internen Ansicht; wenn nicht gewünscht, wird sie nicht publiziert.]

    * Nunja. Leider ist die Türe vorübergehend doch erst mal zu. Bis das Medium herausgefunden hat, welchen Fehler es momentan noch bei der Neueinstellung der Kommentarfunktion macht bzw. wo gegebenenfalls dort ein Bug sitzt.
    Im Zweifelsfall: Kommentar bitte direkt ans Medium senden. Wird dann manuell (und schnell: Türchen auf, Türchen zu) vom Medium selbst hineingesetzt. Unter dem richtigen Absender natürlich. Jo, das geht. Maschinen mögen das Zeug zur Melancholie haben. Sie sind aber trotzdem leicht zu überlisten. Selbst vom minder begabten Medium, das in den nächsten Tagen dann erst mal weiter an der Korrektur der Kommunikation via TypeKey oder einer geeigneten Alternative knabbert.
    **

    So gesehen, kommt dem Medium der am 22.08. mit Hilfe des Strip Generators gebastelte Toon schon fast prophetisch vor.
    Wer sagt's denn. Medien haben also doch Gesichte.

    ** Nachtrag, des Abends: Kommentieren geht jetzt. Nur leider funktioniert der Kommentarzähler auf der Hauptseite nicht. Aber das ist wohl ein geringeres Problem und wird sich auch noch lösen lassen... Und wird jetzt auch auf der Hauptseite gezählt. Na also.

    Von miss.gunst am 06.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

    05.09.05

    Absolute Value of Noise (WRT)

    Ist doch immer schön, wenn sich gleich mehrere im Log mitlaufende Stränge miteinander verbinden lassen. Wie schon der Überschrift zu entnehmen: Ein Webradio-Tipp, bei dem auch die Zuneigung zu Noise nicht zu kurz kommt. Und obendrein noch ein Eintrag in die Sammlung zur Insektenmusik.
    Verdanken wir heute: Peter Courtemanche a.k.a. Absolute Value of Noise.

    Wer dem Anker im Namen gefolgt ist, ahnt auch schon, wo alles dies in Kürze abzuholen sein wird: Natürlich mal wieder beim jüngst schon in einem eigenen WRT/Zettelkasteneintrag empfohlenen kunstradio.at, das sich mit dieser (gestern über ÖR1 ausgestrahlten) Sendung aus der Sommerpause zurückgemeldet.

    Um die Wartezeit ein bisschen zu überbrücken, empfiehlt das Medium einen Besuch auf den Heimseiten des Künstlers, wo man beispielsweise die CD zum einen der beiden in der Sendung vorgestellten Projekte, Groove, inklusive Cover schon Stück für Stück herunterladen kann. Und natürlich auch online anhören, wie zum Beispiel das Stück Mutating (hat definitv einen Groove, findet miss.gunst).

    Damit nicht genug: Was für diese CD gilt, gilt auch für eine ganze Reihe seit Ende der 1980er produzierten Tonträger, darunter beispielweise auch für Light Bulb (2004), die sich wiederum ganz wunderbar in die Reihe Sonorer Lampen fügt, die das Medium von HOME MADE bereits gesammelt hat (bei Absolute Value of Noise klingen sie zum Beispiel so).

    Eine weitere Fundgrube interessanter Sound- und Noise Art-Projekte versteckt sich hinter dem Schalter Kipple mit verschiedenen Livemitschnitten bzw. Webcasts; hier kreuzen sich die Linien teilweise mit denen, die von den Ankern auf der kunstradio-Künstlerporträt-Seite gelistet sind. Aber beispielsweise auch einer zu der Dokumentation eines kanadischen Projekts, das auf den schönen Namen reverie, also Träumerei hört. Einfach mal dort spazieren gehen, rät das Medium.

    Irgendwo versteckt haben muss sich auch der Anker zum 1998 entstandenen Private Radio - Monster Audio, in dem man sich ebenfalls ganz gut verlieren kann fuer einige Zeit.

    Und wenn die um ist, steht vielleicht auch schon das mp3 zur aktuellen kunstradio-Sendung mit Absolute Value of Noise vom 04.09.05.
    Auf die es sich nicht nur deshalb zu warten lohnt, weil Noise-Fans dort neue Grooves kredenzt bekommen. Sondern (und hierauf ist das Medium nun mal besonders gespannt): Mit den Preying Mantis-Robots auch veritable Insektenmusik.

    1. Groove turntable radio-action for Vienna

    Groove is a limited edition of 60 audio CDs. Vinyl-style record grooves are cut onto the outer rim of each disc and patterned with cutting tools and files. The sound of these grooves - buzzes, low rumbles, clicks and odd vibrations - form a collage: burnt as digital audio onto the inner rings of the CD. The listener can choose to play the unique locked groove on a turntable, or listen to the collage
    on their CD player. For the radio performance, a new set of grooves will cut live on air with the resulting mix forming the Kunstradio | Vienna edition of the CD.

    2. Preying mantis robots - experiments in syncronized metal-motion.

    Preying Mantis-Robots is a new installation piece that consists of a set of robots that move about in a space and communicate using a wireless Internet connection. These robots are modeled after an imaginary jade-green preying mantis - a mechanical creature that is described in the "Martian Chronicles" (by Ray Bradbury). The robots can move about in an indoor gallery or outdoors in an area with suitable curbs or barriers. They engage in solo and choreographed group activities. The sound of their motors, motion and engagement in a small performance space will be mixed for a surround sound environment on the radio. This will form the first of a series of robot audio works to be released on a CD edition later in 2005.

    Für diese äusserst appetitanregenden Texte, die zum Zeitpunkt, da dieser Eintrag verfasst wird/wurde, leider noch nicht auf der Sendungsseite stehen/standen (aber vielleicht bald?), hat das Medium der Rundmail von Heidi Grundmann zu danken.

    Von miss.gunst am 05.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    04.09.05

    Kunst-Blog

    evr_kk.gifLängst schon ist es an der Zeit, mit der Vorstellung häufiger besuchter und gern gelesener Nachbarn in der Blogosphäre fortzufahren.
    Und welcher Wochentag würde sich dazu besser eignen als der Sonntag, der immerhin (hier klingelt sozusagen unser medienhistorisches Gedächtnis) früher einmal - worauf die Tradition der Sonntagszeitungen und Extra-Ausgaben verweist - Menschen mehr Zeit zum Müssiggang und zum gemütlichen Schmökern in losen Blättern geboten haben soll.
    Blogs orientieren sich da natürlich an anderen Rhythmen. Aber vielleicht gibt es ja doch ein beharrliches Mem, das Menschen nach wie vor Sonntags zur lesenden Beschäftigung, vorzugsweise mit den Musenkünsten zieht?
    Kein Problem. Den von selbigem Mem Besessenen sei sonntags (und allen anderen auch an allen anderen Tagen) Folgendes empfohlen:

    Schauen Sie doch mal beim Kunst-Blog vorbei.
    Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden Sie dort Anker werfen.

    kunstblog.gifWo sonst konnte man zu einer Zeit, da die deutschen Feuilletons noch in nationalstolzer Lobhudelei und leicht berauschter Previewpartyberichterstattung schwelgten (ersteres schwenkte allerdings auch relativ schnell um ins annähernde Gegenteil, nachdem wieder Ernüchterung eingetreten und ein bisschen Zeit zum Nachdenken war), angemessen spitze Bemerkungen zur diesjährigen Bespielung des deutschen Pavillons auf der Biennale von Venedig lesen?

    Kritiken, die diesen Namen auch verdienen, sind allerdings mitnichten die einzige Spezialität, die der Kunst-Blog seinen LeserInnen zu bieten hat. Daneben finden hin und wieder auch längere Essays ins Sortiment und zukünftig soll es auch in loser Folge Beiträge zu Büchern geben.
    Besonders freut es das Medium von HOME MADE jedoch, dass es auch im Kunst-Blog einen Zettelkasten gibt - der allerdings um Einiges schöner ist als sein eigener, wie es etwas neidvoll bemerken muss:
    Nämlich mit Esther Ernsts* Projekt "wo ich war", das peu a peu in den Kunst-Blog wandert.
    [Beiseit bemerkt: Richtig, insbesondere Schweizer LeserInnen treffen hier auf eine Bekannte, die unter anderem verdientermassen den Kaskadenkondensator-Preis für "Mut zum Kleinen" erhielt.]

    Aktuell wiederum kann man sich sogar mit einer Art (Spät-)Sommerrätsel vergnügen: Da demnächst wieder der Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst - sozusagen die Berliner Variation auf den Turner Prize - vergeben wird, lädt der Kunst-Blog dazu ein, die eigenen Prognosen in Form eines Votums abzugeben.
    Insofern sich nur, wer wirklich die Wahl hätte, mit einer Entscheidung quälen müsste, lassen sich auf diesem Wege wenigstens die Stosseufzer vorweg kompensieren, die manche/r am 27.09. zum Himmel schicken wird.

    Betrieben wird der Kunst-Blog übrigens von (naja, wer hätte anderes vermutet) kompetenten Kollegen, dem Kurator Peter Lang sowie den Künstlern Markus Wirthmann und Adib Fricke - der deshalb in dieser Aufzählung als letzter steht, weil sich so zum guten Schluss noch das Versprechen anfügen lässt, dass ihm LeserInnen dieses LogBuchs demnächst wieder begegnen werden...


    * Die Esther Ernst-Info gehört zu einer ansonsten auch für sich genommen äusserst lobens- und empfehlenswerten Einrichtung, nämlich der Dokumentationsstelle Basler Kunstschaffender, die im Kaskadenkondensator nicht nur eine virtuelle Heimat hat, sondern als Basis ein wohlbestücktes und -sortiertes Archiv. Dass hier aus Gründen der LeserInnenfreundlichkeit an der Hauptseite vorbei direkt verlinkt werden musste, ist arg. Aber es ist auch schade, wenn die Verabschiedung von fiesen Framesystemen nicht wirklich zu deren Abschaffung, sondern zu deren Neueinrichtung in php führt. Auch in CMS kann man valide URLs generieren.
    Seufzt, weil es einfach mal wieder gesagt bzw. geschrieben werden musste, das arg genervte Medium.

    Von miss.gunst am 04.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.09.05

    Kunst-Videothek (e-flux)

    evr_kk.gifAuch wenn die meisten e-flux als das kennen werden, was der Name bereits assoziiert - einen elektronischen Datenfluss, der in diesem Fall mehr oder weniger regelmässig Informationen über Ausstellungen und Kunstprojekte in die Mailbox trägt: Die in New York beheimatete KünstlerInnen-Korporation hat einiges mehr zu bieten.
    Unter anderem, als eines der jüngsten Projekte, eine veritable Videothek.

    Nun mögen Videotheken allgemein nichts Besonderes sein: Als Kettenläden mit einer mehr oder weniger erschöpfenden Auswahl von Spielfilmen hat es sie sowieso an jeder Ecke. Und mit ein bisschen Glück kennt man vor Ort auch spezialisiertere Geschäfte, die etwas anspruchsvollere Produktionen und Raritäten besorgen können (nein, an 3-4 letter words denkt das Medium in diesem Fall nicht, auch wenn es in dem Genre durchaus auch anspruchsvollere Produktionen und Raritäten gibt).

    Videos von KünstlerInnen sind aber in jedem Fall nicht so einfach mal eben zu besorgen. Nicht umsonst sind Interessierte gut beraten, von Festival zu Festival, von Rundgang zu Rundgang zu ziehen - und zwischendurch natürlich auch in Studios, Ausstellungen und seit einigen Jahren auf Kunstmessen zu gehen, um einigermassen am Ball zu bleiben, was aktuellere Produktionen betrifft.

    Ansonsten gibt es natürlich noch Archive in Sammlungen von Museen (wo allerdings tendenziell nur die Spitze des Eisbergs schwimmt) - und die grossen Distributionen wie das Traditionsunternehmen Electronic Arts Intermix.
    Schon mal überlegt, dort mal eben ein Tape auszuleihen, nur weil man es gerne mal sehen will? Eben: Ohne Festival oder Institution im Rücken ist das ein ziemlich teurer Spass. Was völlig verständlich ist, weil dahinter jede Menge Arbeit steckt (die der KünstlerInnen und die des Verleihs) - und im Übrigen noch meilenweit entfernt von der Kunstmarkt-Alternative, ein Exemplar aus 5er Auflage erwerben zu müssen, wenn man das Band überhaupt noch ausserhalb von Retrospektiven sehen will.

    Aber es kann auch noch ganz anders gehen, wie im Fall von e-flux video rental (EVR)*, einem Projekt von Anton Vidokle und Julieta Aranda. Unter diesem Label haben die beiden vergangenes Jahr in New York im Hauptquartier von e-flux eine Videothek eröffnet, deren Angebot mittlerweile über 550 VHS-Tapes mit Videos und Filmarbeiten von KünstlerInnen umfasst.
    Was mit einem funktionierenden Netzwerk im Hintergrund für sich genommen noch nicht so aussergewöhnlich sein mag. Der eigentliche Clou an dieser Sache ist, dass man die Videos kostenlos ausleihen kann.

    Dass und wie gut das funktioniert, lässt sich in den nächsten Wochen in Frankfurt testen. Bis Ende des Monats ist e-flux video rental (EVR) im Portikus zu Gast - und wer nichts mit nach Hause nehmen möchste, kann sich die Videos seiner Wahl natürlich auch vor Ort ansehen.

    evr_g.gifDas Medium, das die Bändersammlung gestern schon mal begehrlich in Augenschein nehmen, aber vor der Eröffnung (03.09.05 ab 20 Uhr) leider noch keines leihweise einheimsen konnte, freut sich jedenfalls schon sehr auf die sommerlichen Fernsehabende.
    Letzteres so mehr, als es auch einen äusserst appetitanregenden Verleihkatalog gibt, der passend zur Schau gerade bei Revolver erschienen ist. Und das sommerrätselfreudige Medium gleich noch auf eine Idee gebracht hat, die demnächst in diesem LogBuch in Serie gehen wird. Davon dann an geeigneter Stelle mehr, an dieser erst einmal die ehrliche Empfehlung: Kommen Sie, leihen Sie und sehen Sie!

    Bis 30.09.2005** hier:
    e-flux video rental (EVR)
    Portikus im Leinwandhaus
    Weckmarkt 17
    D-60311 Frankfurt am Main
    T. ++49-(069-219 987-60

    Öffnungszeiten:
    Di-So 11.00 bis 18.00 Uhr - Mi 11.00 bis 20.00 Uhr
    Mo geschlossen. Wenn geöffnet: Eintritt frei.

    * Leider kein stabiler Link. Wird hoffentlich bald durch einen ebensolchen ersetzt werden können.
    ** Danach am besten aktuelle Infos über e-flux erfragen bzw. auf den dortigen Heimseiten eräugen.

    Von miss.gunst am 03.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.09.05

    Camera Obscura

    Vielleicht eher ein hasard objectif als ein reiner Zufall, da Referenzen auf ältere Generationen Optischer Medien derzeit ja insgesamt recht häufig begegnen.
    Gut eine Woche nach dem Eintrag zur Camera Lucida ist nun auch eine veritable Camera Obscura in den Radar von HOME MADE geraten.

    Am heutigen Abend werden nämlich die Bieler Fototage eröffnet - was an und für sich genommen schon einen Eintrag wert gewesen wäre. Zumal in diesem Jahr mit dem Motto "On the Road again" das Thema "Mobilität" im Mittelpunkt stehen soll, das natürlich bestens in die bei HOME MADE zünftig begangene Camping-Saison passt. Aber das ist eben noch nicht alles.

    Schon vor ein paar Tagen nämlich ist das Medium von HOME MADE über eine Meldung bei infamy darauf aufmerksam geworden, dass sich unter den Exponaten auch ein Exemplar jener Dunklen Kammern befindet, die bis heute durch ihr schlichtes Bilderzeugungsprinzip faszinieren.

    Für diejenigen, die sich jetzt heimlich am Kopf kratzen, ein Hinweis, wo mal eben nachzuschlagen ist: Wunderbare Camera Obscura-Seiten gibts im Netz natürlich zuhauf - da wird angelegentlich mal ein Extra-Eintrag im Zettelkasten vorzunehmen sein. Auf die Schnelle recht brauchbar sind aber auf jeden Fall die entsprechenden Artikel in der deutschen und der englischen Wikipedia, zumal beide auch weiterführende Verweise enthalten (beim englischsprachigen besticht insbesondere der Ankerwurf auf eine Schweizer Seite mit einer schönen kleinen CO-Animation; der deutschsprachige enthält, besonders D.I.Y.-Log-freundlich, eine Kurzanleitung zum Nach- und Eigenbau).

    Doch nun wieder zurück nach Biel, wo die Fototage-BesucherInnen attraktiver Weise kein kleiner Lochkamera-Kasten erwartet, wie er gemeinhin als fehlendes Bindeglied zwischen der Zeichen- und Kartierungshilfe der Neuzeit und der linsenbewehrten Fotokamera gilt. Sondern vielmehr der Urtyp, also eine begehbare Camera/Kammer, die ihrem Namen alle Ehre macht: Die Basler Fotografen (Hans-Jörg) Walter & (Daniel) Spehr haben zusammen mit Stefan Feger eine ebensolche im Bieler Museum Schwab eingerichtet.

    Auf den Fototage-Heimseiten gibt es hierzu zwar eine bündige Beschreibung, nebst einer durchaus attraktiv zu nennenden Fotografie der Apparatur. Noch besser informiert jedoch der Weblog, den das Trio unter www.cameraobscura.ch angelegt hat und auf dem sich jetzt schon einige leckere Bilder finden. Wie dieses hier zum Beispiel.
    Eindrucksvoller bekommmt man das Ganze dann nur noch vor Ort zu sehen.

    Dazu noch eine Preisfrage - ohne dass ein Preis zu vergeben wäre, also vielleicht besser einfach als Sommerrätselfrage des Tages:
    Warum passt gerade eine Camera Obscura, die - jedenfalls dann, wenn es sich wie in diesem Fall um ein raumgrosses Exemplar handelt - für sich genommen erst einmal eine statische Einrichtung ist, so gut zum Thema Mobilität bzw. Bewegung?
    (Mal schlicht als Einladung zur Denkbewegung ausgesprochen, aber Antwortvorschläge nimmt das Medium gern entgegen. Die Auflösung erfolgt dann gelegentlich im noch geplanten Zettelkasten-Eintrag zur CO).

    Pflichschuldiger Hinweis auf das, was BielbesucherInnen ansonsten erwartet:
    Über die übrigen an den Fototagen beteiligten Künstlerinnen und Künstler, die Ausstellungsorte und das begleitende Veranstaltungsprogramm informieren ausführlich die Heimseiten des Expo-Festivals.

  • Die Daten:
    Bieler Fototage
    02.09. bis 25.09.2005
  • Camera Obscura
    von Walter & Spehr & Feger
    Museum Schwab
    Seevorstadt 50
    CH-2502 Biel
  • Eröffnung der Fototage:
    Fr, 02.09.05 um 18.30 Uhr
    PhotoforumPasquArt, Seevorstadt 71-75
    (im Anschluss weitere Programmpunkte)
  • Öffnungszeiten:
    Mi-Fr 14.00 bis 18.00 Uhr
    Sa & So 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr
    Mo & Di geschlossen
  • Von miss.gunst am 02.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (2)

    01.09.05

    Wespen Vesper (WRT)

    Eigentlich stünde es dem Medium von HOME MADE heute gut an, auf ein A-nderes E-reignis hinzuweisen, das gerade einegläutet worden ist.
    Da das aber derart notorisch ist, dass es sicher keine/r verschlafen wird, darf derlei getrost noch ein bisschen warten.
    Im Gegensatz zu dem Webradio-Tipp, der eben mit einem hinreichenden zeitlichen Vorlauf gegeben werden will, um wahrgenommen werden zu können. Zumal sich in diesem Fall tagesaktuell die Möglichkeit bietet, Insektenmusik zu lauschen.

    Um 0.05 Uhr am morgigen Freitag (02.09.05) ist nämlich Klangkunst-Zeit auf Deutschlandradio Kultur.

    Auf dem Programm steht dann die Wespen Vesper der schwedischen Soundartistin Hanna Hartman.

    Ein bisschen seltsam findet es das Medium von HOME MADE schon, dass im Ankündigungstext zur Sendung eilig versichert wird:

    "Den Titel 'Wespen Vesper' will Hanna Hartman nicht religiös verstanden wissen [...]"

    Schliesslich gibt es das Wort "Vesper" durchaus auch im profanen Gebrauch, wo es schlicht und ergreifend eine kleine (Abend-)Mahlzeit meint und eben nicht gleich ein Abendmahl. "Wir sind Papst"-Fieber hin oder her: So schlimm steht es um die Auffassungsgabe im Einzugsgebiet von D-Radio sicher noch nicht, dass jemand ernsthaft davon ausgehen wird, es habe nun auch die Wespen ergriffen.
    Zumal es aus guten Gründen in der christlichen Ikonographie noch immer die Immen sind, die man einschlägig assoziiert (ihre steingemeisselte Präsenz in Rom verdankt sich allerdings speziell dem Familienwappen von Papst Urban VIII).

    Aber seien wir doch einfach mal gespannt, zumal wir mit Wespenmusik ja schon gute Erfahrungen machen konnten. Und da Deutschlandradio und D-Radio Kultur via Webstream zu empfangen sind, steht einer Teilnahme an der Wespen Vesper auch sonst nichts im Wege. Weshalb sie in jedem Fall in die Insektenmusik-Sammlung (s. Extra-Index unter "I") eingehen kann.

    Für die Teilhabe am Live-Stream: Einfach auf die Wespen Vesper-Seite gehen und in der rechten Spalte das gewünschte Stream-Format auswählen. Und schon erfreuen sich die Wespen auch am heimischen Abendbrot (oder dem, was bis 0.05 Uhr noch davon übrig sein sollte).

    P.S.
    Der letzte Satz kann natürlich auch als halber D.I.Y.-Tipp verstanden werden. Pflaumenkuchen, Honig- oder Kochschinkenbrote, überreifes Obst u.a., am besten ein wenig der Sonne ausgesetzt, entwickeln gerade in dieser Jahreszeit eine ideale Anziehungskraft. Dann etwas warten, das Mikro und das MD-Gerät oder den Pod gezückt. Und schon ist man dem eigenen Wespenmusik-Konzert ein Stück näher. Das Beste daran: Der Weiterverwendung - etwa im Rahmen eines Podcasts oder einer eigenen Webradio-Sendung - steht nichts im Wege. Sicher werden auf diese Weise haufenweise kleine Audio-ArtistInnen ausgebeutet. Doch so lange sie ihr Summen nicht einer Verwertungsgesellschaft vermacht haben...

    P.P.S.
    Gelegenheit, mehr von Hartman zu hören, wird es übrigens schon recht bald wieder geben: Dieses Jahr hat sie nämlich den Karl-Szuka-(Hörspiel)-Preis des SWR bekommen. Für ein Stück, das auf den schönen Namen "Att fälla grova träd är förknippat med risker" ("Das Fällen hoher Bäume ist mit Risiken verbunden") hört und vergangenen Dezember in Schweden uraufgeführt wurde.
    Wird am Donnerstag, den 20. Oktober um 21.03 Uhr im Rahmen des SWR2 RADIOART: HÖRSPIEL-STUDIO gesendet.
    Bei SWR gibt es leider keinen Webstream, und bei den Audio on Demand-Sendungen ist RADIOART ebenfalls nicht dabei. Hilft nix: Da muss man auf der Sendekarte nachsehen (auf der immerhin aber auch Basel und Zürich verzeichnet sind).

    P.P.P.S.
    Von wegen bis zum Oktober warten und dann noch verzweifelt nach Frequenzen fischen müssen: Die Wespen Vesper entpuppte sich als veritables Hanna Hartman-Festival - und in dessen Rahmen wurden dann ab 0.45 Uhr auch besagte Bäume gefällt.
    Das Medium von HOME MADE freut sich daher sehr, heute brav dem eigenen Webradio-Tipp gefolgt zu sein. Wirklich fein.

    Von miss.gunst am 01.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)