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24.09.05
RadioNetz (Nach Neuhaus) (WRT)
Höchste Zeit, mal wieder mit einem Webradio-Tipp zu winken.
Beim Londoner resonance fm 'reinzuhören, geht natürlich fast immer (und fast von überall, zumal man sich je nach Verbindung und Präferenzen sehr bequem das Stream-Format aussuchen kann). Trotzdem lassen sich aber spezielle Programmhinweise auf besondere Leckerbissen geben.
Samstags von 15.30 Uhr bis 16.30 Uhr zum Beispiel sendet derzeit immer das erst in diesem Jahr frisch gegründete UNST-Kollektiv. Für resonance fm bestückt UNST ein Format namens "bespoke sound", bei dem aber mitnichten nur Töne besprochen werden sollen:
Bespoke Sound presents an hour of custom-made radio art. The work produced for Unst: Bespoke Sound is created specifically for the weekly radio slot; it is not recycled or handed down from other sources, other purposes. Some weeks, the programme features the work of one artist who may present a single piece or a series of pieces. Other weeks feature a collaborative work by the members of Unst collective, bringing together our diverse approaches to transmission art. And sometimes a programme consists of a collection of works by different artists.
So präsentiert UNST-Mitglied Seth Kim-Cohen - der sich übrigens selbst als "conceptual sonician" bezeichnet (vermerkt sich das Medium gleich mal auf seiner Liste potentieller Lieblingsberufe) - am heutigen Samstag (24.09.05) einen echten Klassiker, nämlich Max Neuhaus' "Radio Net".
Ins Werk gesetzt wurde das Radionetz erstmals 1977 und stellte damals tatsächlich ein ziemlich radikales Sendekonzept vor, indem es nämlich Interaktvitiät und Closed Circuit - zwei Ideen, die damals eigentlich mehr im Bereich der Videokunst zirkulierten - miteinander kombinierte: Erst konnten die HörerInnen bei dem Sender, in dem Neuhaus sass, anrufen - das Klangmaterial liess Neuhaus dann von automatischen Mischpulten bearbeiten und schickte es mittels Radiotechnologie auf Rundreise durch die verschiedenen Senderstationen.
"Daraus entstand ein riesiger 'Klang-Transformatorkasten' mit einer Breite von 2400 km, einer Länge von 4800 km und fünf Ein- und Ausgängen in Washington. [...] Sogar mit Frequenzmodulator und Verstärkungsregelung war jede Schleife eine Art Lebewesen, das sehr schnell außer Kontrolle geraten konnte. [...] Meine Aufgabe war es, dieses Riesentier aus fünf Schleifen mit so wenig Intervention wie möglich im Gleichgewicht zu halten."
So weit Max Neuhaus selbst über sein Radio Net (und zwar in dieser Fassung aus "Rundfunkarbeiten und Audium", in: Zeitgleich, Wien: Transit 1994, S. 25-26) - um auch für diejenigen, die dem zu Guido Föllmers Kurztext für's MedienKunstNetz ausgeworfenen Anker nicht gefolgt sind, noch ein bisschen plastischer machen können, wie das ganze funktionierte.
Wie es heute nachmittag bei der Sendung des UNST-Kollketivs funktionieren wird, darauf ist selbst das Medium sehr gespannt. Kann aber versichern, dass die bisherigen Bespoke Sound-Ausstrahlungen bereits sehr lecker ausgefallen sind. Am vergangenen Samstag (Sünde, keinen Webradio-Tipp gegeben zu haben) stand beispielsweise - ebenfalls ein Klassiker - Alvin Luciers Arbeit "I am Sitting In A Room" (1969; das Skript gibts beim MKN und das mp3 des Originals bei ubu.web) auf dem Programm. Und zwar von ihm selbst vorgetragen bzw. performt. Wer es verpasst hat, kann sich allerdings auf den UNST-Seiten im Bereich "Audio/Photo" sowohl ein mp3 der Performance als auch ein Interview abholen, das Seth Kim-Cohen mit Lucier geführt hat. Was will man mehr?
P.S.
Quasi als spezieller Gruss aus CH zu Neuhaus hier noch ein kleines Porträt und eine Werkliste der Electronic Music Foundation, ins Netz gestellt anlässlich seiner Suspended Sound Line, die 1999 für die Stadt Bern entstanden ist.
Von miss.gunst am 24.09.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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