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14.10.05
ElektroPopKlub
Klubs im Kunstbetrieb - das tönt erst mal nach einem alten Hut. Genauer gesagt: Nach einem abgehangenen Modell, mit dem Institutionen entweder versuchen, so genanntes "jüngeres Publikum" anzulocken und/oder den Stammgästen einen Hauch ewiger Jugend zu suggerieren.
Wobei die Sehnsucht nach Glamour und dem radikalen Chic von Orten, die (Halb-)Öffentlichkeit und Intimität, Exklusivität und Zugänglichkeit, Emotionalität und Coolness, die Flüchtigkeit des dafür aber absolut einzig- und grossartigen Moments derart dezidiert zu vereinen verstehen auf diese Weise nur im Nachbau, also einem Surrogat Befriedigung suchen bzw. finden kann. Ein Klub ist eben kein Museum und vice versa.
Auf der anderen Seite aber haben nicht nur Künstlerklubs eine lange Tradition. Klubformate können auch als Produktions- und Distributionsmodus für Kunst funktionieren.
Und sich seitens Kunst vermittelnder Institutionen dafür zu interessieren, hat natürlich schon seine Berechtigung. Die Frage ist dann, ob und wie es gelingen kann, entsprechende Kanäle herzustellen.
Zum Beispiel, indem sich ein Kunstverein dieser Aufgabe annimmt? Passt immerhin schon mal als Plattform besser: Schliesslich sind (in Deutschland) ein Gutteil der Kunstvereine bei ihrer Gründung zunächst mal Künstlervereine gewesen - und der Rest geht auf bürgerliche Zusammenschlüsse zurück. Blinzelt man ein bisschen in Richtung historischer Perspektive, liegen mithin Verein(shaus) und Klub(heim) schon mal relativ nah zusammen.
Speziell der Kunstverein Wolfsburg hat mit Justin Hoffmann zudem einen Leiter, der wirklich etwas von der Sache versteht. Weniger, weil er selbst in einer Band spielt, die schon seit mehr als zwanzig Jahren in beiden Welten gleichermassen zu Hause ist (nämlich FSK, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Organisation der Filmwirtschaft). Sondern weil er - u.a. für den (Münchener) Kunstraum Goethestrasse - schon einschlägige Projekte kuratierte, lange bevor es allgemein zum guten Ton zu gehören begann, sich seitens des Kunstbetriebs für (Independent-)Popkultur zu interessieren.
Wenn am heutigen Freitagabend (14.10.05) im Kunstverein Wolfsburg der ElektroPopKlub eröffnet, dann handelt es sich schon deshalb um ein spannendes Projekt, weil erstens der Ausgangspunkt tatsächlich der Produktionsmodus "Klub" gewesen ist und es sich zweitens um die zweite Phase eines binationalen Austauschunternehmens handelt, dessen erster Teil zuvor in Polen stattgefunden und - wie aus der Dokumentation auf den Webseiten hervor geht - dort bereits einen ansehnlichen Aktivitätsradius entwickelt hat.
Mitte August diesen Jahres wurde der Klub zunächst für vier Wochen in Bytom eingerichtet, wo es dann eine Reihe von Workshops mit KünstlerInnen-Gruppen und natürlich diverse Konzerte gab.
Das deutsch-polnische ElektroPopKlub-Team, bestehend aus
Marcin Do? (Filmemacher, Musiker- und Künstlerkollektivs B?dzin Beat, B?dzin), Immanuel Günther aka Manu (DJ, Musiker, Mooner Industries/Club Le Bomb, München), Jakub Jezierski (Grafikdesigner, Zeitschrift A4 [möglicherweise nicht nach der DIN-Norm benannt, sondern nach der gleichnamigen Autobahn?], Mitglied von "Storwarzyszenia Twórców Grafiki U?ytkowej"), Barbara Loreck (Künstlerin, Mitglied von Fernwärme, Dozentin an der Universität der Künste, Berlin), Katharina Marszewski (Künstlerin, Vertreterin des Kunstverein Wolfsburg), Kamila Kanclerz (Innenarchitektin, Modelabel east chic), Agnieszka Psuik & Adrian Chor?ba?a (Zeitschrift Ultramaryna), Franziska Wicke (Künstlerin, Freie Klasse Braunschweig)
bringt nun nach Wolfsburg nicht nur einige der Arbeitsergebnisse aus den Bytomsker Workshops mit, sondern stellt vor Ort ein vergleichbares Programm auf die Beine. Dessen Details bittet das Medium den liebevoll gestalteten ElektroPopKlub-Webseiten zu entnehmen (öffnen alle in Java-Fensterchen, daher hier keine direkten Ankerwürfe). Ob und inwieweit das Ganze dann auch als Ausstellung funktioniert, ist vielleicht sogar sekundär. Denn einen Klub macht am Ende eben doch das aus, was vor Ort und zusammen mit den anwesenden Menschen passiert.
ElektroPopKlub
im Kunstverein Wolfsburg e.V.
Schlossstraße 8
D-38448 Wolfsburg
www.elektropopklub.org
15.10. bis 20.11.2005
Eröffnung am heutigen Freitag, 14.10.2005 um 19.00 Uhr.
Von miss.gunst am 14.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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