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31.10.05

Der Plan, der glücklich macht

Na klar, jetzt hat es auch das Medium erwischt. Wer mit DIY anfängt, landet früher oder später im Ratgebergeschäft: Wie wäre es mit Tesla-Yoga für die Wirbelsäule oder ein bisschen Reflexzonen-Massage für's Motherboard?
Aber die Räucherstäbchen können wir trotzdem in der Schachtel lassen.
Für den Flow, auf dem es sich butterweich in die Woche gleiten lässt, ist anderweitig gesorgt.

Und das geht so:
Die Begegnung mit dem tollen ZOIK vor ein paar Tagen gemahnte das Medium nämlich - eigentlich weniger der Tonalität wegen als der guten Stimmung halber - an eine ganz wesentliche musikalische Prägung seiner frühen Jugendjahre. Folglich musste es, von echtem Sentiment gebeutelt, unverzüglich wieder einmal den Heimseiten von Der Plan einen Besuch abstatten.

Dort wiederum wurde es von einer in der Tat schlicht und ergreifend glücklich machenden Überraschung erwartet.
Dieses Glück möchte es mit seinen treuen Blog-LeserInnen natürlich liebend gerne teilen.
Wozu es eigentlich nicht vieler weiterer Worte bedarf - nur so viel:
Ebendort im Neuigkeiten-Bereich findet sich ein Anker auf die aktuelle UFO-Hawii-Produktion (wasdasist? Verraten die versammelten Playlists) von Künstler treu ausgeworfen.

Selbige trägt den grandiosen Titel Die Pfötchen der Wahrnehmung und krault uns derart liebenswert die Öhrchen, dass zwischen letzteren doch eigentlich nur noch die Sonne scheinen kann. Oder etwa nicht?

Von miss.gunst am 31.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.10.05

AutoKinoRadio - AutoRadioKino

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Endlich ist es so weit! Heute lädt Land's End zu einer sehr speziellen Cow Session (was das ist, lässt sich einem älteren Log aus dem Sommer entnehmen) ins Offenbacher Hafenrandgebiet: Der Drive In Film Show.
Speziell ist sie nicht nur deshalb, weil anders als an den bisherigen Samstagabenden diesmal nicht nur gute Musik und Spezereien zur Versammlung im und um den Camper locken.

Auch das Autokino selbst funktioniert etwas anders das klassische Freilichtformat - das seinerseits bekanntlich weniger als Hort besonderer Filmfankultur denn als in Zeiten gesellschaftlicher Prüderie hochgeschätzte Knutsch- und Fummelzone Geschichte geschrieben hat.

Auf der Leinwand wird es nämlich keine Hollywood-Streifen, sondern künstlerische Produktionen zu sehen geben. Und der Ton kommt zwar, wie es sich für ein echtes Drive In gehört, aus dem Autoradio - wird aber, inklusive Live-Einlagen, aus dem Studio des lokalen Kultursenders RadioX (nein, nicht der Basler in diesem Fall) in die Arena geschickt. Mehr oder weniger synchron, versteht sich.

Echtes Experimentalkino also - wobei: geknutscht und gefummelt darf natürlich trotzdem werden. Wenn man neben dem Schauen, Lauschen, beides irgendwie zusammenbringen und zwischendurch noch im Camper Spezereien holen überhaupt dazu kommt.
Für die Erholung vom Multitasking steht aber in jedem Fall nach dem letzten Film bzw. Video die Consume Bar bereit.

  • Die Daten:
    Drive In Film Show bei Land's End
    Hafen 19a
    D-63067 Offenbach am Main
    Kino: 20.00 Uhr bis 23.00 Uhr
    Im Anschluss: Bar
  • Von miss.gunst am 29.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    28.10.05

    Institute for Computer Music and Sound Technology

    Das schlechte Gewissen hat sich gerade mit einer riesengrossen Flüstertüte (genau, so einem DIY-Stimmverstärker) neben dem zarten Öhrchen des Mediums positioniert und folgendes hineingepustet:
    ICST vorstellen! Sofort!

    Grundsätzlich hat das Medium zu seinem schlechten Gewissen ja schon ein eher ausgeglichenes Verhältnis. Aber in diesem Fall muss es wirklich stante pede ran. Schliesslich feiert das Zürcher Institute for Computer Music and Sound Technology (eben: IC- kein M, sic - ST) nicht alle Tage seine offizielle Gründung. Sondern eben just in diesen.

    In die Welt gebracht wurde das ICST zwar bereits im Januar des Jahres und es hat seither auch schon verschiedentlich zu Veranstaltungen eingeladen. Und da sich das Medium gerade so gar nicht in Zürich aufhält, muss es zwecks dieser seiner warmherzigen Werbung wirklich telepathische Kräfte bemühen. Oder so etwas ähnliches jedenfalls.
    Gleichwohl, da es sich um eine Institution handelt, deren Adresse erstens aus HOME MADE-Perspektive klar in den Zettelkasten gehört und deren Inaugurationsfeier zweitens eben deshalb nicht übergangen werden darf.
    Wenngleich sie aus diversen Gründen ganz sicher keines Supports seitens fern mit Empfehlungen herumwedelnder Medien bedürfen dürfte.

    Schon das Eröffnungskonzert am Mittwoch (26.10.05) trumpfte nämlich mit dem hier bereits weidlich häufig erwähnten Bruno Spoerri zusammen mit Françoise Barrière (keine Heimseite, aber hier ein ausführlicheres Portrait en Français) auf.

    Und gestern (27.10.05) ging es dann mit folgenden ausgewählten Leckerbissen weiter: Nach einem Nachmittag mit Vorträgen zum nahe liegenden Thema Sound Technology und einer Videoschau gabs abends - und da braucht es eben null spiritistische Energien, um laut loszuheulen, wenn man nicht dabei war, denn das dürfte den Vorkenntnissen des Mediums nach wirklich schlicht und einfach lecker gewesen sein - wieder Konzert; nämlich mit Steinbrüchel, dem auch am Hause situierten Martin Neukom, Stephan Wittwer, Jean-Claude Risset (hier ein schönes Porträt mit weiterführenden Ankerwürfen), Jasch, Oval (ja, bekommt früher oder später auch mal einen eigenen Zettelkasteneintrag. Trotzdem an dieser Stelle neben einem ausführlichen Artikel über den aktuellen Oval-Haupt- bzw. Alleinvertreter Markus Popp auch ein Hinweis auf's Archiv bei Ex-Mitstreiter Sebastian Oschatz und die Musikseiten von Frank Metzger), Pita von Mego, COH (auch bei Mego) und Marcus Maeder.
    Kurzum: Nicht offenen Öhrchens vor Ort gewesen sein zu können, knickt das Medium schon ein gehöriges bisschen.

    Damit es anderen (mit möglicherweise auch etwas anders gelegenen Präferenzen) nicht genauso ergehen möge, eiligst ein Hinweis auf das heutige Tagesprogramm, das ebenfalls um 14.00 Uhr mit Vorträgen beginnt* von Neukom, Risset, Clarence Barlow und Christian Schneider; ab 15.00 Uhr** nochmals Gelegenheit, Audiovisuelles von den oben bereits genannten aufzusaugen.

    Vor allem anderen gibt es aber dann ab 20.00 Uhr einen Konzertabend*** mit einem RIESENprogramm. Etwas klassischer als gestern, wenn man das mal so sagen kann. Aber das ist nicht wirklich als aber gemeint. Sollte jemand zweifeln oder nicht auf den Anker zum Gesamtprogramm geklickt haben, hier mal zum Mundwässern das Menü:

    Jean-Claude Risset: Sud
    Judy Klein: From the Journals of Felix Bossonet
    Clarence Barlow: Sinophonie I, fLvXv$
    Joachim Heintz: Ambi-Schlagfluss
    Bernd Schurer: Ephemeral III
    Oval
    Gary Berger: Unknüpfbar zerrissen
    Karin Ernst: Geister, die sie riefen
    Bruno Spoerri: Hausmusik
    Gerald Bennett: Un Madrigal gentile
    Philippe Kocher: New Piece
    Rachel Eisenhut: kurzes/treffen
    Peter Färber/Johannes Schütt/Kornelia Bruggmann: Tegna

    Aaargh. Dabei sein ist bekanntlich nicht immer alles, aber in diesem Fall wäre es doch auch ganz schön. Oder?

    Weil sich das Medium an dieser Stelle freilich (sicher nicht ganz unberechtigter Weise) fragt, warum ein den elektronischen Medien(technologien) verpflichtetes Institut auf seinen ansonsten ja schon recht gut ausgestatteten Heimseiten (btw.: hier geistert noch ein wesentlich spärlicher ausgestattetes Double in der Netzwelt herum) nicht selbst wenigstens ein paar wenige Anker auf die in seinem Eröffnungsprogramm vertretene Prominenz setzt (ok, wahrscheinlich war angesichts der für selbiges zu treffenden Vorbeitungen einfach keine Zeit), muss es an dieser Stelle herzlich darum bitten, die eigentlichen Zettelkasteninformationen zur Institution als solcher daselbst abzuholen.
    Denn seinem eingangs erwähnten schlechten Gewissen hat es gerade derart grosszügig Genüge getan, dass sich letzteres gerade schon wieder mit Hinweisen auf andere dringend anstehende Pflichterfüllungen vor dem anderen Ohr postiert...

    * Vorträge am Freitag, 28.10.05 ab 14.00 Uhr im Kleinen Saal, Hochschule Musik und Theater Zürich, Florhofgasse 6, CH-8001 Zürich.
    ** Videos am Freitag, 28.10.05 von 15.00 Uhr bis 18.00 Uhr im Vortragssaal, Hochschule für Gestaltung und Kunst HGKZ, Ausstellungsstrasse 60, 8005 Zürich.
    *** Konzert am Freitag, 28.10.05 um 20.00 Uhr im Grossen Saal, Hochschule Musik und Theater Zürich, Florhofgasse 6, CH-8001 Zürich.

    Von miss.gunst am 28.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    27.10.05

    Tolles ZOIK

    Kein Witz (in dem Sinne, dass dem Medium die Röchtschraubung abhanden gekommen wäre). Aber was Zoik machen, ist tolles Zeug und entbehrt auch eines gewissen (Aber-)Witzes nicht.
    Kommt deshalb gleich in den Zettelkasten und wird als Eintrag für ebendendiesen insbesondere allen denjenigen ans Her(t)z gelegt, die sich den entsprechenden Tipp nicht schon bei den KollegInnen von der De:Bug abgeholt haben.

    Im Kleingedruckten könnte man sich's jetzt besonders bequem machen und für die Vorstellung der beiden Zoik-Bastler einfach auf den entsprechenden Eintrag in der dortigen Neuigkeiten-Liste verweisen.

    Weil da aber dann neben ein paar Basis-Infos nur die Empfehlung gegeben wird, sich das Ganze zum Feierabend-Bierchen zu Gemüte zu führen - was sicher nett gemeint, aber doch ein wenig zu wenig Würdigung ist, will das Medium wenigstens noch ein paar Favoriten aus den gesammelten Werken herauspicken.
    Besonders toll am tollen Zoik ist nämlich, das Letztere - eine Seltenheit im Land der GEMA-Verpflichteten, da die ihren Mitgliedern so etwas eben nicht gestattet - voll und ganz im WWW erreichbar sind. Man kann sich also mit zunehmender Begeisterung von Stück zu Stück lauschen und währenddessen (auch ohne Feierabendbierchen intus) immer bessere Laune bekommen.

    Allerdings sind alle mp3s so aufgesetzt, dass (bei Vorhandensein geeigneter Hilfsmittel auf dem eigenen Rechner bzw., najaseufz, Zulassung von Java) dass sich zum Behufe des Hörgenusses ein Fensterchen öffnet - in welchem manchmal, aber nicht immer, immerhin als Surplus noch ein Bildchen erscheint
    .
    Eben aus letzterem Grund gibt es auch keine direkten Ankerwürfe auf einzelne Tophits, sondern so etwas wie ein imaginäres Des-Mediums-Lieblingszoik-Mixtape, enthaltend:
    fussel: "frosch" (klingt übrigens ein bissel, als wär er mit einem Eisbären verwandt) - iiuu: "tarifrunde" (Disko!) - kaltes Ä: "mach den recorder an, ich hab die pfanne auf" (RäpHörspül) - iiuu: "nothing" (was Ruhiges zum Ausklingenlassen).
    Und noch viel mehr natürlich, aber gerade wird das Medium doch ein wenig faul.

    Live werden Zoik übrigens das nächste Mal am 02.12.05 in der Hamburger Astra-Stube zu hören sein.
    Dort spielen sie - was quasi gleich den nächsten Zettelkasteneintrag geben könnte und obendrein elegant dazu überleiten lässt, dass nach wie vor Berichte aus den Niederlanden auf die treuen HOMEMADE-LeserInnen warten - zusammen mit den holländischen Totzizok Soundwerkern auf.

    Hoppeldipoppel, dann mal ab nach Hamburg Anfang Dezember. Oder?

    Von miss.gunst am 27.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    26.10.05

    Rauschen ff.

    Weil es bedauerlicherweise nach wie vor an der Musse gebricht, in den Zettelkasten aus NL zu greifen, muss ersatzhalber wieder mal ein Hinweis herhalten.
    Praktisch, dass das Tesla Berlin sowieso fast jeden Abend etwas Interessantes anzubieten hat (wann gibt es eigentlich Ableger für die übervorteilten Menschen, die andernorts ihr müdes Teslaloses Dasein fristen?) - und noch praktischer, dass mittwochs nach wie vor die Reihe RadioTesla läuft.

    Nachdem im letzten Monat das Thema Funkstille bereits einen feinen Ankerpunkt lieferte, geht es dieses Mal ums Rauschen, das ja auch eines der Stichworte ist, auf die das Medium seinen Radar eingestellt hat.

    Letzte Woche war eine Live-Performance von StØrfan Sender mit "Rauschen für 8 Radioempfänger und Reas-o-nator-matrix" dran, heute rauschen nun Enrico Grunert und Giovanni Longo.

    Ersterer mit einem Stück, das im Rahmen des Berliner Juniradio (und zwar der ersten Ausgabe von 2001) seine Premiere hatte und das den vielversprechenden Titel "Meine Liebe zu David Lynch" trägt (mehr war auf die Schnelle leider dazu nicht zu erfahren).

    Giovanni Longo (mehr auf seiner Heimseite) - dem im HOMEMADE-Log ja gerade erst kürzlich als Co-Kurator der Ausstellung Experience Art! zu begegnen war - wird eine Variation seiner Dislocazioni vorstellen (hier ein Text zur gleichnamigen Installation in Berlin aus 2003).

    Wär ja eigentlich schön, würde Deutschlandradio - das wir sonst ja schon für seine Radiokunst-Sendungen loben konnten - als Radiopartner von RadioTesla die Veranstaltungen live übertragen. Aber da gibt es heute nahezu zeitgleich (Beginn im Tesla ist 20.30 Uhr, btw.) die Übertragung eines (aktuellen! sie leben!) Cream-Konzerts. Hm.

    Von miss.gunst am 26.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    24.10.05

    say it with... a song

    Bevor die Mitbringsel aus den Niederlanden ausgepackt werden, wie es beinahe schon der Tradition entspricht zum Start in die Woche etwas Schönes, das vielleicht sogar (DIY!) dazu anregen könnte, selbst Bild-, Text- und Ton bastelnd tätig zu werden.
    Dabei geht es eigentlich um ein gar nicht so schönes Thema.

    Bekanntlich hat unter anderem die prekäre Mischung aus durchaus realer und eher gefühlter Bedrohung durch Terror auch in einigen europäischen Ländern dazu beigetragen, dass seitens der jeweiligen Regierungen um so eifriger Pläne zur besseren Erfassung von Personendaten geschmiedet werden. Frei nach dem Motto: Sich selbst erkannt, jegliche Gefahr gebannt. Oder so ähnlich.
    Jedenfalls sieht nun etwa Deutschland zum 01. November diesen Jahres der Einführung von Reisepässen entgegen, die biometrische Daten enthalten sollen (hier eine sehr informative Seite zum Thema).

    In England wiederum droht solcher Segen unter den Vorzeichen eines neuen Personalausweises bzw. einer mit entsprechendem Chip ausgestatteten ID-Card auf's Volk hernieder zu kommen. Und auch dort scheinen sich nicht alle gleichermassen auf diese Neuerungen freuen zu können.
    Höchst erfreulich sind allerdings die beiden Musikclips, die miss eclectech zusammen mit mr. doghorse produziert hat.

    Daher die wärmste Empfehlung: Ansehen bitte - und zwar am Besten doch gleich beide, The Very Model of A Modern Labour Minister sowie The Swizz of the Cards.

    Nein, Letzteres heisst natürlich nicht "die Schweiz auf einer Karte" - wenn neben GB ein Land Pate gestanden hat, dann das wunderbare Oz - in dem Biometrik allerdings noch nicht für Passierscheine relevant war. Und bislang sieht das Schweizer Modell auch noch anders aus als das britannische oder das deutsche. Aber möglicherweise gibt es auch auf dieser Insel schon bald gute Gründe, über eine vergleichbar kreative Komposition nachzusinnen?

    P.S. Gern verrät das Medium auch, wie es auf die überhaupt und insgesamt wunderbaren Seiten von miss eclectech und mr. doghorse gestossen ist: Nämlich in der ebenfalls sehr empfehlenswerten Nachbarschaft, im frenZine Nummer 13 von Franziska Nyffeler a.k.a miss monkeypunk.

    Von miss.gunst am 24.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    23.10.05

    interactivity

    Der Hype um die sogenannte Interaktivität ist eigentlich längst durch, sollte man meinen. Und zwar so weit, dass manche das Ende der 1980er bis etwa Mitte der 1990er Jahre so heissgeliebte I-Wort meiden wie der sprichwörtliche Teufel das Weihwasser.
    Wenn sich aber nun ein Festival allen Aufs und Abs in den Hitparaden der Diskursdisko zum Trotz "Interactivity" nennt?
    Schauen wir also mal.

    In diesem Fall nach Den Haag, wo eben just an diesem Wochenende zwei Tage unter besagter Flagge segeln:

    Interactivity 05 is a cutting edge festival with interactive installations, performances, electro-acoustic improvised & composed music, lectures, DJs and VJs.

    Gut: Die Ausstellung mit Arbeiten, die diesem Selbstverständnis folgend als "interaktive Installationen" (I-Wort mal bzw. hoch 2) ausgezeichnet sind, wirkt auf den ersten Blick zwar eher wie ein Nebenschauplatz (was sozusagen ein klassisches Krankheitssymptom von Medienfestivals ist). Auf den zweiten ist aber doch festzustellen, dass das Ganze System hat und einen sinnvollen Rahmen für die Vorträge, Performances und Konzerte bietet.

    Unter anderem, weil Lev Manovich, der hier mit seinem Soft Cinema vertreten ist, auch einen Vortag hält (am heutigen Sonntag Abend um 21.00 Uhr) und Lust, die "Lucy II" zeigen, zu den Veranstaltern gehören (bitte beim Besuch der Webseiten auch mal den DIY-Mondriaan spielen). Und Edwin de Koning und Bart van der Ploeg führen mit "Multiplay" eine Anwendung ihrer VJ-Software Resolume vor, die diese mit Elementen von Multiplayer-Games kombiniert.
    Was diese Projekte insofern unter dem Strich eint und als ziemlich sinnvolle Interpretation des I(hoch 2)-Wortes wahrgenommen werden kann, ist eben der Bezug zum Spielerischen, gerade auch im Umgang mit den jeweiligen Software-Applikationen. Denn in der Tat sind Games (und insbesondere Multiplayer-Games) genau das Gebiet, auf dem ohne Interaktivität schon mal garnichts und - was kreative Investitionen (wie auch finanzielle/kommerzielle, klar) betrifft - derzeit definitiv am meisten geht.

    Davon abgesehen ist Interactivity 05 aber vor allem ein Festival für elektronische und elektroakustische Musik, dessen Konzerte und Performances auf den experimentellen Umgang und Improvisation fokussieren. Und hierin liegt auch ganz klar die Stärke des Programms, dessen Hauptorganisator nämlich Peter J.A. van Bergen (Studio Loos und Gründungsdirektor des International Institute for Improvisation) ist, dem dabei wiederum Edwin van der Heide zur Seite stand.

    Nachdem gestern das Loos Ensemble (ja, genau, der Pfad ist identisch mit dem zur gleichnamigen Foundation) die Veranstaltung würdig eröffnete und anschliessend - nach Cornelis de Bondt' Re-Enactment von Alvin Luciers Klassiker "I am Sitting In a Room" (siehe hierzu auch den HOMEMADE-Log vom 24.09.2005) - u.a. Yutaka Makino performte und das römische RARA-Ensemble (naja, not really the Medium's cup of tea:) improjazzte, gibt es heute abend neben dem bereits erwähnten Vortrag von Lev Manovich gleich ein zweites Mal eine ganze Perlenkette von Konzerten.

    Begonnen mit Loos & Lust - also wieder Aktiven der veranstaltenden Organisationen - und weiter u.a. mit Noizebleed (ebd. auch Hörprobe); mit der Colloquial German (FMP Group) wird's dann wahrscheinlich wieder ziemlich jazzen, bevor DJ DAME aus Den Haag mit visueller Unterstützung von //. a.k.a. Martijn van Boven (gucken hier) die Nacht (und früher oder später bzw. später oder früher auch das Ende der Veranstaltung) einläutet.
    Und letzteres dürfte, auf seine bzw. ihre Weise schon irgendwie auch elektro-akustisch, dann noch mal so richtig lekker werden, wie es in NL so treffend heisst.

    Was man Interactivity 05 insgesamt - I-Wort hin oder her - ebenfalls konzedieren kann. Meint jedenfalls das Medium.

    Von miss.gunst am 23.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    19.10.05

    meanwhile... (zum Beispiel Buchmesse. and beyond)

    Sollte nicht schon wieder Sendepause obendrüber stehen. Wird aber wahrscheinlich doch darauf hinauslaufen.
    Damit sich in der Zwischenzeit niemand langweilen muss, gibt's daher ein paar Hinweise auf Empfehlenswertes on- und offline.

    Und zwar, weil man sich ja doch immer ein bisschen fokussieren muss, die Folgenden:

    In Frankfurt (zum Beispiel) gibt es (zum Beispiel) wie seit einigen Jahrzehnten jedes Jahr (ungefähr) um diese Zeit die Buchmesse.
    Dass es auf der einem Medium der älternen Generation gewidmeten Verlagsschau auch für Medien jede Menge Stoff zu entdecken gibt - klar.
    In diesem Jahr gibt es aber noch etwas, das - neben den Tageszeitungen, die selbstredend ebenfalls berichten - die Daheimgebliebenen zünftig informiert: Nämlich einen Buchmessen-Blog. Zum Mitlesen, Mitschreiben und Mitdiskutieren.

    Wer allerdings nach Frankfurt aufgebrochen ist, wird diesen Ausflug trotz anstrengender Tage (Extremwandern in Klimaanlagenluft!) auch wegen des Rahmenprogramms unternommmen haben. Verlagsparties, Lesungen, okok. Da würde das Medium beispielsweise für den heutigen Mittwoch abend (19.10.05) um 20.00 Uhr eine Veranstaltung im atelier frankfurt empfehlen, auf der Roger M. Buergel und Ruth Noack das Zeitschriftenprojekt der documenta 12 vorstellen. (Übriges Programm, leider technisch blöd im Frame versteckt, theoretisch hier als pdf).

    FreundInnen der elektronischen Musik werden vielleicht auch oder alternativ ab 21.00 Uhr ins Tanzhaus West finden. Wo das forum für experimentalelektronik einen Abend mit dem oscotarach minifestival - dem Schweizer Skalpell, Carsten Vollmer, spherical disrupted und hidden technology ausrichtet.

    Ok, das ist nur ein wimpernschlagwinziger Ausschnitt auf das Angebot einzelnen Abends. Anderes? Mehr?

    Die besten Informationen über diese und andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung mit Musik-Medien-Kunst-Bezug gibt es:
    Wahlweise bzw. sowohl bei liga6000 (im liga-Kalender) als auch im tt-CMS von The Thing Frankfurt. Dessen Seiten vielleicht auch allen denen, die sich nicht so sehr für die Buchmesse und/oder deren Rahmungen interessieren, noch einiges zu bieten haben.

    Bis dann...

    Von miss.gunst am 19.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    18.10.05

    Nachlese(n) bei... (Biennale Bern)

    A propos DIY: Was man sich ja immer ganz leicht selbst machen kann, ist ein schlechtes Gewissen. Die Biennale Bern ging vorgestern zwar noch nicht zuende. Wohl aber die in diesem Rahmen verankerte Austellung von Carsten Nicolais syn.chron-Kristall, über den das Medium doch eigentlich auch noch etwas ausführlicheres hatte verlautbaren wollen.
    Oder sollen, wenn es denn nach den guten Vorsätzen gegangen wäre.

    Hat aber nun nicht sollen sein. Ungemein erleichternd daher für das selbstgemachte schlechte Gewissen, dass andere Medien bzw. KollegInnen da etwas fleissiger gewesen sind.

    Und es lässt sich tatsächlich auf ein recht breites Spektrum von Wahrnehmungen verweisen.
    Von klassisch-wohlwollender Berichterstattung unter besonderer Berücksichtigung der Pressemitteilung ("ah" im Bund bzw. bei espace.ch) über den eher genussorientierten Selbsttestbericht aus dem Inneren der Kristallkapsel (Stephan Urech in seinem LogBook) bis hin zur differenzierten, angenehm kritischen Review, die wirklich den Namen Kritik verdient (Villö Huszai in artregioline). Was wiederum auch pieceoplastic fand (seinerseits in Bern angesiedelt und sowieso ein sehr verlässlicher Beobachter der Szene - dass er 'karsten' statt 'carsten' schrieb, führt allerdings zu sicher ungewollten Suchmaschinenversteckeffekten. Btw: Lesenwert übrigens auch seine Blogolumne zur Bernerbär-wird-Pandabär Olympia-Preview-Aktion von Zhao Bandi am Sonntag, über die hier ja ebenfalls kein Sterbenswörtchen berichtet wurde - obwohl eine Lehrstunde in DIY).

    In Anlehnung an Cornelia Sollfranks Motto "a smart artist makes the machine do the work" sozusagen: "The smart medium makes other media do the work"?
    Also, ehrlich gesagt: Das widerspräche dann doch ein bisschen der Basisphilosophie eines selbsttätigen Mediums. Das sich in diesem Fall nämlich lediglich dachte: Och, nicht schon wieder. Weil es eben gerade erst zur anti.reflex-Ausstellung in der Frankfurter Schirn seine Meinung geäussert hatte (bei Interesse: nachzulesen auf Papier in der Ausgabe 03/2005 von spike art quarterly. Und vielleicht früher oder später auch mal im online-Archiv).

    Insofern: Vielleicht ein andermal wieder. Und bis dahin: Gut, dass es im Netz jede Menge fleissige Nachbarn gibt.

    P.S.
    Das noch laufende Programm findet man auf den bereits oben verankerten WWW-Seiten der Biennale Bern. Die, beiseit bemerkt, zwar wirklich schick sein wollen und tatsächlich auch Einiges an Hintergrundinformationen enthalten. Aber so (doch, muss man einfach mal feststellen) derart grausig programmiert bzw. aufgesetzt sind, dass selbst gutwillige Medien mit mehr als zehn Jahren Webroutine die Lust gerade schon wieder verloren haben, wenn die Animation dann mal zum Stillstand gekommen ist. Nicht umsonst meint in der Mathematik eine elegante Lösung eine einfache zu finden. Manchmal möchte man das auch den Webdesignern auf die Gebetsmühle schreiben.

    Von miss.gunst am 18.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

    17.10.05

    Creamistress

    Spätestens seit er sich entschlossen hat, für seinen jüngsten Film - Drawing restraint No. 9 - mit seiner Lebensgefährtin Björk zusammen zu arbeiten, kennt ihn nicht nur der Kunstbetrieb: Matthew Barney.

    So richtig Furore hat er aber eigentlich schon vorher gemacht.
    Und zu recht. Sein Cremaster Cycle (1994-2002) zählt zweifellos zu den beeindruckendsten (Er-)Zeugnissen menschlicher Kreativität, die in den letzten Jahren unter dem Label "Kunst" in die Welt entlassen worden sind.* Selten war man so versucht, den Begriff des Wagnerianischen Gesamtkunstwerks zu revitalisieren wie in diesem Fall (zumal die Vilme dank der Musik von Jonathan Bepler auch akustisch eine entsprechende Atmosphäre entwickeln).

    Nun ist das Ganze natürlich eine extrem aufwändige Geschichte, die sich nur mit erheblichen Investitionen auf finanzieller Seite, also dickem Budget produzieren lässt - sollte man meinen. Don't try this at home, sonst kommen bestensfalls Peinlichkeiten heraus.

    Von wegen: Die Creamistress (nein, da handelt es sich nicht um Björk) zeigt uns, wo der Hammer für DIY-Gesamtkunstwerke hängt.

    Viel Vergnügen mit ihrer ganz speziellen Variation auf den Zyklus und einen guten Start in die Woche wünscht: Das nicht minder beeindruckte Medium.

    * P.S., kleiner Nachtrag, weil per E-Mail tatsächlich eine Frage dazu kam: Der Superlativ in diesem Satz ist natürlich in enger Verbindung mit dem nachfolgenden Satz zu lesen resp. zu verstehen. Denn spätestens die 182 min. von Folge 3 (die den Zyklus bekanntlich abschloss bzw. bekrönte) funktionierten genau wie man das Wagner-Opern unterstellt und sollten es ganz sicher auch. Und das gilt erst recht für ein Screening des gesamten Zyklus, wie es mittlerweile ja tatsächlich gelegentlich angeboten wird:
    Hernach kann man auf einer Bahre aus dem Saal tragen lassen. Bildlich gesprochen natürlich. Aber in jedem Fall ein Supertrick, um Kritik auszuschalten. Oder?
    Eben drum freut es umso mehr, dass sich nicht alle in Grund und Boden drücken, pardon, beeindrucken lassen...

    Von miss.gunst am 17.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    16.10.05

    Linuxradio (DIY)

    Fällt heute nicht wirklich in die Reihe der Webradio-Tipps. Hat aber durchaus mit dem Thema Netzradio zu tun.
    Wird ja sicher nicht nur dem Medium so gehen, dass beim Webradio-Hören eins irgendwie zu kurz kommt: Das Knöpfchendrehen. Gut, es gibt ein Gerät weniger, das Platz braucht und Staub frisst.
    Andererseits: So ein Radio zum Anfassen hatte schon was.

    Wie wäre es also, die taktilen Freuden des Reglerbetatschens auch beim Webradiohören geniessen zu können?

    Radii, das Linux-Radio soll es möglich machen.

    Vorgestellt wurde es jüngst von seinen Entwicklern - Dan Rasmussen, Paul Norton und Jon Morgan - in einem ausführlichen Artikel (Radio's Next Generation: Radii) in der September(05)-Ausgabe des Linuxjournal.

    Der verrät ziemlich detailliert, wie programmiert und geschraubt werden musste, um den Prototyp zu erstellen - denn um einen solchen handelt es sich noch. Nimmt man die konstruktiven Verbesserungsvorschläge und zusätzlichen Erläuterungen im Kommentarstrang hinzu, gibt das Ganze jedenfalls eine recht passable Bauanleitung ab.

    Zugegeben: Für ein Medium mit mässiger Einsicht in die Materie wahrscheinlich doch noch ein bisschen kompliziert.
    Das hält sich dann für's Erste lieber bescheiden an so etwas hier (bitte zum unteren Teil der Seite blättern, bis man Christian Terstegges Edition "Sinfonia" ansichtig wird. Vom Cuxhavener Kunstverein in den Vertrieb aufgenommen wurde sie übrigens anlässlich der durchaus gut zum Thema des heutigen Eintrags passenden Ausstellung "ohne schnur. kunst und drahtlose kommunikation", deren Rahmenprogramm-Vorträge sich netterweise sämtlich bei netzspannung.org dokumentiert finden. Das nur als Empfehlung beiseit...).

    Von miss.gunst am 16.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.10.05

    Geburtstagsfeier mit roundtable djing

    Beiseit gratuliert das Medium noch den Münchener program angels vom Kunstraum lothringer13 zum 5jährigen Geburtstag!

    Der wird heute Abend ab Acht (also right now) im Rahmen der Langen Nacht der Museen mit einer zünftigen Feier begangen.
    Und passend zu einem Ort, an dem es in den vergangen Jahren recht regelmässig auch um Kollektive und verschiedene Formen der Zusammenarbeit ging (mit den verschiedensten Medien und u.a. auch mal mit dem Medium, das gerade diese Zeilen tippt), steht heute mit roundtable djing von Hannes Trüjen ein Musikmöbel im Mittelpunkt, das - wie es der Name schon ahnen lässt - bestens zum gemeinsamen Auflegen geeignet ist.*

    Oiso, dann ein rauschendes Fest!

    * Fotos von der Party gibt's sicher bald beim Programmengel-Flickr. Neugierige können das Möbel in Aktion schon mal im Archiv der ebenfalls ja sehr liebenswerten Stuttgarter Oberwelt bestaunen.

    Von miss.gunst am 15.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    Copernicus continued (WRT)

    Passt doch prima zu den deutsch-polnischen (bzw. polnisch-deutschen) Aktivitäten des ElektroPopKlub, die gestern in den Radar des Mediums geraten sind:
    Das hier vor einiger Zeit im Rahmen eines Webradio-Tipps etwas ausführlicher vorgestellte Radio Copernicus sendet wieder.

    "Wie Bitte, 'wieder'?", könnte man da natürlich berechtigter Weise fragen. Weniger, weil Webradio-Tipps wünschenswertermassen doch eine etwas längere Mindesthaltbarkeitszeit aufweisen sollten (im Prinzip sollten sie das in der Tat - aber gerade von den hier fokussierten Kunstprojekten kann man das schon aus ökonomischen Gründen nicht unbedingt verlangen).

    "Wieder" ist in diesem Fall deshalb nur bedingt korrekt, weil Radio Copernicus in den letzten Wochen sehr wohl fast durchgängig produziert hat. Nur eben nicht als Webradio, sondern als Lokalsender. Und zwar in Polen, genauer gesagt: wurde anlässlich des Warsaw Autumn International Festival of Contemporary Music aus/in Warschau gesendet (näheres dazu unter Sendezeiten) - und damit mindestens für das Medium von HOME MADE definitiv ausser Reichweite.
    Von einigen Ministreams an wenigen Tagen und zu ziemlich nachtwachenden Zeiten abgesehen hiess es da also: Warten.

    Jetzt jedoch läuft der Livestream wieder mit Programm in gewohnter bzw. bereits liebgewonnener Fülle; am heutigen Samstag (15.10.05.) sozusagen ab 0.00 Uhr den ganzen Tag. Um 10.00 Uhr morgens beispielsweise gibts (passend zum Frühstück?) eine "Night of the Living Dead Show" (naja, wahrscheinlich nicht wirklich so wild und allem Vernehmen nach auch keineswegs Zombies gewidmet, denen man dann ja auch eher selbst zum Frühstück schmecken würde) und abends um 20.00 Uhr eine Lesung mit Lawrence Lessig. Das nur, um mal die (inhaltliche) Bandbreite eines Senders anzudeuten, dem man ansonsten sicher gern dauerhaft (technische) Bandbreite wünschen würde.

    So wird das Ganze jedenfalls noch gut anderthalb Wochen weitergehen, erst mal bis zum 20.10. Und dann? Heisst es wieder: Warten, auf den nächsten Radio Copernicus-Streamtermin.

    Von miss.gunst am 15.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.10.05

    ElektroPopKlub

    Klubs im Kunstbetrieb - das tönt erst mal nach einem alten Hut. Genauer gesagt: Nach einem abgehangenen Modell, mit dem Institutionen entweder versuchen, so genanntes "jüngeres Publikum" anzulocken und/oder den Stammgästen einen Hauch ewiger Jugend zu suggerieren.
    Wobei die Sehnsucht nach Glamour und dem radikalen Chic von Orten, die (Halb-)Öffentlichkeit und Intimität, Exklusivität und Zugänglichkeit, Emotionalität und Coolness, die Flüchtigkeit des dafür aber absolut einzig- und grossartigen Moments derart dezidiert zu vereinen verstehen auf diese Weise nur im Nachbau, also einem Surrogat Befriedigung suchen bzw. finden kann. Ein Klub ist eben kein Museum und vice versa.

    Auf der anderen Seite aber haben nicht nur Künstlerklubs eine lange Tradition. Klubformate können auch als Produktions- und Distributionsmodus für Kunst funktionieren.
    Und sich seitens Kunst vermittelnder Institutionen dafür zu interessieren, hat natürlich schon seine Berechtigung. Die Frage ist dann, ob und wie es gelingen kann, entsprechende Kanäle herzustellen.

    Zum Beispiel, indem sich ein Kunstverein dieser Aufgabe annimmt? Passt immerhin schon mal als Plattform besser: Schliesslich sind (in Deutschland) ein Gutteil der Kunstvereine bei ihrer Gründung zunächst mal Künstlervereine gewesen - und der Rest geht auf bürgerliche Zusammenschlüsse zurück. Blinzelt man ein bisschen in Richtung historischer Perspektive, liegen mithin Verein(shaus) und Klub(heim) schon mal relativ nah zusammen.

    Speziell der Kunstverein Wolfsburg hat mit Justin Hoffmann zudem einen Leiter, der wirklich etwas von der Sache versteht. Weniger, weil er selbst in einer Band spielt, die schon seit mehr als zwanzig Jahren in beiden Welten gleichermassen zu Hause ist (nämlich FSK, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Organisation der Filmwirtschaft). Sondern weil er - u.a. für den (Münchener) Kunstraum Goethestrasse - schon einschlägige Projekte kuratierte, lange bevor es allgemein zum guten Ton zu gehören begann, sich seitens des Kunstbetriebs für (Independent-)Popkultur zu interessieren.

    Wenn am heutigen Freitagabend (14.10.05) im Kunstverein Wolfsburg der ElektroPopKlub eröffnet, dann handelt es sich schon deshalb um ein spannendes Projekt, weil erstens der Ausgangspunkt tatsächlich der Produktionsmodus "Klub" gewesen ist und es sich zweitens um die zweite Phase eines binationalen Austauschunternehmens handelt, dessen erster Teil zuvor in Polen stattgefunden und - wie aus der Dokumentation auf den Webseiten hervor geht - dort bereits einen ansehnlichen Aktivitätsradius entwickelt hat.

    Mitte August diesen Jahres wurde der Klub zunächst für vier Wochen in Bytom eingerichtet, wo es dann eine Reihe von Workshops mit KünstlerInnen-Gruppen und natürlich diverse Konzerte gab.

    Das deutsch-polnische ElektroPopKlub-Team, bestehend aus

    Marcin Do? (Filmemacher, Musiker- und Künstlerkollektivs B?dzin Beat, B?dzin), Immanuel Günther aka Manu (DJ, Musiker, Mooner Industries/Club Le Bomb, München), Jakub Jezierski (Grafikdesigner, Zeitschrift A4 [möglicherweise nicht nach der DIN-Norm benannt, sondern nach der gleichnamigen Autobahn?], Mitglied von "Storwarzyszenia Twórców Grafiki U?ytkowej"), Barbara Loreck (Künstlerin, Mitglied von Fernwärme, Dozentin an der Universität der Künste, Berlin), Katharina Marszewski (Künstlerin, Vertreterin des Kunstverein Wolfsburg), Kamila Kanclerz (Innenarchitektin, Modelabel east chic), Agnieszka Psuik & Adrian Chor?ba?a (Zeitschrift Ultramaryna), Franziska Wicke (Künstlerin, Freie Klasse Braunschweig)

    bringt nun nach Wolfsburg nicht nur einige der Arbeitsergebnisse aus den Bytomsker Workshops mit, sondern stellt vor Ort ein vergleichbares Programm auf die Beine. Dessen Details bittet das Medium den liebevoll gestalteten ElektroPopKlub-Webseiten zu entnehmen (öffnen alle in Java-Fensterchen, daher hier keine direkten Ankerwürfe). Ob und inwieweit das Ganze dann auch als Ausstellung funktioniert, ist vielleicht sogar sekundär. Denn einen Klub macht am Ende eben doch das aus, was vor Ort und zusammen mit den anwesenden Menschen passiert.

  • Die Daten:
    ElektroPopKlub
    im Kunstverein Wolfsburg e.V.
    Schlossstraße 8
    D-38448 Wolfsburg
    www.elektropopklub.org
    15.10. bis 20.11.2005
  • Eröffnung am heutigen Freitag, 14.10.2005 um 19.00 Uhr.

    Von miss.gunst am 14.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.10.05

    MOPS Radio (WRT)

    Hoppla, ist ja schon wieder erschröcklich viel Zeit seit dem letzten Webradio-Tipp ins Land gegangen! Das darf natürlich nicht sein, wo noch so viele Sender darauf warten, vorgestellt respektive erkundet zu werden.
    Und da vorgestern von tönenden Eichhörnchen die Rede war, scheint es doch um so passender, zeitnah bei einem Radio namens MOPS vorbeizuschauen.

    Mit Mopshunden hat Radio MOPS allerdings dann doch nichts am Hut. MOPS ist nämlich ein Kürzel und steht für Mixing Of Particulate Solids - was auch immer man darunter verstehen mag.

    Jedenfalls handelt es sich im ein in Bratislava beheimatetes Webradio, das - übrigens schon seit drei Jahren - auf drei Kanälen (genau: MOPS 1, MOPS 2 und MOPS 3) mehr oder weniger ambiente Elektronika spielt. Und mindestens in den bisher vom Medium getesten Phasen dabei eigentlich stets mit einer netten Auswahl glänzte.

    Beiseit sei eigens noch auf zwei auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort selbsterklärende Funktionen der Seite hingeweisen: "Sun" und "Moon". An diesen Stellen wirft das MOPS Radio nämlich Anker auf die beiden Himmelskörper aus. Fenster ins All, passend zum Sound.

    In Summma: Sicher kein Leib- und Magensender für Adrenalinjunkies. Aber dafür eine rundum entspannende Angelegenheit - und das braucht es, gerade wenn man viel in Bewegung ist, eben hin und wieder auch.

    Von miss.gunst am 13.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.10.05

    E.A. (Erfahrungen machen. Mit Kunst)

    Manchmal macht es einem die P.R. zu einer Veranstaltung wirklich schwer. Wie in diesem Fall, wo schon der Titel der Ausstellung eher die Warnlichter blinken lässt.

    Zwar sollte eigentlich jede Kunstschau dazu einladen, Erfahrungshorizonte zur eröffnen. Wenn aber appellativ "Experience Art!" drüber steht, dann stimmt das doch etwas skeptisch.
    Erst recht, wenn drunter noch das Motto: "Faszination Kunst und Technik" prangt. So was wagen ja nicht einmal mehr Werber zu texten, die Autos zu besserem Absatz verhelfen wollen.

    Nun muss es aus HOME MADE-Perspektive eigentlich unbedingt neugierig machen, von einer Ausstellung zu hören, die ein "spezielles Gebiet künstlerischen Schaffens" vorstellen möchte, "das von der Kontinuität des kreativen Forschergeistes zeugt".
    Doch dass ein solches Unternehmen "in einzigartiger Weise die Werke von international anerkannten Künstlern" zusammenführt - nunja: das zu glauben, fällt angesichts einer langen (und selbst wenn man die Perspektive auf "Art & Technology" im engeren Sinne beschränkt: mittlerweile fast fünfzigjährigen) Geschichte interdisziplinärer Unternehmungen im Spannungsfeld von Kunst und Technologie doch etwas schwer.

    Wenn das Medium ungeachtet solcherart aufs Heftigste genährter Zweifel an den Kompetenzen der Veranstalter vorsichtig vorschlägt, sich das Ganze vielleicht bei Gelegenheit trotzdem mal anzusehen, liegt das an den beteiligten KünstlerInnen.
    Auf der WWW-Seite zur Ausstellung selbst sind sie bislang zwar nicht gelistet (und unter "Werke" gibt's bis dato auch nur eines zu sehen). Dafür aber auf dem Flyer bzw. dessen Rückseite (pdf).

    Dort nun ist zu erfahren, dass neben Martin Riches mit seiner Talking Machine (die freilich schon ein Klassiker ist: hier noch ein schönes Porträt der Arbeit aus dem Klangbeutel mit Soundzipfelchen sowie ein ausführlicherer Text von Riches dazu) beispielsweise auch der Klangskulpturen-Pionier Peter Vogel mit von der Partie ist.

    Ausserdem wird es wohl Gelegenheit geben, Tim Coes "Metaforms" endlich einmal in der vom Künstler vorgesehenen Form, nämlich als Projektionsflächen-Trigon im Raum zu sehen - nachdem sie im Rahmen der Viper 2004 in Basel unschöner Weise auf drei Monitoren in einem Möbelgeschäft eher versteckt als präsentiert worden waren.

    Und schliesslich zeigen noch die beiden Organisatoren der Schau, Peggy Sylopp und Giovanni Longo als Mitglieder von generative.org eine Arbeit.

    Möglich also, dass die Doppelrolle den beiden Probleme bereitet und die wirklich nicht sehr professionell wirkenden Texte darauf zurück zu führen sind. Auch die Zusammenstellung der Positionen ist ja genau genommen etwas ungewöhnlich. Da aber das wiederum gerade im Sektor "interaktive und kinetische Kunst"-Vermittlung absolut nichts ungewöhnliches ist, darf es eben auch nicht schon im Vorfeld verschrecken. Ebensowenig wie Titel und Werbetext. Zählen sollte schliesslich nicht das Drumherum, sondern - tatsächlich - die Erfahrung der Kunst.

  • Die Daten:
    "Experience Art! - Installationen, interaktive und kinetische Kunst"
    ART CENTER BERLIN FRIEDRICHSTRASSE
    (gegenüber Friedrichstadtpalast)
    Friedrichstraße 134
    D-10117 Berlin
    www.experience-art.de
    12.10.-30.12.2005
  • Eröffnung:
    Am heutigen Mittwoch, 12.10.2005 um 19:30 Uhr

    Von miss.gunst am 12.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.10.05

    Tönendes Eichhörnchen

    Keine neue Spezies, nur ein neuer Name für eine Netzlabel-Plattform, die vor einiger Zeit - im Elektromagnetischen Sommer sozusagen - bereits vorgstellt wurde.
    Aber so ein schöner, dass die Botschaft doch gleich weitergegeben werden muss.

    "topfree40.org" heisst jetzt nämlich "sonic squirrel", frei ins Deutsche übertragen also: "Tönendes Eichhorn". Oder -hörnchen eben.

    Bis auf die wirklich nette Namensänderung ist ansonsten aber tatsächlich alles beim Alten geblieben: Nüsschengleich gesammelt - allerdings dann nicht vergraben, sondern im Gegenteil fein sortiert und lecker vorgstellt - werden Netzlabels, die mit CC-Lizenz oder gar Copyleft ausgezeichnete Musik anbieten.

    Eine wirklich feine, neu eingerichtete Funktion sind die Public Playlists, die man entweder selbst für andere zusammenstellen oder auf die man umgekehrt zurückgreifen kann, wenn man auf der Suche nach Empfehlungen ist. Weil die dann netzlabelgerecht (und anders als bei den meisten Sendern) auch gleich anzuhören sind, funktioniert das Ganze sozusagen als würdige Nachfolge des guten alten Mixtapes auf EP-Niveau.

    Da hat sich das Medium natürlich gleich mal umgesehen und pickt als Empfehlung des Tages die von "jonas" angebotene Selektion "12_rec" aus Produktionen des gleichnamigen Labels heraus. Yummie!

    Von miss.gunst am 11.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.10.05

    SoS

    Nein, kein Hilferuf. Neugierige LeserInnen, die allen angegebenen Haupt- und Nebenwegen zum Wochenthema micronations gefolgt sind, werden das geheimnisvolle Kürzel auch gleich entschlüsselt haben.

    Natürlich ist vom State of Sabotage die Rede - einer weiteren Mikronation, die in den Kunstkontext gehört und der deshalb eben auch noch eine eigene Vorstellung in der Reihe gebührt.
    Wenngleich das brave Medium eingestandener Massen ihre durchaus wichtige Existenz gerade deshalb verdrängt hatte, weil es ihr in diesem Jahr bereits intensiver hatte begegnen dürfen. Im Rahmen einer Ausstellung nämlich, deren Besuch ein eher zweifelhaftes Vergnügen gewesen ist.

    Um so kurz wie möglich erklärend auszuholen, wenigstens einige wenige Worte zu besagter Ausstellung, die unter dem schnittigen Titel "Just Do It!" dieses Frühjahr im Lentos Museum in Linz gastierte. Dass das Ganze nicht ganz unproblematisch ausfallen würde, liess eigentlich schon das Vorhaben als solches ahnen: Künstlerischen Aktivismus ins Museum tragen kann sowieso schnell schiefgehen - weil es sich oft um Arbeiten handelt, die eine breitere Öffentlichkeit adressieren und über die Patina der musealen Rahmung dann nurmehr als eitle Geste daherkommen. Wie ein Winken in die eine Richtung, während der Zug bereits in die andere abgefahren ist. Was sich manchmal natürlich auch, um im Bild zu bleiben, als geschickte Reflexionsstrategie entpuppen kann: Objects in the rear mirror are closer than they appear to be - die erweisen sich dann mitunter als quicklebendig, verlieren also mitnichten automatisch an Biss.

    Im vorliegenden Fall handelte es sich aber nicht nur um einen ziemlichen Mischmasch an durchaus unterschiedlichen Positionierungen, die sich gegenseitig nivellierten: Arbeiten, die für den öffentlichen Raum gemacht waren und deshalb in den strahlenden Museumshallen denkbar deplatziert wirkten, mussten sich die Wände mit jener klassischen rhetorischen Kritik am Betriebssystem Kunst teilen, die einfach nur deshalb formuliert wird, weil's zum guten Ton gehört und die ansonsten hübsch konsumabel alle Kriterien des "Verkauf-mich-in-Deiner-Galerie-ich-passe-prima-in-jedes-Agenturloft" erfüllt. Wäre ja zu schön gewesen, mal eine Ausstellung zu haben, die sich auf Letzteres konzentriert und das Kind beim Namen nennt.
    Noch wesentlich unangenehmer war allerdings der Stolz, mit dem ein an der Museumskasse teuer verkauftes Buch als Ersatz für die eigentlich ausstehende Auseinandersetzung mit den Exponaten angeboten wurde: Dessen Texte stammen nämlich, munter den Ausstellungstitel beim Wort nehmend, zu guten Teilen von KollegInnen, ohne dass diese um eine Genehmigung für den Wiederabdruck gefragt worden wären. Was offenkundig als supercoole Geste den Hippness-Faktor des Kuratorentrios erhöhen soll, das die eigenen Namen allerdings bei jeder Gelegenheit (und so auch bei dieser) um so grösser zu schreiben pflegt. Folglich unter dem Strich einfach nur eines ist: Dreiste Aneignung der Arbeit anderer - nicht eben geeignet, die Sympathien für einen alternativen Umgang mit Autorschaftspolitiken im Zeichen von Creative Commons zu nähren.

    Doch zurück zum State of Sabotage, der zwar in besagter Ausstellung vertreten war - es aber eigentlich nicht verdient hat, des- oder auch nur seines Namens wegen in einem Atemzug mit einem solchen Negativbeispiel für Sabotageakte an der Sache selbst genannt zu werden.

    Die Staatsgründung geht in diesem Fall auf Aktivitäten des österreichischen Künstlers Robert Jelinek zurück, der seit 1992 unter dem Label Sabotage firmiert. Dementsprechend bietet sich die Geschichte des Staates als eine Art Aussstellungs- bzw. Kunstaktions-Agenda dar - kurzweilig übrigens und durchweg gut dokumentiert. (Beiseit sieht sich das Medium beim Blättern auch angemahnt, den gestrigen Zettelkasten-Eintrag zum Thema um einen weiteren Lektürehinweis zu ergänzen: Auf Heft 18 des Cabinet Magazine, das leider nicht nur europäischen Zeitschriftenkiosken, sondern auch in Kunstbuchhandlungen vergleichsweise selten zu finden ist. Immerhin aber jeweils ein bis zwei Artikel als Dreingabe online bereit stellt, in diesem Fall zum micronations-Schwerpunkt einen Essay von George Pendle.)

    Speziell aus Schweizer Perspektive erwähnenswert ist vielleicht, dass sich SoS von keinem Geringeren als H.R. Giger eine Skulptur hat anfertigen lassen, die zwar ('tschuldigung) recht scheuszlich ausschaut, dafür aber recht anschaulich ins Bild setzt, was Elgaland-Vargaland nur vage zu behaupten vermögen: Jeder sei sein eigener König in seinem eigenen Land.

    Und last but not least nennt SoS neben einem prächtigen Staatswappen dank der Zuarbeit von thilges3 auch eine tolle Nationalhymne sein eigen, mit der sich - wenngleich sie fast noch besser für einen Sonntagmorgen gepasst hätte - doch ganz wunderbar eine Woche beginnen lässt.

    Von miss.gunst am 10.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.10.05

    micronations

    Um den in dieser Woche kursorisch verfolgten Strang der Mikronationen nicht einfach sang- und klanglos wieder auszusblenden, schliesslich noch ein Zettelkasten-Eintrag zum Thema.
    Soll ja niemand behaupten können, es sei völlig schleierhaft, worum es bei der ganzen Geschichte überhaupt geht.

    Wie so oft, lohnt es auch hier erst einmal in der Wikipedia nachzuschlagen, deren englische Ausgabe mit einem recht ansehnlichen Artikel aufwarten kann. Zu lang, um sich auf die Schnelle schlau zu machen?
    Eine prima Basisdefinition, deren Würze in der Kürze liegt, bietet der Microfreedom-Index an:

    A "micronation" is any number of things: ...a model country that exists solely as work of fiction. ...a small group of people who are seeking sovereignty from another governmental power. ...a collection of brave souls who are trying to establish a new country. ...a tiny sovereign jurisdiction that may have escaped the notice of other major powers.

    Das allein hat das Medium allerdings noch nicht auf die Spur der Mikronationen gelockt. Wenngleich sie natürlich schon insofern HOME MADE sind, als hier alles sozusagen erst einmal liebevoll selbst gebastelt werden will, was ein regelrechtes Staatswesen auszeichnet:
    Repräsentationen und Repräsentanten, Verfasssung, Verwaltung und Pässen, mit denen sich die Bürgerschaft nachweisen liesse, sollte jemand mal nachfragen im Grenzverkehr. Wobei das alles von den so genannten Makronationen leider mitnichten anerkannt wird.

    Mit Kunst muss die ins Mikrostaatswesen investierte Kreativität jedoch nicht unbedingt konvergieren - wie sich auch leicht feststellen lässt, wenn man die einschlägigen Portalseiten besucht, die sich mit der Mikronationenkunde befassen: Das micronations.net beispielsweise oder den Definitive Micronational Index beispielsweise. Oder auch nur die Briefmarken-, Fahnen- und Karten sammelnde Imperial Collection, die zwar anders als die beiden erstgenannten Indices nur wenige micronations vorstellt, dafür aber - quasi in a nutshell - einen exemplarischen Überblick nicht über die Vielfalt der Staatsikonographie-Motive, sondern auch über diejenige der Staatsgründungs-Motivationen bietet.

    Ausgerechnet die von KünstlerInnen kreierten Mikronationen fehlen in Letzterer freilich ebenso wie sie im Wikipedia-Artikel eine eher randständige Rolle spielen (wobei immerhin und verdienstvollerweise auf den ehrwürdigen, aber bereits der Geschichte angehörenden Staat Kugelmugel hingewiesen wird, der in der Wikipedia sogar einen eigenen Eintrag besitzt). Aus HOME MADE-Perspektive wiederum sollten natürlich genau diese micronations besonders interessieren.

    An dieser Stelle nun lässt sich die - glücklicherweise noch vollständig online erreichbare - Dokumentation eines mirconation-Gipfeltreffens empfehlen, die 2003 in Helsinki stattgefunden hat. Zu selbigem waren nämlich vorzugsweise eben jene Kleinststaaten eingeladen, die genau dieses Spezialkriterium erfüllen. Und neben Mini-Porträts der Mikronationen findet sich hier auch eine Sammlung von Texten zum Thema, die den Weiterbildungskriterien eines echten Zettelkasten-Eintrags Genüge zu leisten vermag. Sowie selbstredend die Lektüre lohnt. Denn:

    Micronations are cool. Irresistibly sweet. Super sexy, to be frank. Bold, handsome and beautiful.

    Was man von grösseren Staaten wohl eher selten behaupten kann. Die unabhängig von ihrer Grösse, jedoch in direkter Relation zu ihrem Grössenwahn wahrscheinlich eher als "Nightmares fallen from a tree" zu bezeichnen wären - was in diesem Fall, wie das Medium am Ende doch noch zugeben muss, just die Überschrift ist, unter welcher der finnische Kollege Mikka Hannula die micronations verhandelt.
    Aber wie das in der Politik so ist: Mindestens eine Meinung sollte man sich schon selber bilden.

    Von miss.gunst am 09.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.10.05

    NSK

    Und so kommt eins zum andern: Wenn schon für Elgaland-Vargaland geflaggt wird, sollte doch auch ein Fähnchen für einen Staat gehisst werden, der sich sogar noch etwas länger auf der imaginären Karte realer Kunststaatsutopien eingeschrieben hat. Nämlich den von NSK.

    Das Neue Slowenische Kunst-Kollektiv hat seine Botschaft schon 1991 eröffnet. Und den entsprechenden Pomp bereits einige Jährchen vorher bestens eingeführt: Die Nationalhymnen (Plural, denn hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt) stammen von der bekanntermassen gern recht martialisch auftretenden Formation Laibach - deren ansonsten bestens auf den Stand gebrachte Heimseite allerdings ziemlich still daherkommt, ebenso wie die Botschaftsseite selbst.

    Überhaupt macht das Ganze einen weitaus weniger leutseligen Eindruck als das freundliche Elgaland-Vargaland. Vielleicht, weil der Realitätskoeffizient höher liegt? Anders als bei den dänischen Kollegen ist das Vorbild nämlich nicht die Monarchie, zünftig wird sich an der Auseinandersetzung mit totalitären Staatsformen und dem Postkommunismus abgearbeitet. Wäre von daher auch die Frage, ob man NSK-Staat überhaupt mit der Idee einer micronation assoziieren kann oder sollte.

    Ansonsten funktioniert die Botschaft selbst tipp-top; schön übersichtlich wird alles Wissenswerte über den Staat als solchen, Einreise- und -bürgerungsbedingungen und natürlich auch die Aktivitäten seiner offiziellen Vertreter ausgebreitet.

    Und einen klaren Vorteil gegenüber Elgaland-Vargaland sollte man in diesem Zusammenhang ausdrücklich nennen: Während es im Niemandslandland offenbar schon ziemlich eng geworden ist (Pässe werden seit Juni diesen Jahres jedenfalls keine mehr ausgegeben), nehmen die rauhen NSK-ler nach wie vor Anträge an.
    Was aber auch machtpolitisch geschickter ist - und zwar für alle Beteiligten: Mit Laibach-Hymnen kann man schliesslich schon mal in die Charts kommen. Als König dagegen bestenfalls ins Goldene Blatt.

    Von miss.gunst am 06.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.10.05

    Elgaland-Vargaland

    Da wir nun schon mal bei den selbstgemachten Staaten angekommen sind, muss natürlich auch Elgaland-Vargaland vorgestellt werden.
    Das auf seine Weise ebenfalls transnational - und darüber hinaus sogar ein veritables Königreich ist!

    Aus HOME MADE-Perspektive gehört die Huldigung auch insofern zum Pflichtprogramm, da es sich bei einem der beiden Reichsgründer um keinen geringeren als Carl Michael von Hausswolff handelt - einen Künstler, der mit Musik und Medien gleichermassen auf gutem Fusse steht: Das Medium möchte in diesem Zusammenhang nicht nur an seine musikalischen Produktionen (zum Anhören: ein ström-Strom aus der gleichnamigen Produktion bei raster-noton), sondern vor allem anderen auch an seine Verdienste um das Archiv des Radiostimmen-Forschers Friedrich Jürgenson erinnern, die in verschiedene einschlägige Ausstellungsprojekte mündeten.

    Doch zurück zu Elgaland-Vargaland. Ein wenig verwirrend kann man - mindestens auf den Blick - finden, dass das Königreich gleich zwei Repräsentationen im WWW besitzt: Eine schlichtere, die nach Kenntnis des Mediums die ältere von beiden ist, unter krev.org. Und eine um Einiges prächtigere, die unter anderem auch über eine musikalische Untermalung verfügt und über elgaland-vargaland.org erreichbar ist.

    Für eine kurze Überschau eignet sich die ältere Heimseite der Vereinigten Königreiche von Elgaland-Vargaland durchaus noch immer - unter anderem kann man sie hier mit einer lesenswerten Selbstverfassung kennenlernen, die gleich schon mal mit einer Perspektive einleitet, die auch bei Making Things Publics gross geschrieben wurde: Begonnen wird nämlich mit dem State of Things (resp. dem Stand der Dinge). Und was den so genannten state of art betrifft, sehr sympathisch mit einer Bemerkung von William Burroughs fortgeführt, die besagt, dass Art ganz offenkundig ein three-letter-word ist (was auch immer das in Relation zu den berüchtigten four-letter-words heissen mag).

    Ansonsten sind, auch weil zahlreiche der von krev.org ausgehenden Anker mittlerweile ins Niemandsland führen, neugierige DIY-Staats-Touristen aber mit der prächtigeren Staatsseite von Elgaland-Vargaland besser bedient. Auch wenn sich sagen liesse, dass ein Land, dessen Territorium erklärtermassen aus Niemandsländern besteht, im Prinzip durch Pfade ins Netznirvana durchaus würdig repräsentiert wäre. Da kann der digitale Prunk dann doch ein bisschen irritieren. Wobei zur Führung einer veritablen Mikronation bzw. micronation (sic - und was das meint, werden wir woll früher oder später etwas genauer klären müssen), wie gross ihr imaginäres Terrain auch sein mag, natürlich auch ein gewisses Quentchen Selbstironie gehören kann.

    Eins wundert das Medium insofern aber um so weniger: Dass keine Vertreter von Elgaland-Vargaland anwesend waren, als vergangenen Sonntag anlässlich des Ausklingens von Making Things Public im ZKM ein banquet républicain stattfand. Wirklich passend wäre die Präsenz von Königen bei einem Abend, der nicht nur dem Titel nach an den Geist der Französischen Revolution anschliessen wollte, nicht gewesen.
    Obwohl sie eigentlich nicht wirklich um ihre Köpfe hätten fürchten müssen: Schliesslich waren die Anwesenden, wie es sich für eine solche Zusammenkunft gehört, vor allem anderen mit dem Halten und Hören flammender Reden beschäftigt. Von denen wiederum eine ziemlich nach DIY-Staatsgründung tönte: Boris Groys forderte nämlich eine neue Verfassung für ein künftiges Europa, nach der alle Macht in die Hände der Philosophen zu legen sei.
    Da Letzteres aber mindestens von der EU kaum zu erwarten sein wird - nun, ob wir wohl schon bald eine neue Staatsgründung verkünden dürfen?

    Von miss.gunst am 05.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    04.10.05

    Transnationale Republik (DIY)

    Schon Zeit gefunden bzw. damit verbracht, sich in der gestern empfohlenen Fair Assembly näher umzusehen? Noch nicht?
    Dann gibt es gleich noch einen weiteren Tipp.

    Mag ja auch sein, dass die freie Redeminute bei One Free Minute nicht das Richtige war, um in die Atmosphären der Demokratie einzusteigen.

    Wie wäre es dagegen, gleich eine neue Staatsbürgerschaft anzunehmen? Eine zusätzliche wohlgemerkt. Und eine transnationale obendrein.

    Ziemlich unbürokratisch ermöglicht dies das Projekt Transnational Republic, über das man sich schön kompakt ebenfalls erst einmal über seinen Eintrag in der Fair Assembly-Datenbank informieren kann.

    Die wwweltliche Repräsentation der transnationalen Republik selbst ist freilich ebenfalls erfreulich klar strukturiert; rasch lässt sich so ein Überblick über ihre bisherige Entwicklung, die Herkunft ihrer BürgerInnen und einige andere Daten gewinnen. Und der Weg zur Beantragung der Bürgerschaft wird ebenfalls leicht gemacht.

    Klar wird dabei aber auch, dass es hier mitnichten allein um den (übrigens auch durchaus legitimen) Spass an der Freude geht, sich nach dem DIY-Prinzip eine temporäre autonome Zone zu basteln und endlich einmal selbst staatstragenden Geschäften nachzugehen.
    So stellten die Transnationalen RepublikanerInnen anlässlich der jüngsten deutschen Bundestagswahl am 18. September in Berlin ein alternatives Wahlbüro auf die Beine - für jene, die zwar in Deutschland leben und Steuern zahlen, aber trotzdem nicht wählen dürfen. Und mithin auch nicht mitbestimmen dürfen, was mit ihren Steuergroschen geschieht.

    Ob das Wahlergebnis repräsentativ war oder nicht, mag sekundär sein. Ob es so einfach gehen kann, mag bestreitbar sein. Die Geste als solche hat durchaus in die richtige Richtung gewiesen. Eins aber ist ganz gewiss: Dass "Atmosphären der Demokratie", wenn sie nicht im Blumigen verschweben sollen, nach DIY verlangen.

    Von miss.gunst am 04.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.10.05

    Making Things Public (DIY)

    Heute war ZKM Karlsruhe Torschluss einer Ausstellung, die sich viel vorgenommen hatte: Nämlich nach den Möglichkeiten einer "Erneuerung des Politischen aus dem Geiste der Kunst und der Wissenschaft" zu fragen.
    Und danach, wie in diesem Zusammenhang Öffentlichkeiten hergestellt werden können.
    Dem entsprechend sollte es nicht nur um das "Show and Tell" gehen, das natürlich ganz wesentlich zum "Making Things Public" gehört. Also nicht nur um die Dinge, die veröffentlicht werden. Sondern auch um das Tun und die Öffentlichkeiten, die ersteres als Adressaten und idealerweise zugleich als potentiell (Ver)Handelnde formiert.
    Also auch um Modelle für die Gestaltung dessen, was der Untertitel des Projekts - etwas blumig - als "Atmosphären der Demokratie" bezeichnet(e).

    Warum ihr nachgewunken werden soll und dazu noch die Vergangenheitsform halb in Richtung Gegenwart geklammert ist?

    Nun: Ganz ähnlich wie schon bei Iconoclash ist Peter Weibel und Bruno Latour die Verhandlung ihres Themas zwar ziemlich ins Megalomane gerutscht, sodass man selbst nach mehreren mehrstündigen Ausstellungsbesuchen noch nicht gerade behaupten konnte, alles erfasst zu haben. Aber ebenso wie bei Iconoclash führte das auch in diesem Fall eher zu wachem Interesse und dem doch sehr beruhigenden Gefühl, dass es Komplexitäten gibt, die nicht so einfach auf schlichte Formeln herunterzubrennen sind - um anschliessend auf Wahlplakaten zu landen, glatte Parolen für Kampagnen abzugeben oder auch nur den nächsten marktgerechten Trend, der sich dann beliebiges Themenausstellungsthema verbraten lässt, weil Kunst gerade mal wieder mit Wissenschaft flirten oder politaktivistisch daherkommen soll (und am besten beides gleichzeitig, aber bitte, zur Zeit wenigstens, figurativ und in Öl gemalt).

    Das temporäre Parlament der Dinge (Texte, Bilder) in der ehemaligen Karlsruher Munitionsfabrik ist nun zwar wieder aufgelöst. Aber das Gedankenfutter hat Eingang in ein tatsächlich über tausend Seiten dickes, aber trotzdem durchaus handliches und anschauliches Buch gefunden. Das hiermit schon mal als durchaus auch als Weihnachtspräsent empfohlen sei, zumal es ebenso durchaus erschwinglich ist.

    Und ausserdem soll auch die Netzextension in Form der von Steve Dietz betreuten Fair Assembly erhalten bleiben. Die immerhin so etwas wie eine Basis für DIY Making Things Public im Geiste des Projekts bieten will. Bislang noch vergleichsweise bescheiden. Aber das hat eben auch damit zu tun, dass es eben auch hier nicht allgemein um das Herstellen von Öffentlichkeiten geht, sondern um eine Untersuchung der Werkzeuge, die zu gemeinsamem Erkenntnisgewinn - und in diesem Zuge auch über den Status und die Handlungsfähigkeit von Öffentlichkeiten führen können.

    Klingt kompliziert? Kann aber ganz einfach sein. Wie zum Beispiel das hier vorgestellte Projekt One Free Minute.
    Die Idee ist tatsächlich bestechend einfach, und die Werkzeuge für ihre Umsetzung sind es auch. Hingegen wird man sehr schnell (und wahrscheinlich in weniger als einer Minute) herausfinden, was vielleicht doch etwas schwieriger ist. Nämlich sich gut zu überlegen, was man der grossen weiten Welt Wichtiges zu sagen hat in einer Minute, die man als Redezeit frei zur Verfügung gestellt bekommt.

    Von miss.gunst am 03.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.10.05

    Hausaufgaben, Heimarbeit

    Von fern winkt das Medium von HOME MADE lediglich mit einem Zipfelchen Musik; den Hinweis hat es, faul wie es heute ist, obendrein einfach in der Nachbarschaft herausgesucht bzw. -gefunden.

    Dafür passt aber der Titel der EP, die für den heutigen Samstag empfohlen werden soll: HOMEWORK.
    Was natürlich Hausaufgaben heisst. Wortwörtlich genommen aber auch darauf verweist, dass selbige brav daheim (und selbst) erledigt werden sollten.
    Das klingt dann erstens: so, zweitens: so, drittens: so und/oder viertens: so.

    Erschienen ist das Ganze bei dem auch allgemein mit vielen leckeren Produktionen prunkenden Label unfoundsoundrecords. Und weil man sich in die dortigen Seiten ziemlich reindrehen muss, wird der Anker zu den Hintergrundinformationen einfach via archive.org ausgeworfen.

    Schöner (und besser als das Medium) haben ihre Hausaufgaben selbstredend die pod-Blogger der de:bug gemacht. Weshalb das Medium auch noch ganz bequem zu dem entsprechenden Eintrag leiten will, der in diesem Fall seine Quelle war.

    Ebendort nicht nur mehr zur japanischen Boygroup mit dem klangvollen Namen, die ihre Hausaufgaben so schön minimalistisch macht, dass selbst erklärte Antifeministen zu Suffragetten-Fans werden dürften. Sondern gleich auch die vier Tracks, die diesen Samstag ein bisschen versüssen und ggf. auch gleich auf das abendliche Ausgehen einstimmen können.

    Von miss.gunst am 01.10.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)