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19.11.05

der domestizierte blitz

blitz.gifIst schon etwas länger her, dass es hier um singende Lichtbögen ging - aber so einen schönen Strang greift das Medium natürlich jederzeit gerne wieder auf.
Gerade noch rechtzeitig, um auf eine Veranstaltung hinzuweisen, die am heutigen Samstagabend (19.11.05) im Tesla Berlin stattfindet.
Und Teil eines Projektes ist, das als solches sogar in den Zettelkasten gehört.

Das Projekt trägt den vielverprechenden Namen "der domestizierte blitz" und hat sogar so etwas wie einen eigenen Blog, in dem man bislang vor allem etwas über die Beteiligten - den Künstler Jan-Peter E. R. Sonntag und sein Team - und die gleichnamige Themenwoche im Tesla erfahren kann, wo Sonntag gerade eine Projektresidenz hat(te).

Worum es geht? Auf einen Begriff gebracht: Um Elektrizität. In einem Satz gesagt, den wir uns praktischerweise gleich aus dem Blog leihen können, um:

die Entwicklung des ersten wirklich rein elektrisch/elektronischen Instruments basierend auf dem 'singenden Lichtbogen' und um ihn ein Netz aus Erzählungen um das Wesen der Elektrizität und die Protagonisten der modernen, mediatisierten Welt.

Ausgespannt wurde dieses Netz bereits über mehrere Themenabende der letzten Wochen hinweg; unter anderem gab es einen RadioTesla-Abend zu Oskar Sala und seiner Arbeit mit dem Trautonium (das mit Blitzen jetzt so viel nicht zu tun hat, aber natürlich mit der Geschichte der elektronischen Musik), einen TeslaSalon zu "Elektrizität und Okkultismus" mit Wolfgang Hagen und Sam Ashley (der ebenfalls gerade eine Projektresidenz hat und demnächst hier nochmal extra vorgestellt werden wird) sowie einen weiteren zum Thema "Glühlicht und die Elektrifizierung des ganzen Landes" u.a. mit Peter Berz; einen Filmabend, an dem neben der etwas esoterisch gepolten 'Doku' "Holes in Heaven? HAARP and Advances in Tesla Technology" auch Craig Baldwins wunderbarer (Footage-)Film "Spectres of the Spectrum" gezeigt wurde (war neulich auch im Rahmen der Ausstellung "Resonanzen" im ZKM zu sehen; mehr dazu hier).

sonarc_k.gifVor allem anderen aber wurden bereits zwei Abende und wird heute ein dritter von bzw. mit Sonntags "sonArc::ion" bestritten, die sozusagen den Gravitationskern des Projekts bildet und so etwas wie eine szenische Inszenierung mit Bildern, Tönen und auf die Bühne gebrachter Experimentalanordnung rund um das Prinzip des singenden Lichtbogens bietet. Leider ist die Blogseite zum domestizierten Blitz ein bisschen blöd programmiert, deshalb muss das Medium mal wieder die rechte Maustaste bemühen, um wenigstens einen eleganten Sprung direkt in die Bildergalerie zu ermöglichen.

Sicher: Solche (in jedem Fall immer recht charismatischen) Inszenierungen von Experimenten haben - ebenso wie das Thema Elektrizität und die Vor- und Frühgeschichte der elektronischen Medien - derzeit ziemlich Konjunktur und sind für sich genommen, auch wenn sie unter künstlerischen Vorzeichen stattfinden, nicht ganz unproblematisch. Eben da sie nahezu nahtlos an die Tradition des Schauexperiments anknüpfen, das stets seine eigenen wissen(schafts)politischen Implikationen transportiert - und die können durchaus ziemlich reaktionär sein. Weil Wissen nach wie vor Macht ist und seine Inszenierung dazu neigt, mehr diesen Gestus zu supportieren als seine Vermittlung.

In diesem Fall aber sorgt die Einbindung in besagte Reihe für die notwendige Kontextualisierung - und vielleicht wird perspektivisch ja auch der bislang noch etwas fragmentarisch bestückte Projektblog zum domestizierten Blitz für weitere und weiterführende Erhellungen des Feldes sorgen.
Dass Klaus C. Ulbricht, der ihn betreibt, während der Produktion bislang nur wenig Zeit hatte, ein Blitztagebuch zu führen, ist nachvollziehbar.
Jedenfalls wird der domestizierte blitz erst mal hoffnungsfroh in den Zettelkasten aufgenommen - und in nächster Zeit immer wieder mal neugierig nachgeschaut.

Von miss.gunst am 19.11.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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