« History of Electronic Music | Hauptseite | Late Shift mit Knowbotic Research »
03.11.05
Digitale Allmend
Früher bezeichnete man als Allmend(e) beispielsweise jenes Fleckchen Erde in einer Dorfgemeinschaft, das allen gehörte: Jeder konnte dort seine Tiere weiden lassen, die Äpfel von den Bäumen pflücken oder das Fallobst holen gehen - je nach Bedarf. Gehegt wurde die Allmende ebenfalls von allen.
Im digitalen Zeitalter hat dieser Begriff, der sich historisch zunächst einmal auf materielles Gemeingut bezieht, eine neue und politisch brisante Bedeutung erlangt: So zentral er zunächst für die Netzkultur scheint beziehungsweise ist, so umstritten ist das, was er umfassen sollte.
Letzteres hat nicht zuletzt mit der Rechtslage zu tun: Die ist, beispielsweise was Urheberrecht und Verwertungsrechte betrifft, noch immer von Land zu Land verschieden - während man es in der Netzkultur mit einem Raum zu tun hat, der mindestens potentiell und hinsichtlich der Zugriffsoptionen wortwörtlich von internationaler Ausdehnung ist.
Während dies wiederum ganz neue Möglichkeiten für die Schaffung, Bewahrung und Verfügbarkeit von Allgemeingut ergibt, stehen dem insbesondere von der Unterhaltungsindustrie verfolgte kommerzielle Interessen entgehen: Nur was limitiert ist, lässt sich auch teuer verkaufen.
Bemühungen um sogenannte internationale Rechtssicherheit, die von jener Seite zunehmend erfolgreich angestrengt werden, dienen jedenfalls, anders als gern behauptet, mitnichten in erster Linie den AutorInnen. Die ihrerseits oft gar nicht so genau wissen, wie bzw. dass sie ihre Rechte wahren und zugleich zu den Creative Commons beisteuern können, aus denen sie ja auch selbst kontinuierlich schöpfen. Kurzum, es gibt Informationsbedarf.
In der Schweiz ist in Sachen Creative Commons schon länger eine entsprechende nationale Initiative aktiv, die sich vor einigen Monaten auch an verschiedenen Medienkulturorten vorgestellt hat - unter anderem im Basler [plug.in], das eigentlich regelmässig Veranstaltungen zum Thema anbietet (siehe auch das Archiv zur Reihe copyleft mit weiterführendem Material).
Wer nun aktuell noch mehr über das komplexe Thema Digitale Allmend(e) wissen möchte, dem sei die gleichnamige Veranstaltungsreihe empfohlen, die derzeit Daniel Boos, Judith Friedau und Thomas Bader in der Zürcher Roten Fabrik organisieren.
Nach der ersten Veranstaltung am 20.10. mit Einführungen zum Thema Urheberrecht und alternative Lizenzen soll es am heutigen Donnerstag abend (03.11.05) um "Wissen in der digitalen Allmend: Software, Wikipedia und Blogs", zu Gast sind Markus Dapp von The Alternative (Achtung: Anker funktioniert gerade nicht, aber existiert), Christian Seidl, der bei der Wikipedia mitarbeitet, Michael Lechner, ein Apache Lenya-Mitentwickler sowie Sandro Feuillet vom ignoranz.ch-Blog.
Hintergrundinformationen zur Veranstaltungsreihe, Beiträgen und Beitragenden sowie der Intiative Digitale Allmend auf deren Heimseite.
Digitale Allmend
am 03.11., 17.11. und 01.12.2005
jeweils um 20.00 Uhr
in der Roten Fabrik Zürich
PS: Besonders interessant aus HOME MADE-Perspektive dürfte natürlich die Veranstaltung werden, die für den 17.11.05 angesetzt ist.
Da steht "Kultur in der digitalen Allmend: Podcasting, Creative Commons und Musik" auf dem Programm.
Mit Markus Koller von starfrosch, Andrea Pastoni von alpinechic sowie Marc Widmer und Jonas Öhrström von sonicSQUIRREL - genau, das tönende Eichhörnchen, über in diesem Log ja bereits berichtet wurde.
Setzen wir im Kalender selbstredend auf Wiedervorlage, den Termin...
Von miss.gunst am 03.11.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
Kommentare
Kommentieren:
Thanks for signing in, . Now you can comment. (sign out)
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)