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23.11.05

rolywholyover

roly_k.gifWie bitte, schon wieder nach Berlin ins Tesla?
Ist in der Tat schwer zu ignorieren, dass dort sozusagen am Stück spannendes Programm gefahren wird. In diesem Fall mit Roland Roos, der allerdings mindestens den einschlägig Interessierten aus der Schweiz nicht ganz unbekannt sein dürfe.
Nicht nur, weil der rolywholyover-Workshop, den er seit vorgestern im Tesla anbietet, mehr oder weniger direkt aus seiner Abschlussarbeit an der HGKZ Zürich hervorgegangen ist.

Sondern auch, weil er vor ein paar Monaten bei einem dorkbot swiss-Treffen in Basel seinen "A DJ's fellow" vorgestellt hat. [Beiseit: Für diejenigen, die nicht dabei waren, aber noch im Nachhinein neugierg sind: Bei regioartline gibt es übrigens auch noch einen Bericht zum Basler dorkbot-Abend von Annina Zimmermann nachzulesen. Der Anker zur DJ's-Fellow-Projektseite selbst führt aber leider ins Nirvana.]

Roos' rolywholyover hat seinen Namen von einer Arbeit gleichen Titels von John Cage (der Anker führt zur hypertextbook-Heimseite von Glenn Elert, der hier ein Cage gewidmetes Ausstellungsprojekt im ehemaligen Guggenheim-Museum Soho vorstellt; hier gibt es noch mal eine kompakte Beschreibung zu einer Ausstellung/Aufführung in Philadelphia 1995; ansonsten können Interessierte auch auf eine Buchausgabe bzw. einen Katalog von 1993 zurückgreifen).

Tatsächlich lehnt sich das Basiskonzept in seinem Ausgangspunkt durchaus an Cages Grundideen an - macht aber aus der Komposition zugleich ein veritables und vor allem portables Musikinstrument. Sehr schön wird das von Roos selbst auf seinen rolywholyover-Webseiten beschrieben:

roly_g.gif

Rolywholyover ist eine Komposition für Umgebungsgeräusche, in der rec und play ein wechselseitiges, inspirierendes Drunter-und-Drüber eingehen: Abspiel- und Aufnahmegerät fallen zusammen. Der Komponist codiert das 'an' und 'aus', wann und wie Geräusche kommen und gehen.
[...]
Rolywholyover ist ein Tonträger, der noch viel mehr in sich trägt als Ton. Wie eine Welt in einer Nussschale findet ein polyphones Orchester in einer CD-Hülle Platz. Dieses Gehäuse ist nicht nur eine Hinterfragung eines altbekannten Mediums. Die musizierende CD bricht mit Konsumgewohnheiten und Erwartungshaltungen:
neue Ohren braucht der Mensch. Hören ist Gestalten!
Der Zuhörer muss, um zu einem Hörerlebnis zu kommen, zum aktiven Part werden. Die Vertonung ist abhängig von der Interaktion des Zuhörers. Er muss bespielen und gleichzeitig auch erhören, was die Komposition und die Hardwareumgebung aus seinen Geräuschen machen. Performance und Hörerlebnis fallen zusammen. Den Umgebungsgeräuschen wird auf eine neue Art und Weise Aufmerksamkeit geschenkt – ebenso werden die Rollen mit Rolywholyover neu definiert. Es gibt weder Interpret noch Zuhörer, weder Zufall noch Kontrolle.

Näheres zum Konzept und seiner Realisierung ist ebenfalls ebendort nachzulesen. Den theoretischen Teil von Roos Diplomarbeit gibt es (mindestens derzeit noch) über den HGKZ-Server sogar als pdf zum Herunterladen. Wem das zu ausführlich wird, kann es alternativ mit einer Kurzfassung der Einführung versuchen (ebenfalls pdf).

Die glücklichen BerlinerInnen aber haben dieser Tage die Möglichkeit, direkt am eingangs bereits erwähnten rolywholyover-Workshop teilzunehmen und selbst an einem solchen portablen Umweltgeräuschmusikgenerator zu basteln.
Aus der Ferne daher ein *tiefer Seufzer*. Da das Medium selbst wirklich gerne von/mit/in Medien lernt, hätte es in diesem Fall schon gern Mäuschen gespielt.
Nun, wer weiss, vielleicht gibt es demnächst ja auch in der Schweiz eine entsprechende Gelegenheit?

Von miss.gunst am 23.11.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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