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03.12.05

acoustic ecology institute

lat_k.gifAuf dem Weg zum (wirklich wieder ganz wunderbaren) dorkbot swiss-Abend am 01.12. strahlten dem Medium aus dem Dunkel ein paar merkwürdige Silhouetten entgegen. Das heisst, beleuchtet waren sie nicht, eben einfach Gestalten, die sich beim Näherkommen langsam aus schwarzer Nacht herausschälten: Ein kleiner Trupp etwa mannshoch aufragender Säulen mit leicht auskragenen Köpfen; einige mit kleinen Hütchen, so dass sie an altertümliche Strassenlaternen hätten erinnern können oder skurille Kreuzungen aus solchen mit Mikrophonen. Eine geheimnisvolle Soundskulptur, die gleich zum Leben erwachen wird?

Völlig gefehlt, natürlich. Die Nacht hatte sie nur verwandelt: Eine Messstation für Luftverschmutzung, die dort immer auf dem Grün im Innenhof der ehemaligen Kaserne grast.

Sie als akustische Sensoren zu imaginieren passte dann aber erstaunlich gut in Verbindung mit Andres Bosshards dorkbot-Präsentation, bei der es um den Klanggarten(an)bau in Städten ging (z.B. der Giardino Sonoro in Florenz - schaut idyllisch aus, liegt aber nachgerade auf einer bzw. bildet sozusagen eine Verkehrsinsel). Und unter anderem auch um die Wirkung solcher Anlagen auf die Lauscher derer, die sonst - meistens ohne das noch zu registrieren, wenn man nicht gerade an Presslufthammern vorbeihastet oder unversehens in ein Hupkonzert gerät - eigentlich ständig mit einem ziemlichen Noise-Filz an diversesten Grund- und Nebengeräuschen zugestopft werden.
Wie Klanggärten da etwas ausrichten können, wo es sowieso laut ist? Sollte eine Oase da nicht eher totale Stille liefern? Nun: Akustisches Bewusstsein beginnt schon erst einmal mit dem Hinhören. Und: Wo viele Menschen hinhören, wird es ein wenig stiller. Unter anderem.

Das Klanggärtnern jedenfalls ist - und das passt ja eigentlich auch ganz gut ins Bild, dass dieser Begriff eh schon aktiviert - eine Art angewandte akustische Ökologie(forschung). Und die wiederum eine sowieso spannende Angelegenheit.
Weshalb das Medium - eben auch ein bisschen inspiriert von seiner winterdunkelheitsbedingten Begegnung der dritten Art mit der Luftverschmutzungsmessstation - mal einen passenden Anker aus dem Zettelkasten ziehen will, um der geneigten Leserschaft nämlich einen Besuch beim Institute for Acoustic Ecology nahe zu legen.

aceco.gifDas virtuelle Institut, also die Webseite, funktioniert jedenfalls als gut gepflegte Ressourcen-Seite zum Thema, auf der man sich nicht nur ausführlich über die wissenschaftlichen Aktivitäten auf dem entsprechenden Gebiet informieren kann, sondern - zur Einführung sicher besser geeignet - auch jede Menge anregendes Material findet.

Ganz besonders empfiehlt sich in diesem Zusammenhang die Sektion Soundscapes, in der einige sehr interessante und anregende Essays finden (zum Beispiel direkt zum Thema Soundräume in der Stadt: On a Clear Day I can Hear Forever von Gary Ferrington oder, weiterführend, Francesco Lopez' von der Auseinandersetzung mit R. Murray Schafer ausgehenden Überlegungen zu Schizophrenia vs. l'objet sonore).

Sowie auch eine begonnene Sammlung von Artikeln (naja: einem Artikel) und Interviews (leider noch nicht so viele). Und, last but not least, eine schon recht umfangreiche und vor allem anderen appetitanregend kommentierte Sammlung von Ankern zu Webseiten von Projekten, die sich im weitesten Sinne mit dem Erlauschen von Soundscapes - Klangwelten und Geräuschräumen - beschäftigen.
Die zu erkunden, will das Medium für heute mal jeder/jedem selbst überlassen. Aber es ist sicher keine leere Drohung, an dieser Stelle vollmundig zu behaupten, dass die Favoriten des Mediums früher oder später in diesem Log auch mal ausführlicher vorgestellt werden (werden).

Von miss.gunst am 03.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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