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31.12.05

Mixtape vom Medium

mm001.gifZum Jahresende und sozusagen als kleines hausgemachtes Party-Präsent für den heutigen Abend hat sich das Medium entschlossen, ein virtuelles Mini-Mixtape mit zünftiger Musik zusammenzustellen.

Basis ist weder ein LeserInnen-Poll (hätte von der Zeit her gut gepasst, aber dummerweise hat das Medium weitgehend verabsäumt, einen ebensolchen zu veranstalten), noch handelt es sich um eine Hitparade.
Aber es sollte doch eine Auswahl von Stücken herauskommen, die mehr oder weniger direkt mit dem Radar dieses LogBuchs verknüpft sind.

Treue LeserInnen werden daher ein Wiedersehen bzw. -hören mit einigen alten Bekannten feiern können - ergänzt um einige Neuzugänge, die sich hoffentlich gut in den Reigen fügen.

over_mon.gifFarewell to Overhead
(mp3 via monochrom.at - Laufzeit 00:05:25)
von / by
monochrom in cooperation with (Oliver) Hangl and (Matthias) Kertal

Dieser wunderschöne Abgesang auf ein dem Exitus zustrebendes Medium wurde den Einträgen vom 21.11.2005 bzw. 22.11.2005 gefeiert. Für die Sammlung des Jahres ist Farewell to Overhead ein absolutes must, zumal uns mit der Bereitstellung des Liedtextes die Möglichkeit zum Mitsingen gegeben wird.

Typewriter Synthesizer
(mp3 via archive.org - Laufzeit 00:02:40)
von / by
Robot Speaker, aus der CD/EP Plastic TV-Channel No. 5

Die Schreibmaschine muss im Park totgesagter Medien natürlich unbedingt vertreten sein. Und wie könnte dies würdiger erfolgen als durch diesen (kurzenabernetten) Track von Robot Speaker a.k.a. Takuma Ebisawa. Das Label BedroomBrain Records scheint es nicht mehr zu geben (jedenfalls steht der Domainname zum Verkauf, daher wird der Anker auch auf den entsprechenden Katalogeintrag bei phlow.de ausgeworfen). Um so erfreulicher, dass dieses hörenswerte Stück zusammen mit seinen KollegInnen bei archive.org ein Zuhause gefunden hat.

tape_k.gif
Boil Up Cassette Tape
(mp3 via archive.org - Laufzeit 00:00:29)
von / by
Robot Speaker, aus der CD/EP Plastic TV-Channel No. 5

Tapes waren in diesem Jahr ja verschiedentlich Thema bei Home Made. In diesem ultrakurzen Track von Robot Speaker werden sie sozusagen anstelle des Neujahrshummers in kochendes Wasser geworfen. Oder so ähnlich.

Blue Danube
(mp3 direkt via comuterhistory.org - Laufzeit 00:01:16)
von / by Ron Mak; aus den Collection Highlights des Computer History Museum.

Derart abgehärtet sind wir nun bereit für ein weiteres Klangbeispiel aus dem schier unerschöpflichen Fundus sterbender Medien und Maschinen. In diesem Fall gleich doppelt nostalgisch, nämlich ein klassischer Wiener Walzer, wiedergegeben von einem (um nicht zu sagen: dem) klassischen Nadeldrucker, dem IBM 1403 aus dem Jahr 1964.

control to efficiency
(mp3 direkt über die Download-Seite von The User - Laufzeit 00:01:22)
von / by The User; aus der "Symphony for Dot Matrix Printers"

Nach zwei eher harschen Soundduschen haben wir uns nun ein etwas sanfteres Klangbad verdient. Um dabei aber bei der Medienarchäologie zu bleiben, ruft das Medium noch einmal einen Ausschnitt aus den im Eintrag vom 17.05.2005 vorgestellten Nadeldruckersymphonien von Thomas McIntosh und Emmanuel Madan a.k.a The User auf. Leider auch nur ein kurzes Vergnügen.

dslm_k.gifI L.O.V.E. YOU
(ram* via mego.at - Laufzeit 00:??:??*)
von / by
DJ DSL; aus dem 12''-release mego 005.

Weil "back to the roots" ansonsten eigentlich leicht mit jamaikanischem Dub zu assoziieren ist, gibt es nun einen kleinen musikalischen Sprung in die entsprechende Richtung. Natürlich lieben wir unsere DSL-Verbindung, die uns all die schönen Downloads ermöglicht, heiss und inniglich. Und deshalb stimmen wir auch enthusiastisch in den angenehm entspannten Reggae von DJ DSL mit ein. Für die Publikation des Stücks danken wir dem weltbsten aller Wiener Labels, mego. Und das Medium dankt für diesen Lied-Tipp seinem Ex-Kollegen Oliver von interdisco.net.
[* Der Server, auf dem mego seine ram-files liegen hat, will wohl gerade nicht. Hoffen wir mal, dass das nur ein temporäres Problem ist - denn die 2002 bei g-records erschienene Version des Stücks ist leider nicht so gut und ausserdem auch nicht zum Laden freigegeben - folglich in keinerlei Hinsicht eine Alternative...]

Window and Figure, Space and Volume
(mp3 via ftp bei scene.org - Laufzeit 00:05:02)
von / by digitalverein; aus der LP/EP "Changes", erschienen 2004 als release nr. 67 bei thinner.cc.

Ginge es hier darum, des Mediums favorisierte Netzlabel-Veröffentlichungen zusammenzustellen, hätte es angesichts der vielen rasend guten releases bei thinner.cc wirklich die Qual der Wahl. Da das virtuelle Mixtape aber ein Thema hat, greift es diesmal gezielt zur elektronischen Version der LP "Changes" von digitalverein a.k.a. Joerg Schuster, der auch für die viele bzw. die meisten der wunderschönen thinner-Covers verantwortlich zeichnet. Was ja auch in Sachen Dub-Rhythmus ganz gut passt.

uf13_k.gifLoopo
mp3 via archive.org - Laufzeit 00:07:04)
von / by dapayk; 2005 auf der mp3-EP (un)happy anniversery (unfoundsound Nr. 13) erschienen.

Ebenfalls zu den Lieblings-Netzlabels des Mediums zählt unfoundsound, das im Eintrag vom 01.10.2005 zum Thema Hausaufgaben, Heimarbeit verankert wurde. Für das virtuelle Mixtape hat die Abt. "Fleissiges Eselsbrückenbasteln" aus der Jubiläums-CD/EP "Unhappy Anniversary" von ein Stück von dapayk ausgewählt, der in diesem Jahr (nicht: vom Medium, sondern: 'den' Medien) vor allem aufgrund seiner gemeinsamen Produktionen mit Eva Padberg mit Aufmerksamkeit bedacht wurde. Hier hingegen wird eines seiner Soli aufgenommen, weil - naja, tatsächlich weil sich der Titel (und im Grunde auch der Track selbst) im weitesten Sinne mit dem vom Medium mässig fleissig gepflegten Strang zum Looping verknüpfen lässt.

no tv for and me
(mp3 - Laufzeit 00:03:37)
von / by
and me; aus dem interdisco-release id12 "and me - consuming with love"

Da wir gerade beim Thema Lieblingslabels sind: Natürlich muss auch von interdisco ein Track mit dabei sein. Da gäbe es ebenfalls eigentlich jede Menge Lieblingslieder, wie es sich für ein Lieblingslabel gehört, dessen releases in diesem Jahr ja auch hin und wieder direkt empfohlen wurden (siehe z.B. die Einträge vom 12.06.2005 und jüngst vom 25.12.2005). Dem thematischen Radius dieses Mixtapes entsprechend fiel die Wahl jedoch nachgerade zwangsläufig auf ein Stück von "and me" a.k.a. Raffel Dörig. Kein Fernsehen, dafür selbstgemachte Musik? Sicher nicht die schlechteste Alternative.

twi_el.gifRainy Day Inside Games
(mp3 via ftp bei scene.org - Laufzeit 00:02:16)
von / by
Twilight Electric; aus der mp3CD "Razor Blades", 2005 erschienen als Relase Nr. 8BP045 bei 8bitpeoples.

Vom (abgeschalteten) Fernseher ein mindestens auf den ersten Blick relativ harter Schwenk in die Welt der Computerspiele. Auf den zweiten bzw. beim Lauschen relativiert sich diese Härte aber wieder ein wenig - denn: erstens könnte der Anschlus musikalisch mit einigem Biegen und Brechen hinkommen. Und zweitens: Na, auf welchem Schirm hat man (alternativ zum Atari bzw. so es daheim an einem ebensolchen mangelte) seine ersten Pong-Sätze gewonnen? Genau, auf der guten alten Mattscheibe. Ergo geniessen wir den kurzen, aber doch recht angenehmen Regentag, den uns Patrick Johnson a.k.a. Twilight Electric beschert.


Ergonomics of Java
(mp3 via ftp bei scene.org - Laufzeit 00:04:00)
von / by
Amor Antiquita aus der mp3CD "Metallic Sonatas", 2005 erschienen als Relase Nr. 8BP053 bei 8bitpeoples.

Zugegeben: Dieser Track landet vor allem anderen wegen seines netten Titels auf dem virtuellen Mixtape des Mediums. Man kann sich natürlich fragen, was die 8bit-Gemeinde überhaupt mit Java zu schaffen hat. Immerhin gibt es auf diese Weise gute vier Minuten Zeit, um über diese Frage zu meditieren.

nulls_hw.gifode2mypixel
(mp3 via ftp bei scene.org - Laufzeit 00:02:17)
von / by
Nullsleep aus der mp3CD "Hello World", 2001 erschienen als Release Nr. 8BP017 bei 8bitpeoples.

Ich liebe meinen Pixel. Im Singular, wohlgemerkt. Nunja, das hört man auch. Aber so ein wirklich schlichtes Stück 8bit-Musik klassischer Machart muss auf dem virtuellen Mixtape selbstredend ebenfalls vertreten sein. Zumal Nullsleep ebenso wie Twilight Electric zur Core-Group der 8bitpeoples gehört.

Last Computer Game Ninja
(mp3 via archive.org - Laufzeit 00:04:11)
von / by
Hectopascal; aus der EP "Pixies and Pixels", CANDY001 bei Candymind

Bei HectoPascal hingegen dürfen es, wie ja auch schon der Titel der zugehörigen EP andeutet, ein paar Pixel mehr sein - und das gibt dann gleich auch einen satteren Sound, um den letzten Computerspiel-Ninja zu feiern. Ursprünglich erschienen bei Candymind, einem auch sonst sehr empfehlenswerten Netzlabel.

cand_fer.gifTV and Chipsy
(mp3 via archive.org - Laufzeit 00:03:51)
von / by
Bruno Ferrari; aus der EP "Take it like a Woman", CANDY010 bei Candymind

Eben deshalb können wir auch noch für das nächste Stück bei Candymind bleiben, damit der grossartige Bruno Ferrari mit "TV and Chipsy" dafür sorgen darf, dass sich die vom streitbaren letzten Computergame-Ninja aufgewühlten Bits'n'Bytes wieder entspannen. Anders als bei and me werden wir also eher explizit in die Couchpotatoe-Lounge eingeladen. Wo es sich in diesem Fall aber zweifelsohne wohl sein lässt.

Sounds of a Computer Dying
(mp3 via archive.org - Laufzeit 00:17:43)
von / by
Dub Ya Children Eaterz; erschienen 2004 als GOD57 bei godrekidz.com

Nachdem wir bei bzw. mit Bruno Ferrari entspannen durften, kann nun nochmal eine etwas rauhere Gangart eingelegt werden. Zu den Sounds of a Computer Dying lässt sich nämlich durchaus sagen: Drin was draufsteht. Und es handelt sich um einen ziemlich langen, anstrengenden Todeskampf.

ppho.gifSad Robot
(mp3, auf dem Heimseiten-Server der TU Darmstadt abgelegt - Laufzeit 00:05:08)
von / by Pornophonique; 2004 als einer der beiden Tracks der ersten "LP"-CD der Pornophoniker erschienen.

Eben deshalb haben wir uns am Schluss des virtuellen Mixtapes noch einmal ein ganz ganz schönes Lied zum Mitsingen verdient. Das bekommen wir in diesem Fall von Pornophonique serviert. Und damit es mit dem Mitsingen gut klappt, gibt es hier auch noch den Liedtext dazu.

So. Das sind jetzt zwar weder 90 bzw. 60 Minuten, wie es sich für ein Mixtape der alten Schule eigentlich gehören würde, sondern gerade etwas mehr als eine gute Stunde Musik. Aber mit den Medien ändern sich auch die (Lauf-)Zeiten - eine der Annehmlichkeiten des digitalen Formats ist in diesem Fall tatsaechlich, dass man das Ganze nicht mehr auf die Sekunde genau hinfummeln muss. Was ja nicht heisst, dass so ein Mix weniger liebevoll zusammengestellt wäre.

Und damit wünscht das Medium allen LeserInnen frohes Feiern heute Abend und einen guten Rutsch!

Von miss.gunst am 31.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

30.12.05

Revolutionary Knitting Circle

rkc_sw.gifNicht, dass das Medium dazu antreiben möchte, etwaige durch den gestrigen Eintrag inspirierte Handarbeiten schleunigst wieder einzustellen. Ganz im Gegenteil: Sicher kann die Welt angesichts der aktuellen Witterung allenthalben angebrachte kuschelige Klinkenwärmer oder Leibchen für Autoantennen dringend brauchen.

Dennoch verspürt es mit Blick auf das ausklingende Jahr das Bedürfnis, der kleinen Serie zu alternativen Bestimmungen traditioneller Nadelwerktechniken einen würdigen Schlusspunkt zu setzen - wie vorläufig er auch immer sein mag.

Daher erfolgt heute noch die Vorstellung der Mutter allen revolutionären Strickens - des Revolutionary Knitting Circle.

Diese namhafte Vereinigung hat es - und das will durchaus etwas heissen - sogar schon zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht.
Kein Wunder allerdings insofern, als die im Jahr 2000 im kanadischen Calgary gegründete Initiative bereits eine Menge AnhängerInnen hat und stolz auf zahlreiche Tochterkreise blicken kann.

rkc_r.gifGanz ähnlich wie die MikroRevolt-AktivistInnen verfolgt der Revolutionary Knitting Circle mit seinen Nadelwerken politische Ziele, die sich im Wesentlichen in drei Punkten kristallisieren:
Erstens ist die Unabhängigkeit von Gemeinschaften zu fördern, zweitens sollen soziale Unterschiede abgebaut werden, und drittens sollen neue Wege für politischen Aktivismus beschritten werden.
Durchs gemeinsame Stricken nämlich.

Entsprechend heisst es im RKC-Manifest, der "Revolutionary Knitting Circle Proclamation of Constructive Revolution":

We hold that all communities should have the means necessary to meet every essential need of their own people. To that end, the Revolutionary Knitting Circle calls upon people everywhere to take up the struggle through the tools of local production. We shall bring forth not only our voices raised for global justice, but we shall rise together, with the tools to liberate local communities from the shackles of global corporatism. [...] We shall put this struggle in the faces of the elites by engaging in knit-ins at their places of power throughout the world. We shall conduct workshops and skill-sharing at their major meetings, on the steps of government edifices, and - perhaps most significantly - in the banks, malls and even those 'hallowed' office towers of the richest of the rich. [...] So whether you want to knit, quilt, grow food, build homes, teach, heal or any of the other skills that can provide for a community, we call on you to come forward in solidarity to create production and learning outside of the dominant 'corporate economics'. [...] Let us join together in action to create a globalization of justice so that freedom can be made to ring out for all people. This is our constructive revolution.

rkc_c.gifIn die Tat umgesetzt werden kann sie beispielsweise mit einem Peace Knits-Banner, zu dem es auch eine passende Strickmuster-Vorlage (als pdf) herunterzuladen gibt.

Findet die geneigte LeserInnenschaft jetzt nicht grad so schick?
Also bitte, dann eben ein eigenes Muster mit dem MikroRevolt-knitPro-Engine entwerfen. Oder notfalls wie knitta Strick-Graffitti verteilen.
Wesentlich an der Sache ist wohl, dass man seine Arbeit demonstrativ an der richtigen Stelle platziert (the medium is the message, so gesehen). Und dass man sich dem Nadelwerk gemeinsam widmet, in einem Revolutionary Knitting Circle eben.
Wer weiss, vielleicht klappt es ja dann mit der konstruktiven Revolution.

Von miss.gunst am 30.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.12.05

Kampfstricken ff.

knit_t_k.gifNun gut, ob sich mit dieser Technik wirklich die nächste Revolution anzetteln lässt oder ob sie sich zum alternativen Strassenkampf eignet, sei einmal dahin gestellt.
Aber ansonsten fügt sich das Ganze doch prima in die Reihe einschlägiger Handarbeitstechniken.

Der Abwechslung halber ist nach dem zur Mikrorevolte einladenden Maschenwerk und den subversiven Kreuzstichen wieder das Stricken an der Reihe.

Kni_k3.gifUnd auf das scheint sich knitta - nach eigenen Angaben "100 years old" und mithin sicher noch durch die gute alte Schule moralisch-ethisch untermauerter Haushaltslehren gegangen - in der Tat bestens zu verstehen.

So gut nämlich, dass - wie auf ihrer Heimseite zu sehen - weder Laternenmasten noch Autoantennen vor ihren Handarbeiten sicher sind. Allerdings erfolgt die wärmende Umhüllung offenbar unfreiwilig, was die derart bedachten betrifft.
Weshalb knitta ihr Strickwerk auch als eine Art wollige Graffitti versteht bzw. verstehen.

kni_k2.gifTatsächlich sollte man wohl besser im Plural schreiben: Offenbar handelt es sich nämlich (und das erklärt einerseits die methusalemische Altersangabe, lässt andererseits allerdings auch die Assoziation mit der Handarbeitsethik alter Schule zu Staub zerfallen) um eine ganze StrickerInnen-Gang von Natural Born Knitters.
Die möglicherweise, wie das schicke Gang-Tatoo vermuten lässt und wie schliesslich auch Fotos der allenthalben abgesetzten Strick-Graffittis nahe legen können, wirklich ziemlich wild und gefährlich ist.

Jedenfalls dann, wenn ihre bestrickende Street Art zukünftig mehr und mehr AnhängerInnen gewinnen sollte. An einer wärmend eingefassten Türklinke mag sich mancher im Winter vielleicht noch freuen.
Doch wer weiss, zu welch krausen Gedanken uns eine flächendeckend mit Wollornamenten gefasste Nachbarschaft verleiten wird?

Von miss.gunst am 29.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.12.05

Sonische Alchemie ff. (hermetico)

bsun_k.gifWeil es so schön war, gibt es heute gleich noch einen Musik-Tipp für die Zeit zwischen den Jahren (und natürlich auch die danach).

Diesmal allerdings vielleicht nicht ganz so heiter und verspielt wie im Fall von Trondheim. Wie man im Grunde auch schon ahnt, wenn man den Namen hört bzw. liest:
hermetico - also: der Hermetische, Versiegelte. Klingt nicht nach einer warmen, herzlichen Umarmung, oder? Eher schon nach sonischer Alchemie.

Nun, dazu passt zwar, wenn im Kurzporträt von hermetico nachzulesen ist, dass er auf eine Vergangenheit als Sänger in einer dark metal-Band zurückblicken kann. In musikalischer Hinsicht merkt man das aber bestenfalls unterschwellig. Da geht es eher in Richtung minimalistischem Techno.
Das heisst: "Dunkel" sind seine Sounds schon - jedoch nur, was die Schwingungen betrifft. Gut möglich, dass man je nach Qualität der ausgebenden Anlage resp. der Boxen ein bisschen an den Reglern spielen muss, damit nichts verscheppert; der Audio-Ausgang eines durchschnittlichen Laptops dürfte jedenfalls tendenziell überfordert sein.

herm_nf1_k.gifLetzteres gilt bereits für hermeticos erste Veröffentlichung in diesem Jahr, die EP "vida intelligente", die in seiner spanischen Heimat bei seinem eigenen Label choplinsound herausgekommen ist.
Zum "Intelligenten Leben" führt leider kein direkter Anker, man muss also brav die hier unbotmässig aus dem Frame herausgelöste "Sounds"-Seite herunterblättern, um zur Publikation Nummer 12 zu gelangen. Aber da sowohl der Stream als auch das Zip-Paket mit den vier Tracks über archive.org heruntergeladen werden, lässt sich als stabiler Verweis auch derjenige zum besten Server(verbund) aller Zeiten angeben. Und wenn man denn schon mal dort ist, kann man sich auch gleich das im vergangenen Oktober erschienene erste hermetico-Release bei choplinsound zu Gemüte führen, das auf den Namen nf1 hört und insgesamt um einiges schüchterner daherkommt, was die Auslotung des Schwingungsschwellenspektrums betrifft. Das Cover und das Inlet dazu liegen ebenfalls bei archive.org, sind aber am bequemsten über den Anker im Archiv der choplinsound-Soundseiten zu erreichen.

herm_ateo_k.gifMindestens dem Medium sagen allerdings die daraufhin in dichter Folge erschienenen nächsten beiden EPs doch mehr zu: "danza de las sombras" - ok, keine tolle Titelung und klingt in Übersetzung wirklich doof: Tanz der Schatten; sicher auch keine Klangrevolution. Aber sehr gut geeignet für nächtliche Autofahrten beispielsweise. Und dann "ateo, materialista y comunista" - schon vom Titel her gleich um Längen besser, oder?

"Meine Kunst ist atheistisch, materialistisch und kommunistisch; atheistisch, weil ihr eine höhere Bedeutung stiftende Form, jegliche geistige oder intellektuelle Qualität fehlen; materialistisch, weil sich diese Tatsache aus ihrer Materialität ergibt, ohne andere, weitere Bedeutungsebenen vorzuschützen; kommunistisch, weil ihre Formensprache der gesamten Welt zugänglich ist."

Ob sich Carl Andre, den hermetico hier zitiert, mit der Musik anfreunden könnte, sei mal dahingestellt bzw. ist am Ende doch eher nebensächlich. Jedenfalls kommt, wenn hermetico seine minimalistischen Module kombiniert, eindeutig Schwungvolleres heraus. Sollte man sich also möglicherweise besser als Soundtrack für eine Variation auf Sylvie Fleurys "Walking on Carl Andre" vorstellen.

bsun_g.gif
Für Fans und solche, die es werden wollen, gibt es nun seit Anfang Dezember eine neue hermetico-EP, die diesmal beim Lübecker Netzlabel [no-response.org] herausgekommen ist. rutinas - also Routinen - kommt wie das "Intelligente Leben" mit vier Tracks daher. Wieder eine rundum schlichte Angelegenheit, was den Aufbau der Stücke angeht. Und nochmal bessere Basswellen - was allerdings auch bedeutet, dass Lauschen auf dem Rechner eher abzuraten ist, wenn nicht ein gutes Soundsystem hinten dranhängt. Ob die Beschreibung der Kollegen von [no-response.org] trifft, in der von
"... brings us grim, minimalistic beats into our warm snuggery, with a soft touch of melancholy"
die Rede ist, lässt sich aber sicher streiten. Denn wer sagt denn, dass eine schwarze Sonne nicht auch Wärme produziert? Schliesslich ist auch die putrefactio letzten Endes eine exotherme Reaktion.

Achja, PS:
Für FreundInnen der Blogosphere gibt es auch einen choplinsound-Blog, in dem hermetico durchaus nicht nur seine eigenen Publikationen ankündigt, sondern auch diejenigen anderer Netzlabels vorstellt. Ok, um mitzulesen sollte man schon ein bisschen Spanisch verstehen. Aber mindestens die jeweiligen Anker funktionieren akustisch natürlich Esperanto bzw. international...

Von miss.gunst am 28.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.12.05

Totes T bzw. B

tot_k.gifTja. So kann es auch gehen: Der Provider sorgt einfach dafür, dass gute Vorsätze in die Tat umgesetzt werden.

Mehr als dreissig geschlagene Stunden redete der Server nicht mit dem Medium. Rührte sich nicht, so sehr es auch klingelte, pingte und an seiner Türe schabte.
Dass es auch einigen anderen so erging, war da nur ein denkbar schwacher Trost.

Immerhin liess sich auf diese Weise (neben der Starthilfe in Sachen Vorsatz, wenigstens über die Feiertage den Blog mal in Ruhe zu lassen) eine These, die letzten Sommer in der Blogosphere kursierte, auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen:

Blog = Tamago(t)chi

tot_g.gifIn der Tat. Das Medium kann sich noch gut daran erinnern, wie es seinerzeit - ohne dass es danach im mindesten verlangt hätte - ein Tamagotchi geschenkt bekam.
Und sich dann denkbar widerwillig wochenlang der digitalen Kleintierpflege widmen musste.
Schliesslich ist es mit solchen Sachen ja doch nicht anders als mit anderen Dingen: Wenn man es erstmal am Hals hat, lässt man es nicht so einfach sterben. Egal, wie lästig es ist.

Oder doch? Wie es der Zufall so wollte, befand sich das T. dann doch mal in einer Tasche, die eines Abends bei Freunden liegen blieb. Was ihm leider, leider nicht so gut bekam. Beim absichtsvoll um ein zwei Tage verzögerten Abholen der Tasche traf das Medium das T. in erwartbar bejammernswertem Zustand an. Nämlich mausetot.

Das war schon ein bisschen traurig. Aber wirklich traurig war es eben nicht.

Hingegen - und hier sieht man, dass die obige Gleichung schwerlich aufgehen kann: Ein totes Blog ist eine in *jeglicher* Hinsicht jammervolle Angelegenheit.
Allein schon, weil man nichtmal - weder für andere noch für sich selbst - einen richtigen Grabstein aufstellen resp. beweinen kann.
Ausser im stillen Kämmerlein natürlich.
Publizieren lässt sich das Produkt verzweifelter Trauerarbeit aber eben doch erst posthum redivivus. Bittesehr.

Von miss.gunst am 27.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.12.05

Auf nach (zu) Trondheim

id14_ksw.gifGanz entgegen des guten Vorsatzes, über die Feiertage mal ein bisschen still zu halten, drängt es das Medium jetzt doch, einen eben eingegangenen Hinweis gleich weiter zu geben.

Anders als man angesichts der Überschrift vermuten könnte, handelt es sich allerdings mitnichten um eine Reiseempfehlung.
Obwohl die norwegische Stadt Trondheim für sich genommen durchaus eine Reise wert sein dürfte.

Wie dem Wikipedia-Eintrag zu Trondheim zu entnehmen ist, gibt es dort neben verschiedenen anderen Sehenswürdigkeiten etwa auch einen jener schönen Fernsehtürme, in deren Spitze sich ein Panoramarestaurant befindet (das nur für die Leute, die diese Örtlichkeiten bei Städtereisen gezielt aufzusuchen pflegen).

tro_has.gifEingestandenermassen erwähnt das Medium diesen Wikipedia-Eintrag aber doch nur, um elegant zum eigentlichen Thema überzuleiten. Denn früher oder später wird man in der Wiki-Enzyklopädie unter "Trondheim" erst einmal auf eine dieser Begriffsklärungs-Seiten stossen, auf denen man sich wie dereinst Herkules am Scheidewege entscheiden muss, was man eigentlich sucht.
In diesem Fall: "Trondheim, die Stadt" - oder: "Trondheim, die Musik". Bzw. "Trondheim, das Musikprojekt. Siehe auch: Ansgar Seide".

Auf letzteren bzw. letzteres haben in jüngerer Zeit immer wieder mal kleine Hinweise in einschlägigen Magazinen aufmerksam gemacht. Im vergangenen Jahre etwa Intro, wo seine CD "Warm Machine" als "knuffige Heimelektronik" gepriesen wurde, nachdem ein Jahr zuvor schon die Demo "Haus am See" zur Gustation empfohlen worden war (gleich mal Lauschen? Hier das Haus-am-See-mp3).

id14_k.gifDementsprechend enthusiastisch wurde auch seine neue Demo mit dem grossartigen Titel "Der erste Widersacher und sein Untergang" von der Szene begrüsst. Und ganz sicher nicht zu Unrecht bemerkte Felix Neumann vom Independent DJ Team in der Einleitung seines Interviews mit Ansgar Seide:

"Unverständlich bleibt, dass sich bislang kein
Label gefunden hat, das seine Musik veröffentlichen will."

Das war gestern, kann man jetzt vermelden. Denn "Der erste Widersacher und sein Untergang" haben nun bei dem Basler Netzlabel interdisco ein Zuhause gefunden.
Was den FreundInnen der elektronischen Musik das ausgesprochene Vergnügen beschert, sich die Feiertage und natürlich nicht nur diese mit vier wunderschönen Trondheim-Tracks zu versüssen.

Köpfen wir darauf an dieser Stelle doch gleich einmal eine Flasche "Ohmsekt" (mp3). Und sagen interdisco Danke für dieses leckere Release.

Also: Auf nach zu Trondheim!

Von miss.gunst am 25.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.12.05

Weihnachten mit 8bit

8bc_kk.gifDas Medium nimmt zwar nicht gleich alles zurück, was es gestern einleitend behauptete.
Freut sich aber doch, seinen LeserInnen eine zünftige Weihnachtsmusik unter das virtuelle Bäumchen legen zu können, die belegt, dass man mitnichten schief "Oh du Fröhliche..." singen oder seine Finger zu ungewohnten Läufen zwingen muss, um etwas Festliches zu Heiligabend beitragen zu können.

Und obendrein lässt sich bei dieser Gelegenheit noch der in jüngerer Zeit zugegebener Massen etwas vernachlässigte 8-bit-Strang weiterknüpfen.

Keine geringeren als die enthusiastischen 8bitpeoples machen uns mit ihrer Veröffentlichung Nr. 038 nämlich vor, wie es gehen kann:

8bc_g.gif

This very special holiday release from 8bitpeoples features an allstar cross-platform lineup that is sure to make yours a truly chippy christmas indeed. Brought together from all corners of the globe, these 8 amazing tunes were composed by 8 dedicated chiptune maniacs on 8 different videogame consoles and homecomputers!

Alle acht Weihnachtslieder der 8-bit-ler (oh, it's sooo magic!) lassen sich einzeln über den entsprechenden Eintrag in der mittlerweile richtig reichhaltig bestückten Discographie auf der 8bitpeoples-Heimseite anhören resp. herunterladen. Und dazu gibt es als leckere Beilage auch noch ein schickes Cover.
Wer es bequemer haben möchte, kann sich das Gesamtpaket der 8bits of Christmas als zip-file bei archive.org holen.

Bestens geeignet sowohl für den Eigengebrauch, als auch als last-minute-Präsent - und vielleicht auch als Steilvorlage für die nächste Eigenproduktion?

Das Medium wünscht seinen LeserInnen jedenfalls frohes Singen und Klingen, am besten selbstredend mit Selbstgemachtem.
Und ansonsten (nach Nutzung des Ankers bitte nach unten blättern): HFH!

Von miss.gunst am 24.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.12.05

Blond

blond.gifEigentlich ist das Medium ja so gar nicht für Blondinenwitze zu haben. Schon aus humanitären Gründen nicht.

In diesem speziellen Fall sieht es sich aber doch genötigt, einmal eine Ausnahme zu machen. Der hier ist einfach zu gut.

Oder?

Von miss.gunst am 23.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

Miserable Music

lp_k2_k.gifVermutlich wird zu wenigen anderen Gelegenheiten so viel Toleranz gegenüber ebenso inbrünstig wie schief singenden und spielenden Mitmenschen an den Tag gelegt wie an Heiligabend. Selbst solche, die ihre Instrumente ansonsten beherrschen, hauen da gern mal daneben - schliesslich spielt man sonst ganz andere Sachen und eben diese nur eins plus n mal im Jahr.

Aber eigentlich soll es heute gar nicht um miserable Musik gehen, sondern - darum heisst es in der Überschrift auch "Music" mit "c" - eher um elende, bejammernswerte bzw. Bejammernswertes besingende.

"Miserable Music" ist eine gut einstündige Kompilation historischer Aufnahmen amerikanischen Liedguts aus den Jahren 1916 bis 1941, die von Spencer Sundell ausgewählt, aufbereitet und auf den (auch sonst so einige Spezereien bereithaltenden) Seiten von subliminal.org bereitgestellt worden ist.

Die Sammlung rekrutiert sich aus Überschussen aus Sundells DVD-Projekts "Ancient Mayhem - Death Destruction Disaster and Misery", das seinerseits Ton- und Bildaufnahmen aus dem Amerika der Jahre 1862-1941 vorstellt, die in der Library of Congress lagern.

"Miserable Music" schliesst da programmatisch an mit einer kleineren Auswahl von

ALL-AMERICAN SONGS of MURDER, HATRED,
DISASTER, DEBAUCHERY, and BETRAYAL
FROM THE UNITED STATES LIBRARY of CONGRESS
— INFORMATIVE and EDUCATIONAL —

Um den letzteren Aspekt zu unterstützen, gibt es bei einigen Liedern auch die Texte zum Mit- bzw. Nachlesen, und nicht von ungefähr heisst es in der Hintergrund-Info zum Projekt:

Disclaimer: Because they are reflections of their time, some materials may contain words, attitudes and beliefs which may be offensive to some. While not endorsing such material per se, they are valid cultural artefacts which provide important insight into American history. So deal with it.

Spätestens beim zweiten Lied dürfte einigermassen klar werden, was hier gemeint sein könnte.

Nichts desto weniger ist die "Miserable Music" nicht nur informativ und pädagogisch wertvoll, sondern vor allem anderen erst einmal - allem besungenen Elend zum Trotz - ein echtes Hörvergnügen.

Und eignet sich mithin rundum bestens, um Bastelstunden zu begleiten - ob nun gefalzt und geklebt, gelötet und geschraubt, gestrickt oder gestickt wird.
Schliesslich sollte man sich mal Gedanken darüber machen, wie der Teufel wohl verfährt, wenn beharrlich braver Handarbeit nachgegangen wird. Richtig: The devil finds work for idle ears.

Wie sollte man dem wohl besser vorbeugen als mit "Miserable Music", die im besten Sinne "informative and educational" ist?

Von miss.gunst am 23.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.12.05

Subversives Stickwerk

substi_sw.gifDass Sticken ganz ähnlich wie Stricken derzeit zu den Trendsportarten zählt, wundert wenig, wenn man auf aktuelle Designpräferenzen schaut: Allenthalben wird in floralen Applikationen, graphischen Arabesken und gewagten Musterschwüngen geschwelgt - Ornament ist ganz offenkundig kein Verbrechen mehr.

Vor allem aber geben sich auch immer mehr Menschen der traditionellen Handarbeitsdisziplin hin. Besonders gut kommen Form und Inhalt dabei zusammen, wenn fleissig Sticheleien gestichelt werden.

Wie das geht, zeigt aufs Trefflichste Julie Jackson, die sich auf die hohe Kunst des subversiven Kreuzstichs eingeschworen hat.

substi_k.gifIhre Heimseite, "Subversive Cross Stitch" bietet eine breite und ansehnliche Auswahl höchst dekorativer Sinnsprüche an, die jeder guten Stube zur Zierde gereichen sollten.
Schliesslich sind Stickereien das Ergebnis unzähliger stiller Arbeitsstunden, einer quasi meditativen Tätigkeit - die sich dann beim Anblick eines fertiggestellten Werkstücks gleichsam noch einmal empathisch nacherleben lässt. Zumal dann, wenn auf ihnen zur inneren Einkehr Einladendes wie "Pussy Got Me Dizzay" oder "Go Fuck Yourself" zu lesen steht.
Oder etwa nicht? Tja, nicht umsonst hüstelt es im Hintergrund der Seite "... mind your fingers...".

A propos: Dem Medium, das sich beim Thema Handarbeit gerne glücklicherweise überwundener Jugendtraumata erinnert, kommt mit Blick aufs subversive Sticken unweigerlich eine Short Story in den Sinn, die zu Lesen es seinerzeit im Englischunterricht genötigt wurde.

Titel und Moral der Geschicht drehten sich nämlich um den Sinnspruch "The devil finds work for idle hands", zu deutsch in etwa "Müssiggang ist aller Laster Anfang". Genau diese im Unterricht angebotene Übersetzung wollte dem Medium aber so gar nicht eingängig werden. Denn: Wenn die Hände vom Teufel beschäftgt werden, sind sie doch am Ende gar nicht mehr faul - und umgekehrt ist ja wohl nicht immer zu entscheiden, was hinter händiger Tätigkeit steht. Einer scheinbar unschuldigen Handarbeit wie dem Sticken beispielsweise.

Oh nein, man muss dabei mitnichten an subversive Kreuzstiche denken.
Was beispielsweise, wenn der Teufel uns einflüstert, uns mit züchtigem Nadelwerk zu beschäftigen? Anstatt alternativ: Älteren Mitmenschen über die Strasse zu helfen, Schülern Nachhilfe zu geben oder demütig dem Kirchgang zu frönen.

Nun, man kann ja mal die Probe aufs Exempel machen. Wer nun selbst die "idle hands" ein wenig rühren möchte - und diese Anregung kommt jetzt nicht vom Teufel (wenigstens nicht direkt), sondern vom Medium - wird sich vielleicht zunächst noch einmal eine Übersicht über die gängigen Stickstiche verschaffen wollen (der Kreuzstich ist ja nur einer von ziemlich vielen, wie beispielsweise die hier verankerte Seite, Johanna's Embroidery Page demonstriert).
Und dann heisst es: Munter losgestichelt.

hm_stick.gifGanz ähnlich wie für's Stricken gibt es natürlich auch für Stickarbeiten feine Mustergeneratoren, wie zum Beispiel - um mal nur beim Kreuzstich zu bleiben - den Counted Cross Stitch Chart Generator bei darklilac.com, der übrigens unter einer Creative Commons Linzenz operiert.

Wieder zwinkert das Medium verstohlen mit dem Musterbogen für ein hübsches HOME MADE-Logo-Bildchen (pdf). Aber nur für den Fall, das jemandem noch ein Weihnachtsgeschenk für es fehlt.

substi_hol.gifDenn nicht nur subversiver, sondern auch sicher einfacher in Angriff zu nehmen sind die tollen Starter-Kits, die man bei Julie Jackson auf der Subversive Cross Stitch-Seite bestellen kann.
Na, wäre das nicht ein wunderschönes Präsent und eine zünftige Beschäftigung über die Feiertage, so ein mit fleissigen Händen, ganzem Herzen und edlem Gemüt gesticktes "Happy Fucking Holidays"?

[Bildchen: Stammen, bis auf die HOME MADE-Stickvorlage, alle von Julie Jacksons Subversive Cross Stitch-Seite und werden hier mit freundlicher Zustimmung von Julie wiedergegeben. Das Medium winkt und zwinkert: Bloody well done!]

Von miss.gunst am 22.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.12.05

Reden über Raum (mit Manovich)

real_virt.gifBeiseit und ohne uns in irgendeiner Weise von Weihnachtsbasteleien, Last-Minute-Wichtelexkursionen oder ähnlichem abhalten zu lassen:
Es gibt natürlich schon noch ein paar andere interessante Dinge, resp. Veranstaltungen, die ohne mühsam unters Weihnachtsmäntelchen gekehrte aufwärmende Infusionen oder Leibesübungen (nix Unzüchtiges natürlich, nur Warmtanzen und so) besuchenswert sind.

Wie zum Beispiel heute Abend (21.12.05) in der Basler Voltahalle.

man_lmn_k.gifDa wird sich auf Einladung der FHBB-Abteilung Forschung und Entwicklung der vor allem über sein Buch "The Language of New Media" bekannt gewordene Medientheoretiker und -gestalter Lev Manovich zu einem Gespräch mit Uwe Brückner einfinden, bei dem es um Raum(künste) gehen wird.

Weil die Reihe wohl nicht umsonst "real virtualities" heisst, empfiehlt das Medium zur Vorbereitung aus der hohlen Hand mal Manovich' Text "The poetics of augmented space" (von 2002 - Achtung! Der Anker zeigt auf ein doc-Dokument - in diesem Format sind leider die meiste Texte im gleichnamigen Bereich von Manovic' Heimseiten abgelegt). Und das Space-Kapitel im "The Language of New Media" natürlich.

Näheres zum Abend steht auf einem pdf-Flugblatt, das aktuell auf der Seite der besagten Abt. Forschung und Entwicklung abzurufen ist - 'tschuldigung, alles können wir ja nicht auf unseren Server laden, oder?

Das Programm im Überblick wird vom Medium aber gerne fix in diesen Eintrag hineinkopiert:

Talk #1 real virtuality - how to talk about the spatial arts? Wednesday, December 21 2005 starting 6:30pm at Voltahalle Basel

7:00 to 8.30pm Discussion with
Lev Manovich and Uwe Brückner (English).
Presentation: Vera Bühlmann

Followed by drinks and music with Dj’s Stiebeltron Inc. and visuals by Lev Manovich (Soft Cinema).

Man beachte bitte die letzten beiden Zeilen.
Sieht also ganz so aus, als werde es doch auch bei dieser Veranstaltung aufwärmende Infusionen und/oder Leibesübungen geben. Oder wenigstens gepflegtes Stretching im Stehen bei ebenso gepflegter Musik.

Von miss.gunst am 21.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.12.05

Revolutionäre Handarbeit

micrr_ap_sw.gifDie winterliche Witterung, die sich dieses Jahr sogar einigermassen pünktlich zu Weihnachtszeit eingestellt hat, legt es sowieso nahe. Darüber hinaus jedoch hat sich das Medium sagen lassen: Es ist derzeit der Trend schlechthin.

Das zu tun, wovor sich selbst tapfere Medien weiland fürchterlich zu fürchten pflegten: Zu kalten, langen, gefährlich spitzen Nadeln und fiesem, faserigem und schon von sich aus stets zu gnadenloser Verwirrung neigendem Wollfaden zu greifen.

Und dann zu - Stricken.

Ja, noch heute schaudert das Medium, wenn es an jene düsteren Stunden in seiner ansonsten eher lichten Schulzeit zurück denken muss, in denen es zur sogenannten "Handarbeit" genötigt wurde. Mit schwitzigen Fingern gegen miese Maschen kämpfen. Jedes Knäu[e]l ein Greuel Gräuel [ha, hier kann man die neue Rechtschreibung endlich mal sinnvoll für einen Lautreim nutzen].

Hingegen sieht es ausgerechnet jetzt - zu Zeiten, da uns Strickwaren allerorten für ein Geld nachgeworfen werden, für das sich im Fachgeschäft für die entsprechenden Rohstoffe nichtmal ein halber Meter aufgedrehtes Schaf- oder Ziegenhaar erstehen lässt - ganz danach aus, als würden viele Menschen wieder stricken. Freiwillig.
Unglaublich, aber wahr.
Die Blogosphäre quillt nachgerade über von begeisterten StrickerInnen [sic! Grosses I für beide Geschlechter: siehe zum Beispiel das knit'o'rama].

micrr_ap.gifNun, man kann es durchaus ahnen, dass eins mit dem anderen zusammenhängt. Das Medium erinnert sich (zart errötend) seinerseits tatsächlich auch an eine Phase nunmehr freiwillig aufgenommener Maschen und klappernder Nadeln in der eigenen Biographie: Als man nämlich (und das war auch noch während der Schulzeit) zur Überzeugung gelangte, dass diese Welt a) nicht die beste aller möglichen ist und b) möglicherweise zu verbessern wäre, wenn die Menschheit, anstatt fröhlich mit Atomstrom beheizte Kauftempel aufzusuchen, ihre Kleidung selbst schneiderte und strickte sowie sich mit diversen Kornschädlingen brüder- bzw. schwesterlich das stets in zu grossen, offenen Säcken gelagerte Müsli aus der Food Coop (nein, das war kein Supermarkt) teilte. Erkenntnis klein a hat sich bis heute nicht wirklich revidieren lassen. Konsequenz klein b erwies sich allerdings schnell als ziemlich anstrengend und politisch doch irgendwie fruchtlos (ausser für Mehlkäfer und -motten).

Was allerdings noch nicht heisst, dass sie deshalb grundfalsch sein müsste. Schliesslich gehört ja doch einiges Verdrängungspotential dazu, zu glauben, die schicken Strickwaren für billig seien von Heerscharen selbstloser Omamas gefertigt. Und nicht von fleissigen (Kinder-)Händen in Niedriglohnländern, ob sie nun handarbeiten oder Strickmaschinen bedienen.

Vor eben diesem Hintergrund ruft microRevolt durchaus sehr berechtigt zur Revolution mithilfe des klassischen Nadelwerks auf - und bietet dazu auch gleich einige sehr praktische Hilfsmittel an, um zünftig zur Umsetzung zu schreiten:

microRevolt projects investigate the dawn of sweatshops in early industrial capitalism to inform the current crisis of global expansion and the feminization of labor.

microRevolt developed web application knitPro, a protest tool that generates knit patterns of sweatshop offenders.

Zum Einsatz kam knitPro bislang in einer Kampagne gegen GAP sowie zur Verfertigung einer (allerdings gehäkelten) Protestdecke, die dem Nike-Chef Phil Knight unter die Nase gerieben wurde.

Da eine anständige Revolution natürlich nicht so gedacht ist, dass man bloss voller Solidarität und Bewunderung zuschaut, wie andere tätig werden, gibt es aber auch Anregungen, wie RevolutionärInnen in Spe ihrerseits zur Tat schreiten können.
Klar, dass für diejenigen, die den Handarbeitsunterricht nur knapp überlebt und auch etwaige später erworbene Kenntnise wieder verdrängt haben, eine Basisanleitung bereit gehalten wird.

Vor allem aber kann man das knitPro-Engine für den Entwurf von eigenen Kreationen nutzen. Das geht, wie man sich denken kann, selbstredend auch mit Bildchen von weniger revolutionärer Aussagekraft.
Wie beispielsweise (und jetzt vergessen wir einfach mal, dass im Bücherschrank solidarisch No Logo und Gibsons Pattern Recognition kuscheln) auch das HOME MADE-Signet.

hmlogo_knit.gifJa, jetzt müsste man auch noch leidenschaftlich Stricken können bzw. wollen. Leider denkt der innere Schweinehund, dessen Macht sich offenbar auch durch Revolutionssympathisantentum nicht so leicht brechen lässt, beim Stichwort "Vorweihnachtszeit" eher an Plätzchenverzehr und bestenfalls ein bisschen Basteln und Kleben.

Aber vielleicht sieht das bei anderen ja ganz anders aus?
Falls jemand das Medium (oder jemand anderen) gern mit einem herzerwärmenden Präsent beglücken will - bis Weihnachten sind es ja noch ein paar Tage - gibt es hier jedenfalls die Vorlage als bestens nachvollziehbares pdf.

P.S.
[*pssst*: die Kleidergrösse des Mediums für Pullis ist so 36-38 und natürlich bevorzugt es kuschelweiche Fasern. Und zwar die vom Mondschaf, auch wenn die etwas teurer sind.]

Von miss.gunst am 20.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.12.05

Waldwanderung mit Nasobem (SBAW)

nasowald.gifLetzter Countdown für (vor)weihnachtliche Bastelein. Tatsächlich geht es auch im heutigen Eintrag um einen DIY-Tipp - und wie die Überschrift verrät, wird nebenbei noch ein netter Schweizer Blognachbar vorgestellt. Der winkt derzeit mit etwas Leckerem, das gegebenenfalls zur Gemütlichkeit beitragen und obendrein den Geist ein wenig beschwingen kann.

Bevor man an das entsprechende Rezept gelangt, will aber erst einmal eine kleine Waldwanderung bewältigt werden.

Zu einer solchen werden wir derzeit vom Nasobem eingeladen.

Exemplare dieser seltenen Gattung kennt man eigentlich eher aus der Kryptozoologie beziehungsweise aus einem kleinen Büchlein mit dem Titel "Bau und Leben der Rhinogradentia", das ein gewisser Prof. Dr. Harald Stümpke 1957 in Umlauf brachte. Oder aus der Quelle erster Hand, jenem schönen Lehrgedicht des sowieso unverzichtbaren Christian Morgenstern, das mit den berühmten Zeilen beginnt:

Auf seinen Nasen schreitet / einher das Nasobem, / von seinem Kind begleitet. / Es steht noch nicht im Brehm. // Es steht noch nicht im Meyer. / Und auch im Brockhaus nicht. / Es trat aus meiner Leyer / zum ersten Mal ans Licht. // [...]*

Soweit zur Namenspatenschaft des Blogs, der jenseits dieser Hommage zwar - leiderleider - keinen tieferen Einblicke in die den Rhinogradentia gewidmeten Fachwissenschaften gibt. Wohl aber im Geiste der Nasenschreitlinge in heiterer Gelassenheit bzw. gelassener Heiterkeit von Eintrag zu Eintrag zieht. Schliesslich hat ein Nasobem ja auch, mottogemäss und erstmal ziemlich logisch: "Keine natürlichen Feinde" (bis auf den Tyrannonasus imperator).

Was es derzeit dagegen zu bieten hat, ist einen besonders netten Beitrag zur aktuellen Kulinarischen Adventskalender-Initiative.
Und zwar schickt uns das Nasobem zu diesem Behufe erst einmal in einen kalten, dunken Wald.

Aus dem gilt es dann herauszufinden. Wenn das gelingt, gibt es am Ende - wie oben bereits versprochen und nunmehr wirklich verdient - etwas Leckeres zum Aufwärmen. Beziehungsweise das Rezept dazu. Sowie einen extraschicken Button für die Heimseite.

Klingt einfach? Nein, ganz so einfach ist das wirklich nicht.
Das Medium, mutig aufgebrochen, war sogar schon kurz davor, sich einen eigenen Button Scham- und Schandschild zu basteln, der das in etwa so ausgesehen hätte:

wald.gif

Mit etwas Beharrlichkeit hat es dann aber doch noch geklappt mit dem Licht am Ende des Tunnels Waldwegs und so verfügt nun auch das Medium stolz über seinen Wandersportorden:

**

Und einen leichten *hücks* Schwipps...

* Ha, dank Wikipedia wieder was dazugelernt. Dem dortigen Eintrag zum Nasobem ist zu entnehmen, dass es das sicher nicht nur um des Reimes willen in die Welt gesetzte Tier mittlerweile eben doch in den Brockhaus geschafft hat. Und dass es das Buch dazu mittlerweile in Neuauflage gibt. Allerdings ist wohl nichts schöner als ein von Generation zu Generation weitergebenes Familienexemplar ;-))
Noch keins daheim? Na dann wird es aber Zeit - *das* wäre dann für heute sogar noch ein Tipp für den Gabentisch!

** Wie meinen? Geht doch auch so? Nur *Memmen* wählen den "Weg der Memme". Von "Weg des Mediums" stand da jedenfalls nichts.

Von miss.gunst am 19.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (2)

18.12.05

Hi(r)nhören (WRT)

the_bra.gifZum schönen Sonntag diesmal ein Webradio-Tipp. Und zwar, weil es sich locker ins derzeit verfolgte Schema fügt, in Form einer Reise ins Innere des Hirns.
Derlei unternehmen, wenn man sich einmal im Netz umschaut, erstaunlich viele Sender bzw. Sendungen. Wobei: So erstaunlich auch wieder nicht, denn die Hirnforschung hat aktuell ja Hochkonjunktur.

Weil wir uns am Wochenende aber doch eher entspannen wollen, nichts Gelehrsames (das gibts dann ein andermal).
Sondern stattdessen...

... ein Ausflug zu THE BRAIN, einer in der Musikauswahl ziemlich originellen und sehr vergnüglichen Radiosendung.

bra_hp.gifTHE BRAIN kommt (obwohl es nicht LE CERVEAU heisst) aus Frankreich, sendet seit 1999 - derzeit einmal im Monat. Und bietet auf seiner Heimseite im Bereich "Playlists" das gesamte Sendungsarchiv seit 2002 zum Herunterladen an.

Aber natürlich ist die entsprechende Sektion nicht umsonst so benamst. Wenn man auf die wirklich zauberhaft gestalteten Bildchen zu den einzelnen Sendungen klickt (wie beispielsweise der aktuellen Nummer 65), gibt es tatsächlich die jeweilige Playlist nachzulesen; soweit vorhanden führen Anker zu den Seiten der Labels und/oder MusikerInnen - und das allerbeste: Die feinen kleinen Bildchen entpuppen sich als ebenfalls herunterladbare CD-Cover für die Sendungen.*

bra56.gifAm besten geht man nach jener gern geheimgehaltenen Strategie vor, die sich auch im Plattenladen doch immer wieder so gut bewährt hat [sic!] - einfach das Auge auswählen lassen. Laden. Zurücklehnen. Und geniessen.
Wie heisst es doch im hauseigenen Werbeclip von THE BRAIN?
Genau:
Music ... Love ... OK! ... Pleasure ...

* Leiderleider gerade jetzt, wo das Medium mit seinem Webradio-Tipp nicht mehr hinter dem Busch halten mochte, scheinen die Brainradiomacher Probleme mit ihrem Server zu haben. Auch in anderen Bereichen sind einige Bilder verschwunden, auf die es sonst noch liebend gerne eigens verwiesen hätte. *miau*
Aber hoffen wir mal, dass sich das Ganze wieder einrenken bzw. herstellen lässt.

Von miss.gunst am 18.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

17.12.05

DIY Powerbook

apfl.gifGanz im Einklang mit dem diese Woche etablierten Rhythmus ist heute wieder ein vorweihnachtlicher Bastel-Tipp dran.

Und anders als es die Überschrift des Eintrags vermuten lassen dürfte, ist er durchaus auch auf AnfängerInnen zugeschnitten.
Dochdoch, es geht wirklich um ein schickes Powerbook!

Manchmal meint man ja, der "Digital Divide" sei garkeine Frage des Zugangs zur Technologie, sondern eine des Designs.
Auf der einen Seite des Grabens jene, die sich einfach einen Rechner kaufen und den benutzen wollen, wobei vor allem die Ausstattung zählt.
Und auf der anderen Seite diejenigen, für die das entscheidende Kriterium ist: Das Ding muss ein Produkt des Hauses sein, das ein bekanntes Kernobst als Markenzeichen führt.

Derlei Begehren hat natürlich seinen Preis. Der ist zwar über die Jahre, relativ betrachtet, gesunken. Dem Kult hat das jedoch keinen Abbruch getan - und noch immer ernten Apfellose gerne mitleidige Blick der Gemeinde, die sagen sollen: Früher oder später kommst Du auch noch auf den Geschmack.

Glücklicherweise gibt es immer wieder Chancen, nicht nur aus den eigenen Fehlern, sondern auch aus denen anderer zu lernen. Und in diesem Fall holen wir uns aus der entsprechenden Abteilung einen prima Weihnachtsbastel-Tipp.
Der richtet sich, wie die geneigten LeserInnen vielleicht bereits ahnen werden, an alle diejenigen, die seit je schon auf der aus Apfelrechnerbesitzerperspektive minderbemittelten Seite des Grabens ihr trauriges Dasein fristen und sich sehnlichst wünschen, selbige zu wechseln und/oder jemanden kennen, der ihr schnödes Schicksal teilt und dem/der sie ebenso freundschaftlich wie selbstlos über selbiges hinweghelfen wollen. Oder so ähnlich.

Wie es funktioniert, zeigte uns vor gut anderthalb Jahren ein Amerikaner, der - so will es jedenfalls die Geschichte, die damals durch die Presse ging - beim Versuch, ein Apple G4 Powerbook per Internet-Auktion meistbietend loszuwerden, an einen Scammer geriet.

apfl_g.gifWas als originelle Art und Weise gewertet werden kann, sich freudig auf einen derartigen Handel einzulassen, taugt - so meint jedenfalls das Medium - auch bestens für kreative Geschenk-Kreationen.
Da der Prototyp seinerzeit für soviel Furore sorgte, dass er - neben einem Eintrag in der Wikipedia - mittlerweile sogar über eine eigene Webseite verfügt, findet sich die Bastelanleitung sogar als komfortables pdf zum Ausdrucken ins Netz gestellt.

Allerdings hat Letztere einen stolzen Umfang von ganzen achtundzwanzig Seiten. HeimwerkerInnen von schneller Auffassungsgabe werden sich daher über den Artikel von Wolf-Dieter Roth aus dem Archiv des online-Magazins Telepolis freuen, dem - ohne, dass wesentliche Details unterschlagen würden - ebenfalls zu entnehmen ist, wie man zu einem vielleicht nicht ganz designtreuen, aber dafür durch liebevolle Details bestechenden DIY-Powerbook kommt.

Olle Kamelle, aber immer noch toll.
Findet jedenfalls das Medium, das - Zeit für's Outing - nein: bislang auch noch keinen Mac sein eigen nennt. Noch nicht, wohlgemerkt.

Zumal es schon eine prima Idee hat, wie sich bei der nächsten Clubsession den supercoolen Laptop-Jungs hinter den leuchtenden Apfelklappen zeigen liesse, wo die Latte hängt:
Mit einer - beispielsweise auf die derzeit allenthalben angebotetenen Weihnachtslaternenmotive zurückgreifenden - Sonderedition.
Entweder ganz schlicht, handgesägt und mit einem Teelichtlein dahinter. Oder, besser noch mit einem als Intarsie gefassten blinkenden Herzchen (siehe den Basteltipp von vorgestern).
Nein, mit dem LCD wird sich das schon nicht beissen. Der besteht ja eh aus Omas ausgedientem Seidenkissenbezug.

[Anmerkung beiseit: Die Bildchen entstammen einer schlichteren, aber dafür auf ökologisch verträglichen Komponenten beruhenden Vorstufe einschlägiger DIY-Entwürfe des Mediums und entsprechen selbstredend weder dem referierten Produkt noch dem Prototypen der hier vorgestellten Bastelanleitung]

Von miss.gunst am 17.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.12.05

Tune in...

turn_k0.gif
Eine Aufforderung, die bekanntlich Verschiedenes heissen kann. Je nachdem, ob es um Radiowellen geht oder um andere Frequenzen, auf die es sich einzuschwingen gilt.

Und genau so, also doppeldeutig, ist sie in diesem Fall auch gemeint.

Wenngleich, muss gleich einschänkend hinzugefügt werden: So wie so eher virtuell.

turn_k2.gifZum einen ist heute wieder GUNSTradio-Tag - Zuschalten werden sich aber leider wieder nur diejenigen können, die sich zur günstigen Stunde im Radius des Frankfurter (!) RadioX aufhalten (nein, der Webstream ist eben noch nicht wieder eingerichtet; und dass im aktuellen Tageskalender anstelle der heutigen GUNSTsendung eine bereits ausgestrahlte Sendung der Kollegin von universal angekündigt ist, darf auch nicht weiter irritieren - der Kalender ist, on hin line her, dummerweise öfters mal out of date).

Zum anderen leiht sich die heutige Sendung ihr Motto von Mr. Timothy Leary*, der - als er 1966 die seither viel zitierte Formel "turn on, tune in, drop out" prägte - eben weniger ans Radiohören dachte. Sondern eher an kosmische Schwingungen. Und an gewisse Substanzen, von denen er überzeugt war, dass sie uns sozusagen direkt an den göttlichen Verstärker anschliessen könnten. Oder so ähnlich.

Aber natürlich will das Medium mitnichten in Learys sehr speziellen Gospel einstimmen.
Stattdessen wird in guter alter GUNSTradio-Tradition alles auf dem unanfechtbaren Wege der unbefleckten Empfängnis von Glückseligkeit und Erkenntnis durchs Ohr funktionieren.

Denjenigen, welche sich nicht zuschalten können, sei ersatzweise Folgendes empfohlen:
Zum Beispiel in den (oben bereits unauffällig verankerten) Seiten von EROWID zu schmökern. Und natürlich nicht nur auf den Timothy Leary-Gedenkseiten, sondern auch bei der Albert Hofmann-Foundation vorbeizuschauen. Das aber nur für die psychopharmakologischen und historischen Hintergrundinformationen.

turn_k1.gifHauptsächlich wird es nämlich auch bei GUNST um entsprechend inspirierte Musik, Medien und Kunst gehen. Während letztere derzeit noch in Frankfurt und ab Frühsommer dann in Wien in der Ausstellung "Summer of Love" zu sehen ist (dazu, weil zuvor in der Tate Liverpool, weiterführende Lektüren im TATEetc.-Magazin Nr.4), gibt es in der Sendung neben einem Textspaziergang durch die Schau und zu einigen ihrer Inspirationen bzw. Inspiratoren natürlich vor allem von dem, was auf völlig legalem Wege die Synapsen streichelt.

[Ja, schon klar, dass die Illustrationen zu diesem Eintrag nicht eben von überschäumender Inspiration zeugen. Weil es nunmal schnell gehen musste, hat das Medium halt einfach ein paar Pixel in den Strudel geschubst. Aber wollen wir wetten, dass die jetzt auf einem Trip sind? Und möglicherweise auf einem glücklicheren als diese, jene oder diese hier...]

  • Lokaltermin:
    Turn on, tune in...
    GUNSTradio am Freitag, den 16.12.2005
    von 14.00 Uhr bis 15.00 Uhr
    auf RadioX Frankfurt am Main
    UKW 91.8 - Kabel 99.85


    * Learys eigene Heimseite - zu Lebzeiten noch stets aktuell bestückt - ist nach seinem Tod hinter einer Baustellenanzeige verschwunden. Schon schade.

    Von miss.gunst am 16.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.12.05

    Kleines Elektronikbastelanleitungsparadies

    loet_k.gifHeute ist, um ein bisschen Boden unter den Füssen zu bekommen, zur Abwechslung mal wieder ein Tipp für vorweihnachtliche Bastelarbeiten an der Reihe. Was ja noch lange nicht bedeutet, dass der Drang zur ErBeleuchtung bzw. zur Kommunikation mit höheren Sphären dabei zu kurz kommen muss.
    Auf den Seiten des Electronics Club finden sich jedenfalls jede Menge Anregungen dafür, wie sich auch ganz ohne Paralektronoia eins mit dem anderen verknüpfen sowie nach Herzenslust schalten und walten lässt.

    eclub.gifAnfängerInnen können beispielsweise mit einem einfachen LED-Blinker das DIY-Glück kennenlernen; etwas Fortgeschrittenere dürfen sich an gewagteren Konstruktionen wie einem pulsenden Herzchen zum Anstecken versuchen. [Wofür auch immer das dann Verwendung finden mag. Es soll ja Leute geben, die sich Erfolg davon versprechen, mit einschlägiger Ausstattung in ebenso einschlägigen Örtlichkeiten wie z.B. Glastanzdielen als wandelnde Kontaktanzeige aufzutreten bzw. zu blinken. *brrr*]
    Und saisonbedingt wurde kürzlich auch eine entsprechende Anleitung für ein beleuchtetes Christbäumchen eingestellt.

    Nunja - letzteres wird nicht so viel Furore machen wie die doch etwas avanciertere Light Show, mit der in den letzten anderthalb Wochen wohl fast Jede/r, der auf einen Anker klicken kann, Bekanntschaft gemacht haben dürfte.

    Dafür geht es beim Electronics Club gemütlich Schritt-für-Schritt zur Sache, übersichtliche Anleitungen und Schaltpläne sorgen nicht nur dafür, dass man den Überblick behält, sondern tatsächlich auch lernen kann, wie etwas funktioniert.´
    loet.gif
    So gibt es (für AnfängerInnen durchaus wichtig) beispielsweise auch eine Seite, auf der die Kunst des Lötens vermittelt wird.
    Und wer beim Blick auf Schaltpläne doch hin und wieder mal über bislang unbekannte Symbole stolpert, dürfte mit einem ausgedruckten Poster der bereitgestellten Übersicht(stabellen, es gibt mehrere) über der Werkbank glücklich werden.

    Kurzum, genau das Richtige für den Einstieg oder den Wiedereinstieg in die Materie - und das sicher nicht nur zur Bastelsaison.

    Von miss.gunst am 15.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.12.05

    Netzhalluzinationen (Paralektronoia ff.)

    ldan_k.gif
    Sieht so aus, als könnten wir so langsam einen neuen Themenstrang aufmachen. Um verschiedene Formen der Paralektronoia wird es nämlich auch heute in Zürich gehen, wo gleich zwei Veranstaltungen anbieten, etwas weiter in die Psychopathologie der Netzkultur einzuführen.

    Zunächst einmal lädt der Studienbereich Neue Medien der HGKZ mittags zu einem Kolloquium, das sich mit den Schnittstellen zwischen Paranoia und Kybernetik beschäftigt.

    ldan_g.gifAnlass bzw. Ausgangspunkt ist der gestrige Abend, an dem der SNM im Rahmen seiner Reihe der Digitalen Salons ins Filmpodium Zürich zur Schweizer Premiere von Lutz Dammbecks Filmprojekt "Das Netz" eingeladen hatte. [Beiseit bemerkt, ein echter Fall von "besser spät als nie": Nach der Fertigstellung während 2004 zunächst auf verschiedenen Festivals zu sehen, startete im Januar 2005 der offizielle Kinoverleih; war also höchste Zeit, dass "Das Netz" endlich auch in der Schweiz ausgworfen wird - immerhin sozusagen die Heimat des LSD, das im Film eine durchaus zentrale Rolle spielt.]

    Aufhänger der Story ist zwar der Fall des sogenannten "UNA-Bombers" Ted bzw. Theodore J. Kaczynski. Dessen Verfolgung nimmt Dammbeck aber lediglich zum Anlass, um den verzweigten Beziehungen zwischen Kybernetik, Drogenexperimenten, Netzutopien und Verschwörungstheorien nachzugehen. Von dem reichhaltigen Material, dass der Künstler und Filmemacher während seiner mehrjährigen Recherchen zusammengetragen hat, ist in den Film nur ein Teil eingegangen - insofern lohnt es sich nicht nur für diejenigen, die bislang weder der gestrigen noch einer anderen Aufführung teilhaftig geworden sind, gelegentlich auch mal auf den Heimseiten des Projekts zu gründeln.

    snmadac_k.gifVor Ort in Zürich gib es nun ausser dem mittäglichen Kolloquium noch eine weitere Gelegenheit, sich mit diesem nachgerade zwingend anziehenden Thema zu beschäftigen. Die dem SNM entwucherte "free academy SNMad" bittet in den Walcheturm, wo Dr. Felix Hasler - der ansonsten als Pharmakologe u.a. zu Halluzinogenen und Schizophrenie forscht - über "EGO-TOD und EKSTASE: das Gehirn im Grenzzustand" vortragen wird.
    Scheint also prima zu passen, zumal der Vortragstitel auf seine Weise ebenfalls in die Gefilde der etwas esoterisch angehauchten Psychokybernetik - wie ihr eben auch bei Dammbeck bzw. einigen seiner Protagonisten zu begegnen ist - zu winken scheint.

  • Die Daten:

    Lutz Dammbeck - Das Netz
    Öffentliches Kolloquium im Rahmen der Säule «Medienpoiesis» von Margarete Jahrmann
    HGKZ, Studienbereich Neue Medien
    Sihlquai 131 (Raum 1.7)
    CH-8005 Zürich
    Mittwoch, 14.12.2005, 12:00-14:00 Uhr

    EGO-TOD und EKSTASE: das Gehirn im Grenzzustand
    Konzepte aus der Halluzinogenforschung
    Vortrag von Dr. Felix Hasler
    auf Einladung der SNMad free academy
    Kunstraum Walcheturm
    Kanonengasse 20
    CH-8004 Zürich
    Mittwoch, 14.12.2005, 20:00 Uhr

  • P.S.
    Nicht verpassen, weil gerade ganz wunderbar anschliessend (und damit gleich doppelt gut zum Thema des heutigen Eintrags passend ;-)): Die aktuelle Folge des jüngst wärmstens umworbenen "Psych Out"-Broadcast auf AltX-Audio - diesmal nämlich mit Timothy Leary... Turn on, tune in...
    [Obacht, nur noch heute! Morgen gibt es wieder eine neue Ausgabe...]

    Von miss.gunst am 14.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.12.05

    DIY Synthies (ff.)

    syfi.gifSchon klar, dass den kürzlich vorgestellten Synthies zum Selberbasteln etwas Entscheidendes fehlt: So bestechend einfach das Zusammensetzen ist - um Musik zu machen sind sie eher ungeeignet.
    Aber da es (fast) nichts gibt, was es im Netz nicht gibt, lassen sich bei entsprechendem Bedarf natürlich ebenfalls Bauanleitungen finden - für deren Umsetzung dann allerdings auch etwas tiefer in die Werkzeugkiste gegriffen werden muss.

    "ff" wäre in diesem Fall also mit "für fortgeschrittene (BastlerInnen)" zu übersetzen.

    Denen können wir als Alternative zum Falzen und Kleben beispielsweise einen Besuch bei Meadowfield Technologies empfehlen. Dort gibt es nämlich in der Abteilung "Synthesiser" (s statt z, British eben) eine reichhaltige Auswahl an Modellen, die teilweise auch mit Anleitungen zum Nach- bzw. Eigenbau und/oder Verweisen auf weiterführende Quellen präsentiert werden.
    So etwa ein Roland TB-303-Klon oder ein schnuckeliger Minimoog-Nachbau.

    Um derlei noch unter den Weihnachtsbaum zu bringen, dürfte es neben Basteleifer allerdings doch ein wenig Hintergrundwissen brauchen. Dafür hält dann aber auch sicher, proportional zum Musikproduktionspotential, die Freude am fertiggestellten Instrument etwas länger vor...

    Von miss.gunst am 13.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.12.05

    Soundcheck (TZK)

    tzkc_k.gifNein, da wird keine neue Subkategorie eingeführt. TZK steht für Texte zur Kunst, und da dem Medium gerade die neue Ausgabe mit dem vielversprechenden Titel "Sounds" ins Haus geflattert kam, ist das doch ein prima Anlass, zum Wochenbeginn ein bisschen Lesestoff zu empfehlen.

    War fast schon überfällig, ein solches Themenheft, nachdem sich ausgerechnet das Magazin, bei der man früher immer merkte, dass die Redaktion in direkter Nachbarschaft mit der Spex residierte bzw. sich mindestens einen Teil der AutorInnen schwesterlich mit ihr teilte und die stets für funky lessons zu Kreuz- und Querverbindungen, Schnittmengen, Überlagerungen, Anziehungs- und Abstossungseffekten zwischen Kunst, Musik und Popkultur(theorie) zu haben gewesen war, den Sound eher runtergedreht hatte in letzter Zeit. An der Berliner Luft kann das eigentlich nicht gelegen haben. Oder doch?

    tzkc_g.gifWie auch immer - die Jubiläums-Nummer 60 (15 Jahre TZK, das ist schon eine Leistung für ein Randgruppenorgan, denn vom radikalen Chic allein überlebt es sich ja noch nicht so leicht) kann da auf einen Schlag wieder einiges wettmachen. Und dürfte sogar für Menschen interessant sein, die sich sonst vielleicht nicht so viel aus Kunstzeitschriften machen. Zumal dem Heft diesmal auch ein Tonträger beiliegt.

    Favoriten nach der ersten Lektüre: Schon eher die Texte, die historisches aus aktueller Perspektive erschliessen. Christian von Borries über "Alvin Luciers Plug-Ins zur Entauratisierung", Sabine Sanio über "James Tenney oder die Konzeptionalisierung der Musik" und Branden W. Joseph über den sowieso irgenwie immer wieder grossartigen Tony Conrad [also, wenn keinem anderen: *diesem* Anker lohnt es sich schon mal zu folgen, bitte]. Sowie John Miller über Walter bzw. "Wendy Carlos' Subversion of Sound". [Wobei, wie schade, ausgerechnet dieser Text ein bisschen mager bleibt; Weiterführendes ist tatsächlich eher bei Carlos selbst abzuholen, die übrigens auch nicht mit Goodies für die Praxis geizt].

    Und natürlich ist auch Diedrich Diederichsen mit dabei - und wie immer packt er an anregenden Überlegungen und ausgreifendem Hintergrundwissen in einen Essay, wofür andere gemächlich eine Buchreihe eröffnen würden; diesmal zum Verhältnis von Bildender Kunst und Musik. [Also wer meint, gerade dazu hätte er/sie in den letzten Jahren hinreichend Artikel gelesen, Ausstellungen gesehen und VortragsKonzertreihen besucht: Denkste. Bei Diederichsen kommt das schon noch mal anders, in rasanten Sprüngen zwischen Zeitschienen - ausgehend von der Gegenwart zurück in die 90er, die 60er und wieder nach vorn; was für sich genommen schon aufgrund der ganzen Revivals und Reenactments nahe liegen könnte, entfaltet sich da zu einem spannenden Geflecht von kritischen Bezügen.]

    tzkc_gg.gifDas alles, ebenso wie Christoph Gurks Gespräch mit Jacques Attali über Musik und Ökonomie (und am Rande auch Attalis nach wie vor gern zum Thema referenziertes Buch "Bruits. Essai sur l'économie politique de la musique", 1985 in englischer Übersetzung von Brian Massumi erschienen), lesenswert und zu lesen auf Papier.

    Als Appetizer auf den TZK-Seiten online immerhin auch ein bisschen vom guten Stoff, nämlich Tom Holert über die spezielle Art von "Noisebleed", von der Ausstellungen zeitgenössischer Kunst aufgrund ihrer singenden und klingenden Exponate immer häufiger heimgesucht werden. Und, auch sehr schön, Aram Lintzel unter dem Titel "Pop - Nostalgia - Art" über die Arbeiten von Kai Althoff [da wir grad dabei sind: lesenswert noch immer Tom Holerts Artforum-Artikel von 2002], Mathias Poledna und Mark Leckey [seit einiger Zeit Prof. an der Frankfurter Städelschule und gerade mit einer Austellung im Portikus zu Gast].

    Damit ist jetzt noch nicht alles aufgezählt. Aber warum auch, wenn TKZ nichtmal selber werbend mit einem Inhaltsverzeichnis winken, geschweige denn mit der Trackliste der CD, auf der passend zum Thema einige der mehrfachbegabten AutorInnen singen resp. Sound produzieren, eine ganz leckere und exquisite Mischung. U.a. Borries / Ehlers, Dominique, Carsten Jost, Cardiophon, Ja König Ja, Tocotronic.
    Fast alles fein. Bester Tack aber, weil manchmal eben doch die süsse Nostalgie obsiegen dürfen muss: Purple Lips von Nico von Sergej Jensen und Michaela Meise, die mit ihren Nico-Interpretationen schon das absolute Kleinod im Rahmen der "In Concert"-Reihe gewesen waren, ja.

    Das schönste Zitat nicht nur für Noise-FreundInnen gibt's dagegen am Ende des erwähnten Attali/Gurk-Gesprächs.
    Fragt Gurk:

    "Sind Sie sich eigentlich darüber bewusst, dass es eine Rezeption gibt, die Ihr Buch weniger als eine politische Ökonomie, sondern eher als Ästhetik von, sagen wir, japanischer Noise-Musik liest?"

    Darauf Attali:
    "Wie? Es gibt so etwas wie Noise-Musik? Mein Buch dient als Inspiration? Können Sie mir davon eine mp3 zumailen?"

    Von miss.gunst am 12.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.12.05

    Meteorradio (WRT)

    met_k.gifZugegeben, manche mögen es ein bisschen dick aufgetragen finden, den heutigen Webradio-Tipp als solchen zu bezeichnen. Aber erstens gibt es auf diese Weise einen ganz guten Anschluss an den Noise-Strang. Zweitens lässt sich ganz schön an den vorgestern beworbenen Vortrag von Felix Kubin zur Paralektronoia anknüpfen, bei dem es sogar mehr als angekündigt bzw. erwartet um spezielle Empfangsstationen für Sphärenmusik ging.
    Und drittens hat sich das Medium ja schon häufiger um die Aktivitäten ausserirdischer Sender bemüht (siehe z.B. die Empfehlung zum Radio Saturn).

    Kurzum, aus mehreren Gründen liegt es nachgerade nahe, es auch einmal mit einem Meteorradio zu versuchen, wie es hier beispielsweise vom Marshall Space Flight Center (MSFC) der NASA in Huntsville betrieben und von spaceweather.com (auch sonst eine ganz nette Sache übrigens) bereitgestellt wird. Sofern die Hörprobe zusagt, kann man sich das Ganze dann als echten Meteorradio-Stream zur akustischen Dauersternenstaubberieselung installieren.

    Für Fans dieser speziellen Art der Noisemusik haben die unendlichen Weiten des WWW-Raums natürlich noch viel mehr zu bieten. Wer zuallererst mal wissen will, die das Ganze eigentlich funktioniert, ist vielleicht vorab mit diesem Artikel aus den Space Science News des MSFC ganz gut beraten.

    Wesentlich inspirierender ist es allerdings, sich bei den Amateur-MeteorforscherInnen herumzutreiben. Deren offizieller Zusammenschluss, die International Meteor Organization (IMO), hat natürlich ebenfalls erschöpfende Informationen zum Thema Meteor-Radio
    zu bieten. Näher am Geist des DIY-Prinzips sind aber immer noch die privaten Heimseiten einzelner Enthusiasten wie beispielsweise Sam's Meteor Radio Echo Page oder die Meteorradio-Seiten der Jordanian Astronomical Society (JAS), wo uns die Sache wirklich Step by Step näher gebracht wird.
    Und wer mithilfe einiger ausgewählter Hotlinks den Meteoren nachjagen möchte, ist dann beim meteorscatter.net rundum bestens bedient (hier die zugehörige Radiolinx-Seite).

    Aber werden WebradiohörerInnen die dargebotene Vielfalt überhaupt zu würdigen wissen? Dafür heisst es wahrscheinlich schon erstmal, auch die eigenen Lauscher entsprechend aufzustellen. Ansonsten kommt im Gegensatz zum eher harschen Sound (naja, kann natürlich auch an unseren ungeeigneten Receivern liegen - wer weiss, welche glückseligstimmenden Klänge andere Ohrwascheln als die menschlichen vernehmen?) die optische Seite des Sternenstaubflugs selbstredend wesentlich glamouröser daher.

    Auch beim oben zu betrachtenden Bildchen handelt es sich übrigens um eine selbstgemachte Meteorfotografie. Zugegeben, die ist nicht ganz so schick wie diejenigen, die sich bei Marc Chapelet, bei Bob Yen oder bei James W. Young bereit gestellt finden (wie so etwas nach allen Regeln der Kunst geht, kann man übrigens ebenfalls auf den Seiten der IMO nachlesen). Seiner Profession entsprechend hat das Medium zu solchem Behufe aber auch nicht direkt zur Kamera gegriffen, sondern sich - wie schon häufiger bei der Bebilderung dieses LogBuchs - der digitalen Gedankenfotografie bedient.

    Von miss.gunst am 10.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.12.05

    Insektenklänge et al. (Kyriakides)

    kyci.gifEigentlich sollte das nur ein kleiner, schreibfaul dahingeschlenzter Konzert-Tipp werden. Aber da es Anlass gibt, einen (der, zugegeben: vielen) Lieblingsstränge des Mediums weiter zu flechten, bleibt es eben doch nicht ganz bei der Bescheidung auf einen Hinweis.

    Yannis Kyriakides, der heute abend mit drei Kompositionen in Zürich zu Gast sein wird, ist nämlich ein echter Spezialist für Insektenmusik.

    Sowieso lohnt ein Ausflug zu den Heimseiten des zypriotischen Komponisten (die hier und im nachfolgenden des grrmbstl-Framesystems wegen unbotmässigerweise ausserhalb desselben geöffnet werden, um die einschlägigen Verweise anbringen zu können. Da es trotzdem im Kopf der Seiten eine Navigationsleiste oder back-buttons hat, erlauben wir uns das mal, sorry).

    In der aktuell 57 Stücke langen Liste der im Netz präsentierten Kompositionen stechen gleich auf den ersten Blick zwei einschlägige Titel ins Auge: Bee Cult (nach der Hörprobe: drin was draufsteht. Summen und Sonnentanz vor dem Stock, geordnet, wie es sich für Bienen oder eben mimetisch sich diesen annähernde geziemt) und Labfly Dreams (eine der Drosophila gewidmete Auftragskomposition, zu der auch ein Video von H. C. Gilje gehört und die der etwas melancholisch stimmenden Frage nachgeht: What do these flies dream of in their plastic lab sleeping containers? Wie mindestens das zugehörige mp3-Zipfelchen fürs Öhrchen vermuten lässt, träumen die Fruchtfliegen freilich gross und heftig. Klingt ganz so, als würden sie auf einen Umsturz sinnen, sodass sie anschliessende Frage lauten könnte: What do these humans dream of in their plastic lab sleeping containers...? ).

    Auf Nummer Drei kommt man nur mit vertiefter Kenntnis der Insektenkunde und/oder der griechischen Dichtung. In ersterer bezeichnet "Tettix" nämlich die Zikade - und zu Kyriakides' Komposition tetTIX lässt sich dann erfahren, dies sei auch das Wort, das Homer für die Zikade gebraucht (wo eigentlich, weiss das jemand?). Wie allerdings nicht nur die Beschreibung des Stücks

    an electronic garden of eden - a drum machine calls out to its fellow rhythm machines in nature - homoptera - hymenoptera - orthoptera - heteroptera - a simple song of mating and territorial definition on a warm summer afternoon

    sondern auch die leider sehrsehrkurze Hörprobe ahnen lassen, wird in Kyriakides' tetTIX aber mitnichten nur stimmungsvoll gezirpt.

    Heute abend um 20.00 Uhr gibt es also nun auf Einladung der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) ein Kyrikaides-Konzert im Walcheturm.
    Auf dem Programm stehen neben den mutierten tetTIX für Stimme, Insektenklänge und drum machine (1999) eine - ja, auch ein Lieblingsthema in diesem Log: Wassermusik, nämlich der hYDAtorizon für Klavier und Sinusklänge (2000, Audiozipfel) sowie a conSPIracy cantata (1999).

    Die ihrerseits wiederum - nicht unbedingt musikalisch, aber eben thematisch - ganz wunderbar an den gestrigen Eintrag anschliessen kann:

    SPI is an electronic cantata which juxtaposes two forms of cryptic message communication :the clandestine world of spy number transmissions on the shortwave radio, and the enigmatic uttering of the ancient oracle of Delphi. Both mediums were/are used as forms of political machination.

    Ist doch immer wieder schön, wenn eins zum anderen kommt. Wo bei das wohl zugegebenermassen (heissa Paralektronoia!) in der Natur resp. Pathologie der déformation professionelle eines Mediums liegt.
    Aber wie gesagt: Es lebt sich durchaus angenehm damit.

  • Die Daten:
    Konzert Yannis Kyriakides
    im Rahmen der Reihe der IGNM Zürich
    zu Gast im
    Kunstraum Walcheturm
    Kanonengasse 20
    CH-8004 Zürich
    Freitag, 09.12.2005 um 20.00 Uhr
  • Von miss.gunst am 09.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    08.12.05

    Paralektronoia

    wav_k.gif"Können wir mit Zahnfüllungen Stimmen empfangen?"
    "Ist die Sinusschwingung ein akustisches Gespenst des menschlichen Unterbewusstseins?"
    "Handeln Menschen nach Frequenzen?"


    Naturgemäss sind das Fragen, die ein Medium brennend interessieren.
    Zumal dann, wenn sie von jemandem gestellt werden, der seinerseits dafür bekannt ist, ziemlich interessante Schwingungen in den elektromusikalischen Kosmos zu entlassen.

    Dieser jemand heisst Felix Kubin und muss kundigen LeserInnen dieses Logs sicherlich gar nicht weiter vorgestellt werden.
    Falls aber doch, sei für die ganz Eiligen als kurze Kompaktinformation vorab der Eintrag im ZKM-Archiv empfohlen, bevor dann in jedem Fall die Heimseiten des Künstlers bzw. diejenigen seines Labels Gagarin Records visitiert werden sollten.
    Zwar ist Morpheus' Panoptikum, dessen Eröffnung das Medium schon länger gespannt harrt ("How does dreaming sound like while dreaming...?"), noch ganz Versprechen. Und besonders schmerzlich ist natürlich, dass Ihro Datatronic nobility die Fächer zu Audio- und visuellen Produktionen noch nicht mit kleinen Leckereien gefüllt hat. Aber die wichtigsten Basisdaten zu letzteren bzw. namentlich zu Kubins Tonträgern lassen sich schon abholen. Immerhin.

    Wer, weil wie auch immer wunderschön kredenzte Informationen trotzdem nur die halbe Miete sind, noch mehr für Augen und Ohren haben will und (wirklich?) nicht auf eigene Bestände zurückgreifen kann, mag vielleicht mal beim Archiv des (in diesem LogBuch ja immer wieder gern empfohlenen) kunstradio.at vorbeischauen, wo Kubin im Januar 2003 - zusammen mit bzw. gegen Wojtek Kucharczyk - eine Kostprobe seines Klangkriegs gegeben hat, zu dem in diesem Fall der komplette Webcast angeboten wird (und zwar als mp3 bzw. m3u).

    Am heutigen Donnerstag abend (08.12.05) ist Felix Kubin nun auf Einladung von Unfriendly Takeover im atelier frankfurt zu Gast, um im Rahmen der Reihe "Performing Lectures" einem aus Medienperspektive eben doch besonders leckeren Thema zu widmen, der "Paralektronoia über Geister und Elektrizität".

    In Ton, Bild und Film stellt Felix Kubin eine subjektive Auswahl verschiedener Wirklichkeiten durchdringender Konzepte vor. Künstler, Wissenschaftler und von Fremdbestimmung und Aluminium umhüllte Mütter kommen zu Wort, wenn es um die paralektronische Auflösung des menschlichen Körpers geht. Die vielschichtigen geistigen und technologischen Verwicklungen von Ahnung und Messung, Intuition und Rationalität treiben bizarre Blüten und zeigten sich schon zur Geburtsstunde von Radio und Fernsehen in kulturellen Interferenzen zwischen Okkultismus und Medientechnologie.

    Wie die Ankündigung verspricht, werden dabei auch treuen LeserInnen dieses LogBuchs nicht ganz unbekannte Wellenwandler begegnen, etwa Alvin Lucier (s.a. den Eintrag zum UNST-radio), Carl Michael von Hausswolff, Mika Vainio, Erkki Kurenniemi oder Lev Termen, der Erfinder des Theremin.

    Kurzum, das Medium freut sich schon sehr darauf, von berufener Seite mehr über seine KollegInnen und Artverwandten zu erfahren bzw. über das, was als Berufsbild schon längst mal in die einschlägigen Broschüren beratender Organisationen aufgenommen gehört:

    Der Paralektroniker: ein wandelndes mentales Radio mit überempfindlichen Antennen.

    Wobei letzteres ja schon fast wie eine kleine Malaise klingt. Nunja. Das Medium kann versichern: Mit Paralektronoia lässt es sich ganz prima leben, so lange man die Wellen noch sortiert bekommt. Zumal es ja auch jede Menge Möglichkeiten gibt, was reinschwappt auch wieder rauszulassen. Sind wir nicht alle Sender und strahlen aus?

  • Die Daten:
    Felix Kubin - Paralektronoia über Geister und Elektrizität
    zu Gast bei Unfriendly Takeover
    atelier frankfurt
    Hohenstaufenstr. 13-25
    Frankfurt am Main
    Donnerstag, 08.12.2005 um 20.30 Uhr
    im Anschluss Konzert & Club mit Felix Kubin & DJ Rossi
  • Von miss.gunst am 08.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.12.05

    Synthie zum Selberbasteln

    mo1.gifDa wir es saisonbedingt gerade vom Türchenkalender hatten: Gerade die selbstgemachte Variante kann uns natürlich auch Tag für Tag daran erinnern, dass es langsam Zeit wird, mit dem Basteln von Weihnachtspräsenten zu beginnen. Selbstredend sieht sich das Medium da bemüssigt, seinerseits mit ein paar einschlägigen Tipps aufzuwarten.

    Beginnen wir heute doch mal mit einer ganz einfachen Sache:
    Einem Synthesizer.

    Damit das mit der einfachen Sache beim Wort genommen werden kann, sollte es allerdings nicht gleich einer mit Schrauben und Schaltungen sein, oder?
    Nun: Dankeswerterweise gibt es prima Alternativen für Anfänger.

    mo2.gifTill Kopper, seinerseits ein echter Synthie-Fan und Sammler, bietet auf seinen Heimseiten nämlich nicht nur liebevolle Beschreibungen diverser Geräte - wie beispielsweise des schnuckeligen Mini-Moog. Oder des sicherlich auch einigen anderen noch aus alten Zeiten bestens bekannten Casio (inklusive der charakteristischen Sound-Samples zum herunterladen, so dass man für selige Nostalgie-Duschen weder verstaubte Probe-Tapes aus dem Archiv ziehen noch in den Keller schleichen muss, um zu schauen, was die Zeit aus dem kleinen Glück der Achtziger gemacht hat).
    Seine Seiten enthalten auch Porträts einiger echter Helden der guten alten Synthie-Zeiten. Und für jene, die ein älteres Gerät im Nachhinein erstehen - etwa den Waldorf Mini WORKS EQ 27 - gibt es zum nützlichen Beipackzettel gleich das ganze Handbuch dazu (beim sowieso schick ausschauenden Modulus Monowave sogar in einer äquivalent schicken und obendrein sehr nett geschriebenen, praktischen pdf-Variante).

    mo3.gifVor allem aber hat er neben eigener Musik auch zwei Bastelanleitungen ins Netz gestellt, mit deren Hilfe auch im Schaltkreiselesen eher Unbegabte ganz einfach zu einem tollen, eigenen selbstgebastelten Synthie kommen können.
    Zur Auswahl stehen das Modell "Modular Moog 3P mit Sequencer" sowie, passend zur Hommage an den deutschen Synthie-Artisten, das Modell "Modular Moog 3P - Klaus Schulzes Customized Version".

    Also: Schneiden, falzen und kleben - klar, das können wir doch, oder?
    Und wollen uns mal nicht pingeligen an Details stören wie jene schnöd anonym kommentierenden LeserInnen des entsprechenden Tagestipps beim (übrigensn auch sonst immer wieder einen Besuch werten) Nachbarn Music Thing.

    Dem wir an dieser Stelle dankbar auch für einen zweiten, ähnlich schönen Moog-Modellbau-Tipp zuwinken wollen - zumal der dort von IDECS vorgestellte Modular V-Pappkamerad sogar noch um einiges eindrucksvoller ist (edles Holzgehäuse und so). Und zumal sich das tumbe Medium von allein sicher nie und nimmer erfolgreich durch die japanischen Originalseiten durchgewurschtelt hätte, um die Anleitung selber aufzufinden. Drucken, schneiden, kleben geht dann aber wieder. Womit schon mal ein paar nette Präsente gesichert wären. Fein!

    Von miss.gunst am 07.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.12.05

    KINOAPPARATOM

    ka.gif
    Was beim ersten Lesen wie ein listiges Kunstwort für den Lichtspielhausbetrieb klingt, eine Kreuzung aus Kino, Apparat und Atom oder (so etwas erscheint jedenfalls jeweils vor des Mediums geistigem Auge) eine merkwürdige Projektionsmaschine meinen könnte, heisst eigentlich nur einfach auf Russisch: Film-Kamera.
    Ansonsten kennt man das K-Wort aber aus dem Titel eines der berühmtesten Streifen der revolutionären russischen Avantgarde.

    Nämlich "Chelovek S Kinoapparatom", zu deutsch: "Der Mann mit der Kamera", 1929 von Dziga Vertov gedreht.

    Dessen Aufführung würde das Medium auch jederzeit gerne ankündigen* - heute hingegen geht es um eine Zürcher Initiative, die schon häufiger mit Kunstkino-Programmen auf sich aufmerksam gemacht hat:

    Die Künstlerin Simone Schardt und der Künstler Wolf Schmelter führen unter dem Namen Kinoapparatom Filme von KünstlerInnen an spezifischen Orten auf und ermöglichen durch die Wahl des Kontextes eine Neubewertung des Gesehenen.

    Beispielsweise präsentierten sie vergangenes Jahr um diese Zeit im Rahmen von doing glamour Kurzfilme von Jonas Mekas, die ein eigenwilliges Porträt der Szene um Andy Warhols Factory zeichneten. Bei whitespace wurden diesen März Videos von Chris Burden gezeigt, mit denen der Performer seinerzeit seinen Seiteneinstieg in die white cube-verliebte Kunstwelt suchte. Und erst kürzlich ein waren sie mit einem Kunstkurzfilmprogramm im migros museum zu Gast.

    Heute abend nun wird das Projekt KINOAPPARATOM von Schardt und Schmelter im Rahmen der Reihe "Legal, Illegal & Subversion in Design und Kunst" vorgestellt. Wenn im zugehörigen Flyer als Ankündigung unter anderem zu Lesen steht:

    Zur Aufführung gelangen Künstlerfilme fernab von White Cube und Black Box

    bezieht sich das offenbar aufs Gesamtkonzept und ist möglicherweise dem feschen Ringvorlesungsmotto (von wegen Subversion und so) geschuldet. Jedenfalls ist es doch eigentlich eher eine Qualität des KINOAPPARATOM, mit der Black Box *in* die White Cubes zu gehen und zu zu schauen, wie man möglichst präzise Schnittstellen aufzeigen und produktiv machen kann. Oder?

    Aber wie auch immer, genau darüber kann man ja dann heute ab 17.00 Uhr im Vortragssaal der HGKZ (Ausstellungsstrasse 60) Näheres hören bzw. gegebenenfalls auch kontrovers diskutieren...

    * Wer dieser Inkunabel der Filmgeschichte bislang noch nicht teilhaftig geworden sein sollte, kann die Sichtung gelegentlich im Archiv für Visuelle Anthropologie des Völkerkundemuseums der Universität Zürich nachholen, in dessen Beständen sich offenbar eine Bandkopie befindet ("Kinoapparatom" im Suchfeld eingeben). Es lohnt!

    Von miss.gunst am 06.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.12.05

    Audiovisueller Adventskalender (ALT-X, VTVT )

    akalk.gifAdventskalender sind eine Sache, bei der sogar einigermassen weihnachtsresistente Mitmenschen leicht schwach werden können. Das Türchenspiel ist und bleibt spannend - oder bietet, wenn es nur ein einfacher Zuckerl-Kalender sein sollte, doch mindestens jeden Tag ein süsses Vergnügen. Meilenweit besser sind jedoch fraglos die DIY-Kalender, weil sie nämlich gleich zweimal vierundzwanzig Mal Spass machen: Den Beschenkten - und vorab schonmal den BastlerInnen selbst.
    Wahrscheinlich gibt es deshalb auch so viele (Anti-)Adventskalender, die zwar mit der Weihnachtszeit nichts zu schaffen haben wollen - aber mit denen trotzdem zur Wichtelsaison eifrig mitgewichtelt wird.
    Wie beispielsweise zurzeit bei ALT-X.

    Auf dem im weitesten Sinne für Sound zuständigen Teilplateau des Medien- und Netzkultur-Netzwerks, ALT-X Audio, hat es heuer nämlich eine alternative Vorweihnachtszeit-Spezialaktion.

    akalg.gifUnd zu dieser gehört tatsächlich auch eine Art audiovisueller Adventskalender. Mindestens funktioniert Joe Milutis' "Meta-Sci-Fi-Christmas-Musical" namens (bzw. titels) Don't Drive Today with Yesterday's Maps" nach einem entsprechenden Prinzip: Fensterchen mit der entsprechenden Zahl des Tages suchen, klicken... und schauen, was es dort zu sehen, zu lesen und zu lauschen gibt. Achtung: Auch bei einer ideal schnellen Verbindung braucht es ein bisschen Geduld mit den Ladezeiten - wenn die Fensterlein dunkel bleiben, muss man ein bisschen warten, bis die Glöckchen im Hintergrund klingeln oder die gute Fee in die Gänge kommt. Und dann führen hier und da auch weitere Pfade in die Tiefen der Geschichte.
    So richtig weit kommt man bislang naturgemäss noch nicht - aber wir haben ja auch erst den 05. Dezember und in dieser Hinsicht gilt für das multi-mediale Meta-Musical eben doch das strenge Adventskalendergesetz: Eins nach dem anderen, immer brav dem Kalender nach.

    Zum Ausgleich bietet die ALT-X Audio-Seite dafür, wie es sich für einen adventlich gedeckten Tisch gehört, noch einige andere Leckereien. Anstelle von Plätzchenteller, Mandelkern und Nüssen, Spieluhr und Lichterkranz findet man beispiels-, nein: genialerweise einen grossartigen Video-Blog.
    psych.gifDer wiederum wechselt wöchentlich und zeigt unter dem vielversprechenden Motto Psych Out "Stella by Starlight", einen in der Tat dezent psychedelisch dahintrudelnden Streifen aus den Beständen der Pharmakopolis Broadcasting Services.
    Bei denen es sich (wäre ja auch zu schön, oder?) leider nicht um ein seit den sechziger Jahren florierendes Unternehmen handelt, sondern um ein Videoprojekt, das der Seiten-Betreuer Trace Redell ursprünglich mal für Randall Packers Tel-SPAN network aus der Taufe gehoben hat. Es besteht aus Audio-Video-Remixes, in diesem Fall haben auf wundersame bzw. -bare Weise der titelgebende Track aus Frank Comstocks Album "Music from Outer Space" (1962) mit Bildern aus Ralph Steiners sozusagen nolens volens in dieser Bearbeitung ziemlich präspychedelisch wirkendem Film "H20" (1929, hier ein mpg des Originals aus den wie immer grossartigen ubuweb-Beständen) zusammengefunden.

    Dem Medium gefällt diese Alternative zum Türchenöffnen schon sehr. Einziger kleiner Bittermandelgeschmack ist allerdings, dass das Vernügen nur jeweils eine Woche währt - danach wird, anders als beim klassischen Kalender, das leuchtende Fenster ausgewechselt.
    Also anschauen, den ab dem 08.12. gibt es dann schon die nächste audiovisuelle Pille Perle aus der Pharmakopolis Broadcasting Services Produktion.

    Bildchen:
    Joe Milutis, Don't Drive Today with Yesterday's Maps (intro + oben)
    Trace Redell, Psych Out (unten)

    Von miss.gunst am 05.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    04.12.05

    Zucker von zymogen

    zymo_sw.gifZum Sonntag sollte es ja entweder etwas zu Lesen geben (um auch bei überbeschäftigten Buchstabenverächtern in die kulturell tradierte heute-mal-das-Feuilleton-Lücke zu stossen) oder etwas Nettes auf die Öhrchen, um angenehm in respektive durch den Tag zu plinkern.
    Das Medium hat sich heute für Letzteres entschieden. Und - der anzustrebenden akustischen Annehmlichkeit wegen - in diesem Fall dann doch dagegen, das Ganze noch den Wochenschwerpunkt Noise zu unterstellen.
    Statt dessen: Zucker von zymogen.

    zymogen ist ein noch ziemlich junges italienisches Netzlabel (von daher ist auf andere Weise der Reihen-Effekt gesichert),
    zymo.gif

    concentrated on the expression of new musical conceptions in the range of electronic music, from experimental to acoustic, from glitchy structured rhythm to field recordings

    wie es in der Selbstvorstellung heisst.
    Und seine Produktionen sind sympathischerweise unter creative commons lizensiert.

    toys_c.gifDiejenige, welche das Medium heute seinen LeserInnen ans Herz bzw. die Lauscher legen möchte, ist die dritte und derzeit jüngste. Die hört auf den vielversprechenden Namen Toys (also Spielzeug) und stammt von Songraphie (noch nicht, aber bald unter: songraphie.i-media.su). Wohinter wiederum zwei russische Brüder stecken, Ilya and Paul Bocharov.

    Wie die Musik von Songraphie funktioniert, verraten eigentlich schon ein bisschen die wirklich für sich schon sehr schönen Titel, von denen sich das Medium ein bisschen an den hier vor ein paar Monaten schon mal vorgestellten Klassiker von Superflex erinnert fühlt, Warum sollten wir Angst vor grossen Tieren haben.

    toys_b.gifAber genug des Geplänkers, die mündige LeserIn kann sich ja doch gleich selbst ans Anhören bzw. ans Naschen aus der Zuckerdose für die Öhrchen machen. Wie immer bei dieser Gelegenheit ist das Medium jedoch hingerissen, seine persönlichen Favoriten zu nennen - und da nehmen wir doch gleich, weil es der Einstieg ist und zur Überschrift dieses Eintrags passt, die Zimptpuppe bzw. The Cinnamon Doll. Und weil es heute der zweite Adventssonntag ist, lassen wir einen seltsamen Elephanten Weihnachtsbaumschmuck sammeln (The Clumsy Elephant Is Collecting Christmas Tree Decorations). Und dann am Ende noch den Autor singen (The Author Wants to Sing, Too - ja, und da singt es resp. er dann wirklich).*

    toys_c2.gifNaja, und dann lädt man ja sowieso die gesamte EP inklusive des schönen Covers, das Paul Bocharov gestaltet hat (mit Vorder- *und* Rückseite, was schon für sich das Prädikat: richtig-liebevoll-und-so sollte-es-sein-verdient).
    Und hat, hoffentlich bzw. so wünscht es das Medium der geneigten LeserInnenschaft, einen angenehmen Sonntag mit dem Zucker von zymogen.

    * Alle diese Anker hat das Medium mit Rücksicht auf den (zweifelsohne erwartbaren, oder?) traffic Richtung archive.org ausgeworfen. Gibt aber natürlich alles auch bzw. vor allem direkt bei zymogen.

    Von miss.gunst am 04.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.12.05

    acoustic ecology institute

    lat_k.gifAuf dem Weg zum (wirklich wieder ganz wunderbaren) dorkbot swiss-Abend am 01.12. strahlten dem Medium aus dem Dunkel ein paar merkwürdige Silhouetten entgegen. Das heisst, beleuchtet waren sie nicht, eben einfach Gestalten, die sich beim Näherkommen langsam aus schwarzer Nacht herausschälten: Ein kleiner Trupp etwa mannshoch aufragender Säulen mit leicht auskragenen Köpfen; einige mit kleinen Hütchen, so dass sie an altertümliche Strassenlaternen hätten erinnern können oder skurille Kreuzungen aus solchen mit Mikrophonen. Eine geheimnisvolle Soundskulptur, die gleich zum Leben erwachen wird?

    Völlig gefehlt, natürlich. Die Nacht hatte sie nur verwandelt: Eine Messstation für Luftverschmutzung, die dort immer auf dem Grün im Innenhof der ehemaligen Kaserne grast.

    Sie als akustische Sensoren zu imaginieren passte dann aber erstaunlich gut in Verbindung mit Andres Bosshards dorkbot-Präsentation, bei der es um den Klanggarten(an)bau in Städten ging (z.B. der Giardino Sonoro in Florenz - schaut idyllisch aus, liegt aber nachgerade auf einer bzw. bildet sozusagen eine Verkehrsinsel). Und unter anderem auch um die Wirkung solcher Anlagen auf die Lauscher derer, die sonst - meistens ohne das noch zu registrieren, wenn man nicht gerade an Presslufthammern vorbeihastet oder unversehens in ein Hupkonzert gerät - eigentlich ständig mit einem ziemlichen Noise-Filz an diversesten Grund- und Nebengeräuschen zugestopft werden.
    Wie Klanggärten da etwas ausrichten können, wo es sowieso laut ist? Sollte eine Oase da nicht eher totale Stille liefern? Nun: Akustisches Bewusstsein beginnt schon erst einmal mit dem Hinhören. Und: Wo viele Menschen hinhören, wird es ein wenig stiller. Unter anderem.

    Das Klanggärtnern jedenfalls ist - und das passt ja eigentlich auch ganz gut ins Bild, dass dieser Begriff eh schon aktiviert - eine Art angewandte akustische Ökologie(forschung). Und die wiederum eine sowieso spannende Angelegenheit.
    Weshalb das Medium - eben auch ein bisschen inspiriert von seiner winterdunkelheitsbedingten Begegnung der dritten Art mit der Luftverschmutzungsmessstation - mal einen passenden Anker aus dem Zettelkasten ziehen will, um der geneigten Leserschaft nämlich einen Besuch beim Institute for Acoustic Ecology nahe zu legen.

    aceco.gifDas virtuelle Institut, also die Webseite, funktioniert jedenfalls als gut gepflegte Ressourcen-Seite zum Thema, auf der man sich nicht nur ausführlich über die wissenschaftlichen Aktivitäten auf dem entsprechenden Gebiet informieren kann, sondern - zur Einführung sicher besser geeignet - auch jede Menge anregendes Material findet.

    Ganz besonders empfiehlt sich in diesem Zusammenhang die Sektion Soundscapes, in der einige sehr interessante und anregende Essays finden (zum Beispiel direkt zum Thema Soundräume in der Stadt: On a Clear Day I can Hear Forever von Gary Ferrington oder, weiterführend, Francesco Lopez' von der Auseinandersetzung mit R. Murray Schafer ausgehenden Überlegungen zu Schizophrenia vs. l'objet sonore).

    Sowie auch eine begonnene Sammlung von Artikeln (naja: einem Artikel) und Interviews (leider noch nicht so viele). Und, last but not least, eine schon recht umfangreiche und vor allem anderen appetitanregend kommentierte Sammlung von Ankern zu Webseiten von Projekten, die sich im weitesten Sinne mit dem Erlauschen von Soundscapes - Klangwelten und Geräuschräumen - beschäftigen.
    Die zu erkunden, will das Medium für heute mal jeder/jedem selbst überlassen. Aber es ist sicher keine leere Drohung, an dieser Stelle vollmundig zu behaupten, dass die Favoriten des Mediums früher oder später in diesem Log auch mal ausführlicher vorgestellt werden (werden).

    Von miss.gunst am 03.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.12.05

    dorkbot swiss in Zürich

    dork_ch_kk.gifFür die Empfehlung des Tages braucht es eigentlich nur eine kleine Meldung mit Ankerwurf auf die Heimseiten von dorkbot swiss, die Schweizer Fraktion der Organisation für "people doing strange things with electricity".

    Schliesslich ist das Programm der aktuellen Veranstaltung, die heute abend ab 19.47 (sic!) Uhr im Zürcher Walcheturm stattfindet, ja auch ebendort schon in schöner Vollständigkeit aufgelistet.

    dork_ch_gk.gifDa im Digiversum zumindest unter archivalischen Aspekten ein wenig Redundanz aber nicht schaden kann, wollen wir auch hier noch einmal die angekündigten Höhepunkte aufführen:
    Mit dabei sind diesmal (der unter Klanglandschaftskundigen nicht ganz unbekannte und darob auch in diesem Log schon häufiger mit Einträgen bedachte) Andres Bosshard, der - Blick zurück über das Klangturm-Projekt nach vorn - etwas über die Zukunft des Klangwettermachens erzählen wird; Karel Kulhavy mit der Vorstellung von twibright ronja, dem DIY optical wireless datalink; Tian Lutz, der in das am Basler Hyperwerk entstandene Projekt "readable" einführen wird - sowie agnella toxica clang collaps a.k.a. akita (oder andersherum oder so ähnlich) mit einer Soundperformance.

  • Die Daten:
    dorkbot swiss
    am 01.12.05 zu Gast im
    Kunstraum Walcheturm
    Kanonengasse 20
    CH-8004 Zürich
    ab 19.47 Uhr
  • Von miss.gunst am 01.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)