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06.12.05

KINOAPPARATOM

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Was beim ersten Lesen wie ein listiges Kunstwort für den Lichtspielhausbetrieb klingt, eine Kreuzung aus Kino, Apparat und Atom oder (so etwas erscheint jedenfalls jeweils vor des Mediums geistigem Auge) eine merkwürdige Projektionsmaschine meinen könnte, heisst eigentlich nur einfach auf Russisch: Film-Kamera.
Ansonsten kennt man das K-Wort aber aus dem Titel eines der berühmtesten Streifen der revolutionären russischen Avantgarde.

Nämlich "Chelovek S Kinoapparatom", zu deutsch: "Der Mann mit der Kamera", 1929 von Dziga Vertov gedreht.

Dessen Aufführung würde das Medium auch jederzeit gerne ankündigen* - heute hingegen geht es um eine Zürcher Initiative, die schon häufiger mit Kunstkino-Programmen auf sich aufmerksam gemacht hat:

Die Künstlerin Simone Schardt und der Künstler Wolf Schmelter führen unter dem Namen Kinoapparatom Filme von KünstlerInnen an spezifischen Orten auf und ermöglichen durch die Wahl des Kontextes eine Neubewertung des Gesehenen.

Beispielsweise präsentierten sie vergangenes Jahr um diese Zeit im Rahmen von doing glamour Kurzfilme von Jonas Mekas, die ein eigenwilliges Porträt der Szene um Andy Warhols Factory zeichneten. Bei whitespace wurden diesen März Videos von Chris Burden gezeigt, mit denen der Performer seinerzeit seinen Seiteneinstieg in die white cube-verliebte Kunstwelt suchte. Und erst kürzlich ein waren sie mit einem Kunstkurzfilmprogramm im migros museum zu Gast.

Heute abend nun wird das Projekt KINOAPPARATOM von Schardt und Schmelter im Rahmen der Reihe "Legal, Illegal & Subversion in Design und Kunst" vorgestellt. Wenn im zugehörigen Flyer als Ankündigung unter anderem zu Lesen steht:

Zur Aufführung gelangen Künstlerfilme fernab von White Cube und Black Box

bezieht sich das offenbar aufs Gesamtkonzept und ist möglicherweise dem feschen Ringvorlesungsmotto (von wegen Subversion und so) geschuldet. Jedenfalls ist es doch eigentlich eher eine Qualität des KINOAPPARATOM, mit der Black Box *in* die White Cubes zu gehen und zu zu schauen, wie man möglichst präzise Schnittstellen aufzeigen und produktiv machen kann. Oder?

Aber wie auch immer, genau darüber kann man ja dann heute ab 17.00 Uhr im Vortragssaal der HGKZ (Ausstellungsstrasse 60) Näheres hören bzw. gegebenenfalls auch kontrovers diskutieren...

* Wer dieser Inkunabel der Filmgeschichte bislang noch nicht teilhaftig geworden sein sollte, kann die Sichtung gelegentlich im Archiv für Visuelle Anthropologie des Völkerkundemuseums der Universität Zürich nachholen, in dessen Beständen sich offenbar eine Bandkopie befindet ("Kinoapparatom" im Suchfeld eingeben). Es lohnt!

Von miss.gunst am 06.12.2005 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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