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22.01.06
Camera O. (ff.)
Wie es nicht unbedingt Zufälle, sondern vielleicht eher sich hin und wieder kreuzende Fährten wollen, gibt es gerade eine gute Gelegenheit, eine Notiz hervorzuholen, die eigentlich schon im letzten Jahr in den Radar des Mediums gegangen ist.
Damals gründelte es gerade zum Thema Camera Obscura und stiess auf ein ganz spezielles Exemplar, das dann allerdings erst einmal wieder ausser Sicht verschwand.
Przemek Zajfert und Burkhard Walther nämlich, die in Stuttgart die Galerie Merid betreiben, haben aufbauend auf dem Basismodell ein Langzeitprojekt initiiert, das sogar in Richtung Unendlichkeit winkt: Die Camera Obscura 2005/1-Inf.
Camera Obscura 2005/1-Inf ist ein weltweites Projekt bei dem jede Woche gleichzeitig zwei Löcher einer Doppelloch-Camera Obscura bei Ebay versteigert werden. Es ist eine Hommage an den polnischen Künstler Roman Opalka und sein Werk 1965/1-?. Die jeweils Höchstbietenden erhalten nacheinander eine Lochkamera, geladen mit einem Stück unbelichteten Film, stechen selbst das Loch und belichten jeweils ihre eigene Fotografie. Durch den geringen Abstand der beiden Löcher überschneiden sich die Motive zu einem Teil, wodurch ein gemeinsames fotografisches Bild entsteht, geschaffen von zwei Menschen an verschiedenen Orten, inmitten einer endlosen Reihe von Parallelbelichtungen. Alle Teilnehmer erhalten die von ihnen gemachte Doppelbelichtung als Kunstdruck in Originalgrösse zugeschickt.
Die Ergebnisse werden einerseits im Netz präsentiert (der erste Anker führt zu den jeweils jüngsten Einreichungen; aber auch Nummer 1-32, Nummer 33-64 und Nummer 65-96 lassen sich, soweit schon retourniert bzw. überhaupt versteigert, online betrachten).
Andererseits werden sie aber auch - zusammen mit den Kameras - in der Galerie Merid ausgestellt. Letzteres allerdings, wie schnell festzustellen ist, wiederum konzeptbedingt zu recht ungewöhnlichen Öffnungszeiten - die betragen nämlich jeweils nur eine Stunde und verschieben sich Woche um Woche um jeweils eine Stunde. Und zwar rund um die Uhr, so dass man sich beispielsweise am Samstag, den 22.07.2006 um 04:00 – 05:00 Uhr CEST (also zentraleuropäischer Sommerzeit) vor Ort sein muss, um Zugang zu erhalten.
Etwas bequemer hat man es da vielleicht in den nächsten Tagen, denn Zajfert und Walther sind aktuell mit ihrem Camera Obscura 2005/1-Inf-Projekt im Wettbewerb on/offline vertreten, der seinerseits im Rahmen der Sonderausstellung "Expanded Media. Medien im Raum" stattfindet, die der Württembergische Kunstverein in Verbindung mit dem 19. Stuttgarter Filmwinter zeigt.
Das wiederum sind nun beides Veranstaltungen, die auch für sich gute Kandidaten für eigene Einträge ins LogBuch waeren.
Für heute aber erstmal, falls entsprechendes Interesse geweckt wurde: Viel Glück beim Steigern.
Wenn es nicht klappt, kann man sich ja wahlweise entweder mit einem Besuch in der Galerie. Oder mit einem eigenen Camera Obscura-Abenteuer trösten.
Denn einfach selberbauen lässt sich so eine Lochkamera in jedem Fall.
[Mittleres Bild: Die Doppelbelichtungs-Camera Obscura von Przemek Zajfert und Burkhard Walther. Das Medium dankt für das Gestatten der WiederGabe. Das Lochkameralochbild und sein Abbild hingegen sind vor des Mediums staunenden Augen sozusagen selbst entstanden. Sogar ohne Belichtung. Reine Erleuchtung.]
Von miss.gunst am 22.01.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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