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10.01.06
DIY Schnee (Diaz)
Weil im gestrigen Eintrag nicht zuviel versprochen werden sollte, wird heute gleich zügig am entsprechenden Strang weitergeknüpft.
Und zwar mit einem Rezept zum Selbermachen, das sich mindestens metaphorisch in eben jenen Koordinaten bewegt, die mit Schneeweisschen im Wunderland gesetzt wurden.
Das allerdings, so beeilt sich das Medium zu ergänzen, hier ausdrücklich nicht zur Nachahmung empfohlen werden soll.
Wie sich schöne Schneeflocken selbst machen lassen, hat das Medium im vergangenen Sommer bereits ausführlich im GUNSTradio doziert. Und wird die dort vorgetragenen Anleitungen sicherlich auch in diesem LogBuch bei Gelegenheit noch einmal vorstellen - spätestens dann nämlich, wenn das Thermometer wieder so richtig in die Höhe steigt. Denn wer wird schon etwas mühsam herstellen wollen, wenn es draussen vor der Tür davon reichlich hat und das umsonst.

Die eingangs angesprochene Anleitung, um die es heute geht, betrifft hingegen eine Substanz, die einem gemeinhin nicht gleich meterhoch vor die Füsse zu fallen pflegt, nur weil Winter ist. Jedenfalls nicht, so man sich einem lauteren Lebenswandel verpflichtet fühlt.
Insofern sollte man eigentlich auch annehmen, dass man entsprechende Herstellungsanweisungen nicht so ohne weiteres auf einer Webseite findet. Nun gut, schon klar, dass es im Netz fast nichts gibt, was es nicht gibt - und so auch in diesem Fall.
Und zwar an denkbar unverdächtiger Stelle (jedenfalls so man kein Anhänger der allerdings sehr beliebten Annahme ist, dass alle Kunstschaffenden sowieso irgendwie auf die eine oder andere Weise drauf bzw. bedröhnt sind, wenn sie ihre Werke produzieren):
Bei e-flux nämlich, einer in New York lokalisierten Initiative, die sich in den letzten Jahren um verschiedene netzbasierte Projekte verdient gemacht hat. Eines davon ist "DO IT", usprünglich von Hans Ulrich Obrist für Independent Curators International als Wanderausstellung konzipiert und realisiert.
Dem Titelmotto "DO IT" entsprechend geht es bei diesem Projekt tatsächlich um das, was zu tun ist - und zwar, um ein veritables Kunstwerk zu generieren. Die eingeladenen KünstlerInnen wurden also gebeten, jeweils ein Rezept abzuliefern. Eine Aufforderung, der bis dato mehr als neunzig internationale Kunstschaffende nachgekommen sind.
Ihre Eingaben lieferten nun eben nicht nur die Grundlage für besagte Wanderausstellung, sondern sind zudem auf den WWW-Seiten des Projekts, also dessen online-Versin auf e-flux abrufbar. Und zwar praktischerweise als pdf-Dokumente zum Herunterladen und Ausdrucken.
Nun sind sicher nicht alle diese Anleitungen so einfach nachvollziehbar wie Pippilotti Rists "Nachbarstück" oder Yoko Onos "Wish Tree"-Wunschzettel (der entsprechende Baum war vor nicht allzulanger Zeit ja auch im Rahmen von Onos Einzelausstellung im Zürcher Migros Museum zu sehen und vielleicht hat der eine oder die andere die Gelegenheit genutzt).
Auch die Anweisungen zum kunstvollen Hemdenbügeln von Diller+Scofidio schauen komplizierter aus, als sie letztlich sind. Ehrlich eingestanden: derlei Artefakte gelingen dem haushaltshandwerklich einschlägig begabten Medium sozusagen automatisch, wann immer es zu einem Bügeleisen greift. Vielleicht sollte es mal über eine Umschulung zur Designerin nachdenken.
Nichts für AnfängerInnen dürfte hingegen jenes traditionelle Rezept sein, das der kolumbianische Künstler Wilson Diaz eingereicht hat und auf dessen Vorstellung der vorliegende Eintrag ausgehen sollte.
Tatsächlich Schnee zum Selbermachen, resp. a little help from some friends, die dabei wohl ebenso erforderlich sein dürfte wie ein entsprechender Freundes- bzw. Bekanntenkreis.
Schon ziemlich finster, von der im Idealfall gleissendreinweissen Farbe des Endprodukts mal abgesehen. Für herzerwärmende Gemütlichkeit dürften jedenfalls eher andere Arbeiten von Diaz sorgen können, etwa dieses für die Überwinterung vorgesehene Leibchen.
Von miss.gunst am 10.01.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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