« Januar 2006 | Hauptseite | März 2006 »

28.02.06

Ghosts on Tapes

tg_kkk.gifUm die gestern eher beiläufig im Zuge der Musikempfehlung des gleichnamigen Stücks von Engine 7 aufgenommene Fährte gleich mal weiter zu verfolgen, heute also etwas zum Thema Ghosts on Tapes.

Die gehören natürlich, wie man sich denken kann, traditionell mehr in den Radius von Geisterjägern. Aber nicht von ungefähr sind deren probate Werkzeuge durchaus auch schon in diesem LogBuch vorgestellt worden - nämlich anlässlich von Sam Ashleys Ghost Detectors-Projekt (das erst kürzlich übrigens noch einmal live im Berliner Tesla zu bestaunen war, und zwar als Installation im Rahmen der Open Ateliers während der transmediale-Tage).

Zwar bezieht sich Ashley seinerseits ebenfalls im weitesten Sinne auf das klassische Phänomen der Electronic Voice Phenomena, kurz: EVP und zu deutsch: Tonbandstimmen.

Mit deren Erkundung wiederum beschäftigen sich nun nicht nur Gesellschaften wie der Verein für Transkommunikationsforschung oder engagierte Einzelpersionen wie Stefan Bion, der hierzu die (ziemlich schöne) Seite tonbandstimmen.de angelegt hat.

Insbesondere von namhaften Tonbandstimmenforschern wie Konstantin Raudive und Friedrich Jürgenson haben sich eben auch schon zahlreiche Sound-KünstlerInnen anregen lassen.

tg_g.gifSo kam beispielsweise bei subrosa - sowieso einem der Lieblingslabels des Mediums, um das mal nebenbei, aber auffällig genug loszuwerden - 2002 unter dem Titel "Konstantin Raudive : The Voices of the Dead" eine wunderbare CD mit Bearbeitungen und von Raudive inspirierten Stücken (sowie zwischendrin hervorlugenden Originaleinspielungen) heraus; mit dabei seinerzeit u.a. DJ Spooky, Scanner, Sebastian Meissner a.k.a. random inc. (mittlerweile mit Lia als tiny little elements unterwegs, s.a. hier) sowie Carl Michael von Hausswolff.

Letzterer wiederum hat vor einiger Zeit das Archiv von Jürgenson unter seine Fittiche genommen, verschiedentlich zusammen mit eigenen Arbeiten ausgestellt und 2000 zudem die Friedrich Jürgenson Foundation gegründet, über deren Webseiten auch die englische Übersetzung von Jürgensons ursprünglich 1967 auf Deutsch publiziertem Klassiker "Sprechfunk mit Verstorbenen", "Voice Transmissions With The Deceased" als pdf zu haben ist.

There is no question that a tape recorder is an essential piece of equipment in a paranormal investigation.
wie ein Experte, nämlich Troy Taylor von der American Ghost Society an anderer Stelle schreibt.

Man könnte es natürlich auch umgekehrt formulieren: Kein Zufall, dass beide Tonbandstimmenforscher zu der Zeit gelebt und gearbeitet haben, als Tondbänder und später Kassetten(recorder) Hochkonjunktur hatten. Hingegen werden sich die Geister mittlerweile zunehmend genötigt sehen, auf andere Medien umzusteigen - während ihre ehemalige Heimstatt zunehmend selbst ins Reich der Dead Media überwechselt.
Ist auf Tapes als Zauberwort eingeschworene Paralektronoia also das einzige, was ihnen und anderen KassettenliebhaberInnen bleibt?

Wir werden sehen, morgen heiter weiter...

Von miss.gunst am 28.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

27.02.06

Strasse der Hoffnung

legleg_ch_ksw.gifKlingt ein bisschen pathetisch, oder?
Wenn nicht sogar nach einer Kreuzung klassichen Ostguts mit ebenso klassischer Kap-Benamsung seitens heroischer Seefahrer der Kolonialzeit.
Will aber lediglich eine kleine Musikempfehlung zum Wochenanfang ankündigen.

Hope Street heisst eine EP, die vergangen Herbst bei dem auch ingesamt sehr sympathischen Netzlabel legoego herausgekommen ist, und zwar als Nummer 009 der Veröffentlichungen der "ego"-Serie, in der einzelne Soundartisten ihre Arbeit vorstellen ("lego" ist den Kollektivproduktionen gewidmet).

legeg_g.gifHinter der Produktion steht als "Engine 7" der Schotte Alan McNeill, der uns zum Hören noch Folgendes mit auf den Weg gibt:

"'Hope Street' is in Glasgow city centre in Scotland. It's the most polluted street in Europe. Many listeners have commented that my music makes them think of weather. The cover art of 'Hope Street' shows the weather turning - but are the rainclouds forming or dispersing? We are looking into the sun, aspiring to be free and without cares, but it's painful. What are we hoping for? A better life? Calm? Or oblivion? We're knocked around by our daily life - does that change what we hope for? Does our hope become naivety? On one hand we have hope, a fantasy of a less painful life, on the other hand we have the grit, dirt, dust and grime of reality. 'Hope Street', as a whole, is about the balance."
[Wer's mag oder braucht: In deutscher Teilübersetzung nachzulesen in einem der Produktion gewidmeten Mini-Feature des chiffre mag]

Deckt sich durchaus ein wenig mit des Mediums insgesamt allerdings rundweg angenehmen Erinnerungen an die schottische Stadt, die ansonsten in Sachen Kunst ja eigentlich mehr über Charles Rennie McIntosh, und aktueller natürlich ihre Kunsthochschule und Galerien wie Tramway oder Transmission, Künstler wie David Shrigley oder Douglas Gordon bekannt ist. Was so gesehen allerdings vielleicht wieder eine Brücke schlagen lässt zu einer gewissen Beziehung zwischen Humores und Humor, Melancholie und Leichtigkeit, wie sie auch in McNeills Musik zu finden ist.

legeg_hst.gifEinen wesentlich direkten Anker kann man aber wohl derzeit beim bzw. mit dem Blick aus dem Fenster werfen, wo hin und wieder eine saumselige Schneeflocke vorbeitaumelt. Jedenfalls war es selbige Perspektive, die das Medium dazu bewog, ausgerechnet diese EP für heute herauszufischen.

kus von starfrosch hat Hope Street übrigens seinerzeit im September '05 gleich fangfrisch - drei Tage nach dem offiziellen (re-)release bei legoego - in einem Podcast präsentiert.

Engine7's Musik sei "nicht einfach zu beschreiben. vielleicht kann man sagen, das sie irgendwie 90's ist ohne den ballast heimeligen retro-charms zu transportieren", schrieb er damals.

Stimmt schon, irgendwie. Bestens geeignet ist sie in jedem Fall, wenn man nach der Heimkehr von einer durchtanzten Nacht selbige noch ein wenig ausklingen und den Puls langsam zur Ruhe kommen lassen will (dann zB Track um Track von vorn nach hinten hören). Für einen Montagmorgen mit zartem Schneeflockenflug empfiehlt das Medium vielleicht einfach Nummer 4, "fake blizzard (buildings falling)" (lofi-mp3)und dann das letzte Lied, Nummer 6, "you'll see (ghosts on tape)" (dito).
Womit wir ja eigentlich schon wieder beim nächsten Thema wären. Aber dazu dann ein andermal mehr...

Von miss.gunst am 27.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.02.06

plunder phonisch

jo_pl_ksw.gifBeim gestrigen Verweis auf das auch heute wahrnehmenswerte Programm der Sonic Acts-Konferenz in Amsterdam hatte das Medium vor allem einen Vortrag im Auge: Den von John Oswald.
Allerdings nicht nur deshalb, weil ein Titel wie "A Short Talk on Endlessness" schön absurd und entsprechend vielversprechend tönt.

Tatsächlich ist es vor allem so, dass sich auf diesem Umweg eine gute Gelegenheit bietet, die Arbeit des kanadischen Komponisten und Musikers mit einem Zettelkasteneintrag zu würdigen. Und mit ihm seine weit verzweigten Heimseiten, den Oswaldian Space a.k.a. plunderphonics.com.

jo_pl2.gifNicht von ungefähr hat sich Oswald schon bezeiten die Zuneigung all jener zugezogen, die den schlussendlich ja doch mehr von der Musikindustrie und von Nachlassverwaltern angestrengten, gelinde gesagt: verstärkten Bemühungen um die Verfolgung von Copyright-Verletzungen im Musikbereich insbesondere dort skeptisch gegenüberstehen, wo sie einer Einschränkung der künstlerischen Freiheit im Umgang mit Kulturgut zuarbeiten. Um es mal ganz vorsichtig auszudrücken.

Bekannt wurde er in diesem Zusammenhang zum einen mit dem programmatischen Text "Plunderphonics, or Audio Piracy as a Compositional Prerogative", den er 1985 publizierte und der nach wie vor absolut lesenswert ist.

jo_wb_1.gifZum anderen mit seinem Projekt "Plunderphonic(s)", mit dem er die Theorie vier Jahre später beweiskräftig in die Praxis umsetzte. Die gleichnamige Soundarbeit, die auf zahlreiche bekannte Stücke zahlreicher bekannter Grössen der älteren und jüngeren Musikgeschichte von Igor Stravinsky bis Michael Jackson und von Paul McCartney bis Ludwig van Beethoven zurückgreift, brachte ihm denn auch den entsprechenden Ärger mit dem langen Arm der Kulturindustrie ein. Obwohl bzw. letztlich dann natürlich auch weil er das Ganze frei auf dem Netz anbot...

Und da er mit entsprechenden Verfahren schon länger bzw. nach wie vor beharrlich arbeitet (siehe die ausführliche Chronologie), gibt es natürlich auch noch andere Produktionen, die derzeit nicht erhältlich sind, weil ihnen diverse Verfahren anhängen.
Wer sich für Hintergründe und Zusammenhänge interessiert, wird beim Stöbern in Oswalds plunderphonics-pluriversum weitere Materialien finden können; beispielsweise auch eine Reihe von Interviews. Nur eben keine Sounds. Was aber wohl nicht nur an Copyrightproblemen liegen dürfte.

jo_wb_2.gif
Nicht anders (allerdings bunter) sieht es denn auch auf der jüngeren Schwesterseite pfony.com aus; mehrheitlich sind es auch hier neben zusätzlichen Informationen, Texten, kleineren Artikeln vor allem Hinweise auf online oder via Tonträgererwerb zu Erstehendes, aber zu den alten Buroughs-Tapes hat Oswald eine Flashseite zum Hören ins Netz gestellt.

Das Medium empfiehlt ansonsten zur weiteren Lektüre noch ein älteres Interview, das Brian Duguid 1994 für sein EST-zine mit Oswald geführt hat.
Und sich eben heute (26.02.06) um 15.00 Uhr zur Sonic Acts-Konferenz zuzuschalten, wenn Oswald seinen eingangs erwähnten Vortrag halten wird.

[Bildchen: Da das Ganze stets mehr als die Summe der Teile ist, lässt es sich als solches selbstredend nur direkt an den Orten seiner Aufführung, also auf plunderphonics.com und pfony.com aufzusuchen.]

Von miss.gunst am 26.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.02.06

Sonische Akte

sona_ksw.gifKein last minute Reisetipp - denn dafür ist es definitiv zu spät. Nicht nur, weil die elfte Ausgabe des Sonic Acts-Festival in Amsterdam bereits begonnen hat.
Vielmehr ist die zugehörige Konferenz, die in diesem Jahr mit einer "Anthologie der Computerkunst" bzw. einem Strauss namhafter VertreterInnen der Materie lockt, komplett ausverkauft.
Aber zum Glück haben die Veranstalter an diejenigen gedacht, die nicht vor Ort dabei sein können.

So ist es möglich, die gesamte Konferenz via Live-Stream mit zu verfolgen.
Heute ab 13.00 mit Frieder Nake ("Now is the Time - The history of early computer art as a new research topic"), Lilian Schwartz (mit Einblicken in ihre Arbeit), Manfred Mohr (dito) - also gleich drei Pionieren der ersten Stunde auf dem Gebiet der elektronischen Kunst, die alle auch nach wie vor aktiv dabei sind - sowie als Vertreter einer jüngeren Generation Golan Levin.

sona_g.gifWer es danach noch vor dem Rechner aushält, kann sogar versuchen, einer Übertragung der abendlichen Konzerte etwas abzugewinnen, die es dann über fabchannel geben wird.

Naja. Gerade weil da so leckere Sachen wie Tiny Little Elements zur Einstimmung und einiges später dann Matthew Dear zu sehen und zu hören sein werden, sollte man aber vielleicht doch lieber anderweitig aus- oder vorsorglich ins Bett gehen.

Ersteres, weil es eben, übertragene Vorträge sind nunmal etwas anderes als vom Bildschirm winkende Konzerte, dann doch etwas frustrierend sein dürfte, nur von Ferne zusehen zu können.
Und letzteres, so man brav am Ball bleiben möchte in Sachen Sonic Acts-Konferenz. Denn dort ist morgen tatsächlich auch noch ein Tag mit vollem Programm...

Von miss.gunst am 25.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.02.06

Gefrorene Schallplatten

frr_ksw2.gifWenn es nach dem Medium ginge, müsste eine solche Veranstaltung natürlich im Hochsommer stattfinden. Dann, wenn sich alle nach Erfrischungen sehnen.
Trotzdem scheint das Ganze doch auch Winters noch interessant genug, um in den Radar dieses LogBuchs zu gehen.
Gefrorene Schallplatten hat schliesslich nicht jede/r im Schrank.

Wohl aber Claudia Märzendorfer, wenigstens dieser Tage. Im Rahmen einer Sound-Performance, die sie heute abend zusammen mit Nik Hummer von thilges3 (Wien) im Berliner Tesla bestreitet, werden die guten Stücke sogar abgespielt werden.

frr_g1.gifBesonders verlockend ist dabei nicht nur die Aussicht, dass die auf den Schallplatten aufgezeichneten Sounds von einem Trautonium stammen. Auch das Eis dürfte interessante Effekte auf die Abspielqualität zeitigen (btw: hier eine kleine Eissoundsammlung aus anderer Quelle - wobei sowohl der Tonträger als auch der -abnehmer gänzlich andere sind).
Und zudem wird es dann auch noch von Hummer via analogem Synthesizer weiter bearbeitet.

Wie das Ganze klingen wird?
Nunja: Tatsächlich haben Märzendorfer und Hummer bzw. thilges3 schon häufiger zusammengearbeitet - und so fand etwa auch 2000 in Wien eine Eis-Sound-Performance statt. Damals allerdings gab es gefrorene Koffer mit gefroreren Revolvern drin, was vermutlich einen kleinen Unterschied machen dürfte. Einige Eindrücke dazu lassen sich einem Artikel aus dem Skug-Archiv entnehmen.
Und auf den (hier unbotmässig, aber was will man machen, aus dem Frame extrahierten) Soundproben-Seiten von thilges3 scheint es auch eine Probe zu geben, die zur CD "rosner" gehört und deren Aufnahme immerhin laut Beitext von einem Konzert stammt, das in einem mit Eisskulpturen gefüllten Raum statthatte (Ohrzucker hier als mp3).

Ansonsten sieht es aber ganz so aus, als sollte man doch heute abend um 20.00 Uhr im Tesla vorbeischauen, wenn man gemeinsam mit den Frozen Records zu den entsprechenden Sounds dahinschmelzen will...


P.S.
Für diejenigen potentiellen Eiskristall- bzw. Schneeflockenfans, die weder vergangenen Sommer der GUNSTradiosendungen zum Thema teilhaftig wurden noch auch Lust verspüren, deren Kommentierung in diesem LogBuch zu besuchen, hier noch einmal der Anker zu jener Seite, auf der so ziemlich alles zu finden ist, was Sie schon immer über Schneeflocken wissen wollten, aber nie zu fragen wagten...

Von miss.gunst am 24.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.02.06

Hundeschiessen in der Dachkantine

dsdk_ksw.gifDass die Zürcher Dachkantine ihre Pforten schliesst, ist schon schlimm genug. Und nun soll im Rahmen der Feierlichkeiten, mit denen die letzten Tage des legendären Clubs seit einiger Zeit ein und nun definitiv auch ausgeläutet werden, auf - womöglich unschuldige - Hunde geschossen werden?

Kein Wunder, dass so ein Laden dicht machen muss, könnten Aussenstehende denken. Aber natürlich handelt es sich nur um die übliche Veranstaltungskalenderrhetorik, die bekanntlich gerne mal "Menschen! Tiere!! Sensationen!!!" verspricht.

snm_g.gifVerantwortlich für die entsprechende Ankündigung zeichnet der Studiengang Neue Medien (SNM) der HGKZ Zürich. Der lässt aus gegebenem Anlass am heutigen Donnerstag (23.03.06) seinen Digitalen Salon in der Dachkantine stattfinden und hat dem Abend das Motto "Shoot that Dog" verpasst. Vermutlich ist damit so etwas wie ein Gnadenschuss gemeint - aber inwiefern das aufs Programm passt, scheint mindestens dem Medium im Vorfeld noch ziemlich schleierhaft.

Denn eigentlich wird um ein anderes (in diesem LogBuch auch schon verschiedentlich behandeltes) Thema gehen, nämlich "Glitch":

Der Ausrutscher, die provozierte Störung im System wird mit Spiel-Objekten zum Programm eines Abends von und für Kunstfiguren. Ausstellung, Musik und Performances von Absolvent/innen des Studienbereichs Neue Medien HGKZ.

Ab 20.00 Uhr, also zu einer für die Dachkantine eher exotischen Zeit, wollen uns die Beteiligten - darunter auch Roland Roos, der zur Vorbereitung auf das Ereignis die Woche über einen seiner Rolywholyover-Workshops angeboten hat (mehr dazu im Eintrag vom 23.11.05), spezialmaterial und Sven König mit einer sCrAmBlEd?HaCkZ!-Soundperformance - näher bringen, wie dieses Versprechen eingelöst werden kann.

Dass dabei Hunde zu Schaden kommen werden, steht aber eher nicht zu befürchten (was nicht unbedingt heisst, dass man welche mitbringen sollte - es sei denn man ist sehr sicher, dass sie echte Glitch-Fans sind). Insofern lässt sich der Abend sicherlich allen, die an einem experimentelleren Umgang mit Musik und Medien interessiert sind, guten Gewissens und ganzen Herzens empfehlen.
Das detaillierte Programm ist wahlweise im News-Bereich der SNM-Heimseiten sowie direkt beim Digitalen Salon abzuholen (ebendort jeweils auch als praktisches pdf).

P.S. Nur beiseit, aber doch als etwaige Alternative: Denjenigen, denen heute abend Basel näher als Zürich liegt, möchte das Medium allerdings auch noch einmal um 20.00 Uhr den Weg ins [plug.in] nahe legen, wo sich an einem Künstlergespräch mit SONOgames teilnehmen lässt.

Von miss.gunst am 23.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.02.06

Freizeitland (SONOgames)

sg1_sw.gifNach den Ausflügen ins Unter- und Überirdische wirds wohl Zeit, sich mal wieder auf den Boden schnöder Alltäglichkeit zurückzubegeben.
Also ab in die eigenen vier Wände und dazu das als Mantra das Motto "Trautes Heim - Glück allein" gemurmelt?
Nunja, ganz so einfach wollen wir es uns auch nicht machen.

Schliesslich kursiert nicht umsonst schon seit einigen Jahren die Parole vom "Intelligenten Ambiente": Also dem klugen Kühlschrank in der Küche, der kurz bevor die Milchvorräte zuende gehen Alarm schlägt, dem Bett, das uns liebevoll in den Schlaf singt oder über untreue Lover hinwegtröstet, und vorab natürlich der Eingangstür, die zwischen Freund und Feind zu unterscheiden weiss. Oder so ähnlich.

Allerdings sind die meisten der phantasievolleren Vorstellungen vom selbstdenkenden Haus aus guten Gründen bzw. mit Blick auf nahe liegende Unwägbarkeiten bislang Science Fiction geblieben (hallo HAL!).

sg2.gifGleichwohl: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Im Basler [plug.in] - das seinerseits mal programmatisch als öffentliches Wohnzimmer mit Netzanschluss startete und noch heute eine entsprechend benamste Veranstaltungsreihe pflegt - sind derzeit Niki Neeke und Gilbert Engelhard mit ihrem Projekt SONOgames zu Gast.

Unter diesem Dach beschäftigen sich die beiden schon seit einiger Zeit mit

interaktive[n] Computerspiele[n], die den Besucher in künstliche Welten versetzen, in denen sich dieser explizit nur anhand von Klangereignissen und Klangveränderung orientieren soll.

Klingt nach schwerem VR-Geschütz, für dessen Erleben man sich erst mal ein kiloschweres Häublein überstülpen und eine Datenhandschuhpranke anziehen muss, um dann wie weiland Don Quichote zur allgemeinen Belustigung der Aussenstehenden in einem leeren Raum gegen simulierte Windmühlenflügel anzutreten? Weit gefehlt.

In der aktuellen Aussellung der beiden - die nicht von ungefähr "Leisureland II", also ganz gemütlich: Freizeitland heisst, fühlt es sich beinahe wie zuhause an. Beinahe, denn mutmasslich verfügt dann doch nicht jede/r daheim über ein derart respektables Trödelarsenal. Jedenfalls warten allerlei mehr oder weniger gewöhnlich ausschauende Dinge darauf, einer mehr oder weniger gewöhnlichen Nutzung zugeführt zu werden. Um dann allerdings mit der einen oder anderen Überraschung aufzuwarten. Das Wohnzimmermobiliar erweist sich nämlich als veritable Klanginstallation.

Unglaublich in diesen Zeiten, aber scheinbar Tatsache, dass weder Neeke noch Engelhard noch das Projekt selber über eigene Heimseiten verfügen. Aber Neugierig gewordenen lassen sich doch ein paar Empfehlungen weitergeben:
Hintergründe zum SONOgames-Konzept sind beispielsweise in der Studienarbeit nachzulesen, die Niki (damals noch mit ck?) Neeke 2000 am Basler Elektronischen Studio verfasste.

Und wer zusätzlich zu diesen werbenden Worten noch ein paar Bilder aus der Ausstellung zum Anfixen braucht und/oder sich eine kleine Einführung zu Gemüte führen möchte, dem bzw. der sei wärmstens der Artikel über Leisureland II empfohlen, den Annina Zimmermann für Regioartline geschrieben hat.

Ansonsten aber lautet die Parole: Ab ins [plug.in] und das Freizeitland selbst geniessen - denn das geht nur noch bis einschliesslich dieses Wochenende (26.02.06).
Besonders bietet sich ein Besuch am morgigen Donnerstag (23.02.) an. Dann werden Neeke und Engelhard nämlich in einem Künstlergespräch Näheres über SONOgames berichten und zu "Leisureland II" Rede und Antwort stehen.

  • Die Daten:
    SONOgames - Leisureland II
    [plug.in]
    St. Alban-Rheinweg 64, Basel
    Mi-So 14.00 bis 18.00 Uhr
    Do 14.00 bis 18.00 Uhr und 20.00 bis 22.00 Uhr
    noch bis 26.02.06
    Künstlergespräch am Donnerstag, 23.02.06 um 20.00 Uhr
  • [Bildchen: Wie so oft keine Kunst und schon gar nicht die hier referierte, sondern schlichte Meditationen des Mediums zur entsprechenden Materie...]

    Von miss.gunst am 22.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    21.02.06

    Überirdisches

    sterne_k.gifNachdem der letzte Eintrag dezidiert dazu verführen sollte, sich auf imaginäre Reisen ins Erdinnere zu begeben, liegt es ja fast nahe, sozusagen zum Aus- oder auch Vergleich direkt anschliessend die umgekehrte Perspektive zu empfehlen.

    In Richtung Sterne träumen lässt sich natürlich jederzeit - ob und wie sie sich hingegen dem unbewaffneten Auge zeigen, ist eine andere Frage.
    Die derzeit kürzer werdenden, aber noch hinreichend langen Nächte allein sind beispielsweise keine Garantie, eines bilderbuchschönen Sternenhimmels ansichtig zu werden.
    sterne_g.gifAllzugern machen niederträchtige Wolken von der im Luftraum nur schwer zu kontrollierenden Versammlungsfreiheit Gebrauch. Dahinter mag es uns treu entgegenblinken, allein: sehen können wir das Gefunkel nicht.

    NetznutzerInnen wissen sich da allerdings zu helfen. Weil die Steilvorlage von Agnes Meyer-Brandis nun aber nicht gestattet, an dieser Stelle einfach eine schnöde Webcam ins All zu verankern - ein bisschen Imaginationstraining darf doch dabei sein, oder? - sollen es für heute eher ein paar Hinweise auf alternative Wege zu den Sternen werden.

    Dem nach dem tm-Berichtsmarathon etwas faulen Medium kommt es da sehr entgegen, dass sich vor mehr als zwei Jahren schon die KollegInnen von artificial.dk ans Sternensammeln gemacht haben.
    So kann es sich bequem darauf bescheiden, auf ihre kleine, kenntnisreich kommentierte Kollektion Net.Stars zu verweisen.
    Und ansonsten schönes Sternenzählen zu wünschen - das, so soll es schliesslich sein, sowohl bei bewölktem Nachthimmel als auch am hellichten Tag funktioniert.

    Von miss.gunst am 21.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    20.02.06

    Unterirdisches (tm 06-Nachlese, Finale)

    esbs_01.gifZum Wochenbeginn nun endlich noch das transmediale-Rückblick-Finale. Wie treue LeserInnen schon bemerkt haben werden, fehlte bislang ja noch ausgerechnet jene Arbeit, die in diesem Jahr bei den Awards auf Platz Eins gelandet ist:
    Agnes Meyer-Brandis' "SGM-Eisberg-Sonde".

    Die Projektbeschreibung auf den tm-Seiten verspricht tatsächlich ein ziemlich sensationelles Erlebnis:
    esbs_02.gif

    "Die SGM-Eisberg-Sonde ist ein taktiles Suchgerät zur Erforschung subterraner Eisberge unter Eishallen und anderer verborgener Möglichkeitswelten. Dank 'Side-Scan View' gewährt sie eindrucksvolle horizontale Einblicke in Bodenschichten, Eishöhlen und den dort vorkommenden subglazialen Lebensformen bis zu einem Radius von einem Meter ab Sondenkopf. Anhand von 'Schnur-Fühlen' kann die Sonde vertikal durch ein Bohrloch navigiert und eine Wanderung durch unbekannte Strata vollführt werden. Der Faden verschwindet in unendliche Tiefen und ist ein sensibles Interface zwischen zwei Welten. Informationen über die Tiefenschichten und ihre Lebewesen werden visuell auf dem Monitor am Bohrlochrand und akustisch via Kopfhörer übertragen."

    Klingt toll, oder? Die erste Begegnung mit der Arbeit - oder dem, was man zunächst einmal für die Arbeit halten konnte - fiel allerdings tendenziell leicht enttäuschend aus. Der Sperrholzaufbau mit den grossen Klapptafeln in der SMILE MACHINES-Ausstellung nämlich, dessen Erscheinung andeutungsweise an jene Dokumentationszentren erinnerte, wie sie auf Seevogelbeobachtungsstationen oder Bergstationen mit Publikumsverkehr zu finden sind, liess noch nicht unbedingt ahnnen, dass es sich hier um die Preisträgerarbeit und einen echten Besucher-Renner der transmediale handelte: Eine der üblichen, liebevoll improvisierten Als-Ob-Architekturen, wie man sie in den letzten Jahren allzu oft in Ausstellungen gesehen hat. Forschungsfakes und -parodien feiern schliesslich schon lange Konjunktur in einer Zeit, in der die Wissenschaften auch sonst ziemlich erfolgreich mit den Künsten konkurrieren - vor allem, was Anerkennungswerte in Sachen Kreativität und Innovationspotentiale inklusive der damit verbundenen Mittelzuwendungen betrifft.

    Dass es dabei ausgerechnet um Bohrkerne gehen sollte, mochte die Sache auch nicht unbedingt spannender machen: Schon klar, dass sich Geologen von diesen Dingern regelmässig in echtes Verzücken versetzen lassen. Für Laien sind und bleiben sie jedoch tendenziell eher mässig attraktiv. Schnöde Stangen aus schrundigem Dreck eben.
    Was enstprechende Referenzen, schon gar in einer Ausstellung zu Kunst, Medien und Humor zu suchen haben sollten, war auf den ersten Blick jedenfalls allerdings alles andere als klar.

    Tatsächlich ist es aber unerlässlich, der Arbeit einen zweiten Blick zu schenken - und zwar einen Stock tiefer, in einem der Innenhöfe der Akademie. Dort nämlich hat Agnes Meyer-Brandis ein Zelt errichtet, das Zugang zu den eigentlichen Geheimnissen bietet. Die wiederum liegen in einem imaginären Erdinneren, in das uns die besagte SGM-Eisberg-Sonde führt.

    Für eine Vorbesichtigung des Zeltes lassen sich die Flickr-Photos von Régine empfehlen, die der Arbeit in we-make-money-not-art natürlich ebenfalls einen kleinen Artikel gewidmet hat.

    Ansonsten lohnt es jedoch spätestens an diesem Punkt, direkt auf Agnes Meyer Brandis' Heimseiten zu wechseln, die - der schon mehrere Jahre währenden, konsequenten Forschungsarbeit der Künstlerin entsprechend - den Namen Forschungsfloss tragen und dem 2003 von ihr begründeten Institut für Riffologie eng verbunden sind.

    esbs_03.gifDas Medium verspricht: Eine eingehende Beschäftigung mit der Geschichte und einigen bisherigen Projekten des Institutes (namentlich vielleicht dem Bohrkernlabor und Elfenscan, von dem das Medium aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann, dass es sich um ein in jeglicher Hinsicht erhellendes und verzauberndes Unternehmen handelt) wird ganz sicher für einen kurzweiligen Einstieg in die Woche sorgen.
    Nicht zuletzt findet sich unter den ebenso minutiösen wie mit Liebe zum Detail aufbereiteten Dokumentationen natürlich auch eine zur SGM-Eisbergsonde.
    Sogar die partielle Entzauberung selbst fällt ziemlich zauberhaft aus - oder etwa nicht?

    Ob eine solche Arbeit je gute und ob der transmediale-Platzierung dann noch bessere Chancen auf dem Kunstmarkt hat (wie das die gestern zitierten Interview-Äusserungen von Andreas Broeckmann indirekt schliessen lassen müssten), wagt das Medium mal zu bezweifeln. Aber vielleicht ermuntert der Award ja weitere offizielle Stellen zur Vergabe einer Forschungsförderung.

    [Bildchen: Stammen natürlich nicht vom Forschungsfloss. Und leider ist das Medium eine denkbar unbegabte wissenschaftliche Zeichnerin. Dachte dabei jedenfalls fest an eine Schnur-Fühl-Sonde, wie sie tiefer und tiefer in die Schichten der Datenbank dringt, die unter diesem LogBuch lagert...]

    Von miss.gunst am 20.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    19.02.06

    tm06: Preise(n), Blätter, Blüten (Nachlese, Teil IV)

    tm6s_sw.gifWird eigentlich langsam Zeit, die transmediale-Nachlese abzuschliessen.
    Ein paar Kleinigkeiten hat das Medium aber noch in seinem Kulturbeutel - und zum schönen Sonntag resp. der guten Tradition, diesen Tag Feuilleton-Lektüren zu widmen, passt eine weitere Folge der Blätter- und Blütenlese doch ganz gut.
    Daher ein paar Tipps, wo sich weitere Berichte nachlesen, -hören und -schauen lassen.

    Und wie im letzten Eintrag bereits angedeutet, dürfen heute dann durchaus mal ein paar kritischere Töne dazu kommen.

    tm6s_2.gifDass man Pogramm und Programmatik des diesjährigen Festivals trotz des charmanten Schwerpunktes "Humor" nicht unbedingt unhinterfragt bejubeln musste, hatte als advocatus diaboli bereits Sebastian Lütgert von rolux.org in seinem (ansonsten alles andere als humorfreien) Beitrag zum Eröffnungspanel der Konferenz demonstriert. Unter anderem fragte er in seiner exemplarischen Lektüre des Ankündigungstextes, in welchem vollmundiges Folgendes über eine Phalanx aus Kunst und Humor geschrieben steht:

    Humor ist eine der wichtigsten Methoden, durch die Künstlerinnen und Künstler sich mit gesellschaftspolitischen Prozessen kritisch auseinandersetzen und die Möglichkeiten gesellschaftlicher Veränderung erkunden. [...] So reagierten die Dadaisten auf den Wahnsinn des Ersten Weltkriegs, die Situationisten auf die Krise der Nachkriegsmoderne, und die Netzaktivisten auf die neuen Strukturen der Globalisierung. [...] Humor ist eine Überlebensstrategie der politisch engagierten Kunst.

    nach den Konsequenzen, die aus einem Blick auf die historischen Entwicklungen zu ziehen wären. Schliesslich hätten ganz offenkundig weder die Dadaisten den Zweiten Weltkrieg verhindern noch auch die Situationisten dauerhaft der bürgerlichen Selbstgefälligkeit eine Alternative entgegensetzen können. So müsse man dieser Überlebensstrategie wohl eher Misserfolge bescheinigen. Keine guten Perspektiven also für den künstlerischen Humor bzw. dessen etwaige gesellschaftliche Relevanz.

    Immerhin trug er, auch mit der Art und Weise seines Vortrags, aktiv dazu bei, dass das Konferenz-Panel tatsächlich als Veranstaltung zum Thema wahrgenommen werden konnte. Was - ohne damit gleich die Qualität der Vorträge im einzelnen dissen zu wollen - in den folgenden Konferenztagen keineswegs so durchgängig der Fall sein sollte.

    Um etwas konkreteres Futter dazu anzubieten, nun jedoch gleich zu den versammelten tm-Review-Lektüre-Tipps.

    tm6s_1.gifInsgesamt noch eher von positiver Warte fiel der Rückblick der De:Bug-Abgeordneten aus, mit dem man vielleicht ganz gut starten kann, weil er auch eine gut gebündelte Übersicht über das Gesamtprogramm mitliefert. Mindestens aus Sicht des Mediums lässt sich freilich nicht nur unterschreiben, was hier über die Höhepunkte des Festivals und insbesondere der Konferenz (nämlich die Präsentationen Janet Cardiff, Michael Bull und Jean Jacques Perrey) bemerkt wird. Sondern auch gleich die gesamte Überschrift:
    Try Again, Fail Better.

    Der Mut zum Risiko und zur Auseinandersetzung mit unbequemeren Arbeiten - insbesondere solchen, die sich nicht so gut in die Raster des Betriebssystems Kunst einpassen lassen - schien jedenfalls doch ein wenig zurückgegangen zu sein. Nein, ein Konferenz-Panel zu Trangressions mit Porno-Einlagen von Shu Lea Cheang macht da noch keinen Frühling - zumal letztere eigentlich ganz anschaulich demonstrierte, wie sowieso immer wieder alles, was Konflikte erzeugen könnte, von den Organen eben dieses Betriebssystems abgeschliffen wird.

    tm06s_wmmna.gifSelbst eine der enthusiastischsten Blog-BegleiterInnen des diesjährigen Festivals, Régine Debatty von we-make-money-not-art, seufzte Anfang der gerade endenden Woche (in einem auch ansonsten lesenswerten Beitrag zur MobLab-Präsentation):

    I'm still trying to figure out how much exactly i should be disappointed by Transmediale.

    Anders als das Régine bescheiden vermutete, dürfte letzteres aber nicht unbedingt daran gelegen haben, dass es für sie selbst das erste tm-Festival gewesen ist. Im Gegenteil: Gerade von jenen, die diese Festivalkategorie im allgemeinen und insbesondere der transmediale schon häufiger einen Besuch abgestattet haben, waren in diesem Jahr von fundierter Argumentation begleitete kritischere Töne zu vernehmen.

    Mit den Ankern zu selbigen will sich das Medium für heute denn auch gleich wieder auf andere Baustellen verabschieden - im guten Gewissen, damit für hinreichendes Lese- und Grübelfutter gesorgt zu haben.

    tm06s_maz.gifAls da wäre zum einen ein längerer Artikel von Armin Medosch (früher mal u.a. bei telepolis für die Netzkulturredaktion zuständig) im MAzine, einem Magazin der Postgraduate-Studierenden im Bereich Interactive Digital Media am Ravensbourne College of Design and Communication (das in einer älteren Ausgabe auf der tm auch in Papierform auslag; insgesamt empfehlenswert, beseit):
    Good Bye Reality! How Media Art Died But Nobody Noticed.

    Sowie zum anderen zwei Beiträge der Regioartline- und click here-Kolleginnen Villö Huszai und Annina Zimmermann, jeweils in beiden Magazinen ins Netz gestellt. Von ersterer lässt sich noch einmal ein Artikel nachlesen, der zunächst im NZZ-Feuilleton erschienen war (dort im online-Archiv nach kurzer Halbwertszeit jedoch nurmehr kostenpflichtig abzurufen ist) und nicht von ungefähr eine ganz ähnliche Frage stellt wie der von Medosch: Transzendiert die transmediale die Medienkunst?

    Quasi als Hintergrund-Information zu dieser Frage resp. ihrer Beantwortung gibt es nämlich noch ein Team-Interview mit Andreas Broeckmann, in dem sich einige vielsagende Aussagen zur Sicht des Programmdirektors auf die Dinge finden.

    So bekommt beispielsweise eine an sich vielleicht noch nicht verdächtige Aussage wie:

    "Es gibt zum Glück immer mehr Künstler, die sich mit Medien auf einem hohen technischen Niveau auseinander setzen, die ihre Arbeiten sehr bewusst für den Kunstkontext konzipieren." [A.B.]

    tm06s_ral.gifeinen etwas seltsamen Beigeschmack, wenn im Absatz zuvor dezidiert auf die 'positive' Entwicklung verwiesen wurde, dass auf Festivals vorgestellte KünstlerInnen zunehmend auch auf dem Kunstmarkt Anklang fänden:

    "Dadurch dass wir jetzt die grosse Ausstellung zeigen können, erreichen wir viel eher ein allgemeines Kunstpublikum. Sehr viele Leute aus der Berliner und der deutschen Kunstszene kamen zur Eröffnung, weil es eine grosse Kunstausstellung war. Die kommen sonst eher nicht zur Transmediale, die ist denen zu kleinteilig. Inzwischen gibt es aber einige Kunstagenten und Galeristen, die sehen, dass ein Markt da ist. Ich denke dabei z.B. an Raffael Lozano-Hemmer, der vor zehn Jahren für den Markt überhaupt nicht interessant war und der vor zwei Jahren an der Art Unlimited in der Kunstmesse Basel seine Installation gleich doppelt verkauft hat." [A.B.]

    Und umso bedenklicher klingt das, wenn es an anderer Stelle mit Blick auf die 1990er Jahre und die in dieser Zeit unter dem Label 'net.art' florierende webbasierte Kunst unter Verweis auf ein anderes Ausstellungskonzept, das vergangenen Herbst in Banff realisiert wurde, heisst:

    "Da wurden auch Arbeiten von Heath Buntings Server www.irational.org präsentiert, lagen Flyer in Vitrinen und Heath Bunting war da und hat irgendetwas an die Wand geheftet. Aber von dem, worum es eigentlich ging, war fast nichts mehr übrig. Man kann da zwar einen Rechner hinstellen, in dem man die Mappenstruktur des irational.org-Servers nachvollziehen kann. Aber was das als sozialer Organismus war und wie es eingebaut war in netzkulturelle Prozesse, das ist so überhaupt nicht zu vermitteln." [A.B.]

    Soll man daraus etwa schliessen: Bitte jetzt schon nurmehr das fokussieren, was auch morgen noch lecker anzuschauen und am besten auch zu verkaufen sein wird? So kann und sollte das sicher nicht funktionieren. Gerade Festivals haben schliesslich die Aufgabe, zu vermitteln, was in anderem Rahmen schwer oder nicht vermittelbar ist. Auch in historischer Perspektive.

    Meint jedenfalls das Medium. Und wo ansonsten sein eigener Feuilleton-Senf zur Sache bleibt? Von den Bemerkungen im LogBuch mal abgesehen hab es dazu gestern eine Stunde Radio auf dem Frankfurter RadioX. Das leider noch immer nicht wieder als Webradio funktioniert. Online also allenfalls später mal mehr aus dem Sendeprotokoll. Und ansonsten, angedroht, aber auch versprochen: Nur noch ein Nachtragsbröckchen morgen hier...

    Von miss.gunst am 19.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    17.02.06

    tm06: Preise(n) ff. - Burn Station (Nachlese, Teil IIIc)

    bst_sw.gifUnd noch einmal zu einem der Preisträger-Projekte der diesjährigen transmediale-Awards. Wieder ist Musik drin - und diesmal wandert das Ganze sogar in den Zettelkasten dieses LogBuchs.

    Denn die Burn Station der spanischen Initiative platoniq hat sich erklärtermassen dem D.I.Y.-Prinzip verschrieben. Und zwar rundum, wie in der Projektinfo nachzulesen ist:

    bst_g4.gif

    "BURN STATION is a mobile copying station which - as it travels through suburban spaces - supports the free distribution music and audio. It is software as well as a local network. But above all BURN STATION is a social event which congregates people together to listen, select and copy net label and net radio audio files with a Copyleft Licence. BURN STATION is an open source and a non-commercial project involving the new means of free networked distribution. It is based on the BURN STATION software which was developed by Platoniq and Rama as a 100% Free software. BURN STATION aims to establish links between the media space and the physical space of the city."
    [Projekttext auf Deutsch? Gibt es auf den tm06-Seiten]

    Eben deswegen besteht die Burnstion nicht nur aus einem Programm und einer Netzplattform, sondern geht tatsächlich auch als mobile Musiktausch-Börse auf Tour - wie aktuell zur transmediale nach Berlin.

    Sich aktiv beteiligen kann man aber mitnichten nur, wenn die mobile Burn Station vor Ort gastiert. Mittlerweile gibt es nämlich noch eine zweite Webseite, burnstation.org - und auf der findet sich neben detailliertere Projektinformantionen das Programm in einer Beta-Version zum Herunterladen. Ausserdem wird Screenshot für Screenshot erklärt, wie ein erfolgreicher Besuch bei der Burnstation vor sich geht.
    Und wer mal einen Blick auf die verfügbaren Inhalte werfen möchte, kann dies über die zugehörige Netjuke-Datenbank tun.

    bst_g3.gifUnd last but not least bietet die Burnstation-Community über burn.fm noch eine Live-Webradiostation (insofern hätte glatt noch ein WRT in den Eintragstitel gehört; allerdings vernahm das Medium bei seinen bisherigen Tests lediglich den Trailer), ein Audio-Archiv, in dem spezielle Live-Sessions gelagert und abgerufen werden können (funktioniert, und zwar gut, z.B. die Hard Disko Vol XXX-Einspielung Platoniq - Burn.fm vs Scannerfm.com Feat. Andres Noarbe-geometrik + Burnstation en Madrid, m3u) - und natürlich ein Blog.
    Um letzteres mitlesen zu können, muss man allerdings der spanischen Sprache mächtig sein. Die Musik dagegen funktioniert ebenso wie die Burnstation selbst zweifelsohne international.

    Klar, dass das Medium diese tm06-Awardvergabe ohne Limitationen unterschreibt. Wer jetzt allerdings denkt, es sei ohne wenn und aber unter die Jubilanten gegangen - nunja, warten wir mal ab, was der morgige Eintrag bringt.

    [Bildchen: Stammen samt und sonders von den hier verankerten Burnstation-Seiten.]

    Von miss.gunst am 17.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    16.02.06

    o.blaat in concert (und kurokawa)

    obs1_k.gifAus aktuellem Anlass muss die kleine Reihe der tm06-Rückblicke mal kurz unterbrochen werden. Um auf Konzert hinzuweisen, das heute abend (16.02.06) im Zürcher Walcheturm stattfinden wird.

    An diesem schönen und aus guten Gründen schon vielfach in LogBuch des Mediums umworbenen Ort kann man derzeit - um nebenbei noch einen weiteren Hinweis loszuwerden - eine Ausstellung mit Arbeiten von Ryoichi Kurokawa sehen, "time sculpture" (Singular) betitelt und drei neuere audiovisuelle Installationen des in Osaka lebenden Künstlers umfassend.
    obp_k0.gifComputergenerierte bzw. digital bearbeitete Bilder in wandhohen Projektionen, in einer Art Parallelprozess dazu Soundschleifen - um Interferenzen zwischen den drei Arbeiten zu vermeiden bei zweien über Kopfhörer ausgegeben; diejenige, von der ein Standbild die Einladungskarte ziert (schaut sehr schön aus, eine Art frei im Raum flottierende Gewebefalte), darf stellvertretend das Environment beschallen.
    Prädikat: Optisch wie akustisch angenehm, ungeachtet eines gewissen Hangs zum Noise fast ein bisschen einlullend - nicht wirklich aufregend, findet das Medium. Jedenfalls nicht im gewählten Ausstellungsformat, in dem die Bildklangräume (trotz der Kopfhörer, eben allein schon auf der Bildebene) einander zu nah auf den Pelz rücken, was letztlich wechselseitige Nivellierung zur Folge hat. Möglich, dass das bei einer Live-Aufführung völlig anders aussieht - das Konzert am 04.02., noch im Vorfeld der Ausstellungseröffnung in der Reihe segment.e, hat das Medium leider verpasst. [Was es auch insofern bedauert, als an diesem Termin Markus Maeder und Jasch ihr aktuelles Projekt "Les machines désirantes" vorstellten. Na dann, hoffentlich ein andermal...]

    Anzunehmen allerdings, dass die drei Arbeiten von Kurokawa für den heutigen Abend abgeschaltet werden - für einen Ausstellungsbesuch sollte man also etwas früher vorbeischauen (empfiehlt sich bei Interesse, denn die Schau schliesst am Wochenende schon wieder die Pforten).

    obp_k1.gifDas heutige Konzert jedenfalls wird o.blaat a.k.a Keiko Uenishi bestreiten. Zwar weiss das Medium aus eigener Kenntnis beschämenderweise wenig zu sagen resp. zu schreiben. Über die Heimseiten der Künstlerin lassen sich jedoch einige sympathiegenerierende Informationen einholen, Ohrzucker inklusive.

    Zur Einführung sei die Lektüre eines netten Interviews in bzw. auf petitemort ans Herz gelegt, zu dem übrigens der Umweg über den bescheiden "boring" betitelten CV-Bereich führt.
    obp_k2.gifZu Akustischem wiederum lässt sich zum einen über den Bereich "yep" gelangen, wo über einen Anker zu crónica (und dort dann weiter über die KünstlerInnenliste) zwei Kostproben aus der Produktion "Two Novels: Gaze / In the Cochlea" bereitliegen. Und weitere Infos, Fotos etc. sowieso.
    Und zum anderen, naheliegender Weise, über den Bereich "get", wo es neben einem Anker zu einer Sendung des österreichischen kunstradio (mit beinhart fiependem m3u und nett animiertem Bildchen) auch einige Stücke direkt zum Herunterladen hat.

    Aus dieser Auswahl empfiehlt das Medium abschliessend vielleicht noch das Stückchen mit dem schlichten Titel "sui" (mp3) zu testen.
    Und ansonsten eben, sich heute Abend selbst ein Bild von o.blaats Künsten zu machen bzw. entsprechende akustische Eindrücke zu verschaffen.

    Merci an Monya für den Hinweis.

    [Bildchen: Stammen bzw. stammt aus dem Archiv des Projekts "Share", in dessen New Yorker Filiale sich o.blaat engagiert. Wie unschwer zu erkennen, stellt das unterste sozusagen die Mutter der Flickenfamilie vor; ein Flyer mit dem passenden Namen Patches, der laut Bildkommentar o.blaat zusammen mit Adam Kendall zeigt.]

    Von miss.gunst am 16.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.02.06

    tm06: Preise(n) ff. - Vexationen (Nachlese, Teil IIIb)

    vex0.gifHeute wird in der Mini-Serie-in-der-Serie zu den transmediale-Awards eine weitere gekürte Arbeite näher angeschaut. Und zwar eine, die nachgerade zwangsläufig früher oder später in den Radar eines Logs im Radius von Musik, Medien und Kunst gehen musste.

    Nämlich die Installation "Vexations - Composition in Progress" von Yuko Mohri und Soichiro Mihara - in der Akademie der Künste etwas abseits auf dem Weg zwischen Konferenzsaal-Vorraum und Salon untergebracht.

    vex1.gifWie vergleichsweise leicht zu erraten ist, nimmt die Arbeit ihren Ausgangspunkt in den Vexations von Eric Satie (zu dem neben der hier verankerten Kompaktinformation aus der Wikipedia weiterführend die von Niclas Fogwall in Zusammenarbeit mit dem Pariser Satie-Archiv erstellte, umfangreiche Eric Satie-Dokumentation wärmstens empfohlen sei).

    Eine Klavierkomposition von nur wenigen Takten, einem Thema und zwei Variationen - die nach Saties Vorstellung jedoch 840 (in Worten: achthundertundvierzig) Mal in Folge gespielt werden sollten. Kein einfaches Unterfangen - doch seit John Cage das Ganze prominent in Angriff nahm, erfreuen sich die Vexations (nunja: in der Regel mit wechselnden PianistInnen) bis heute immer wieder neuerlicher Aufführungen, an denen teilzuhaben durchaus auch an das Publikum gewisse Anforderungen stellt.

    Wie Yuko Mohri und Soichiro Mihara nun diese Arbeit weiterführen, ist ausführlich den Projektseiten zu ihrer "Composition in Progress" (seit 2003) zu entnehmen.

    In einer ersten Version des Projekts wurde Saties Komposition auf einem Klavier gespielt, das über Drähte mit den Wänden verbunden war, auf denen wiederum Kontaktmikrophone die Schwingungen aufnahmen; Verstärker gaben den Sound in den Raum zurück.

    vex3.gifAuf der transmediale war dagegen Version 2 zu sehen resp. zu hören. Nachdem das Thema auf einem der ältesten in Japan konservierten Klaviere aufgenommen wurde (ein Bild findet sich unter 'Referenzen'), übernimmt die Vexationen selbst ein Computersystem. Klarerweise ein zuverlässiger Partner als um ihre Konzentration ringende PianistInnen, was Repetitionen angeht.
    Allerdings sorgt die Installation dafür, dass die Loops zusätzliches Futter aus der jeweiligen Umgebung erhalten: Jede Ausgabe wird durch den Raum geschickt und dann wieder eingespeist; folglich werden die Variationen von Mal zu Mal weiter variiert.

    Kaum merklich, muss das lauschende Medium bescheiden. Oder nicht? Es gibt zwar eine Hörprobe und ein Video auf den Projektseiten. Aber im Grunde will die "Composition in Progress" natürlich vor Ort wahrgenommen werden - und verlangt von ihrem Publikum nicht weniger Geduld als das Original.

    vex4.gifSo soll es natürlich sein. Schliessen wir daher mit den mehr als wohlwollenden Worten der transmediale-Jury:

    By arranging and layering different kinds of software, the project makes repeated computerised processing possible. The piece starts as a monophony with 840 repetitions of itself. However, we gradually part from the music, and focus on frequencies that are comprised of the sounds, most intreguingly those gathered live within the exhibition-space. We can then experience unexpected and invisible spatial expansion as the physical and spatial features of the frequencies are emphasised and made to stand out. By arranging current computer software and multi-layering it in unexpected ways, its invisible state is revealed.

    Unsichtbares sichtbar machen, wie es Kandinskys Bauhaus-Kollege Paul Klee formuliert hätte? Ein zukünftiger Klassiker also, wenn man so will.

    [Bildchen: Wie schon häufiger hat sich das arme Medium damit gequält, selbst gemeinfreie Illustrationen zu erstellen. Warum die passen? Nunja. Angesichts bzw. -gehörs der sanften Klänge, die man mit Satie assoziiert und die sich dementsprechend auch in Mohri/Miharas Arbeit wiederfinden, muss vielleicht doch mal dran erinnert werden, das 'vexations' nichts anderes als Gemeinheiten resp. Quälereien heisst. Das dürften allerdings auch die willigsten Interpreten des Originals bestätigen. Inklusive ihrer Zuhörerschaft. Der Computer kann natürlich nicht jammern. Aber hat jemand auf der tm06 Menschen beobachtet, die seinem Stück mehrere Stunden am Stück ergriffen lauschten? Eben.]

    Von miss.gunst am 15.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.02.06

    tm06: Zu Preise(n)? (Nachlese,Teil IIIa)

    tmm1.gifWie schon vernehmlich geseufzt: Der Human Browser hat leider keinen Award auf der diesjährigen transmediale eingeheimst.
    Wollen wir also mal schauen, wer statt dessen die Heimreise aus Berlin mit einer offiziellen Preisung in der virtuellen Tasche antreten durfte.
    Und natürlich auch verraten, was aus Sicht des Mediums davon zu halten ist.

    Bekanntlich hat sich die transmediale im letzten Jahr entschlossen, die anfangs eigens eingeführten Preiskategorien ('interactive', 'software', 'video'; hier exemplarisch auf die tm01 verankert - später dann 'image' und 'software') wieder auf- und ihre Auszeichnungen sozusagen jenseits von Schubladen zu vergeben.

    tmm2.gifIm Prinzip durchaus lobenswert. Obwohl man sicher nach wie vor durchaus sinnvoll z.B. Tapes mit Tapes vergleichen könnte (schliesslich sieht sich die Berlinale auch nicht gezwungen, den Kinoproduktionen TV-Serien zur Seite zu stellen, um der Bandbreite aktuellen Medienschaffens Genüge zu tun). Würde man sich (noch) intensiver für Video als Video interessieren - was aber definitiv nicht der Fall ist; die Zahl der Screenings ist mittlerweile auf ein eigentlich trauriges Minimum geschrumpft.

    Aber zurück zu den Preisen: Ein bisschen seltsam mutet es schon an, wenn man sieht bzw. nachzählt, dass sieben Arbeiten von der Jury nominiert wurden (fünf erhielten ausserdem eine sog 'lobende Erwähnung') - und dann ganze vier prämiert, also nur 3 von 7 in den Pool zurückwanderten. Oder?

    Erstmal egal. Diesen vervierfachten ersten Preis teilen sich heuer jedenfalls Werke aus allen Kategorien - und als alte Liebhaberin der Gattung stellt das Medium erst einmal das gepriesene Vilmchen vor:

    Das Video -./ von Andres Ramirez Gaviria. Falls nicht im Rahmen des tm-Screenings gesichtet, kann man auf den Heimseiten des Künstlers kann man via Quicktime-Clip plus Stills und Code-Auszug auch online Einblick in die Arbeit nehmen, die auf Wassily Kandinskys Schrift "Punkt und Linie zu Fläche" von 1926 referiert.
    Deren Text wurde für das Video in Morsecode umgewandelt und dieser wiederum in Bild und Ton transformiert.

    tmm3.gifOptische Musik mit kunstgeschichtlichem Extra-Bonus also. Weshalb sich die Jury begeistern konnte, ist im Statement nachzulesen:

    "-./" by Andres Ramires Gaviria extracts fundamental sampling elements for visual imagery from an analysis of Kandinsky's "point and line to plane". When the constructing system and basic unit of imagery are reduced to their essential elements, and morse code is used as the time-axis in relation to their visual elements, a unique perceptual experience is provided by synchronized images and sounds. As the elements are minimal, the observer is set free from the usual visual and listening experiences and can experience a rare feeling of the present as a simple pulse both in a visual and auditory way. The image-pulse moves in diagonal lines, and dispels the former, stable visual experience or analysis. Therefore, it has succeeded in extrapolating the essential movement that is dynamic, sharp, and yet grooves, latent in the Kadinsky piece. This work does not look to Modernism but rather, looks towards a new direction of modern sensory-experience.

    Dem kann man mit Blick auf die Arbeit durchaus folgen. Wenngleich sich nichts desto weniger Fragen stellen liessen wie: Warum die Umsetzung in Morsecode - der 1926 nicht mehr wirklich eine tragende Rolle spielte? Wie steht eine solche Arbeit in Relation zu den Kandinsky zeitgenössischen Versuchen, (bewegtes) Bild und Sound in abstrakten Film zu fassen (mehr hierzu z.B. im Eintrag vom 14.01.06)?
    Und welche Beziehung zu Kandinskys eigener Auffassung von Theorie und Praxis stellt eine solche Arbeit möglicherweise suggestiv her - wenn der Künstler selber eine strenge Anwendung seiner eigenen Lehre eher im Bauhausunterricht denn in seinen eigenen künstlerischen Werken verfolgte? Was genau ist - last but not least - vor diesem Hintergrund unter "a new direction of modern sensory-experience" zu verstehen?

    Um sowohl seinen geneigten LeserInnen als auch sich selbst ein wenig Bedenkzeit zu gewähren, belässt es das Medium an dieser Stelle für heute mal mit den Überlegungen zur Preisvergabe. Morgen dann weiter und mehr...

    [Bildchen: Medium übt Morsen...]

    Von miss.gunst am 14.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.02.06

    Human Browser (tm06 Nachlese, Teil II)

    hb1_sw.gifUnd weiter geht es mit der transmediale-Nachlese. Um zugleich die gute Tradition fortzuführen, nach der zum Wochenanfang ein Zuckerl in den Morgenkaffee (resp. -tee) geworfen werden soll, widmet sich Teil II einer einzigen Arbeit, der mindestens das Medium am liebsten einen transmediale-Award verliehen hätte:

    Dem Human Browser von Christophe Bruno.

    hb1_g.gifDer Name ist tatsächlich Programm: Ein menschlicher Browser - auf der transmediale mehr als charmant verkörpert von der zauberhaften Manon Kahle - bietet uns seine Dienste an. Genauer gesagt: Kaum hat man Blickkontakt aufgenommen, legt das fleischgewordene Suchmaschinchen schon los und redet, was das Zeug hält.
    Was der Zuhörerschaft zunächst eimal wie ein Wasserfall mehr oder weniger sinnvoller Informationsbröckchen und -ketten anmuten mag, die sich mehr oder weniger lose an den lokalen Kontext andocken, ist tatsächlich (in leicht verzögerter Realzeit) aus dem WeltWeiten GeWebe gegründelt:

    Human Browser is a series of wireless Internet performances based on a Wi-Fi Google hack. Thanks to its headset, the actor hears a text-to-speech audio that comes directly from the Internet in real-time. The actor repeats the text as he hears it. The textual flow is actually fetched by a program (set up on a Wi-Fi laptop) that hijacks Google, diverting it from its utilitarian functions. Depending on the context in which the actor is, keywords are sent to the program and used as search strings in Google (thanks to a Wi-Fi PDA) so that the content of the textual flow is always related to the context.

    Nicht immer sinnstiftend, aber doch durchaus interessant - und vor allem: äusserst amüsant.

    hb2_g.gifKleine Kostproben der Performances auf der transmediale hat Christophe Bruno bereits als Video-Clips auf die Human Browser-Heimseiten gestellt. Da kann man dann zum Beispiel Andy Bichlbaum von den Yes Men (in der SMILE MACHINES-Ausstellung vertreten; im Hintergrund: Dieter Daniels) oder dem tm-Leiter Andreas Broeckmann beim unverhofften Googeln und Ankerverfolgen zusehen.
    Oder sich vom Human Browser durch die Ausstellung führen lassen.

    Derlei hat dem Medium, gewissermassen Artverwandtschaft wähnend, selbstredend grossen Spass gemacht.
    Um so bedauerlicher, dass der Human Browser - wie der Konjunktiv eingangs schon verraten haben dürfte - keinen der transmediale-Preise abgeräumt hat. Er gehörte nichtmal zu den Nominierten.

    Dabei handelt es sich doch nun wirklich um eine Arbeit auf der Höhe der Zeit: Eine denkbar prominente Applikation (Suchmaschine, Browser), ein aktuelles Thema der Netzkultur(kritik, nämlich an der Macht des grossen G), technisch avanciert umgesetzt (Wireless), kombiniert mit performativen Elementen, interaktiv zwischen On- und Offlinegesellschaft vermittelnd. Und obendrein noch zum Thema der transmediale (Reality Addicts! Humor!!!). Voilà!

    Von miss.gunst am 13.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.02.06

    tm06: Blätter- und Blütennachlese(n). Teil I

    tm6_2sw.gifWährend das Medium just zur transmediale-Zeit weitgehend auf sein scheintotes Blog verzichten musste, sind zahlreiche KollegInnen ziemlich fleissig gewesen.
    Da bietet es sich doch an, zum klassischen Feuilleton-Tag eine kleine Blätter- und Blütennachlese zur transmediale vorzunehmen.
    Ohne Anspruch auf Vollständigkeit selbstredend.
    Dafür getestet, mit den eigenen Eindrücken abgeglichen, entsprechend kommentiert und mit Unterfutter versehen. Und weil da so einiges dranhängt, gibt es heute erst einmal einen ersten Teil.

    Um es gleich vorab zu sagen:
    Nicht nur numerisch weit vorn ist - jedenfalls wenn man auf die deutsch- und englischsprachigen Blogs fokussiert (es gibt auch einige italienische, spanisch- bzw. portugiessischsprachige, niederländische undsoweiter; das Publikum kam diesmal wirklich aus allen Himmelsrichtungen zusammen) - wie so oft we-make-money-not-art. Wie gewohnt ausführliche Artikel mit vielen vielen Bildern [beiseit: von denen einige um anhängige Rechte besorgten Mitmenschen wahrscheinlich Schweissperlen auf die Stirne treiben würden - aber solange niemand muckt, freuen wir uns einfach mit an den opulenten Illustrationen].

    tm06_wmmna.gifBegonnen schon im Vorfeld am 31.01.02 mit Blick auf die bei c-base bis zum ersten tm-wochenende laufende Ausstellung "Reality Check", in deren Rahmen am 06.02. dann auch noch das dorkbot.bln-meeting stattfand. Ohne das Medium (und offenbar auch ohne Régine), daher hier nur zur Information.

    Berichte aus erster Hand gibt es zu mehreren Salon-Veranstaltungen und Panels, so zum Urban Media Panel.

    Auf dem stellte am Sonntag (05.02.) Tim Edler von realities:united das Fassadenbeleuchtungsprojekt SPOTS vor, bei dem sich tm-Leiter Andreas Broeckmann als Mitkurator mitverdient gemacht hat, um es mal bewusst etwas doppeldeutig auszudrücken. Die von Künstlern wie Carsten Nicolai gestaltete bewegte High Tech-Wandmalereien eine schicke Angelegenheit (kann das Medium bestätigen; auf den SPOT-Seiten lassen sich Standbilder satt und auch Videos betrachten - sogar eine Webcam hat es). Nunja, in Summa lässt sich wohl trotzdem frei nach Loriot sagen: Wie schön, dass es jetzt so schön ist am sowieso so schönen Potsdamer Platz. Da werden sich die Bürger dieser Stadt sicher nun richtig zu Hause fühlen und gern zum abendlichen Schwätzchen hinflanieren. Oder nicht?

    Nett jedenfalls, dass die Edlers [= Jan und Tim] im Interview von Deutschlandradio verraten, dass sie eine ganz profane Perspektive auf die Herrschaftsarchitekturgestaltung haben:

    Heute wissen die Brüder, was sie machen: Sie tunen Hausfassaden. Für sie ist diese Arbeit kaum etwas anderes als ein neuer Anstrich. Oder besser gesagt dessen Weiterentwicklung. Und in ein paar Jahren vielleicht ganz alltäglich.

    tm6_smile.gifIrgendwie something completely different hatte Christian Möller mitgebracht, der ebenfalls auf dem Urban Media-Panel sass.
    Letzterer ist nämlich in Berlin in der noch laufenden tm-Ausstellung SMILE MACHINES mit seiner (in der Produktion rechnergestützen) Video-Arbeit "Cheese" (2003/2004) vertreten, zu der hier informationshalber der Katalogtext des Ars Electronica Centers verankert wird, weil derlei die tm-Seiten leider nicht hergeben. Zusehen kann man gecasteten Modellen beim überwachten Zwangslächeln, das fortzusetzen bzw. wiederaufzunehmen sie von einem Überwachungssystem genötigt wurden, wann immer die Mundwinkel der Schwerkraft folgend nach unten sackten. Technisch alert gemacht, inhaltlich eigentlich ein One Liner. Aber - zumal bestens passend zu George Maciunas ebenfalls in der Ausstellung gezeigter Flux Smile Machine - ein echtes Highlight in der aktuellen Schau. Fand nicht nur das Medium, sondern auch Régine (und das ebenfalls schon anlässlich der Ars Electronica 2004).
    Denen, die das Ganze weder in Linz noch in Berlin sehen konnten, rät das Medium zur Sichtung von Möllers eigenem Doku-Video aus 2003.

    Aktuellere Einblicke bietet z.B. Alex vom Platoon Blog in einem entsprechenden Eintrag an. Und als zusätzliches Bonbon, in dem "Cheese" allerdings nur unter anderem vorkommt - dafür dann aber u.a. der Freitagssalon der Ludic Society mitgenommen wird - empfiehlt das Medium noch eine Episode aus dem GRTA_V_LOG von Georg Schütz und Kollegen vom ersten transmediale-Tag.

    Und vielleicht gelegentlich, weil zum Podiumsthema dann doch etwas besser passend als das Käselächeln, noch mal einige ältere Arbeiten von Möller vor dem geistigen Auge bzw. dem heimischen Browser Revue passieren zu lassen. Auch, weil da nicht selten einiges an Musik drin steckt.

    So, schreibenderseits gefühlt sollte das bis hierher für eine erste Nachlese resp. Rückschau reichen. Weiter geht es dann noch in den nächsten Tagen.

    [Gezwungenes Lächeln: Natürlich nicht Tscheese noch Maciunas, sondern des Mediums entsprechend genötigte Zeichenmaschine.]

    Von miss.gunst am 12.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.02.06

    Wissenswertes für NetznutzerInnen

    iri_ksw.gifGemeint ist selbstredend weder der neueste Tratsch aus der Blogosphäre noch eine Art universeller Hilfe-Button, der in den Browser einzubinden ist (wie nützlich das Medium die letzteren meistens findet, ist der Illustration zum Eintrag vom 06.02.06 zu entnehmen).
    In den Zettelkasten wandert heute vielmehr der Anker zu einem Portal, das in einem auch sonst interessanten Salon auf der transmediale vorgestellt worden ist.

    Selbiger war dem Thema "Kunst und Copyright" gewidmet.
    iri_g.gifUnd kompetent besetzt mit:
    - dem Philosophen Eberhard Ortland (hier ein Vortrag von ihm zum Thema "Ästhetik und Urheberrecht" und hier gleich noch einer direkt zum Thema des Panels, also "Kunst und Urheberrecht");
    - der Künstlerin Cornelia Sollfrank (die ihren NetArtGenerator und aus diesem hervorgegangene Projekte wie insbesondere die 2004 für das Basler [plug.in] entstandene Ausstellung "Legal Perspective" mit Video-Interviews mit Juristen zum Thema vorstellte);
    - sowie dem Journalisten Matthias Spielkamp und dem Medienwissenschaftler Volker Grassmuck, die beide (letzterer als Projektleiter) das Portal iRights.info vertraten.

    Da es Fragen rund um das Urheberrecht in der digitalen Welt gewidmet ist und diese ebenso weit gefasst wie übersichtlich behandelt, seien hiermit seine Verankerung in der heimischen Lesezeichensammlung sowie natürlich auch eine intensivere Kenntnisnahme der angebotenen Inhalte allerwärmstens empfohlen.

    So weit nach aktueller Rechtslage möglich, werden dabei nicht nur Fragen wie

    Sind Privatkopierer Verbrecher? Macht sich strafbar, wer eine CD oder DVD kopiert? Oder sich den Film der Woche auf die Computer-Festplatte speichert?
    beantwortet bzw. diskutiert.

    iri_copy.gifSondern beispielsweise auch Hinweise bereitgestellt, wie beim Generieren von Blogeinträgen, Webseiten usw. mit Bildern, Texten und Tönen umzugehen ist.
    Und natürlich gibt es auch die neuesten Nachrichten zu den Entwicklungen auf dem juristischen Gebiet.

    Kleiner Wermutstropfen für Wissbegierige aus der Schweiz: Da iRights.info ein deutsches Portal ist, werden naturgemäss zunächst einmal die deutsche und die EUropäische Rechtslage fokussiert.
    Aber da das WeltWeite GeWebe und der Umgang mit digitalen Daten insgesamt eine internationale Angelegenheit sind, hat es doch hinreichend Inhalte, die auch aus Schweizer Perspektive von Interesse sein dürften. Und vielleicht spornt es ja sogar dazu an, eine entsprechende Initiative zu ergreifen?
    Wünschenswert und nötig wäre das sicherlich.

    Denn dass - so liebens- und lobenswert es ist - mit der zunehmenden Verbreitung von Creative Commons-Lizenzen (zu denen es ja eine derzeit noch laufende Schweizer CC-Initiative hat; mehr dazu siehe in diesem LogBuch auch in den Einträgen zur Digitalen Allmend) nicht getan sein kann, machte auch die an die Vorträge anschliessende Diskussion im Rahmen des transmediale-Salons mehr als deutlich. Mit CC-Lizenzen kann man in jedem Fall ein wichtiges Zeichen setzen und NetznutzerInnen Sicherheit im Umgang mit Inhalten geben. Aber es gibt noch viel zu tun - und vor allem anderen erst einmal viel zu lernen im Umgang mit dem Urheberrecht in der digitalen Welt.

    [Bildchen: Stammen samt und sonders von den iRights.info-Seiten.]

    Von miss.gunst am 11.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.02.06

    Feine Verflechtungen

    ctm_skw.gifFerien sind was Feines, Zwangspausen weniger schön. Einerseits.
    Andererseits gab die aktuelle, die sich einem neuerlichen Schwächeln des Versorgers verdankte (eben wie schon Ende Dezember des vergangenen und Anfang diesen Jahres) natürlich anderen Dingen mehr Raum.
    Trotzdem schade, dass auf diese Weise - für's erste wenigstens - der eine oder aktuelle transmediale-Bericht auf der Strecke bleiben musste.
    Nun: Zettelkastenwürdiges wird vielleicht noch nachgetragen - und für heute darf es noch eine Empfehlung zum club transmediale sein, der ja immerhin noch bis zu diesem Wochenende weiterläuft.

    Der Freitagabend steht diesmal nämlich unter dem Motto "Interlace", was so viel wie Verflechtung heisst und ein gewissermassen durch die netzkulturelle Brille betrachtetes Äquivalent zum zwar auch sehr schönen, mit Blick auf den allgemeinen Biologisierungswahn aber nicht ganz unproblematischen Buzzword "Hybrid" meint.

    ctm06_g.gifZum Aufwärmen und argumentativen Futterfassen gibt es zunächst um 20.00 Uhr eine Panel-Runde, zu der sich Vertreter (*rrrrräusper*: nein, leider keine -Innen) verschiedener Electronica-Festivals zusammenfinden. Details dazu im hier verankerten Begleittext - in dem jedenfalls unter anderem versprochen wird, gemeinsam der Frage nachzugehen, wie und inwiefern Festivals und unabhängige ProduzentInnen-Initiativen der allgemeinen Tendenz etwas entgegensetzen können, in Zeiten globaler Vermarktung kulturelle Eigenheiten vor allem in Form von Klischees als verkaufstechnisches Vehikel zu verbraten. Und Mischungen vorzugsweise dann interessant zu finden, wenn sie entweder scheinharmonisierende One World-Phantasien bedienen (mithin über feine Unterschiede u.a. in Produktionsökonomien hinwegtäuschen sollen) oder einfach (sowie möglichst billig) den eigenen ollen Kamellen zu einem Schuss Innovation verhelfen können.

    ctm_k2.gifAn diesen Strang knüpfen dann je auf ihre Weise auch die beiden Tanzboden-Gruppierungen an. Tendenziell natürlich etwas weniger problemorientiert und mehr die hedonistische Seite adressierend. Aber nichts desto weniger programmatisch ausgewählt, insofern die zugrunde liegende Koop von club transmediale und MUTEK-Festival exemplarisch zeigen will, wie

    making the global world of Pop truly global – with equal access opportunities for all, instead of the tired and stigmatizing mainstream marketing of folk-exotica

    aussehen bzw. sich anhören kann.

    ctm_k4.gifNun gut: Der Anspruch ist nicht gerade bescheiden und seine Einlösung im Rahmen eines Westberliner Clubfestivals sei mal dahin gestellt. Aber sehen lassen kann sich die Aufstellung auf jeden Fall:

    Zur Auswahl stehen ab 23:00 Uhr Boden 1 (= Interlace II) Radius (RU), Pier Bucci (CL), Luci (CA), Ricardo Villalobos (CL/DE) & Zip (DE) mit Visuellem von Gary Hurst (GB), Kinga und Telematique (DE).
    Boden 2 (= Interlace III) wartet mit Mendoza (MX), Serhat Köksal (TR), Nambavan (RU), Dick El Demasiado (NL/AR) und DJ (Geoff) Stahl (CA, nettes Blog übrigens) auf.
    Wobei die zweite Abteilung inbesondere mit Mendoza und seinem Tijuana-Kollektiv sowie Serhat Köksal und seinem 2/5 BZ-Projekt wohl am direktesten offensiv an das Interlace-Thema andocken dürfte.

    ctm_k3.gifZiemlich viel ziemlich Leckeres also, was die Verflechtungen im engeren Sinne des Themenabends angeht. Enden möchte das Medium den Eintrag allerdings nicht ohne die heutigen "Images d'Ameublement" gleich mit zu empfehlen. Einmal, weil sie von Zips Bruder Jörg Franzmann kommen, der vordem u.a. die Peak Club/Fahrradhallen-Gemeinde in Frankfurt und Offenbach mit seinen Videos beglückte. Und zum Anderen, weil sie auf den ganz bestimmt allerbesten Frankfurter Mini-Club der vergangenen Jahre referieren: den Sonntags-Kiosk, den Benjamin Fehr a.k.a. ffwd (s.a. sein Label catenaccio, leider auch nach Berlin ausgewandert) und Annette Sihler 2001-2002 saisonal betrieben haben (nostalgische Rückblicke aufs Programm gibt es hier).

    Klingt ein bisschen intim angesichts der Weltläufigkeit, die das Motto "Interlace" zum Thema machen will? Na, wenn mal nicht das Gegenteil der Fall ist: Die Gästeliste des kleinen Kiosks war wirklich "glocal", also eine gute Mischung aus lokal und international. Während nicht wenige Beteiligte des Interlace-Programms auch jenseits des Festivals etwas länger ihre Zelte in Berlin aufgeschlagen haben...

    P.S. A propos (g)local. Liegt Zürich heute nacht näher als Berlin? Dann natürlich zur zweiten Label-Nacht in der Dachkantine.

    Von miss.gunst am 10.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.02.06

    Mistakology mit Norman T. White

    hihi1_sw.gifErwartungsgemäss lässt die transmediale eher wenig Zeit, nebenbei noch das LogBuch zu befüllen. Das hat verschiedene Gründe - einer der guten ist aber auf jeden Fall, dass das Programm ziemlich dicht mit Highlights bestückt ist.
    Stets darauf erpicht, selbst vergänglichen Ereignissen etwas für den Zettelkasten abzugewinnen, wird heute - wie verhuscht auch immer - der Eintrag einem Panel abgewonnen, das nicht das einzige interessante des gestrigen Tages war. Aber ganz sicher die beiden Hauptthemen des diesjährigen Festivals - nämlich "Humor" und "Reality Addicts" - aufs Trefflichste zu vereinen wusste.

    Klar, dass hier das Konferenz-Panel mit dem schönen Titel "Mistakology", also "Fehlerlehre" gemeint sein muss. Eine wirklich wichtige Wissenschaft.

    Every technology has its mistakes and accidents already built in. This insight is not new, but it is still consistently ignored in an approach to technology that demands it to be controllable and safe, functional and useful. Technical dysfunctionality is 'repressed' by modern society, in a Freudian sense. Functional discrepancies between people and machines are called 'human failures' even in cases in which the technology is making impossible demands on its human user. Machines and their mistakes are thus an inexhaustible source of humour and parody.

    hihi1.gifNun mag die schnöde Empirie zwar selbst die optimistischsten Zeitgenossen manchmal daran zweifeln lassen, dass der Mensch aus Fehlern zu lernen fähig ist. Einschliesslich des Fehlers, der in obiger Definition bezeichnender Weise unterschlagen wird: Dass es nämlich weit häufiger Menschen den armen Maschinen ankreiden, wenn diese nicht alle auf sie projizierten Erwartungen an reibungsloses Funktionieren erfüllen. Obwohl ein Gau doch weit häufiger dem real existierenden DAU, grob fahrlässiger Programmierung oder eben einfach nur überzogenem Glauben an die Technik zuzuschreiben ist.
    Da Humor aber bekanntlich ist, wenn man trotzdem lacht, darf man die Hoffnung nie verloren geben.

    Warum, wusste auf dem von Inke Arns moderierten Panel weniger Claus Pias (der nichts desto weniger einen ebenso erhellenden wie durchaus erheiternden Vortrag über kybernetische Zugänge zum Thema hielt) zu erklären als Norman T. White, den man mindestens den FreundInnen eines eher humorvollen Zugangs zur angewandten Robotik wahrscheinlich gar nicht erst wortreich vorstellen muss.

    Allen anderen sei wärmstens das ausführliche Studium von Whites Heimseiten NorMill ans Herz gelegt. Auf denen lassen sich nämlich jede Menge sprechender und anschaulicher Umsetzungen seines auf dem Panel vorgetragenen Credos nachvollziehen:
    Gerade im Umgang mit Technologie solle man als erstes den selbstauferlegten (Selbst-)Kontrollzwang und damit die Scheu vor Fehlern ablegen. Erst dann eröffneten sich nämlich auch die Potentiale eines kreativen Umgangs mit der Technologie. Und die liegen allem voran, um einmal direkt aus Whites artistic credo zu zitieren, in

    "computer's unique strength [...] to play with such existentially-crucial forces as logic, neg-entropy, probability, introspection, and paradox."

    hihi_g.gifÜben kann man derlei derzeit, sozusagen ohne sich die Finger selbst am Lötkolben zu verbrennen, vor Ort in Berlin an einem Exponat, das White zur transmediale-Ausstellung "Smile Machines" beigesteuert hat. Man findet es (ausserhalb der Ausstellung) zwar auch unter den "Featured Artworks (T-Z)" auf den Heimseiten des Festivals. Besser schaut man sich das Ganze jedoch gleich auf Whites "artpage" an: Den äussert charmanten "Helpless Robot", entstanden 1987-96.
    Wer hier nämlich - und das lässt sich natürlich nur in der Praxis ausprobieren - allzu brachial zur Interaktion schreitet, wird die bedauernswert hilflose Maschine bestensfalls schwindeln machen: Schwungvoll um die eigene Achse gedreht verstummt sie sofort. Erst wenn man andächtig lauscht, worum genau sie bittet und dem dann mit zarter Hand nachkommt, gelingt die Mensch-Maschine-Kommunikation.

    Soweit zum Thema: Aus Fehlern lernen - beispielsweise den richtigen Umgang mit technischem Gerät. Wo hingegen rohe Kräfte sinnlos walten (zwinker-zwinker, stupps-stupps)...
    Gut, zugegeben: Die gelungene Mensch-Maschine-Kommunikation endet in diesem Fall in der Dienstleistung des ersteren an zweiter - und man kann fragen: War das nicht mal umgekehrt gedacht?
    Man kann eben nicht alles haben. Ein Herz für hilflose Roboter aber, das muss sein!

    [Bildchen: WYSWYG - gefühlte Darstellung dessen, was man gemeinhin bei Mausklick auf einschlägige programminterne Angebote als Erste Hilfe angeboten bekommt. Oder so ähnlich.]

    Von miss.gunst am 06.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.02.06

    transmediale ante portas

    tm6_k.gifNun ist es also wieder mal so weit: transmediale-Zeit.
    Dieses Jahr nicht in der Schwangeren Auster, sondern im Altquartier der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg.

    Ob sich letzteres als guter oder gar besserer Ort für ein Medienfestival eignet, wird sich in den nächsten Tagen wohl noch erweisen müssen.

    Schon zu Podewil-Zeiten waren Werkinstallationen eher die Achillesferse der transmediale gewesen - was allerdings auch nie wirklich so tragisch war, weil es unter dem Strich eben doch mehr um den Austausch geht.
    Auf den Podien und natürlich besonders in den Pausen.

    tm6_1.gifDas Programm für Konferenz und Salon-Präsentationen haut vielleicht nicht gerade mit Überraschungen vom Hocker - aber wie sollte es auch, die Medien- und Netzkulturszene ist nicht anders als andere unter dem Strich (und wider alle gegenteiligen Behauptungen) selbst in internationaler Perspektive eine recht übersichtliche Welt.
    Auch dass es in den Vorankündigungen hie und da noch an Details fehlt (dafür werben die lieben Programmierer wie jedes Jahr für die Installation der jüngsten Flash-Version) lässt sich locker verschmerzen - schliesslich spielt die Musik vor Ort und es zählt, was dort geboten wird.

    Darauf kann man getrost noch ein bisschen gespannt sein. Und Langeweile wird sicher nicht aufkommen - eben schon allein des allgemeinen Stelldicheins aus allen Himmelsrichtungen wegen. Zudem gibt es auch rundum jede Menge Möglichkeiten, sich die Zeit zu vetreiben, garantiert mehr, als selbst bei bester Kondition zu schaffen ist.

    tm6_2.gifSo locken beispielsweise diverse Sonderveranstaltungen ins Tesla - gleich heute abend etwa tanzt hier ab 20.00 Uhr Louis Philippe Demers' eleganter Roboter zu einer Choreographie von Pablo Ventura in einer Audio-Installation von Francisco Lopez "Kubic's Cube".

    Ebenfalls eine Exursion wert dürfte des Makroskop von Boris Hars-Tschachotin und Hannes Nehls im Museum für Fotografie in der Jebenstrasse 2 sein.

    Und dann bietet ja auch noch der Club Transmediale im Maria am Ostbahnhof jeden Abend Programm - mitnichten nur Musik, sondern auch eine Reihe von Vilmveranstaltungen und Präsentationen.

    Reicht immer noch nicht? Kein Problem in dieser Stadt. Aber für den Eintrag ante portas muss es mal genügen. Alles andere und mehr oder vielleicht nur ein zufriedenes Schnurren im Stillen dann hinterher.

    Von miss.gunst am 03.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.02.06

    Grabhügel aus Noise (WRT)

    tfnoi_k.gifDer Anschluss an den gestrigen Gedenkeintrag ist eher Zufall. Es sei denn, man will vielleicht eine Brücke vom visuellen Noise des Video-Zen zu entsprechenden musikalischen Sphären schlagen.
    Ob die Wanderung des Mönchs zum Grabhügel, an der akustisch teilzuhaben der heutige Webradio-Tipp einladen will, besonders meditativ wird, dürfte allerdings auch noch nicht so sicher sein.

    Denn Tetsuo Furudate, um dessen Komposition "Motome-Zuka - Der Grabhügel" es geht, ist normalerweise nicht so sehr ein Mann der Stille.
    [Was, beiseit bemerkt, übrigens mitnichten ein Widerspruch zu Zen sein muss - wie Nam June Paik schon ziemlich früh und äusserst anschaulich gegenüber entsprechende Stereotype hegenden Europäern klarzustellen pflegte. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die in die 1960er Jahre nach Düsseldorf und Köln gehört...]

    Dass auch der Sound zum Cyborg-Slash-Klassiker "Tetsuo" auf sein Konto geht, ist zwar wohl nur ein Gerücht (jedenfalls, soweit das Medium weiss - aber gerne lässt es sich vom Gegenteil überzeugen). Gleichwohl hat er sich früher auch in der Experimentalfilm bzw. -videoszene umgetan. Und eben sattsam: Noise produziert. Was in jedem Fall auch als Beitrag zur Maschinenmenschenmaschinen-Ästhetik gewertet werden kann.

    Kostproben seiner aktuellen Aktivitäten auf diesem Gebiet liessen sich erst kürzlich anlässlich des ja auch in diesem LogBuch gefeierten Kunstgeburtstags einholen, zu dem Furudate (ja, wo sonst) im Tesla Berlin eine dadayama-performance beisteuerte. Die wurde schliesslich auch für geographisch benachteiligte Mitfeierwillige zeitgleich in einer Sendung von Deutschlandradio übertragen und mithin www-weit ausgestrahlt.

    Für diejenigen, die dieses Ereignis verpasst haben, hat glücklicherweise noch archive.org ein akustisches Trostpflaster parat: Aufnahmen nämlich von einer Live-Performance (mp3), die Furudate im Juni vergangenen Jahres im Re-Klub in Krakau lieferte, sowie als Bonustrack noch ein Stück, das er am darauf folgenden Tag im Rahmen eines Vortrags über "Time and Music" intonierte (mp3; sehr sanft übrigens in den ersten Takten. Aber nicht bis ganz zum Schluss...).

    tfnoi_g.gifAuf der entsprechenden Leitseite kann man sich die Formate auswählen, und obendrein gibts noch via audiotong.net einen Anker zum Skript des Vortrags dazu. Allerdings auf Polnisch. Nicht ganz so polyglotte Menschen wie das Medium freuen sich da mehr an den Fotos des Abends, die ein treuer Blogger-Kollege ins Netz gestellt hat.

    Heute Nacht nun - genauer gesagt: Morgen früh um 0.05 Uhr - lässt sich per Webstream auf Deutschlandradio Kultur im Rahmen der Reihe Klangkunst der Ursendung besagten Dramas beiwohnen.

    Also dann: Begeben wir uns auf eine wenn nicht geruhsame, wohl eher noisiges, aber sicher doch in jedem Fall interessante akustische Landschaften erschliessende Nachtwanderung zum Grabhügel.

    [Der nächtliche Grabhügel schaut irgendwie bekannt aus? Je nun: Auch Medien müssen manchmal mit ihren Eingaben etwas ökonomisch sein.]

    Von miss.gunst am 02.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.02.06

    Nam June Paik

    ztv_0k.gifMit Nachrufen hadert das Medium sehr. Es scheint so jämmerlich, ein ganzes Menschenleben in wenige Zeilen zu packen - erst recht, wenn es so produktiv gewesen ist wie dieses. Das von Nam June Paik.

    Wenn aber erstens ein Künstler die eigenen Perspektiven sehr geprägt hat und zweitens ein LogBuch im Radius von Musik, Medien und Kunst geführt wird, dann geht es ohne ein Winken schlechterdings nicht.

    Nun hat eben das Hadern mit dem Format praktischerweise auch den Printmedien einen gebührenden Vorsprung beschert, so dass sich bequem eine ganze Reihe von längeren Artikeln verankern lässt, die gestern in verschiedenen Tageszeitungen erschienen sind (und deren digitale Ausgaben deshalb in einigen Fällen wohl leider wieder recht schnell verschwunden sein werden - daher die Linx ohne Gewähr):

    ztv_1.gifIn der NZZ salutiert Samuel Herzog dem "Anti-technologischen Technologen"; in der Welt verneigt sich Uta Baier vor dem "Buddha mit Kathodenstrahlröhre"; in der TAZ schaut Martin Zeyn traurig in "Monitore, die zurückblicken"; in der Frankfurter Rundschau verehrt Elke Buhr den "Genialen Visionär".

    Bei der FAZ ist der Artikel aus der Print-Ausgabe zwar (noch) nicht online zugänglich (ebenso wenig wie der Nachruf von Holger Liebs in der Südddeutschen), dafür stattete das faz.net schon am Montag seine Pressemeldung zum Tod des Künstlers mit einem reichhaltigen Bilderbogen aus.

    Einblicke ins Werk hat es freilich auch über die Galerie auf Paiks offiziellen Heimseiten reichlich; und zudem gibt es hier auch einen schönen Essay von John Hanhardt zum nachlesen.

    Ebenfalls sehr empfehlenswert ist (gerade auch für Menschen, die vielleicht eher nur ein zwei Arbeiten kennen) ein Besuch beim MedienKunstNetz, dass aktuell mit einem Video-Special auf der Hauptseite auf seine Weise Trauer flaggt. "There is no rewind button on the Betamax of life." Wie wahr.

    ztv_2.gifNeben einer Kurzbiographie von Paik hält das MedienKunstNetz jedenfalls nicht nur Informationen und Bilder zu zahlreichen Werken bereit, sondern auch mehrere Texte aus der Feder bzw. Schreibmaschine resp. dem Computer des Künstlers. Darunter beispielsweise seine durchaus realen Visionen für den "Electronic SuperHighway", "Medienplanung für das nachindustrielle Zeitalter – Bis zum 21. Jahrhundert sind es nur noch 26 Jahre". Und hat eben insbesondere auch, was das Visuelle betrifft, Besonderes zu bieten; allem voran rare Aufnahmen aus der legendären "Exposition of Music – Electronic Television" 1963 in Wuppertal und Videoausschnitte aus dem zehn Jahre späteren "Global Groove".

    Für's Nach- und Weiterlesen lassen sich ansonsten natürlich auch Bücher und Kataloge empfehlen; nach wie vor Edith Deckers Monographie "Paik – Video" (Köln 1988) zum Beispiel; an Katalogen aus Schweizer Perspektive denkbar nahe liegend die Gemeinschaftsproduktion der Kunsthalle Basel und des Kunsthauses Zürich zur Ausstellung 1991 (Nam June Paik. Video Time Video Space, Hrsg. Toni Stooss/Thomas Kellein, Stuttgart 1991). Dazu vielleicht noch das zur Seitenflügel- und Gartenbespielung des Deutschen Pavillons auf der Biennale 1993 erschienene Hommage-Buch (Nam June Paik - eine DATAbase, Hrsg. Klaus Bußmann/Florian Matzner, Ostfildern 1993). Besonders materialreich und insofern ein echtes Wertpaket ist der Katalog, den Wulf Herzogenrath - langjähriger Freund des Künstlers und unermüdlicher Vermittler des Werks, der Paik schon 1977 die erste grosse Einzelschau in Deutschland ausrichtete (Nam June Paik. Werke 1946 1976. Musik - Fluxus - Video, Köln 1977) - 1999 für die Kunsthalle Bremen herausgegeben hat. Grau bleibt alle Theorie? Sicher, mit dem Sog eines derart bewegten, bewegenden, farbenrauschenden Werks können Texte nur schwer konkurrieren. Paiks eigene haben es jedoch in jedem Fall in sich. Und seine Bilder haben auch die Vermittler ganz schön auf Trab gehalten.

    ztv_3.gifSoweit vom Fach. Und sonst? Eben wegen des tendenziellen Überhangs der professionellen Perspektiven fällt es gar nicht so leicht mit der persönlichen Erinnerung. Die ersten Begegnungen mit Werken? Klar gehörten die zu denen, die das Medium der Kunst zeitig in die Arme getrieben haben (das Prädikat "kinderfreundlich" lässt sich vergeben, ohne rot zu werden in diesem Fall). Aber welche? TV Buddha oder Magnet TV sind bis heute konkurrenzlos Favoriten - doch da spielt mittlerweile mehr und anderes hinein.

    An *einen* echten Flash kann sich das Medium allerdings bis heute ganz genau erinnern, sozusagen wie wenn et jestern wär. Der ging freilich nur mittelbar auf das Konto von Paik und wurde seinerzeit auch entsprechend anders verbucht.Das war, als das Medium zum ersten Mal Charlotte Moorman Cello spielen sah (natürlich auch: hörte - vor allem aber: sah). Durchaus mit Paik auf der Bühne. Angetan aber nicht mit dem TV Bra. Sondern nur Körper, eingehüllt in eine transparente Plastikfolie. Und das Instrument.
    Dass sass und säte Bleibendes.
    Und kommt dann immer wieder, so wie gerade jetzt. Auch wenn in diesem speziellen Moment Paik, dem ansonsten die heutige Verneigung gilt (und wirklich gilt), ausnahmsweise nicht so wichtig war.

    [Bildchen: Selbstredend kein Paik. Nur Medien-Zen.]

    Von miss.gunst am 01.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)