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06.02.06
Mistakology mit Norman T. White
Erwartungsgemäss lässt die transmediale eher wenig Zeit, nebenbei noch das LogBuch zu befüllen. Das hat verschiedene Gründe - einer der guten ist aber auf jeden Fall, dass das Programm ziemlich dicht mit Highlights bestückt ist.
Stets darauf erpicht, selbst vergänglichen Ereignissen etwas für den Zettelkasten abzugewinnen, wird heute - wie verhuscht auch immer - der Eintrag einem Panel abgewonnen, das nicht das einzige interessante des gestrigen Tages war. Aber ganz sicher die beiden Hauptthemen des diesjährigen Festivals - nämlich "Humor" und "Reality Addicts" - aufs Trefflichste zu vereinen wusste.
Klar, dass hier das Konferenz-Panel mit dem schönen Titel "Mistakology", also "Fehlerlehre" gemeint sein muss. Eine wirklich wichtige Wissenschaft.
Every technology has its mistakes and accidents already built in. This insight is not new, but it is still consistently ignored in an approach to technology that demands it to be controllable and safe, functional and useful. Technical dysfunctionality is 'repressed' by modern society, in a Freudian sense. Functional discrepancies between people and machines are called 'human failures' even in cases in which the technology is making impossible demands on its human user. Machines and their mistakes are thus an inexhaustible source of humour and parody.
Nun mag die schnöde Empirie zwar selbst die optimistischsten Zeitgenossen manchmal daran zweifeln lassen, dass der Mensch aus Fehlern zu lernen fähig ist. Einschliesslich des Fehlers, der in obiger Definition bezeichnender Weise unterschlagen wird: Dass es nämlich weit häufiger Menschen den armen Maschinen ankreiden, wenn diese nicht alle auf sie projizierten Erwartungen an reibungsloses Funktionieren erfüllen. Obwohl ein Gau doch weit häufiger dem real existierenden DAU, grob fahrlässiger Programmierung oder eben einfach nur überzogenem Glauben an die Technik zuzuschreiben ist.
Da Humor aber bekanntlich ist, wenn man trotzdem lacht, darf man die Hoffnung nie verloren geben.
Warum, wusste auf dem von Inke Arns moderierten Panel weniger Claus Pias (der nichts desto weniger einen ebenso erhellenden wie durchaus erheiternden Vortrag über kybernetische Zugänge zum Thema hielt) zu erklären als Norman T. White, den man mindestens den FreundInnen eines eher humorvollen Zugangs zur angewandten Robotik wahrscheinlich gar nicht erst wortreich vorstellen muss.
Allen anderen sei wärmstens das ausführliche Studium von Whites Heimseiten NorMill ans Herz gelegt. Auf denen lassen sich nämlich jede Menge sprechender und anschaulicher Umsetzungen seines auf dem Panel vorgetragenen Credos nachvollziehen:
Gerade im Umgang mit Technologie solle man als erstes den selbstauferlegten (Selbst-)Kontrollzwang und damit die Scheu vor Fehlern ablegen. Erst dann eröffneten sich nämlich auch die Potentiale eines kreativen Umgangs mit der Technologie. Und die liegen allem voran, um einmal direkt aus Whites artistic credo zu zitieren, in
"computer's unique strength [...] to play with such existentially-crucial forces as logic, neg-entropy, probability, introspection, and paradox."
Üben kann man derlei derzeit, sozusagen ohne sich die Finger selbst am Lötkolben zu verbrennen, vor Ort in Berlin an einem Exponat, das White zur transmediale-Ausstellung "Smile Machines" beigesteuert hat. Man findet es (ausserhalb der Ausstellung) zwar auch unter den "Featured Artworks (T-Z)" auf den Heimseiten des Festivals. Besser schaut man sich das Ganze jedoch gleich auf Whites "artpage" an: Den äussert charmanten "Helpless Robot", entstanden 1987-96.
Wer hier nämlich - und das lässt sich natürlich nur in der Praxis ausprobieren - allzu brachial zur Interaktion schreitet, wird die bedauernswert hilflose Maschine bestensfalls schwindeln machen: Schwungvoll um die eigene Achse gedreht verstummt sie sofort. Erst wenn man andächtig lauscht, worum genau sie bittet und dem dann mit zarter Hand nachkommt, gelingt die Mensch-Maschine-Kommunikation.
Soweit zum Thema: Aus Fehlern lernen - beispielsweise den richtigen Umgang mit technischem Gerät. Wo hingegen rohe Kräfte sinnlos walten (zwinker-zwinker, stupps-stupps)...
Gut, zugegeben: Die gelungene Mensch-Maschine-Kommunikation endet in diesem Fall in der Dienstleistung des ersteren an zweiter - und man kann fragen: War das nicht mal umgekehrt gedacht?
Man kann eben nicht alles haben. Ein Herz für hilflose Roboter aber, das muss sein!
[Bildchen: WYSWYG - gefühlte Darstellung dessen, was man gemeinhin bei Mausklick auf einschlägige programminterne Angebote als Erste Hilfe angeboten bekommt. Oder so ähnlich.]
Von miss.gunst am 06.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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