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14.02.06
tm06: Zu Preise(n)? (Nachlese,Teil IIIa)
Wie schon vernehmlich geseufzt: Der Human Browser hat leider keinen Award auf der diesjährigen transmediale eingeheimst.
Wollen wir also mal schauen, wer statt dessen die Heimreise aus Berlin mit einer offiziellen Preisung in der virtuellen Tasche antreten durfte.
Und natürlich auch verraten, was aus Sicht des Mediums davon zu halten ist.
Bekanntlich hat sich die transmediale im letzten Jahr entschlossen, die anfangs eigens eingeführten Preiskategorien ('interactive', 'software', 'video'; hier exemplarisch auf die tm01 verankert - später dann 'image' und 'software') wieder auf- und ihre Auszeichnungen sozusagen jenseits von Schubladen zu vergeben.
Im Prinzip durchaus lobenswert. Obwohl man sicher nach wie vor durchaus sinnvoll z.B. Tapes mit Tapes vergleichen könnte (schliesslich sieht sich die Berlinale auch nicht gezwungen, den Kinoproduktionen TV-Serien zur Seite zu stellen, um der Bandbreite aktuellen Medienschaffens Genüge zu tun). Würde man sich (noch) intensiver für Video als Video interessieren - was aber definitiv nicht der Fall ist; die Zahl der Screenings ist mittlerweile auf ein eigentlich trauriges Minimum geschrumpft.
Aber zurück zu den Preisen: Ein bisschen seltsam mutet es schon an, wenn man sieht bzw. nachzählt, dass sieben Arbeiten von der Jury nominiert wurden (fünf erhielten ausserdem eine sog 'lobende Erwähnung') - und dann ganze vier prämiert, also nur 3 von 7 in den Pool zurückwanderten. Oder?
Erstmal egal. Diesen vervierfachten ersten Preis teilen sich heuer jedenfalls Werke aus allen Kategorien - und als alte Liebhaberin der Gattung stellt das Medium erst einmal das gepriesene Vilmchen vor:
Das Video -./ von Andres Ramirez Gaviria. Falls nicht im Rahmen des tm-Screenings gesichtet, kann man auf den Heimseiten des Künstlers kann man via Quicktime-Clip plus Stills und Code-Auszug auch online Einblick in die Arbeit nehmen, die auf Wassily Kandinskys Schrift "Punkt und Linie zu Fläche" von 1926 referiert.
Deren Text wurde für das Video in Morsecode umgewandelt und dieser wiederum in Bild und Ton transformiert.
Optische Musik mit kunstgeschichtlichem Extra-Bonus also. Weshalb sich die Jury begeistern konnte, ist im Statement nachzulesen:
"-./" by Andres Ramires Gaviria extracts fundamental sampling elements for visual imagery from an analysis of Kandinsky's "point and line to plane". When the constructing system and basic unit of imagery are reduced to their essential elements, and morse code is used as the time-axis in relation to their visual elements, a unique perceptual experience is provided by synchronized images and sounds. As the elements are minimal, the observer is set free from the usual visual and listening experiences and can experience a rare feeling of the present as a simple pulse both in a visual and auditory way. The image-pulse moves in diagonal lines, and dispels the former, stable visual experience or analysis. Therefore, it has succeeded in extrapolating the essential movement that is dynamic, sharp, and yet grooves, latent in the Kadinsky piece. This work does not look to Modernism but rather, looks towards a new direction of modern sensory-experience.
Dem kann man mit Blick auf die Arbeit durchaus folgen. Wenngleich sich nichts desto weniger Fragen stellen liessen wie: Warum die Umsetzung in Morsecode - der 1926 nicht mehr wirklich eine tragende Rolle spielte? Wie steht eine solche Arbeit in Relation zu den Kandinsky zeitgenössischen Versuchen, (bewegtes) Bild und Sound in abstrakten Film zu fassen (mehr hierzu z.B. im Eintrag vom 14.01.06)?
Und welche Beziehung zu Kandinskys eigener Auffassung von Theorie und Praxis stellt eine solche Arbeit möglicherweise suggestiv her - wenn der Künstler selber eine strenge Anwendung seiner eigenen Lehre eher im Bauhausunterricht denn in seinen eigenen künstlerischen Werken verfolgte? Was genau ist - last but not least - vor diesem Hintergrund unter "a new direction of modern sensory-experience" zu verstehen?
Um sowohl seinen geneigten LeserInnen als auch sich selbst ein wenig Bedenkzeit zu gewähren, belässt es das Medium an dieser Stelle für heute mal mit den Überlegungen zur Preisvergabe. Morgen dann weiter und mehr...
[Bildchen: Medium übt Morsen...]
Von miss.gunst am 14.02.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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