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29.05.06
Der Käfer mit der Kamera
Nein, der Mann mit der Kamera - der ja auch schon einmal Gegenstand eines Log.Buch-Eintrags war - ist diesmal wirklich nicht gemeint, sondern tatsächlich ein sechsbeiniger Filmschaffender.
Ein Käfer als Kameramann? Doch, genau so ist es - und der Film, in dem er eine tragende Rolle spielt, hat obendrein noch einige Jährchen mehr auf dem Buckel als Dziga Vertovs berühmter Kinoapparatom:
Sage und schreibe 1912 (vielleicht sogar schon ein Jahr zuvor, es kursieren unterschiedliche Datierungen) drehte der polnische Regisseur (W)ladislaw Starewicz seinen dreizehnminütigen Animationsfilm "The Cameraman's Revenge", also: "Die Rache des Kameramanns" (im OT: MIEST KINOOPERATORA). Ungeachtet der sich aus zeitgenössischer Perspektive unweigerlich stellenden Frage: "Wurden für diesen Film Tiere gequält?" (Antwort: Nunja, sie waren beim Drehtermin wohl schon ziemlich tot) eine wirklich ausgesprochen herzige und herzanrührende Geschichte um in verschiedene Liebeleien verstrickte Insekten - in der eben auch das Kino eine tragende Rolle spielt.
Mehr dazu - inklusive kleiner Filmausschnitte, die per Mausklick auf die Bilder in Gang gesetzt werden können - findet man auf der liebevoll aufbereiteten Webseite zum Film.
In deren direktem Umfeld auf Tim Fitzpatricks Animation Heaven & Hell-Seiten kann das Medium speziell InsektenfreundInnen ungeachtet der etwas unpassenden Jahreszeit zudem noch einen Blick auf eine weitere einschlägige Starewicz-Produktion, nämlich "The Insects's Christmas" (1912) empfehlen.
Der Kurzbiographie des Filmemachers ist übrigens zu entnehmen, dass er anfangs in Russland und Litauen sogar Dokumentarfilme über (dann mutmasslich noch lebende, nicht wiederbelebte) Insekten gedreht hat. Über diese wiederum ist - von den Titeln abgesehen - allerdings auch in den weiten Gefilden des Netzes leider praktisch nichts zu finden.
Tatsächlich sind, von Fitzpatricks Seiten abgesehen, der Eintrag zu Starewicz in der polnischen Wikipedia und sein nur geringfügig kürzeres englisches Äquivalent noch die ausführlichsten Sekundärquellen.
Selbst die französisch und englisch verfügbaren Seiten, die von Starewicz' Familie betreut werden,
schweigen leider über dieses Frühwerk.
Dafür wird dort als Surplus u.a. ein FAQ zu den Filmen geboten (könnte man also mal entsprechend nutzen) - sowie auch eine Seite, auf der Termine für Screenings der Filme gelistet sind.
Liebend gern würde das Medium diesen Zettelkasteneintrag mit einem Verweis auf eine aktuelle Aufführung in der Schweiz verbinden. Auf grosser Leinwand ist er aber dieser Tage (na, wer hätte das gedacht) nur beim Londoner Pestival zu sehen.
Einen tröstlichen Ersatz für das grosse Krabbeln kleiner Helden auf grosser Leinwand gibt es aber: Dafür sorgt das hier schon häufiger gelobte und gepriesene ubuweb mit seiner sowieso grandiosen Filmsammlung, wo man sich nämlich sich beide Insektenanimationsfilme komplett anschauen und herunterladen kann (und zwar direkt, weshalb hier keine Anker gesetzt werden - schliesslich handelt es sich schon um eine mächtige Portion MB).
Na, wenn das kein netter Einstieg in eine emsige Arbeitswoche ist!
[Bildchen: Natürlich nicht Starewicz, sondern selbst gefilmt.]
Von miss.gunst am 29.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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