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30.05.06

Grillen

gri_ksw.gifWer bei dieser Überschrift an Fleischzubereitung, idealerweise im Freien denkt, liegt falsch. Erst mal jedenfalls.
Denn inspiriert vom Pestival hat das Medium seinen Radar nach wie vor auf Insekten(musik) justiert.
Und diejenige, welche jene kleinen Hüpfer produzieren, die man Grillen nennt, zählt sozusagen zu den Klassikern des Genres.

Weniger, weil man hierzulande Kindern gerne die Fabel von der Grille und der Ameise erzählt, um sie beizeiten mit der Brotlosigkeit der Künste vertraut zu machen (jedenfalls wäre das auch eine angemessene Interpretation - wenngleich der moralische Tenor bei de la Fontaine ff. eigentlich ein wenig anders gelagert ist).

gri_g.gifSondern vielmehr, weil die Grille in Asien schon seit Jahrhunderten als musizierendes Haustier geschätzt wird. Hierzu kompakt mehr in einem lesenswerten Artikel über die Chinesische Grillen-Kultur.
[Das Buch schlechthin zum Thema scheint "Insect Musicians and Cricket Champions. A Cultural History of Singing Insects in China and Japan" von Lisa Gail Ryan (China Books, 1996) zu sein - zu dem leider keine ausführlichere Besprechung aufzutreiben war. Aber in der Bibliothek war es aufzuspüren, daher bei Gelegenheit noch ein Nachtrag.]

Offen gestanden: Bei aller Verehrung, die dem zirpenden Tier entgegengebracht werden mag und ungeachtet der kostbaren Gestaltung mancher Grillenhaltungsschachteln - das Medium hat es nicht so mit der Zwangsverpflichtung von MusikerInnen.
Um so angenehmer, dass man sich dank der elektronischen Kommunikationstechnologien auch an Grillenmusik erfreuen kann, ohne selbst kleine Sechsbeiner inkarkerieren zu müssen.
Für ebendiesen Zweck sei daher ein Besuch bei der "Insect Sound World" von Kazuyuki Hashimoto empfohlen - zumal der Japaner offenbar einen Gutteil der von ihm gesammelten Grillengesänge in der freien Wildbahn aufgenommen hat.

Ach ja, a propos frei und Wild bzw. Freiwild. Manche jagen Grillen natürlich auch zu ganz anderen Zwecken. Für diejenigen, denen angesichts der Überschrift voreilig das Wasser im Munde zusammengelaufen war, hat das Medium tatsächlich auch noch ein Rezept in Petto. Und zwar für knusprige Grillenschokokekse [sic, so lautet die Übersetzung des Gerichts].
Bereitgestellt wurde es übrigens nicht etwa von eingefleischten Insektenhassern oder erklärten Grillenverächtern. Sondern vielmehr von Menschen vom Fach, also Entymologen. Die haben ihre Grillen offenbar wirklich zum Fressen gern.

[Lecker Bildchen: Dessen Vorlage wurde von Eric Steinert aufgenommen und dankenswerterweise unter GNU-FDL zur Verfügung gestellt, der folglich auch die hier eingestellte Variation unterliegt.]

Von miss.gunst am 30.05.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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