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28.06.06

Geheime Zirkel (Walters)

gltr_ksw.gifUnd gleich noch eine Runde. Die machen wir mit bzw. zu den Mystery Circuits von Mike Walters.

Wie der Name des Projekts schon ahnen lässt, steht auch hier das Bändigen bzw. Umbiegen von Stromkreisen im Zentrum der Aktivitäten.

Erwartungsgemäss hat es auch eine kleine Liga von Klassikern, nämlich modifizierten Keyboards - aber man kann Mr. Mystery Circuits durchaus einen eigenen Stil zugestehen. Im Fall des CPL953H ist die Veredelung des Plastiktasteninstruments schon äusserlich sofort zu sehen - und wenn man dann noch liest, dass einer der Oszillatoren nunmehr über einen Lichtsensor zu steuern ist, klingt das auch ziemlich spannend (wie das gebendete gute Stück selbst klingt, kann man einem mp3 entnehmen).

gltr_g.gifNoch netter anzusehen sind allerdings unfreiwillig zu Musikinstrumenten mutierte Dinge wie das (der?) von Walters auch in Konzerten zum Einsatz gebrachte Globotron (grunzt und knarzt mit Vorliebe, wie die mp3-Probe belegt).
Oder das tatsächlich äusserst mysteriös ausschauende Penatron, das vermutlich auch als akustische Abwehrwaffe gegen Aliens aller Art erfolgreich zum Einsatz gebracht werden kann (Beweis: mp3).

Wirklich um einen geheimen Zirkel handelt es sich bei dem Grüppchen dieser Kreationen natürlich nicht - das heisst: Wenn, dann ist ihnen ihr Geheimnis jeweils auf kreative Weise entrissen worden. Und wie Walters dabei jeweils vorgegangen ist, erklärt er auch ziemlich detailliert zu jedem Stück.

Nun würde man diese schönen Instrumente vielleicht gerne mal in concert hören - was im Prinzip sogar möglich ist, insofern Walters eben auch in einer Band (namens Jett Rink) spielt, wo wiederum offenbar auch das eine oder andere gelegentlich zum Einsatz kommt. Und siehe da, auf deren Heimseite gibt es im Bereich Sounds auch akustische Kostproben. Hm.

Nun: Trotz sensibelst gespitzter Öhrchen hat mindestens das Medium so direkt nicht ausmachen können, ob da ein Globotron mitspielen durfte.
Warum? Einfach mal reinhören, dann beantwortet sich diese Frage sicher von selbst.

[Bildchen: Des Mediums Variation aufs Thema Globotron. Naja. Und GNU. Die materiale Grundlage fürs Bending verdankt es nämlich mal wieder der Wikipedia, für die Stephan Kern einen hübschen Globus festgehalten hat.]

Von miss.gunst am 28.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.06.06

Gehacktes ff. (Gieskes)

wawa_ksw.gifVon Nic Collins' Hardware Hacking verführt, wollen wir mal abwechslungsweise wieder vom braven Pfad unserer sommerlichen Klangspaziergänge abweichen und schauen, was sich im Bereich der Bended Toys so getan hat in letzter Zeit.
Eine Adresse, die man da unbedingt auf eine Zettelkastenkarte setzen sollte, ist die von gieskes.nl.

Hinter der steckt nämlich die rundum leckere Heimseite des Holländers Gijs Gieskes. Welchselbige wirklich prall gefüllt ist mit höchst anschaulich dokumentierten Projekten auf diesem Gebiet.

wawa_g2.gifMit klassischem Circuit Bending bearbeitete Gerätschaften zur Klangerzeugung (darunter neben dem obligaten Gameboy auch Legenden wie ein Roland TR 707, klingt übrigens so (mp3)) sind dabei nur ein Aktivitätsfeld des äusserst kreativen Soundbastlers.

Vor allem baut er nämlich auch selbst Instrumente, die dann beispielsweise Totem Tone Wheel heissen und sehr sonor schnurren resp. schwingen können (mp3). Spannend schaut auch der Sequenzer aus Holz aus - würde vermutlich den beiden Elektrobassisten von anyma gefallen.

Des Mediums Lieblinsseite ist allerdings diejenige mit den Sound Toys.
Mit denen kann man nämlich auch online prima spielen. Fein!

[Bildchen: Um nicht zum dritten Mal in Reihe Drähte zu featuren, hat sich das Medium von einem der netten Soundtoys inspirieren lassen. Die Mutter der Nuss war dankenswerter Weise, weil GNU-lizensiert, aus der Wikipedia zu knacken - was folglich auch auf dieses Exemplar zu übertragen ist. Geschüttelt hat das Medium bereits, das Echo dazu gibts auf Gieskes Seiten.]

Von miss.gunst am 27.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.06.06

Hardware Hacking (Collins)

nchh_ksw.gifWie gestern versprochen heute also eine Erläuterung des geheimnisvollen Konnexes zwischen Geister-LCDs, Gelatine aus Rinderhufen und Hoden zum Frühstück.
Das fehlende Bindeglied - nicht nur Zauberwort in diesem Fall, sondern sozusagen ganz praktisch zu denkendes Weltbewegungsprinzip - lautet natürlich: Hardware Hacking.

Denn es bezeichnet einerseits präzis das Revitalisierungsverfahren, mit dem Nicolas Collins die LCDs wiedererweckt und in seine leuchtenden Daguerreotypes verwandelt hat.

nchh_g1.gifAndererseits vermittelt Collins eben auch regelmässig einschlägige Grundkenntnisse in Workhops - so beispielsweise demnächst auch im Rahmen der diesjährigen HOME MADE LABOR-Saison, wo er während der Zürcher Klangbastelwochen vom 12.09. bis 15.09.06 im Walcheturm einen entsprechenden Kurs anbietet (online-Anmeldeformular direkt hier). Mit einschlägen Aktivitäten vor Ort ist er damit übrigens schon zum zweiten Mal, denn im vergangenen Frühjahr gab er bereits auf Einladung des Studienbereichs Neue Medien der HGKZ Einblicke in den Umgang mit Platinen und Lötkolben sowie zusammen mit Norbert Möslang ein Konzert im Walcheturm, über die es wiederum u.a. beim Kollegen Sternenjäger einen kleinen Bericht sowie jede Menge schöner Fotos gibt. [Achtung, die Anker dort funktionieren allerdings nicht mehr - denn die SNM-Seiten zum Projekt weilen inzwischen in den ewigen Jagdgründen, wie es scheint.]

Wer nun zum diesjährigen Termin bedauerlicherweise keine Zeit hat oder sich im positiven Fall angemessen vorbereiten möchte - oder aber wer einfach mehr zum Thema Hardware Hacking wissen will:

Endlich ist auch Nic Collings lang erwartetes Buch zum Thema erschienen. Selbstredend alles andere als ein Staubfänger voller grauer Theorie:

The Book teaches a style of intuitive and sensual experimentation that has been lost in this day of prefabricated electronic musical instruments whose inner workings are not open to experimentation. It encourages artists to transcend their fear of electronic technology to launch themselves into the pleasure of working creatively with all kinds of analog circuitry

... um mal den (gut: erwartungsgewmäss vielversprechenden) Klappentext zu zitieren.
Aber auch aus eigener Anschauung und Lektüre kann versichert werden:
Dieses Buch ist praxisorientiert, gut verständlich verfasst und ausserdem ziemlich kurzweilig obendrein.

Im Buch hat es - um nochmal auf den Ausgangspunkt zurück zu kommen - übrigens auch ein Kapitel, genauer gesagt (siehe Inhaltsverzeichnis): Das Kap. 26 in Teil V, das von "LCD Art - Making animated modern daguerreotypes and alternative video projectors" handelt. Also eben solchen Sachen, wie sie zur Zeit in Berlin zu sehen sind.

nchh_g2.gifNormalerweise verankert das Medium ja nicht direkt zum online-Buchhandel - doch da dieser das Buch von Collins gerade so nett mit dem eines anderen alten Bekannten zum Leib-und-Magen-Thema Circuit Bending im Doppelpack anbietet, muss das ausnahmsweise mal sein.

Achja, da war doch noch etwas: Nicht nur diejenigen, die sich mehr über einen deutschsprachigen Text von Collings freuen würden, dürfen sich gleich noch eine Buchpublikation vormerken:
Demnächst erscheint nämlich auch HOME MADE ELECTRONICS, das Buch zum HOME MADE LABOR. Und da ist unter anderem ein ebensolcher drin. Aber natürlich noch viel viel mehr - doch dazu dann zu gegebener Zeit...

[Bildchen: Für die geht der Dank diesmal an Dominik Landwehr a.k.a. Sternenjäger, aus dessen oben verankertem Archiv sich das Medium freudig bedienen konnte.]

Von miss.gunst am 26.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.06.06

Sportware Hacking (sonambiente ff.)

lcdag_ksw.gifNicht, dass das Medium seine Pässe nunmehr bevorzugt anderswo spielen würde. Zwar hätte das gestern in der Nachbarschaft, nämlich im digital brainstorming BLOG platzierte Hopp! in Richtung nachspielzeit.org auch bestens in den DIY-Zettelkasten gepasst. Der soll aber, Achtelfinaleeinzug hin oder her, vorsatzgemäss weitestgehend Ballsportfrei bleiben.
Eben deshalb wurden ja auch einige einschlägige sonambiente-Beiträge beim s-Spazierengehen schnöde umgangen.

Beinahe wären einem solchen Bogen auch Nicolas Collins, der
"Daguerreotypes [for reanimated LCD displays]" zum Opfer gefallen.

"Szenen aus der Welt des Sports werden in animierte digitale Daguerreotypen überführt. Zweiteilige Circuit-Installation zum Sehen und zum Hören."

wird die Arbeit nämlich seitens der sonambiente angekündigt. *Brrr* (oder etwas gepflegter formuliert: Et tu...), denkt man da - und will sich schon mit Grausen wenden: Bitte nicht noch mehr Kunst, die sich der Fussballdiktatur dieses Sommers beugt.

Aber das waere doch etwas voreilig.
Zwar ist es schon so, dass Collins mit Blick auf seine reanimierten LCD-Bildschirme explizit darauf verweist, dass sie dereinst mal dazu da gewesen seien, darauf beispielsweise Eishockeyspiele anzuschauen.
In seiner Installation zu sehen und zu hören ist aber dann eben doch alles andere als ein Sportprogramm.

lcda_g1.gifCharismatisch leuchten und tönen die kleinen Wiedergänger (sieht man übrigens sehr schön auf diesem Bild, das zu einem kleinen Artikel von Dominikus Müller über die sonambiente auf artnet.de gehört) - und können mit ihren schattenhaften Signalen eben doch nurmehr von der Vergänglichkeit berichten: Ihrer eigenen ebenso wie derjenigen der auf sie übertragenen Bilder/Töne, die ihrerseits so flüchtig waren wie die Ereignisse, die sie übermitteln sollten.

Dezente Melancholie mag sich da schon breit machen. Wird aber, bevor man ihr verfällt, von Collins selbst mit Sätzen umgehend wieder zurechtgerückt, die zugleich ein ziemlich zünftiges Wort zum Sonntag abgeben für HOME MADE-MedienKunstMusik befasste Menschen:

Mit armen Kunststudenten Workshops über Hardware Hacking durchzuführen, ist so, als ob man einen Volksstamm besuchen würde, der sich mühsam in einem keineswegs fruchtbaren Land durchs Leben schlägt – gerade so wie Rinderhufe zu Gelatine einkochen und Hoden zum Frühstück servieren.

Schöner Vergleich. Nur: Wie er wohl auf den kommt im Zusammenhang mit seinen reanimierten digitalen Daguerrotyp(i)en?
Das wird das Medium morgen verraten. Versprochen.

Von miss.gunst am 25.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.06.06

digital brainstorming blog

dbb_ksw.gifKleine Unterbrechung unseres sommerlichen Schlenderns durch Klanggärten zu Gunsten einer Werbung in verwandter Sache:
Die Plattform digital brainstorming - Webrepräsentanz und Archiv der gleichnamigen Veranstaltungsreihe zur elektronischen Kultur - ist renoviert worden.
Und zusätzlich zum neuen Gewand gibt es nun auch ein digital brainstorming BLOG.

Durch selbiges wird, gemeinsam mit einigen gleichermassen von der Materie inspirierten KollegInnen, fürderhin auch das Medium spuken.

Um nach sehens- und hörenswerten digitalen Produktionen zu lugen und zu lauschen bzw. seine Meinung zu Gesehenem und Gehörtem kundzutun. Mit dem einen oder anderen Gadgets zu spielen. Mehr oder weniger tragende Gedanken auf aktuelle Entwicklungen in der elektronischen Kultur zu verwenden (hoffentlich nicht: zu verschwenden). Und natürlich auch auf Veranstaltungen hinzuweisen, deren Besuch empfehlbar erscheint.

dbb_g.gifSoweit das Vorhaben. Das Blog ist noch ein bisschen Baustelle - aber man kann bereits in den ersten Einträgen stöbern.

Der heutige des Mediums hätte gut und gerne natürlich auch in dieses Log.Büchlein gepasst, nicht nur weil es seit je ein begeisterter Fan der Reines Prochaines ist. Sondern selbstredend auch, weil sich der eine oder die andere in der LeserInnenschaft für die Kiev Connection interessieren könnte, welche die künftigen Königinnen etabliert haben.

Andererseits erlaubt der Zuwachs an Platzierungsoptionen es eben künftig auch, sich etwas mehr aufs Kerngeschäft konzentrieren zu können - ohne gleich ein schlechtes Gewissen zu bekommen, wenn hier mal eine Aktualität in Sachen Schweizer Medienkultur übersprungen wird. Die wird dann nämlich in die nette Nachbarschaft gepackt.

Kurzum: Wer vom Zuwachs in der Familie bequem profitieren will, abonniert einfach ab sofort auch das digital brainstorming BLOG-RSS.

Von miss.gunst am 22.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.06.06

Klangbaum (Kubisch)

kbe_ksw.gifEigentlich klar, dass eine Doyenne der Klangkunst wie Christina Kubisch auf der sonambiente vertreten ist.
Um so schöner aber, ihren Beitrag ebenfalls in die Reihe zur Klanggärtnerei aufnehmen zu können.

Dass Kubisch mit ihren Arbeiten in den Aussenraum geht, ist natürlich alles andere als eine Überraschung: Genau dafür ist die Künstlerin schon Anfang der 1980er Jahre bekannt geworden, als sie mit elektromagnetischer Induktion zu experimentieren begann und auf dieser Basis ein System mit mobilen Kopfhörern entwickelte, dass es ermöglichte, beim Umherspazieren im Aussenraum entsprechende Klangkunsterfahrungen zu machen.

Schon damals gab es unter ihren Arbeiten Klangbäume: Umwickelt mit den Leitern, durch die Kubisch ihre Kompositionen schickt, gaben sie Klänge preis, sobald man sich ihnen mit den von Kubisch gebauten Induktions-Kopfhörern näherte.
[Sieht man sehr schön auf der oben schon mal verankerten Seite zum Induktionsprinzip auf dem Schwarzweiss-Photo oben links, "Ecouter les murs", Heidelberg 1981 - lässt sich per Mausklick vergrössern. Eine spätere, abstrahierte Variante für den Innenraum findet sich beispielsweise im 1989 entstandenen "Bird Tree".]

Für Berlin hat Kubisch nun nicht - was sicher auch sehr schön gewesen wäre - einen ihrer "Elektric Walks" eingerichtet; erst letzten Herbst konnte man einen solchen rund ums ZKM Karlsruhe unternehmen, und zwar im Rahmen der Ausstellung "Resonanzen. Körper im elektrischen Raum" (für ein Bildchen, das natürlich denkbar wenig über das akustische Erlebnis sagt, lässt sich die Presseseite konsultieren).

kbe_g.gifVielmehr hat sie eben einen Klangbaum gepflanzt - oder genauer gesagt, eine alte Eiche in einen Klangbaum verwandelt.
"The Royal Tree"

"[...] ist der einzige alte Baum in der Umgebung [am Schlossplatz]. Zwischen seinen Ästen und Blättern werden 14 bronzefarbene Hochtöner befestigt, ein leuchtender Schmuck im Grün. Auf dem Dach eines nahe gelegenen orangefarbenen Baucontainers stehen 14 Solarpaneele mit schwarzer Oberfläche. Die elektrische Energie, die die Solarzellen erzeugen, wird jeweils an ein elektronisches Steuermodul geleitet, das wiederum mit je einem Lautsprecher verbunden ist. Je nach Lichtintensität erzeugen die Module wechselnde Klänge, die über die Hochtöner im Baum erklingen.
Die Klänge folgen dem Zeitrhythmus der Natur, richten sich nach den verschiedenen Tages und Nachtzeiten, Licht und Schatten, der Wetterlage. Manchmal klingen sie wie Vögel, manchmal wie Insekten, manchmal auch wie Handys."

Das klingt schon beim Lesen ziemlich gut. Erst recht aber vor Ort.
Und hoffentlich auch noch über die sonambiente-Zeit hinaus.
Anders als viele von Kubischs Arbeiten im Aussenraum, die als temporäre Installationen angelegt waren - folglich längst wieder von der Bildfläche verschwunden sind und nurmehr im Gedächtnis derer nachklingen, die sie erlebt haben - soll "The Royal Tree" auf Dauer zu sehen und zu hören sein. Was sicher ein Gewinn wäre für den Klanggarten Berlin.

[Bildchen: Natürlich nicht Kubischs Klangbaum, sondern nur ein vom Medium imaginierter. Aber immerhin eine alte Eiche, die es dem von John Knouse unter GNU Public Licence in der Wikipedia publizierten Foto einer amerikanischen Quercus alba bzw. Weiss-Eiche verdankt.]

Von miss.gunst am 21.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

20.06.06

Gartenhaus für Cage (Curran)

acgfj_ksw.gifVon Susan Hillers Mendel-Carillon aus haben wir es nicht weit bis zur nächsten sonambiente-Klanggartenstation:
Ebenfalls im Aussenbereich des alten Akademiegebäudes am Hanseatenweg hat Alvin Curran ein Gartenhäuschen als Hommage an John Cage eingerichtet.

Für "Gardening with John" hat Curran zunächst einmal akustisches Saatgut gesammelt, das teilweise direkt, teilweise indirekt auf Cage zurückgeht. Aufnahmen seines Lachens beispielsweise. Die akustische Atmosphäre seines Appartments in New York. Klänge vom Schachspielen. Und vom Sammeln und Zubereiten von Pilzen, für die Cage bekanntlich eine besondere Leidenschaft besass.

Einiges davon hatte Curran, wie er erzählt, zuvor schon für eine frühere Cage-Hommage zusammengetragen, nämlich "Erat Verbum John" (1999) - ihrerseits Teil des umfassenderen, bereits 1989 begonnenen "Erat Verbum"-Projekts, zu dem er passender Weise seinerzeit bemerkte:

"Ich bin Gärtner. Ich pflanze überall Töne an, und im geeigneten Augenblick ernte ich sie. erat verbum ist eine Art Ernte-Liederbuch - eine Sammlung auserlesener Töne, Klänge und Geräusche, die ich in den letzten dreißig Jahren von überallher zusammengetragen habe..."

acgfj_g.gifSpeziell zu "Gardening with John" schreibt Curran wiederum:

"Meine Klanginstallation [...] basiert teilweise auf einigen dieses originalen Erat-Verbum-Materials, frei ergänzt durch ausgewählten Klänge aus meinem Archiv. Per Zufallsgenerator werden diese Klänge aus der Datenbank ausgewählt, was eine intentional angelegte Folge oder Komposition verhindert."

Beiseit: Ein Verfahren, das per se schon als Hommage an Cage verstanden werden kann.

Die erste Version der Arbeit entstand 2005 für die Ausstellung "Playing John Cage", die von keinem Geringeren als David Toop für die Arnolfini Gallery in Bristol kuratiert wurde.

Nun, im direkten Vergleich kann man sicher sagen, dass Version 1.1 tatsächlich ein Upgrade darstellt. Auf der Audio-Ebene folgt sie zwar demselben Prinzip und greift auf dasselbe Ausgangsmaterial zurück. Aber abgesehen davon, dass man dank der Programmierung niemals in denselben Klangfluss taucht, hat sich die Arbeit durch den Umzug in den Garten nun wirklich in einen veritablen Klanggärtnerschuppen verwandelt. Also sozusagen zu sich selbst gefunden.

[Bildchen: Eine geeignete Gartenhütte - allerdings wie sie dem Medium erschien. Daher etwas geisterhaft. Aber durchaus zum Sammeln von Sporen- und Flugsamenklängen geeignet. Und alles andere, was erratisch schwebt.]

Von miss.gunst am 20.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.06.06

Klanggärtnern mit Mendel (Hiller)

shmc_ksw.gifNach dem kleinen Abstecher zu Fontanas singender Brücke in London können wir die Schritte unseres sommerlich gestimmten Spaziergang nun wieder in Richtung sonambiente lenken.
Die hat für Ausflüge in den Aussenraum natürlich ebenfalls einiges zu bieten - nicht nur die bereits erwähnte Klangjause am sprechenden Frittenbüdchen.
Sondern auch, was aus HOME MADE-Perspektive besonders interessieren kann: Veritable Klanggärtnerei.

Andres Bosshard - sozusagen unser Stammgklanggärtner, der in der aktuellen Saison wieder einen Workshop anbieten wird (dazu angelegentlich mehr) - ist in diesem Jahr zwar nur mit einem Katalogbeitrag dabei.

Aber es gibt selbstredend noch weitere KollegInnen, die sich mit diesem wichtigen Zweig der Klangkunst beschäftigen. Im Rahmen der sonambiente hat sich beispielsweise auch Susan Hiller, die gerade erst im vergangegen Jahr mit einer beeindruckenden Retrospektive in der Basler Kunsthalle zu Gast gewesen ist, unter die GärtnerInnen gemischt.
[Falls es mit Blick auf die Basler Schau eine Erinnerungsstütze brauchen sollte, kann das Medium hierzu einen Anker zu einem Artikel anbieten, den es seinerzeit - allerdings unter seinem bürgerlichen Namen - für das Kunst-Bulletin verfasst hat].

shmc_g.gifAllerdings liessen die Werke, die dort zu sehen waren, nicht unbedingt darauf schliessen, dass man Hillers Audioarbeiten gewissermassen auch in freier Wildbahn begegnen könnte: Charakteristisch für ihren Ansatz ist nämlich sonst eher die systematische Auseinandersetzung mit dem, was Freud das kulturelle Unbewusste genannt hätte - und den medialen Kanälen, durch die es sich dann wortwörtlich bzw. sprachlich oder bildhaft seinen Weg bahnt. Eine Art Psychic Acheology, wie denn auch eine ihrer jüngsten Arbeiten heisst.

Nun, bekanntlich kann man einiges durch die Blume bzw. mit Blumen sagen - und das gilt auch in diesem Fall. In Berlin lädt uns Hiller nämlich in den Rosengarten der (alten) Akademie der Künste am Hanseatenweg ein.

Ob es bei dieser Ortswahl eine Rolle spielte, dass der Aussenbereich seinerzeit tatsächlich nach einem gartengestalterischen Gesamtkonzept angelegt wurde - und sich die Existenz des Rosengartens offenbar der besonderen Vorliebe des Architekten Walter Rossow für Rosenstauden verdankt?
Möglich wäre das insofern, als Rossows hiermit offenbar zusammenhängende Philosophie eines im Pflanzenwuchs zum Ausdruck kommnden Evolutionsgedankens ("Gartendenkmalpflege ist Entwicklungspflege") tatsächlich einen kleinen Brückenschlag zum Thema von Hillers Klangarbeit gestattet:

"What every gardener knows" ist nämlich ein Carillon, also ein Glockenspiel, dessen Melodie auf Gregor Mendels Vererbungslehre bzw. den von ihm entdeckten und nach ihm benannten "Mendelschen Gesetzen" basiert.

Allerdings will Hiller ihre Komposition gerade nicht als Hommage an die Konsequenzen verstanden wissen, die eine bei praktischer 'Anwendung' der Gesetze ebenfalls mögliche systematische Selektion zeitigen kann:

In Gegensatz dazu interpretiert mein Garten-Glockenspiel die Mendelsche Lehre von der Verteilung der Erbeigenschaften als eine Affirmation der Verschiedenheit. What Every Gardener Knows zelebriert die Muster der Selbstähnlichkeit und der Differenz, des Dominanten und des Rezessiven auf eine tiefgründigere und kompliziertere Weise, als es zuerst scheinen mag. Es betont den Weg, wie Mendels System die Vererbung von unsichtbaren Merkmalen erklärt, die auf komplexe und überraschende Weise zur möglichen Kombination und Rekombination der Eigenschaften führt. In diesem Sinne singt mein Glockenspiel für uns alle, im Gegensatz zu den exklusiven Adressaten der Kirchenglocken und des Rufs des Muezzins.

shmc_g2.gif"Alle Gestalten sind ähnlich / doch keine gleichet der andern", schrieb ja zu Recht auch schon der gute Goethe (der wiederum bei seinen Überlegungen zur Metamorphose der Pflanzen welche besonders fest im Auge hatte? Genau...).

Auf den sonambiente-Seiten gibt es zwar die Partitur, aber leider kein Bild vom Rosengarten zu sehen. Was eigentlich schön gewesen wäre - auch wenn es dort 'nur' etwas zu Hören gibt.

Alternativ kann das Medium nun aber nicht nur einen Blick auf den "Chinesischen Pavillon" im Stadtpark Lahr anbieten [zwecks Sichtung bitte ebd. nach unten blättern]. Für den war die Arbeit 2003 ursprünglich mal entstanden, als dort die temporäre Ausstellung "genius loci - Kunst und Garten" stattfand.

Wer sich im Vorfeld seines Spaziergangs zum adk-Rosengarten schon mal einen kleinen akustischen Eindruck verschaffen möchte, kann nämlich auch bei Susan Hiller selbst vorbeischauen: Dort hat es nämlich auf der Seite zu "What every Gardener knows" sogar ein kleines mp3 mit einer Kostprobe vom Carillon.

[Bildchen: Sieht man ja, was es ist. Bzw. was dabei herumkommt, wenn das Medium fröhlich Erbslein mendelt...]

Von miss.gunst am 19.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

18.06.06

Klingende Brücke (Fontana)

mbfhb_ksw.gifA propos Ambulatorium: Angesichts der sommerlichen Witterung liegt es denkbar nahe, den Begriff wirklich beim Wort zu nehmen und mal dezidiert mehr nach den Klängen im Aussenraum zu lauschen.
Die hat es natürlich sowieso immer und überall. Aber besonders interessant sind für dieses Log.Buch doch solche, die von Künstlerhand installiert und/oder modifiziert wurden.
Wer in diesen Tagen beispielsweise zufällig gerade in London weilt, sollte es nicht versäumen, über die Millennium Bridge zu schlendern.

Die liegt für Kunst- und Kulturspaziergänger im Prinzip sowieso immer auf dem Weg, weil sie die Tate Modern mehr oder weniger direkt mit einer der nächstgelegenen U-Bahnstationen verbindet.

mbfhb2.gifSpeziell für Klangkunst-Fans ist dieser Gang derzeit aber ein absolutes Must. Seit dem 16. Juni (und noch bis zum 16. Juli, also genau einen Monat lang) schwingt sie nämlich nicht nur - wobei letzteres nach der temporären Schliessung und Renovierung leider nurmehr ziemlich bland und kaum zu spüren ist.
Nein, sie klingt auch noch. Und zwar durchaus vernehmlich.

Dies verdankt sie einer Intervention des diesem Log.Buch bereits häufiger in den Radar gegangenen Klangkünstlers Bill Fontana.

Sein Projekt "Harmonic Bridge" geht dabei von jenen Klängen aus, welche die Brücke per se schon aufgrund ihrer Bauweise produziert, die wir aber normalerweise eher zu überhören tendieren.
Beiseit: Nicht, dass sie völlig unhörbar wären - auch wenn ein Teil der Frequenzen ausserhalb des für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Spektrums liegen mag. Man muss nicht einmal allzu angestrengt die Lauscher spitzen, um zum Bespiel nach wie vor das leise Singen der Materialschwingung zu vernehmen, Umbau hin oder her...

Der Text zur Ausstellung weiss jedenfalls eine beindruckende Vielfalt brückeneigener Gesänge aufzuzählen:

"Vibrations caused by wind, boats, wheelie bags or footsteps register in different ways to create a spectrum of contrasting rhythms, tones and percussive shimmers. The suspension and handrail cables interact with each other. For instance, the twanging that resembles the sound of an unplugged electric guitar being strummed is actually the wind moving the cables beneath the handrail. Each time the wind buffets the cable against the hole in the handrail support a unique chord is unleashed. When this happens, the different suspension cables register this sound as a high pitched ping from a woodblock or triangle. When a boat goes under the bridge, the vibrations of the wake against the concrete towers are registered by the suspension cables as a slowly building hiss that gradually dies away. Sometimes the wind conditions make the handrail cables hum with a pure tone that resembles a theremin."

mbfhb1.gifFür deren Transfer in ein Klangkunst-Konzert sorgen die von Fontana an verschiedenen Stellen an der Brücke angebrachten Sensoren bzw. Verstärker. Und zu hören ist dieses dann - im Prinzip simultan, aber natürlich können Normalsterbliche nur an einem von beiden Orten die Ohren spitzen - in der temporären Installationen vorbehaltenen Turbinenhalle der Tate Modern (wer sie nicht kennt: Bildchen inklusive 360°-Panorama gibt es hier) sowie in der U-Bahn-Station Southwark.
Und dort übrigens nebenbei auch Teil der Reihe plaform for art, die man sich in Sachen Reisewege zur Kunst in London gleich mit auf den Merkzettel schreiben sollte.

Aber nochmal zurück zur Harmonic Bridge, mit der in diesem Fall nicht nur die klingende Millennium Bridge selbst, sondern auch die "Klangbrücke" zwischen den drei Orten gemeint ist.
Von lässt sich nämlich sogar aus der Ferne ein kleiner Eindruck erhaschen: Wunderbarerweise kann man auf der Webseite zur Ausstellung nämlich nicht nur zwei Hörproben laden und lauschen (Nummer 1 und Nummer 2, beide mp3).
Sondern auch mit einer kleinen Flaschanimation spielen (ok: hier mag das Medium ausnahmsweise mal), bei der man quasi die Sensoren/Verstärker frei an verschiedene Punkte verschiebt.

Und dann? Will man das Ganze halt doch am liebsten vor Ort sehen hören und erleben...

[Bildchen: Täppische Versuche, Brücke und Sensoren auf dem heimischen Schirm zu materialisieren. Wie gut, dass das Medium mit so was in der Regel nicht sein Geld verdienen muss.]

Von miss.gunst am 18.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

16.06.06

dorkbot swiss sommertreffen

dbs_ksw.gifVor gut einem Jahr gab es schon mal ein herrliches dorkbot swiss-Sommertreffen in Zürich mit zünftigem kleinen Grillfest im Kasernenhof - die dorkbot hacienda.
Heute (16.06.06) ist es nun wieder einmal so weit.

Die dorkies laden zum letzten Treffen vor der verdienten Sommerferienpause in den Walcheturm. Und wenn das Wetter mitspielt, wird eben wieder nicht nur präsentiert und sich ausgetauscht, sondern auch Essbares auf glühenden Kohlen gegart.

Auf dem Programm haben sich diesmal eingetragen:

dbs_z0616.gifBeat Brogle, der sein zusammen mit dem Programmierer Philippe Zimmermann realisiertes Projekt "ONEWORLDMOVIE" vorstellen wird, das der eine oder die andere möglicherweise auch schon über die Sendungen des 56k bastard TV kennengelernt hat.

Sodann wird Georg Greve von der free software foundation europe eine Einführung zu selbiger geben sowie speziell über soziale Aspekte digitaler Freiheit sprechen. Diejenigen, die beim Gedanken an das - allerdings auch auf den fsfe-Seiten genau so ankgekündigte - Aufeinandertreffen von "Freie[r] Software und digitalem Lifestyle" die Brauen kräuseln, sollten zur Einführung vorneweg vielleicht mal etwas Grundlegendes zur Freien Software lesen.

Just in diese Richtung geht es dann nämlich auch im Anschluss weiter, wenn "netpd" im Mittelpunkt steht - wie man sich vom Namen her schon fast denken kann, ein Netzwerk sowie eine Art Plattform für die Arbeit mit Pure Data, was wiederum bekannter Massen eine als Freie Software und entsprechend Open Source entwickelte Arbeitsumgebung für digitales Audio und Video ist. netpd will sich allerdings vornehmlich um ersteres kümmern, also für Menschen, die elektronische Musik machen da sein (nunja, das entspricht durchaus der Audio-dominierten pd-Szene).

Dass es auch drumherum ein netter Abend werden dürfte, lassen die bisherigen Erfahrungen mit Schweizer dorkie-Treffen doch stark vermuten.
Wer allerdings tatsächlich keine Zeit hat, muss nicht gleich verzweifeln. Sondern nur den dorkbotswiss-freien August überleben. Am 07.09.06 gibt es dann nämlich schon die nächste Chance - und diesmal gleich als Teil der Zürcher Station des HOME MADE Labors.

Von miss.gunst am 16.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

sonambiente im GUNSTradio

gur_ksw.gifNur am Rande, aber da das im weitesten Sinne schliesslich auch zum sonambiente-Ambulatorium des Mediums gehört:
Just am heutigen Freitag ist auch wieder ein GUNSTradio-Tag - und auf dem Programm steht diesmal, genau: die sonambiente.

Keine leichte Übung übrigens, eine Sendung zu Klangkunst zu machen, die sich - jedenfalls im Idealfall - dezidiert ortsspezifisch positioniert und entfaltet. Und folglich nicht so ohne Weiteres in Radio übersetzt werden kann.

Wie sich das Medium um dieses Hindernis herumschleicht?
Wird von 14:00 Uhr bis 15:00 Uhr auf dem Frankfurter (!) RadioX zu vernehmen sein [= 91.8 MHz bzw. 99.85 Kabel und leider immer noch nicht wieder via Webstream - also nur ziemlich lokal zu empfangen].

  • Lokaltermin:
    sonambiente : stationen
    GUNSTradio am Freitag, den 16.06.2006
    von 14.00 Uhr bis 15.00 Uhr
    auf RadioX Frankfurt am Main
    UKW 91.8 - Kabel 99.85

    Von miss.gunst am 16.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.06.06

    Musik, Kunst und Roboter

    sma06_ksw.gifAuch als Medium kann man nicht überall gleichzeitig sein, leider.
    Ansonsten gäbe es gerade nämlich neben Basel und Berlin noch eine dritte Stadt mit B, die sich für einen Besuch empfehlen würde bzw. empfiehlt: Bremen.

    Schon seit Dienstag tagt man dort zu einem Thema, das aus HOME MADE-Perspektive ziemlich heftig lockt: Musik, Kunst und Roboter.

    SMART 2006 heisst das Ganze und besteht neben dem namensgebenden "Symposium [on] Music, Art [and] Robotics" aus zwei Ausstellungen, die leider ebenfalls keine wesentlich längere Laufzeit haben als ersteres.

    Immerhin gibt es im Netz nicht nur das Tagungsprogramm (auch als pdf) und Abstracts (dito) der Vorträge, die von einer illustren Menge ebenso illustrer WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen gehalten werden, einzusehen.

    smab06_g.gifSondern auch Basisinformationen zu dem, was an Praxis aus diesem Gebiet zu sehen ist:
    Aussstellung #1 in der Hochschule für Künste Bremen (seit einiger Zeit schon in die Speicherstadt umgezogen, ziemlich schick dort) versammelt unter anderem eine "Prehysterical Machine" des kanadischen Robotik-Künstlers Bill Vorn (die vermutlich mit seinen "Hysterical Machines" eng verwandt sein dürfte, und das Bug-Lab (??? oder vielleicht doch besser: Dog-Lab) seiner französischen Kollegin France Cadet - in dem nämlich keine Käfer herumkrabbeln, sondern Robodogs.

    In Ausstellung #2 in der GAK Bremen wiederum treffen wir sozusagen alte Bekannte wieder:
    Dort stellen die Roboterbauer vom Hamburger f18-Institut - die ja auch schon bei Playground Robotics mit dabei gewesen waren - speziell verdrahtete Wohnzimmer(einrichtungen) (Happy Living Rooms) vor.

    Schade, jetzt nicht mal eben dort hinhuschen zu können - aber schön, dass es wenigstens den einen oder anderen Einblick onlien gibt.
    [Geht noch bis zum morgigen Freitag (16.06.) bzw. bis zum Sonntag (18.08., Ausstellung #2).

    Von miss.gunst am 15.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.06.06

    Varèse hören und sehen

    ev_sir_ksw.gifNun aber huschhusch schleunigst von Berlin nach Basel. Bevor wir uns in den saisonbedingten Messe- Listen- undwasnichtnochalles-Trubel stürzen, harrt da sozusagen noch ein nahe liegender Hinweis auf eine Schau, die schon etwas länger vor Ort zu sehen ist:
    Das Museum Tinguely feiert in diesem Sommer nämlich Edgard Varèse.

    Die in Zusammenarbeit mit der Paul Sacher Stifung realisierte Ausstellung "Edgard Varèse. Komponist - Klangforscher - Visionär" ist mitnichten nur etwas für Menschen, die beim Autographenlesen in andächtige Verzückung fallen und vor in Vitrinen aufgebahrten Kompositionsnotationen ehrfüchtig in die Knie zu gehen pflegen. Obwohl es für die natürlich auch Einiges zu sehen gibt - Bestände übrigens, die zu Guten Teilen nun in Basel beheimatet sind, da die Sacher-Stiftung den Nachlass des Komponisten erworben hat. (!)

    ev_sir_g.gifAber zum einen hat sich Varèse als neugieriger und experimentierfreudiger Zeitgenosse bekanntermassen sein Leben lang wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser unter KünstlerInnen getummelt, mit ihnen zusammengearbeitet, von ihnen gelernt - und umgekehrt. Als da wären beispielsweise Antonin Artaud, Alexander Calder, Marcel Duchamp (so dass seine Musik auch wunderbar zum Jean-Marie Drots Filmporträt A game of chess with Marcel Duchamp passt, das allerdings erst nach dem Tode beider Künstler geschnitten wurde), Le Corbusier, Man Ray oder der hier ebenfalls schon verschiedentlich gewürdigte Luigi Russolo.

    Zum anderen hat das Museum Tinguely die Varèse-Exponate nicht nur mit Arbeiten des Klangbastlers aus der eigenen Sammlung kombiniert, sondern mit einer Arbeit, die unter anderem ja auch im Rahmen des ersten HOME MADE Labors präsent war - nämlich "instant city" von rosen+spademan a.k.a. Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth (hier in Zusammenarbeit mit Volker Böhm.

    Wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat und es jetzt während der Messewoche aber auch nicht schafft: Noch bis 27. August (2006) läuft die Schau. Das sind immerhin noch ein paar Wochen - aber Vorsicht, erfahrungsgemäss sind die schneller herum als man hinterhergucken kann...

    [Bildchen: Auf der Suche nach einer passenden Illustration ist dem Medium eine prächtige Sirene in den Radar gegangen - für das Vor-Bild dankt es Karl Gruber, der letzteres mit GNU Public Licence versehen und in die Wikipedia gestellt hat. Das natürlich als Hommage an Varèse-Kompositionen wie Ionisation gedacht - auch wenn in der Basler Ausstellung ein anderes Modell vertreten ist.]

    Von miss.gunst am 14.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.06.06

    Sprechendes Frittenbüdchen

    sifri_ksw.gifMan muss schon ein bisschen suchen, um auf einer Ausstellung, die sich so einem seriösen wie sensiblen Anliegen wie der Vermittlung zeitgenössischer Klangkunst widmet, eine definitiv erheiternde Arbeit zu finden. Nicht, weil in diesem Segment künstlerischer Produktionen dürre Humorlosigkeit dominieren würde. Aber im Rahmen offizieller Anlässe geht es traditionsgemäss gern etwas gesetzter zu.

    Umso schöner, dass die sonambiente mit einer sprichwörtlichen Ausnahme von dieser ungeschriebenen Regel aufwarten kann.

    Materialisiert hat sich selbige in Gestalt eines sprechenden Frittenbüdchens, genauer gesagt: Dem "takeaway: Haste Töne" (2006) von Georg Klein und Steffi Weismann.

    sifri_g.gifDas steht bzw. rollt derzeit auf dem Gelände nächst einer der peinlichsten Baustellen der Bundesrepublik Deutschland herum - nämlich auf dem Schlossplatz, wo derzeit der zuletzt als wunderbarer Ausstellungsort genutzte alte Palast der Republik abgerissen wird, damit irgendwann in ferner Zukunft ebendort eine Atrappe des ehemaligen Berliner Stadtschlosses aufgebaut werden kann.

    Wie das Ganze funktioniert, lässt sich en detail in der Projektbeschreibung auf den sonambiente-Seiten nachlesen - gesehen, gehört und erlebt werden will die sonore Imbissbude aber natürlich direkt vor Ort.

    Anklang findet die Arbeit übrigens bereits - mehr dazu dann aber in weiteren Folgen des virtuellen sonambiente-Spaziergangs, in denen natürlich auch noch einige lesens- und hörenswerte Berichte aus der Blogosphäre weitergereicht werden sollen, die dem Medium derzeit fast täglich in den Radar gehen...

    [Bildchen: Gehört wie so oft, nicht direkt zur im Eintrag bejubelten Kunst - allerdings kam beim Gedanken an eine sprechende Frittenbude auf das Medium nachgerade zwangsläufig die Vision von singenden Bratwürsteln nieder. Um dieser dann zünftige Gestalt zu verleihen. konnte glücklich das von Norman Rogers netterweise den Commons überlassene Wikipedia-Bild "Tablett mit Würsteln" genutzt werden.]

    Von miss.gunst am 12.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.06.06

    radio einszueins sendet (WRT)

    r11n_ksw.gifVor fast vier Wochen wurde an dieser Stelle ein (Auf)Ruf von Radio 1:1 publiziert (und, zugegeben: auch kommentiert).
    Seit ein paar Tagen hat es nun tatsächlich den Betrieb aufgenommen - was nicht nur den Anlass zu einer entsprechenden Meldung gibt. Sondern natürlich auch die Möglichkeit, mal genauer hinzuhören, was aus den doch recht vollmundig klingenden Plänen so geworden ist.

    Gleich auf den ersten Blick bzw. Klick zu registrieren: Die Einstiegsseite unter www.radioeinszueins.de hat sich rasant verändert - das sozusagen saisonkonforme Fussballfeld-Diagramm, das einen Überblick über die Produktionsstruktur liefern sollte, ist verschwunden [wie gut, dass das Medium damals bei den Open Ateliers im Tesla eine Postkarte mitgenommen hat - es lebe das Realien-Archiv!].

    Stattdessen 'klebt' da momentan eine Art Plakat, auf dem virtuelle Post-Its ("Coming Soon") auf den Stream zum Mithören lenken. Der läuft über den Klubradionet-Server und liefert momentan allerdings noch, extra ätherisch, tiefes Schweigen - weshalb der im Eintragstitel gekürzelte Webradio-Tipp noch nicht wirklich als solcher gelten kann. Ob da wohl Hoffnung ist?

    r11n_g.gifNun: "Bald" ist zwar ein dehnbarer Begriff - da das Ganze jedoch als Sommerkulturradio während der WM gedacht ist, müsste es doch im Lauf der nächsten vier Wochen funken. Jedenfalls, so man sich nicht mit einer lokalen Ausstrahlung zufrieden gibt - den auf den heimischen 95.2 MHz scheint es bereits zu laufen. So wurde es uns mindestens über die (ebenfalls offiziell überregionale, in realiter aber etwas lokallastige) Mailingliste rohrpost jüngst verkündet.

    Immerhin ist im Hintergrund inzwischen ein radioeinszueins-Blog eingerichtet worden - in dem man dann folglich mitlesen kann, welches Programm uns mangels Stream vorerst vorenthalten bleibt. Kleiner Trost: So viel scheint es bislang nicht zu verpassen zu geben. Und perspektivisch gilt, um uns mal das Motto eines geschätzten Blognachbarn zu leihen:
    Was wird, werden wir hören...

    Von miss.gunst am 11.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.06.06

    Klangbasteln auf Klostergrund

    hm_rm_ksw.gifWo gerade erst vorgestern so nebenbei auf die neue Reihe mit HOME MADE-Workshops verwiesen wurde:
    Die Anmeldung zu den Veranstaltungen läuft bereits - und insbesondere, wer beim Klangbasteln in Romainmôtier mit dabei sein will, sollte sich sputen.

    Schliesslich sind es nur noch knapp fünf Wochen, bis dieser Workshop als erster der diesjährigen HOME MADE-Workshops beginnt.

    Als KlangbastelexpertInnen mit dabei sind diesmal Iris Rennert (Musikerin und Sounddesignerin Biel), Christoph Grab (Musiker und Kamikaze-Löter Zürich, dessen Neigung zum Jazzen beim Umbau von schnödem Spielzeug in phantastische Klangerzeugungsmaschinchen doch stark in den Hintergrund tritt) und Uwe Schüler (Ingenieur und Bastler, Tübingen).

    Auf der Basis der eigenen Erfahrungen, die das Medium im vergangenen Mai vor Ort im Rahmen des ersten HOME MADE-Labors sammeln konnte, sei an dieser Stelle bemerkt:
    Nicht nur die Menschen, sondern auch schon allein der Aufenthalt an sich im idyllischen Jura lassen sich allerallerwärmstens empfehlen.

    hm_rmg.gifAn die ursprüngliche Zweckbestimmung des ehemaligen Pilgerhaus L'Arc erinnert nämlich gerade mal noch die bukolische Lage neben der Klosterkirche (inklusive Garten, kleinem Mühlbach und mittelalter geplastertem Höfchen); drinnen ist es ziemlich luxuriös und obendrein auch ziemlich originell renoviert - und lässt es auch an einschlägigen Ausstattungselementen für Nerds nicht fehlen (u.a. WLAN mit perfekt flutschender Verbindung und das for free, allzu abgeschieden muss man sich also nicht gerade fühlen).

    Dass rundum entsprechendes Gelände zum Lustwandeln satt zur Verfügung steht, ist sicher nicht eigens der Erwähnung wert. Vielleicht aber angesichts der erwartbar sommerlichen Witterung zu ergänzen: Gebastelt werden kann wahlweise draussen im Garten oder, falls nötig, auch zurückgezogen in den Kühlung versprechenden Innenräumen. Und wenn man des Ortes mal fliehen will, bietet sich für einen Sprung ins erfrischende Nass ein kleiner Badeausflug zum nächsten Bergsee an (ebenfalls bereits im vergangenen Mai - ! - am eigenen Leib erprobt und für gut befunden).

    Kurzum: Auch wenn man eigentlich zum fleissigen Klangbasteln kommt, sind Urlaubseffekte nachgerade unvermeidlich - während sich umgekehrt die selbstgewählten Weltferne ganz nach belieben dosieren lässt.

    Wen es nun langsam, aber sicher lockt:
    Alles Wissenswerte zum Workshop in Romainmôtier - vom 17.07.06 bis 23.07.06 - auf den HOME MADE-Seiten; ebendort auch ein praktisches online-Formular.

    [Bildchen: Stammen beide vom ersten HOME MADE-Labor; das farbige zeigt übrigens eine bekannte dorkbot swiss-Aktivistin in medias res...]

    Von miss.gunst am 10.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.06.06

    sonambiente blogging (Zúñiga)

    strup_ksw.gifIst doch immer wieder ideal, wenn man zu einer Veranstaltung von Interesse auf nette Nachbarn verweisen kann.
    Was im Fall des mutek-Festivals der lila Panda leistete, findet sich nun für das (die?) sonambiente bei Structural Patterns, dem Blog von Ricardo Miranda Zúñiga.

    Zúñiga ist selbst mit einem Projekt beteiligt, das eigentlich einen eigenen Eintrag verdient. Bzw. in den nächsten Tagen noch bekommen wird.

    strup_g.gifWeil sich das Medium nämlich anderweitig tummeln muss und es dementsprechend eilig hat, huscht es heute schleunigst zu den seiner harrenden Baustellen weiter - und emfiehlt seinen LeserInnen eben, sich derweil genüsslich die beiden bislang publizierten sonambiente-Einträge von Zúñiga zu Gemüte zu führen:

    Einen ersten Rundgang von 04.06.06 - in dem unter anderem auch das Projekt "3HfA (Ein Märchen mit ViewMaster und Kopfhörer)" Erwähnung findet, das die auch bei HOME MADE beteiligte Klangbastlerin Iris Rennert zusammen mit Oliver Friedli im Rahmen des sonambiente-Laboratorium aufgebaut hat.

    Sowie einen zweiten, am Mittwoch (07.06.06) publizierten Eintrag, in dem das hier ja nun auch schon ebenso häufig wie gern gepriesene Tesla Berlin vorgestellt wird, in dem - als spezielle Tesla-mit-sonambiente-Kooperation ebenfalls einige Arbeiten zu sehen, hören und erleben sind (und auch verschiedene Begleitveranstaltungen stattfinden).

    Das alles mit vielen leckeren Bildern und aus erster Hand. Also, was will man mehr?

    Von miss.gunst am 09.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    08.06.06

    Medien-Kunststoff-Magazin

    xmed_ksw.gifIm Zuge seiner Nachforschungen zu den Aktivitäten der society of algorithm ist das Medium auf eine spannende Publikation aus dem Umfeld gestossen, die es natürlich umgehend weiterempfehlen möchte...

    Auf der - im übrigen auch ihrerseits mit einschlägig interessanten Inhalten prall gefüllten - Plattform okno.be, die vom gleichnamigen "interdisciplinary media center for art and technology" betrieben wird und auf der unter anderem eben auch Akihiro Kubotas Manifest "for a society of algorithm by the society of algorithm" zu finden ist, steht unter den Neuigkeiten nämlich auch die Ankündigung des .x-med-a. magazine.

    xmed_g.gifFolgt man ihr, so landet man bei einem immerhin mehr als 150 Seiten starken Reader (im praktischen pdf-Format), der es wirklich in sich hat - jedenfalls aus dem Radius von HOME MADE betrachtet.

    So enthält er eben nicht nur einen Text von Guy van Belle und Akihiro Kubota zur society of algorithm, ein Interview mit Kubota und einen weiteren Text von soa-Mitstreiter Isjtar über den artbot MAI.

    Sondern auch ein Stück von Nic Collins (genau, der ist dieses Jahr mit einem Workshop in Zürich bei HOME MADE dabei - und in diesem Blog sowieso) mit dem schönen Titel "Searching for the perfect bleep" sowie ein Interview, das Els Viene und Dieter van Dam mit ihm geführt haben.
    Und ein Gespräch mit David Rokeby.

    Und und und.
    Also, ehrlich gesagt: Das Medium will jetzt auch lieber als Log.Buch schreiben selbst ein bisschen schmökern.
    Man liest sich morgen ff. wieder...

    Von miss.gunst am 08.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.06.06

    Algorithmusmusik (society of algorithm)

    soa06_ksw.gifGleich weiter im Takt bzw. in Sachen sonambiente-Ambulatorium - und zwar mit der zweiten webbasierten Arbeit, die als online-Beitrag zur Ausstellung im Bereich "net music" geführt wird.
    Und die einen völlig anderen Zugang bietet als Ana Torfs gestern vorgestellte "Approximations - Contradictions" an/zu Eisler:
    Die Patamutation(en) der "society of algorithm".

    Hinter der bzw. denen - denn aktuell sind Werk und virtuelle Repräsentanz quasi eins - stehen zwei nicht ganz unbekannte Aktive der elektronischen Musik, nämlich Guy van Belle und Akihiro Kubota sowie ihr Kollege (oder handelt es sich um eine Kollegin? oder ... ein Medium?) Isjtar.

    soa06_g.gifWie der Name der Gesellschaft schon ahnen lässt, geht es um ein nachgerade klassisches Verfahren der elektronischen Musikkomposition, nämlich die Komposition mit Algorithmen - die in diesem Fall offenbar von einem fleissigen Bot verfolgt wird, dessen unermüdliche Tätigkeit man durch den Besuch der Webseite während des Festivals offenbar auch beeinflusst bzw. beeinflussen können soll:

    … während des festivals lässt society of algorithm auf grundlage einer evolvierenden matrix, die als bild und klang ausgelesen wird, ein internet-stück entstehen. im verlauf von zwei monaten können sich teilnehmer, aus berlin und anderswo, an die matrix anschließen und in den generativen prozess eingreifen, unter verwendung von algorithmen, die die evolution beeinflussen …

    Aber wie kitzelt man Automaten unter den Achselhöhlen? Oder vielleicht etwas passender? Wie reisst man einem algorithmischen Finken des Programmloop-Stöckchen aus dem Schnabel resp. einem dominanten Gen?
    Das ist dem Medium, ehrlich gestanden, noch nicht so ganz glasglockenklar geworden. Wenn man sich nämlich der online-Patamutationsmaschine musikgenmanipulationswillig nähert, läuft die scheinbar ganz unbeeindruckt weiter.

    Klickt man dagegen auf die Fensterchen, so scheinen Bild und Ton einen solchen eher brachialen Eingriff nicht gerade gut zu vertragen - sie frieren ein.
    Ob dann, weil man es vor dem Schirm natürlich mit dem Phänotyp zu tun hat, im Hintergrund versteckte Selektionsprozesse ablaufen?

    Hm. Darüber grübelt das Medium zur Stunde noch...

    [Bildchen: Zeigen, soweit es stehende Bilder zeigen können - nämlich mehr oder weniger nicht und in jedem falle ungenügend, wovon hier die Rede ist. Also besser direkt auf zum Quell der Permutationen...]

    Von miss.gunst am 07.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.06.06

    Songs Singen (Torfs)

    ato_ksw.gifMit Netzmusik würde man diese Arbeit sicher nicht assoziieren - und warum sie just im Rahmen der sonambiente als einer von zwei webbasierten Ausstellungsbeiträgen des Festivals präsentiert wird, mag vielleicht auf den ersten Blick auch nicht ganz einleuchten. Auf den zweiten dann schon, aber dazu später mehr.
    Erst mal: Auf zu Ana Torfs "Approximations - Contradictions".

    Annäherungen - Widerprüche also. Das klingt kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht.
    Ana Torfs hat professionelle SängerInnen dazu eingeladen, sich mit dem "Hollywood Songbook" zu beschäftigen, einer Sammlung von Liedern, die Hanns Eisler zwischen 1938 und 1943 zu Texten von Bert Brecht, Hölderlin, Goethe und anderen komponierte.

    ato_g.gifMit jeder bzw. jedem der einundzwanzig Eingeladenen wurde dann ein Lied in jeweils drei Versionen aufgenommen: Die erste - über den Namen der Sängerin/des Sängers erreichbar - zeigt diese/n beim mentalen Einstudieren des Liedes, also quasi Inneren Gesang.
    Über die Linie zwischen Namen und Liedtitel wird eine zweite Fassung aktiviert, bei der man das Lied nun aus dem Munde der Sängerin/des Sängers hört - wie der ebenfalls eingeblendete Pianist ist der/die Interpret/in in schlichtem Weiss gekleidet.
    Für die dritte Variante wurden die SängerInnen gebeten, sich mit dem und für das Lied zu inszenieren - zur musikalischen tritt damit eine gestische und körperliche Interpretation, die in den ersten beiden Fassungen bewusst zurückgenommen bzw. nach Innen verlagert ist.

    Eine schöne Arbeit - die trotz des nicht unbedingt gerade heiteren Hintergrunds, den man den im Exil entstandenen "Hollywood Songs" durchaus anmerkt, leicht und offen wirkt.

    Warum sie - obwohl schon zwei Jahre alt und eigentlich fürs New Yorker Dia Center entstanden - für die sonambiente ausgewählt wurde? Nun, vielleicht weil Ana Torfs auch schon bei der ersten sonambiente vor genau zehn Jahren, mit einer ebenfalls sehr berührenden Video-Installation dabei gewesen ist.
    Und sich gerade erst mit einer gelungenen Einzelschau in der GAK Bremen ausführlicher hat vorstellen dürfen - die das Medium wärmstens für einen Abstecher (vielleicht nicht von Berlin aus - aber es gehen ja Gerüchte, das in den nächsten Wochen einige Menschen auch an andere Orte in Deutschland reisen werden) empfohlen hätte. Leider ist die aber schon vorbei.

    Um so besser, dass man "Approximations - Contradictions" alle Tage und bequem von jedem Ort aus anschauen kann. Es lohnt sich - und eignet sich, nebenbei bemerkt und um die gute Tradition des Log.Buchs auch für auf Pfingstmontage folgende Diens(t)tage zu wahren, auch für einen guten Einstieg in die Arbeitswoche...

    Von miss.gunst am 06.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.06.06

    sonambiente (start)

    sona06_ksw.gifSchon wieder geht es von Festival zu Festival - und diesmal nun endlich nach Berlin zur sonambiente, die natürlich einen festen Platz im Exkursionsplan dieses Sommers haben muss.
    Eröffnet worden ist sie bereits am vergangenen Mittwoch Abend (31.05.06); aber da sie noch bis Mitte Juli ein sattes Programm mit Ausstellung, Performances und vielem mehr bietet, können wir uns in aller Gemütlichkeit heranpirschen - und ihr sowieso mehr als einen Eintrag widmen...

    Heute schauen wir uns denn auch zuallererst mal überblicksweise das leckere Menü an, das geboten wird. Denn, wie es sich heutzutage gehört, hat die sonambiente eine gut bestückte Webseite, die in diesem Fall tatsächlich auch wie ein online-Katalog funktioniert.

    Was uns zum Einstieg geboten wird, können wir - da wir ja erst kürzlich anlässlich der transmediale unsere Kenntnisse in Sachen Morse-Alphabet aufgefrischt haben - mühelos mitsingen; graphisch und akustisch in die entsprechenden Zeichen umgesetzt wird nämlich nichts anderes als das Wort "sonambiente".

    sona06_g.gifZum Programm gehören diesmal neben einer ziemlich umfangreichen, auf mehrere Orte verteilten Ausstellung eine Sonderschau namens "Laboratorium", mit der eine Auswahl von Nachwuchsprojekten aus verschiedenen Kunsthochschulen vorgestellt werden [und die, beiseit, natürlich zeigt, wie dehnbar in diesem Zusammenhang der Begriff "Nachwuchs" ist - denn einige der Beteiligten darf man sicher mit Fug und Recht auch schon als Profis auf ihrem Gebiet bezeichnen].

    Dazu gibt es dann jede Menge Veranstaltungen, allen voran natürlich Konzerte bzw. Performances, aber auch einige sogenannte Diskursabende mit Vorträgen und Diskussionsrunden sowie ein Filmprogramm. Und noch so Einiges mehr.

    Das eine oder andere Highlight wird im Lauf der nächsten Tage und Wochen noch mit etwas eingehenderer Aufmerksamkeit seites des Mediums bedacht werden. Leider noch nicht aus eigener Anschauung berichtet werden kann über das Spezialprogramm der als "offizielles Eröffnungswochenende" gefeierten Pfingsttage.
    Sicher schon sehr schade, am Samstag abend das Konzert des von Carl Michael von Hausswolff (mehr s. a. hier) geleiteten "freq_out orchestra" verpasst zu haben und die daran anschliessende Performances von Brandon LaBelle und Jana Winderen. Tiefer Seufzer also.

    Wer nun heute vor Ort ist, hat die Gelegenheit, einer Live-Bespielung der eigentlich zur Ausstellung gehörenden Licht- und Klanginstallation "MOVINGLIGHTFIELD" der Wiener Gruppe [dy'na:mo] am S-Bahnhof Potsdamer Platz beizuwohnen.

    Alle anderen können sich damit trösten, dass die sonambiente ja noch ein paar Tage weitergeht - und, wenn nicht im Zuge einer eigenen Exkursion dann mindestens mittelbar über das Log.Buch des Mediums noch den einen oder anderen Ausflug zur sonambiente(n) Klangkunst unternehmen...

    Von miss.gunst am 05.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    04.06.06

    mutek 06 (via velvetpanda)

    mu06_ksw.gifLeider gab es keine Schnittmenge zwischen der diesjährigen Montréal-Exkursion des Mediums und der mutek 2006 - die findet nämlich just in diesen Tagen statt.
    Aber was ist im WWW schon wirklich weit weg?

    Brave BloggerInnen sorgen nämlich diesmal sogar für audiovisuelle Berichterstattung. Um genau zu sein: verdanken wir selbige tobias c. van veen a.k.a. hallucinations & antics, der heuer auch ein kleines nettime-Treffen vor Ort organisiert hat, und einigen anderen MitstreiterInnen.

    Auf velvetpanda - einer Plattform, die dieses Frühjahr für eben solche Zwecke geschaffen worden ist ("The idea behind Velvetpanda is simple: Bring new music and cultural content to an international audience") - bzw. dem velvetpanda-Blog sind nun schon mehrere Texte, Podcasts und kleine Videoclips versammelt, die näheren Einblick verschaffen.

    mu06vp_g.gifUnd zwar einen ziemlich lebendigen, nicht nur dank der Nutzung der verschiedenen Medien - sondern vor allem, weil nicht einfach eine Lobeshymne auf den Heimatstandort und sein Traditionsfestival angestimmt wird. Sondern auch ein bisschen kritischer über die aktuellen Entwicklungen nachgedacht.
    [Beiseit, da es just in diesem Beitrag auch einen Vergleich mit der transmediale gibt: Dass sich letztere und der gastweise auf der mutek vertretene CTM voneinander entfernt hätten, stimmt nicht ganz - das waren schon immer zwei verschiedene Paar Schuhe. Richtig ist hingegen, dass die transmediale auch nicht mehr das ist, was sie mal war. Nun, für die Jahre ab 2008 ist derzeit eine neue Leitung ausgeschrieben - mal sehen, wohin sich die Sache dann noch entwickeln wird...]

    Jedenfalls: Schauender-, lauschender- und lesenderweise bekommt man dank des lila Bärchens ein paar Leckerbissen mit - und last but not least auch den durchaus ebenfalls ein wenig befriedigenden Eindruck, in diesem Jahr nicht allzu viel verpasst zu haben.
    Ausser einem Besuch in Montréal - das allerdings mit und ohne mutek immer eine Reise wert ist.*

    * Sowieso und generell (da liess sich seinerzeit auch Buckminster Fuller nicht lumpen und steuerte zur Weltausstellung 1967 eine schicke Kuppel bei, um die herum mittlerweile die Murmeltiere tollen); speziell jedoch in Sachen Elektronika. Denn auch sonst ist die SAT ziemlich aktiv, es hat die Daniel Langlois Foundation mit einer feinen Bibliothek und einem Spitzenarchiv, das studioXX undundund... aber das nur nebenbei und von einem Fan geflüstert...

    Von miss.gunst am 04.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.06.06

    Rasende Rekorder

    rere_ksw.gifAuch das ist kein Verschreiber. Da wir nämlich gerade bei Exkursionen sind, geht es heute - nein, noch nicht nach Berlin, sondern schon wieder mal nach Dortmund in Richtung HMKV.
    Dort steigt heute sozusagen ein Pflichttermin für BastlerInnen in Sachen Musik Medien Kunst...

    ... und zwar: Das legendäre Rekorderrennen.
    Genauer gesagt: Die dritte Ausgabe desselben nach den Jahren 2003 und 2004.

    rere_g.gifWorum es geht? Darüber informieren ausführlich die rekorderrennen.de-Heimseiten. Kann man sich aber doch auch fast schon denken:
    Alte Kassettenrekorder werden auseinander- und zu einer Art unbemannten Seifenkisterln umgebaut bzw. aufgerüstet.
    Und dann ins Rekorderrennen geschickt.
    Ganz nach dem Motto: Vorspul durch Technik!

    Mit welchen Modellen dabei zu rechnen ist, lässt sich anhand der einiger Bilder mit prächtigen, bestens für Höhepunkte des Tape-Rekoder-Rennsports gerüsteten Modellen erahnen.

    Was hier anbei zu sehen ist?
    Nun: Das Medium, seinerseits auch nicht ganz faul, hat sich natürlich nicht lumpen lassen und (s)einen virtuellen Flitzer ins Rennen geschickt. Der läuft nun zwar irgendwie ausser Konkurrenz zwischen der zweiten und der vierten Dimension. Dafür aber garantiert ohne Pannen...*

  • Die Daten:
    Rekorderrennen 2006
    am 03.06.2006 ab 15.00 Uhr (Einlass ab 14.00 Uhr)
    in der Phönixhalle Dortmund Hörde
    betreut vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund
  • * Nachtrag: Soeben entzündeten Auges im Rekorderrennen-Reglement gelesen, das dieser Eigenbau - allein schon aufgrund seiner schicken Räder - tatsächlich gar nicht zugelassen worden wäre. Hm. Da wird das Medium demnächst wohl mal einen eigenen Wettbewerb initiieren müssen, speziell für Tonband- und Kofferflitzer...

    Von miss.gunst am 03.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.06.06

    SNAFU

    sna_ksw.gifEigentlich summt und brummt es ja noch kräftig im Insekten(musik)-Kescher.
    Weil man auf Exkursionen aber auch noch andere interessante Dinge findet, zur Abwechslung mal ein ganz anderes Thema: SNAFU.

    Genau, "situation normal, all fucked up". Das durch Robert A. Wilsons gloriose Illuminatus-Trilogie in die Kulturgeschichte eingeschriebene Akronym, das ursprünglich in den alles andere als gloriosen Vietnamkriegs-Jahren die Verhältnisse vor Ort beschreiben sollte, ist aktuell nämlich Titel einer Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle.

    Wen der Link zu Wilson noch nicht Lunte riechen lässt, dem verrät der Untertitel der Schau, worum es geht: Medien Mythen Mind Control. Und hier insbesondere um Missverständnisse und Probleme, die aus hierarchischen Kommunikationssituationen entstehen.

    Natürlich in Form von Kunst, die sich mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzt. Und sich dabei naheliegender Weise selbst eines Mediums bedient, das in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt: Video.

    Mindestens ist Video das Synthesemedium, in dem Filmaufzeichnung, Fernsehen und Überwachungskameraformate zusammengeführt werden, während sich die versammelten Arbeit selbst in verschiedene installative Formate ausdehnen - und dabei Skulptur/Objekt, Zeichnung, Dokumentationen und anderes mehr integrieren.

    sna_g.gifDie Austellung schlägt dabei einen weiten Bogen von den 1960er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart in sich überkreuzenden Perspektiven. Beispielsweise: Psychedelische Verkopplungen von Medien und Sinnessystemen enthusiastisch-exzessiv bei Andy Warhol und Roland Nameth mit dem Klassiker "Exploding Plastic Inevitable" (1966), paranoisch-verschwörungstheoretisch und mit Blick auf die gewaltsamen Spätfolgen militärischer LSD-Experimente bei Lutz Dammbeck - dessen Rekonstruktion der "Cabin" (2003/2006) des UNA-Bombers direkt auf den Stoff zurückgeht, den er auch in seinem hier bereits mehrfach verankerten Projekt "Das Netz" bearbeitet hat.
    Eher alltäglicher Wahn bei Corinna Schnitt ("Schönen guten Tag", 1995) und Kutlug Ataman ("The Four Seasons of Veronica Read", 2002) sowie solcher, der sich spezifisch aus den Überlagerungen von Fiktion und Politik generiert (z. B. Korpys & Löffler: "World Trade Center - United Nations - Pentagon", 1997/2002 mit wunderbaren Storyboards zu den Gebäuden als Schauplätzen einschlägiger Szenarien).

    Anzusehen noch bis 25. Juni 2006 und wirklich sehr sehenswert.
    Im WWW gibt es auf den Seiten zur Ausstellung neben dem Konzepttext einen schönen Einblick über Basisinfos zu den Werken, die man aber nicht über die Werkliste erreicht, sondern über die dreiundzwanzig Adventskalenderartig durchnummerierten Masernpunkte auf der Einstiegsseite.

    Sowie als kleines Surplus noch einen Exkurs zur in diversen Verschwörungstheorien prominent begegnenden Zahl 23.
    Btw: Wer sich auf's Rechnen verteht, kann ja mal ein bisschen mit dem heutigen Datum herumspielen....

    Von miss.gunst am 02.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)