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21.06.06

Klangbaum (Kubisch)

kbe_ksw.gifEigentlich klar, dass eine Doyenne der Klangkunst wie Christina Kubisch auf der sonambiente vertreten ist.
Um so schöner aber, ihren Beitrag ebenfalls in die Reihe zur Klanggärtnerei aufnehmen zu können.

Dass Kubisch mit ihren Arbeiten in den Aussenraum geht, ist natürlich alles andere als eine Überraschung: Genau dafür ist die Künstlerin schon Anfang der 1980er Jahre bekannt geworden, als sie mit elektromagnetischer Induktion zu experimentieren begann und auf dieser Basis ein System mit mobilen Kopfhörern entwickelte, dass es ermöglichte, beim Umherspazieren im Aussenraum entsprechende Klangkunsterfahrungen zu machen.

Schon damals gab es unter ihren Arbeiten Klangbäume: Umwickelt mit den Leitern, durch die Kubisch ihre Kompositionen schickt, gaben sie Klänge preis, sobald man sich ihnen mit den von Kubisch gebauten Induktions-Kopfhörern näherte.
[Sieht man sehr schön auf der oben schon mal verankerten Seite zum Induktionsprinzip auf dem Schwarzweiss-Photo oben links, "Ecouter les murs", Heidelberg 1981 - lässt sich per Mausklick vergrössern. Eine spätere, abstrahierte Variante für den Innenraum findet sich beispielsweise im 1989 entstandenen "Bird Tree".]

Für Berlin hat Kubisch nun nicht - was sicher auch sehr schön gewesen wäre - einen ihrer "Elektric Walks" eingerichtet; erst letzten Herbst konnte man einen solchen rund ums ZKM Karlsruhe unternehmen, und zwar im Rahmen der Ausstellung "Resonanzen. Körper im elektrischen Raum" (für ein Bildchen, das natürlich denkbar wenig über das akustische Erlebnis sagt, lässt sich die Presseseite konsultieren).

kbe_g.gifVielmehr hat sie eben einen Klangbaum gepflanzt - oder genauer gesagt, eine alte Eiche in einen Klangbaum verwandelt.
"The Royal Tree"

"[...] ist der einzige alte Baum in der Umgebung [am Schlossplatz]. Zwischen seinen Ästen und Blättern werden 14 bronzefarbene Hochtöner befestigt, ein leuchtender Schmuck im Grün. Auf dem Dach eines nahe gelegenen orangefarbenen Baucontainers stehen 14 Solarpaneele mit schwarzer Oberfläche. Die elektrische Energie, die die Solarzellen erzeugen, wird jeweils an ein elektronisches Steuermodul geleitet, das wiederum mit je einem Lautsprecher verbunden ist. Je nach Lichtintensität erzeugen die Module wechselnde Klänge, die über die Hochtöner im Baum erklingen.
Die Klänge folgen dem Zeitrhythmus der Natur, richten sich nach den verschiedenen Tages und Nachtzeiten, Licht und Schatten, der Wetterlage. Manchmal klingen sie wie Vögel, manchmal wie Insekten, manchmal auch wie Handys."

Das klingt schon beim Lesen ziemlich gut. Erst recht aber vor Ort.
Und hoffentlich auch noch über die sonambiente-Zeit hinaus.
Anders als viele von Kubischs Arbeiten im Aussenraum, die als temporäre Installationen angelegt waren - folglich längst wieder von der Bildfläche verschwunden sind und nurmehr im Gedächtnis derer nachklingen, die sie erlebt haben - soll "The Royal Tree" auf Dauer zu sehen und zu hören sein. Was sicher ein Gewinn wäre für den Klanggarten Berlin.

[Bildchen: Natürlich nicht Kubischs Klangbaum, sondern nur ein vom Medium imaginierter. Aber immerhin eine alte Eiche, die es dem von John Knouse unter GNU Public Licence in der Wikipedia publizierten Foto einer amerikanischen Quercus alba bzw. Weiss-Eiche verdankt.]

Von miss.gunst am 21.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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