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18.06.06

Klingende Brücke (Fontana)

mbfhb_ksw.gifA propos Ambulatorium: Angesichts der sommerlichen Witterung liegt es denkbar nahe, den Begriff wirklich beim Wort zu nehmen und mal dezidiert mehr nach den Klängen im Aussenraum zu lauschen.
Die hat es natürlich sowieso immer und überall. Aber besonders interessant sind für dieses Log.Buch doch solche, die von Künstlerhand installiert und/oder modifiziert wurden.
Wer in diesen Tagen beispielsweise zufällig gerade in London weilt, sollte es nicht versäumen, über die Millennium Bridge zu schlendern.

Die liegt für Kunst- und Kulturspaziergänger im Prinzip sowieso immer auf dem Weg, weil sie die Tate Modern mehr oder weniger direkt mit einer der nächstgelegenen U-Bahnstationen verbindet.

mbfhb2.gifSpeziell für Klangkunst-Fans ist dieser Gang derzeit aber ein absolutes Must. Seit dem 16. Juni (und noch bis zum 16. Juli, also genau einen Monat lang) schwingt sie nämlich nicht nur - wobei letzteres nach der temporären Schliessung und Renovierung leider nurmehr ziemlich bland und kaum zu spüren ist.
Nein, sie klingt auch noch. Und zwar durchaus vernehmlich.

Dies verdankt sie einer Intervention des diesem Log.Buch bereits häufiger in den Radar gegangenen Klangkünstlers Bill Fontana.

Sein Projekt "Harmonic Bridge" geht dabei von jenen Klängen aus, welche die Brücke per se schon aufgrund ihrer Bauweise produziert, die wir aber normalerweise eher zu überhören tendieren.
Beiseit: Nicht, dass sie völlig unhörbar wären - auch wenn ein Teil der Frequenzen ausserhalb des für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Spektrums liegen mag. Man muss nicht einmal allzu angestrengt die Lauscher spitzen, um zum Bespiel nach wie vor das leise Singen der Materialschwingung zu vernehmen, Umbau hin oder her...

Der Text zur Ausstellung weiss jedenfalls eine beindruckende Vielfalt brückeneigener Gesänge aufzuzählen:

"Vibrations caused by wind, boats, wheelie bags or footsteps register in different ways to create a spectrum of contrasting rhythms, tones and percussive shimmers. The suspension and handrail cables interact with each other. For instance, the twanging that resembles the sound of an unplugged electric guitar being strummed is actually the wind moving the cables beneath the handrail. Each time the wind buffets the cable against the hole in the handrail support a unique chord is unleashed. When this happens, the different suspension cables register this sound as a high pitched ping from a woodblock or triangle. When a boat goes under the bridge, the vibrations of the wake against the concrete towers are registered by the suspension cables as a slowly building hiss that gradually dies away. Sometimes the wind conditions make the handrail cables hum with a pure tone that resembles a theremin."

mbfhb1.gifFür deren Transfer in ein Klangkunst-Konzert sorgen die von Fontana an verschiedenen Stellen an der Brücke angebrachten Sensoren bzw. Verstärker. Und zu hören ist dieses dann - im Prinzip simultan, aber natürlich können Normalsterbliche nur an einem von beiden Orten die Ohren spitzen - in der temporären Installationen vorbehaltenen Turbinenhalle der Tate Modern (wer sie nicht kennt: Bildchen inklusive 360°-Panorama gibt es hier) sowie in der U-Bahn-Station Southwark.
Und dort übrigens nebenbei auch Teil der Reihe plaform for art, die man sich in Sachen Reisewege zur Kunst in London gleich mit auf den Merkzettel schreiben sollte.

Aber nochmal zurück zur Harmonic Bridge, mit der in diesem Fall nicht nur die klingende Millennium Bridge selbst, sondern auch die "Klangbrücke" zwischen den drei Orten gemeint ist.
Von lässt sich nämlich sogar aus der Ferne ein kleiner Eindruck erhaschen: Wunderbarerweise kann man auf der Webseite zur Ausstellung nämlich nicht nur zwei Hörproben laden und lauschen (Nummer 1 und Nummer 2, beide mp3).
Sondern auch mit einer kleinen Flaschanimation spielen (ok: hier mag das Medium ausnahmsweise mal), bei der man quasi die Sensoren/Verstärker frei an verschiedene Punkte verschiebt.

Und dann? Will man das Ganze halt doch am liebsten vor Ort sehen hören und erleben...

[Bildchen: Täppische Versuche, Brücke und Sensoren auf dem heimischen Schirm zu materialisieren. Wie gut, dass das Medium mit so was in der Regel nicht sein Geld verdienen muss.]

Von miss.gunst am 18.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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