« Grillen | Hauptseite | Rasende Rekorder »
02.06.06
SNAFU
Eigentlich summt und brummt es ja noch kräftig im Insekten(musik)-Kescher.
Weil man auf Exkursionen aber auch noch andere interessante Dinge findet, zur Abwechslung mal ein ganz anderes Thema: SNAFU.
Genau, "situation normal, all fucked up". Das durch Robert A. Wilsons gloriose Illuminatus-Trilogie in die Kulturgeschichte eingeschriebene Akronym, das ursprünglich in den alles andere als gloriosen Vietnamkriegs-Jahren die Verhältnisse vor Ort beschreiben sollte, ist aktuell nämlich Titel einer Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle.
Wen der Link zu Wilson noch nicht Lunte riechen lässt, dem verrät der Untertitel der Schau, worum es geht: Medien Mythen Mind Control. Und hier insbesondere um Missverständnisse und Probleme, die aus hierarchischen Kommunikationssituationen entstehen.
Natürlich in Form von Kunst, die sich mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzt. Und sich dabei naheliegender Weise selbst eines Mediums bedient, das in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt: Video.
Mindestens ist Video das Synthesemedium, in dem Filmaufzeichnung, Fernsehen und Überwachungskameraformate zusammengeführt werden, während sich die versammelten Arbeit selbst in verschiedene installative Formate ausdehnen - und dabei Skulptur/Objekt, Zeichnung, Dokumentationen und anderes mehr integrieren.
Die Austellung schlägt dabei einen weiten Bogen von den 1960er Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart in sich überkreuzenden Perspektiven. Beispielsweise: Psychedelische Verkopplungen von Medien und Sinnessystemen enthusiastisch-exzessiv bei Andy Warhol und Roland Nameth mit dem Klassiker "Exploding Plastic Inevitable" (1966), paranoisch-verschwörungstheoretisch und mit Blick auf die gewaltsamen Spätfolgen militärischer LSD-Experimente bei Lutz Dammbeck - dessen Rekonstruktion der "Cabin" (2003/2006) des UNA-Bombers direkt auf den Stoff zurückgeht, den er auch in seinem hier bereits mehrfach verankerten Projekt "Das Netz" bearbeitet hat.
Eher alltäglicher Wahn bei Corinna Schnitt ("Schönen guten Tag", 1995) und Kutlug Ataman ("The Four Seasons of Veronica Read", 2002) sowie solcher, der sich spezifisch aus den Überlagerungen von Fiktion und Politik generiert (z. B. Korpys & Löffler: "World Trade Center - United Nations - Pentagon", 1997/2002 mit wunderbaren Storyboards zu den Gebäuden als Schauplätzen einschlägiger Szenarien).
Anzusehen noch bis 25. Juni 2006 und wirklich sehr sehenswert.
Im WWW gibt es auf den Seiten zur Ausstellung neben dem Konzepttext einen schönen Einblick über Basisinfos zu den Werken, die man aber nicht über die Werkliste erreicht, sondern über die dreiundzwanzig Adventskalenderartig durchnummerierten Masernpunkte auf der Einstiegsseite.
Sowie als kleines Surplus noch einen Exkurs zur in diversen Verschwörungstheorien prominent begegnenden Zahl 23.
Btw: Wer sich auf's Rechnen verteht, kann ja mal ein bisschen mit dem heutigen Datum herumspielen....
Von miss.gunst am 02.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
Kommentare
Kommentieren:
Thanks for signing in, . Now you can comment. (sign out)
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)