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06.06.06

Songs Singen (Torfs)

ato_ksw.gifMit Netzmusik würde man diese Arbeit sicher nicht assoziieren - und warum sie just im Rahmen der sonambiente als einer von zwei webbasierten Ausstellungsbeiträgen des Festivals präsentiert wird, mag vielleicht auf den ersten Blick auch nicht ganz einleuchten. Auf den zweiten dann schon, aber dazu später mehr.
Erst mal: Auf zu Ana Torfs "Approximations - Contradictions".

Annäherungen - Widerprüche also. Das klingt kompliziert, ist es aber eigentlich gar nicht.
Ana Torfs hat professionelle SängerInnen dazu eingeladen, sich mit dem "Hollywood Songbook" zu beschäftigen, einer Sammlung von Liedern, die Hanns Eisler zwischen 1938 und 1943 zu Texten von Bert Brecht, Hölderlin, Goethe und anderen komponierte.

ato_g.gifMit jeder bzw. jedem der einundzwanzig Eingeladenen wurde dann ein Lied in jeweils drei Versionen aufgenommen: Die erste - über den Namen der Sängerin/des Sängers erreichbar - zeigt diese/n beim mentalen Einstudieren des Liedes, also quasi Inneren Gesang.
Über die Linie zwischen Namen und Liedtitel wird eine zweite Fassung aktiviert, bei der man das Lied nun aus dem Munde der Sängerin/des Sängers hört - wie der ebenfalls eingeblendete Pianist ist der/die Interpret/in in schlichtem Weiss gekleidet.
Für die dritte Variante wurden die SängerInnen gebeten, sich mit dem und für das Lied zu inszenieren - zur musikalischen tritt damit eine gestische und körperliche Interpretation, die in den ersten beiden Fassungen bewusst zurückgenommen bzw. nach Innen verlagert ist.

Eine schöne Arbeit - die trotz des nicht unbedingt gerade heiteren Hintergrunds, den man den im Exil entstandenen "Hollywood Songs" durchaus anmerkt, leicht und offen wirkt.

Warum sie - obwohl schon zwei Jahre alt und eigentlich fürs New Yorker Dia Center entstanden - für die sonambiente ausgewählt wurde? Nun, vielleicht weil Ana Torfs auch schon bei der ersten sonambiente vor genau zehn Jahren, mit einer ebenfalls sehr berührenden Video-Installation dabei gewesen ist.
Und sich gerade erst mit einer gelungenen Einzelschau in der GAK Bremen ausführlicher hat vorstellen dürfen - die das Medium wärmstens für einen Abstecher (vielleicht nicht von Berlin aus - aber es gehen ja Gerüchte, das in den nächsten Wochen einige Menschen auch an andere Orte in Deutschland reisen werden) empfohlen hätte. Leider ist die aber schon vorbei.

Um so besser, dass man "Approximations - Contradictions" alle Tage und bequem von jedem Ort aus anschauen kann. Es lohnt sich - und eignet sich, nebenbei bemerkt und um die gute Tradition des Log.Buchs auch für auf Pfingstmontage folgende Diens(t)tage zu wahren, auch für einen guten Einstieg in die Arbeitswoche...

Von miss.gunst am 06.06.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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