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30.09.06

Marclay (im Tesla)

dg_ksw.gifWenn wir gerade schon in Berlin sind, wo ja nach wie vor das interface-festival läuft: Es lohnt auch aus anderen Gründen, zu bleiben.
Abgesehen davon, dass mit dem Art Forum neben diversen alternativen Kunstmesse-Ablegern auch sonst noch so einiges los ist in der Stadt.
Mittlerweile hat auch das Tesla wieder seinen Betrieb mit Volldampf aufgenommen. Und dort ist heute Abend (30.09.06) kein Geringerer als Christian Marclay zu Gast.

Der ist selbstredend ebenfalls ein Kandidat für den Zettelkasten dieses Log.Buchs.
Schliesslich hat er sich mit seinen Projekten von Anfang an an der Schnittstelle von bildender Kunst und Musik, experimenteller Sound- und Bildwerkerei mit Medien und Materialien bewegt.

dg_5.gifGrund bzw. Gründe genug, aus aktuellem Anlass ein paar Ressourcen zusammenzustellen.

Als da wären beispielsweise eine erfreulich ergiebige Liste mit Publikationen von und über Marclay, die sich nebst Kurzbiographie und einigen ausgewählten Zitaten auf den Seiten der European Graduate School finden, wo Marclay 2002 als Dozent unterrichtete.

Für weitere O-Töne (Wortlaut, nicht Sound) empfiehlt sich ein Interview, das Jason Gross 1998 für das online-Magazin furious mit dem Künstler führte.

dg_7.gifLeider schon ziemlich zerrüttet sind die Anker, die Barbara Könches' kleiner Text zu Marclay hat. Und zwar nahezu samt und sonders.

Daher ersatzweise ein kleines, lose und schnell zusammengeschnürtes Bündel mit Verweisen auf Seiten, auf denen man noch einen Blick auf einige seiner Arbeiten werfen kann (und in glücklicheren Fällen etwas dazu lesen):

Zwei davon mit Fotos von Werken (eins, zwei) plus Hintergrundinfo in Form eines Pressetextchens hat das Hammer Museum der UCLA 2003 anlässlich seiner Wander-Retrospektive zusammengestellt, die der eine oder die andere vielleicht seinerzeit angelegentlich ihres späteren Gastierens im Kunstmuseum Thun angeschaut hat.

Beim MedienKunstNetz gibt es zu seinem Berlin Mix von 1993 nicht nur ein kleines Textchen, sondern auch mehrere Bilder und einen Mini-Videoclip.

dg_2.gifUnd wenn man noch mal was Weiterführendes lesen möchte, kann man das in John P. Jacobs kleinem Essay ausgehend von einem von Marclays unbetitelten Phonogrammen aus 1990 tun.

Dessen Rückbezüge auf die frühe Moderne passen vielleicht gut, um die Kurve zurück zum heutigen Videokonzertabend im Tesla Berlin ("screenplay", Start: 20.30 Uhr) zu kratzen: Dort wird Marclay nämlich mit einer Video-Partitur aufwarten, die aus klassischen Computergraphiken und entsprechend bearbeiteten Spielfilmschnipseln besteht - und von gleich drei Ensembles (bzw. zweien, einem davon in zwei verschiedenen Besetzungen, einem Trio und einem Quartett des Berliner Ensembles Phosphor sowie dem Polwechsel Trio) interpretiert resp. bespielt wird. Wenn Gelegenheit bestehen sollte: Ein Pflichttermin...

[Bildchen: Stammen natürlich nicht von Marclay. Sondern sind schnöd daherimaginierte Discogramme des Mediums. Alle in S/W sähe selbstredend unendlich viel besser aus. Die Emulation des Konzept verlangt aber leider nach Farbe.]

Von miss.gunst am 30.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.09.06

laporte

jfl_ksw.gifWie gestern schon angekündigt: Jean-François Laporte muss natürlich einen eigenen Eintrag im Zettelkasten bekommen.
Nicht nur bewegt sich der kanadische Komponist in Gefilden, die definitiv in den Radius dieses Log.Buchs fallen.
Auf seiner ausgesprochen einladend gestalteten Heimseite bietet er auch grosszügigen Einblick in seine Arbeit, so dass ein Besuch unbedingt lohnt.

Allem voran ist hier die ursprünglich 2002 entstandene, konzertant bespielbare Installation KHÔRA ausführlich dokumentiert, die verschiedene selbstgebaute Instrumente miteinander kombiniert und in einer Variation gestern auch in Berlin präsentiert wurde.
Und zwar nicht nur mit einer Beschreibung und vielen Fotos, sondern auch mit online zu belauschenden Klangbeispielen.

jfl_g.gifTja, allerdings: Bei aller Begeisterung über das ästhetisch ansprechende Design und die bestens funktionierende Navigation - (Un)dank der wohl webwidrigsten Erfindung überhaupt können leiderleider keine direkten Anker geworfen werden. F*** F****, knirscht das Medium und muss seine LeserInnen wohl oder übel selber surfen schicken...

Ersatzweise anbieten lassen sich, da als pdf-Dokumente bereitgestellt, aber immerhin ein kleiner Text zum Projekt, Blätter mit leckeren Fotos der so genannten "Bols" (also: "Schüsseln"), die im Ensemble der Instrument-Objekte eine zentrale Rolle spielen, des selbstgebauten Steuerungs-Keyboards und Details der technischen Steuerungselemente, der Pneumatik und des Max-Interface.

Sieht alles schon auf den Bildern verdammt gut aus, oder? Muss wohl nicht weiter erwähnt werden, dass es live in Aktion bzw. in concert erst Recht ein Erlebnis für sich ist.

Noch mehr von Laportes phantastischen Instrumenten sehen und hören kann man in weiteren Sektionen der Seite. Da ja nun mal nichts verankert werden kann: Legt das Medium den geneigten LeserInnen ans Herz, sich selbst nach Lust und Laune umzutun - empfohlener Massen insbesondere bei den "oeuvres expérimentales" und den "oeuvres éléctroaucoustiques", wo erwartungsgemäss besonders viele skurrile Klangerzeugungsobjekte lauern.

[Bildchen: Zeigen beide das oben erwähnte zentrale Steuerungsmodul von KHÔRA. Für die Bereitstellung resp. freundliche Überlassung zur Wiedergabe dankt das Medium Elke Moltrecht vom interface festival sowie allen voran natürlich dem Künstler selbst. Merci!]

Von miss.gunst am 29.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.09.06

interface festival

ifb_ksw.gifÄltere Häschen in der Medienkulturszene werden mit der Stichwortkombination "interface" und "festival" eher Hamburg assoziieren, wo in den 1990ern mehrfach eine ebenso benamste Veranstaltung stattgefunden hat.
Die ist nun nicht (wie sonst so Viele und Vieles) in die deutsche Hauptstadt umgezogen.
Vielmehr handelt es sich beim Berliner INTERFACE-festival um eine Premiere - und anders als in Hamburg, wo es mehr um Theorie ging, wird hier künstlerische Praxis an der Schnittstelle von experimenteller Musik, Sound-Performance und Klangkunst-Installationen geboten.

Und zwar mit grossem Schwung und einem spannenden Programm auf hohem qualitativen Niveau. Was weniger wundert, wenn man weiss, wer dafür verantwortlich zeichnet: Nämlich Elke Moltrecht, die gute zehn Jahre lang im Podewil (den treuen LeserInnen dieses Logs bekannt unter seinem neuen Namen: Tesla Berlin) die Musik-Sektion betreut hat.

Sie hat im April diesen Jahres die Leitung des Ballhaus Naunyn(str.) in Kreuzberg übernommen - und zeigt nun gleich schon mal zum Einstieg, was die Zukunft an Potentialen bieten kann. Neben dem, was das Haus das gesamte Jahr über sozusagen als Standards offeriert - vom Konzertbetrieb über Produktionen bis zu Jugendprojekten im Bereich zeitgenössische Musik, Performance/Theater und Tanz.

ifb_g.gifAus HOME MADE-Perspektive interessiert natürlich erst einmal das "INTERFACE - festival for music and related arts", das bereits vorvergangenes Wochenende begonnen hat und noch bis Ende kommender Woche läuft. Und so gross geworden ist, dass es neben dem Ballhaus in Kreuzberg zudem auf die Wasserspeicher am Prenzlauer Berg ausgedehnt hat (es hat einen grossen und einen kleinen, die auch sonst als Kunst-Reservoir genutzt werden - aber das nur nebenbei).

Zu sehen und hören gibt es sowohl im Ballhaus als auch im Grossen Wasserspeicher Installationen. An letzterem Ort u.a. eine neue Arbeit von Achim Wollscheidt (wie immer slick minimalistisch), eine Surround-Audio-Video-Installation von Dominic Redfern sowie eine Musikvideo-Transformation von Philipp Brophy; im Haupthaus wiederum trifft eine Lautsprecher-Installation von Hans-Peter Kuhn auf ein von den 17 Hippies eigens für die Schau konstruiertes "Hip-O-Phon". Kurzum: Eine ziemlich wilde Mischung - aber genau dieses breite Spektrum ist eben auch Teil der Programmatik des Festivals.

Was selbstredend auch für das Konzert- und Performanceprogramm gilt:
So spielte zur Eröffnung beispielsweise der vom Medium sehr geschätzte Felix Kubin auf, während eine Mini-Reihe im Rahmen des Festivals namens "Immersion" den Schwerpunkt auf Improvisationen zwischen Bild, Sound und Raum legt (mehr dazu auf der Seite zum Programm im Kleinen Wasserspeicher).

Heute abend (28.09.) ist - wiederum im Grossen Wasserspeicher - ein Komponist und Musiker zu Gast, dem längst schon mal eine eigene Vorstellung in diesem Log.Buch geschuldet wäre. Unter anderem nämlich, weil er auch selbst ganz wunderbare skurrile Instrumente baut (ergo: in die entsprechende Sammlung des Mediums gehört):
Jean-Francois Laporte.

Da dieser Eintrag nun leider schon wieder viel zu lang geworden ist, müssen wir das anstehende Porträt wohl noch mal verschieben.
Um so wärmer sei jedoch das heutige Konzert empfohlen (Jean-François Laporte zusammen mit Martin Ouellet; um 20.00 Uhr im Wasserspeicher; Tickets über das Festival).

PS:
Eine kompakte Übersicht über das Gesamtprogramm inklusive Infos zu den KünstlerInnen bzw. ihren Arbeiten bietet übrigens ein kleines Heftchen, das man sich als pdf auch direkt von den interface-Seiten laden kann.

Von miss.gunst am 28.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.09.06

camping, steirisch

csstm_ksw.gifIn diesem Jahr hat es kaum Neuzugänge in der Kunst-Camping-Reihe zu verzeichnen gegeben. Und eigentlich sollte man auch meinen, die Saison sei mehr oder weniger vorbei.
Just dieser Tage startete jedoch ein Projekt, das eben doch noch nach einer Registrierung im Radar dieses Log.Buchs verlangt.

Und zwar im Rahmen des bereits erwähnten heurigen steirischen herbstes.

Dessen Programm umfasst nämlich auch eine veritable Camp Show, für die am vergangenen Wochenende gleich mehrere speziell ausgestattete Gefährte auf die Reise geschickt wurden.

csstm_g.gifDas von dem Regisseur Haiko Pfost zusammen mit dem Berliner Club Real entwickelte und realisierte Projekt zeichnet sich allem voran schon enmal dadurch aus, dass es den Festivaltitel ernst nimmt und "steirisch" eben nicht vorweg mit "Graz" gleich- bzw. übersetzt.
Gecampt wird, wie sich das gehört, an verschiedenen und wechselnden Orten.

Fünf Wohnwagen sind unterwegs, ein jeder von einem anderen künstlerischen Projekt besetzt. Darunter die berühmt-berüchtigte Trans-Performerin Vaginal Davis, die mit ihrem sexy Charme hoffentlich auch in den abgelegeneren Gegenden der Steiermark punkten kann. "Nobody's gonna stop me on my path to glory!" - das klingt doch schon mal gut.

Die vier übrigen Gefährte sind vielleicht nicht ganz so schillernd besetzt, als dass sie den optionalen Doppelklang des Projekttitels ebenso zum Schwingen bringen wie Davis' rollendes Showcase.

Aber mindestens bei Benjamin Förster-Baldenius' "Sternenschleifer", einem rollenden Sternenstaubsammelplanetarium, wäre das Medium schon sehr gerne auch einmal zu Gast:

"Als darstellender Architekt wird Benjamin Foerster-Baldenius einen spektakulären Umbau seines Wohnwagens vornehmen. Mit einer aufblasbaren Kuppel ausgestattet, wird sein Wagen zu einem fahrbaren Planetarium. Auf der Reise sammelt er zusammen mit der Radiomacherin Anna Katharina Laggner Geschichten, die in Form von Sternbildern und Hörspielen eine Nacht zum Tag machen können. Während tagsüber Projektorköpfe gebastelt und Erzählungen gesammelt werden, besteht nachts die Möglichkeit, sich aus einer wachsenden Zahl von Sternenshows ein individuelles Programm auszuwählen, das im Wohnwagen oder weit sichtbar aus der Ferne bestaunt werden kann."

Hach.

[Beiseit: Wer es nicht ganz so arg ins Romantische lappen lassen möchte, findet sicher bei den Sonderveranstaltungen einen guten Ausgleich. Die stehen auf der Projektseite rechts in der Randspalte aufgelistet. Und haben vorzugsweise Titel wie: "Brennende Caravans!", "Familienshow: Leben und Sterben im Wohnwagen!", "Der Sonne hinterher! Klimafluchtcamping!", "Freitag der 13.! Sicherheit und Campingkatastrophen.", "Träum zum letzen Mal! Sleep-in im Basiscamp." oder "Großes Erwachen und Finale mit Wohnwagentombola!". Hm. Ob bei der dann noch jemand zugreifen will resp. kann? Vielleicht doch besser die Sterne von daheim aus betrachten... Sieht jedenfalls aus, als sei das obig wiedergegebene Bild vom Projekt als wohlmeinende Warnung gedacht. Und in Schlangenmägen scheinen sicher keine Sterne...]

Von miss.gunst am 27.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.09.06

minimotion ruft

mimo_ksw.gifAls erklärte Freundin der kleinen Form (dochdoch - mindestens auf der Leinwand resp. dem Schirm ;-)) möchte es das Medium nicht verabsäumen, rechtzeitig auf einen nahenden Einsendeschluss hinzuweisen:
Nämlich den des minimotion-Festivals.

Alle zwei Jahre kommt es bekanntlich als besonderes Bonbon im Rahmen des im September stattfindenden Fantoche-Trickfilmfests daher. So auch in 2005 (mehr dazu? Findet sich im Eintrag vom 07.09.05).

mimo_g.gifDamit treue Fans des bildbewegten Minimalismus - hier ausnahmsweise nicht notwendigerweise als Stilmerkmal bzw. Gattungsbegriff zu verstehen, sondern schlicht auf die Dauer des Vilmchens bezogen - nun nicht minimotionslos bis 2007 ausharren müssen, barmen sich die Initiatioren Bildwurf Kinowerbung und das Zürcher Riffraff Kino. Und bieten in der Zwischenzeit Gelegenheit, sich um die Beteiligung einer minimotion-Sonderschau zu bewerben, die dann am 29. Oktober diesen Jahres über die Bühne bzw. auf die Leinwand geht.

Da hofft das Medium natürlich, zur rechten Zeit Zeit zu haben. Allen auf dem einschlägigen Gebiet Aktiven aber sei vordem ans Herz gelegt, bis Ende der Woche - nämlich bis 30.09. - ihre bewegten Miniaturen einzureichen.
Alles Wissenswerte zu den Details auf der minimotion-Hauptseite, wo auch direkt das Anmeldeformular als pdf heruntergeladen werden kann.

Von miss.gunst am 26.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.09.06

picomedia

pico_ksw.gifGerade Lust auf gute Musik gehabt - und sicher hätte es mit Blick auf die Einträge der letzten beiden Tage angestanden, exemplarisch die eine oder andere Schlaufe aus dem Sektor zu ziehen.
Soll für diesmal aber nicht sein. Denn da drängt sich doch glatt eine Netzlabelempfehlung in den Vordergrund, die ganz andere Pretiosen bietet: picomedia.

Sympathisch ist schon die Selbstvorstellung, mit der sich das in Frankreich (geauer gesagt: in Paris) beheimatete Label präsentiert:

picomedia as [is?] a platform for innovative electronic music precious releases for small audience every release is a candy surprise licensed under CC. just keywords... avant garde, experimental ,industrial, electronica, ambient, field recordings, beatless, dark ambient, downtempo, glitch, IDM, illbient, microsound, montage, soundscape, and other forms of experimental music

pico_g.gifWie lecker dieses Versprechen gefüllt wird, kann man noch vor gezielter Lauschexkursion an der liebevollen Gestaltung der Seiten zu den Veröffentlichungen sehen. Eigentlich jede (jedenfalls soweit sie das Medium bislang erkundet hat) kommt mit einem eigenen Text, der das Projekt ausführlich vorstellt, EP-Cover sowie weiteren Bildern daher. Linx zum Herunterladen der Tracks (via archive.org) selbstredend inklusive.

Aus der hohlen Hand eine Empfehlung gefällig?
Na, da wäre zum Beispiel pmact Nr. 5 mit Sound-Collagen von Joe Frawley. Drin was draufsteht - und wirklich wunderschön.

Wieder ganz anders trifft der letztere Satz auf pmact Nr.1, also sozusagen die Debüt-EP des Labels mit einer Kollaboration von telepherique und Ruda Vena. Die vielleicht genau das Richtige ist, um sich während der eher hochsommerlichen denn früherbstlichen Hitze dieser Tage ein wenig akustische Kühlung zuzufächern.

Ach ja: Und sogar Logarithmisches gibt es. Auf mpact Nr. 3, Abstract Machine von ML. Ist durchaus sogar elektronisch. Aber nach generativem Sound klingt das Ganze nicht gerade. Von wegen: Abstrakte Maschine. Die lauschen wir uns jedenfalls dann doch lieber anderweitig an.

Von miss.gunst am 25.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.09.06

lecker unlekker & generator x

gnx_ksw.gifUm gleich mal in Sachen processing den Titel der gestern gepriesenen Grazer Schau aufzunehmen und weiter zu machen:
Marius Watz, Künstler und Co-Kurator von "further processing", ist mit mehreren seiner Projekte natürlich sowieso auch ein Fall für den Zettelkasten.

Nicht nur, weil der in der Szene ziemlich umtriebige Norweger und Wahlberliner mit seinen eigenen künstlerischen Projekten in der Szene ziemlich weit vorne mitmischt.* Und diese auf seinen unlekker.net-Heimseiten auch sehr sehr lecker präsentiert werden (für processing-Fans ist selbstredend so Einiges mit dabei - inklusive eines speziell dieser Programmiersprache gewidmeten Bereichs).

gnx_g.gifZudem unterhält Watz seit längerem ein ebenfalls sehr leckeres Blog namens Generator X - welchselbiges schon entsprechend lang in der Lesezeichensammlung des Mediums dümpelt und nun eben endlich auch mal vorgestellt werden soll.

Ursprünglich mal anlässlich der gleichnamigen Konferenz ins Leben gerufen, die vor ziemlich genau einem Jahr in Oslo stattgefundet hat, ist aus dem Blog rasch eine bestens bestückte Plattform für und Informationsquelle zur so genannten Generativen Kunst geworden. Was man nicht nur daran festmachen darf, dass die ebenso benamste Kategorie kontinuierlich weiter befüllt wird.

So wüsste das Medium beispielsweise auch nicht zu sagen, wo es sonst eine so gut geführte Sammlung zu Theorie und Texten zum Thema gibt. Und einen Bereich speziell für Einträge zur generativen Klangkunst hat es selbstredend auch.

Kurzum: Für Fans der Kunst aus Code sowieso ein RSS-Pflichtabonnement. Aber durchaus nicht nur für Spezialisten zur kontinuierlichen Horizonterweiterung bestens geeignet. Und für heute eben deshalb auch die definitive Lektüre-Empfehlung des Mediums.

* Neben der Kuratierung und Teilnahme an "further processing" hat Watz aktuell übrigens in der Medienturm-Dependance im Wiener muqua-quartier 21 auch noch eine Einzelschau mit dem schönen Titel "Kugelstudie". Aber das nur der Vollständigkeit halber am Rande.

Von miss.gunst am 24.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.09.06

further processing

fps_ksw.gifSaisonstart hat es derzeit überall - einen besonders prominenten aber wie immer in Graz. Nämlich mit dem steirischen herbst.
Der lockt seit Donnerstag (21.09.) mit einem wie immer randvollen Programm in allen Sparten und symphatischerweise einigem Spartemübergreifenden. Und auch diesmal wieder mit zahlreichen Electronica-Spezereien in Ton, Bild und sonstigen Schwingungen.
Diese wiederum werden auch in nächster Zeit noch den einen oder anderen speziellen Hinweis hergeben - der erste gilt aber ganz klar der Ausstellung im Medienturm, die am gestrigen Freitag eröffnet wurde.

Für diejenigen, die ihn nicht kennen: Der Medienturm ist schon seit einigen Jahren - genauer gesagt: seit seiner Gründung 2000 - eine echte Institution in Sachen elektronischer Kunst und Musik. Anfangs tatsächlich etwas skurril in einem Turm am Rande von Graz untergebracht, ist er 2004 dann ins Stadtzentrum gezogen. Seither gibt es selbst für Stippvisitler so ganz und gar keine gute Ausrede mehr, nicht wenigstens einmal vorbeizuschauen.

fps_g.gifZum steirischen Herbst steuert er heuer eine Ausstellung namens "further processing. Generative Kunst - Offene Systeme" bei. Drin ist, was draufsteht:
Software-basierte Arbeiten von KünstlerInnen, die mit der OS-Programmiersprache "Processing" erstellt wurden.

Mit der wird sich das Medium noch mal extra beschäftigen, für heute sei erst einmal denen, die in den nächsten Wochen Gelegenheit zu einer Graz-Exkursion haben, der Besuch der Schau wärmstens ans Herz gelegt.

Wer im Vorfeld spitzen möchte, was ungefähr auf der visuellen Ebene zu erwarten ist (oder wissen will, was ihm/ihr entgeht), sollte getrost mal auf den Heimseiten der Beteiligten gründeln gehen. Dabei sind jedenfalls:
Pablo Miranda Carranza, Fabio Franchino, Ben Fry (einer der beiden, die processing ursprünglich entwickelt haben), Golan Levin, Lia, Mark Napier, C.E.B. Reas, Karsten Schmidt und Martin Wattenberg.
Sowie natürlich Marius Watz, der zusammen mit dem Medienturm-Leiter Sandro Droschl für die Ausstellung verantwortlich zeichnet.

Also alles keine Unbekannten, sondern sozusagen schon VeteranInnen auf diesem Gebiet - aber eben auch Leute, die sich aktiv an der Weiterentwicklung der Werkzeuge beteiligen, mit denen sie arbeiten. Und eben darum ist nicht nur "further processing" einen Besuch wert, sondern Gleiches gilt auch für ihre Projektseiten - grad dann, wenn Graz dieses Jahr nicht auf dem Exkursionsplan steht.

[Bildchen: Home Made Processing, aber - ja, das Medium schämt sich - nur simuliert...]

Von miss.gunst am 23.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.09.06

Schachnacht (WRT)

chs_ksw.gifEnde mit der Sendepause - und in die Vollen gleich wieder mit einem Webradio-Tipp.
Dessen Gegenstand hat zwar nur bedingt mit den sonst in diesem Log.Buch umkreisten Sphären zu tun. Wohl aber mit einer der stillen Leidenschaften des Mediums, die es mit anderen zu teilen mutmasst (resp. fastganzsicher ist) und muss deswegen sein.

Und zwar steht morgen (23.09.06) früh um 0:05 Uhr wieder eine der Langen Nächte bei Deutschlandradio Kultur auf dem Programm. Welche jener Königlichen Kunst gewidmet sein wird, die man vulgo, heisst schlichterdings auch Schach nennt.

chs_g.gifDas bedeutet: 180 Minuten lang (und nur durch die stündlichen Nachrichten unterbrochen) lässt sich lustvoll allerlei Geschichten und (Kultur-)Geschichtlichem rund um Schachspielen, Schachspiele und Schachspieler lauschen.

Dass Wolfgang von Kempelens so genannter "Schachtürke" - die vorgebliche Automate, die man dank E.A. Poe auch als "Maelzels Schachspieler" kennt - mit von der Partie ist, versteht sich von selbst. Ob auch ihre zeitgenössischen - und ihrem Namen wohl eher gerecht werdenden - digitalen Nachfolger eine entsprechende Würdigung erfahren werden?

Das Medium ist gespannt und sortiert derweil sowohl ältere als auch neuere Kulturbeuteltrophäen, die es während der zahlreichen Exkursionen der vergangenen Wochen gesammelt hat (und sichtet in diesem Zuge mal die vielen entsprechenden Versprechen, die es angelegentlich im eiligen Durch- und Überflug leichtsinniger Weise ausgestossen hat). Sowie den Posteingang, in dem sich saison(start)gemäss schon wieder einige spannende Ankündigungen häufen.

Morgen geht's dann wieder weiter in medias res. (*ähm*:) Versprochen.

  • Die Daten:
    "Für den Ernst zu viel Spiel, für das Spiel zu viel Ernst"
    Eine Lange Nacht vom Schach
    Von Rainer-K. Langner
    Deutschlandradio Kultur - Reihe "Lange Nacht
    Freitag, 23.09.2006 um 0:05 Uhr
    [= Nacht vom Donnerstag auf den Freitag!!!]
  • [Bildchen: Sucht die nachgerade notorische Not jener Figur zu veranschaulichen, welche wohl am allerwenigsten verstehen dürfte, warum Schach auch Königliche Kunst und nicht etwa muntere Einladung zum Königsmord genannt wird. Für die Vorlage dankt das Medium den Wikipedia Commons resp. Alan Light und sowieso dem grossen, weisen GNU, dessen Lizenzbedinungen auch die Mutationen unterstellt werden.]

    Von miss.gunst am 22.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.09.06

    HOME MADE in concert

    hmb_ksw.gifNicht schwer zu erraten, wie die Tagestipps für den heutigen Donnerstag (14.09.06) und die folgenden Tage lauten.
    Mindestens aus projektpatriotischer Perspektive kann es da jedenfalls nur eine Antwort geben... oder zwei... oder...

    Jedenfalls: Heute Abend sollte jedenfalls ein Besuch im [plug.in] Basel ganz oben auf der Liste stehen, weil dort um 20:00 Uhr kein Geringerer als Nic Collins zunächst einen kleinen Vortrag über Hardware Hacking halten und anschliessend eine konzertante Kostprobe dessen geben wird, was sich auf diesem Wege musikalisch realisieren lässt.
    Wer sich schon im Vorfeld etwas einstimmen möchte, kann sich unter anderem einige Log.Buch-Einträge zum Thema (bzw. zu Collins) zu Gemüte führen.

    hmb_g.gifIm Hintergrund ist dabei längst fleissig gewerkelt worden, insofern heute wie auch am Freitag (15.09.) am selben Ort ein HOME MADE-Workshop - genauer gesagt: einer Synthesizer-Bastelsession mit Flo Kaufmann stattfindet. Die ist leider schon völlig ausgebucht - aber für eine zweite Auflage am 23./24.09. gibt es wohl noch Chancen (mehr dazu auf den entsprechenden Seiten des HOME MADE Labors und Anmeldungsversuche am Besten gleich ans [plug.in] adressieren).

    Am Samstag (16.09.) ab 20:00 Uhr steht in jedem Fall - wiederum im [plug.in] - ein weiteres HOME MADE-Konzert ins Haus. Wobei das line up diesmal zunächst die TeilnehmerInnen des Workshops mit ihren Synthies bestreiten. Und dann noch Sessions mit Elixir und Christoph Grabs Toygroup folgen.

    Ansonsten gibt es natürlich auch noch andernorts spannende Dinge. Wie zum Beispiel in Berlin die Wizard of OS-Konferenz und in Wien eine ebensolche zum kürzlich (und leider eben sehr kurzfristig) vorgestellten Projekt radio.territories.
    Kurzum (und zumal das eigentlich auch noch nicht alles ist, was sich für die nächsten Tage empfehlen liesse): Ziemlich viel, womit man seine Zeit off- und online bestens herumbringen kann.
    Und eben deshalb im Log.Buch schon wieder mal eine kleine Sendepause...

    Von miss.gunst am 14.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.09.06

    Kulturblog Zürich

    kbch_ksw.gifWeil zwischen diversen Exkursionen einfach zu wenig Zeit bleibt, die entsprechenden Eingänge im Kulturbeutel würdig auszuwerten, verweisen wir aushilfsweise - aber auch, weil es eh längst mal wieder an der Zeit ist - einfach in die nette Nachbarschaft.

    Und zwar diesmal gleich in doppeltem Sinne wortwörtlich:
    Insofern der Zürcher Kulturblog nicht nur geographisch quasi um die Ecke liegt.
    kbch_g.gifSondern durchaus auch in verwandten Gefilden gründelt wie das Medium. Freilich ungleich fokussierter auf die lokalen, regionalen und mitunter nationalen Aktivitäten im allgemeinen. Sowie im besonderen auch auf die Kulturpolitik.

    Insofern nachgerade eine Pflichtlektüre für alle einschlägig Interessierte - und anderer Meinung kann man ja immer noch sein respektive diese in Kommentaren auch äussern.

    Aktuell beispielsweise mag das Medium der (zweifellos ziemlich unterhaltsam vorgetragenen) Kritik zur Theater- bzw. genauer gesagt: Tanz-Politik ("Wenn die Kulturbürokratie tanzt") nicht so ohne weiteres zu folgen. Denn dass es sich beim Tanz um die "meistgehätschelte Kultursparte" handeln soll, hält es - Subventionen hin oder her - auf der Basis seiner eigenen Kenntnisse des Metiers eher für ein Gerücht.

    Nichts desto weniger liest es den Kulturblog gern, interessiert und oft - und will ihn insofern für einmal wärmstens weiterempfehlen.

    Von miss.gunst am 12.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.09.06

    radio.territories (WRT)

    rtt_ksw.gifHimmel. Leider ein bisschen spät für diesen Webradio-Tipp. Aber gestern hat das Medium - soweit nicht witterungsbedingtes Frischluft ventilieren und Sonne fassen anstand - dann lieber selbst Radio gehört als noch eilig zu bloggen.
    Wer zeitgleich zur Eintragspublikation mitliest, sollte jedenfalls noch rasch den Stream von resonance fm anwerfen.

    rt_g.gifDort war der Sonntag (inklusive der anschliessenden Montagmorgen-Stunden) nämlich dem Projekt "radio.territories" bzw. dessen Londoner Station gewidmet.
    Mit ganz grossartigen Beiträgen rund um "radio, radio-art, radio, the (un)usual." Lokal im ICA London und online on air eben bei resonance.

    Läuft eben grad noch. Deswegen wird jetzt weiter gelauscht. Und anderntags weiter geschrieben...

    Von miss.gunst am 11.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.09.06

    Lust auf Luft?

    lgg_ksw.gifIn diesem Fall eine rein rhetorische Frage. Denn es gibt derzeit genug Leute, die sie derzeit mehr als enthusiastisch mit "Ja" beantworten. Und das hat nichts mit dem spätsommerlich schönen Wanderwetter und dementsprechend besonders lustig durch die Landschaft ziehenden Wandervögeln zu tun, welche zünftig ihre Klampfe zückten, um die Freiheit im Freien zu besingen.

    Mit Klampfen allerdings schon. Solchen nämlich, die selbst nur aus Luft bestehen.

    Luftgitarre spielen an sich ist natürlich nichts Neues und erst recht nicht saisonabhängig. Wohl aber erst in jüngerer Zeit ist es so richtig zum Volks- und sogar Wettkampfsport avanciert - bzw. wird es als solcher allgemein wahr- und ernst genommen, wie die aktuelle Presseresonanz belegt. Und natürlich auch die Gründung zahlreicher nationaler und regionaler Sektionen von Brandenburg bis Japan; den bekanntesten Ausbilder im finnischen Espoo nicht zu vergessen.

    lgg_g.gifWobei es das wichtigste Ereignis für passionierte Luftgitarristen, das als Weltmeisterschaft fungierende Oulun Musiikkivideofestivaalit, eigentlich schon seit guten genau zehn Jahren gibt.

    Das praktische an der Luftgitarre: Es handelt sich - und da wären wir also tatsächlich bei einem Kernthema dieses Log.Buchs gelandet - um ein Instrument Marke Eigenbau. Wenngleich viele ihre D.I.Y-Konstruktionen offenbar gerne mit bekannten Labeln versehen oder mindestens ebendort die Qualitätslatte für die technischen Feinheiten anlegen.

    An der entscheidenden Stelle hapert's folglich dann wieder ein kleines Wenig an der Kreativität - wie schade. Wie gut, dass man andererseits über diesen kleinen Schatten lässig hinwegsehen kann - und das nicht nur aufgrund der überzeugenden Darbietungen, derer man auf der Bühne teilhaftig werden darf.

    Wer sich nun ärgert, die aktuelle Weltmeisterschaft - die gerade heute zuende geht - mal wieder verpasst zu haben, kann ja schon mal für die nächste üben. Lange an seinem Instrument basteln, bevor man richtig loslegen kann, muss man ja glücklicherweise nicht.

    [Bildchen: Oben links Detailansicht einer Luftgitarre, rechts gross dann zwei besonders attraktive Exemplare, von denen wiederum das linke jene Lügen straft, die behaupten, es gebe keine akustischen Luftgitarren. Gibt es natürlich doch!]

    Von miss.gunst am 10.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.09.06

    Bäume und Blitze

    babl_ksw.gifWeil der Tagestipp für den heutigen abend schon vorgestern vergeben wurde (mehr resp. ausführlicher in der Nachbarschaft), können wir uns heute einem Nachtrag zum gestrigen Beitrag widmen, nämlich was das Verhältnis von Blitzen und Bäumen betrifft.

    Ist nicht mal so ganz off topic dieses Log.Buchs - schliesslich könnten sich dafür auch KlanggärtnerInnen interessieren, denen an der Wetterfestigkeit ihrer Installationen gelegen ist.

    babl_g1.gifJedenfalls hat sich das Medium, nachdem es ein Leser-Feedback zur Frage "Eichen oder Buchen" bekam, nochmals eingehender mit selbiger beschäftigt. Dass der Rat, Buchen zu suchen, der tradierten Weise zum Trotz kein wirklich so guter ist, war ja selbst einem Medium mit mässigem Verstand bekannt. Hingegen nicht, wie es überhaupt zu den gern zitierten Versen kommen konnte.
    Etwa frei nach Morgenstern: "Das Mondkalb verriet es mir im Stillen - man riet so nur um des Reimes willen?"

    Offenbar nicht nur. Mindestens kursieren - allerdings verschiedene - Thesen, warum es durchaus etwas gefährlicher sein könnte, unter Eichen Schutz zu suchen als unter Buchen.
    Klar scheint lediglich, dass die Überlieferung mit der unterschiedlichen Beschaffenheit der Bäume zu tun hat.

    Das Medium mutmasste ja mit Blick auf die Rinde (glatt bei Buchen, furchig die Eichenborke), es müsse an der unterschiedlichen Wasserspeicherung bzw. Feuchtigkeit liegen. Ganz so einfach ist es wohl nicht.

    Sollte man den (Un-)Sinnspruch nun darauf zurückzuführen, dass der Blitzeinschlag bei Eichen augenfälligere Folgen hat, weil der Blitz bei glattrindigen Bäumen im Inneren abgeleitet wird, bei Eichen dagehen aussen entlang kriecht - wie das der entsprechende Abschnitt eines Artikels in Stern Wissen suggerieren kann?

    Ersteres ist zwar ganz richtig - aber ein Baum, in den ein Blitz einschlägt, sieht hinterher allemal nicht mehr ganz so gut aus wie zuvor. Dürfte schliesslich auch drinnen im Holz etwas wärmer werden.

    Plausibler scheint da schon der etwas ausführlichere Erklärungsansatz, der in einem Beitrag bei wissen.de gegeben wird.

    babl_g2.gifDort ist nun nicht nur von der Sekundärableitung zu lesen, die ein an der Eiche aussen herunterzischender Blitz in dem Schutz suchenden, aber ganz sicher noch besser als die Borke leitenden Mensch findet und offenbar dann bevorzugt.
    Sondern auch ein Verweis auf die unterschiedlichen Wurzelwuchsarten zu finden, welche die beiden Bäume charakterisieren.
    Tatsache, das war auch die These, die im gestrigen Leserbrief zu lesen war.

    Warum letztere dem Medium nicht nur plausibel dünkt, sondern auch besonders sympathisch ist - sieht man in den Bildchen anbei... ja genau, das gute alte Prinzip der Sympathie!
    Und wo die Liebe wirklich einschlägt, kann es dann halt schon einmal heiss hergehen.

    Also in diesem Sinne, wie je: Amour! Bonheur! Und bei Gewitterneigung nie ohne Käfig spazieren gehen...

    Von miss.gunst am 07.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

    06.09.06

    Musikalischer ElektoMagnetismus

    farad_ksw.gifZufällig gerade in Berlin? Dann hätte das Medium doch glatt einen guten Tipp, wie sich der heutige (06.09.06) oder morgige Abend verbringen lässt - und zwar zünftig im Spannungsfeld von Musik und Elektromagnetismus.

    Mindestens ist das der Bogen, den das jüngste Projekt der LOSE COMBO zu schlagen versucht, das dieser Tage in der St. Elisabeth-Kirche in Berlin-Mitte zur Aufführung kommt.

    fdk_g2.gifSein Titel, "Faraday's Cage" lässt natürlich erst einmal an jene Konstruktion denken, von der man lernt, dass sie vor Blitzschlag weitaus wirksamer schützt als die Buchen, die man angeblich suchen soll.
    [Beiseit: Ja, Buchen sind - weil sie eine glattere Rinde haben als Eichen - sicher ein kleines wenig sicherer als letztere, in deren furchiger Borke sich mehr leitfreudiges Wasser sammeln kann. Gleichwohl: Baum bleibt Baum und reckt sich allweil zu freudig den Spannungsentladungen aus dem Himmel entgegen...]

    Und tatsächlich ist das Projekt als Hommage an Michael Faraday zu verstehen - womit die LOSE COMBO eine Reihe von Arbeiten fortsetzt, die sich mit Elektrizität und Elektromagnetismus beschäftigen; zuvor gab es nämlich schon eines mit Frequenzen zu Heinrich Hertz.

    fdk_g4.gifDennoch verdankt es seinen Namen nicht nur dem "Faraday'schen Käfigs", von dessen Urform übrigens auch das Bühnenbild inspiriert ist, in dem drei Exemplare dieses Bautyps stehen. Denn:

    "Die Käfige bieten sieben Musikern einen abgeschirmten Freiraum für ein Konzert von John Cages Seven und Morton Feldmans Durations, während zwei Performer, die in kurzen Vorträgen den verschwiegenen, abseitigen und gespenstischen Aspekten des Phänomens [Magnetismus] nachgehen."

    Soweit jedenfalls laut Programm. Ein bisschen gespenstisch scheint zwar schon auch, wie sich hier die Assoziationen angezogen haben: Von Faradays Käfig zu Cage, von Feldman zum feldfreien Raum in Ersterem. Aber so falsch liegt die LOSE COMBO damit im Grunde nicht - vielmehr findet da wohl Einiges zueinander, was tatsächlich zusammengehört bzw. sich (elektro)magnetisch angezogen hat. Und spannend klingt das Ganze allemal...

    [Bildchen: Gehören nicht zum Projekt, sind auch weniger musikalisch als didaktisch geraten. Dafür selbstgebastelt, mehr schlecht als recht - aber immerhin. Und: Ungeachtet offenbar entstandener Ängste vor Zwingerverbringung wurde das Strichwesen auch für Bild 2 weder seelisch genötigt noch sonstwie gequält.]

    Von miss.gunst am 06.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.09.06

    Aufruf zum Elektro-Dropping

    esho_ksw.gifUnd wieder gilt es einen Aufruf weiterzugeben - diesmal kommt er direkt aus der Nachbarschaft, nämlich aus dem Basler [plug.in]. Beim Medium eingetroffen ist er mit einer Einladung - die zwar nicht direkt mit ihm in Zusammenhang steht, aber unter dem Strich eigentlich doch ganz gut passt.

    Mehr über letztere hat das Medium schon in der netten Nachbarschaft des digital brainstorming blogs verbreitet. Und dazu denn auch schon besagten Aufruf gestellt.

    Zwecks grösstmöglicher Verbreitung (und um auch die nicht so surffreudigen LeserInnen zu bedienen) gibt's den hier gleich noch einmal. Zur Abwechslung aber dann noch von ein paar Anmerkungen zur Sache gefolgt.
    Also erstmal das Anliegen:

    Liebe Freunde von [ plug.in ]

    Für ein neues Projekt, das Christian Philipp Müller für [plug.in ] entwickelt, sammeln wir diverse alte Geräte: Computer, Laufwerke, Festplatten, Modems, Drucker, Scanner, aber auch Disketten jeden Formats, die ihr nicht mehr gebrauchen könnt, oder uns für die Dauer der Ausstellung (18. Januar bis 15. April 2007) kostenlos ausleihen mögt, nehmen wir gerne entgegen.
    Besonders freuen wir uns, wenn ihr zum Gerät noch eine Geschichte mitliefern könnt.

    Kontakt: cpmueller@iplugin.org

    Herzlichen Dank fürs Mithelfen!
    Annette Schindler Christian Philipp Müller

    esho_g.gifNun fragt man sich natürlich neugierig - ob zu den potentiellen SpenderInnen zählend oder nicht - was wohl mit den gespendeten oder geliehenen Geräten geschehen wird.
    Nach allen Regeln der Kunst darf das im Vorfeld ja meist nicht verraten werden.

    Gerade vor dem Hintergrund des Donnerstag eröffnenden ElektroShops ist man fast verführt, so etwas wie dessen Fortsetzung mit anderen Mitteln bzw. im/als Bild zu assoziieren.
    Schliesslich haben, passend zur Dominanz entsprechender Formate im wirklichen Leben - zusammen mit den ernst gemeinten Museumsshops (denen ersterer tendenziell nahe steht) seit einigen Jahren auch künstlerische Beiträge zum Thema Konjunktur. Wer seinerzeit verpasst hatte, im Migrosmuseum Zürich durch Rirkrit Tiravanijas Supermarkt (1998) zu schlendern, konnte das beispielsweise später in Guillaume Bijls Variante in der Frankfurter Shopping-Schau in der Schirn oder, nahe liegender und eigentlich noch schöner, 2004 in Basel im Petit Grand Magazin tun.

    Und auch Christian Philipp Müller hat sich bereits ausgiebiger mit dem Konsumieren qua Kaufkraft und dessen Begehrensantrieben beschäftigt, nämlich in seinem - derern Teil "Tauschwerte" 2002 sehr passend in der Ausstellung Ökonomien der Zeit (und folglich ebenfalls in Zürich - hier sogar mit Bild) zu sehen war.

    Oder ob sich Müller diesmal mehr auf die plastische respektive skulpturale Anmutung von ausgedienten ElektroWaren bzw. Klein- und Grossoden der Computerkultur verlassen will - sagen wir mal, ähnlich wie man das von der Redundant Technology Initiative und ihren Projekten wie "Futureproof" kennt (siehe auch hier im ZKM)?

    Darüber kann man noch etwas grübeln - und bis zur Eröffnung der Ausstellung im kommenden Jahr einerseits fleissig geben, andererseits im ElektroShop für Nachschub, Neuausstattung und wahrscheinlich auch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk sorgen. Das dann irgendwann auch wieder den Gang der Dinge gehen und in einem künftigen Kunstprojekt recycelt werden mag...

    [Bildchen: Haben nichts mit den beiden [plugin.in]-Projekten zu schaffen, sondern sind - wie schon hier bemerkt - eher lokalprojektpatriotisch gefärbte Phantasien, was man im ElektroShop idealerweise erwerben können sollte. Wenn man es denn nicht lieber gleich selber baut... ;-))]

    Von miss.gunst am 05.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.09.06

    sonambiente nachlese(n)

    sona06_gnksw.gifDa wir gerade bei den Lektüre-Tipps sind: Da hat es doch gleich noch einen, und zwar zur sonambiente, die ja nicht nur den gerade zur Neige gehenden KlangKunst-Sommer mitgeprägt, sondern auch diesem Log.Buch zu einigen Einträgen verholfen hat.

    Gerade ist nämlich die Septemberausgabe des amerikanischen artforum erschienen. Und wie es der Zufall (oder auch nicht) so will, sind just unter den Beiträgen, die netterweise frei im Netz zu lesen sind, auch zwei Rückblicke auf die sonambiente zu finden.

    Einer davon - nämlich der kürzere Beitrag von Harald Fricke - im Übrigen sogar "online exclusive", also nur im Web und nicht im gedruckten Magazin.

    sona06_gn.gifNicht nur länger, sondern auch kritischer fällt der Ausstellungsrundgang seines Kollegens Christoph Cox aus - für diejenigen, die mit diesem Namen nichts anfangen können: Cox schreibt nicht nur für das artforum regelmässig über Sound Art und ist (Mit-)Herausgeber der übrigens ebenfalls sehr empfehlenswerten Quellentext-Anthologie "Audio Culture. Readings in Modern Music", sondern hat auch selbst schon verschiedentlich Ausstellungen mit Klangkunst kuratiert; derzeit bereitet er für den legendären New Yorker Medien-Kunst-Ort The Kitchen eine Schau mit dem schönen Titel "Invisible Geographies: New Sound Art from Germany" vor, die Ende dieser Woche eröffnet wird. Kurzum: Er ist wirklich ein Fachmann auf dem sonambiente-Terrain.

    Nachlesen, was er zur Ausstellung zu sagen hat, kann nun natürlich jeder selbst.
    Bleibt vielleicht anzumerken, dass er mit seiner Würdigung Berlins als einer wichtigen Anlaufstelle für Klangkunst-PraktikerInnen und -Interessierte absolut nicht falsch liegt (neben den Hinweisen auf die auch in diesem Log.Buch schon häufiger angeschwärmte Singuhr, die erste sonambiente in 1996 und die ihrerzeit in der Tat bahnbrechende Ausstellung "Für Augen und Ohren" 1980 hätte er vielleicht noch deren Kurator René Block und den von seiner Frau Ursula geführten Laden "gelbe MUSIK" erwähnen können - in dem zu Zeiten seines Bestehens wohl nicht nur das Medium so manchen Groschen gelassen hat).

    Ziemlich richtig dürfte er allerdings leider auch mit der Feststellung liegen, dass mindestens die institutionelle Repräsentation von KlangKunst ziemlich auf der Stelle tritt. Und mit ihr die öffentliche Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit diesem Feld.

    Nicht ganz, wenn man (um nur mal in Berlin zu bleiben) beispielsweise aufs Programm des Tesla schaut; und natürlich gibts andernorts auch noch einige Aktivitäten - tendenziell aber nach wie vor eher: in sogenannten Off-Spaces, unterfinanziert und allenfalls gelegentlich zur Auflockerung und notdürftigen Nachwuchshege ins (Rahmen-)Programm der grösseren Häuser übernommen. Nein, mal ein paar Wochen "Frequenzen Hz" in der Schirn (mehr dazu vom Medium*) oder eine Installations-/Konzerttour von und mit Carsten Nicolai oder C.M. von Hausswolff machen da wirklich noch keinen Sommer.

    Ob es in der Schweiz in dieser Hinsicht besser steht?
    Gute Frage.

    * Oha, da steht eine falsche Bildunterschrift. Böses böses Retrieval-Engine? Eher nicht, aber wie auch immer: Ganz offenkundig sehen wir da Carsten Nicolais 2001 für die Biennale von Venedig entstandene Installation "frozen water". Und eben nicht Ann Lislegaards "!". Das, obwohl vom Medium eigentlich präferiert, im Druck seinerzeit nicht landete, weil die Bilder zur den Reviews nur s/w wiedergegeben werden. Was Lislegaards Arbeit, im Bild sowieso stumm, wohl hinter Nicolais etwas didaktische, aber optisch opulentere Wellendemo zurückfallen liess.

    Dies nicht zuletzt deshalb so ausführlich, weil es noch mal zu einem anderen, allerdings wohl kaum für den deutschsprachigen Raum spezifischen Ende der Sache führt: Klar hat Klangkunst in einer aufs optische ausgehenden Rezeptionslandschaft, wie sie die Kunstszene nun mal traditionell ist, nach wie vor ein Vermittlungsproblem.

    Von miss.gunst am 03.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.09.06

    Kultur & Gespenster (fichte ff.)

    kouw_ksw.gifJa, auch die Notation von Hubert Fichte in der Überschrift des gestrigen Beitrags verdankt sich nicht allein dem Umstand, dass sich der schöne Buchstabe "f" auf diese Weise reihen liess. Aber auch nicht nur der Tatsache, dass seine mit Leonore Mau fabrizierten FotoFilme zu den Glanzlichtern des gleichnamigen Programms zählen.
    Geschickt liess sich nämlich auf diese Weise ein Kettenglied vorschmieden, dass den Anknüpfungspunkt für einen heissen Lektüre-Tipp bietet.

    Seit diesem Sommer gibt es nämlich eine neue Zeitschrift, die auf den vielsprechenden Namen "Kultur & Gespenster" hört. Und zwar auf Papier (doch, das allein schon ist erwähnenswert in einer Zeit, die jenseits des guten alten Buches zwischen zartem Zellstoff fürs Hinterteil und Hochglanzmagazinen mit Anzeigenanteil über 50% scheinbar immer weniger Spielraum lässt für Texte, die sich wirklich LeserInnen wünschen), über Seiten stark und annähernd im hand- wie taschenfreundlichen Quartformat.

    kouw_g2.gifKurzum, das Zugreifen wird einem von einem ansprechenden Äusseren schon mal denkbar leicht gemacht - und die Füllung lässt um so weniger Reue aufkommen.
    Die Erstausgabe wagt sich mit einem Schwerpunkt zu Hubert Fichte gleich ziemlich weit vor. Natürlich hat Fichte LeserInnen, Fans, um nicht zu sagen: der ganze Fichte als Figur einen gewissen Kultstatus. Doch erstens dürfte diese Gruppe in Zahl und Kaufkraft kaum das Überleben einer Zeitschrift sichern können und zweitens sind bekanntlich Fans und FreundInnen die schwierigste Klientel, wenn man ihnen mit monographischen Zugängen zum Gegenstand ihres Interesses, ihrer Freundschaft, ihrer Verehrung kommt. Ganz zu schweigen von denen, die bei solchen Gelegenheiten Achselzuckgymnastik treiben und seufzen: Geh, der Fichte. Kennen wir eh. Der ist halt grad wieder in.

    Wie auch immer. Heft in der Hand kann man all den notorischen Nörglern lässig entgegenwedeln: Lest vielleicht erst mal. Sind nämlich ganz verschiedene Zugänge, und einer interessanter als der andere. Hart, aber gerecht und souverän an Skylla Sentimentalität ebenso wie an Charybdis Hinterbliebenenunmut vorbeischippernde Erinnerungen an Hamburger Kumpelnester. Imaginäre Zwiegespräche über das und Spurensuche nach dem Chamäleon F. Gute Texte einfach, je auf ihre Art und deshalb auch als Herde im Herzen des Hefts keine schafdröge Versammlung, bei der man erst mal lang vor dem Gatter scharren muss, bis man mitgrasen darf. Grünes Gras natürlich, zart wie - aber halt, das ist das falsche Zitat, obwohl man auf dem Grat zwischen Zärtlichkeit und Grausamkeit, Anflug von Dusel und darauf antwortender Lakonie (plus: scharfer Beobachtung) dann wieder genau richtig ist. Bei Fichte, aber auch bei denen, die dort über ihn schreiben. Gerd Schäfer, Ole Frahm, kathrin röggla - um nur mal drei zu nennen, deren Beiträge das Medium gern gelesen hat, als der Sommer noch einer war und die Begegnung mit Maus Photographien in Hamburg, mit den FotoFilmen von Fichte/Mau in Köln noch nicht lang her.

    Fichte ist zudem nicht alles, was diese erste Ausgabe von "Kultur & Gespenster" zu bieten weiss. Da gibt es beispielsweise auch einen Essay von Ralf Schulte, der unter dem schönen Titel "Ausweitung der Tanzzone" den Wahrnehmungen Josefine Bakers in Europa nachgeht und es schafft, mit einer geradezu gemein klugen Frage zu enden (die hier aber nicht zitiert wird, wäre ja noch schöner). Und, gewissermassen als würdiger Vertreter der Kategorie "Komisch, dass da nicht schon früher jemand drauf gekommen ist, mal nachzuhaken", ein Interview mit Alexander Kluge über die Bilder in seinen Texten.

    kouw_g.gifDa wir gerade bei den Bildern sind: Die Bildstrecken, von denen es zwei gibt, die explizit als solche bzw. als KünstlerInnenbeiträge kommen (verantwortlich: Claus Becker, these.null [sic]) - je nun, darüber lieber weise schweigen oder allenfalls betreten murmeln, dass halt nicht alles erhaben sein kann. Ehrlich. Becker hat immerhin einen tollen Titel, "Spielverderber". "these.null" dagegen (obwohl das Medium Thomas Draschans Filme wirklich gerne mag) hauen schon bei der Selbstbenamsung wahlweise total daneben oder voll ins Schwarze - Letzteres jedenfalls, weil sie wagen, das Ganze auch noch als "Das imaginäre Werk Hubert Fichtes" ins Rennen zu schicken. Wobei das Schreibgerättier, das es auf den Titel geschafft hat, gerade noch so geht.

    Ansosten gesteht das Medium, sich besonders freudig in der Abteilung mit den Kurzwaren getummelt zu haben. Wo es selbst die Rezensionen mochte, über deren Gegenstände es dezidiert anderer Meinung war bzw. ist - einfach, weil sie sich durch einen erquicklichen Umgang in Wortwahl und -kombinatorik auszeichnen.

    Grösstmögliches Glück durchflutete es angesichts der Tatsache, dass nicht wenige Seiten (hoffentlich! nicht! nur! dieser! Ausgabe!) Bildergeschichten resp. -büchern, vulgo: Comix gewidmet sind. Leckere Verweise insbesondere auf Hamburger HeldInnen des Metiers von Line Hoven über Wittek bis Calle Claus und ihr Zentralorgan, Orang, vorgestellt von Sascha Hommer.

    Auf deren Webseiten es sich selbstredend auch gut weiterschmökern lässt. Aber davor bitte noch mal kurz innehalten. Gibt nämlich noch eine Schlussbemerkung zu "Kultur & Gespenster":

    Insofern festzustellen ist, dass eine Zeitschrift ihren Geistes- und Herzensbildungszweck zu guten Teilen bereits erfüllt, wenn sie ihre Sektionen auf tolle Namen tauft, die da lauten "Der sich entfremdete Geist und die Bildung" - "Die Lust und die Notwendigkeit" - "Die sinnliche Gewissheit" - "Das Gesetz des Herzens und der Wahnsinn des Eigendünkels" - "Das Gewissen, die schöne Seele, das Böse und seine Verzeihung" - "Die Tugend und der Weltlauf". Punkt.

    Die Daten:
    Kultur & Gespenster erscheint beim Hamburger textem-Verlag, woselbst es einzeln bestellbar oder zu abonnieren ist. Für weniger Geld als es wert ist.

    [Bildchen: Stammen nicht aus dem Heft. Am liebsten hätte das Medium ja einen Schrebergarten-Urwald und Brötli-Kolibris von Lothar Baumgarten ausgeliehen, für Fichte. Ging halt nicht. Also Kohlpatagonien selbstgebastelt. Was hilft's.]

    Von miss.gunst am 02.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.09.06

    fotofilme, fichte, frankfurt

    ff_ksw.gifNicht der Freude an Stabreimen verdankt sich dieser Eintrag, sondern natürlich einem konkreten Anlass. Dass von Film (mit F, also nicht: Video) in diesem Log.Buch eher selten zu lesen ist, scheint erst mal logisch: Produktionen in 8 mm, 16 mm oder Doppel-8, den klassischen Formaten für's Hausgemachte, sind selbst ziemlich rar geworden.
    Um so mehr Aufmerksamkeit verdient eine Gattung, die neben dem Found Footage-Film (und manchmal als ebensolcher) per se eine starke Neigung in Richtung Heimarbeit hat: Der FotoFilm.

    Der muss natürlich nicht, aber kann im Prinzip ganz im Alleingang am Schneidetisch entstehen - ohne Schauspieler, Produktionsteam etc. pp.
    Weil er eben aus Fotografien besteht (daher zweimal gross "F", denn natürlich wird so gesehen jeder auf klassischem Material gedrehte Film foto-grafiert). Fotografien jedenfalls, die abgefilmt und damit auf ihre Weise zum Leben erweckt werden.

    Funktioniert nicht? Oh doch, das funktioniert in 99,9% der Fälle ganz wunderbar und funkt entsprechend.

    ff_g.gifSich davon selbst überzeugen und das Genre in seiner ganzen Vielfalt kennenlernen kann man in diesem Jahr aufgrund eines Projekts, das die VilmemacherInnen (diesmal mit V) Katja Pratschke (mit "Rien ne va plus" sowie ihrem KHM-Abschlussfilm "Fremdkörper" ebenfalls FotoFilmerin) und Gusztáv Hámos zusammen mit dem Hamburger Filmwissenschaftler (und Chris Marker-Experten) Thomas Tode initiiert haben. Es heisst FotoFilme und besteht aus mehreren Themenprogrammen mit ebensolchen - die derzeit durch verschiedene Städte touren.
    Im Frühjahr hatte das Medium die Ehre, mit einem Vortrag dabei zu sein, als das Programm auf Einladung der Dokumentarfilminitiative NRW in der Kunsthochschule für Medien KHM Köln Station machte.

    Und war rundum begeistert vom Wiedersehen mit so grossartigen Arbeiten wie den FotoFilmen von Leonore Mau und Hubert Fichte, von Chris Marker (dessen La Jetée bekanntlich die Vorlage für Twelve Monkeys lieferte) und anderen. Sowie vom FotoFilme-Nachwuchs aus unterschiedlichen Generationen. Ganz grossartig beispielsweise "COPY SHOP" von Virgil Widrich (aus Österreich, 2001).

    Ab heute jedenfalls besteht für diejenigen, die in der Nähe von Fankfurt am Main weilen, wieder Gelegenheit zum Schwelgen in FotoFilmen, denn das Projekt ist bzw. die Programme sind im Deutschen Filmmuseum zu Gast. Diesmal zwar ohne Symposium. Aber, soviel sei verraten: Allein die Live-Synchronisation von Thomas Tode zu La Jetée ist einmalig gut. Vom Film, wie gesagt, ganz zu schweigen.

    PS: Nein, das Projekt hat leider keine eigene WWW-Seite. Die ausführlichsten Informationen zu den Filmen gibt es immer noch über die Seiten zur Kölner Veranstaltung bei der DFI.

    [Bildchen: Leider kein FotoFilm, sondern schlichtes 8mm-Material. Merci an die Wikipedia, der das Vor-Bild entstammt.]

    Von miss.gunst am 01.09.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)