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09.10.06

carill-ON, carill-OFF

chwh_ksw.gifJa, tatsächlich wieder ein Carillon. Also ein Glockenspiel.
Für dieses muss man nun allerdings nicht nach Berlin, sondern nach Halle fahren. Und das lohnt.
Sowieso, weil dort nach wie vor die RadioRevolten laufen - die das Medium nicht von ungefähr, aber sicher noch lange nicht deutlich genug in diesem Log.Buch gepriesen hat.

In den Genuss des speziellen Glockenspiels kommt man freilich auch dann (und vielleicht sogar: idealerweise und ganz besonders intensiv dann), wenn man ansonsten nichts mit RadioRevolten zu schaffen hat.
Nämlich auch, wenn man als unbescholtener Passant zur richtigen Zeit über den Hallenser Marktplatz geht. Also theoretisch automatisch, insofern der Marktplatz denkbar zentral gelegen und ein Unmsteigeplatz für die kreuzenden Strassenbahnlinien ist.

chwh_g.gifEin Glockenspiel hat er auch regulär, nämlich im sogenannten "Roten Turm" - einem freistehenden, spätgotischen und mit 84 Metern auch ziemlich überragendem Bau. Der 1999, anlässlich der Händelfestspiele, entsprechend ausgestattet wurde und nun mit 76 (!) Glocken das weltweit zweitgrösste mechanische Carillon hat.
Dass man damit richtig loslegen kann, versteht sich da fast von selbst. In der Regel aber natürlich nur im gegebenen Rahmen etwelcher Festivitäten, und dann mit Auszügen aus dem "Messias" von Händel.

Derzeit dagegen passieren merkwürdige Dinge in, mit und dadurch rund um den Glockenturm. Beispielsweise schlägt er zu jeder Stunde fast wie Big Ben in London zum Stundenviertel - aber eben nur fast, weil die Klangfolge jeweils Permutationen durchläuft.

Das mag den meisten Passanten vielleicht noch gar nicht so richtig auffallen. Doch spätestens wenn es High Noon, also 12:00 Uhr Mittag schlägt (und nochmals abends um 21:00 Uhr) geht die sprichwörtliche Post ab, und mitnichten eine stille.

chwh_g2.gifEingangs klimpern die Glöckchen noch ganz brav, wie man das von einem Carillon erwarten darf. Dann wird das Motiv schon mal etwas flotter variiert - virtuos genug, als dass der eine oder die andere schon mal etwas irritiert die Ohren spitzt. Dann wirds auch schon wieder ruhiger, und man mag denken: Na gut, vielleicht habe ich mich nur verhört und es klingt doch ganz normal.
Von wegen. Denn eben diese Ruhe ist nur eine vor dem Sturm, der dann äusserst verehmlich losbricht - so als sei es mit einem Organisten in der Kirche einfach mal veitstänzisch durchgegangen.
Waaow: Und spätestens jetzt kann man (ja, das haben wir vor Ort testen dürfen, vom Balkon des Stadthauses aus) wirklich allenthalben Leute völlig irritiert auf dem Platz verharren, starren, lauschen sehen.

Und vielleicht ein paar erboste Hallenser, die das Ganze schon kennen - aber nicht wirklich zu schätzen wissen. Mindestens ebenso viele allerdings, die mit einhelliger Begeisterung in Richtung des Turmes blicken - wo das Carillon längst schon wieder friedlich vor sich hin klimpert und so tut, als sei nix gewesen.

Toll. Einfach toll. Findet jedenfalls das Medium und verneigt sich vor dem Komponisten Wolfgang Heisig - der seinem Stück in diesem Fall übrigens die Senderkennung des Radiosenders Halle-Magdeburg aus DDR-Zeiten zu Grunde gelegt hat.

P.S.
Mail reinhören? Das geht hier. Muss man aber ansonsten wirklich vor Ort erlauschen.
[Und die Bildchen: zeigen jeweils das Glockenspiel im Roten Turm. Natürlich ohne Ton. Merci für die Fotos an die RadioRevolten].

Von miss.gunst am 09.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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