« September 2006 | Hauptseite | November 2006 »

31.10.06

Paralektronoia im Boomcar

ssfkbc_ksw.gifAls nächster Kandidat für die Feedback Radio Nachlese drängt sich die Boomcar-Session von Sasker Scheerder und Felix Kubin aus dem Kulturbeutel - der das Medium seinen Neigungen entsprechend natürlich besonders gespannt entgegen geharrt hatte.
Ergo nun der Erlebnisbericht.

Um dieses Programmpunkts teilhaftig zu werden, musste man den mediaspace-Hauptveranstaltungsort - das Künstlerhaus Stuttgart - verlassen und mehr oder weniger ans andere Ende der Stadt fahren. Und zwar zu den sogenannten Wagenhallen, vor denen zunächst einmal aber keine Boomcars zu sehen waren. Was weniger an der nächtlichen Dunkelheit lag - sie waren einfach nicht da.

ssfkbc_g.gifDafür erstaunlich viele Menschen. Deren Anwesenheit verdankte sich allerdings, wie man schnell feststellen konnte, erst einmal einem anderen Anlass: Der Platz war zugleich eine Shuttlebus-Haltestelle der Stuttgarter Kulturnacht, zu deren Stationen eben auch die Wagenhalle zählte.

Drinnen eine ziemlich skurrile Zusammenstellung gleich dreier Projekte, die irgendwie ineinander verschachtelt und schwer auseinanderzuhalten waren. Spaliere mit buntig gestalteten Stühlen; ein Letztes Abendmahl zum Mitmachen, bei dem Aussen vor Gebliebene zum Ausgleich per Computerprojektion einen "Judas" denunzieren durften; Kostümierte Performer im Tangowahn u.a.m. Hua!

Draussen derweil dann endlich die Boomcars eingetroffen. Oder besser: Deren Substitut. Ja, ausgerechnet in der Autostadt Stuttgart waren offenbar keine stilechten Rapperschlitten aufzutreiben. Stattdessen Porsche oder S-Klasse? Von wegen. Auch keine zünftige Abordnung vom Autofriedhof, auf die das Medium angesichts der anstehenden Vermählung Scherder/Kubin bzw. Boomcar-Sound mit Paralektronoia-Schwingungen eigentlich gehofft hatte. Sondern: Eine nette, familienfreundlich-sicherheitsoptimiert-knallrote Statt- bzw. Stadtautoflotte. Mit serienmässig eingebauten Autoradios. Na dann.

Immerhin: Gelang es Felix Kubin im Folgenden, seine Geisterstimmen mal hier, mal dort, mal unisono aus den diversen Stadtautoradios seufzen, stöhnen, singen zu lassen. Moderator Jürgenson machte seine Sache sowieso gut.
Und vielleicht eh nicht das Schlechteste, das Ganze eben nicht aus totem Blechschrott zu vernehmen. Insofern so eine Modernisierung ja eigentlich ganz angemessen ist: Echte Paralektronia hat schliesslich nichts mit Medien-Nostalgie zu tun, sondern ist prinziell (oder wenigstens potentiell) immer und überall. Also schon morgen möglicherweise auch in Deinem schicken Neuwagen, Deiner Mikrowelle, Deinem Mobiltelephon. In diesem Sinne: Bis bald!

[Bildchen: Orientiert sich weniger an der Realsituation als an den erwähnten Wunschvorstellungen des Mediums. Für die begeisterten Schrottlauben ist es auf den Autofriedhof der Wikipedia gegangen, auf dem Nutzer Fir002 dankenswerterweise diese schönen Exemplare abgeladen hatte, die nun unter GNU in die Commons eingegangen sind.]

Von miss.gunst am 31.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.10.06

blogspiel (WRT)

drbs_ksw.gifWie langweilig: Schon wieder ein Webradio-Tipp. Und obendrein noch einer, den das Medium gerade schon andernorts abgelegt hat.
Letzteres mag - mindestens bei treuen Doppel-AbonentInnen - in der Tat eher müdes Gähnen zeitigen.
Das muss aber doch nicht für alle gelten. Und erst gilt es nicht für das Projekt, um das es geht.

Mindestens dürfte es lohnen, das blogspiel in den nächsten Wochen je nach Gusto testweise mit aufgestellten Öhrchen zu beobachten bzw. zu belauschen oder eben sogar aktiv mitzutun.

drbs_g.gifWieso, weshalb, warum - und worum es bei der Sache überhaupt geht, hat das Medium wie eingangs eingestanden gerade an anderer Stelle - nämlich im digital brainstorming weblog - ausführlicher beschrieben. Da darf an dieser Stelle wohl ein Anker zum entsprechenden Eintrag genügen.

In dieses Log.Buch gehört das blogspiel aber nicht nur, weil man sich daran mit hausgemachten Audioproduktionen beteiligen und diejenigen anderer Audioblogger kennenlernen kann.
Sondern auch, weil das Medium den Hinweis einem der wenigen LeserInnen verdankt, die hie und da den Hürdenlauf durch die typekey-Anmeldeformalitäten schaffen.
Insofern an dieser Stelle ein herzliches Merci an christoph23 und seinen Feedback-Radio-Kommentar.

Von miss.gunst am 29.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

28.10.06

Radiosimulator (WRT)

rsim_ksw.gifSo. Wie versprochen nun mal ein Griff in den Kulturbeutel, zumal sich dort mittlerweile von diversen Exkursionen satte Beute angesammelt hat - nicht nur von jener, die vergangenes Wochenende nach Stuttgart führte.
Als da wäre beispielsweise der Radiosimulator.
Ein Projekt, das obendrein noch einen wunderbaren Webradio-Tipp abgibt.

Schon die Benamsung glänzt in diesem Fall mit bestechender Konsequenz. Denn hinter dem Ganzen steht weder ein grosser noch ein kleiner Sender, es gibt keinen Live-Stream, der mit einer auch auf anderen Frequenzen zu vernehmenden Emission korrespondiert.
Radio - im Sinne von Rundfunk - wird also tatsächlich nur simuliert.
Was im Umkehrschluss ja nicht bedeutet, auf einen radiophonen Wirkungsradius zu verzichten. Anders gesagt: Radiosimulation schliesst einen weltweiten Empfang der Sendungen mitnichten aus.

rsim_g.gifAllerdings funktioniert das Programm ebenfalls ein wenig anders, als man das sonst vom Radio, auch vom Webradio her kennt. Produziert wird von Zeit zu Zeit eine Themenausgabe, deren einzelne Beiträge als mp3 ins Netz gestellt werden. Die kann man dann natürlich einzeln oder nacheinander und sowieso in beliebiger Reihenfolge hören. Anders gesagt: Eine Radiosimulator-Sendung gibt es und gibt es nicht - sie existiert als Angebot, das übers Ohr aufgenommen und im Kopf sehr unterschiedlich ankommen wird.

Dero Ausgaben gibt es - oder, wie das Medium mit einigem Schrecken gerade feststellen musste: gab es bislang drei. Vergangenheitsform deshalb, weil just das Erscheinungsbild der Heimseite gewechselt hat. Verschwunden sind dabei (hoffentlich nur temporär) nun nicht nur die Felder, über die man auf eine Seite mit Informationen zum Selbstverständnis des Projekts und zum obligatorischen Kontaktformular gelangen konnte. Sondern auch das gesamte Radiosimulator-Archiv.

rsim_g2.gifDafür lacht einem nun von der Hauptseite der nette Feedback Radio-Pinguin an. Die aktuelle Ausgabe ist nämlich
anlässlich des media space entstanden, während dessen das Radiosimulator-Team einen kleinen Produktionsraum im Stuttgarter Künstlerhaus bezogen hatte.
Als Thema wurde - gewissermassen den etwas nostalgisch auf alte Rückkanal-Träume anspielenden Veranstaltungstitel direkt in die Gegewart holend - die derzeit allenthalben als vollmundiges Versprechen ventilierte Formel "On Demand" gewählt. Allerdings in den einzelnen Beiträgen dann sehr eigenwillig interpretiert.

Wie, wird sich jede/r selbst zu Gemüte führen können (jedenfalls will das Medium dies wärmstens empfehlen). Und für den Fall, dass sich jemand über die starke Präsenz polnischer Radiosimulatoren wundern sollte: Der Radiosimulator ist in der Tat ein deutsch-polnisches Projekt, was sich ausnahmsweise mal nicht in Aussicht gestellten Europrojektfördergeldern, sondern bereits gewachsenen Freundschafts- und Kooperationsbeziehungen verdankt - die übrigens mittelbar auf das in diesem Log.Buch seinerzeit mehrfach beworbene, aber leider ja schon wieder weitenteils verstummte Radio Copernicus zurückgehen.

So weit vielleicht erstmal. Bleibt zu hoffen, dass das Archiv mit den älteren Ausgaben früher oder später doch aus der Versenkung zurück ins Netz findet. Im Gegenzug stellt das Medium in Aussicht, zeitnah seine Bringschuld abzuarbeiten - und wie versprochen (ja, von wegen "on demand") noch einen kleinen Audiobeitrag für die aktuelle zu produzieren.

[Bildchen: Das rechte, grössere zeigt die derzeit eigentlich nicht so einfach zugängliche alte Infoseite im ursprünglichen Radiosimulator-Design. Gemeine Ausgrabung, wozu - zumal das Ganze doch unlesbar ist? Ist es nicht. Klicken, bitte. Wahlweise das Bildchen oder hier.]

Von miss.gunst am 28.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.10.06

ruf von der protest academy (@ Ear Appeal)

palw_ksw.gifUnd nochmal bzw. schon wieder ein Ruf von einiger Dringlichkeit - jedenfalls, für diejenigen, die sich noch beteiligen wollen: An einer besonderen Art des akustischen Engagements, zu dem die Protest Academy London anlässlich ihrer Beteiligung an einer Ausstellung in Wien in Kooperation mit dem (österreichischen) Kunstradio einlädt.
Es folgt, wie immer in solchen Fällen, der Aufruf im Original...

Protest Academy / Station Vienna

Call for Tactical Audio Submissions
Deadline: 01. November 2006

11. November 2006, 2 pm
Protest Academy Workshop
Kunsthalle Exnergasse, Vienna

Until November 1, 2006, Protest Academy by London-based artist Paula Roush/msdm, is looking for sound works made out of field recordings, sound sounds, auditory interventions, activated soundscapes, performed sound walks, pirate broadcasts, sonic tools and other experimental formats on the theme of Tactical Audio. Contributions will be collected for an online archive on
http://protest-academy.msdm.org.uk/

msdm's Protest Academy, hosted by the exhibition EAR APPEAL in the Kunsthalle Exnergasse in Vienna, extends the Academy in Austria for the first time.

The collaborative Academy was launched in London in February-March 2005 as a performative archive, which is structured into a four part collective score of the academy's inaugural lecture titled: 'What are we doing? What's happening to us? What needs to be done? I prefer not to...'.

palw_g.gifOn November 11, 2006, 2pm the contributors to Tactical Audio are cordially invited to present and discuss their submissions during the Protest Academy Workshop, facilitated by Paula Roush/msdm, at Kunsthalle Exnergasse. The idea is to generate a further station of the performative archive in situ, investigating the sound of protest from the perspective and situation in Vienna. Interested visitors/listeners are welcomed!

According to the submissions until November 1 and the workshop on November 11, the radio contribution I LOST MY VOICE TODAY on November 12, 2006 on Ö–1 Kunstradio will consist of submissions of the Call for Tactical Audio for the Protest Academy / Station Vienna and a selection of the already archived Tactical Audio of the Protest Academy.
[For more info on kunstradio.at see: www.kunstradio.at.]

Submission format:
A) sound files need to be on .mp3 format B) available on a webpage for download C) distributed under a cc license * or accompanied by an authorisation confirming that the artist holds author's rights and give spermission to include the work in the Tactical Audio online archive.
*if you are unfamilar with cc visit creative commons website (creativecommons.org) and choose the format that best suits your work.

Additional information:
A) name of artist B) URL and contact email C) short biography/CV (300 words max) D) title of the work, year of production, running time E) URL for download F) Short description of the work (300 words max).

Please send the complete submission to
msdm@msdm.org.uk
subject: protest academy at ear appeal

More information on Protest Academy:
protest-academy.msdm.org.uk/

Wer sich nun nicht ge- bzw. berufen fühlt, selbst am akustischen Protest teilzunehmen bzw. eine entsprechende Protestnote nach Wien zu schicken:
Ein Besuch der Ausstellung EAR APPEAL, die seit dem 19.10.2006 und noch bis 18.11.2006 in der Kunsthalle Exnergasse läuft, dürfte sich auch unabhängig davon lohnen.

Von miss.gunst am 27.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.10.06

amacher (solo, singuhr)

amg_ksw.gifBevor der Kulturbeutel mit den Mitbringseln vom diesjähren media space Stuttgart geleert wird, gilt es noch rasch einen anderen Eintrag unterzubringen.
Quasi zum Ausgleich, weil vergangenen Freitag nicht genug Zeit war, einen ebensolchen für Maryanne Amacher zu reservieren.

Deren Lecture-Performance "solo" an betreffendem Tag im Tesla Berlin hätte das Medium zwar sowieso verpasst (wie schon häufiger bedauert: es klappt noch nicht so recht mit der Telepräsenz an mehreren Orten gleichzeitig).
amg_g2.gifInsofern lässt sich nur vermuten, dass es - zumal so solo nicht, sondern im Verbund mit einem Konzert von Boris D Hegenbart-Matsui und anschliessender Diskussion mit Edwin van der Heide - ziemlich interessant zur Sache ging.

Vorstellt hat Amacher jedenfalls "teo! a sonic sculpture", ein Projekt, mit dem sie u.a. 2005 die Goldene Nica in der Sektion "Digital Music" auf der Ars Electronica gewann.
Sowie ein zweites Projekt, das sich - und dies ist mittelbar der Anlass dieses Eintrags - noch bis zum kommenden Sonntag (29.10.06) vor Ort in Berlin in der Hörgalerie singuhr erleben lässt.

"Gravity" - gewissermassen eine Station von Amachers "Music for Sound Joined Rooms Series" (zu der es an anderer Stelle einen übergreifenden Konzepttext nachzulesen gibt) - ist tatsächlich Klangraumkunst:

"Die Installation verknüpft die verschiedenen räumlichen Ebenen des Glockenturms auf unkonventionelle Weise mit einem Lautsprechersystem. Amacher inszeniert die Räume selbst als Elemente eines klanglichen Theaters, das der Besucher im Umherstreifen ebenso physisch wie akustisch verfolgen kann."*

amg_g1.gifAkustische Choreographie, der Raum als Instrument. Für Amachers Arbeitsweise zentral - aber natürlich auch eine Herausforderung an alle, die sich auf ihre Kunst einlassen wollen, insofern hier eine aktive Rezeptionshaltung verlangt wird. Könnte selbstverständlich sein, ist es jedoch sicher nicht.

Und: Zeit sollte man wirklich mitbringen. Mit mal die Öhrchen reinhalten ist es sowieso nicht getan - im Fall von "Gravity" will sich die akustische Schwerkraft über neunzig Minuten hinweg entwickeln.

[Bildchen: Fotografien, von Roman März für die Hörgalerie singuhr aufgenommen.]

* Hier hat sich das Medium eine minimale Korrektur des Originalzitats erlaubt, in das sich - vielleicht bei der Übersetzung aus dem Englischen - ein kleiner Verdreher eingeschlichen zu haben scheint. Im ausführlicheren Text zur Installation steht's dann eh wie oben (und wie es ist).

Von miss.gunst am 26.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.10.06

Gruenrekorder Hörkunstfestival

grhf_ksw.gifWieder nur Zeit für einen eiligen Eintrag - diesmal eine Empfehlung für die Abendgestaltung in Frankfurt am Main.
Dort gibt am heutigen Mittwoch (25.10.06) die vierte Ausgabe des Gruenrekorder Hörkunstfestivals, das sein Klangspektrum in Richtung "Musique concrète, Field Recordings & Soundscapes" zu entfalten verspricht.

Wie es sich für ein Festival gehört, sind dazu internationale KünstlerInnen geladen:
grhf_g.gifAnthea Caddy und Thembi Soddell aus Australien, die Cellomusik und Sampling miteinander verbinden (eine Kostprobe hierzu gibt es auf der Heimseite des Duos); Rinus van Albeek aus den Niederlanden, der seine experimentellen Hörstücke u.a. mit Tonbandgeräten und Tape-Rekordern entwickelt (und ebenfalls zahlreiche Audio-Spezereien auf der Heimseite versammelt - sowie obendrein unter dem schönen Titel "The no budget-Foundation" selbst ein fleissiger Blogger ist); Patrick Franke aus Leipzig, der seine Klänge aus einem Beet von Field Recordings züchtet und ein Label für elektronische Musik betreibt, das auf den Namen "Alula Ton Serien" hört; sowie schliesslich Roland Etzin und Lasse-Marc Riek, die für das Label Gruenrekorder und ergo auch die Veranstaltung verantwortlich zeichnen (und zwar in Kooperation mit dem forum für experimentalelektronik, das Frankfurt schon so manche akustische Spezereien beschert hat) - zudem aber eben jeweils auch eigene Produktionen vorstellen werden.

Ausführliches zum Programm und den KünstlerInnen gibt es auf der Oktober-Termine-Seite des Labels nachzulesen sowie in einem (passend grün gesetzten) pdf zum Ausdrucken. Was hinreichend Appetit auf den Abend machen dürfte.

  • Die Daten
    Gruenrekorder Hörkunstfestival #4
    in Kooperation mit dem forum für experimentalelektronik
    Tanzhaus West
    Gutleutstrasse 294 - Frankfurt am Main
    Mittwoch, 25.10.2006 ab 21:00 Uhr
    Eintritt: 12 Euro (10 Euro ermässigt)
  • Von miss.gunst am 25.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    23.10.06

    ruf von den videofilmtagen basel

    vftb_ksw.gifIn der zweiten Novemberhälfte wäre in Basel ja eigentlich VIPER-Zeit. Gewesen. Nun fand schon die letzte (und möglicherweise sogar die allerletzte) Ausgabe des Video/Performance/Medien-Festivals bekanntlich nicht wie eigentlich geplant im November 2005, sondern im März 2006 statt.
    Wie gut, dass just in diesem Jahr die - ihrerseits bislang an ganz unterschiedlichen Terminen installierten - Videofilmtage Basel dafür sorgen, dass VilmfreundInnen Ende Jahr nicht ganz in die Röhre gucken müssen, sondern am Anblick einer Grossleinwand laben können.

    Beziehungsweise natürlich an dem, was auf selbige projiziert wird.

    vftb_g.gifAber wie auch immer. Viel wichtiger als Anspielungen auf etwaige schicksalsträchtige Entwicklungen in der Schweizer Festivallandschaft ist: Da sich die Videotage traditionell als (Sprachrohr? Fernrohr? Projektionsfläche? Himmel, passt alles nicht so recht. Vielleicht:) Podium und Projektor für das regionale Vilmschaffen verstehen, rufen Sie derzeit zur Einreichung von Beiträgen auf.
    Und zwar noch bis zum 25.10.06 - was dem Kalender nach der kommende Mittwoch ist.

    Alles weitere Wissenswerte dazu auf den Heimseiten des Festivals.
    Ach ja, das sollte man natürlich auch noch wissen, um sich den entsprechenden Termin gegebenenfalls zu reservieren:
    Die Basler Videofilmtage 2006 finden vom 29. bis 31.12.2006 [sic! Silvester inklusive] statt - und zwar an prominentem Ort, nämlich auf dem [betont: dem, nicht: einem, obwohl so gesehen natürlich schon auch auf einem] Schiff.

    [Bildchen: Aus der Heimseite des Festivals kondensiert. Musste leider sein, damit Titel und Hafensicht sinnstiftend zusammenkommen. Sorry. Aber doch besser als nichts oder zu klein, oder?]

    Von miss.gunst am 23.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    20.10.06

    geisterpoesiealbum (papiro)

    tga_ksw.gifReicht heute nur für einen ganz kurzen Flug übers Log.Buch.
    Der dem, was derart flüchtig der geneigten LeserInnschaft ans Herz gelegt werden soll, zwar nie und nimmer gerecht werden kann.
    Aber von der Geste her vielleicht doch ein ganz klein wenig passt.

    Geht nämlich in gewisser Hinsicht um flüchtige Materie. Oder möglicherweise sogar um etwas, was als Erscheindes zugleich verschwindet und selbst so richtig stofflich gar nicht sein will.
    Ziemlich zartes Klangmaterial, dessen man in Form veränderlicher, schwingender Datenstäubchen habhaft werden kann.

    Gerade beim liebenswerten Basler Netzabel interdisco als ID16 erschienen:
    the ghost album von Papiro.

    tga_g.gifWelche der akustischen Ektoplasmen das Medium sofort besonders liebgewonnen hat?
    Natürlich "untouchable, invisible and blind" (und nicht nur, weil der Titel des Tracks an eine seiner Lieblingsarbeiten - dochdoch - Hans Arp erinnert, "arpatride et mutilé", verstümmelt und heimatlos. Übrigens ein wirklich bedürftig und bedauernwert dahingekauertes, schmuddeligweissgraues Etwas aus verklebtem Pappmachée, das grad sein Seelchen auszuhauchen scheint. Selbst ein exiliertes Ektoplasma sozusagen).
    Aber auch - nochmal: dochdoch - der "totentanz". Der in diesem Fall nämlich so zünftig und heiter geraten ist, dass man schlussendlich tatsächlich am liebsten mit dem Sensenmann mithüpfen will.

    Kurzum: Es ist schlicht und einfach angenehm, in Papiros Geister(musik)poesiealbum zu blättern. Und, aus Medienperspektive also ausnahmsweise mal umgekehrt: die Produkte der Imagination in geeignete Körperöffnungen hinein- anstatt wie sonst hinauskriechen zu lassen.

    [Bildchen: Da sich das Cover zur EP selbst etwas geisterhaft geriert, musste das Medium die eigene Einbildungskaft bemühen. Was nicht so schwer fiel, weils erstens eh sein Beruf ist und zweitens das Ganze heute besonders gut passt. Zum Thema der anstehenden GUNSTradiosendung nämlich.]

    Von miss.gunst am 20.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    19.10.06

    feedback radio (media space)

    msfr_ksw.gifSozusagen von RadioFestival zu RadioFestival. Während in Halle die RadioRevolten langsam ausschwingen, laufen ab heute in Stuttgart die Sender auf Hochtouren:
    Wand5 - jene Medieninitiative, die alljährlich für den immer wieder wunderbaren Stuttgarter Filmwinter verantwortlich zeichnet - lädt bereits zum sechsten Mal zum "media space". Und der steht in diesem Jahr unter dem Motto "Feedback Radio".

    Dementsprechend wird bis einschliesslich Sonntag - im Künstlerhaus Stuttgart, das in diesem Fall die Gastfreundschaft gewährt - ein sattes Programm zum Thema geboten:
    msfr_g1.gifMit Performances, Konzerten, Vorträgen und Projekt-Präsentationen zu Radio-Kunst und Radio-Kulturen, die das Medium nicht allein als One-Way-Ticket vom Sender zu den EmpfängerInnen begreifen. Sondern eben ein besonderes Augenmerk auf Phantasien, Utopien, Strategien des aktiven Eingreifens richten.

    So sind beispielsweise während der gesamten vier Tage als permanente Projekte der Transdada-Express von Alvin Curran, eine Radio Hotline von thilges (die am Freitag Abend (20.10.06) leckerlecker auch ein Konzert geben) vertreten, der Radiosimulator betreibt ein Offenes Studio (und wird in diesem Zuge seine dritte Ausgabe zum Thema "On Demand" produzieren) und natürlich ist auch das Freie Radio Stuttgart mit von der Partie.

    msfr_g2.gifZusätzlich zu den einzelnen Programmpunkten wohlgemerkt. Unter denen unter anderem auch solche Leckerbissen wie eine neue Variation von Felix Kubins Paralektronoia-Aktivitäten zu erwarten sind, der diesmal konspirativ-konzertant mit Sasker Scheerder und seinen Boomcars fusioniert (mehr über ersteren wie letzteren u.a. auch im Archiv dieses Logs).

    Klingt gut, wird sicher auch gut. Das Medium ist jedenfalls gespannt und wird zu gegebener Zeit wohl auch berichten...

    [Feedback Radio-Pinguin: Gestaltet von büro diffus für den media space.]

    Von miss.gunst am 19.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

    18.10.06

    PiratenRadioPiraterie (Bunting, RR ff.)

    hbra_ksw.gifPiraten erleben seit einiger Zeit ja auf vielen Kanälen eine wahre Renaissance, als charismatisierte wie verteufelte (Anti-)Helden. Allerdings nicht nur dank Johnny Depps wirklich ziemlich netter Leinwand-Performance in "Fluch der Karibik". Und auch nicht, weil es nach wie vor echte Seeräuber gibt, mit denen allem Vernehmen nach eher schlecht Kokosnüsse essen ist. Sondern eben vor allem anderen in den nicht weniger umkämpften Handels- und Handlungsräumen zeitgenössischer Medienproduktion. Zu denen nicht zuletzt die Radiofrequenzen gehören.

    Wer nämlich ohne staats- bzw. landeshoheitliche Genehmigung auf Radiowellen herumschippert, segelt sozusagen unter Totenkopfflagge. Und wenngleich auf Radio-Piraterie nicht ganz so drastische Strafen stehen wie sie ehedem der Rote Korsar und Co. zu fürchten hatten - ziemlich unangenehme Konsequenzen von empfindlichen Geldbussen bis hin zu Haft kann erstere gleichwohl zeitigen.
    Ein Aufkleber "Vorsicht Kunst" auf der Sendestation hilft da übrigens in der Regel nicht.

    hbra_g.gifWas wir vor diesem Hintergrund wohl zu erwarten haben, wenn am kommenden Freitag (20.10.06) Heath Bunting im Rahmen der RadioRevolten unter entsprechenden Vorzeichen auf Sendung gehen wird?

    Bunting selbst - der in den vergangenen zehn Jahren mit seinen Projekten in verschiedenen Medien-Zonen so manches Grenzgebiet ausgelotet hat - dürfte jedenfalls um etwaige Risiken, Kosten und Nebenwirkungen bestens Bescheid wissen.

    Schon 1992 lancierte er eine "Electromagnetic Installation", die an Wochenenden als "clandestine radio station", also als heimliche Sendestation fungierte; 1999 betrieb er radio90fm als veritables Internet- und FM-Piratenradio.
    Und auf der von Bunting mit betriebenen Plattform irational.org finden sich unter dem Stichwort "How To Be A Community Radio Station" einige Informationen zum Thema versammelt. Sowie, wohl nicht von ungefähr, gleich eingangs der Hinweis: "You are recommended to check the licensing requirements of operating a radio station for your country."

    Wohl wahr. Was Bunting seinerseits freilich nicht davon abzuhalten scheint, hochoffiziell und öffentlich Aktivitäten wie aktuell eben auch diejenige im Rahmen der RadioRevolten anzukündigen, von der es im Programm heisst:

    "Aus dem Versteck hinter einem Photokopierer eines Kulturinstituts sendet und empfängt der Londoner Piraten Radioscanner, zusammengebaut aus ausrangierter Hardware und freier Software, über eine illegal installierte Antenne. Das Piratenradio ist über Internet zu empfangen."

    Ähm. Don't try that at home? Mithören kann man jedoch in jedem Fall ganz legal - nämlich über Radio Corax bzw. dessen Webradio. Freitag, 20.10.06 ab 21:00 Uhr.


    [Bildchen: Merci an Heath Bunting und RadioRevolten.]

    Von miss.gunst am 18.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    17.10.06

    Ferne so Nah: Anna Friz (RR ff.)

    afrp_ksw.gifNein, nicht Wenders. Auch nicht Film. Sondern: Radio. Genauer gesagt: Unzählige Radios, dicht an dicht unter die Decke eines Raumes gehängt, eine Wolke von Schwingungen, Wellen, Atmosphären.
    Ein Bild, das kaum länger als eine Stunde existierte - aber um so eindrücklicher in Erinnerung blieb.
    You Are Far From Us. Eine Radio-Performance von Anna Friz.

    Wie man sich denken kann: Ebenfalls zu Gast bei den RadioRevolten - in diesem Fall am 03.10.06 im gestern bereits erwähnten Ärztehaus Mitte. Und wirklich einer jener Momente, die man am liebsten heimlich in die Tasche stecken und mitnehmen würde.

    Was bei einer Radio-Performance selbstredend schwerlich möglich ist. Selbst wenn sie aufgezeichnet wurde, später wohl auch nachbearbeitet und noch einmal ausgestrahlt werden soll.
    Aber dann wird eben doch etwas fehlen: Der Raum. Die gespannte Erwartung, in der man ihn betritt. Die sich angenehm hält, während sich die Augen langsam an das Dämmerlicht gewöhnen. Vielleicht versuchen, die Dioden zu zählen, die wie winzige Positionslichter an den Mini-Radios glimmen. Zwischen deren silbrigglänzenden Kokons hängen im Zentrum der Versammlung fünf, sechs grössere Exemplare an ihren Bügeln, die Antennen tastend ausgerichtet.

    Auf Empfang stehen sie alle miteinander. Deshalb fiept und knistert und summt es eingangs, bis nach einer Zeit zunächst Musik, dann auch Stimmen wahrnehmbar werden, wieder verblassen.
    Wenig später ziehen die geisterhaften Frequenzen von Empfänger zu Empfänger, laden dazu ein, ihren Geschichten zu lauschen, die sich mit der Zeit als eine einzige entpuppt.
    Am Anfang ist es jenes ruhige, schwere Atmen tiefen Schlafes, das uns unweigerlich ins Reich der Träume schickt: Die Geräusche im Ohr, die Bilder im Kopf. Ein unfreiwilliger, kollektiver Traum, der von den Radiowellen gefüttert wird und schon bald in einen Alptraum uzuschlagen scheint. Schüsse, Stimmen, Unruhe. Ohne genau zu wissen, wohin, muss man ihnen folgen - doch ebenso wie in anderen Träumen auch verweigern sich die Szenen einer eindeutig definierten Handlung, tragen einander weiter durch eine emotionale Choreographie, die schliesslich wieder dort enden wird, wo sie begonnen hat: In einem Atmen, das schwächer wird, überlagert von Fiepen, Knistern und Summern, schliesslich: Stille. Vorbei.

    afrp_g2.gifTage später dann im RadioRevolten-Presstext zu "You Are Far From Us" nachgelesen:

    "Anna Friz’ Performance besteht aus fünf Abschnitten: 'Inhale, Suspension, Witness, Nocturne, Exhale'. Sie reflektieren die Momente, in denen die zwischenmenschliche Kommunikation mittels technischer Apparaturen suspendiert ist. Was in dieser vermeintlichen Stille, von Außenstehenden unbemerkt, von den Beteiligten unbewusst, dennoch kommuniziert wird, will 'You Are Far From Us' erkunden, herausarbeiten.
    In der Frühzeit des Mediums Radio imaginierten Esoteriker und Pseudowissenschaftler ein künftiges Radio als etwas, das eine Brücke ins Reich der Toten und anderer ätherischer Wesenheiten schlagen könne. Aber anstatt von einem Radio zu träumen, das diejenigen erreicht, die nicht von unserer Welt sind, fragt sich Anna Friz, welche Mitteilungen wir vielleicht verpassen von denen, die um uns herum leben: 'Welche der nahezu unhörbaren Signale, die in Momenten intensiver Gefühle, Krisen oder Todesnähe ausgesandt werden, könnten wir hören, wenn das Radio sie einfangen würde?'"

    Mal ganz abgesehen davon, dass sich das ganz wunderbar mit einigem von dem zusammenfügt, was das Medium selbst in seiner Radio(((o))))Séancen-Forschung unter die Lupe nimmt: Selten einen Pressetext gelesen, der sich so auf den Punkt mit dem trifft, was die Sache selbst vor Ort vermittelte.

    Ähnlich wie gestern liesse sich abschliessend noch fragen: Was denen empfehlen, die mehr über Anna Friz Radio-Kunst wissen wollen?
    Natürlich ist es wieder einmal kunstradio.at, wo man eine reich bestückte Porträtseite mit zahlreichen weiterführenden Ankern findet - in diesem Fall auch gleich zu mehreren Sendungen im hauseigenen Archiv.

    Mehr von ihr hören und möglicherweise auch mal live kann man ansonsten bei free103.9 in ihrer kanadischen Heimat, zu dessen KünstlerInnen-Stamm sie zählt. Abgesehen davon, dass sich in dessen Audioarchiven ebenfalls mehrere Projekte finden (einfach "anna friz" ins Suchformular eingeben), lohnt es im übrigen sowieso, dessen Aktivitäten zu verfolgen. Aber dazu dann gelegentlich mal mehr in einem der nächsten Webradio-Tipps...


    [Bildchen: Merci an Anna Friz und RadioRevolten. Deckt sich natürlich nicht mit dem optischen Eindruck der Performance - bei der die Macherin, da live sendend, in einem kleinen Kabuff sehr wohl in persona anwesend war.]

    Von miss.gunst am 17.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    16.10.06

    Radio-Heilung mit Richard Crow (RR ff.)

    ihr_ksw.gifDerweil die RadioRevolten in ihre letzte Woche gehen, gibt es zum Abschluss des RR-Specials eilig noch ein paar Einträge für den Zettelkasten.
    Einfach, weil ein paar Highlights resp. ihre UrheberInnen auf keinen Fall in Vergessenheit geraten sollen.
    Wie zum Beispiel das Imaginary Hospital Radio von Richard Crow.

    Für selbiges musste sich das Medium ja schon deshalb interessieren, weil in seinem eigenen Beitrag zu Radio(((o)))Séancen Phantasien über eine mehr oder weniger wohltätige Wirkung von apparativ ausgestrahlten Wellen ebenfalls eine Rolle spielten.

    ihr_g2.gifDie Installation von Crow fand es (bzw. diese findet sich, noch bis zum 21.10.06) passenderweise im zum RadioRevolten-Klub umgewidmeten Ärztehaus Mitte untergebracht, und zwar in einem der ehemaligen Praxisräume im Obergeschoss.

    Deren eher herbe Ruinenromantik kommt der Stimmungsklaviatur, die das Imaginary Hospital Radio anschlägt, jedenfalls sehr entgegen.
    Im Flürchen wird man schon mal mit der Projektion eines historischen Stiches eingestimmt, der allerlei apparative Behandlungsmethoden demonstriert, mit denen man ehedem offenbar Hör- und Sprachstörungen wortwörtlich zu Leibe zu rücken pflegte.
    Drinnen im Behandlungszimmer herrscht dann dezenter Schummer, und zwar auf optischer wie akustischer Ebene. Wieder ein Projektionsbild, diesmal allerdings eine Photographie, die in der Tat in einem Krankenhaus aufgenommen wurde - vermutlich in den 1940er Jahren - und zwei Männer mit wulstigen Gesichtsbandagen zeigt, die einer Radiosendung lauschen. Hospital Radio.

    Was sie ihrerzeit wohl gehört haben mögen, bleibt der Imagination überlassen. Die allerdings gleichzeitig einschläg stimuliert wird - eben durch Crows Version eines Imaginary Hospital Radio.
    Dessen Sendungen kommen zwar aus den Kopfhörern - aber trotzdem könnte man schon nach kurzer Zeit meinen, dass sich die Soundcollage aus atmosphärischen Geräuschen, Musik und Moderationsfetzen, die aus alten Radiosendungen stammen und Noise eigentlich nur im eigenen Kopf abspielt. Oder dem eines Patienten, der in seinem Bett einer Heilung entgegendämmert, die möglicherweise nie eintreten wird.
    Johnny Got His Gun. And His Radio. Sozusagen.

    ihr_g1.gifKurzum: Das Imaginary Hospital Radio funktioniert ziemlich gut und trotz der Schichtungen vergangener Zeit(en) im Raum jenseits jeglicher Nostalgie.

    Was kann man denen empfehlen, die jetzt keine Gelegenheit mehr haben, die Installation vor Ort zu den noch verbleibenden Sprechstunden aufzusuchen?

    Vielleicht ein Porträt des Künstlers aus 1999, das sich - wundert's jemand? - natürlich im Archiv von kunstradio.at findet, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterführender Anker und einem lesenswerten Interview. Oder die drei Audio-Stücke, die bei copy-art.net abgelegt worden sind.
    Und ansonsten natürlich die Lauscher aufzustellen, wo es demnächst wieder einmal etwas von Richard Crow zu hören gibt...

    [Bildchen: Merci an Richard Crow und RadioRevolten. Das oben rechts zeigt übrigens nur einen Ausschnitt des IHR-Steuerungsmoduls. Das möglicherweise seinerseits nur imaginär ist, mindestens fand das Medium bei seinem Besuch nichts dergleichen vor. Was eigentlich auch logisch wäre.]

    Von miss.gunst am 16.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.10.06

    Fernsehfeind vom Dorf

    ihtv_ksw.gifWeil der gestrige Webradio-Tipp sozusagen gleich mit für heute gilt, gibt als kleines Extra einfach noch eine Musikempfehlung dazu. Mit der kann man dann wunderbar die Wartezeit überbrücken, sollte die Sendung wieder eine halbe Stunde später beginnen.
    Obwohl das Ganze für einen Lückenfüller natürlich viel zu schade ist und ein eigenes Öhrchen verdient.

    Eigentlich ist es ja ein bisschen blöd, auf etwas zu verweisen, das gerade erst frisch im Podcast-Blog der De:Bug annonciert wurde.

    ihtv_g.gifAber wer weiss schon so genau, ob alle LeserInnen dieses Logs auch jenen abonniert haben resp. regelmässig lesen? Eben.
    Drum wollen wir mal kein Risiko eingehen - denn es wäre doch sehr sehr schade, die vorgestern dort lancierte EP "I hate TV" von Rich. vom Dorf zu verpassen.

    Schon das schöne Cover und der entschlossene Titel haben das Medium ganz einfach angelockt (letzterer vielleicht auch, weil er ein bisschen nach 1980ern klingt?) - und der Neugierde zu folgen, hat es nicht gereut. Die EP selbst, beim sympathischen spanischen Netzlabel inoquo als derzeit jüngste Veröffentlichung herausgekommen und unter CC bei archive.org deponiert, ist wirklich eine kleine Leckerei.

    Damit aber nicht genug, lohnt es ebenso, sich weiters auf den Heimseiten des Herrn vom Dorf umzuschauen. Da gibt es nämlich dann noch mehr selbstgemachte Musik, wunderschön gestaltete Flyer, die den Sympathiefaktor ebenso erhöhen wie der bescheiden als "sideproject", also Ableger, bezeichneten "villageboy" mit leckeren CC-Laptop-DJsets.

    Einfach eine nette Bekanntschaft, der Fernsehfeind. Meint jedenfalls das Medium.

    Von miss.gunst am 15.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.10.06

    fürs liebe geld, für luft und liebe? (WRT)

    flm_ksw.gifMittwoch abend hat in London die frieze art fair eröffnet - was allein wahrscheinlich noch keinen Grund für einen Eintrag in diesem Log.Buch abgeben muss. Oder vielleicht doch?
    Als Handelsumschlagplätze für Kulturgüter lassen sich Kunstmessen zwar nicht unbedingt so direkt mit dem Stichwort "home made" assoziieren. Andererseits: Was dort gehandelt wird, hat natürlich irgendwann mal irgendjemand selbstgemacht. Oder selbst machen lassen. Oder so.

    Die Frage ist natürlich immer: Inwieweit partizipieren diejenigen, welche die schönen Sachen machen an den Geschäften, die andere mit letzteren dann auf einer Kunstmesse machen.
    Ruhm und Ehre sind selbstredend auch schon was Feines - eine Messteilnahme verspricht in jedem Fall kulturelles Kapital, das sich früher oder später in bare Münze auszahlen kann. Und Ankäufe ergeben möglicherweise ebenfalls Prozente.

    Gleichwohl bleibt da eben doch oft eine merkliche Diskrepanz. Und angesichts der mag manche/r Beteiligte schon mal ins Grübeln geraten: Do you do it for money or for love?

    flm_g.gifDas ist jedenfalls der Ansatzpunkt für "For Love and Money", ein zweiteiliges und -tägiges Radioprojekt von Joanna Callaghan und Russell Martin:

    "The program takes a look at the art economy through the eyes and experiences of artists and curators, far removed from the glitz of one of the world's most profitable art fairs. Supporting and enriching the art world as the creators of the objects exhibited, traded and profited from, the average artist in London remains below the minimum wage threshold while last year's event had a turnover of £33 million from the business of around 150 galleries."

    Ausgestrahlt wird es am heutigen Samstag (14.10.06) und am morgigen Sonntag (jeweils ab 13:00 Uhr Londoner Zeit, also bei uns um 14:00 Uhr) im Rahmen des frieze-specials, mit dem der in diesem Log.Buch schon denkbar oft gepriesene Londoner Sender resonance_fm aufwartet.

    Der hat zur Zeit nämlich auf der frieze art fair seine Zelte aufgeschlagen - was auch insofern glücklich ist, weil das eigentliche Studio jüngst von einem verheerenden Regen arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Vor allem anderen profitieren von dem Spezialprogramm aber alle diejenigen, die keine Zeit/Lust/Gelegenheit haben, selbst in London vorbeizuschauen. Denn die zahlreichen Sendungen mit Künstlergesprächen und -projekten, die seit Donnerstag live von der Messe berichten, lassen sich ja bekanntlich bequem per Webradio mitlauschen.

    Vor allem aber versprechen Features wie "For Love and Money" auch einen etwas anderen Blick auf das glamouröse Kunstmarkt-Event zu werfen. Also mal hören, was dieses Jahr in London so fürs liebe Geld - und/oder eben einfach für Luft und Liebe zu haben ist...

    Von miss.gunst am 14.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.10.06

    Radiotelephonie (RR ff.)

    lirt_ksw.gifDass sich Radiokunst nicht immer nur akustisch verbreitet und ausschliesslich über Radiosender aus(ge)strahlt (wird), dürfte für Fans nichts Neues sein.
    Zu denen, die mehr oder weniger regelmässig entsprechend erweiterte Formate zu entwickeln versuchen, gehört die Radiogruppe L.I.G.N.A., die ansonsten beim Hamburger Freien Sender Kombinat zu Hause ist.
    Ab heute sind sie nun - was Anlass für eine weitere Folge des RadioRevolten-Specials ist - in Halle zu Gast.

    Und zwar mit einer Kombination aus Performance und Installation, die das Medium selbt nun noch nicht live miterleben durfte - für die es jedoch insofern trotzdem werben kann, weil Torsten Michaelsen von L.I.G.N.A. vergangene Woche das Ganze schon mal auf dem Kongress Relating Radio vorgestellt hat.

    lirt_g.gif"Radiotelephonie" ist inspiriert von einem Kameraschwenk, der sich in Chris Markers Fotofilm "La Jetée" eher zufällig entdecken und dann absichtsvoll umdeuten lässt: Für einen Augenblick sieht man dort den Protagonisten vor einem Lautsprecher stehen - und könnte meinen, dass dieser quasi an seinem Rücken angebracht ist, sozusagen als mobile Sendestation.

    Dieses Bild haben L.I.G.N.A. nun beim Wort genommen und praktisch umgesetzt, also eine mobile Sende- und Empfangsstation entwickelt, die man sich huckepack schnallen kann.
    In situ soll das dann folgendermassen funktionieren:

    Zwei Personen streifen durch Halle, eine in der Altstadt, eine in der Neustadt. Beide tragen Rucksäcke mit Stangen, an denen je zwei Lautsprecher hängen. Die Performance [...] versucht, das Radio für diejenigen zu öffnen, die normalerweise nicht dort auftauchen. Das Radio tritt unerwartet in den öffentlichen Raum und regt neue Interaktionen an.

    Ob das vor Ort klappt? Generalprobe war wohl kürzlich in Graz beim steirischen herbst - und mindestens die Bilder, die Torsten Michaelsen nach Halle mitgebracht hatte, sahen schon mal vielversprechend aus.

    Falls sich jemand über den Titel des Projekts wundern sollte: Leider hat das Medium verabsäumt, etwas genauer nachzufragen, wie die Übertragung zwischen den beiden menschlichen Sende- und Empfangsstationen technisch bewerkstelligt wird. Insofern kann es nur vermuten bzw. meint sich aus dem Vortrag vage zu erinnern, dass hierfür gewöhnliche Mobiltelephone verwendet werden. Was nicht nur eine einfache (allerdings teure) Lösung wäre, sondern auch zum Titel passen würde.

    P.S.
    Was Radiotelephonie ansonsten bzw. gemeinhin meint (mal abgesehen von etwaigen historischen Ankern, insofern Radio usprünglich mal "Wireless telegraph" hiess und als drahtlose Ferntelephonie gedacht war), lässt sich übrigens am besten im gleichnamigen Eintrag in der französischen Wikipedia nachlesen.

    [Bildchen: Merci an L.I.G.N.A., Chris Marker und RadioRevolten.]

    Von miss.gunst am 13.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.10.06

    Wizards of OS revisited

    ws4_ksw.gifZur Abwechslung mal was anderes. Obwohl es (Versprechen? Drohung?) über die RR noch mehr zu erzählen geben wird. Heute jedoch, weil es schliesslich noch weitere interessante Dinge gibt, auf die sich hinzuweisen lohnt: Alle diejenigen, die keine Gelegenheit hatten, vor gut einem Monat selbst bei der vierten Wizards of OS-Konferenz in Berlin zu sein, können sich nun an den Dokumentationen laben, die mittlerweile auf den WOS-Seiten zur Verfügung stehen.

    Als da wären (mal von den Neigungen des Mediums ausgehend) zum Beispiel die Video- und Audioaufzeichnungen der Panels "Netlabels: Niche, Long Tail, Blueprint?" sowie "Art & Copyright".

    ws4_g1.gifErgänzend dazu lassen sich dann noch die Podcasts mit Workshop-Dokus und Interviews empfehlen, die Markus Beckedahl von netzpolitik.org aufgezeichnet und im WOS-Blog bereitgestellt hat.

    Und wenn es dann noch ein Extra-Zuckerl sein soll:
    Besonders ans Herz legen möchte das Medium seiner geneigten Leserschaft das leckere Vilmprogramm, das von Meike Richter für die "Show des Freien Wissens" kuratiert wurde.
    Dessen appetitanregende Menüfolge lässt sich nämlich nicht nur nachlesen. Sondern - insofern es sich nämlich um Clips aus den Commons handelt - auch Happen um Happen nach wie vor zu Gemüte führen.
    Fein!

    Von miss.gunst am 12.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.10.06

    LAIKAs Wichtige Mitteilung (RR ff.)

    lvm_ksw.gifUnd gleich weiter mit den RadioRevolten-Berichten - zumal, solange die begleitende Ausstellung vor Ort in Halle noch zu sehen respektive zu hören ist.
    Neben der radiophonen Annektierung des Stadtraums via RADIO CAMPANILE sowie durch verschiedene Performances (dazu gelegentlich noch mehr) gibt es ein Gebäude, in dem gleich eine ganze Anzahl verschiedener Radio-Installationen nistet: Das Friedemann Bach-Haus.
    Dort findet sich auch die Arbeit, von der in diesem Eintrag berichtet werden soll. Der nämlich weniger selbst eine wichtige Mitteilung sein will, als von ebensolchen handelt...

    Auch wenn das sicher ebenfalls eine wunderbare Radio-Arbeit abgeben würde: Mit "der" Laika, also der berühmten caninen Raumfahrerin, hat das Ganze nichts zu tun.
    Oder allenfalls ein kleines wenig. Insofern nämlich, als es in gewisser Hinsicht um eine verlorene Mission geht.

    LAIKA ist in diesem Fall jedenfalls eine schwedische Künstlergruppe - und nach Halle hat sie eine ebenso schlichte wie schöne Einrichtung mitgebracht, die zu einer Art Radio-Karaoke einlädt. Und zwar wird man dazu eingeladen, per Mikro auf Tonband eine "Wichtige Mitteilung" zu hinterlassen.

    lvm_g.gifDas damit verbundene Versprechen lautet: Diese - vermutlich allenfalls unter sehr subjektiven Gesichtspunkten "wichtige" - Entäusserung wird nicht nur aufgezeichnet. Sondern soll auch zu gegebenem Zeitpunkt wieder ausgestrahlt werden.

    Denn: "Wichtige Mitteilung" - auf gut Schwedisch: "Viktigt meddelande" - ist in LAIKAS Heimat offenbar

    ein offizielles VMA-Warnsignal [...] für die Bevölkerung, das Radio anzuschalten. LAIKA zeichnet wichtige Mitteilungen auf und podcastet sie beim nächsten VMA-Signal in Schweden.

    Was im Prinzip natürlich einen ziemlichen Bedeutsamkeitsdruck generieren sollte, sobald man vor dem Mikro steht. Theoretisch.

    Praktisch scheint der Bedeutungsdruck allerdings eher den Gegenteiligen Effekt zu haben - wie sich anhand des Tonbands unschwer überprüfen liess, das ausserhalb der Aufnahmezeiten nämlich die bereits aufgenommenen "Wichtigen Mitteilungen" abspielte.
    Gequältes Gekicher. A capella: "Dennis ist doof, Dennis ist Doof". Hallo Mutti. Was wohl die armen Schweden denken werden bei der nächsten VMA?

    Andererseits: Wer weiss. Könnte ja sein, dass gequältes Gekicher durchaus angemessen ist. Und "Hallo Mutti" je nach Situation basisdemokratisch betrachtet einem Gutteil der Nation aus der Seele spricht. Im Fall des jeweiligen Falles.

    Dem Medium ist jedenfalls auch keine wirklich tragende Botschaft für Schweden eingefallen. Woraufhin es (immerhin auf internationale Verständigung hoffend) schlicht ins Mikro murmelte: "Please note: This is not a live message." Was dann wenigstens, sollte ein solcher Satz jemals irgendwo als Podcast landen, ob wichtig oder nicht der Wahrheit entspricht.

    P.S.
    Auf den LAIKA-Heimseiten sind übrigens auch "Wichtige Mitteilungen" zu finden - so heisst nämlich auch der vierteljährliche podcast der Truppe. Klingt auch nach Cut Up - allerdings doch etwas anders als das, was in Halle so aufs Band gegangen ist... Aber wer weiss, wie das nächste Quarterly ausfallen wird?

    [Bildchen: Zeigen beide die LAIKA-Installation in einem anderen Raum als dem aktuellen, der doch etwas schummriger ist bzw. sind offizielle Pressefotos derselben. Wurden hier allerdings zwecks vorteilhafterer Proportionierung ein wenig beschnitten. Merci für die Bereitstellung an LAIKA und die RadioRevolten!]

    Von miss.gunst am 11.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.10.06

    RADIO CAMPANILE (RR ff.)

    rc_ksw.gifUm gleich mal beim Roten Turm und seinem Glockenspiel zu bleiben: Das im Zuge der RadioRevolten entfesselte Carillon (-ON, -OFF) bescheidet sich übrigens mitnichten darauf, zweimal täglich ein Konzert zu geben.
    Es erweist sich zudem auch als ziemlich kommunikativ.

    Und zwar wie? Nun, indem eine kleine Sendestation im Turm installiert wurde, die sich (im doppelten Sinn) von schnöden Mobiltelefonen anmachen lässt. Und Letzteren dann mithilfe des Carillons zeigt, wer wirklich Klingeltonkönig ist. Oder so ähnlich jedenfalls:

    RADIO CAMPANILE macht das große Glockenspiel im Roten Turm zum Radio. Jeder und jede kann das Glockenspiel per SMS dazu bewegen, Senderkennungen von Radios aus aller Welt zu spielen. Schicken Sie dazu einfach eine SMS mit dem Namen eines Senders (es reicht der Landesname), der in der Weltkarte eingetragen ist (am Roten Turm einsehbar), an die Nummer [0049-]-[0]162-8264348 (normaler SMS-Preis). Kurze Zeit später 'sendet' das Glockenspiel im Roten Turm - übrigens das zweitgrößte der Welt - die Erkennungsmelodie des ausgewählten Senders über die Stadt Halle.

    rc_gg.gifNa, wenn das nichts ist. Im totalen RadioRevolten-Taumel hat es das Medium leider verabsäumt, den bzw. das RADIO CAMPANILE selbst zu testen. So muss es leider auf das Vergnügen verzichten, die Senderkennung beispielsweise von Radio Greenland, The Voice of Mongolia, Radio Faroe Island oder Swiss Radio International (äh, welches?) über den Hallenser Marktplatz schallen gehört zu haben. Schade.

    Aber: Für diejenigen, die bis 21. Oktober eine Gelegenheit finden, vor Ort vorbeizuschauen (und zu –hören), bestehen noch entsprechende Chancen, die dienstbare Gerätschaft einer der grössten akustischen Plagen, die je über die Menschheit gekommen ist (nein, damit ist weder das Radio noch das Carillon gemeint), einem sinnvollen Zweck zuzuführen. Täglich von 8 bis 22 Uhr. Ausser zu den regulären Glockenspielzeiten.

    Ach, hätte doch eine jede Stadt (und am besten auch gleich ein jeder ICE, ein jedes Café) eine solche Radiostation! Wobei: Dauerdudelnde Senderkennungen mit der Zeit wohl genauso nerven dürften wie Klingeltöne. Carillon hin oder her.

    Verantwortlich für das RADIO CAMPANILE (bzw. die Transformation des Roten Turms in einen ebensolchen) zeichnet übrigens eine ganze Gruppe Radio(Revolten)Aktiver:
    Wolfgang Heisig – der Komponist des Carill-ON/ Carill-OFF – hat dafür gesorgt, dass die Glocken wirklich klingen, Vasily Kuznetsov und Daniel Teige das Ganze programmiert – und das Konzept stammt von den RadioRevolten Ko-Kuratoren Golo Föllmer und Johannes Georg Wilms (hier blättern).

    [Bildchen: Letzterer, also JG Wilms hat übrigens auch den wunderschönen Ascii-Flyer gestaltet, den das Medium aus Halle mitgenommen hat.]

    PS: Der hier aufragende RADIO CAMPANILE und und das von ihm ausgestrahlte RADIO CAMPANILE hat ganz offenkundig nichts mit jenem welchen zu tun, das offenbar ein katholischer Sender war, der seinerzeit auch Sendungen von Radio Vatikan ausstrahlte. Dessen Senderkennung gleichwohl ebenfalls per SMS von der Hallenser Station abgerufen werden und vom/als Carillon gespielt werden kann.

    Von miss.gunst am 10.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.10.06

    carill-ON, carill-OFF

    chwh_ksw.gifJa, tatsächlich wieder ein Carillon. Also ein Glockenspiel.
    Für dieses muss man nun allerdings nicht nach Berlin, sondern nach Halle fahren. Und das lohnt.
    Sowieso, weil dort nach wie vor die RadioRevolten laufen - die das Medium nicht von ungefähr, aber sicher noch lange nicht deutlich genug in diesem Log.Buch gepriesen hat.

    In den Genuss des speziellen Glockenspiels kommt man freilich auch dann (und vielleicht sogar: idealerweise und ganz besonders intensiv dann), wenn man ansonsten nichts mit RadioRevolten zu schaffen hat.
    Nämlich auch, wenn man als unbescholtener Passant zur richtigen Zeit über den Hallenser Marktplatz geht. Also theoretisch automatisch, insofern der Marktplatz denkbar zentral gelegen und ein Unmsteigeplatz für die kreuzenden Strassenbahnlinien ist.

    chwh_g.gifEin Glockenspiel hat er auch regulär, nämlich im sogenannten "Roten Turm" - einem freistehenden, spätgotischen und mit 84 Metern auch ziemlich überragendem Bau. Der 1999, anlässlich der Händelfestspiele, entsprechend ausgestattet wurde und nun mit 76 (!) Glocken das weltweit zweitgrösste mechanische Carillon hat.
    Dass man damit richtig loslegen kann, versteht sich da fast von selbst. In der Regel aber natürlich nur im gegebenen Rahmen etwelcher Festivitäten, und dann mit Auszügen aus dem "Messias" von Händel.

    Derzeit dagegen passieren merkwürdige Dinge in, mit und dadurch rund um den Glockenturm. Beispielsweise schlägt er zu jeder Stunde fast wie Big Ben in London zum Stundenviertel - aber eben nur fast, weil die Klangfolge jeweils Permutationen durchläuft.

    Das mag den meisten Passanten vielleicht noch gar nicht so richtig auffallen. Doch spätestens wenn es High Noon, also 12:00 Uhr Mittag schlägt (und nochmals abends um 21:00 Uhr) geht die sprichwörtliche Post ab, und mitnichten eine stille.

    chwh_g2.gifEingangs klimpern die Glöckchen noch ganz brav, wie man das von einem Carillon erwarten darf. Dann wird das Motiv schon mal etwas flotter variiert - virtuos genug, als dass der eine oder die andere schon mal etwas irritiert die Ohren spitzt. Dann wirds auch schon wieder ruhiger, und man mag denken: Na gut, vielleicht habe ich mich nur verhört und es klingt doch ganz normal.
    Von wegen. Denn eben diese Ruhe ist nur eine vor dem Sturm, der dann äusserst verehmlich losbricht - so als sei es mit einem Organisten in der Kirche einfach mal veitstänzisch durchgegangen.
    Waaow: Und spätestens jetzt kann man (ja, das haben wir vor Ort testen dürfen, vom Balkon des Stadthauses aus) wirklich allenthalben Leute völlig irritiert auf dem Platz verharren, starren, lauschen sehen.

    Und vielleicht ein paar erboste Hallenser, die das Ganze schon kennen - aber nicht wirklich zu schätzen wissen. Mindestens ebenso viele allerdings, die mit einhelliger Begeisterung in Richtung des Turmes blicken - wo das Carillon längst schon wieder friedlich vor sich hin klimpert und so tut, als sei nix gewesen.

    Toll. Einfach toll. Findet jedenfalls das Medium und verneigt sich vor dem Komponisten Wolfgang Heisig - der seinem Stück in diesem Fall übrigens die Senderkennung des Radiosenders Halle-Magdeburg aus DDR-Zeiten zu Grunde gelegt hat.

    P.S.
    Mail reinhören? Das geht hier. Muss man aber ansonsten wirklich vor Ort erlauschen.
    [Und die Bildchen: zeigen jeweils das Glockenspiel im Roten Turm. Natürlich ohne Ton. Merci für die Fotos an die RadioRevolten].

    Von miss.gunst am 09.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    08.10.06

    roboty musik

    rty_ksw.gifFür einen kleinen Blick in die Gefilde der elektronischen Musikpublikation war es schon länger wieder Zeit. Was denkbar schwierig wird, sobald etwas als Empfehlung herausgepickt werden soll. Denn auch da gilt ja mittlerweile: Man hat die Qual der Wahl.
    Praktisch und praktikabel ist es daher, eine Themenlupe mitzunehmen.
    Im Fall des Mediums beispielsweise kann da draufstehen: "Maschinchen". Oder: "Insekten". Und DIY natürlich sowieso.
    Prima, wenn man dann was findet, was gleich in alle drei Kategorien fällt.

    Wie beispielsweise die EP "roboty" des russischen Soundbastlers DJET, die bei dem italienischen Netzlabel Pitjamajusto erschienen ist.

    Neugierig war das Medium schon bei der äusserst sympathischen Selbstbeschreibung des Labels geworden:

    We would like to conceive ourselves as a family-based label, with values such love, friendship, open and free collaboration as our north star in the endless sea of Internet. Pitjamajusto stands for "right nightdress" in italian: that's a metaphore for a relaxed, home-made and genuine fruition of music. We provide 100% free music in mp3 format, under the Creative Commons - Attribution - No Commercial - Share Alike - 2.0. [...]

    As pasta with Bolognese sauce ("pasta al sugo") every release comes with an artwork, so that you can burn, print and pack it in your CD collection.
    As an italian chef with his dishes, we are extremely proud of every stuff we place on the Internet-table. We just want you to sit down for a while and taste our flavors. Buon appetito and...

    Stilistisch eröffnet obenstehendes natürlich u.a. auch eine ziemliche Vielfalt - deren kleinster gemeinsamer Nenner in diesem Fall vielleicht tatsächlich beim Hausgemachten liegt.

    rty_g.gifAber wie auch immer. Seitens des Mediums jedenfalls wurde "roboty" aus oben angeführten Gründen herausgepickt. In der Beschreibung der virtuellen Scheibe steht nämlich zu lesen, dass es um verschiedene Geschichten über alle möglichen Roboter geht - was das Medium unmittelbar an seine Musikauswahl zum letzten Jahreswechsel gemahnte (oder wenigstens einige Stücke darin):

    Different histories about every possible robots. These are robots of 60th years ("Dance of the defective robot"), a galaxy of robots ("Tao-Kita"), the very first robots on the ground - insects ("Rhythms of insects"), a "centrifuge" - the device for check of durability of biological robots (people) and the most known type of robots - a tram ("Last train") , (and at the same time and all automobiles, planes, the ships and so on)...

    So nostalgisch, wie sich diese Selbstbeschreibung erst mal liest, fallen die Stücke übrigens mitnichten aus. Eher schon ein bisschen Glitch. Doch welcher Kategorie man das Ganze offiziell subsumieren möchte - das sei doch den geneigten MithörerInnen selbst überlassen.

    Das Medium seinerzeit gibt zwar zu: Ganz so gern wie (um mal einen gewagten Vergleich anzustellen) die Supermusik von Superflex hat es DJETs "Rhythms of insects" (mp3 via archive.org) wohl nicht.
    Aber in seine Insektenmusiksammlung gehören sie doch allemal.

    [Bildchen: Ist - wie man sich denken resp. sowieso sehen kann - das roboty-Cover.]

    Von miss.gunst am 08.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    07.10.06

    Double Feature, musikprotokoll (WRT)

    sh_df_ksw.gifGestern gab es übrigens eigentlich eine ziemliche Qual der Wahl, was den Eintrag des Tages betrifft.
    Da musste die sinus series nämlich gegen etwas anschwingen, das - allerdings rein geographisch - schlicht ferner lag bzw. liegt: Im Grazer Dom (keine Kirche, sondern ein veritabler Felsendom) waren Carl Michael von Hausswolff und Mika Vainio zu Gast.

    Aber eben: Wer das hören (und sehen/erleben) wollte, dürfte gestern ohnehin bereits in Graz gewesen sein.

    Trotzdem bzw. davon unabhängig möchte es das Medium nicht verabsäumt haben, zweierlei mit einem Eintrag zu bedenken:

    Zum einen die Reihe, in der das Konzert stattgefunden hat - nämlich "Double Feature". Kuratiert von Heike Schleper und Bernhard Schreiner, die zusammen mit einer Gruppen von KollegInnen - in erweiterter Formation ansonsten als Unfriendly Takeover auch in Sachen Perfomance aktiv - in den letzten Jahren vor allem Frankfurt mit experimentellen Elektronica versorgt haben. Was wiederum in den ziemlich erlesenen Veröffentlichungen ihres Labels feld records einen entsprechend beeindruckenden Niederschlag gefunden hat.

    sh_df_g.gifAus dessen Einzugsgebiet nährt sich denn auch Double Feature - um dieses seinerseits mit einem speziellen Konzept noch mal zu erweitern:

    "Die Konzertreihe [...] fordert zentrale Figuren der aktuellen elektronisch-experimentellen Musikszene heraus, sich mit jeweils anderen Strategien zu konfrontieren: In gemeinsamen Auftritten werden Ästhetiken live verhandelt, ohne die Nähe zur eigenen Behauptung zu verlieren, wird beidseitig geliefert, enteignet und verschnitten und zuweilen vielleicht verpatzt.
    Eben dieses Risiko ermöglicht durch gegenseitige Vermittlung von Strukturen und Material die Entstehung von Neuem - und der Zuhörer ist immer der Gewinner."

    Nunja - ob das immer hinkommt, sei mal dahingestellt bzw. wird jede Zuhörerin mit sich und der Gunst der Stunde ausmachen müssen. So konfrontativ, wie das Ganze vom Konzept her erst mal klingen mag, geht es jedenfalls mitnichten zu.

    Pure (Achtung, verfallender Anker bei mego selig) und Erich Berger, die am 26.09. den ersten Abend bestritten, arbeiten als terminalbeach durchaus schon länger zusammen.

    Helmut Schäfer und Zbigniew Karkowski trafen am 03.10. ebenfalls nicht das erste Mal aufeinander (und auch in Graz waren sie schon mehr als einmal an einem Abend vertreten) - von ihrem gemeinsamen "Disruptor" mal ganz abgesehen.

    Dass Gleiches für Hausswolff und Vainio gilt, wissen treue LeserInnen dieses Logs natürlich sowieso.

    Und wie sieht es mit Joe Colley und Markus Schmickler aus, die am kommenden Dienstag (10.10.06) aufeinander treffen? Tja - die haben sich, soweit das Medium orientiert ist, tatsächlich noch nicht so direkt miteinander erwischen lassen.

    Allerdings meinte der oben zitierte Verweis auf die jeweils anderen Strategien wohl sowieso nicht, dass mit der Reihe eine Art Versuchsballon gestartet werden soll, bei der man einander völlig Unverträgliches zusammenbringt. Sondern mehr die in der Tat eher ziemlich verschiedenen ästhetischen Konzepte.

    st_mp_g.gifSchon schade jedenfalls, dass Graz nicht grad um die Ecke liegt , so man nicht in Wien o.ä. zuhause ist. Zumal es eben noch, wie eingangs angedeutet, einen zweiten guten Grund gäbe, vor Ort zu sein. Der praktischer Weise mehr oder weniger direkt mit ersterem zusammenhängt: Die Reihe bildet nämlich zugleich die Schnittstelle zum ebenfalls traditionsreichen musikprotokoll, das jeweils im Rahmen des steirischen herbstes stattfindet.

    Und da diese Serie vom ORF veranstaltet wird, haben wir was? Genau: Eine Übertragung ins Radio. Und seit es den Sender Ö1 auch als Webradio hat, einen weiteren Webradio-Tipp.
    Die wirklich ziemlich grossartige Atmosphäre aus dem Felsendom lässt sich auf diese Weise zwar nicht übertragen - wohl aber ein Zugang zum geographisch entfernten Klanggeschehen schaffen.
    Immerhin!

    [Bildchen: Beim gelben steht drauf, was es ist - das andere zeigt den Programmprozentregler, mit dem man heuer die Ansicht des Veranstaltungskalender des steirischen herbstes neigungsgemäss justieren kann.]

    Von miss.gunst am 07.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.10.06

    sinus series (mit: WRT)

    sise06_ksw.gifAlso. Eigentlich war Relating Radio, waren (sind) die RadioRevolten in Halle derart inspirierend gewesen, dass es eigentlich direkt damit weitergehen müsste im (B)Log.
    Aber wie so oft ruft eine aktuelle Veranstaltung nach einem Hinweis.
    Wobei: Mindestens den einschlägig an Electronica Interessierten vor Ort muss man wohl kaum sagen, dass heute Abend in Basel das diesjährige sinus series-Wochenende beginnt.

    Für alle anderen jedoch und natürlich zur allgemeinen Erinnerung (zumal angesichts einer Saison, in der man sich lässig an jedem Wochenende klonen bzw. vierteilen lassen müsste, um alle interessanten Angebote wahrnehmen zu können:

    "sinus-series bringt verschiedene Spielarten der elektronischen und digitalen Musik auf die Bühne und spannt ein Netz um Musiker, Künstlerinnen und all jene, die an einer lebendigen Auseinandersetzung mit zeitgenössischen musikalischen Konzepten und ihren Schnittstellen zur visuellen Kultur interessiert sind."

    sise06_g.gifUnd zwar in Form von zwei Tagen bzw. Abenden mit sattem Programm. Da selbiges auf den sinus series-Seiten zum einen als praktisches Übersichts-pdf zur Verfügung steht sowie zum anderen in Form zweier Listen mit dem line up für Freitag (06.10.06 ab 20:00 Uhr im Foyer des Theater(s) Basel) und für Samstag (07.10.06, ab 23:00 Uhr im Presswerk Basel), über die jeweils detaillierte Informationen zu allen Teilnehmenden enthalten, kann sich das Medium an dieser Stelle eigentlich weitere Einzelheiten ersparen.
    Und allenfalls noch einen Anker zum Pressetext legen, in dem das Konzept für die Programmierungen der beiden Abende nochmals inhaltlich erläutert wird. (Ok, ums kurz zusammenzufassen: Freitag gehts mehr um die Performance auf der Bühne, Samstag mehr um die davor - ergo um die Leibesertüchtigung).

    Erwähnenswert ist jedoch vielleicht noch - besonders für diejenigen, die nicht mal eben persönlich vor Ort vorbeischneien können - dass das gesamte Programm auf RadioX (Basel! Nicht: Frankfurt in diesem Fall) live übertragen und somit via Webstream zu verfolgen sein wird (genau, deshalb gibt's auch das Prädikat "Webradio-Tipp").

    Und dass auch die sinus series mittlerweile mySpace-Seiten hat - nämlich naheliegender Weise unter dieser Adresse: www.myspace.com/sinusseries.

    Von miss.gunst am 06.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.10.06

    RR, RR (RadioRevolten - Relating Radio, mit WRT)

    rrn_ksw.gifTreue LeserInnen werden erinnern, dass es schon zweimal Hinweise auf das RadioRevolten-Festival in Halle gab.
    Mittlerweile, genauer gesagt: schon seit dem 20.09.06 ist es nun in vollem Gange. Just in diesen Tagen gibt es aber so etwas wie einen kleinen Höhe- oder Fokuspunkt, an dem besonders viel gesendet wird.

    Jedenfalls metaphorisch gesprochen.

    rrn_g1.gifDenn allem voran hat es vor Ort eine Ausstellung mit festen Installationen von KünstlerInnen und Projekten - etwa radioerevan (Marold Langer-Philippsen), Lou Mallozzi, Isabella Bordoni oder Brandon LaBelle - sowie temporären Interventionen (u.a. von Heath Bunting, Chantal Dumas und Mario Gauthier), dazu ein breites Programm mit Performances, Vorträgen sowie einen eigenen RadioClub mit DJ-Sessions und Konzerten über den gesamten RadioRevolten-Monat hinweg.

    rrn_g2.gifUnd ausserdem wird natürlich auch fleissig RadioRevolten-Radio gemacht - das Programm ist zünftigerweise nicht nur nachzulesen, sondern auch nachzuhören in einem eigenen RadioRevolten-Audioblog.
    Weshalb in diesem Zuge dann auch gleich das Prädikat "Webradio-Tipp" mit vergeben werden kann.

    Speziell vom morgigen Mittwoch (04.10.06) geht es dann aber noch mal besonders konzentriert zur Sache: Mit dem Kongress "Relating Radio". In dessen Zuge u.a. das Medium zur Flüstertüte greifen und, sozusagen: nahe liegender Weise, etwas über Radio(((o))))Séancen - als Format von gestern, heute und natürlich übermorgen - erzählen wird.

    Ob damit dann auch eine Sendepause einhergeht? Wer weiss. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ist möglicherweise nur eine Frage der richtigen Antenne respektive des Empfangs...

    Von miss.gunst am 03.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.10.06

    Kunstfreiheit

    kfch_ksw.gifSicherlich der kürzeste Eintrag seit langem - obwohl man just zu diesem Thema eigentlich gerade sehr ausführlich werden könnte. Sollte. Müsste.
    Dazu fehlt es dem Medium leider gerade an Zeit.
    Statt dessen sei für heute schlicht auf eine Initiative hingewiesen, die einen wichtigen Brief geschrieben hat.
    Bei dem es um nichts Geringeres als die Kunstfreiheit geht.

    Zum heutigen Montag (02.10.06) nun dürfte besagter Offener Brief (pdf), der u.a. an den Bundesrat Blocher gerichtet ist, jedenfalls bei seinen Adressaten eingehen.

    kfchb_g.gifLesen und bedenken sollten ihn jedoch nicht nur die persönlich Angesprochenen. Und unterzeichnen idealerweise wohl auch nicht nur diejenigen, deren Namen jetzt darunter stehen - die von Annette Schindler vom Basler [plug.in] und Felix Stalder von Studiengang Neue Medien der HGKZ Zürich. Denen sich aber bereits jetzt eine ganze Anzahl namhafter KollegInnen als ErstunterzeichnerInnen angeschlossen hat (siehe die Liste als pdf).

    In diesem Brief dargelegt findet sich die durchaus sehr berechtigte Sorge von KünstlerInnen und Kulturschaffenden ob der Konsequenzen, welche die anstehende Novelle der Urheberrechtsgesetze auf das gesamte kulturelle Feld zu zeitigen geeignet ist.

    Vielleicht nicht alles Wissenswerte hierzu, aber doch einige der wichtigsten Eckdaten werden auf den Kunstfreiheit-Seiten (und im Brief) genannt. Wer mehr wissen und die Initiative diskutieren möchte, sollte sich unter anderem den Termin einer Podiumsveranstaltung zum Thema vormerken, die am 18.10.06 ab 18:00 Uhr in der HGKZ Zürich stattfinden wird.

    Sowie, mindestens möchte dies das Medium wärmstens empfehlen, sich angelegentlich die mittlerweile recht reich bestückten Archive der Digitalen Allmend zu Gemüte führen, auf die in diesem Log ja ebenfalls schon mehrfach verwiesen wurde.

    Von miss.gunst am 02.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.10.06

    microwalden

    miwa_ksw.gifDie Berliner Galerie Walden hat zwar eher wenig mit der literarischen Utopie gleichen Titels zu tun, zu der es - mindestens mittelbar - in diesem Log.Buch tatsächlich schon mal eine Eintrag gab.
    Mit alternativen Perspektiven auf die nicht wirklich beste aller möglichen Welten aber durchaus. Jedenfalls gilt das für mikrowalden - das Projekt, das derzeit in den Kunstraum lockt.

    Zu Gast sind nämlich gerade zwei leidenschaftliche Elektronikbricoleure, Ralf Schreiber aus Köln und Martin Kuentz aus Berlin (der, nebenbei bemerkt, als Teil des superfactory-minifm-Workshops letztes Jahr auch bei interfiction in Kassel mit von der Partie gewesen ist).

    "Ralf Schreiber und Martin Kuentz arbeiten und experimentieren mit simplen, analogen, elektronischen Schaltungen und bauen mit diesen Module und einfache Miniaturroboter sowie lokale Funknetzwerke auf. Alle Soundmodule sind über Solarzellen mit Energie versorgt und arbeiten daher autonom. Sie erzeugen leise, variable Klänge und kleinste Bewegungen. Die Module sind rein funktional aus elektronischen Komponenten aufgebaut. Das Interesse dabei gilt nicht den einzelnen Modulen sondern den Verschaltungen dieser zu Systemen. Es geht um den Raum, den die verknüpften Module aufspannen und den entstehenden plastischen und akustischen Feldern. Es werden von den einzelenen Modulen ständig sich leise verändernde Töne generiert. Die Installationen arbeiten sämtlich mit niedrigen energetischen Niveau, wobei die Schwelle variabel ist und ein minimales arbeiten an der Grenze zum Stillstand."

    miwa_g.gifNeben der Ausstellung, die noch bis kommenden Freitag (06.10.06) zu sehen ist, gab es am gestrigen Samstag abend noch ein Konzert - das allerdings, zugegeben, mit Chris Marclay im Tesla eine harte Konkurrenz hatte. Aber da es den beiden (also Schreiber und Kuentz) auch weniger ums Herzeigen als ums Machen und den entsprechenden Geist dahinter geht, bieten sie ab heute bis zum Ausstellungsende zudem einen Workshop an.
    Und obendrein ist dann auch noch mal fuer den Samstag nach dem Finale (also 07.10.) ein Special mit Extra-Installationsöffnung ab 16:00 Uhr und einer weiteren Live-Performance ab 20:00 Uhr annonciert.

    Um zu guter Letzt noch mal auf den eingangs angesprochen Konnex zwischen microwalden und Walden (nein, in diesem Fall eben nicht der Galerie) zurückzukommen: Im Geiste bzw. vom spirit ger hat es den in jeden Fall. Denn schliesslich geht es auch um eine bestimmte Ökonomie in Material-, Strom- und sonstigem Energieaufwand bei einem Projekt, das sich selbst als oberste Frage ins Kontorbuch schreibt:

    "Wie viel Energie-, Material-, Schaltungs- und Zeitaufwand bedarf es, um einen bestimmten realen und auch einen akustischen Raum zu besetzen?"

    Forsches Forschen wuenscht da auch das Medium.

    [Bildchen: Merci an Martin Kuentz für die freundliche Überlassung zur Wiedergabe!]

    Von miss.gunst am 01.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)