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01.10.06
microwalden
Die Berliner Galerie Walden hat zwar eher wenig mit der literarischen Utopie gleichen Titels zu tun, zu der es - mindestens mittelbar - in diesem Log.Buch tatsächlich schon mal eine Eintrag gab.
Mit alternativen Perspektiven auf die nicht wirklich beste aller möglichen Welten aber durchaus. Jedenfalls gilt das für mikrowalden - das Projekt, das derzeit in den Kunstraum lockt.
Zu Gast sind nämlich gerade zwei leidenschaftliche Elektronikbricoleure, Ralf Schreiber aus Köln und Martin Kuentz aus Berlin (der, nebenbei bemerkt, als Teil des superfactory-minifm-Workshops letztes Jahr auch bei interfiction in Kassel mit von der Partie gewesen ist).
"Ralf Schreiber und Martin Kuentz arbeiten und experimentieren mit simplen, analogen, elektronischen Schaltungen und bauen mit diesen Module und einfache Miniaturroboter sowie lokale Funknetzwerke auf. Alle Soundmodule sind über Solarzellen mit Energie versorgt und arbeiten daher autonom. Sie erzeugen leise, variable Klänge und kleinste Bewegungen. Die Module sind rein funktional aus elektronischen Komponenten aufgebaut. Das Interesse dabei gilt nicht den einzelnen Modulen sondern den Verschaltungen dieser zu Systemen. Es geht um den Raum, den die verknüpften Module aufspannen und den entstehenden plastischen und akustischen Feldern. Es werden von den einzelenen Modulen ständig sich leise verändernde Töne generiert. Die Installationen arbeiten sämtlich mit niedrigen energetischen Niveau, wobei die Schwelle variabel ist und ein minimales arbeiten an der Grenze zum Stillstand."
Neben der Ausstellung, die noch bis kommenden Freitag (06.10.06) zu sehen ist, gab es am gestrigen Samstag abend noch ein Konzert - das allerdings, zugegeben, mit Chris Marclay im Tesla eine harte Konkurrenz hatte. Aber da es den beiden (also Schreiber und Kuentz) auch weniger ums Herzeigen als ums Machen und den entsprechenden Geist dahinter geht, bieten sie ab heute bis zum Ausstellungsende zudem einen Workshop an.
Und obendrein ist dann auch noch mal fuer den Samstag nach dem Finale (also 07.10.) ein Special mit Extra-Installationsöffnung ab 16:00 Uhr und einer weiteren Live-Performance ab 20:00 Uhr annonciert.
Um zu guter Letzt noch mal auf den eingangs angesprochen Konnex zwischen microwalden und Walden (nein, in diesem Fall eben nicht der Galerie) zurückzukommen: Im Geiste bzw. vom spirit ger hat es den in jeden Fall. Denn schliesslich geht es auch um eine bestimmte Ökonomie in Material-, Strom- und sonstigem Energieaufwand bei einem Projekt, das sich selbst als oberste Frage ins Kontorbuch schreibt:
"Wie viel Energie-, Material-, Schaltungs- und Zeitaufwand bedarf es, um einen bestimmten realen und auch einen akustischen Raum zu besetzen?"
Forsches Forschen wuenscht da auch das Medium.
[Bildchen: Merci an Martin Kuentz für die freundliche Überlassung zur Wiedergabe!]
Von miss.gunst am 01.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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