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16.10.06

Radio-Heilung mit Richard Crow (RR ff.)

ihr_ksw.gifDerweil die RadioRevolten in ihre letzte Woche gehen, gibt es zum Abschluss des RR-Specials eilig noch ein paar Einträge für den Zettelkasten.
Einfach, weil ein paar Highlights resp. ihre UrheberInnen auf keinen Fall in Vergessenheit geraten sollen.
Wie zum Beispiel das Imaginary Hospital Radio von Richard Crow.

Für selbiges musste sich das Medium ja schon deshalb interessieren, weil in seinem eigenen Beitrag zu Radio(((o)))Séancen Phantasien über eine mehr oder weniger wohltätige Wirkung von apparativ ausgestrahlten Wellen ebenfalls eine Rolle spielten.

ihr_g2.gifDie Installation von Crow fand es (bzw. diese findet sich, noch bis zum 21.10.06) passenderweise im zum RadioRevolten-Klub umgewidmeten Ärztehaus Mitte untergebracht, und zwar in einem der ehemaligen Praxisräume im Obergeschoss.

Deren eher herbe Ruinenromantik kommt der Stimmungsklaviatur, die das Imaginary Hospital Radio anschlägt, jedenfalls sehr entgegen.
Im Flürchen wird man schon mal mit der Projektion eines historischen Stiches eingestimmt, der allerlei apparative Behandlungsmethoden demonstriert, mit denen man ehedem offenbar Hör- und Sprachstörungen wortwörtlich zu Leibe zu rücken pflegte.
Drinnen im Behandlungszimmer herrscht dann dezenter Schummer, und zwar auf optischer wie akustischer Ebene. Wieder ein Projektionsbild, diesmal allerdings eine Photographie, die in der Tat in einem Krankenhaus aufgenommen wurde - vermutlich in den 1940er Jahren - und zwei Männer mit wulstigen Gesichtsbandagen zeigt, die einer Radiosendung lauschen. Hospital Radio.

Was sie ihrerzeit wohl gehört haben mögen, bleibt der Imagination überlassen. Die allerdings gleichzeitig einschläg stimuliert wird - eben durch Crows Version eines Imaginary Hospital Radio.
Dessen Sendungen kommen zwar aus den Kopfhörern - aber trotzdem könnte man schon nach kurzer Zeit meinen, dass sich die Soundcollage aus atmosphärischen Geräuschen, Musik und Moderationsfetzen, die aus alten Radiosendungen stammen und Noise eigentlich nur im eigenen Kopf abspielt. Oder dem eines Patienten, der in seinem Bett einer Heilung entgegendämmert, die möglicherweise nie eintreten wird.
Johnny Got His Gun. And His Radio. Sozusagen.

ihr_g1.gifKurzum: Das Imaginary Hospital Radio funktioniert ziemlich gut und trotz der Schichtungen vergangener Zeit(en) im Raum jenseits jeglicher Nostalgie.

Was kann man denen empfehlen, die jetzt keine Gelegenheit mehr haben, die Installation vor Ort zu den noch verbleibenden Sprechstunden aufzusuchen?

Vielleicht ein Porträt des Künstlers aus 1999, das sich - wundert's jemand? - natürlich im Archiv von kunstradio.at findet, zusammen mit einer ganzen Reihe weiterführender Anker und einem lesenswerten Interview. Oder die drei Audio-Stücke, die bei copy-art.net abgelegt worden sind.
Und ansonsten natürlich die Lauscher aufzustellen, wo es demnächst wieder einmal etwas von Richard Crow zu hören gibt...

[Bildchen: Merci an Richard Crow und RadioRevolten. Das oben rechts zeigt übrigens nur einen Ausschnitt des IHR-Steuerungsmoduls. Das möglicherweise seinerseits nur imaginär ist, mindestens fand das Medium bei seinem Besuch nichts dergleichen vor. Was eigentlich auch logisch wäre.]

Von miss.gunst am 16.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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