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13.10.06

Radiotelephonie (RR ff.)

lirt_ksw.gifDass sich Radiokunst nicht immer nur akustisch verbreitet und ausschliesslich über Radiosender aus(ge)strahlt (wird), dürfte für Fans nichts Neues sein.
Zu denen, die mehr oder weniger regelmässig entsprechend erweiterte Formate zu entwickeln versuchen, gehört die Radiogruppe L.I.G.N.A., die ansonsten beim Hamburger Freien Sender Kombinat zu Hause ist.
Ab heute sind sie nun - was Anlass für eine weitere Folge des RadioRevolten-Specials ist - in Halle zu Gast.

Und zwar mit einer Kombination aus Performance und Installation, die das Medium selbt nun noch nicht live miterleben durfte - für die es jedoch insofern trotzdem werben kann, weil Torsten Michaelsen von L.I.G.N.A. vergangene Woche das Ganze schon mal auf dem Kongress Relating Radio vorgestellt hat.

lirt_g.gif"Radiotelephonie" ist inspiriert von einem Kameraschwenk, der sich in Chris Markers Fotofilm "La Jetée" eher zufällig entdecken und dann absichtsvoll umdeuten lässt: Für einen Augenblick sieht man dort den Protagonisten vor einem Lautsprecher stehen - und könnte meinen, dass dieser quasi an seinem Rücken angebracht ist, sozusagen als mobile Sendestation.

Dieses Bild haben L.I.G.N.A. nun beim Wort genommen und praktisch umgesetzt, also eine mobile Sende- und Empfangsstation entwickelt, die man sich huckepack schnallen kann.
In situ soll das dann folgendermassen funktionieren:

Zwei Personen streifen durch Halle, eine in der Altstadt, eine in der Neustadt. Beide tragen Rucksäcke mit Stangen, an denen je zwei Lautsprecher hängen. Die Performance [...] versucht, das Radio für diejenigen zu öffnen, die normalerweise nicht dort auftauchen. Das Radio tritt unerwartet in den öffentlichen Raum und regt neue Interaktionen an.

Ob das vor Ort klappt? Generalprobe war wohl kürzlich in Graz beim steirischen herbst - und mindestens die Bilder, die Torsten Michaelsen nach Halle mitgebracht hatte, sahen schon mal vielversprechend aus.

Falls sich jemand über den Titel des Projekts wundern sollte: Leider hat das Medium verabsäumt, etwas genauer nachzufragen, wie die Übertragung zwischen den beiden menschlichen Sende- und Empfangsstationen technisch bewerkstelligt wird. Insofern kann es nur vermuten bzw. meint sich aus dem Vortrag vage zu erinnern, dass hierfür gewöhnliche Mobiltelephone verwendet werden. Was nicht nur eine einfache (allerdings teure) Lösung wäre, sondern auch zum Titel passen würde.

P.S.
Was Radiotelephonie ansonsten bzw. gemeinhin meint (mal abgesehen von etwaigen historischen Ankern, insofern Radio usprünglich mal "Wireless telegraph" hiess und als drahtlose Ferntelephonie gedacht war), lässt sich übrigens am besten im gleichnamigen Eintrag in der französischen Wikipedia nachlesen.

[Bildchen: Merci an L.I.G.N.A., Chris Marker und RadioRevolten.]

Von miss.gunst am 13.10.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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