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26.12.06

Variabler Titel (Price)

tivar_ksw.gifWeil zwischen den Jahren ja immer ein bisschen mehr Zeit zum Lesen, Stöbern, Lauschen ist (oder wenigstens sein sollte), hat das Medium ein wenig in seinem Kulturbeutel gewühlt, in dem sich in den vergangenen Monaten sowieso mehr angesammelt hat, als sich unterbringen liess.
Dazu gehört unter anderem auch ein laufendes Projekt, das zu allen drei erstgenannten Aktivitäten einlädt.

Es trägt den schönen Arbeitstitel "title variable" und wird seit 2001 von dem amerikanischen Künstler Seth Price verfolgt, der auch sonst zu den spannenderen Zeitgenossen in der Szene zählt (... wie vielleicht der eine oder die andere dieses Jahr beim Besuch der Ausstellung "New Yorker" in der Kunsthalle Zürich festgestellt haben wird. Denjenigen, die seine Arbeit weiters nicht kennen und vielleicht fürchten sich auf seinen ziemlich reich bestückten Heimseiten gleich zu verlieren, lässt sich fürs etwas kompaktere Kennenlernen ein Besuch bei Reena Spaulings bzw. dem ihm gewidmeten Dossier der Galerie empfehlen).

Worum es geht? Nun, eben um Dinge bzw. Zusammenhänge, die LeserInnen dieses Logs eigentlich interessieren müssten. Nämlich:

"An inquiry into the ways that digital technologies have effected music production, both in popular forms as well as in more rarified modern composition, the project examines a brief but tumultuous history that in 30 years has brought us the sampler, MIDI, cheap synthesizers, the compact disc, personal computers, and the World Wide Web. In an ongoing series of music compilations, each concentrating on a technologically transitional but culturally ill-defined moment within this recent history, Price suggests how production tools have changed music, both in distribution and who controls it as much as in structure and sound. "

tivar_g.gifLetzteres ist natürlich denkbar naheliegend - und umso neugieriger wird man folglich fragen, wie das Ganze umgesetzt wird bzw. bislang umgesetzt worden ist.

Nun: Eigentlich bietet die Dokumentation zu "title variable", die Price auf dem (wie immer wieder gern vom Medium betont:) sowieso wunderbaren UBUweb abgelegt hat, schon genug Stoff, um sich eine Vorstellung davon zu machen.

Natur- bzw. konzeptgemäss fällt das Angebot sowieso vielfältig genug aus: Die 8bit-Gemeinde wird sich vermutlich vorzugweise auf das erste Kapitel des Projekts stürzen, Video Game Soundtracks 1983-1987 (2001), zu dem ein Text von Price (pdf) über die Hintergründe informiert (und womöglich über die erste Überraschung beim Hören des Soundtracks hinweghilft, denn klassischen Pong-Blips lauscht man eher vergeblich entgegen).
Um einiges zeitgenössischer (und artistisch avancierter) geht es im bis dato jüngsten Kapitel namens "Was ist Los" (2005) zu, in dem der Sounddatei ebenfalls ein lesenswerter Artikel gleichen Titels (pdf) zur Seite steht.

Gerade deshalb lohnt es vielleicht, ein Bindeglied zu betonen, das im Fall von "title variable" als mutueller (Motivations-)Kern mitträgt, dieses Projekt aber auch mit anderen verknüpft, die Price allein sowie mit verschiedenen MitstreiterInnen betreibt:
Nämlich unter anderem auch eine Wiedervorlage von historischen Materialien - die einschliesst, das teils verstreute, ephemere bzw. in Randspalten des Gedächtnisses gerückte Basisdaten künstlerischer und kultureller Produktion dokumentiert und/oder neue unter die Leute gebracht wird.

Besonders anschaulich macht das - neben "title variable" wohl das zusammen mit Bettina Funcke, Wade Guyton und Joseph Logan betriebene "Continuous Project", in dessen Zuge grossenteils längst legendäre, aber eben nicht immer so ohne weiteres greifbare Ausgaben von Kunst- und Künstlerzeitschriften aus den 1960er bis 1980er Jahren als Photokopie-Editionen wiederaufgelegt und distribuiert werden.

Wohl nicht umsonst heisst Price' Heimseite "distributed history".
Die zu erkunden abschliessend noch einmal ausdrücklich emfohlen sei.

Von miss.gunst am 26.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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