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28.12.06
Vibrö
Noch so ein Projekt, das schon ewig lang einer Vorstellung harrt.
Die aktuell aber aus drei Gründen besonders nahe liegt.
Erstens bietet es genau das Richtige für die Schmöker- und Stöberzeit zwischen den Jahren (inklusive Musik) - aber natürlich auch darüber hinaus.
Zweitens gibt es einen direkten Anker zum gestern vorgestellen mobile radio.
Und der dritte Grund? Gemach, Gemach...
Erst einmal nämlich direkt zu besagtem Projekt, dem in Paris beheimateten Vibrö-Magazin.
Bei selbigem handelt es sich nicht etwa um eine Zeitschrift, sondern um ein spezielles Konzept, Klangkunst zu editieren:
"Vibrö is a sonic object, at the crossroads of an art multiple an a specialised magazine. Vibrö intends to render experiments in the fields of electroacoustics and Lo-Fi more 'audible'. It also tries to illustrate the growing presence of sound in the fine art practice. Published twice a year in a digibox format, vibrö includes an audio compilation and a series of cards that catalogue the artists and tracks."
Bislang sind drei solcher Editionen erschienen, die jeweils einem eigenen Thema gewidmet sind, #1 namens "Inside-Out" (im weitesten Sinne zum Verhältnis von auditiver Verinnerlichung und sonischem Radar), #2 namens "Broken Tales" (zum Fragment und Formen der Fragmentierung) sowie schliesslich die bislang jüngste Ausgabe, #3: "The Citizen Band",
"... referring to democratic endeavours, home-made radio devices and programs, also paying a tribute to small studios where sound collages, Concrète and Acousmatic musics were born, soon after world war II. Today, at the other end of the home-studio, the Internet stream is enlarging the scope of transmissions and signals. [...] A series of works dealing with frequencies and the improper use of technology..., reception and broadcasting tools..., field recording ... or sound collages where the voice plays an essential part."
Klingt alles schon auf den ersten Blick mehr als vielversprechend, erst recht, wenn man sieht, welche KünstlerInnen für Beiträge gewonnen werden konnten (darunter, beiseit bemerkt, nicht wenige, die treuen LeserInnen in diesem Log.Buch ebenfalls schon begegnet): Von Mika Vainio und David Toop (aus #1) über Scanner, William Furlong und Ryoji Ikeda (aus #2) bis Stephen Vitiello (aus #3). Um nur mal ein paar der erzbekanntesten Namen zu listen - von den interessanten Entdeckungen, die man machen kann, ganz zu schweigen.
A propos Entdeckungen (und damit zu eingangs erwähntem Grund Nummer Zwei): Mit dabei in Ausgabe Drei ist nämlich auch Tonic Train - ein weiteres Projekt von Knut Aufermann und Sarah Washington, deren Mobiles Radio gestern zur Vorstellung kam. Und das Medium auf diese Weise daran erinnerte, dass in den Sedimenten seines Zettelkastens das Vibrö-Magazin so langsam Staub anzusetzen drohte.
Nun ist es leider so, dass ein Grossteil dieses wunderbaren Füllhorns online nur in Form von kleinen Gehörproben zu kosten ist (nunja, man soll eben die Edition erwerben). Also, à propos "Broken Tales", eine ziemliche Stümmelei.
Dafür bietet die Plattform des Projekts neben schön angelegten Porträtseiten zu allen beteiligten und weiteren KünstlerInnen (teils mit weiteren Hörproben, Interviews u.a.m. angereichert) sowie einem eigenen (allerdings noch recht spärlich bestückten) Download-Bereich noch einige Mehrwerte an. Unter anderem Materialien zur Theorie mit Buch- und Ausstellungshinweisen, Interviews und Texten sowie einer recht ansehnlichen (und gut sortierten) Linksammlung.
Dass die Vorstellung des Magazins so lang auf Halde lag, hatte vorweg nämlich mit vorsichtigem Warten zu tun: Seit Frühjahr 2005 nicht mehr aktualisiert, stand zu befürchten, das Ganze werde gleich als ein Nachruf formatiert werden müssen.
Beim aktuellen Besuch stellte sich jedoch heraus, dass nun eine Neuaufnahme fürs Frühjahr 2007 angekündigt ist. Fein!
Also am Besten nicht nur in diesen Tagen die Archive durchwühlen, sondern Vibrö auf Wiedervorlage setzen. Wenn alles gut geht, lohnt das ganz bestimmt.
Von miss.gunst am 28.12.2006 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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