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31.01.07

Sinuswellen Solo (Sachiko M.)

sws_ksw.gifEigentlich sollte es hier ja längst um einschlägige Aktivitäten auf dem Planeten B gehen. Vorher schnell nochmal zu etwas, das schon eine gute Woche zurückliegt. Aber doch zu gut im Ohr geblieben ist, als dass es verschwiegen werden dürfte: Sinewave solo - von und mit Sachiko M.

Ein Konzert, dem eines ganz sicher nicht unterstellen kann: Mit falschen oder auch nur fehlleitenden Ankündigungen gewunken zu haben.
Ganz im Gegenteil, da war drin, was draufstand.

Tatsächlich bot die Performance, mit der die Japanerin vergangenen Dienstag im Rahmen der audio art series im Frankfurter Mousonturm zu Gast gewesen ist, genau das: Sinuswellen pur.

sws_g.gifNicht, dass das wirklich überraschend gewesen wäre. Schliesslich hat sich Sachiko M. schon vor einigen Jahren programmatisch einem entsprechend radikalen Minimalismus verschrieben (und entsprechende Tonträger produziert).
Die Radikalität, mit dem sie ihn verfolgt, ist trotzdem immer wieder ein Erlebnis für sich. Und zwar gerade live.

Gerade deshalb um so irritierender, schon nach wenigen Minuten die ersten ZuhörerInnen flüchten zu sehen. Denn: wie kann man sich ahnungs- oder absichtslos in ein solches Konzert verirren?

Zumal Radikalität bei Sachiko M. - anders als bei so manchen Kollegen - definitiv nicht über die Schmerzgrenze geht, sondern sich allenfalls knapp darunter tummelt [und das gilt notabene auch für Ohren ohne bereits vorhandene Gehörschädigung durch schallende Stöspelchen etc pp.]
Dazu gibt es eine durchgängige Modulation: Auf eine sanften Einführung, die Adaptation ermöglicht, folgt ein mähliches Crescendo, das sich auf dem Scheitelpunkt der Intensität dann - fast schon spielerisch - in Wellen von Variationen aufbricht, die schliesslich wieder zusammenfliessen und verebben.
Und wenn in diesem Fall die Fixierung auf einen Platz im Raum zu Recht das konzentrierte Hören forcierte, liess sich (per se logisch, aber trotzdem erwähnenswert, weil das nämlich gut nur bei präziser Justierung der Signale kommt) auch mit minimalen Bewegungen des Kopfes das Ganze nochmals um Dimensionen erweitern.

Kurzum: Es war im Grunde sogar nicht nur drin, was draufstand. Sondern sozusagen ein Sinus surplus an Qualität.


Von miss.gunst am 31.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

29.01.07

ruf nach radiophonen kreationen

rpr_ksw.gifUnd gleich noch einer, diesmal via Kunstradio hereingekommen - dementsprechend mehr auf reine Audio-Projekte ausgehend.
Gesucht werden radiophone Kreationen respektive Entwürfe für ebensolche.
Allerdings wie oft nicht einfach irgendwelche, wie dem virtuell Kleingedruckten zu entnehmen ist.

Der Aufruf im englischen Originalton (wiewohl das Einzusendende wenn sprachlich, dann vorzugsweise spanisch ausfallen soll, sic):

XIV RADIO CREATION WORKS CONTEST CDMC-RNE RADIO CLÁSICA 2007

The CDMC and Radio Clásica (RNE) are undertaking a collaboration to encourage the production of radio creations in order to promote this type of works. Within this line, a contest of ideas is called subject to the following
RULES

1
The works will necessarily be pieces of radiophonic creation, that is to say, whose most suitable means of production and diffusion is the radio. The works will not have been previously awarded nor emitted.

rpr_g2.gif
2
Words, noises, music, electronic or radiophonic editings and other similar elements may be the base of the work.
3
The project may be in Spanish only or in several languages but in this case Spanish should be the main language. The use of language or voice may also be omitted.
4
To enter the contest it will not be possible to send accomplished works, but mere projects: a written description of the work and of the elements that it will require, some excerpts as a model in cassette, CD or DAT, scores or fragments of these, acoustical materials, etc. Any form or presentation will be admitted, provided that it makes possible to the Jury to appreciate the interest of the projected idea.
5
There is no age nor citizenship limit.
6
The deliveries should be made on before April 15th, 2007 by any of the procedures allowed by the Administrative Procedure Act; such as registered mail, (postmark date will probe meeting the deadline), personal delivery, etc; and they should be addressed to:
"XIV Concurso de Obras de Creación Radiofónica"
Centro para la Difusión de la Música Contemporánea
c/ Santa Isabel 52, 5ª planta
28012 -Madrid (Spain).
7
There is no limit to the number of projects to be sent by each author.
8
The projects should arrive anonymously with an assumed name that will be reproduced on an enclosed closed envelope containing a photocopy of the DNI or passport and personal details of the author or authors. In the case of using texts by another author, his opportune permit must be accredited.

rpr_g1.gif
9
A Jury appointed by the CDMC and Radio Clásica will choose on the project considered the most suitable. The decisions of the Jury are without appeal.
10
The selected project will be the object of a commission by the CDMC, endowed with 6.000 euros gross. This Commission will be considered as the Prize of the Contest and it is independent of the production costs, which will be assumed by Radio Clásica.
11
Radio Clásica will produce the work with the means that the radio itself will determine. For that purpose, in addition to the human and technical means of the Radio, the facilities of the Laboratorio de Informática y Electrónica Musical del CDMC (LIEM-CDMC) can also be used. The radio broadcasting will take place during the last quarter of 2007, and we will try to give the work première at the Festival de Música de Alicante (end of September 2007). The project should be developed with enough time so that it may be produced and emitted on time.
12
By the simple act of participating, the competitors accept the terms of these Rules and the decision of the Jury.
13
The non-awarded projects will be available to their authors who can fetch them personally at the CDMC, previous identification of the assumed name, within the period of three months after the awarding is made public.
14
Once this period is over, the non-collected projects will be destroyed in order to preserve the anonymity of the Contest.

P.S. Gleich mal auf den obig zur Orientierung zusätzlich verankerten Seiten (nicht dass da auch nur eine Webadresse im Aufruf angegeben gewesen wäre) nachgeschaut. Wäre ja möglicherweise noch etwas für einen Webradio-Tipp oder derlei gewesen. Aber: Das CDMC (steht für: Centro de Difusión de música Contemporánea) gibt sich online doch eher bedeckt (wobei, immerhin: etwas Ende März in Kooperation mit dem Collegium Novum Zürich im Schwange zu sein scheint). Und das Programm des Radio Clásica nimmt sich, nunja, mindestens auf den ersten Blick wirklich sehr sehr klassisch aus. Aber wer weiss, vielleicht wird sich das nach dem Wettbewerb ja ändern?

Von miss.gunst am 29.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

28.01.07

ruf nach visueller musik

meflo_ksw.gifUm Visuelle Musik ging es in diesem Log schon verschiedentlich - meist in Referenz auf das entsprechende historische Erbe des zwanzigsten Jahrhunderts, das gerade in den letzten Jahren zunehmend durch Ausstellungen erschlossen worden ist.
Nun gilt es zur Abwechslung mal einen Ruf nach aktuellen Video-Arbeiten weiterzugeben, die als Visual Music funktionieren.

Er kommt von einer denkbar kompetenten (und nebenbei bemerkt: auch sehr sympathischen) Adresse, nämlich vom Stuttgarter Kuratoren-Duo Cornelia und Holger Lund, die sich diesem Gebiet schon seit einigen Jahren widmen. Neben einem Forschungsprojekt zum Thema, das sie gemeinsam mit KollegInnen aus Theorie und Praxis verfolgen, haben die beiden auch schon mehrere Ausstellungen in ihrer Galerie organisiert.
Für eine neue Folge eben dieser Reihe werden jetzt per Ausschreibung einschlägige Arbeiten gesucht:

meflo_g.gif

Die audiovisuell orientierte Ausstellungsreihe 'media flow. videoventure on electronic music' der unkommerziellen Medienkunstgalerie fluctuating images in Stuttgart gilt seit zwei Jahren dem Phänomen der Visual Music.
Beim fünften Teil der Screening-Ausstellungsreihe (28.10.-11.11.2007) soll es vor allem um mit filmischen Mitteln hergestellte Musik gehen, bei welcher der Herstellungsprozess, also das Instrumentspiel oder der Gesang, zu sehen ist, das musikalische Resultat sich jedoch hauptsächlich dem Einsatz spezifischer filmischer Mittel (Schnitt, Montage etc.) verdankt.
Für die ausgewählten Videos sind pro Video 50,- Euro screening fee vorgesehen.
Wir würden uns über Einsendungen zum Thema freuen - von Dir/Euch oder von Personen, deren Videos uns empfohlen werden. Wenn ein empfohlenes Video zum Einsatz kommt, gibt es selbstverständlich eine dankende Erwähnung für die Empfehlung.

Videos auf DVD bitte bis 31. Mai 2007 senden an:
Cornelia und Holger Lund
Martin-Luther-Str.99 - 70372 Stuttgart

Weitere Informationen zu media flow pt.5 gibt es auf
www.fluctuating-images.de

Also entweder selbst etwas ein- oder den Aufruf an potentiell Interessierte weiterreichen bitte!

[Bildchen: Aus dem fluctuating images-Archiv. Zeigt das Plakat, das seinerzeit 2004 zur ersten Ausstellung in der Reihe "media flow. videoventure on electronic music" nach Stuttgart lockte.]

Von miss.gunst am 28.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.01.07

video action (@ kasko basel)

vvst_ksw.gifDer Tagestipp für den heutigen Samstag Abend (27.01.07) geht wohl einigermassen konkurrenzlos an den Kaskadenkondensator Basel.
Schon deshalb, weil die angekündigte Veranstaltung sozusagen hausgemachte Inmprovisation verspricht.
Aber auch, insofern hier offenbar an eine Tradition angeknüpft werden soll, die für die Kunstgeschichte der Auseinandersetzung mit dem Medium Video ziemlich wichtig gewesen ist.

Mit der Einladung zur "Video action", die ab 19:00 Uhr vor Ort von und mit Martina Weber, Eva Theiler, Erhard Sigrist, Christian Mueller, Stephan Haltiner sowie Daniel Imbach & Natalie Danzeisen bestritten werden soll, flatterte nämlich folgender Ankündigungstext ins Haus:

vvst_g.gif

"Im Rahmen des Projekts 'Video action' erarbeiten die Künstlerinnen und Künstler verschiedene (Inter-)Aktionen mit Video. Mit dem Videomaterial wird humoristisch reflektierend verfahren. Es entstehen Interaktionen und Verstrickungen zwischen Video und Körper. Die Frage der medialen Präsenz des Körpers steht dabei im Mittelpunkt. Nimmt das Medium den Körper in Gefangenschaft? Bändigt oder verzerrt es ihn? Und lässt sich der ins Medium verstrickte Körper wieder befreien?"

Tatsächlich ist die Verstrickung nicht nur des Körpers, sondern auch des Subjekts ins Medium schon in den 1960er Jahren ein ganz zentrales Thema in und für frühe Video-Performances gewesen und diese wiederum ein ganz wichtiger Meilenstrein für die Ent-Wicklung dessen, was wir heute Video-Kunst nennen bzw. als Video-Kunst kennen.

Bei Ulrike Rosenbach beispielweise (wortwörtlich in der Performance "Frauenkultur - Kontaktversuch" von 1977, über die das Medium passender Weise gerade gestern erst einen spannenden Vortrag von Kea Wienand hören konnte) oder sowieso bei Annegret Soltau, die in den 1970er Jahhren ebenfalls (aber wieder ganz anders als Rosenbach) mit "Verspannungen" und "Verbindungen" zu arbeiten begann.

Heute, also mehr als dreissig Jahre später, wird das alles natürlich ganz anders aussehen, ebenso wie sich die Beziehung zum Medium wohl ziemlich verändert hat. Obwohl das der Einladung beigegebene Foto vielleicht anderes suggeriert? Ein Grund mehr jedenfalls, sich für einmal einwickeln zu lassen und auf den Abend neugierig zu sein.

[Bildchen: Ist selbstredend nicht das schöne von der Einladung, das ja tatsächlich die besagte Verstrickung von Körpern mit dem Medium ganz wunderbar veranschaulichen kann. Sondern das Ergebnis einer flugs vorgenommenen Bastelinitia- und alternative, welches eher die leider ziemlich übliche Verstrickung des Mediums ins Medium assoziiert.]

Von miss.gunst am 27.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.01.07

anla courtis (@ curmbox 2)

accb_ksw.gifObwohl eigentlich zur Abwechslung mal eine Konzert-Review dran wäre (wird später nachgeholt - nur so viel: es gab Sinusschwünge satt), reicht es auch heute nur für eine Preview.
Diesmal für eine Realraumzeit-Veranstaltung. In einem Wohnzimmer in Frankfurt am Main.

Das treuen LeserInnen dieses Logs bereits bekannte Frankfurter Forum für Experimentalelektronik hat seine Veranstaltungen nämlich für die aktuelle Saison in ein ebensolches verlegt.

accb_g.gifDas Ganze firmiert nicht von ungefähr auch unter dem Namen curmbox 2 (die erste gab es ihrerzeit in der Galerie Gutleut - damals unter anderem mit einem wunderbaren Konzert von sicker man, s. d. Eintrag vom 10.08.05). Denn eine gewisse Kontinuität gibt es selbstredend auch in der Ausrichtung des Programms, eben auf Experimentalelektronik im weitesten Sinn.

Am heutigen Donnerstagabend ab 21:00 Uhr wird Anla Courtis* zu Gast sein - ebenfalls nicht zum ersten Mal.
Der vielleicht etwas seltsame Vorname verdankt sich einem Buchstabendreher, den Alan Courtis allerdings wohl nicht nur deshalb anwendet, um Verwechslungen mit einem im gleichen Metier - also der Musik, allerdings ebendort dann in völllig anderen Gefilden - aktiven Beinahe-Namensvetter vorzubeugen. Vielmehr gehört bei Anla, wie unschwer an den Konzertaufnahmen zu erkennen, eine gewisse Genderperformance einfach mit dazu.

Aber in welcher Reihenfolge auch immer buchstabiert: Konzerte von Courtis gehören in jedem Fall zur Kategorie "nach Möglichkeit auf keinen Fall verpassen". Worüber die Intitmität des Veranstaltungsortes wirklich nicht hinwegtäuschen sollte. Wie man ja im Grunde auch schon von den früheren Aktivitäten der curmbox weiss.

  • Die Daten:
    Anla Courtis - Carina
    curmbox 2 - petersstr 2 - frankfurt am main
    donnerstag, 25.01.07 - 21:00 Uhr
  • * Die Heimseite von Anla Courtis scheint derzeit etwas überlastet zu sein und schwächelt deshalb zuweilen. Falls der Anker gerade nicht will, einfach etwas später wieder versuchen.
    [Bildchen: Eher frei emotive, gleichwohl möglichst nah am Gegenstand angelegte Gedankenbildtransformation]

    Von miss.gunst am 25.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    24.01.07

    random industries (@ studio elektronische musik, WRT)

    smri_ksw.gifReicht mal wieder nur für einen flüchtigen Hinweis, der dafür aber mit einem Webradio-Tipp verbunden werden kann.
    Aber nicht nur insofern sich Letzterer auf einen jour fixe bezieht, sollte das Ganze sogar einen kleinen Mehrwert in Sachen Mindesthaltbarkeit haben.
    Sondern natürlich auch im Bezug auf das, was es heute zu später Stunde zu hören gibt: Eine kleine Werkschau von Sebastian Meissner.

    A.k.a.: random industries, random inc., klimek, bizz circuits und diversen anderen Identitäten, unter denen Meissner in den vergangenen Jahren solo sowie gemeinsam mit KollegInnen Projekte realisiert und Tonträger publiziert hat.

    smri_g.gifNicht zu vergessen in diesem Zusammenhang sein audiovisuelles Gemeinschaftswerk mit lia als tiny little elements (dem einen oder der anderen vielleicht noch vom Club Transmediale 2005 in Erinnerung).

    Am heutigen Mittwoch (24.01.07) ab 23.15 Uhr werden jedenfalls im WDR3 Studio Elektronische Musik als 30. Folge der Stromlinien einige seiner Arbeiten aus den letzten Jahren zu hören sein.

    Diese Gelegenheit wahrzunehmen, kann man angesichts von Meissners Produktivität durchaus auch denen empfehlen, die sicher sind, sowieso schon alles von ihm zu kennen und im Schrank zu haben. Und allen anderen sowieso. Und wer zu letzterer Gruppe gehört, mag sich zum Warm Up vielleicht einen der Tracks zu Gemüte führen, die im mp3-Download-Bereich von random industries einer entsprechenden Nutzung harren.

    War sonst noch was? Genau: Wurde dem Medium bei dieser Gelegenheit bzw. dem angelegentlichen Blättern im Sendungsarchiv des Studios Elelektronische Musik auch erst wieder bewusst, dass eben diese Stunde am Mittwoch zu jenen zählt, die man sich fest im (Web-)Radiokalender notieren sollte.

    [Bildchen: Ist jenes, welches direkt von den random industries-Heimseiten grüsst. Und zugleich die von lia zusammen mit Miguel Carvalhais gestaltete Basigrafik, die 2002 weiter bearbeitet ins Cover der Very Best of... Bizz Circuits Eingang fand. Alle Tonträger sind übrigens, warme Empfehlung nebenbei, direkt online im r.i.-Shop zu bestellen.]

    Von miss.gunst am 24.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    23.01.07

    net.art generator (sollfrank)

    nagg_ksw.gifAlles andere als unbekannt, aber absolutes Pflichtprogramm für alle Fans von Zeichenmaschinchen und ergo auch ein Plichteintrag im Zettelkasten: Der net.art generator - bzw., genauer gesagt die Netzkunstgeneratoren im Plural, die Cornelia Sollfrank lanciert hat.

    Dem Motto "The smart artist makes machine do the work" gemäss fahndete die Hamburger Künstlerin 1999 zwar zunächst nach einem dienstbaren Programm, das vor allem anderen ihr selber zu etwas mehr Musse verhelfen sollte. Im Ergebnis kann das Projekt nun jedoch im Grunde all jenen Menschen eine echte Alternative zu bieten, die es müde sind, sich mit klassischen künstlerischen Schaffensschüben oder gar deren Ausbleiben abzuquälen.

    nagg_g1.gifDenn wo es Netzkunstgeneratoren hat, muss sich eigentlich niemand mehr zwingen, qua göttlicher Inspiration und/oder minutiöser Handarbeit in Kreativitätsrausch zu verfallen. Der geht wortwörtlich von alleine los, sobald man eines der braven Softwaremaschinchen startet. Diese grasen nämlich auf Zuruf eines Stichworts hin das World Wide Web ab, um aus den jeweiligen Fundstücken wunderbare Bilder zu basteln.

    Für prinzipiell schier unendliche Vielfalt der Ergebnisse ist schon aufgrund der Materialbasis gesorgt, deren Zusammenstellung zudem von einem gerüttelt Mass an Zufallsfaktoren bestimmt erfolgt.
    Und schliesslich stehen mittlerweile stolze fünf unterschiedlich programmierte Generatoren zur Verfügung, um dafür zu sorgen, dass auch stilistisch eine entsprechende Bandbreite herrscht.*
    [* Theoretisch. Praktisch funktionieren zur Zeit leider nur drei - tja, leider ist auch auf Automaten nicht mehr oder weniger Verlass als auf menschliche, allzu menschliche KünstlerInnen...]

    Ganz abgeschafft werden können gewisse Traditionen allerdings auch durch die Netzkunstgeneratoren nicht.

    nagg_g3.gifZum einen ist die Frage, wer die Erzeugnisse der kleinen Kunstmaschinen zeigen, signieren oder gar veräussern darf, nach wie vor ein juristisches Problem (akut geworden und sehr anschaulich verhandelt in Sollfranks Ausstellung "legal perspective" 2004 im Basler [plug.in], in der eigentlich Drucke von generierten Werken hatten gezeigt werden sollen, die auf bekannten Arbeiten eines Künstlers basierten, der sich seinerseits als Kunstmaschine verstand...): Da das Ausgangsmaterial seine Bearbeitung eben nur automatisch erfährt, hat das Produkt nicht genug so genannter "Schöpfungshöhe", um als eigenständiges Kunstwerk durchzugehen - was nach gängiger Meinung leider die sonst üblichen urheberrechtlichen Zugeständnisse an künstlerische Arbeiten, die auf Werke anderer aufsetzen, aus den Angeln zu heben scheint.

    Zum anderen greifen die Netzkunstgeneratoren eben bislang tatsächlich vorzugsweise auf Materialien zu, die zuvor von anderen geschrieben, gemalt, gebastelt worden sind - was eindeutig eine konzeptuelle Schwachstelle ist. Konsequenter wäre es wohl, sie würden ausschliesslich solche Daten nutzen, die ihrerseits garantiert zu 100% Automatenproduktionen sind. Dann gäbe es sicher auch Frieden mit der Urheberrechts-Juristerei.

    nagg_g2.gifAber so ist das nunmal: Nobody is per(l)fect, nicht mal Maschinen. Und wahrscheinlich am allerwenigsten, wenn über ihrem Programm der Befehl zur Kunstproduktion steht. Was das Ganze allerdings am Ende doch gerade erst so spannend macht. Oder nicht?

    P.S. Weitere Weisheiten zum Thema? Finden sich auf den Netzkunstgenerator-Seiten im Bereich "Material", u.a. in Form einer écriture automatique, die das Medium als dienstbares Schreibmaschinchen generiert hat, seinerzeit für die Bremer Premiere des Projekts 1999 im thealit. Selbstredend nach Netzkunstgenerator-adäquatem Prinzip.

    [Bildchen: Natürlich nicht einfach schnöde Schirmschüsse von der net.art generator-Heimseite, sondern Schaffensproben von: Generator # 1, # 4 und # 3; mittig in Gänze, oben und unten ausschnittweise - letzteres Bildchen ist in ganzer Pracht inklusive Animation im Archiv zu bestaunen.]

    Von miss.gunst am 23.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    22.01.07

    jede/r ist eine... (zeichenmaschine)

    skp_ksw.gifJeder Mensch ein Künstler? Das war gestern. Wenn schon, dann ist natürlich jeder Mensch eine Künstlerin.
    Noch besser ist es jedoch, selbst zur Zeichenmaschine zu werden.
    Erste Versuche dazu hat das Medium soeben angestrengt.

    skp_g1.gifNeben kleinen und eher wenig erfolgreichen Meditationsübungen hat dabei ein Projekt ganz ausserordentliche Hilfestellung geleistet, das sowieso bestens ins Einzugsgebiet von HOME MADE passt. Allein schon insofern, als es selbst minder begabte Medien wie miss.gunst zur spontanen Aufnahme von Zeichentätigkeit ermuntert - und dabei sowohl mediengerechte Mittel als auch eine entsprechende Publikationsplattform zur Verfügung stellt: sketchplanet.

    skp_g2.gifWer sich registriert, hat stante pede die Möglichkeit in einem (ja, okay) per Flash funktionierenden Fenster kleine Skizzen anzufertigen. Die sich dann virtuell "drucken", also in die Datenbank abspeichern oder bei Nichtgefallen auch wieder löschen lassen.

    Editieren kann man die Einträge dann auch noch ein wenig, etwa ihnen einen Titel geben und sie mit passenden Tags versehen.

    skp_g3g.gifDas Ganze ist so verführerisch einfach, dass man wirklich schnell in Versuchung geraten kann, eine Zeichnung nach der anderen zu produzieren.

    Ausgedacht hat sich den sketchplanet Jon Anthony Yongfook Cockle, in dessen yongfook-Blog man auch nachlesen kann, wie sich das 2005 gestartete Projekt entwickelt hat.

    Das brave Medium hat selbstredend gleich einen Selbsttest vorgenommen und in diesem Zuge zunächst einmal denkbar Armseliges produziert - je nun, es sollte ja vor allem anderen erst einmal ausprobiert werden.

    skp_g4.gifZugegeben: Mal ganz abgesehen davon, dass die Ergebnisse nicht im mindesten die Eleganz besitzen, wie sie etwa jene von Marius Watz' wunderbaren tegnesmaskinchen auszeichnet, ist da wohl doch zuviel Handarbeit (sowie, mindestens virtuell, Imaginationsleistung) gefragt, als dass man auf diesem Wege wirklich die erstrebten Seinssphären einer Zeichenmaschine erreichen könnte.
    Aber, wie ansatzweise argumentiert: Vielleicht doch das entsprechende Bewusstsein mit der Zeit. Üben, üben, üben...

    [Bildchen: Die stümperhaften ersten Tests, die der Besuch des Mediums beim sketchplanet zeitigte. Und sichtlich weit entfernt von dem, was alles geht... selbst zähne- resp. pixelknirschend...]

    Von miss.gunst am 22.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    21.01.07

    tegnemaskin 1-12 (zeichenmaschinen ff.)

    mwtm_ksw.gifWo nun gerade die kleine Reihe zum Thema Zeichenmaschinen wiedereröffnet worden ist, dürfen bzw. darf diese natürlich nicht fehlen: Die tegnemaskin 1-12 - wie der Name bzw. Titel schon sagt, eine Zeichenmaschine in zwölf Variationen - ersonnen und angeworfen von Marius Watz.

    Dessen unlekker.net zusammen mit dem GeneratorX-Blog in diesem Log ja auch schon mal vorgestellt wurde (s. den Eintrag vom 24.09.06).

    mwtm_g1.gifDass sich ein Spezialist für digitale Generative Kunst nicht mit Lötkolben, Platinen und Rädchen an die Konstruktion seiner Zeichenmaschinen macht, ist natürlich klar. Vielmehr hat Watz ein Programm geschrieben, das in diesem Fall auf die Seite eines norwegischen Info-Providers namens ODIN aufsetzte und die Datenretrievals der UserInnen nutzte, um sozusagen automatisch abstrakte Grafiken zu generieren. Gemeinsam mit klassischen Zeichenmaschinchen ist der tegnesmaskin insofern vor allem die Verschiebung der Position des Künstlers zum Konstrukteur, der seine ästhetischen Setzungen in die Funktion der Maschine einbettet - und dann selbst zum Betrachter werden kann:

    I use the term 'drawing machine' to denote a virtual machine with a set of rules determining how it moves and draws in a virtual space. In reality the drawing machine is a piece of software. In contrast to commercial software that is used in the production of art, where the software is a tool used by the artist to produce a finished work, the drawing machine creates its images without interaction with the artist. The task of the artist is to 'construct' the machine so that it creates aesthetically satisfying images, but once the machine is set in motion the artist is reduced to spectator.

    Realisiert wurde das Projekt ab 2003 über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg, wobei jede der zwölf Zeichenmaschinen bzw. Variationen der tegnemaskin ganze zwei Monate an einer Zeichnung werkelte.

    mwtm_g3.gifDa es mithin nicht nur in situ, sondern auch zeitbasiert angelegt war, ist es an seinem ursprünglichen Ort natürlich nicht mehr zu bewundern. Dafür gibt es aber weidlich Bilder auf den Dokumentationsseiten zum Projekt, die so angelegt sind, dass man die Entstehung der zwölf Arbeiten Schritt für Schritt nachvollziehen kann, in dem man mit der Maus den Zeitphasenregler am unteren Bildrand nach rechts (oder zurück nach links) verschiebt. Wer das Wachsen dann noch mal exemplarisch in Einzelschritten anschauen möchte, bekommt das in einer entsprechenden Dokumentation von Phasen bei Maschinchen Nr. 12 anschaulich gemacht (Tag 60, Tag 61, es wuchert unten links).

    Ansonsten lohnt es übrigens auch, in den dort abgelegten Texten zu schmökern - nicht nur um die genaue Funktionsweise der Arbeit zu verstehen. Denn zum einen enthält Watz' Einführung einige kluge konzeptuelle Überlegungen, wie eine solche Arbeit im Netz als öffentlichem Raum funktioniert und welche Rolle dabei lokale und www-weite Koordinaten spielen.

    Zum anderen enthält aber auch Atle Barcleys Text über die Arbeit weiterführende Gedanken zum Thema Generative Kunst, in dem man unter anderem gleich eingangs eine sehr schön schlüssige Erläuterung dazu findet, was diesen Ansatz von dem einer klassischen Graphik oder Malerei ausmacht. Und die man möglicherweise bei Gelegenheit zitieren kann, wenn man - was ja nach wie vor immer mal wieder passiert - Mitmenschen, die in digital generierter Kunst grundsätzlich so gar nichts qualitativ anderes entdecken wollen, auf ebendiese Unterschiede aufmerksam machen will.

    [Bildchen: Oben links und s/w ein Schnappschuss der Arbeit von Nummer 12, mittig aus jener von Nummer 9 und unten aus der von Nummer 8]

    Von miss.gunst am 21.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    18.01.07

    der kritzler (zeichenmaschinen ff.: hobbyrobotik)

    dsk_ksw.gifEigentlich könnte es gerade mal wieder um eine Familie von Zeichenmaschinen gehen, die treuen LeserInnen dieses Logs bereits bestens bekannt ist. Ab heute Abend (18.01.07) ist nämlich Lars Vaupel von der Hamburger Gruppe f18 mit seinen kunstfertigen Konstruktionen im Zürcher Cabaret Voltaire zu Gast.

    Eben weil von letzteren schon so berichtet wurde und obendrein der tagesaktuelle Hinweis aus nahe liegendenden bzw. projektbezogenen Gründen in der netten Nachbarschaft des digital brainstorming blogs platziert, hat das Medium stattdessen mal sein Fernglas ausgepackt - und ist auch entsprechend schnell fündig geworden.

    dsk_g1.gifDieter Schenk, der die sowieso sehr besuchenswerte Seite "hobbyrobotik.de" betreibt, gibt ebendort nämlich nicht nur höchst anschaulich Einblick in die Kunst der Konstruktion kleinerer und grösserer Heimroboter.

    Vorgestellt wird in diesem Zuge auch ein automatischer Zeichenkünstler, der auf den treffenden Namen "Der Kritzler" hört.
    Dessen Kunstfertigkeiten können sich wirklich sehen lassen - neben schicken Mustern, die es lässig mit den Ergebnissen mühseliger Handarbeit am Spirographen aufnehmen, schafft er es sogar, seinen eigenen Namen zu schreiben.

    Beispielsweise. Denn die Talente des Kritzlers lassen sich mit dem von Schenk selbst auf der Basis von FORTH weiterentwickelten Programmiersprache "MOPS-FORTH" individuell modulieren.

    Wie das genau funktioniert und wie man selbst einen Kritzler bauen kann, wird auf Dieter Schenks hobbyrobotik ebenso einfach wie verständlich erklärt und vor allem anderen auch sehr liebevoll anschaulich gemacht.

    Kurzum: Ganz abgesehen davon, dass der Kritzler sowieso in den Zeichenmaschinen-Olymp des Mediums gehört, wo er heftig angehimmelt wird, ist für alle ebenfalls einhellig Begeisterten ein Besuch bei hobbyrobotik (ergo auch deren Eintrag in den Zettelkasten) ein absolutes Muss.

    [Bildchen: Zeigt, wie man auf den ersten Blick erkennt, den wunderbaren und hochtalentierten Kritzler von Dieter Schenk.]

    Von miss.gunst am 18.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    17.01.07

    geburtstage feiern ff. (WRT)

    arb_ksw.gifDass am heutigen Mittwoch (17.01.07) an zahlreichen Orten dieser Welt eine ganz besondere Geburtstagsparty steigt, hat das Medium ja bereits verraten (plus: *).
    Da die Auswahl der Jubelfeiern denkbar gross ist, soll aber doch wenigstens noch eine kleine Empfehlung abgegeben werden. Oder zwei.
    Wie es sich gehört in diesem Fall, das heisst: anlassgemäss selbstredend in Form eines Webradio-Tipps.

    Die eine gilt natürlich den schon denkbar heftig beworbenen Feierlichkeiten der Wiencouver-Connection, die heute abend vor Ort in Wien (sowie ab 23:00 Uhr auch via Webstream) mit einer zünftigen Kunstradio-Party begangen werden.

    arb_g.gifDie andere winkt in Richtung der auch sonst hochgeschätzten belgischen Sound-Art-Initiative OKNO (s.a. den Eintrag vom 08.06.06), die - wie es aussieht, auch online schon ab 20:00 Uhr - im Verbund mit einer Reihe von radio-aktiven MitstreiterInnen aus dem Umfeld des Art's Birthday Net ein denkbar illustres Programm zusammengestellt haben.

    Mit dabei sind unter anderem Tetsuo Kogawa und Jacques Foschia (Hörproben bei der nuit du son 2002), die Society of Algorithm (s.a. den Eintrag im im hauseigenen Archiv), Els Viene und Irvic D'Olivier mit einem SilenceRadio.org-Remix (zu letzterem siehe auch den WRT vom 29.08.06).

    Kurzum: Es gibt sozusagen gar keine Alternative, als eine der zahlreichen ebensolchen wahrzunehmen, den Kunstgeburtstag am und mit dem Radio zu feiern. Meint jedenfalls das Medium.

    P.S.: Nicht verpassen, mal in den Strom der Whispered Art History von Robert Filliou (1977) einzutauchen bei dieser Gelegenheit.

    *
    ... als spezieller Verweis, zudem auch schon an prominenterer Stelle, nämlich in einem entsprechenden Eintrag bei we-make-money-not-art gebloggt. Bedarf eigentlich keiner eigenen Erwähnung, wie sehr sich das Medium über Régines Gastfreundschaft freut!

    Von miss.gunst am 17.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    16.01.07

    paint it black! (air painting)

    pib_ksw.gifGleich nochmal so ein Kandidat. Und diesmal ein ganz anderes Genre, die gute alte Malerei. Was die hier zu suchen hat?
    Folgendes: Erinnert sich jemand an den verwegenen Vorschlag, mit dem im letzten Jahrhundert Yves Klein mal eben Action Painting und Land Art kombinierte - und Konzeptualismus avant la lettre produzierte?

    Ganz genau - er behauptete, er habe als sein erstes Meisterwerk den Himmel signiert. Im Geiste natürlich.

    Damit tat er etwas, was später erst einmal in einer anderen Kunstform boomen sollte: Der Musik. Obwohl die meisten der Enthusiasten, die heute dem Luftgitarre spielen frönen, sich wahrscheinlich nicht so direkt mit ihm verbunden fühlen werden.

    pib_g.gifNun haben wir dieser wunderbaren Kunstform nicht von ungefähr im vergangenen Herbst einen eigenen Eintrag gewidmet (siehe den vom 10.09.06). Schliesslich kann man sich erst mal kaum eine avancierte D.I.Y.-Kultur in den Künsten vorstellen, oder?

    Gibt es aber - oder mindestens ein zünftiges Aquivalent, nun eben perfekt zugeschnitten auf die Bühne der Kunst. Und dabei die klassische Gattung mit aktueller Medientechnologie kombinierend:

    Der Künstler Bobig hat vor ein paar Tagen nämlich in seinem Blog einen kleinen Clip publiziert, in dem man ihn beim "Air Painting", also beim Luftmalen bewundern kann.

    Und zwar wohnen wir der Entstehung eines schwarzen Monochroms bei.
    Grossartig. Genial. Einfach gut!
    Nur einen kleinen Wermutstropfen, wenn man denn über Superlative spekulieren möchte, hat es vielleicht doch dabei: Die Musik, so verrät der Künstler, habe seine kleine Tochter ausgewählt. Der man natürlich zeihen kann, dass sie rein generationsmässig das ideale Stück für die Aktion nicht im Ohr hatte, wie auch - aber das wäre es gewesen:
    Paint it Black!

    [Bildchen: Natürlich ein auf einschlägigem Wege vollendetes Meisterwerk. Und deshalb keines.]

    Von miss.gunst am 16.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.01.07

    robots in disguise (phaenomenale ff.)

    rid_ksw.gifEigentlich sind dieser Tage die Empfangskanäle mehr auf Radio eingestellt. Aber bevor etwas unter den Tisch fällt, das direkt ins Einzugsgebiet fällt.. beispielsweise zum Thema D.I.Y.-Robotik... und wenn es sich dann noch um ein Projekt handelt, dass derart rundum lecker ist...

    ... wie Robots in Disguise: Dann muss eben doch unbedingt und stante pede ein Eintrag her.

    Schliesslich geht es schlecht an, hier und dort von der Phaenomenale und ihrem Eröffnungsprogramm zu schwärmen. Und dann ausgerechnet diesen Top-Act zu verschweigen.
    Wiedergutmachung geht nun natürlich nurmehr retrospektiv.
    Dafür dann aber als Eintrag in den Zettelkasten.

    rid_g2.gifImmerhin haben die beiden Roboterdamen von RID, Sue Denim und Deep Plume, nicht nur eine Mission mit der man sich aus HOME MADE-Perspektive bestens (und, wenn man das Medium persönlich fragt: sowieso) identifizieren kann:

    "At the height of our disembodied digital era, two disguised femme-bots descend to deliver their funkpunk message to undiscerning humanoids inclined to the sounds of artful proto punk, exuberant electro-pop and new wave expressionism. SUE DENIM and DEE PLUME are Robots in Disguise, two perfectly harmonizing automatons programmed to create crafty left-field punk-pop and paying tribute as female counterparts to the rock stage personas of David Bowie and Iggy Pop, respectively. On guitars, xylophone, flute, and singing, shouting, throwing out DIY moves, RID entertain their audiences in a true old-skool retro style mixed with riot grrrl fervor with Dee's aerobic guitar solos and Sue's grooving bass lines dancing over poetic lyrics and chunky electronic beats."

    Sie haben auch eine sehr lecker gestaltete Webpräsenz, auf der es unter anderem einige ihrer Stücke anzuhören und auch mehrere ihrer Video/Performance-Clips anzuschauen gibt.

    Und für diejenigen, die sich weiters mit den beiden anfreunden wollen, steht obendrein (naja, selbstverständlich heutzutage) auch eine RID-myspace-Präsenz zur Verfügung (wiederum selbstverständlich: mit online-Audio und -Video).

    Soweit, so kurz für heute. Und sowieso einen guten Einstieg in die Woche - was sicher nochmals besser geht mit freundlicher Unterstützung von RID.

    [Bildchen: Sieht man ja, was es ist - ein Fensterchen zur Heimseite von RID. Bitte beachten, auch wenn's vielleicht etwas mikroskopisch klein und schwer erkennbar ist: Track Nr. 5 wählen. Einfach schon des Titels wegen ein must.]

    Von miss.gunst am 15.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.01.07

    Wiencouver 1906 (Radiogeburtstag, mit WRT)

    wiec07_ksw.gifDarüber, wieviel Sinn es macht, ein Medium wie das Radio auf einen einzigen Geburtstagstermin festnageln zu wollen, lässt sich weidlich streiten. Was aber eigentlich prima ist, weil: Um so öfter kann man zünftig feiern.
    Wie beispielsweise heute mit und auf dem Wiener kunstradio.

    Das kann in dieser Hinsicht seinerseits sowieso auf eine lange Tradition zurückblicken, insofern es eine Art von Radiogeburtstagsfeier eigentlich regelmässig - heisst hier natürlich: per anno - begeht.

    wiec07_g2.gifUnd zwar, wie es sich für diesen Anlass gehört, nicht allein. Sondern transatlantisch. Sonst handelt es sich dabei allerdings um den Kunstgeburtstag (mehr dazu im Log.Buch hier).

    In diesem Jahr steht jedoch für eine etwas speziellere Feier eine Wiederaufnahme der mittlerweile fast schon Wiencouver-Reihe ein, deren Tradition sich auf die Anfang der 1980er Jahre begonnene Zusammenarbeit der Wiener mit Gleichgesinnten im kanadischen Vancouver begründet; namentlich mit dem leidenschaftlichen Radio-Künstler, -Moderator und -Experimentator Hank Bull.

    Per Radio soll nämlich nicht nur der Kunstgeburtstag, sondern auch tatsächlich eine Jubelfeier für das Medium begangen werden. Deren Datierung sich in diesem Fall auf den Umstand begründet, dass insbesondere in Kanada nicht etwa (wie das - kaum zufällig - vor allem in Italien der Fall ist) Guiglelmo Marconi als Erfinder des Radios geehrt wird, sondern Reginald Fessenden, der am Weihnachtsabend 1906 die erste echte Radioübertragung unternommen haben will (quasi wie in der Werbung für ein bekanntes Schweizer Kräuterbonbon, "Wer hat's erfunden?").

    wiec07_g1.gifDem zollt das Kunstradio in der kommenden Woche mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen Tribut (mehr dazu zu gegebener Zeit), den Auftakt aber macht heute unter dem Titel "Wiencouver 1906" eine ganz besondere Radiosendung, die sich nämlich aus Beiträgen von dies- wie jenseits des Atlantiks speisen wird:

    In Vancouver sind Anna Friz (mehr? hier!), Glenn Gear und Absolute Value of Noise a.k.a. Peter Courtemanche mit von der Partie, die sich

    "inspiriert von der Geschichte von der Übertragung der Stimme Reginald Fessendens im Radio und den 'Geheimnissen' der Strahlung [...] mit Belangen wie 'unsichtbare' Klänge beschäftigt [haben]; mit versteckten Stimmen, den frühen Tagen der Radiokommunikation (vor allem am Atlantischen Ozean von 1900 bis 1907) und dem Senden im Mikrobereich mittels leistungsschwachen (Mini)Transmittern an Performance- und Ausstellungsorten.
    In Anlehnung an die Geschichten über Geisterschiffe und den Mythen aus der Frühzeit des Radios, die besagen, dass tote Seefahrer mittels Kurzwelle angerufen werden könnten, beschwört die Performance der drei KünstlerInnen eine ätherische Welt voll von fernen Stimmen, dem Rauschen des Meeres und atmosphärischen Störungen."

    wiec07_g4.gifIn Wien wiederum widmet sich Volkmar Klien

    "den Klängen einiger Methoden der Verteilung (Dissemination) von Information vor der Erfindung der Funkverbindung. Die Turmuhr mit ihren Glockenschlägen war wohl eines der wichtigsten Informationsmedien dieser Zeit. Der Sendebereich dieser automatisierten Informationsausstrahlung beschränkte sich jedoch auf deren unmittelbaren Hörbereich, der wiederum durch Faktoren wie Turm- und Glockengrößen seine natürlichen Grenzen fand.
    Um den Transport dieser Informationen über größere Distanzen zu ermöglichen, wurden Chronometer geschaffen, die, einmal abgeglichen mit der Referenzzeit, diese dem Reisenden zu konservieren vermochten. [...] Aufnahmen des Künstlers im Uhrenmuseum und im Technischen Museum in Wien bilden die Grundlage für seine akustisch-historische Forschungsreise."

    Wenn das mal nicht vielversprechend klingt.
    Also: Ohren gespitzt und (heute!, also am 14.01.2007 - auch wenn auf der Seite die Jahreszahl 2006 verzeichnet ist) von 23:05 Uhr bis 23:45 Uhr den Kanal von Ö1 angezapft. Was eben auch online möglich und deshalb definitiv der Webradio-Tipp der Woche ist.

    Von miss.gunst am 14.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    13.01.07

    Zur Zukunft des Radios

    rrb_ksw.gifToller Titel? Nunja - klingt gleich so, als würde er zuviel versprechen. Manchmal muss das aber sein: Nur wenn man die Zukunft zu denken wagt, hat man auch eine Chance, sie Gegenwart werden zu lassen.
    Eben darum hatte sich der Kongress "Relating Radio", der vergangenen Oktober im Rahmen der hier nicht von ungefähr weidlich referierten RadioRevolten* stattgefunden hat, genau das vorgenommen: Beiträge zur Zukunft des Radios zusammenzubringen.

    Kurz vor Jahreswechsel ist nun auch das Buch zur Tagung erschienen, in dem man ebendiese Beiträge nachlesen kann.
    rrb_g2.gifUnd dabei ein weites Feld erkunden, das - wie schon seinerzeit in Halle mit den Begriffen "Communities, Aesthetics, Access" abgesteckt - von Radio-Evolutionen (also: Entwicklungen und Entwicklungs-Geschichten) über Radioproduktions- und HörerInnengemeinschaften, Radio und/als Kunst bis zu Fragen des Zugangs zu Bandbreiten und Wellenlängen und schliesslich einem speziellen Blick auf Radio in Osteuropa reicht.

    Mehr als 300 Seiten Texte, Materialen, Thesen, Analysen, Werkberichte, kulturhistorische und medienarchäologische Streifzüge in vergangene Zukünfte, Vergegenwärtigungen - alles andere als geschichtsvergessen, aber zugleich reale Utopien denkend.

    rrb_g1.gifVon und mit RadiowissenschaftlerInnen, -künstlerInnen, -theoretikerInnen, -praktikerInnen und -aktivistInnen wie Douglas Kahn, Wolfgang Hagen, LIGNA, Anna Friz, Joanne Richardson, Anna Colin - fast samt und sonders übrigens Namen, die treuen LeserInnen auch, aber nicht nur im Zusammenhang mit den RadioRevolten bereits in diesem Log.Buch begegnen konnten.

    Einziger Wermutstropfen: Die nahezu durchgängig spannenden und stimulierenden Diskussionen, die während der Tagung geführt wurden, kann man auf diesem Wege nicht reproduzieren - die gab es eben doch nur live und vor Ort.
    Dafür bietet der Band das Surplus, alles noch einmal in Ruhe nachlesen, mit- und weiterdenken zu können. Was schliesslich auch dazu gehört, wenn es um die Zukunft des Radios gehört.

    Das alles übrigens schön gestaltet und gut gesetzt. Und zum schier unschlagbaren Dumping-Preis von schäbigen acht (8!) Euro. Kaum zu glauben, aber wahr: Dafür gibt es nicht etwa nur die Verpackung bzw. den Einband, sondern das ganze Buch (mit Seiten!) dazu.
    Wer es nicht glauben mag, möge einfach mal einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis riskieren (pdf).

    Die Daten:
    Relating Radio. Communities, Aesthetics, Access. Beiträge zur Zukunft
    des Radios. Hrsg. Golo Föllmer und Sven Thiermann. Leipzig: spector books, 2006.
    ISBN 3-940064-80-7

    Für 8 Euro zzgl. Versandkosten zu bestellen bei:
    Radio Corax
    Unterberg 11, D-06108 Halle/Saale
    T. 0049-(0)345-4700745
    corax@radiocorax.de

    [* Leider, leider ist das ehemals so gut bestückte CMS zu den RadioRevolten mittlerweile - aber hoffentlich nicht auf Dauer - stillgelegt. Das dürfte auch einige Anker in den RR-Beiträgen dieses Blogs betreffen. Aber immerhin steht auch in selbigen so einiges drin. Soll keiner behaupten, dass fleissiges Bloggen nicht lohnt.]

    Von miss.gunst am 13.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    12.01.07

    god is a robot (juke_bots)

    rol_ksw.gifNicht, dass hier eine philosophische oder gar eine theologische Debatte aufgemacht werden soll. Aber letzter Stand der Dinge war ja, dass Gott nicht etwa tot (s. Nietzsche), sondern ein DJ ist (s. Faithless).
    Abgesehen davon, dass letzteres im Grunde eh nur den Umkehrschluss anpeilte, muss aber doch mal mitgeteilt werden: Ist beides längst schon wieder überholt.
    Weil, wenn Gott denn irgendwie mit Turntables beschäftigt wäre, er nämlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Roboter ist.

    Wieso, weshalb, warum?

    Lässt sich am besten heute (12.01.07) Abend ab 20:00 Uhr in Wolfsburg erleben. Dann legt er nämlich selber Platten auf.

    rol__g2.gifUnd zwar in Gestalt eben jener als juke_bots firmierenden Industrieroboter, denen Matthias Gommel, Martina Haitz und Jan Zappe vom Karlsruher robotlab eben jene kulturschaffende und -verbreitende Tätigkeit beigebracht haben.

    In den Genuss der Erkenntnis stiftenden Performance lässt sich deshalb kommen, weil mit ihr die Phänomenale 07 - vom Phaeno in Zusammenarbeit mit dem Wolfsburger Kunstverein veranstaltet und dem schönen Motto "Maschinen für alle!" huldigend - eröffnet wird.

    Mehr zum Festival in der netten Nachbarschaft beim digital brainstorming blog sowie natürlich auch auf dessen Heimseiten.

    rol_g1.gifViel wichtiger aber für diejenigen, die sich für tiefere Einblicke in die eigentliche Wahrheit interessieren, die von den bislang kursierenden Formeln über die Natur Gottes als Plattenaufleger doch eher verschleiert wird (s.o.): Wenn denn heute abend keine Gelegenheit sein sollte, mal eben in Wolfsburg vorbeizuschauen, dann lohnt doch mindestens mal ein Besuch beim robotlab bzw. auf dessen Webseiten. Wo es nämlich neben Hintergrundinformationen zu den juke_bots auch Fotos sowie Videos gibt.

    Die sicher keine Performance ersetzen können. Wohl aber der Erkenntnis zuträglich sein dürften, dass - na, vielleicht nicht Gott, aber der wahre DJ ein Robo ist.

    [Bildchen: robotlab-Logo sowie die zwei juke_bots in Aktion. Merci ans robotlab!]

    Von miss.gunst am 12.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.01.07

    überkreuzsprechen (XT, mit WRT)

    xt_ksw.gifDie Überschrift klingt wohl erst mal ein bisschen kryptisch - aber das hat sie mit dem Titel des Projekts gemein: XT.
    Nein, mit XTasen oder XTensionen hat das Ganze erst mal nichts zu tun: "crosstalk" - so nämlich die Auflösung des Kürzels - nennt man einfach jene in der Regel eher unerwünschten Interferenzen bzw. Überlagerungen von Signalen, wie sie zum Beispiel beim gleichzeitigen Sprechen mehrerer Menschen oder auch bei elektronischen Datenübertragungen entstehen können.

    Also im Prinzip weniger Kunst als ein Kunstfehler. Dass man aus Artefakten wieder Kunst machen kann, stellen derzeit das österreichische Künstler- und Medienaktivistenkollektiv machfeld (Sabine Maier und Michael Mastrototaro) gemeinsam mit ihren KollegInnen von alien productions (Martin Breindl, Norbert Math, Andrea Sodomka) unter Beweis.

    xt_g1k.gifUnd zwar im Rahmen ihrer aktuellen Ausstellung in der Fotogalerie Wien, die dort als "CROSSOVER III": "Fotografie und Medienkunst" firmiert. Was wohl ein solches Überkreuzfeld bezeichnen soll - beiseit bemerkt: eigentlich aber selbst xsprech erster Ordnung ist. In etwa wie "Äpfel und Obstbirnen", nur nicht so auffällig.

    Aber das muss an dieser Stelle nicht ausdiskutiert werden - zumal es auf den Seiten der aliens einen Text von Ruth Horak gibt, der neben einer detaillierten Erläuterung des Projekts und seiner Installation in den Galerieräumen eben auch einen sinnstiftenden Rückbezug auf den Ausstellungstitel versucht.

    Dessen Lektüre erhellt jedenfalls, dass es bei XT um ein sehr spezifisches Überkreuzreden geht: Das nämlich verschiedener Generationen von Medien und Apparaten, der Kunst wie der Kommunikation:
    Ratternde Nadeldrucker - deren ins Musikalischen lappende Potentiale ja auch in diesem Log bereits weidlich gefeiert wurden (s. zum Beispiel den Eintrag vom 17.05.05) - und ein Hör-Kino in Hommage an Walter Ruttmann - von dem ebenfalls schon verschiedentlich zu lesen war - gehören beispielsweise dazu.

    xt_g2k.gifMindestens aus der Ferne klingt das alles ziemlich spannend. Zu dumm, wenn man nicht vor Ort dabei sein kann, wenn heute (11.01.07) abend ab 19:00 Uhr die gesamte Installation zudem noch live bespielt wird.

    Umso tröstlicher daher, dass - wenn alles gut geht - immerhin ein mediales Fenster nach Wien geöffnet werden soll: Mit Unterstützung des Wiener kunstradio.at wird uns nämlich ein Webcast in Aussicht gestellt, der mindestens auf dem akustischen Kanal eine Teilhabe am Ganzen zu ermöglichen verspricht - genaueres bzw. Adresse zum (eink)linken auf der Webcastseite zum XT-extra. Wer den verpasst, bekommt in einer weiteren kunstradio-Sendung, die als nochmals überarbeitetes Spezialformat am 28.01.07 ab 23:05 Uhr auf Ö1 auch via Web ausgestrahlt wird, sogar noch eine zweite Chance.

    Bleibt eigentlich bloss noch zu hoffen, es möge zur besagten Stunde nicht irgend ein medientechnischer XT dawiderfahren. Andererseits, selbst wenn's denn passiert: Passt es im Grunde immer noch ins Konzept...

    [Bildchen: Weder von machfeld gemacht noch eine alien production, sondern mal wieder eine dem Thema angelehnte Stümperei vom Medium. Dochdoch, man glaubt es kaum: So langweilig sehen gemeinhin schematische Darstellungen von XTs aus, dass in dieser Version bei der Interferenz sogar noch etwas in Richtung XTase gedrängelt wurde. Einen wirklich schönen XT gibt es dagegen hier bei Dr. Alistair Walker zu sehen. Wow.]

    Von miss.gunst am 11.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    10.01.07

    netaudio, noch mal zehne

    nalc_ksw.gifEigentlich so gar keine Zeit für einen Eintrag - aber die Futterraufe muss deshalb nicht leerbleiben.
    Werden einfach aus den Vorratsbeuteln zwei Handvoll Ohrzuckerln hervorgefischt, oder besser gesagt: Ein weiteres praktisches Zehnerpack, das gut und gerne noch als Nebenbeivermerk zum Thema netaudiocharts durchgehen kann.

    Wenngleich es sich streng genommen nicht um ebensolche handelt.

    Im März vergangenen Jahres - s. den Eintrag vom 12.03.06 - hatte das brave Medium ja den Aufruf des Londoner netaudiofestivals 06 hereingereicht.
    Während des Ereignisses am 15./16.09. war jedoch Sendepause gewesen. Und so gab's zur ausgerechnet zur Hauptsache selbst keinen eigenen Eintrag mehr.

    nalc_g.gifSträflich, sträflich - soll aber heute ausgeglichen werden.
    Im Download-Bereich des Festivals wurde nämlich netterweise im Anschluss eine Art "best of"-Kompilation bereit gestellt.

    Zehn feine Stücke, also im Grunde gerade so etwas wie Charts. Sind hiermit mindestens für diejenigen, die sie sich bislang noch nicht geladen und zu Gemüte geführt haben, die Empfehlung des Tages. Mehr nicht, aber auch nicht weniger.

    PS: Und wenn man schon mal am zurückschauen ist, sei grad noch angelegentlich das Interview mit auf den Teller gelegt, das Markus vom starfrosch - um dessen netlabelcharts es vor ein paar Tagen ging, mit dem Organisator des netaudiofestivals 06, Andi Studer geführt hat. Aber nur der Vollständigkeit halber, weil es sicher sowieso schon jede/r kennt...

    Von miss.gunst am 10.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.01.07

    DVBlog-Häcksel

    dvh_ksw.gifAnfang vergangenen Jahres wurde in der Sektion Vlogs, also Videoblogs, der DVBlog vorgstellt (siehe den Eintrag vom 23.01.06).
    Dem ging es zwischenzeitlich leider gar nicht gut, da tatsächlich einige seiner Daten ziemlich böse durcheinandergeraten sind.

    Gleichwohl soll die aktuelle Überschrift nicht darauf anspielen, dass der DVBlog vergangenen Oktober einen echten GAU erlitten hat, in dessen Zuge das gesamte Archiv in die Brüche ging - glücklicherweise werden sie mittlerweile peu à peu wieder restauriert und seit jüngstem auch wieder neue Einträge publiziert.

    dvh_g2.gifVielmehr ist quasi in einer Parallelaktion zu den unseligen Datendisturbationen jimpunk - manchen vielleicht über seine Präsenz bei 56kTV Bastard Channel [Achtung, die Seite ist aktuell ebensowenig ansprechbar wie die Projektheimat xcult.org - aber dessen xcult.ch funktioniert immerhin. Leider ohne Bastard-Fernsehen...] - auf seine Weise in Sachen DVblog aktiv geworden.

    Wie eigentlich nicht anders von dem in Paris beheimateten Datenscramble-Profi zu erwarten, hat er sich der dort vorgestellten Vilmchen ebenfalls in einschlägiger Weise angenommen - was allerdings nicht oder allenfalls mittelbar mit obig erwähntem Datenzerfall in Verbindung zu bringen ist. Denn was den einen das schlichte Grauen ist, setzt jimpunk als Methode ein.

    Die Ergebnisse sind in seinem DVblogh4ck-Blog zu bewundern - und zwar nicht nur visuell, sondern mediengerechterweise natürlich auch akustisch.

    dvh_g1.gifOb man nun den Originalkopien an der Quelle oder jimpunks kunstvoll gehäckselte Codes den Vorzug gibt, ist sicher auch Geschmackssache - sollte aber am Besten im direkten Vergleich von Fall zu Fall entschieden werden. Was übrigens bequemstens möglich ist, da der Häcksler jeder Arbeit auch den Link zum Ausgangsmaterial beigibt - ob letzteres dann im Fall älterer Bestände erreichbar ist, hängt momentan allerdings leider vom jeweiligen Restaurationsstand der DVblog-Archivalien ab; bleibt mithin zu hoffen, dass da noch mehr zu retten ist.
    Aber wie auch immer, zumal auf beiden Seiten fleissig weitergebloggt wird: Das Medium jedenfalls findet, dass im Anschluss an den Besuch der einen Seite stets auch noch ein Ausflug zur anderen lohnt.

    [Bildchen: Stammen samt und sonders aus der Schatzkammer des Häckslers, also dem DVblogh4ck-Blog - und zeigen die jimpunkigen Re-Kreationen eines legendären documenta-Clips von 1997, Donna Kuhns "As You" und "bitterwaterblackbird" - dessen Vor-Bild ebenso wie das des ersteren derzeit eben leider noch verschollen ist. Also nicht zuletzt: Angewandte Para- bzw. Pata-Medienarchäologie!]

    Von miss.gunst am 09.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    08.01.07

    flickeur (Klingemann)

    flic_mk_ksw.gifNicht, dass wir schon mit dem Thema netaudiocharts fertig wären. Aber zwischendurch darf es ja ruhig auch mal wieder etwas auf die Augen geben, oder?
    Einen sanften Flash in dieser Hinsicht verspricht - wortwörtlich - ein Projekt, das sich zu diesem Zweck - wiederum wortwörtlich - aus den täglich weiter wuchernden Archiven der Flick(e)r-Bilder bedient.

    Es heisst, in der Tat nomen est omen, "Flickeur" und funktioniert laut Beschreibung seines createurs Mario Klingemann wie folgt:

    flic_mk_g4.gif

    "Flickeur (pronounced like Voyeur) randomly retrieves images from Flickr.com and creates an infinite film with a style that can vary between stream-of-consciousness, documentary or video clip. All the blends, motions, zooms or timeleaps are completely random. Flickeur works like a looped magnetic tape where incoming images will merge with older materials and be influenced by the older recordings' magnetic memory. The virtual tape will also play and record forward and backward to create another layer of randomness. This principle will create its own sometimes very suggestive or scary story. It might take a few minutes until the tape has accumulated enough material to not show any empty screens anymore."

    Nach ganz ähnlichem Prinzip hat Mario Klingemann auch noch eine ganze Reihe weiterer Projekte gestrickt, unter anderem "Island of Consciousness" und "Tagnautica" - beide in der Tat in Sachen concept-follows-function ziemlich auf dem Punkt.

    flic_mk_g1.gifAls alte flash-Feindin grübelt das Medium gerade noch, ob ein bisschen mehr rohe D.I.Y.-Ästhetik nicht doch noch schöner bzw. im Sinne der mathesis bzw. eben informationsäshetisch betrachtet zu bevorzugen wären.
    Aber andererseits: Warum anderen, die das eben anders sehen, mit dem LowTech-Zaunpfahl winken. Da muss man dann doch entweder selber ran - oder eben weiter schauen, wo es entsprechende Alternativen gibt.

    Und abgesehen davon hat das Medium auch keinerlei Mühe, unter Klingemanns Projekten weitere echte Favoriten auszumachen. Besonders dann, wenn sie - wie die Hypnosis Spiral - wirklich ideal für seinen Hausgebrauch geeignet sind.

    Da so gesehen natürlich auch "Flickeur" als hypnotische Imaginationsmaschine angeworfen werden kann und bestens funktioniert, lässt sich es (er? sie?) - Flash hin oder her - eben doch erst recht zu letzeren zählen...

    Von miss.gunst am 08.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.01.07

    der pixelstorm-award ruft

    pisto07_ksw.gifPreise für den kreativen Umgang mit der kleinsten Einheit digitaler Bildkomposition gibt es so einige auf dem internationalen Parkett.
    Bislang hat derlei eher ausserhalb des Radars dieses Logs gelegen.
    Anders verhält sich das mit der Ausschreibung eines besonders sympathischen, obendrein aus der Heimat stammenden Awards, der das Medium dieser Tage erreicht hat und - auch aus Termingründen - umgehend weitergegeben werden will.

    Besagter Ruf kommt vom Pixelstorm-Award, der in diesem Jahr übrigens schon zum vierten Mal vergeben wird.

    pisto07_g1k.gifWas das ganze aus HOME MADE-Perspektive interessant macht? Na, ganz einfach: Dass das Mitmachen ziemlich einfach ist. Und sozusagen ganz im Vordergrund steht - während das wie nur in groben Zügen, natürlich sinnvoll auf die Sache zugeschnitten, vorgeschrieben wird.

    Das Konzept sieht nämlich lediglich vor, dass die Beiträge zum aktuell ausgeschriebenen Thema passen bzw. entstehen sollen und man sie auf einer Webseite - genauer gesagt, der Heimseite des Pixelstorm-Awards anschauen können muss:

    pisto07_g2.gif

    "Während dreier Wochen ist die Plattform http://www.pixelstorm-award.ch jeweils geöffnet: in dieser Zeit können die Teilnehmer ihre Beiträge hochladen. Nach einem kurzen redaktionellen Check werden Sie von den Organisatoren freigegeben und sind online sichtbar.
    Der Zwischenstand des Wettbewerbs ist immer einsehbar und spornt damit weitere Interessenten zur Teilnahme an. Schon während der Ausschreibung beginnt die Pixel-Community, die Beiträge zu kommentieren und zu bewerten, und wählt so ihren eigenen Publikumspreis.
    Der Hauptpreis wird hingegen nach dem Ende der Eingabefrist von einer international zusammengesetzen Jury bestimmt. Kurze Zeit später findet die Preisverleihung statt, die mit mehreren Webcams und einem Live-Chat online übertragen wird."

    pisto07_g6k.gifAlso denkbar netzgerecht das Ganze.
    Wer in diesem Jahr dabei sein will, sollte sich also die Details des Verfahrens in der Ausschreibung 2007 zu Gemüte führen.
    Und dann schleunigst loslegen - weil nämlich die Eröffnung des Einreichungsverfahrens schon am kommenden Montag (08.01.07) beginnt.

    Seine Meisterwerke hochlanden kann man dann zwar noch gute drei Wochen lang (bis 30.01.07). Aber es sei doch verraten, dass es auch einen Preis für die erste Einreichung gibt.
    Also doch lieber bis Montag noch die eine oder andere Nachtschicht einlegen? Passen würde es - schliesslich ist das genau das Thema, zu dem der diesjährige Wettbewerb läuft.

    pisto07_g5k.gifWer dagegen noch zögert, ob's Mitmachen lohnt: Sollte einfach mal einen Blick auf die Archive der vergangenen Jahre werfen, wo es nämlich nicht nur die Siegerbeiträge (wie zB 2005 zum schönen Thema "Lowtech") zu sehen gibt. Vielmehr kann man hier ein bisschen in den Chatlogs der Award-Zeremonien stöbern (etwa der von 2005) und sich in Ruhe anschauen, wer ausser bzw. zusammen mit dem Pixelstorm-Award-Erfinder Andres Wanner noch so hinter der Sache steht.

    Wie einleitend schon geschrieben: Schaut wirklich alles sehr sympathisch aus. Da geraten selbst gestalterisch völlig unterbelichtete Medien wie miss.gunst ins Grübeln, ob es nicht - infach für den Spass an der Freude - wirklich mal eine kleine Extra-Nachtschicht sein darf in der nächsten Zeit...

    [Bildchen: Sind - in dieser Reihenfolge - aus dem Pixelstürmer-Trailer gefischt.]

    Von miss.gunst am 06.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.01.07

    almost all about art as we love it (we-make-money-not...)

    wmmna_ksw.gifA propos Eulen nach Athen. Eins der besten, aber eben auch bekanntesten Blogs zu ziemlich exakt den Themen, für die sich die geneigten LeserInnen des HOME MADE-Logs interessieren, ist auch so ein Fall: Traut man sich kaum extra vorzustellen, weil es eh schon alle seit Jahren in der RSS-Futterraufe liegen haben.
    Andererseits wäre es eben eine echte Unterlassungssünde, ihm nicht doch endlich mal einen eigenen Eintrag zu widmen.

    Ergo, hier ist sie: Die längst fällige Ode auf we-make-money-not-art.

    wmmna_g1.gifFraglos nämlich eins jener Weblogs, die inhaltlich wie qualitativ so manches lässig überholen, was der entsprechende Fachzeitschriftensektor im Umfeld bieten kann.

    wmmna_g5.gifSpannend ist allem voran erst mal die Mischung der Felder, auf die we-make-money-not-art seine Aufmerksamkeit richtet - Design, Kunst, Architektur, Games und Gadgets, die mit neuen Technologien arbeiten (oder eben manchmal neue Zugänge zu ältere Technologien erforschen; wer direkt in das weite Themenfeld eintauchen will, wird in der Tag-Wolke eine ansehnliche Auswahl von Sprungbrettern finden - sie ist so riesig, dass das Bildchen beiseit nur den Ausschnitt von a bis g erfassen kann).

    Lecker wird das Ganze aber eben auch durch die Art und Weise, wie Régine Debatty dieses Konzept zur Umsetzung bringt:
    Auf der einen Seite pflegt sie mit einem angenehm lockeren Umgang mit ihren Gegenständen, aus dem ein persönliches Interesse an der Sache spricht.
    Auf der anderen Seite heisst das aber nicht etwa, dass hier nur geplaudert würde. Ganz im Gegenteil kommt die Mehrzahl der Beiträge in Form von Artikeln daher, die fundierte Kommentare und Kontextinformationen bereitstellen.

    wmmna_g3a.gifZudem bloggt sie nicht etwa nur Funde vom Feinsten - also all das, was sich zum Themenfeld von we-make-money-not-art in den Wucherungen des WeltWeitenGeWebes aufspüren lässt.
    Viele Beiträge entstehen vor Ort, also angelegentlich von Festivals (siehe den Bereich "Coverage") und Ausstellungsbesuchen; und nicht selten gibt es dazu dann auch noch Interviews oder es werden mit KünstlerInnen oder DesignerInnen, deren Arbeit kontinuierlicher verfolgt wird, angelegentlich e-terviews per Mail geführt.

    Kurzum: Ein Blog, wie es das Herz begehrt - und das eben nicht zuletzt dadurch so sympathisch ist, dass es selbst von Engagement und Herzblut getragen wird.

    wmmna_g6.gifP.S. Weniger der Grund, wohl aber mittelbar Anstoss, eben doch mal die Eulchen nach Athen zu schicken, war aktuell ein wirklich netter Rückverweis aufs Log.Büchlein des Mediums (*o freu*, Merci!!!) - der aber vor allem deshalb hier verankert werden soll, weil er im Rahmen eines Artikels erfolgte, der angeregt Eintrag vom 14.12.06 zum GAME ARCADE-Projekt mit einem kleinen e-terview mit David Pfluger wie immer wunderbaren Mehrwert zum Thema bietet.

    P.P.S.
    Wie sonst bei der Vorstellung netter Nachbarn üblich, ein zwei einzelne Beiträge besonders zu empfehlen, fällt angesichts der Fülle leckerster Köstlichkeiten im Fall von we-make-money-not-art dagegen denkbar schwer.
    Wenn's aber doch sein sollte: Wären das aus der letzten Zeit zum Beispiel der zu "Sensory-Deprivation Games" (vom 15.10.06, zu deutsch: "Sinneswahrnehmungsberaubungsspiele" - wobei, beseit: "Deprivation" das klassische Fachwort der Wahrnehmungspsychologie ist, die zu Forschungszwecken mindestens früher selbst recht gern entsprechende Spiele spielte). Und, sozusagen thematisch fast verwandt: Derjenige zum grossartigen "Coniglio Hat" (vom 12.12.06, zu deutsch: "Häschenhütchen" oder "Karnickelkappe"). Und am besten noch einer zu mehr oder weniger skurrilen Musikinstrumenten, wie etwa von Fischen gespielten Blechbläsern (vom 22.12.06)? Eben: Und... und... und... und...

    [Bildchen: Ein Mini-we-make-money-not-art- Porträt, natürlich nur ausschnittweise. Wobei man an dem Bild unten links hoffentlich ein gestalterisches Extra-Zuckerl erkennen kann: Die jeweils angewählte Tag- bzw. Archivkategorie erscheint naemlich anstelle von "art" im Kopftitel - "we-make-money-not-sound" in diesem Fall. Auch sehr schön, oder?]

    Von miss.gunst am 05.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

    04.01.07

    frösche und eichhörnchen (netaudiocharts ff., ff.)

    nchch_ksw.gifTagelang gehadert, ob das noch geht oder einfach deshalb eher nicht, weil es nun wirklich hiesse, nachgerade scharen- bzw. schwärmeweise Bären bzw. Eulen dorthin zu jagen, wo sie bekanntermassen sowieso ihre Bleibe haben.
    Andererseits hat es ja auch fern der Heimat dieses Logs den einen oder die andere LeserIn, der/die vielleicht... was zwar unwahrscheinlich ist... aber sowieso und allein schon aus Sympathiegründen...

    ... gibt es sie jetzt also doch noch: Die denkbar nahe liegenden Anker zu netaudiocharts in der denkbar nächstgelegenen Nachbarschaft.

    nchch_g1.gifGemeint ist natürlich zum Einen das rührige sonic squirrel - das vom Medium allerdings ohnedies immer wieder, um nicht zu sagen: bei jeder sich bietenden Gelegenheit verankert wird (zuletzt etwa im Eintrag zum Zürcher netlabelfestival im vergangenen November).

    Streng genommen hat es dort - ungeachtet der unzähligen Leckereien, die das Hörnchen hortet - aber auch garkeine echten Charts; schon gar nicht solche, die - wie bei mogwai - mit ausführlichen Informationen oder gar persönlichen Begründungen der Wertschätzung einhergehen.
    Stattdessen gibt es schlichte Listen von Stücken, die NutzerInnen der Plattform zusammenstellen können.

    Die kommen dann mitunter eben auch einfach als monographische Verweise daher, die eigentlich nichts anderes als die Tracklist einer (in Zahlen: 1, also einer einzigen) EP-Veröffentlichung sind.

    nchch_g6.gifWas als Empfehlung natürlich trotzdem nett und der Orientierung in den wachsenden Beständen zuträglich ist.

    Klassische Chartsformate gibt es dagegen gleich nebenan bei(m) Starfrosch, dessen Eingaben ja auch schon in der netaudiocharts-Liste bei netlabel.org bzw. phlow begegnen konnten.

    Auf dem hauseigenen Blognode werden turnusmässig sowohl Monats- als auch Jahrescharts bekannt gegeben.
    Wie man es sich wünscht, mit persönlichen Kommentaren und Bewertungen, die in diesem Fall von engagierten NutzerInnen stammen. Und bequem entweder direkt auf der Seite akustisch abgerufen oder auf die Platte bzw. den Player geladen werden können.

    nchch_g7.gifDamit nicht genug, gibt es ausserdem Brit-Brit-Britney,

    "... a place where people recommend, publish and vote for the next big hits..."

    Dahinter steckt (heute haben wir es wirklich mit den Tierchen) ein ziemlich ausgefuchstes Verfahren, in dessen Zuge man einerseits seine Lieblingstracks zur Bewertung durch die Gemeinde vorschlagen kann - woraufhin sie dann erst einmal in eine Warteschlange im Hintergrund eingereiht werden.

    nchch_g4.gifAndererseits dürfen bzw. sollen dann eben auch Bewertungen abgegeben werden; erhält ein Titel genug stimmen, landet er auf der prominenten Brit-Brit-Hit-Liste auf der ersten Seite.
    Achja, und damit das Ganze auch klappt, gibt es gleich mehrere Optionen fürs RSS-Abonnement, nämlich sowohl eins für die Warteschleife als auch eines für die Hits.

    Kurzum: Mal unabhängig vom allgemeinen Votingwahn betrachtet, ein dickes Stück vom Kuchen Basisdemokratie - was dann auch zu einer entsprechenden Vielfalt der Empfehlungen führt.
    Womit aber natürlich eins nicht mehr zu haben ist: Eine ganz persönliche Selektion, wie sie dem Medium bei mogwai eben auch gerade gut gefiel.

    Um so grösser dann vielleicht der Ansporn, selbst mal wieder einschlägig tätig zu werden, oder nicht?

    Hilfreich hierfür sind übrigens sowohl das Hörnchen als auch der Frosch, denn beide bieten gezielte (und verfeiner- sowie kombinierbare) Suchmöglichkeiten nach Stilen an.

    nchch_g2.gifWährend man beim sonic squirrel - wie ja hier im Log.Buch auch schon mal vorgestellt - auf diesem Wege aber nur zum Labelkatalog gelangt, gehts bei Starfrosch gleich zu ausgewählten Hits.

    Das allerbeste an der Suchmaschine des Frosches ist jedoch, dass als Tags auch die CC-Lizenzen eingegeben werden können. Im Prinzip sollen zwar bei beiden Plattformen sowieso alle Einträge jenseits von der Musikindustrie betreuten Produktionen liegen. Praktisch heisst das aber noch lange nicht, dass die jeweiligen Alternativlizenzen wirklich angeben sind. Da ist man dann - zumal in der Feindifferenzierung (was kann gespielt, was könnte gegebenenfalls auch weiter bearbeitet werden) - beim Starfrosch gerade nochmal ein Stückchen besser bedient.

    [Bildchen: Wie unschwer zu erkennen, sämtlich die besprochenen Bereiche aus den Angeboten von S-Frosch und S-Hörnchen vorstellend - entsprechend führen auch die Anker direkt aufs jeweilige Terrain.]

    Von miss.gunst am 04.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (1)

    03.01.07

    Magnetic Migration

    mmn_ksw.gifWo jetzt schon wieder Tage lang - wenigstens indirekt - von Mixtapes die Rede war, liegt es eigentlich nahe, ein weiteres Projekt in den Zettelkasten einzutragen, das schon länger einer Vorstellung harrt.
    Zumal es, allerdings ohne etwas mit netaudiocharts zu tun zu haben, eben auch die Potentiale elektronischer Medien bzw. Netzwerke nutzt, um der guten alten, leider in Erosion begriffenen Magnetbandkultur seine Reverenz zu erweisen.

    Zoë Irvine, die treuen LeserInnen kürzlich schon mal als Kontributorin des Vibrö- Magazins begegnen konnte (s. den Eintrag vom 28.12.06) hat nämlich schon vor ein paar Jahren ein Projekt ins Leben gerufen, das auf den per se schon vielversprechenden Namen "Magnetic Migration" hört.

    Worum es geht, lässt sich in zitierenswert poetischer Formulierung seiner Heimseite entnehmen:

    "Have you noticed that there are fragments of audiotape flapping in the wind?
    Strands can be found all over the world, in gutters, snagged on trees, wherever tape players have ventured it seems they have chewed, snarled and spat too.
    These fragments create a shifting inaudible soundscape. Some of the strands have travelled far, they are worn and battered but can be re-spooled, and listened to..."

    mmn_g1.gifGenau diesen Fragmenten spürt Magnetic Migration nach, um sie - netzgerecht ins mp3-Format gewandelt - zu erhalten bzw. in seinem Archiv wieder zugänglich zu machen.

    In diesem Zuge hat Irvine in den vergangenen Jahren an mehreren Orten Sammlungs-Aktionen realisiert, konkret 2002 eine Recherche-Reise zu einer Einwanderer-Station am Pas de Calais, sowie verschiedene Workshops wie 2003 im Rahmen von Interference Public Sound in East London, 2004 als "Inaudible City Project" ebenfalls in London sowie 2005 in Form eines "Mix Tape"-Workshops im Rahmen der Ausstellung "Save the day" im Kunstbüro Wien.

    Darüber hinaus bietet Magnetic Migration aber auch ausserhalb solcher Aktionen die Möglichkeit zur Beteiligung an - sei es nun in Form von Beiträgen zur Mixtape-mp3-Sammlung oder auch in Form einer anderweitigen Kooperation.

    Und schliesslich findet sich auf den Seiten auch noch eine schöne Sammlung mit Ankern zu weiterführenden Materialien nicht nur zu dem Projekt selbst, sondern auch zum Thema Tapes und Mixtapes (inklusive ihrer medialen bzw. medienhistorischen, medienkulturellen und künstlerischen Verortungen) bereitgestellt, die - was Irvines eigene Arbeit an dem Projekt betrifft - hier vielleicht noch um ein Interview ergänzt werden kann, das Raimund Minichbauer 2003 mit der Künstlerin und Mixtape-Forscherin für republicart geführt hat.

    Alles in allem also fast ein nonplusultra für Mixtapes-Fans, sich die Magnetic Migration gelegentlich in aller Ruhe zu Gemüte zu führen - und dann vielleicht auch einmal in den eigenen Beständen nachzuwühlen, ob dort etwas Spendenswertes seiner Migration vom Magnetband ins mp3-Format harrt.

    Von miss.gunst am 03.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.01.07

    netaudiocharts ff.

    nacp_ksw.gifWenn wir schon mal dabei sind, darf natürlich der Verweis auf eine Quelle nicht fehlen, die an denkbar nahe liegender Stelle Zugang zu aktuellen netaudiocharts bietet.
    Die gestern gepriesenen von mogwai sind dort selbstredend ebenfalls mit von der Partie.
    Aber eben auch - wenngleich sporadischer - noch ein paar andere mehr.

    Dass der Anker des Tages den Netaudio Charts auf der vom phlow-Magazin bzw. seinem Begründer Mo(ritz) Sauer eingerichteten Plattform netlabels.org nebst dem längst fälligen Zettelkasten-Eintrag vor allem unter der Kategorie "Eulen nach Athen" (oder Bären nach Bern) abgelegt werden dürfte, ist eh anzunehmen.

    nacp_g1.gifWas nun speziell dieses Forum für Netaudio Charts so lecker macht, ist dreierlei:

    Erstens stammen die Listen von verschiedenen NetzmusikliebhaberInnen, zeichnen sich ergo also auch durch unterschiedliche Präferenzen aus - wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, auch mal die eine oder andere Entdeckung zu machen.

    Zweitens reicht die Liste der Listen bis ins selige Jahr 2004 zurück - und lädt damit zum Stöbern in der Netzmusikgeschichte ein, in der an die drei Jahre schon ein recht ansehnliches Mass an Entwicklungen bedeuten.

    nacp_g2.gifUnd Drittens, definitiv 'last but not least, gibt es natürlich auch noch die Option, selbst eine eigene Hitparade beizusteuern.
    Dass diese bislang noch keinen Massenansturm ausgelöst hat, wundert allerdings wenig. Mindestens dann nicht, wenn man aus Erfahrung weiss: Noch das wurstigste Netzmusikmixtape braucht doch ein bisschen Musse, so es einigermassen liebevoll zusammengestellt sein will.

    Was gleichwohl niemanden auf Dauer abhalten sollte, einschlägige Aktivitäten zu entfalten. Schliesslich ist die alte Gattung des Kassetenmixtapes mehr oder weniger im Aussterben begriffen.
    Und da CDs auf Dauer auch nicht wirklich eine Alternative sein dürften, wären - geteiltes Glück, multiplizierte Glück - www-weit zugängliche Netzmusikselektionen womöglich eine ebenso mediengerechte wie zukunftsfähige Sukzession. Warum eigentlich nicht?

    Von miss.gunst am 02.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.01.07

    netaudiocharts (mogwai)

    mog_ksw.gifEigentlich wäre heute ja das geeignete Datum, gute Vorsätze kund zu tun und sich stante pede an deren Umsetzung zu machen.
    Aber das muss ja nicht gleich heissen, als allernächstes doch noch zeitnah zum Jahreswechsel ein Netzlabelmusik-Mixtape zu basteln.
    Ganz im Gegenteil könnte ein guter Vorsatz beispielsweise auch sein:
    Ein bisschen mehr Müssiggang zu pflegen.
    Insbesondere dann, wenn in der netten Nachbarschaft Projekte zu finden sind, die - um beim Beispiel zu bleiben: etwa in Sachen netaudiocharts - unschlagbar fleissig und auch sonst äusserst empfehlenswert sind.

    Wie beispielsweise mogwai, ein Projekt von Andreas Buttweiler, der hier (nahzu) allmonatlich seine netaudiocharts publiziert.

    Die zeichnen sich erstens durch eine liebevolle, ästhetisch angenehme und rundum NutzerInnen-freundliche Aufmachung aus:
    Gleich auf den ersten Blick und schon mal optisch sehr verlockend strahlen uns neun zum magischen Viereck angeordnete 'Cover' von Netzlabel-EPs an, die beim mouseover seit Neuerem sogar auch gleich die Basisdaten der jeweiligen Veröffentlichung preisgeben.

    mog_g1.gifClickt man das Cover dann an, gelangt man in den meisten Fällen zu einer Review (inklusive Datenblatt und Ankern zu allen Stücken), die mogwai daselbst im eZine bzw. Blog seines eigenen Netzlabel- und Radioprojekts kreislauf abgelegt hat. Ansonsten geht es hin und wieder auch mal direkt zur betreffenden Veröffentlichung.
    Anders gesagt: Da werden also nicht etwa einfach nur TopTen (oder TopNine) gelistet, sondern auch wirklich vorgestellt, mit allem was dazugehört.

    mog_g2.gifWer allerdings selber zu bequem ist, eigene Ausflüge ins Eingemachte der netaudiocharts zu machen, wird ebenfalls bestens bedient: Gleich auf der Hauptseite gibt es nämlich als besonderes Bonbon noch einen Stream, über den man sich gleich eine leckere Auswahl der Auswahl zu Gemüte resp. zu Ohren führen (lassen) kann.

    Seit Juni 2005 ist mogwai mittlerweile dabei - was bedeutet, dass die Archive auch bestens als Schatzkammer für schöne Funde und obendrein als ein (wie auch immer selektives) Gedächtnis der jüngeren Netaudiogeschichte funktionieren. Und jeweils aktuell eben auch immer wieder einen guten Einstieg in das florierende, damit aber zugleich immer unübersichtlichere Terrain der Netzmusikpublikationen bietet.

    Da sollte nun nach "erstens" noch ein "zweitens" kommen?
    Ja, genau - das ist dann allerdings eine Festellung mehr persönlicher Natur. Den mindestens der (bescheidenen, dem eigenen Ermessenen nach zugleich jedoch schwer zu umgehenden) Meinung des Mediums nach zeichnet sich mogwais monatliche Auswahl auch durch hohe Geschmackssicherheit aus.
    Oder, weniger gestelzt gesagt: Die Schnittmenge der Favoriten ist in der Regel ziemlich gross. Und was aus dieser herausfällt, dann meist unter der Kategorie "Klasse Tipp" zu verbuchen.

    mog_g3.gifPunkt zwei muss sicher so nicht für alle mogwai-Charts auf der einen und auf der anderen erst recht nicht für Alle gelten, die sich diese zu Gemüte führen. Wäre ja auch eine langweilige Welt, wenn wir alle die gleichen Vorlieben hätten.

    Unbestreitbar jedoch handelt es sich bei mogwais netaudiocharts um ein Projekt, das man allein aus Bildungsgründen mindestens einmal monatlich besuchen sollte. Und ist es denn nicht das Schönste, wenn ein Bildungserlebnis zugleich Hedonismusfaktor besitzt?
    Eben.

    [Bildchen: Führen jeweils zu den angezeigten Destinationen - also den aktuellen netaudiocharts für 01/2007, zu kreislauf sowie zur Hauptseite des mogwai-netaudiocharts-Projekts.]

    Von miss.gunst am 01.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)