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23.01.07

net.art generator (sollfrank)

nagg_ksw.gifAlles andere als unbekannt, aber absolutes Pflichtprogramm für alle Fans von Zeichenmaschinchen und ergo auch ein Plichteintrag im Zettelkasten: Der net.art generator - bzw., genauer gesagt die Netzkunstgeneratoren im Plural, die Cornelia Sollfrank lanciert hat.

Dem Motto "The smart artist makes machine do the work" gemäss fahndete die Hamburger Künstlerin 1999 zwar zunächst nach einem dienstbaren Programm, das vor allem anderen ihr selber zu etwas mehr Musse verhelfen sollte. Im Ergebnis kann das Projekt nun jedoch im Grunde all jenen Menschen eine echte Alternative zu bieten, die es müde sind, sich mit klassischen künstlerischen Schaffensschüben oder gar deren Ausbleiben abzuquälen.

nagg_g1.gifDenn wo es Netzkunstgeneratoren hat, muss sich eigentlich niemand mehr zwingen, qua göttlicher Inspiration und/oder minutiöser Handarbeit in Kreativitätsrausch zu verfallen. Der geht wortwörtlich von alleine los, sobald man eines der braven Softwaremaschinchen startet. Diese grasen nämlich auf Zuruf eines Stichworts hin das World Wide Web ab, um aus den jeweiligen Fundstücken wunderbare Bilder zu basteln.

Für prinzipiell schier unendliche Vielfalt der Ergebnisse ist schon aufgrund der Materialbasis gesorgt, deren Zusammenstellung zudem von einem gerüttelt Mass an Zufallsfaktoren bestimmt erfolgt.
Und schliesslich stehen mittlerweile stolze fünf unterschiedlich programmierte Generatoren zur Verfügung, um dafür zu sorgen, dass auch stilistisch eine entsprechende Bandbreite herrscht.*
[* Theoretisch. Praktisch funktionieren zur Zeit leider nur drei - tja, leider ist auch auf Automaten nicht mehr oder weniger Verlass als auf menschliche, allzu menschliche KünstlerInnen...]

Ganz abgeschafft werden können gewisse Traditionen allerdings auch durch die Netzkunstgeneratoren nicht.

nagg_g3.gifZum einen ist die Frage, wer die Erzeugnisse der kleinen Kunstmaschinen zeigen, signieren oder gar veräussern darf, nach wie vor ein juristisches Problem (akut geworden und sehr anschaulich verhandelt in Sollfranks Ausstellung "legal perspective" 2004 im Basler [plug.in], in der eigentlich Drucke von generierten Werken hatten gezeigt werden sollen, die auf bekannten Arbeiten eines Künstlers basierten, der sich seinerseits als Kunstmaschine verstand...): Da das Ausgangsmaterial seine Bearbeitung eben nur automatisch erfährt, hat das Produkt nicht genug so genannter "Schöpfungshöhe", um als eigenständiges Kunstwerk durchzugehen - was nach gängiger Meinung leider die sonst üblichen urheberrechtlichen Zugeständnisse an künstlerische Arbeiten, die auf Werke anderer aufsetzen, aus den Angeln zu heben scheint.

Zum anderen greifen die Netzkunstgeneratoren eben bislang tatsächlich vorzugsweise auf Materialien zu, die zuvor von anderen geschrieben, gemalt, gebastelt worden sind - was eindeutig eine konzeptuelle Schwachstelle ist. Konsequenter wäre es wohl, sie würden ausschliesslich solche Daten nutzen, die ihrerseits garantiert zu 100% Automatenproduktionen sind. Dann gäbe es sicher auch Frieden mit der Urheberrechts-Juristerei.

nagg_g2.gifAber so ist das nunmal: Nobody is per(l)fect, nicht mal Maschinen. Und wahrscheinlich am allerwenigsten, wenn über ihrem Programm der Befehl zur Kunstproduktion steht. Was das Ganze allerdings am Ende doch gerade erst so spannend macht. Oder nicht?

P.S. Weitere Weisheiten zum Thema? Finden sich auf den Netzkunstgenerator-Seiten im Bereich "Material", u.a. in Form einer écriture automatique, die das Medium als dienstbares Schreibmaschinchen generiert hat, seinerzeit für die Bremer Premiere des Projekts 1999 im thealit. Selbstredend nach Netzkunstgenerator-adäquatem Prinzip.

[Bildchen: Natürlich nicht einfach schnöde Schirmschüsse von der net.art generator-Heimseite, sondern Schaffensproben von: Generator # 1, # 4 und # 3; mittig in Gänze, oben und unten ausschnittweise - letzteres Bildchen ist in ganzer Pracht inklusive Animation im Archiv zu bestaunen.]

Von miss.gunst am 23.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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