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14.01.07
Wiencouver 1906 (Radiogeburtstag, mit WRT)
Darüber, wieviel Sinn es macht, ein Medium wie das Radio auf einen einzigen Geburtstagstermin festnageln zu wollen, lässt sich weidlich streiten. Was aber eigentlich prima ist, weil: Um so öfter kann man zünftig feiern.
Wie beispielsweise heute mit und auf dem Wiener kunstradio.
Das kann in dieser Hinsicht seinerseits sowieso auf eine lange Tradition zurückblicken, insofern es eine Art von Radiogeburtstagsfeier eigentlich regelmässig - heisst hier natürlich: per anno - begeht.
Und zwar, wie es sich für diesen Anlass gehört, nicht allein. Sondern transatlantisch. Sonst handelt es sich dabei allerdings um den Kunstgeburtstag (mehr dazu im Log.Buch hier).
In diesem Jahr steht jedoch für eine etwas speziellere Feier eine Wiederaufnahme der mittlerweile fast schon Wiencouver-Reihe ein, deren Tradition sich auf die Anfang der 1980er Jahre begonnene Zusammenarbeit der Wiener mit Gleichgesinnten im kanadischen Vancouver begründet; namentlich mit dem leidenschaftlichen Radio-Künstler, -Moderator und -Experimentator Hank Bull.
Per Radio soll nämlich nicht nur der Kunstgeburtstag, sondern auch tatsächlich eine Jubelfeier für das Medium begangen werden. Deren Datierung sich in diesem Fall auf den Umstand begründet, dass insbesondere in Kanada nicht etwa (wie das - kaum zufällig - vor allem in Italien der Fall ist) Guiglelmo Marconi als Erfinder des Radios geehrt wird, sondern Reginald Fessenden, der am Weihnachtsabend 1906 die erste echte Radioübertragung unternommen haben will (quasi wie in der Werbung für ein bekanntes Schweizer Kräuterbonbon, "Wer hat's erfunden?").
Dem zollt das Kunstradio in der kommenden Woche mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen Tribut (mehr dazu zu gegebener Zeit), den Auftakt aber macht heute unter dem Titel "Wiencouver 1906" eine ganz besondere Radiosendung, die sich nämlich aus Beiträgen von dies- wie jenseits des Atlantiks speisen wird:
In Vancouver sind Anna Friz (mehr? hier!), Glenn Gear und Absolute Value of Noise a.k.a. Peter Courtemanche mit von der Partie, die sich
"inspiriert von der Geschichte von der Übertragung der Stimme Reginald Fessendens im Radio und den 'Geheimnissen' der Strahlung [...] mit Belangen wie 'unsichtbare' Klänge beschäftigt [haben]; mit versteckten Stimmen, den frühen Tagen der Radiokommunikation (vor allem am Atlantischen Ozean von 1900 bis 1907) und dem Senden im Mikrobereich mittels leistungsschwachen (Mini)Transmittern an Performance- und Ausstellungsorten.
In Anlehnung an die Geschichten über Geisterschiffe und den Mythen aus der Frühzeit des Radios, die besagen, dass tote Seefahrer mittels Kurzwelle angerufen werden könnten, beschwört die Performance der drei KünstlerInnen eine ätherische Welt voll von fernen Stimmen, dem Rauschen des Meeres und atmosphärischen Störungen."
In Wien wiederum widmet sich Volkmar Klien
"den Klängen einiger Methoden der Verteilung (Dissemination) von Information vor der Erfindung der Funkverbindung. Die Turmuhr mit ihren Glockenschlägen war wohl eines der wichtigsten Informationsmedien dieser Zeit. Der Sendebereich dieser automatisierten Informationsausstrahlung beschränkte sich jedoch auf deren unmittelbaren Hörbereich, der wiederum durch Faktoren wie Turm- und Glockengrößen seine natürlichen Grenzen fand.
Um den Transport dieser Informationen über größere Distanzen zu ermöglichen, wurden Chronometer geschaffen, die, einmal abgeglichen mit der Referenzzeit, diese dem Reisenden zu konservieren vermochten. [...] Aufnahmen des Künstlers im Uhrenmuseum und im Technischen Museum in Wien bilden die Grundlage für seine akustisch-historische Forschungsreise."
Wenn das mal nicht vielversprechend klingt.
Also: Ohren gespitzt und (heute!, also am 14.01.2007 - auch wenn auf der Seite die Jahreszahl 2006 verzeichnet ist) von 23:05 Uhr bis 23:45 Uhr den Kanal von Ö1 angezapft. Was eben auch online möglich und deshalb definitiv der Webradio-Tipp der Woche ist.
Von miss.gunst am 14.01.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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