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15.04.07
Tusch für Busch
Nicht nur, weil es erst kürzlich - rund um das Fumetto-Festival - wieder einmal einen kleinen Strang zu Comix gab, ist heute erneut ein Ausflug in entsprechende Gefilde geboten.
Aus guten Gründen wird dazu sogar die gestern eingeschlagene Direktion, Alte Meister bestenfalls gerastert zu würdigen, umgehend wieder verlassen.
Tatsächlich steht die Ehrung eines ebensolchen an.
Anlässlich des 175. Geburtstags gilt es nämlich vor einem Mann den Hut zu ziehen, der ohne Abstriche als grosser Inspirator unserer heissgeliebten Bildgeschichtenkunst gefeiert werden sollte: Wilhelm Busch.
Dies in einer einigermassen angemessenen Form zu tun, ist einem Medium von mässigem Talent zwar schier unmöglich. Glücklicherweise lässt sich aber vertretungsweise auf eine Reihe von Adressen verweisen, wo sich einer solchen Aufgabe mit der hinreichenden Professionalität gewidmet wird.
Zu den ersten, die man aufsuchen sollte, zählt da sicherlich das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover - das übrigens nicht nur im Jubeljahr einen Besuch wert ist, sondern auch sonst immer wieder schöne Ausstellungen rund um Karikatur und Comix zeigt. Und die Stadt Hannover hat für 2007 gleich mal ein ganzes Wilhelm-Busch-Jahr ausgerufen.
Ebenfalls gut ausgestattet: Das von Jörg Spieler eingerichtete Portal Wilhelm-Busch.de (auf dem es ursprünglich auch mal Informationen zur Wilhelm-Busch-Gesellschaft gab - die sind aber, mindestens momentan, verschwunden. Was hoffentlich nicht gleich für die gesamte Gesellschaft gilt).
Besonders besuchenswert sind nach wie vor die von Jochen Schöpflin bestens bestückte und liebevoll betreuten Wilhelm-Busch-Seiten, auf denen man neben ausgewählten Bildgeschichten und einigen der herrlichen Bilderbögen (z. B. ür InsektenfreundInnen: Die Fliege) auch umfangreiche Liste mit weiterführenden Verweisen findet.
Und selbstredend hat auch das Projekt Gutenberg so Einiges von Busch zu bieten. Empfehlung genehm? Dann muss es - der Neigung dieses Logs zur DIY-Kultur entsprechend - natürlich die nette kleine Anleitung "Wie man Napoliums macht" sein.
Ja, wenn nur alles mal so einfach wäre! Eben gerade wenn es um eine Hommage geht. Schliesslich hat Wilhelm Busch die Latte ja sowohl in Sachen Reimes- als auch Zeichenkunst ziemlich hoch gelegt.
Aber es gibt eben doch Leute, die auch das ganz gut hinbekommen. Die tummeln sich beispielsweise auf der Liste der KandidatInnen und Gekürten des Wilhelm-Busch-Preises, auf dessen Seiten man netterweise auch einige Kostproben des jeweiligen Geschicks zu sehen - oder genauer gesagt: zu lesen bekommt. Bilder hat es da nämlich leider keine.
Wo wir gerade dabei sind, und weil ja idealerweise eben beides auszuzeichnen wäre: Dass Robert Gernhardt nie mit diesem Preis bedacht worden ist, wundert schon ein wenig. Immerhin war beispielsweise Radio Bremen da weniger säumig und hat nicht nur ein schönes Interview mit ihm über Busch geführt, sondern selbiges sogar im Rahmen eines Web-Features zu Gernhardt als pdf ins Netz gestellt. Noch viel schöner wärs allerdings gewesen, könnte man dazu noch eine Folge "Hier spricht der Dichter" anschauen und lesen. Aber da sind sicher, wie so oft, die Bildrechte vor.
Tja. Und sonst? Wo sind sie, die zeitgenössichen Busch-Hommagen? Selbst beim Max-und-Moritz-Preis (ging zuletzt an den aus der FAZ bekannten Herrn Reiche bzw. Strizz) machen sie sich offenbar rar.
Kann man nur hoffen, dass sich das übers Jahr noch ändern wird. Und zwar an anderer Stelle und etwas schicklicher geschickter als hier.
[Bildchen: Aller Talentfreiheit zum Trotz aus der Not eine Tugend gemacht. Wie so oft mit substanzieller Unterstützung der Wikipedia Commons und ergo Tribut auch dem grossen GNU. Konkret: Merci für den Monitor und das fotografische Porträt. Dass für das Barthaar jener Stümpererei, die zunächst mal ein gezeichnetes Buschbildchen hatte werden sollen, auch veritable Schafwolle aus selbiger Quelle zum Einsatz kam, sieht man eh nicht mehr. Ganz so leicht gehts halt leider doch nicht mit dem doofen Kompuhter.]
Von miss.gunst am 15.04.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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