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20.05.07
reverse karaoke
Und noch ein Ein-/Nachtrag aus dem austrischen Exkursionskulturbeutel, der sich zudem prima zu den beiden vorauf gegangenen fügt:
Neben dem Ladyfest feste(te)n ja auch die Wiener Festwochen fleissig vor sich in, und in diesem Rahmen ist noch bis Dienstag im MAK Museum für Angewandte Kunst eine ganz spezielle Installation zu Gast: reverse karaoke.
Nun würde man - bei allem Charme, der Amateurauftritten meist zu eignen pflegt - das klassische Singen zur Konserve sicher nicht der DIY-Kultur, sondern eher einer Kreuzung aus Freizeitsport und prosumer culture zuschlagen. Mitgesungen werden sollen ja tendenziell eher sogenannte bekannte, gemeint dann: kommerzielle Musikmassenware-'Hits'. Voraussetzung ist schliesslich vorneweg, dass man vom Text weg den Ohrwurm reproduzieren kann. Sozusagen postmoderner Mediumismus, olé.
Wie der Name "reverse karaoke" aber schon ahnen lässt, verhalten sich die Dinge bei besagter Installation etwas anders, um nicht zu sagen: Eben andersherum (reverse). Hier wird nämlich zu bereits Vor-Gesungenem - wie auch immer freestyle - fleissig musiziert.
Ausgedacht haben sich das Ganze keine Geringeren als Kim Gordon (yes Sonic Youth) und Jutta Koether, die in den vergangenen Jahren ja schon für eine Reihe ziemlich spannender, zwischen Musik, Performance und Kunst angesiedelter Projekte kooperiert haben. Und zwar ursprünglich für Her Noise - eine Ausstellung, die nicht von ungefähr vor einiger Zeit auch in diesem Log.Buch Erwähnung fand (s.d. Eintrag vom 30.11.05).
Und wie funktioniert nun das umgekehrte Karaoke?
Zu allererst einmal gibt es ein ziemlich gemütlich ausstaffiertes Zelt, das an welchem Ort auch immer einen eigenen Raum mit eigener Atmosphäre schafft - schon mal eine wichtige Voraussetzung, wenn man so etwas wie entspannte Konzentration ermöglichen will. Drin dann alles, was man LoFi-Aufnahme an Technik braucht. Und diverse Instrumente, um allein oder besser noch natürlich mit anderen zusammen rund um Kim Gordons vorab aufgenommene Stimme die Musik zu machen; eine kleine Anleitung dazu gibts per Video.
Besonders schön: Anschliessend lassen sich die reverse karaoke-Sessions auf zwei CDs brennen und diese mit selbst gestalteten Covers versehen - eine davon darf man mit nach Hause nehmen, die andere verbleibt im Projektarchiv.
Na also. So produktiv kann Karaoke sein, wenns mal gegen den Strich gebürstet wird.
In Wien ist reverse karaoke nun im Rahmen des auch sonst ziemlich spannenden Festwochen-Teilprojekts "Into the City" zu Gast und hat sich mit seiner Bohemien(ne)-Style-Jurte eben im MAK eingenistet.
Leider nur noch bis kommenden Dienstag (22.05.07) - aber was heisst in diesem Zusammenhang schon leider: Wirklich schade ist, dass man hier nicht gleich die Weiterreise zu einer Station in der Schweiz ankündigen kann. WinkWink.
[Bildchen: Haben, wie unschwer erkennbar, zwar mit dem Thema - aber wirklich so gar nichts mit der gleichnamigen Installation zu tun. Die sieht natürlich ganz anders aus. Und wohlmöglich wunderwirkt im Zelt ja gerade bei Karaoke-AllergikerInnen die gute alte Punk-Kultur - wenn es eh nur drei Akkorde gibt, muss man schliesslich nur Saiten und Nerven, nicht aber gleich das ganze Instrument zersägen. Aber wie auch immer. Die als Alternative zum (a propos Allergien) Gebrauch rechtsbelasteter Reproduktionen erstellte Folge hätte auch nicht entstehen können, gäbe es nicht die wunderbaren Wikipedia Commons. Für alle dort entlehnten Bausteinchen dankt das Medium herzlichst denen, die diese grosszügig der Public Domain überlassen haben.]
Von miss.gunst am 20.05.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
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