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15.06.07

dicht dran an der d

rfd_ksw.gifEtwas beschämend, das eingestehen zu müssen. Doch so ist es eben manchmal im (blossen) Leben: Gestern nicht etwa beim Zürich-Genfer-dorkbot-Gipfeltreffen gewesen. Sondern sozusagen in entgegengesetzte Himmelsrichtung gereist.
Dabei aber nebenbei durchaus auch Ausschau gehalten, was die documenta 12 beispielsweise speziell für FreundInnen elektronischer Musik und Medienkultur bereithalten könnte.

Nebenbei, wohlgemerkt - denn per se eine entsprechende Erwartungshaltung an eine (und besonders diese) documenta heranzutragen wäre tendenziell wohl in etwa so, wie in einem klassischen Laden für Künstlerbedarf am Tresen nach Lötzinn und Chips zu fragen.

Andererseits gabs ja in der Geschichte der documenta durchaus solche Stationen wie beispielsweise bei der dX den Hybrid Workspace eine eigens eingerichtete Produktionsstätte für DIY-Medienkultur (in diesem Bereich setzt die aktuelle documenta allerdings mehr auf klassische Formate, nämlich - mit dem Magazine-Projekt auf Zeitschriften). Und davon abgesehen dürften der eine oder die andere unter den treuen LeserInnen ja vielleicht sowieso eine Exkursion nach Kassel eingeplant haben.

rfd_g.gifMusik steckt jedenfalls - wie das erste Rundchnuppern vor Ort ergab - an diversen Ecken und Enden drin. So gibt es unter anderem in den Aue-Pavillons mehrere Arbeiten von Saâdane Afif (darunter seine "Black Chords", die ähnlich wie schon die "Power Chords" auf der Biennale von Lyon 2005 als geisterhaft belebter Chorus von E-Gitarren mit Epiphone-Verstärkern funktionieren. [Wobei ihnen, aber das nur beiseit, das nahe gelegende Lüftungsgebläse des Pavillons ein wenig Konkurrenz macht.])

Der russische Konzeptkünstler Andrei Monastyrski wiederum narrt uns ebendort mit einer zweiteiligen Installation namens "Goethe": Gleich am Eingang des Pavillons stösst man rechter Hand auf eine weisse Platte mit Klingelknopf und der Anweisung "Knopf drücken" - wenn man sie befolgt, passiert nur scheinbar leider nichts. Tatsächlich sollte man klugerweise vorher den/die jeweilige Begleiterin zur zweiten Station der Arbeit geschickt haben, die sich am diametral entgegengesetzten Ende des Pavillon-Baus befindet. Die dort Positionierten, die vielleicht gerade frustriert ihr Ohr an einen bis dahin stumm gebliebenen Lautsprecher drücken, kommen dann nämlich synchron in den Genuss des zugehörigen Klingeltons.

Auf Neue Musik mit grossem N kann man passender Weise beim Rundgang durch die Neuen Galerie stossen: Mit "...miramondo multiplo...", einer (wirklich wunderbaren) Klang- und Multimedia-Arbeit von Olga Neuwirth. Während auf dem Projektionsschirm eine Partitur wächst, schichten sich Klänge, Musikpassagen, Worte und Geräusche (unter anderem das Kratzen einer Feder, das zur die Notationen schreibenden Hand zu gehören scheint) zu einer fesselnden szenischen Komposition.
[Wer mehr über die Arbeit wissen will, findet übrigens beim austrischen IEM einen kleinen Bericht dazu, der sogar als pdf heruntergeladen werden kann.]

Soweit für heute der Kurzbericht vom Vorschnuppern vor Ort, bei dem eben nebenbei das Öhrchen an verschiedene Arbeiten gelegt wurde (allerdings weniger, um den Eintragstitel zu sehr beim Wort zu nehmen als aus anderen guten Gründen). Wobei es schon fast sträflich ist, gerade mal drei optionale Hörstationen der 100-Tage-Ausstellung zu erwähnen, auf der es natürlich noch sehr viel mehr und vor allem anderen ganz anderes Spannendes zu entdecken gibt.

rfd_g2.gifAnsonsten unbedingt im Terminkalender vormerken: Am 02., 03. und 04. Juli werden Alice Creischer, Andreas Siekmann und Christian von Borries (s.a. sein aktuelles Projekt "Masse und Macht"; ausserdem: lesenswerter Text aus der De:Bug 112) in einer Kasseler Shopping Mall am Königsplatz, dem City-Point, ihre Musikalischen Szenen zur "arbeitsfreien Gesellschaften und den (Vor-)Bedingungen unserer Konsumwelt" zur Aufführung bringen ("Auf einmal und gleichzeitig. Eine Machbarkeitsstudie"). Was man sich darunter bitteschön vorzustellen hat? Wird man an natürlich besagten Terminen hören und sehen können. Neugierige können aber schon mal in das Exposé (pdf) spitzen, das sich auf den Seiten des Hessischen Landesjugendorchesters findet, mit dem die drei hierfür zusammengearbeitet haben.

Achja, und was die DIY-Medienkultur betrifft: Lässt sich an dieser Stelle vielleicht noch der documenta12-Blog empfehlen, für den KünstlerInnen-Teams neben klassischen Einträgen Audio- und Videopodcasts produzieren.

[Bildchen: Zeigt aus naheliegenden Gründen keine documenta-Arbeit, zumal das Medium - da der schreibenden Zunft zugehörig - sich nicht um eine offizielle Fotoerlaubnis bemüht hat. Statt dessen also freizügig assoziiert; offensichtlich nicht zu den obig erwähnten Beiträgen, sondern zwei anderen - nämlich dem Reisfeld, das Sakarin Krue-On im Berkpark Wilhelmshöhe angelegt hat sowie dem Mohnfeld, das Sanja Ivekovic vor dem Museum Fridericianum pflanzen liess (bislang ist von letzterem allerdings lediglich spärliches Grün zu sehen). Dagegen blüh(t)en diese Mohnpflanzen vor einem Reisfeld in Piemont, das dankenswerter Weise von Nutzer Idéfix unter cc-by-sa-Lizenz den Wikipedia Commons überlassen wurde, die mithin auch für dieses Derivat gilt. Merci!]

Von miss.gunst am 15.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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