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05.06.07

filmfront(al)

flmfrt_ksw.gifDas Stichwort "Kino" bietet eine gute Gelegenheit, noch einen weiteren Eintrag aus dem Überhang der Kulturbeutelkollekte nachzureichen, der sich in den vergangenen Wochen gebildet hat.
In diesem Fall zu einer Ausstellung mit Filmprogramm, die leider nur zweieinhalb Tage währte - aber unbedingt in den Zettelkasten muss: FILMFRONT(AL).

Leider zeitgleich zum Zürcher Tweakfest und zu den letzen drei Tagen Videoex hatte nämlich die Kunsthalle Basel die Tore geöffnet, um mit derart geballter Präsenz die gleichnamige Vereinigung Filmschaffender und das von dieser herausgegebenen Magazin zu feiern.

flmfrt_g.gifZehn Jahre lang - von 1978 bis 1988 - stand die FILMFRONT für ein künstlerisches, experimentelles und politisches Filmschaffen ein; schaute durchs Kamera-Auge und erforschte die filmische Wahrnehmung, interessierte sich für ein Kino jenseits des Mainstreams, für Film als Kunst und Handwerk jenseits der Konventionen, knüpfte internationale Netzwerke und behielt dabei das Lokale im Blick.

Silke Baumann, Kuratorin an der Kunsthalle, hatte sich nun zusammen mit einigen Beteiligten in die Archive begeben, mittlerweile in diverse Himmelsrichtungen verstreute ehemalige Beteiligte kontaktiert, um von ihnen Arbeiten zu erhalten und auf dieser Basis ein mehrteiliges Filmprogramm zusammengestellt.

Gezeigt wurde letzteres dann im Form thematischer Programme, deren Schwerpunkte vom Strukturellen Film bis zum Politischen Aktivismus reichten; jeweils mit einem Vortrag eingeführt und teilweise - wie man hier sieht - neuvertont. (Gut, zugegeben: Das war ein Special zur Eröffnung, zu der David Pfluger Richard Buchers auf Super-8 gebannte Dokumentation der Basler Hausabrisse zwischen 1975 und 1978 zünftig am Schlagzeug begleitete).

Dazu kam dann noch die Ausstellung, die nicht nur per Auslage das komplette Jahrgangsarchiv der FILMFRONT zugänglich machte, sondern auch eine Auswahl von Filmen auf Monitoren zeigte. Mit Blick auf deren Ausgangsmaterial - eben Super-8 und 16 mm - und dessen Materialästhetik, die ja nun gerade im Experimentalfilm eine zentrale Rolle spielt, mag das zwar ziemlich schräg wirken. War aber wohl der Preis, der aus konservatorischen Gründen gezahlt werden musste. Nun, immerhin gabs wohl in einigen Fällen die Möglichkeit zum Vergleich.

Mit von der Partie in Aussttellung und Programm: Urs Berger, Ruedi Bind, Marcel Stüssi, Matthias Bosshart, Richard Bucher, Kilian Dellers, Claude Gaçon, André Lehmann, Reinhard Manz, Ueli Meyer, Verena Moser, Werner von Mutzenbecher, Balz Raz, Werner Suter, Urs Breitenstein, Paul Müller und Arc Trionfini.

flmfrt_g2.gif[Beiseit bemerkt, und ganz sicher soll das keine Schmälerung der Würdigungsperspektive sein - aber der Zwang zum Nachrechnen war grad einfach da: Mindestens dieser FILMFRONT mangelt es doch deutlich an Ausgewogenheit im Verhältnis der Geschlechter. Da war man möglicherweise doch ein wenig konservativ bis konventionell...]

Last but not least vielleicht auch für diejenigen, die ebenfalls nicht dabei sein konnten die Empfehlung: Das pdf der Programmübersicht holen, so lange es noch erhältlich ist (genau: dieses liegt beim Stadtkino Basel - während die entsprechende Seite der Kunsthalle schon wieder verschwunden bzw. ausgetauscht worden ist). Ist schon mal ein gutes Datenblatt fürs Archiv.

Noch viel schöner wäre es natürlich, würde der gesamte FILMFRONT-Schatz einmal digitalisiert und online gestellt. Oh nein - bitte nicht die Filme, jedenfalls nicht als hurschelige Clips ins Web (oder wenn dann nur in würdiger Umgebung, also beim ubuweb Vilm).
Hingegen, selbst wenn pdf Papier nicht ersetzen kann (und wahrscheinlich auch nicht so lange lebt): Die Zeitschrift im Netz, mit allen ihren wichtigten Texten und Dokumenten - das wäre doch mal ein Projekt, oder nicht?

[Bildchen: FILMFRONT(AL) total - und dafür vielen Dank an Silke Baumann, die Kunsthalle Basel, sowie natürlich die FILMFRONT selbst.]

Von miss.gunst am 05.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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