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30.06.07

musique et bricolages

rm07w2_ksw.gifUnd schon wieder ein Eintrag ins Labor-Logbuch, der leider vor allem archivalischen Zwecken dient.
Denn auch diese Woche ist heimlich, still - aber nicht wirklich leise in klösterlicher Abgeschiedenheit gewerkelt worden.

Zwar gab es dabei diesmal sogar gleich drei Abende der offenen Tür im L'Arc in Romainmôtier. Doch dummerweise hatte das ansonsten ja wirklich erztreue Medium so gar keine Möglichkeit, die Botschaft zeitig genug auch auf diesem Kanal hier zu verbreiten.

Daher - wohl wissend, dass selbst in Wurmlochnautik Geübte es nicht einmal mehr zum letzten Konzert der Reihe schaffen werden - für heute nur die schnöde Dokumentation des Programms. Und bei Gelegenheit wird dann noch das eine oder andere Detail nachgereicht werden.

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[Bildchen: Ja, diese schöne Einladung - unten vier der BricoleurInnen würdig porträtiert - wurde diesmal nur per E-Mail distribuiert...]

Von miss.gunst am 30.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

27.06.07

selber wählen

kmwz_ksw.gifMacht man natürlich sowieso. Wer sonst wird wohl dafür zuständig sein, die Kreuzchen zu machen?
Nunja: Wenn nicht ein kleiner Wahlbot, wie das in Zeiten des elektronischen Votierens ja auch schon vorgekommen sein soll.
Trotzdem ist es natürlich eine kleine Besonderheit, dass man die Besetzung eines Ministeriums direkt bestimmen kann. Und gerade eines so entscheidenden: Des Kulturministeriums.

Olle Kamelle vom vorletzten Jahr?
Ja und nein: Tatsächlich wurde bereits im September 2005 ein Kulturministerium nach dem DIY-Prinzip gewählt; damals ging Heinrich Gartentor als strahlender Sieger aus der Elektion hervor.

kmwz_g.gifVerglichen mit dem grossen Schwung, mit dem seinerzeit die Wahl als solche inaguriert wurde und mit dem Heinrich Gartentor dann sein Amt antrat, ist es eigentlich ziemlich still geworden ums Kulturministerium (die derzeit letzte Meldung unter "Aktuelles" ist tatsächlich die Feier anlässlich eines Jahres im Amt aus 2006!).
So still, dass man beinahe hätte übersehen können: Seine Legislaturperiode neigt sich steil dem Ende zu - und ergo ist wieder Zeit zu wählen.

Tatsächlich hat sich auch diesmal wieder eine ansehnliche Zahl von KandidatInnen gefunden, die sich und ihre Programme auf den Seiten des Kulturministeriums zur Vorstellung bringen. Und da wird teilweise ganz schön geklotzt.

Tja - wie hätten wir's denn gern? Das sollte sich natürlich jede/r selbst anschauen und überlegen. Und weil Wahlen eine staatstragende Angelegenheit sind, hält sich das Medium ausnahmsweise mal mit Empfehlungen zurück.

Ausser mit der, die Gelegenheit beim Schopf zu ergreifen und noch bis zum 30.06. mitzuentscheiden. Sowie vielleicht im Anschluss dann auch mal zu schauen, was der oder die auf diesem Wege erkieste aus seinem oder ihrem Amt so macht. Schliesslich sind es bekanntermassen die Taten und nicht die Worte, die zählen sollten, sobald die Stimmen ausgezählt sind...

P.S. Und: Tatsächlich füllt sich anlassgemäss auch die Agenda des Kulturministeriums wieder mit Terminen - bei denen man sowohl dem derzeitigen Amtsinhaber als auch seinem/r NachfolgerIn in spe auf den Zahn fühlen kann. Also!

Von miss.gunst am 27.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

26.06.07

lockende spielhölle (lost vegas)

lvag_ksw.gifEigentlich zählen wir ja mehr auf das Glück in der Liebe als auf das Glück im Spiel. Aber hin und wieder kann man ja eine Ausnahme machen und dem Lockruf des Goldes folgen. Zumal, wenn der weder nach Klondike (wo es im Prinzip ja eh mehr ums Schürfen als ums Zocken ging) noch nach Las Vegas verführen will. Sondern eben - feiner Unterschied - nach Lost Vegas.

Klingt zwar ein bisschen nach: Schon verloren. Doch so schnell lassen sich selbst GelegenheitsglückspielerInnen nicht ins Bockshorn jagen, oder?

lvag_g2.gifWer also testen will, was geht: Sollte sich unbedingt diese Woche ins Dock18 begeben. Dort hat nämlich tatsächlich eine temporäre Spielhölle bzw. -halle aufgemacht.

Allerdings warten da keine einarmigen Banditen, elegante Croupiers oder Zockergroupies. Nicht mal eine zauberhafte Bingo-Fee. Enttäuschend? Ganz im Gegenteil.

Denn stattdessen versammelt Lost Vegas ein paar der heissesten Konsolen überhaupt.

anorg (denen wir das wunderbare tönende Eichhörnchen, also die Netzlabelplattform sonicsquirrel.net verdanken) haben eine Neufassung ihrer "Fortune Floppy Station" beigesteuert. Wie man sich schon denken kann, geht es in diesem Fall nicht um system recovery o.ä. (was per Bootdisk ehedem ja auch immer wieder glücklich machen konnte). Sondern erst mal darum, eine Floppy aufzutreiben, die man dann ins Laufwerk stecken kann (aber keine Sorge, es muss keine olle 5,25 Zoll-Scheibe sein).

lvag_gg.gifFelix Eggmann a.k.a. FLX Labs hat einen "Homo Ludens Playground" eingerichtet, in dem sein aRCade racer zur rasanten Fahrt zwischen Konsole, Kopf und Realraum einlädt.

Und last but not least: Wenn es schon um den State of Art der Konsolenkonstruktionskunst geht, muss selbstredend auch das MobileKino mit von der Partie sein. Mitgebracht haben die Basler LowTech-Bastler gleich zwei ihrer genialen Geräte; den Racer und den Pixelblaster - beide gehören bekanntlich zum Bestand der Game Arcade (mehr dazu im Log.Buch? Aber gern!).

Weil es nun schwer verantwortbar wäre, einen solchen Ort des Lasters zu eröffnen und die zum Glücksspiel Verlockten einfach ihrem Schicksal zu überlassen, hat Kurator Mario Purkathofer noch eine Veranstaltung aufs Programm gesetzt, die das Ganze ein bisschen abfedern soll.

Ein kleines bisschen vielleicht. Denn Maggie Jahrmann und Max Moswitzer sind natürlich alles andere als Spielabstinenzler - sondern haben sich vielmehr selbst schon seit langen Jahren der angewandten Ludologie verschrieben (seit jüngerem zudem in der Ludic Society organisiert, deren Zentralorgan nebenbei an dieser Stelle allerwärmstens empfohlen sei) und zudem unterrichten die eine wie der andere auch an der HGKZ im Bereich Interaction/Game Design.
Ob dann vielleicht Michael Härdi (hallo, gleich noch ein alter interfiction-Veteran) diesen Part übernehmen wird?

Lässt sich heute (Dienstag 26.06.07) Abend ab 20:00 Uhr überprüfen.

Ansonsten gilt noch bis einschliesslich Samstag, wo es dann - ebenfalls ab 20:00 Uhr - zur Finissage noch einmal so richtig zur Sache gehen wird: *** DONT MISS TO GET YOU ON THE HISCORE LIST! ***

[Bildchen: Belegt, dass selbst ein klassisches Arkade-Game im Zweifelsfall die Suggestion eines nachgerade existenziellem Realismus verbreiten und ergo etwaiges Verlieren schlimme Folgen zeitigen kann. Drücken wir also die Däumchen in Sachen Highscore! Und danken den Wikipedia-Commons-Gönnern Fir0002 für die Helden Zitrone(n) sowie Frank C. Müller ob der tollen Steilvorlage für die Invasoren bzw. für die Zitronenpresse - indes die Bildchen mit der entsprechenden cc-by-sa-Lizenz versehen werden.]

Von miss.gunst am 26.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

25.06.07

klangkunsthäppchen z'mittag (WRT)

gbb_ksw.gifNicht nur, dass sich Klangkunst auf den meisten grossen Radiosendern ziemlich rar macht. In der Regel bekommt sie dann auch noch Randplätze zu nächtlicher Stunde zugewiesen.
Klar, das Kunstgenuss am schönsten ist, wenn man sich eh schon halb auf Traumpfaden bewegt. Komisch nur, dass Museen und Galerien eher des Tags geöffnet haben.
Aber wie auch immer: Sehr sehr mutig wagt sich das deutsche rbb Kulturradio tatsächlich an eine alternative Sendezeit.

Dort gibt es nämlich unter der Woche jeden Mittag von 14:10 Uhr bis 14:15 Uhr - also für satte fünf Minuten - ein Format namens "HÖRSTÜCK". Was natürlich nicht bedeutet, dass der Rest der Ausstrahlungen normalerweise mit anderen Sinnesorganen wahrzunehmen wäre. Sondern vermutlich dezent signalisieren soll: Nun bitte, anstatt nebenher tausend andere Dinge zu erledigen, mal kurz ganz Ohr sein. Ausnahmsweise. Wenn es irgend geht. Denn bei Kunst geht es tendenziell ja doch eher ums Ganze - und fünf Minuten sind verdammt schnell vorbei.

gbb_g.gifMal testen? Bietet sich vielleicht gerade in dieser Woche an.
Ab dem heutigen Montag (25.06.07) bis einschliesslich Freitag (29.06.07) steht beim HÖRSTÜCK eine Reihe auf dem Programm, die von Silke Mannteufel und Cornelia de Reese zusammengestellt worden ist und sich der "Magie der Klänge" zu widmen verspricht.

Dass dann im Rahmen dieser Reihe eine (und nur eine) Folge explizit den Titel "Klangkunst" trägt - nämlich die vom Freitag - mag zwar ein bisschen verwirren. Dafür kann das aus verlässlicher Quelle gut informierte Medium schon mal verraten, um welche Klangkunst es dabei gehen wird: Nämlich um Stefan Krüskempers Projekt "Air Borne", das 2006 fütr den Aerodynamischen Park der Humboldt-Universität in Berlin-Adlershof entstanden ist. (Nebenbei geht an dieser Stelle natürlich auch ein Vermerk in unsere Zettelkasten-Sammlung zur Klanggärtnerei).

Wenn wir aber nun auch an den anderen Tagen am hellen Mittag ganze fünf Minuten ganz Ohr sein sollen, dann hoffen wir selbstredend, dass auch der übrige Teil der Reihe ein wenig wenigstens in Richtung Klangkunst lappt.
Wobei: An so einem kleinen Häppchen z'Mittag wird man sich allweil sicher nicht den Magen verderben. Wagen wir doch einfach mal eine Kostprobe. Und so es munden sollte, könnte man sogar Stammgast werden. Ganz egal, wo man gerade is(s)t: Das HÖRSTÜCK wird netterweise nämlich auch per Webstream serviert.

[Bildchen: Kleiner Gabelbissen mit für die Öhrchen. Auch wenn's nicht so ausschauen mag, ausschliesslich aus appetitlichen Zutaten hergestellt. Basisingridenzien vom grossen GNU, also gehört auch das fertige Mahl dazu.]

Von miss.gunst am 25.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

24.06.07

inside outside perla mode (WRT)

iopm_ksw.gifDie Sache mit den Ladenöffnungszeiten an Sonntagen lassen wir jetzt mal beiseite und fragen ganz entspannt: Warum nicht mal ein bisschen Musikperformance shoppen gehen?
Füllt Ohren und Augen anstelle der Taschen, ergo gibts daheim dann auch weder Gewissensbisse noch Debatten darüber, wohin man mit dem ganzen Konsumkram eigentlich will oder soll.
Und wie es der Zufall so will, bietet sich heute Abend (24.06.) eine prima Gelegenheit, diese Alternative zu testen.

Nämlich bei Perla Mode in der Zürcher Langstrasse 84, wohin die Kunstradio-Initiative So21 zu einer einschlägigen Veranstaltung lädt.

iopm_g1.gifBetitelt ist diese zwar mit einem nicht ganz so einladenen Motto: "Künstler sind ein Problem, im Allgemeinen..." - aber im Besonderen sieht es ja vielleicht schon wieder ganz anders aus. Wenn man sich das Programm anschaut, klingt das Ganze jedenfalls eher ziemlich verlockend.

Beispielsweise verspricht
Sebastian Hofmann
(dem einen oder der anderen vielleicht über sein Radio Funkloch-Projekt bekannt) per Xylophon & Electronics Caipiroschka zu kredenzen; Philipp Schaufelberger ist mit seiner fizrok show vertreten und mit den beiden noch viele weitere MitstreiterInnen aus dem So21-Sendegefässe-Team.

Und es sind auch gleich mehrere aus dem Umfeld von HOME MADE mit von der Partie: So wird Thomas Peter (2006 in Glarus mit dabei) sechzehn Kleinmotoren singen brummen lassen; Simon Grab kommt mit seinem Projekt ganzerplatz; und Simon Berz (genau, der mit dem Grossen Bumm) wird - wie schon seinerzeit beim Electro DIY Festival 06 - zusammen mit Oliver Dolder a.k.a. RoTTnFall das Desk rocken lassen - diesmal eben (und da haben wir den Eintragstitel geklaut, um nicht gleich mit den Künstlern als Problemen anzukommen:) inside outside perla mode.

iopm_g2.gifDas sind natürlich noch lange nicht alle (vollständige Aufzählung aller Beteiligter gibts im Original weiss auf schwarz auf der Rückseite des So21-Flyers; Notiz fürs Archiv: dieser Anker hat ein nicht so langes Mindesthaltbarkeitsdatum. Schade, aber geht nicht anders, wenn Seiten so wie die von So21 angelegt sind).

Vor allem aber ist es noch nicht alles, denn nicht von Ungefähr trägt dieser Eintrag das Webradio-Tipp-Kürzel im Titel.
Schliesslich heisst So21 deshalb So21, weil es jeweils Sonntags ab 21:00 Uhr auf Radio LoRa 97,5 MHz sendet, das seinerseits eben auch als Webradio zu empfangen ist.

Vom visuellen, räumlichen und performativen Teil der Experimente des So21analogen Modularsystems hat man allerdings nur vor Ort etwas. Klar. Insofern: Besser mal ab 21:00 Uhr zum Perla Mode pilgern und selber schauen, ob Künstler im Allgemeinen ein Problem sind - im Besonderen aber eben vielleicht gerade nicht.

[Bildchen: Der Flyer zur Veranstaltung setzt leider nicht nur auf schlichte Schönheit. Sondern winkt eben wie geschrieben mit dem Künstler-Problem. Nach vergeblicher Suche nach einer etwas attraktiveren Lösung in ein schweres Kreatief gestürzt. Mangels Talent schaut das Schaufenster inside outside natürlich so gar nicht nach einem ebensolchen und erst recht nicht nach dem des Perla Mode-Ladens aus (hier das Original aus dem Archiv von shift.jp). Nunja, wenigstens passt es dann insofern wieder, als Perlen im Allgemeinen mindestens für Mupfeln ein Problem sind (und nicht mal das einzige, *muahaha*). Indes für -KettchenträgerInnen dann wieder weniger. Ok?]

Von miss.gunst am 24.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

23.06.07

schöner kontrollieren

hmrmc07_kswn.gifFür einen Exkursionstipp ist es leider schon zu spät - doch dem Labor-Log muss es natürlich zu Protokoll gegeben werden.
Im Pilgerhaus in Romainmôtier wurde diese Woche ja wieder fleissig gewerkelt, auf dem Programm standen USB-Controller im Eigenbau.

hmrmc07_g.gifDa selbst andernorts und anderweitig verpflichtet, konnte das Medium den BastlerInnen zwar nicht selbst über die Schulter schauen (geschweige denn denn den eigenen Kenntnisstand erweitern), also lässt sich an dieser Stelle (noch) nichts Näheres hinsichtlich der Früchte ihrer Arbeit verraten.

Anscheinend hat der Workshop unter kundiger Leitung mit Michael Egger von anyma aber einige gezeitigt, die durchaus vorzeigbar sind.
Im dummerweise vernachlässigten Postkorb fand sich nämlich eben ein eigens angefertigtes Plakat, das für den heutigen Samstag zum spontan angesetzten Tag der offenen Tür einlädt.

Wie schon eingangs bedauert: Leider zu spät. Aber weil schon der Flyer so schön geworden ist (wie dann erst die Controller - bzw. das, was von ihnen gesteuert wird?), gibts ihn hier einfach mal im Schaufenster zu sehen.
[Beiseit: Wahre Fans können auf das Bildchen klicken und ihn sich dann fürs Archiv als pdf herunterladen.]

Von miss.gunst am 23.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

22.06.07

memexwand

sfmw_ksw.gifBeim Stichwort "Memex" denkt man natürlich erstmal an die gleichnamige Legende - also das Computersystem, das Vannevar Bush 1945 in seinem Artikel "As we may think" imaginierte.
Heute hat fast jede/r einen solchen Gedächtniserweiterer* auf dem heimischen Schreibtisch stehen. Und das lädt, as we may think, natürlich dazu ein, auch in dessen Einsatz die eine oder andere Extension vorzunehmen. Wie wäre es beispielsweise mit einer ganzen Memex-Wand?

Geht nicht? Gibts nicht? Ach was: Geht nicht gibts nicht, wie man sich eigentlich ebenfalls denken können sollte.

Ab heute Abend hat Berlin nämlich eine "memex wall". Sozusagen. Und das beste daran: Dass man dieser Systemextension sogar teilhaftig werden kann, wenn man nicht vor Ort weilt. Und das wiederum geht so:

sfmw_g1.gifDer Berliner medien.projekt.raum /tmp - wiederum, wie man sich denken kann: nicht zufällig so benamst, sondern eine tenmporäre Einrichtung - muss in diesen Tagen seinen aktuellen Standort wieder aufgeben und lädt aus diesem Grund bis einschliesslich Sonntag zu einem Spezialprogramm ein.
"lauf.werk . tmp . data.rescue" versammelt unter dem schönen Motto " die kunst laeuft weiter . wir retten die datentraeger" an verschiedenen Orten Ausstellungen, Performances, konspirative Treffen, Parties und vieles mehr, in deren Rahmen im Netzwerk aktive KünstlerInnen Projekte präsentieren.

Die "memex wall" ist ein Beitrag der treuen LeserInnen bereits aus einigen Einträgen bekannten Superfactory (TM) (in Kooperation mit mi_ga dieses mal). Und deshalb eben auch nicht - wie man erstmal vielleicht denken könnte - eine Art Blinkenlights-Memory in ASCII-Code.
Oder jedenfalls nicht nur.

Auf die Bespielung ganzer Hochhausfassaden lässt sich beispielsweise gut verzichten - denn Memex an sich ist heute ja eigentlich überall. Eben darum weiss man allerdings auch um die weniger idealen Seiten der Realwerdung von Vannevar Bushs Utopien. Worum gings da doch gleich noch mal? Tja... Genau, an dieser Stelle kommt das * Sternchen zum Einsatz und mit ihm ein Verweis auf einen der nicht so begrüssenswerten Effekte, die der Einsatz von Gedächtniserweiterern mit sich bringen kann: Dass das, was wir an sie delegieren, nämlich allzu leicht aus unserem eigenen Speicher verschwinden kann.

sfmw_g2.gifUnd das ist natürlich längst nicht das einzige Problem. Dumm nur, dass wir die anderen auch schon wieder vergessen haben.

Genau hier springt die Superfactory (TM) helfend ein: Da ihr Superfactory (TM)-Game nämlich eh nach dem Memory-Prinzip funktioniert, vermag es uns die notwendigen sauren Trainingseinheiten damit zu versüssen, dass wir diese mit dem frohsinnigen Frönen unseres natürlichen Spieltriebs verbinden können. Und damit nicht genug, winkt am Ende einer erfolgreich bestandenen Runde sogar noch ein Gewinn!

Worin der besteht? *Hua*. Ihn zu erringen hat ein Medium von eh schon minderem Verstand und berufsbedingt definitiv zu engem Verhältnis zu Gedächtniserweiterernlöschern (und ergo auch -löchern) noch gar nicht zu versuchen gewagt.
Dabei würde es sich - dem ASCII MEMEX Game-Motto "Be A Winner!" folgend - natürlich schon gern zu den Gewinnern zählen.
Nur: Warum eigentlich, hat es leider auch schon wieder vergessen. Zu dumm.

[Bildchen: Na, also doch eine ASCII-Memex-Wand. Die hier allerdings - wie man sich schon denken kann, angesichts durchschnittlicher Hochhausfassadenmasse - natürlich nur im Ausschnitt wiedergegeben werden kann. Merci an die Superfactory (TM) und speziell an Karsten!]

Von miss.gunst am 22.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

21.06.07

Netzkunst besitzen?

nkpd_ksw.gifAlle reden von Commons und davon, wie digitale bzw. digitalisierte Kulturproduktion für diese zu retten oder wenigstens so zu lizensieren ist, dass möglichst viele Menschen an ihren Früchten teilhaben können?
Nicht so das hub3-Projekt "Owning Online Art".
Hier geht es um die Frage, ob und wie sich "Netzkunst" - also eine webbasierte künstlerische Arbeit - zu persönlichem Besitz machen bzw. verkaufen, kaufen und sammeln lässt.

Auf den ersten Blick sieht es ja eigentlich nicht aus, als sei dies das vordringlichste Problem dieser Kunstform.
Vielmehr sollte man es ja gerade für eine spezifische Qualität von webbasierter Kunst halten, dass sie - die technische Ausstattung vorausgesetzt - im Prinzip für jede/n an nahezu jedem beliebigen Ort und vor allem am heimischen Rechner zugänglich ist.

nkpd_g1.gifWelchen Sinn könnte es also machen, ausgerechnet diese Kunstform in den Markt einzuspeisen - und zu so etwas wie Privatbesitz werden zu lassen, der dann möglicherweise unter Verschluss gehalten werden kann?
Das tönt erst einmal grauenhaft reaktionär.

Allerdings gehört zu den aktenkundigen Problemen von webbasierter Kunst erstens, dass sie ihre ProduzentInnen schwerlich ernähren kann (eben, weil sie allenfalls über Produktionsstipendien oder Beiprodukte etwas auf die Haben-Seite bringt).

Hinzu kommt zweitens: Ihr leider oft sehr rascher Verfall. Der ist, ihrem instabilen Medium entsprechend, zwar in vielen Fällen kaum zu vermeiden. Aber eindämmen lässt er sich schon - und so manche wichtige Arbeit, die es mittlerweile nicht mehr gibt, hätte sich wohl schon durch erhaltende Massnahmen, etwa eine Emulation auf neuere Systeme erhalten lassen.
Derlei ist jedoch nur mit erheblichem Aufwand und Mitteln zu bewältigen, wie sie KünstlerInnen selbst selten zur Verfügung stehen. Und auch Initiativen wie die Aktiven Archive können nur im Rahmen von Modellprojekten zur Sicherung von Netzkunst rettend tätig sein.

Wenn man nun davon ausgehen kann, dass private Sammler sicherlich einiges für den Erhalt ihrer Erwebungen tun werden: Wäre es da nicht eine Option, ihnen webbasierte Kunst endlich mal lecker zu machen?

Zudem weiss man ja: Kunst, die nicht auf dem Markt funktioniert, gelangt auch nur selten in Ausstellungen, Zeitschriften und Institutionen. Würde da nicht ein echter Netzkunstboom winken, sobald diese auf ersterem landet? Wäre es dann nicht auch endlich mit der allgemeinen Ignoranz dieser Gattung vorbei? Und könnten dann nicht endlich auch die KünstlerInnen von ihren Projekten leben, anstatt sich mit Programmierjobs und Stipendien über Wasser zu halten?

nkpd_g3.gifTja. Diese Fragen bleiben natürlich allesamt rhetorisch, solange webbasierte Kunst nicht besessen werden kann. Wie auch die Gegenfrage, ob die etwaigen Effekte den hohen Preis wirklich lohnen: Also jene eingangs angeführten Qualitäten ganz oder teilweise aufzugeben, um "endlich" auch eine Ware zu sein bzw. warenförmig zu funktionieren.

Nun: Die Chance, hierüber mit Fachleuten zu diskutieren, dürfte der Info-Abend "Owning Online Art" bieten, zu dem das Basler [plug.in] lädt und bei dem sich die "Netzkunstgalerie Package Deal" und das damit verbundenen hub3-Forschungsprojekt des idk der FHNW vorstellen werden (s.a. das Projektentwurf als pdf).
Heute, also am 21.06.07 um 20:00 Uhr.

[Bildchen: Wollen wir doch nicht, dass sich zukünftige Generationen unter Netzkunst bestenfalls so etwas vorstellen können, oder?]

Von miss.gunst am 21.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

19.06.07

international noize summit 2007

ins_ksw.gifLange nichts mehr von der Noise-Front verlauten lassen. Lässt sich aber leicht ändern, denn heute Abend lockt gleich ein ganzes "international noize summit" nach Frankfurt.
Und wenn man sich das Programm so anschaut, dürfte es seinem Namen auch locker gerecht werden können.

Mit Sten Ove Toft, Jon Eriksen und Utarm (direkt reinhören: auf MySpace) kommen gleich drei lärmende Norweger, die zusammengenommen durchaus den Eindruck vermitteln, als liessen sich die klimatischen Konsquenzen geographischer Nähe zum Polarkreis besonders durch einen entsprechend harschen Pegel kompensieren (s.a. die Review ihrer gemeinsamen Veröffentlichung "Penumbra Booming" bei Nordische Musik).

ins_g2.gifIst natürlich eine einigermassen blödsinnige Assoziation, die sich zudem sofort korrigieren lässt, wenn man in die zweifellos polarferneren Niederlande zu The Jim Morrisons weiterreist und feststellt, dass es dort noch einmal einige Grade düsterer dröhnt.

Ein kleinwenig (aber auch wirklich nur ein kleinwenig) anders sieht das bei Franz Fjödor a.k.a. Wouter Jaspers aus, der eigentlich mit seinen diversen Projekten (versammelt verankert auch auf seinen MySpace-Seiten) bzw. mit seinem Label-Kollektiv Vatican Analog die Party im Übrigen gut und gerne alleine hätte bestreiten können (a propos Analoger Vatikan: unbedingt mal das aktuelle Konzertvideo auf dem hauseigenen Blog anschauen - war allerdings keine der eigenen Truppen).
Schade jedenfalls, dass er nicht seine wirklich grossartige Formation "The Meldy Peaches" [sic, natürlich Meldy und nicht Moldy ;)] mitbringen wird.

ins_g3.gifAber das noize summit hat natürlich schon so noch sehr viel mehr zu bieten. Kapotski aus Belgien, Justice Yeldham & The Dynamic Ribbon Device (mehr Blut sehen? Geht auch auf seinen Label-Seiten beim DoppelDodo bei Dual Plover) und die Church of Noise, Buckettovsissors sowie aus den heimatlichen Gefilden Gregor Knüppel, Les Coulees Succulentes Collective (hä, who?) und so weiter, bzw. "and a certain less of more", wie es auf dem Programmflyer heisst.

Sonst noch etwas erwähnenswert, um für diese honorige Veranstaltung zu werben? Vielleicht noch das Gütesiegel: Organisiert hat das Ganze wieder einmal die curmbox. Und: Gegebenenfalls die Ohrstöpselchen nicht vergessen, so man morgen seine Geige noch selbst stimmen können will.

  • Die Daten:
    international noize summit 2007
    präsentiert von curmbox
    im Tanzhaus West (Gutleutstrasse 294, Frankfurt am Main, D)
    Dienstag, 19.06.2007 ab 20:00 Uhr (Eintritt: 10 Euro)
  • [Bildchen: Zugegeben, die Aktion Unser Noize soll schöner werden war offensichtlich nur mässig erfolgreich. Aber so gut wie sich Pink bzw. Purple Noise anhören, sehen sie im Spektrum halt auch nicht wirklich aus.]

    Von miss.gunst am 19.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    18.06.07

    grosses bumm

    lgb_ksw.gifDa es ja gerade erst um neue Instrumente ging: Da hätten wir doch gleich eines, das während der jüngsten Bastelwoche entstanden ist, die kürzlich in Fribourg bei Anyma stattgefunden hat.
    Und wie der Titel dieses Eintrags schon andeuten kann, gehört es im weitesten Sinne zur Familie der Schlagzeuge.

    Was insofern nicht weiter wundert, als der Bricoleur, der es fabriziert hat, allem voran auch ein echter Profi an Sticks und Tellern ist.

    Wenn Simon Berz allerdings nicht gerade Schlagzeug unterrichtet oder spielt (unter anderem auch auf der rundum sehr lecker geratenen jüngsten Produktion von Apparat - Walls, bei shitkatapult erschienen und auch anzuhören), dann greift er eben auch gern mal zu Lötkolben, Schraubenziehern, Drähten sowie diverstesten Gegenständen, Spielzeug und Schrott, um hieraus eigene Klangeneratoren zu basteln.

    dgb_g.gifVergangenen Sommer beim HOME MADE LABOR in Solothurn entstand auf diese Weise eine ziemlich phantastische Kreuzung aus Plattenspieler und Was-passiert-dann-Maschine, die lichtgesteuert rhytmische Raschelsounds produzierte.

    Der Neuzugang im Schlagwerkmutantenzoo ist nun eine aus einem Plastik-Kinderschlagzeug herausgemendelte, wiederum lichtgesteuerte 8-bit-Drummachine. Zünftig mit einem Konzertauftritt eingeweiht wurde sie vergangenen Samstag (09.06.07.) im Rahmen der vierten Ausgabe von "La Grande Bumm" in Luzern. Sehr passend, denn der Nachwuchs ist auf seine Weise doch auch ein ziemlich grosses Bumm, wie man auf beistehendem Kinderfoto sieht.
    Da wir seine Taufe leider verpasst haben - nachträglich wenigstens auf diesem Wege die Gratulation!

    [Bildchen: Stolze Ansicht des kleinen Grossen Bumm. Merci an Simon für die Sendung!]

    Von miss.gunst am 18.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    17.06.07

    Radiowunderland

    rwl_ksw.gifWer kann schon der Versuchung widerstehen, in ein Wunderland zu reisen, wenn er oder sie auf ein ebensolches stösst?
    Eben. Genau das war nämlich der Fall, als vergangene Woche die New Yorker Konferenz zu neuen Instrumenten bzw. "neuen Interfaces in der Musik" in den Radar geriet.

    Dort stand nämlich im Konzertprogramm für den Samstagabend etwas von "Radio Wonderland" zu lesen. Möglicherweise sogar ein neuer Kunstradiosender für die Kollektion?
    Klarer Impuls im Mausfinger: Nichts wie hin!

    Und natürlich reute die Neugier nicht. Zwar hat bzw. ist Radiowunderland bzw. Radio Wunderland keine Station im klassischen Sinne. Im Grunde ist es aber doch eine ebensolche - sozusagen in Person.

    rwl_g.gifJoshua Fried, seines Zeichens Musiker, Komponist und Performer - und als ebensolcher schon seit den 1980er Jahren auf Dub und Remixes spezialisiert, mit denen er damals als Ein-Mann-Band aufzutreten begann - verwandelt als und mit Radio Wunderland den tendenziell eher fiesen Einheitsbrei kommerzieller Sender in echte Leckereien.

    Wie das gehen soll? Kann man beispielsweise in zwei Vilmchen (genauer gesagt: den zwei Teilen der Aufzeichnung eines New Yorker Konzerts vom Januar diesen Jahres) ansehen und-hören, die er bei YouTube untergestellt und auf seinen Radio Wonderland-Heimseiten verankert hat.
    [Beiseit: Wer brav bei Teil eins beginnt, muss ein klitzekleines bisschen Geduld mitbringen, bis sich das Wunderland-Radio-Engine warmgelaufen hat. Handelt sich notabene um einen 1:1 Live-Mitschnitt, was eben etwas anderes als ein sauber auf Dreiminuten-Aufmerksamkeitsspannenlimit zurechtgebügeltes Musikvideo ist.]

    Unbedingt noch mitnehmen bei einem angelegentlichen Besuch: Die Radio Wunderland-FAQ. Wo man nämlich nicht nur erfahren kann, warum sich Fried das kommerzielle Radio als akustisches Arbeitsmaterial vorgenommen hat oder wie er darauf gekommen ist, ausgerechnet alte Schuhe als Schlagzeug-Interface zu nutzen. Sondern, so man dazu lustig ist, auch eigene Fragen anbringen darf.

    Bleibt nur ein Problem, das wohl nicht per FAQ zu lösen ist: Natürlich will man Radio Wunderland - You hin, Tube her - nun am liebsten mal live in concert sehen, hören und erleben. Wofür man bislang ein Flugticket benötigt, denn eine Europa-Tournee steht derzeit nicht auf dem Programm (ja, diese betrübliche Botschaft hat das brave Medium mittlerweile per elektronischen Brieftäubchen verifizieren können).
    Was, gehen wir mal - forsch unter anderem die treue Leserschaft dieses Log.Buchs eingeschlossen - von einem auch hierzulande wachsenden Begehren nach Radiowunderland-Sendungen aus, doch wohl allein schon unter ökologischen Aspekten schwerlich vertretbar ist.
    Aber im Prinzip doch leicht - zwinkerwzinker, stuppstupps, liebe VeranstalterInnen in CH, D, AT undsoweiter - zu ändern wäre. Oder?

    [Bildchen: Oben links wie immer s/w im Ausschnitt, rechts mittig in voller Schönheit und Grösse der Flyer von Radio Wunderland, dem ein Foto von Julie Blattberg zu Grunde liegt. Das Merci geht mithin an sie und Joshua Fried!]

    Von miss.gunst am 17.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    16.06.07

    moving movies simultan

    mms_ksw.gifWie eins manchmal zum anderen kommt. Schon wieder ein Projekt, das im weitesten Sinne in die kleine Reihe zu DIY- bzw. Karaoke-Kino passt.
    Und schon wieder in Berlin - diesmal bei den allgirls, das heisst in der gleichnamige ProduzentInnengalerie.

    Dort ist nämlich zur Zeit eine Ausstellung von Angélica Chio zu sehen, deren Titel "Subtitled - mit Untertiteln - con subtitulos" natürlich nicht nur deshalb dreisprachig übersetzt ist, damit nicht des Mexikanischen mächtige Menschen mitbekommen, dass es irgendwie um die kleinen Texte geht, die bei Vilmen das Verständnis erleichtern sollen, wenn sie ausserhalb ihres Ursprungslandes zur Aufführung kommen.

    mms_g.gifVielmehr geht es - wie man sich vielleicht schon denken kann - auch um den Übersetzungsprozess selbst. Und um die kleinen Reibungsverluste bzw. Verwerfungen, die er bekanntlich bzw. erfahrungsgemäss mit sich bringt.

    Eine der drei bei den allgirls gezeigten Arbeiten - neben "subtitled" (2007) und "Me voy a México" (2007) - ist ein 2005 entstandenes Projekt der Künstlerin namens moving movies, das auf einem ganz ähnlichen Prinzip basiert, wie es auch beim Total Recall Festival zur Anwendung kommt:

    "moving movies ist eine aus 30 nacherzählten Filmen bestehende Videothek. Jedes Video zeigt eine Person, die einen Film erzählt, den sie als Hilfe für das Reflektieren des eigenen Lebens erachtet."

    Just heute Abend (16.06.07) ab 20:00 Uhr findet nun in der Ausstellung ein kleines Spezialprogramm statt, das sozusagen noch einmal einen ganz praktischen Zugang zum Thema Übersetzungs- und Untertitelungsproblematik ermöglicht:
    Die allgirls laden zur Simultanübersetzung der Videobibliothek ein; die in verschiedenen Sprachen erzählten Filme sollen dabei in jeweils andere Sprachen übertragen - also quasi live mit Untertiteln versehen werden.

    mms_g.gifWas sicher eine ziemlich anspruchsvolle Art der Unterhaltung werden dürfte. Ein Karaoke mit Lern- bzw. Aha-Effekt sozusagen.
    Und wer weiss, vielleicht entdecken ja einige Gäste, dass in ihnen regelrechte Talente schlummern.

    Wäre möglicherweise sogar Beruf mit Zukunftspotential. DVD mit Untertiteln in allen Sprachen? Wie öde.
    Viel besser: In die Videothek gehen und nicht nur mit schnöden Scheiben nach Haus zum Heimkino schleichen. Sondern in der angenehmen Begleitung eines diplomierten Synchronuntertitlers oder einer einer diplomierte Synchronuntertitlerin.

    [Bildchen: allgirls. Denen hiermit herzlich gewunken wird - Merci an Tina-Marie!]

    Von miss.gunst am 16.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    15.06.07

    dicht dran an der d

    rfd_ksw.gifEtwas beschämend, das eingestehen zu müssen. Doch so ist es eben manchmal im (blossen) Leben: Gestern nicht etwa beim Zürich-Genfer-dorkbot-Gipfeltreffen gewesen. Sondern sozusagen in entgegengesetzte Himmelsrichtung gereist.
    Dabei aber nebenbei durchaus auch Ausschau gehalten, was die documenta 12 beispielsweise speziell für FreundInnen elektronischer Musik und Medienkultur bereithalten könnte.

    Nebenbei, wohlgemerkt - denn per se eine entsprechende Erwartungshaltung an eine (und besonders diese) documenta heranzutragen wäre tendenziell wohl in etwa so, wie in einem klassischen Laden für Künstlerbedarf am Tresen nach Lötzinn und Chips zu fragen.

    Andererseits gabs ja in der Geschichte der documenta durchaus solche Stationen wie beispielsweise bei der dX den Hybrid Workspace eine eigens eingerichtete Produktionsstätte für DIY-Medienkultur (in diesem Bereich setzt die aktuelle documenta allerdings mehr auf klassische Formate, nämlich - mit dem Magazine-Projekt auf Zeitschriften). Und davon abgesehen dürften der eine oder die andere unter den treuen LeserInnen ja vielleicht sowieso eine Exkursion nach Kassel eingeplant haben.

    rfd_g.gifMusik steckt jedenfalls - wie das erste Rundchnuppern vor Ort ergab - an diversen Ecken und Enden drin. So gibt es unter anderem in den Aue-Pavillons mehrere Arbeiten von Saâdane Afif (darunter seine "Black Chords", die ähnlich wie schon die "Power Chords" auf der Biennale von Lyon 2005 als geisterhaft belebter Chorus von E-Gitarren mit Epiphone-Verstärkern funktionieren. [Wobei ihnen, aber das nur beiseit, das nahe gelegende Lüftungsgebläse des Pavillons ein wenig Konkurrenz macht.])

    Der russische Konzeptkünstler Andrei Monastyrski wiederum narrt uns ebendort mit einer zweiteiligen Installation namens "Goethe": Gleich am Eingang des Pavillons stösst man rechter Hand auf eine weisse Platte mit Klingelknopf und der Anweisung "Knopf drücken" - wenn man sie befolgt, passiert nur scheinbar leider nichts. Tatsächlich sollte man klugerweise vorher den/die jeweilige Begleiterin zur zweiten Station der Arbeit geschickt haben, die sich am diametral entgegengesetzten Ende des Pavillon-Baus befindet. Die dort Positionierten, die vielleicht gerade frustriert ihr Ohr an einen bis dahin stumm gebliebenen Lautsprecher drücken, kommen dann nämlich synchron in den Genuss des zugehörigen Klingeltons.

    Auf Neue Musik mit grossem N kann man passender Weise beim Rundgang durch die Neuen Galerie stossen: Mit "...miramondo multiplo...", einer (wirklich wunderbaren) Klang- und Multimedia-Arbeit von Olga Neuwirth. Während auf dem Projektionsschirm eine Partitur wächst, schichten sich Klänge, Musikpassagen, Worte und Geräusche (unter anderem das Kratzen einer Feder, das zur die Notationen schreibenden Hand zu gehören scheint) zu einer fesselnden szenischen Komposition.
    [Wer mehr über die Arbeit wissen will, findet übrigens beim austrischen IEM einen kleinen Bericht dazu, der sogar als pdf heruntergeladen werden kann.]

    Soweit für heute der Kurzbericht vom Vorschnuppern vor Ort, bei dem eben nebenbei das Öhrchen an verschiedene Arbeiten gelegt wurde (allerdings weniger, um den Eintragstitel zu sehr beim Wort zu nehmen als aus anderen guten Gründen). Wobei es schon fast sträflich ist, gerade mal drei optionale Hörstationen der 100-Tage-Ausstellung zu erwähnen, auf der es natürlich noch sehr viel mehr und vor allem anderen ganz anderes Spannendes zu entdecken gibt.

    rfd_g2.gifAnsonsten unbedingt im Terminkalender vormerken: Am 02., 03. und 04. Juli werden Alice Creischer, Andreas Siekmann und Christian von Borries (s.a. sein aktuelles Projekt "Masse und Macht"; ausserdem: lesenswerter Text aus der De:Bug 112) in einer Kasseler Shopping Mall am Königsplatz, dem City-Point, ihre Musikalischen Szenen zur "arbeitsfreien Gesellschaften und den (Vor-)Bedingungen unserer Konsumwelt" zur Aufführung bringen ("Auf einmal und gleichzeitig. Eine Machbarkeitsstudie"). Was man sich darunter bitteschön vorzustellen hat? Wird man an natürlich besagten Terminen hören und sehen können. Neugierige können aber schon mal in das Exposé (pdf) spitzen, das sich auf den Seiten des Hessischen Landesjugendorchesters findet, mit dem die drei hierfür zusammengearbeitet haben.

    Achja, und was die DIY-Medienkultur betrifft: Lässt sich an dieser Stelle vielleicht noch der documenta12-Blog empfehlen, für den KünstlerInnen-Teams neben klassischen Einträgen Audio- und Videopodcasts produzieren.

    [Bildchen: Zeigt aus naheliegenden Gründen keine documenta-Arbeit, zumal das Medium - da der schreibenden Zunft zugehörig - sich nicht um eine offizielle Fotoerlaubnis bemüht hat. Statt dessen also freizügig assoziiert; offensichtlich nicht zu den obig erwähnten Beiträgen, sondern zwei anderen - nämlich dem Reisfeld, das Sakarin Krue-On im Berkpark Wilhelmshöhe angelegt hat sowie dem Mohnfeld, das Sanja Ivekovic vor dem Museum Fridericianum pflanzen liess (bislang ist von letzterem allerdings lediglich spärliches Grün zu sehen). Dagegen blüh(t)en diese Mohnpflanzen vor einem Reisfeld in Piemont, das dankenswerter Weise von Nutzer Idéfix unter cc-by-sa-Lizenz den Wikipedia Commons überlassen wurde, die mithin auch für dieses Derivat gilt. Merci!]

    Von miss.gunst am 15.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    14.06.07

    dorkbot swiss: genf zu gast in zürich

    dbgz_ksw.gifUnd schon ist es wieder an der Zeit für ein Treffen der Menschen, die seltsame Dinge mit Elektrizität anstellen.
    Da anders als im vergangenen Jahr heuer keine Zusammenkunft im Rahmen des Genfer mapping-Festival stattgefunden hat, kommen einige der dort aktiven dorkies diesmal einfach nach Zürich.

    Und zwar am heutigen Donnerstag Abend (14.06.07) - wie man sich schon denken kann, in den Walcheturm (Achtung, ausnahmsweise schon um 19:00 Uhr!).

    dbgz_g.gifPassend zur Ausstellung "Source Froide", mit der sich dort gerade einige AbsolventInnen des Genfer Postgraduierten-Studiengangs "Immédiat" im Zürcher Walcheturm vorstellen, versteht sich sozusagen auch das aktuelle dorkbot swiss-Treffen als Gipfel zwischen Zürchern und Genfer Gästen.

    Im Anschluss an eine Performance von Enrique Fontanilles (manchen vielleicht vor allem über seine Videoarbeiten bekannt; werden Daphne Dornbierer und Yves Schmid ihre Arbeiten mit der modul8-VJing-Software präsentieren (mit denen sie zuvor eben auf dem diesjährigen mapping-Festival vertreten waren); für den musikalischen Beitrag sorgt Moritz Wettstein mit algoritmo caliente.

    Aus etwas weiterer Ferne kommen eigentlich Wu Juehui, Jin Jiangbo, Lu Yang, Zhang Peili und Zhang Ga - aktuell reisen die chinesischen Künstler jedoch aus der Basler Nachbarschaft an, da sie derzeit im [plug.in] in der Ausstellung New Directions from China vertreten sind.

    Eine schöne Gelegenheit also, sozusagen auf einen Schlag Abend ganz bequem zu einer regelrechten Rundreise durch die Welt internationaler digitaler Kreationen in Klang und (Bewegt-)Bild zu kommen. Weshalb der Besuch dieses dorkbot-Treffens (nungut: wie immer) wärmstens ans Herz gelegt wird.

    Von miss.gunst am 14.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    11.06.07

    finetuned outlet (WRT)

    ftol_ksw2.gifGleich vorab: Obwohl im Titel dieses Eintrags der bekannte Kode winkt, handelt es sich nicht wirklich um einen Webradio-Tipp. Denn es geht tatsächlich um einen Sender, die selbsterklärtermassen kein Radio sein will.
    Aber das ist eigentlich völlig nebensächlich. Was es nämlich auf diesem Kanal zu hören gibt, ist Kunst für die Ohren. Und lohnt das Lauschen in jedem Fall.

    Mindestens, soweit man einem ersten Test gestern Nacht vertrauen darf.

    Traditionell ist Sonntag ja eher Kunstradio-Tag. Dort war allerdings die Verdichtung einer einundzwanzigteiligen Hommage auf Sam Beckett angekündigt. Nunja. Im Prinzip spricht ja nichts gegen, sondern sehr viel für Beckett - aber für Verdichtungen von dramatischen Dichtungen auf einen Dichter, dessen eigene Dichtungen an verdichtetem Drama eigentlich nichts zu wünschen übrig lassen, muss man schon in Stimmung sein. Eine Wiederholung der Sendung vom vergangegen Sonntag - "It's All In Your Head" von und mit Negativland wärs wohl eher gewesen.

    Also seufzend auf die Suche nach brauchbaren Alternativen gegangen.
    Und, glücklicher Fund: finetuned, eine Initiavive, die 2005 von KünstlerInnen gegründet wurde, die selbst im Bereich der Klangkunst arbeiten und sich zudem auch gern kuratorisch engagieren (mehr zur Motivation findet sich hier nachzulesen).

    ftol_g.gifZu den jüngsten Projekten von finetuned gehört outlet, eben jener eingangs erwähnte Sender, der kein Radio ist. So lässst sich auf der Projektseite einerseits folgendes nachlesen:

    "outlet is a broadcast channel which exists to • Present works that are difficult to transmit within existing scheduling models for web radio / tv. • Deliver networked components of works exhibited by finetuned • Provide the means for external groups to deliver specific projects."

    Und andererseits wird eben auch dezidiert betont:
    "This is not a radio channel" - eben weil es weder ein Studio, noch Moderatoren oder DJs hat, die diesen Kanal auf konventionelle Weise bespielen würden. Und man zudem auch nach Wegen suchen will, dem klassischen Radio-Format etwas entgegen zu setzen.

    Dass und wie gut das funktionieren kann, lässt sich aktuell schon am allerersten Subprojekt erfahren, mit dem outlet seit Mai auf Sendung ist:
    signal, einem Sound Art-Signal, das von Gavin Peacock und Julian Weaver betreut wird.

    ftol_g2.gifDie sympathische Arbeitsgrundlage:

    "It became clear as we developed outlet that periods of inactivity – intervals, spaces - would emerge as the channel was populated. Contrary to the traditional archival leveraging known as repeat programming, off-air muzak, teletext and test cards we invited 19 artists to create new works that specifically engage with these intervals or spaces. signal is the resulting exhibition of works that paradoxically address and inhabit this space."

    Derzeit ist es nun Ian Helliwell (treuen LeserInnen vielleicht noch über den Eintrag vom 23.05.06 zum videoex 2006 bekannt), der mit "sand and cement" auf outlet Signale ausgeben darf. Und seine Soundcollage aus diversen Gerätegeräuschen und Klangschnippseln, in die sich zwischendurch sympathische Spuren von Räuspern, Husten und Rascheln mischen, kann sich wirklich hören lassen. [Beiseit, kleiner Tipp: Wenn Stille eintritt, nicht gleich das outlet-Fensterchen schliessen. Sonst versagt man sich eben jene Erfahrung, die das Prinzip des Senders so besonders macht.]

    Ab Ende der Woche (15.06.07) ist dann übrigens als nächster der treuen LeserInnen aus mehreren Einträgen ebenfalls schon bestens bekannte Knut Aufermann an der Reihe, um Signale seines Ersatzrauschens auszugeben.

    Womit zu guter Letzt auch verraten wäre, wo dieses WRT-Juwel gefunden wurde. Denn wo schaut man nach, wenn alle in den Lesezeichen gelisteten Kunstradio-Sender versagen und/oder man mal wieder auf Entdeckungsreise nach neuen Klangkunst-Signalen gehen will? Genau: Bei KünstlerInnen, die auf diesem Feld engagiert sind.
    Was eigentlich fast immer hilft und so auch diesmal geholfen hat. Der signal-Empfang per outlet von finetuned sei hiermit jedenfalls wärmstens empfohlen.

    [Bildchen: Zeigt das sozusagen programmatisch in der Luft hängende Klangfang-Mikro von signal]

    Von miss.gunst am 11.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    09.06.07

    A Hack A Day, A Hack A Night

    ahad_bs_ksw.gifHeute muss der Tagestipp natürlich nach Zürich gehen.
    Und zwar ins Cabaret Voltaire, wo das Medienkollektiv bitnik im Rahmen ihrer Reihe "A Hack A Day" zum vierten dritten* Aktionsnachmittag lädt.

    Nach den Londoner Pixel-StreetArt-Aktivisten von C6 (siehe den Eintrag vom 14.04.07) sind diesmal aus Barcelona die Initiatoren der BURNSTATION zu Gast, über die in diesem Log.Buch ja ebenfalls schon mal berichtet wurde (lang, lang ist es her: siehe den Eintrag vom 17.02.06).

    Selbige dient bekanntlich dem hehren Zweck, Tausch und Sammlung unter copyleft lizensierter Musik zu fördern, wobei die mobile BURNSTATION darüber hinaus natürlich auch noch ihrem Namen gerecht wird - es also ermöglicht, die ausgewählten Stücke auf einen Tonträger zu bannen brennen.

    ahad_bs_g.gifDas passende Ambiente für die Zürcher Dependance auf Zeit bietet die aktuelle Ausstellung der bitniks im Cabaret Voltaire, die dort auf das kürzlich zuende gegangene Projekt "Opera Calling" (bzw. dessen Schauseite) folgt.

    Auch sie gehört wieder zu einem ganzen Aktionskomplex, dessen Titel "Download Finished" schon ahnen lässt, dass die bitniks sich damit erneut auf umkämpftes Terrain begeben.
    Anders als die erst mal auf Audio spezialisierte Burnstation geht es hier um Vilmdateien:

    Download Finished transforms and re-publishes films from P2P networks and online archives. Found footage becomes the rough material for the transformation machine, which translates the underlying data structure of the films onto the surface of the screen.

    Schauen wir uns bei Gelegenheit noch genauer an.
    Heute sollen ja vorerst ab 14:00 Uhr fleissig mithilfe der BURNSTATION Musikveilchen getauscht werden.

    Damit nicht genug, wird das Motto "A Hack A Day" zur Feier des Tages am späteren Abend auf selbigen adaptiert und als Zugabe ab 21:30 Uhr zur Party ins dock18 geladen.
    Laut Programm ist von "A Hack A Night" (ok, auf der Seite heisst es auch "A Day" - aber im Einladungsmail steht, was doch viel schöner ist, "A Night") in etwa Folgendes zu erwarten:

    "A night of noise & anger, ferocious joy & serious drinking mit Eric Bünger (.se), Bob Milosevic (.yu), Sven König (.de), Moritz Wettstein (.ch), Bit-Tuner (.ch) und DJs !Nik und La Bombe (.ch).

    Von Schizophonia über algoryhtmische Rhytmen, Scrambled Hacks,
    Errrror-Musik und lowtec analog Beats zu Miami Kiev Gangster Rave werden Musik und Bilder gehackt bis uns die Tränen kommen. Willkommen zu einer Nacht voller Lärm, Wut, Freude und Getränken!"

    Wenn das nicht lecker klingt! Da packt man doch gleich sein Hackebeilchen und eilt in Richtung Nacht...

    * Was die Zahlen angeht: Die Ankündigung sagt dieses, die Ziffer auf dem Flyer jenes. Das Medium, weiland nun wirklich nicht in der Laune, nochmals nachzurechnen, meint: Ist ja eh das Programm per se, das zählt.

    Von miss.gunst am 09.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    08.06.07

    Neue Interfaces, neue Instrumente

    nini_ksw.gifLappt fast schon ein bisschen ins Redundante, diese Überschrift: Selbst akustische Instrumente könnte man ja ganz träumerisch als Interfaces bezeichen. "Human-Soundscape"-Interfaces sozusagen.
    Elektroakustische und erst recht elektronische Musikinstrumente jedenfalls sind nachgerade zwangsläufig welche bzw. müssen mit Schnittstellen ausgestattet sein, die eine Kommunikation mit einer Apparatur, einem Gerät, einem System gestatten.

    nini_g1k.gifUnd weil diese Kommunikation eine spannende, mitunter auch schwierige, in jedem Fall aber für das Musizieren zentrale Angelegenheit ist, macht es Sinn, sich nicht nur mit dem Gegebenen zu begnügen.

    Kaum wird daher seit je und allenhalben an besagten Schnittstellen gebastelt. Unter anderem ja auch im Rahmen von HOME MADE und seinen diversen Laboratorien.

    In New York findet nun gerade die siebte Ausgabe einer Konferenz statt, die sich genau diesem Forschungsfeld verschrieben hat und dementsprechend viele einschlägig aktive KünstlerInnen versammelt: The Seventh International Conference on New Interfaces for Musical Expression, kurz: NIME 2007.

    Einen Live-Stream zum Reinspitzen auch aus der Ferne gibts leider nicht und mit Links zu den TeilnehmerInnen und ihren Projekten wartet das reich bestückte Programm bedauerlicherweise ebenso wenig auf.

    nini_g2k.gifWer neugierig ist, muss sich also selbst durch die ziemlich karg gehaltenen Informationen zu den gelisteten Paper- und Poster-Sessions, Workshops und Konzertveranstaltungen sowie zur begleitenden Ausstellung mit Installationen wühlen.

    Nunja, stünde da mehr Beitext und wär das alles direkt per Anker mit den Heimseiten der beteiligten KünstlerInnen vernetzt, hätte man als auf neue Interfaces bzw. Instrumente neugierige NichtteilnehmerIn halt auch nur halb so viel Spass an jener Entdeckerfreude, die schliesslich nur über eigene Recherchen zu haben ist.

    nini_g3k.gifSchon wenige Ausflüge in entsprechende Gefilde erbrachten seit Kenntnisnahme der Ankündigung denn auch gleich fuderweise Material, das jeweils einen eigenen Eintrag im Zettelkästchen verdient.
    Weshalb wir es für heute, zudem ganz in obigen Sinne, erst mal beim allgemeinen Hinweis auf diese Veranstaltung und die zugehörige Vereinigung belassen wollen.
    Sowie einem freundschaftlichen Wink in Richtung der HOME MADE-Veteranen von rosen + spademan, die mit ihrer Instant City (ist schliesslich auch so ein Interface-Instrument) verdientermassen bei den Installationen vertreten sind - und einem Merci an die beiden für den Hinweis überhaupt.

    [Bildchen: Nicht grad ein neues Interface für musikalische Expression bzw. Expressivität. Soll lediglich demonstrieren, dass es die Tasten an Geräten, die zur synthetischen Klaviermusikgeneration taugen, nicht nur für erstere braucht. Schliesslich will Mensch ja auch die Technik begreifen, die er (oder sie) zum Musizieren benutzt! Danke für Knöpfe und Tasten an Caseman, fürs Klavier an Arent, für den Boxhamster an Käyttäjä - und für alles wie so oft den Wikipedia Commons und dem grossen GNU]

    Von miss.gunst am 08.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    06.06.07

    regenbogenkriegerInnen

    crrw_ksw2.gifWerden längst als Pop-Act weitergereicht und spielen in ausverkauften Hallen. Haben sich aber trotzdem im Radar von HOME MADE verfangen. Nicht nur, weil sie bekanntlich gern mit Spielzeuginstrumenten musizieren.
    Denn selbst auf der aktuellen Tour, mit der sie ihr mittlerweile drittes Album präsentieren, weht noch eine gute Portion DIY-Spirit über die Bühne: CocoRosie, weiland als RegenbogenkriegerInnen unterwegs.

    Was genau "Rainbowarriors" sind, verrät zwar weder das gleichnamige Stück, das als programmatischer Auftakt zu ihrem jüngsten musikalischen Abenteuer, "The Adventures of Ghosthorse and Stillborn" fungiert.

    Noch auch liesse sich behaupten, dass die beiden selbst eine erschöpfende Antwort auf diese Frage geben würden. Wobei das Zitat, das ihr Label Touch and Go Records hierzu bereit hält, bei aller CocoRosie-typisch kryptischen Poesie durchaus schon ein wenig weiterhelfen kann:

    "Rainbowarriors are on a crusade for the kind of drug-free America where the elected officials are tranny shaman and the religious leaders are winged evangelists who speak in tongues of Happy Core. [...] They hear disharmonies of sadness sung by drunken glowworms. They sleep in swollen barns; they sleep through silver nights. [...] Rainbowarriors live by the hero myth; Rainbowarriors ain’t nothin’ to fuck with."

    crrw_g.gifAnsonsten lassen sich die Assoziationen ebenso in Richtung OZ schicken wie in jene verzauberten Gefilde, wo sonst gern Regenbogenfahnen wehen. Schliesslich spielen die Sistaz Casady nicht nur mit den Geschlechterrollen und zählen die New Yorker Queer Folk-Szene zum erweiterten Familienkreis, sondern funkeln durchaus auch mit ihrem eigenen Label VODOO EROS entsprechenden Farben.

    Wie auch immer. Viel interessanter als das beliebte Rästelraten darum, welches Schächtelchen denn das passende sein könnte, ist doch allemal zu schauen, wie sich die beiden musikalisch weiterentwickelt haben. Mehr oder weniger erwartungsgemäss wurden seitens der Presse fuderweise Rosen auf den Weg der aktuellen Europatournee gestreut - aber man möchte es natürlich gerne selber wissen. Und zwar idealerweise nicht nur vom Tonträger, sondern auch live.

    Wie das war? Nun: Anders als zum ziemlich umjubelten Berliner Konzert fehlte beim gestrigen Auftritt im Frankfurter Mousonturm leider schon einmal Bunny Rabbit (mal reinlauschen? geht hier bei VOODOO EROS. Statt dessen zupfte eine blutjunge Bardin an den Seiten ihrer Akustik-Gitarre und trug mit eher zartem Stimmchen traurige Weisen vor. Verfrühten Fluchtgedanken konnte nur dadurch Einhalt geboten werden, dass sie sich nach gefühlten Stunden erfreulich wenigen Stücken durch die Human Beatbox TEZ ablösen liess. Deren Performance neigte zwar ein wenig zu Längen, aber Talent ist Talent - was offenbar auch CocoRosie so sehen, denn später konnte man TEZ dann als vollwertigem Schlagwerkersatz für den Hauptakt des Abends wiederbegegnen.

    Und der? Hachja. Nunja. Im Prinzip hätte das ja tatsächlich ein wunderbares Konzert werden oder sein können. Wie man im Grunde ja schon vom Tonträger wusste, sind unter den neuen Stücken mehrere echte Herzensbrecher - und zwar gerade weil Coco/Bianca dabei auch mal mehr in Richtung HipHop experimentiert. Sonst ja eigentlich alles andere als des braven Mediums favorisierte Gattung; sagen wirs doch einfach mal so: Es ist schlicht die Mischung/Brechung. Wie es eigentlich überhaupt und seit je der Beitrag eben dieser Dame ist, der aus dem Süppchen eine richtig fette gute leckere Suppe macht.

    Allein: Die Stimmung oben auf der Bühne schien doch ein wenig seltsam und befremdlich - und mit CocoRosie-Feerie hatte das nun wirklich nichts zu tun. Selbst "disharmonies of sadness sung by drunken glowworms" dürften wohl noch mehr Frohsinn und Harmonie der Glühwürmchen untereinander vermitteln. Diese betrübliche Beobachtung weiters zu interpretieren steht hier weder an noch sonstwie zu berechtigter Debatte. Aber ein dickes Stück vom prinzipiellen Glück eines Abends in CocoRosieland bröselte da doch in Richtung von verhextem Wasser überschwemmten Sumpflands weg. Sehr schade das.

    crrw_g3.gifHoffen wir daher mal das Beste - also dass es sich nur um ein mitteldeutsches Tief handelte und nicht um eine veritable Cumulonimbuswolkendecke, die sich da über den Häuptern zusammengebraut hat. Und empfehlen allein schon zur Überprüfung grad umso wärmer, morgen Abend (08.06.07.) im Moods selbst zu testen, wie es aussieht mit der aktuellen Witterung.
    [So man dazu in der Lage ist, also schon eine Karte hat - denn natürlich ist auch dieses Konzert bereits ausverkauft.]

    Und wenn nicht? Tja. Hilft es vielleicht, tapfer und laut die Hymne der Rainbowarriors mitzusingen (wer den Tonträger noch nicht hat, findet sie auch hier; den Text dazu gibts im für Getreue eh unverzichtbaren Hairnet Paradise):

    "If you look hard you can find a Rainbow trail / it’s deep inside ya Goldenlight / on everything gleaming..."

    [... und dann bitte alle, den Refrain mindestens gefühlt da capo al infinito ...]
    "We are rainbowarriors / Evil come not near / Rainbow love awaits us /
    With hearts of love and tearz"

    [Bildchen: In obigem Sinne seien den RegenbogenkriegerInnen mal ein paar heitere Schnurrbartschwalben mit auf den Weg gegeben (und siehe: sie fliegen hoch, es wird also keinen Gewitterregen geben). Eigentlich mögen wir ja auch trunkene Glühwürmchen - haben die ihre Trübsal sicherheitshalber aber auf der anderen Seite des Regenbogens blasen lassen.]

    Von miss.gunst am 06.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    05.06.07

    filmfront(al)

    flmfrt_ksw.gifDas Stichwort "Kino" bietet eine gute Gelegenheit, noch einen weiteren Eintrag aus dem Überhang der Kulturbeutelkollekte nachzureichen, der sich in den vergangenen Wochen gebildet hat.
    In diesem Fall zu einer Ausstellung mit Filmprogramm, die leider nur zweieinhalb Tage währte - aber unbedingt in den Zettelkasten muss: FILMFRONT(AL).

    Leider zeitgleich zum Zürcher Tweakfest und zu den letzen drei Tagen Videoex hatte nämlich die Kunsthalle Basel die Tore geöffnet, um mit derart geballter Präsenz die gleichnamige Vereinigung Filmschaffender und das von dieser herausgegebenen Magazin zu feiern.

    flmfrt_g.gifZehn Jahre lang - von 1978 bis 1988 - stand die FILMFRONT für ein künstlerisches, experimentelles und politisches Filmschaffen ein; schaute durchs Kamera-Auge und erforschte die filmische Wahrnehmung, interessierte sich für ein Kino jenseits des Mainstreams, für Film als Kunst und Handwerk jenseits der Konventionen, knüpfte internationale Netzwerke und behielt dabei das Lokale im Blick.

    Silke Baumann, Kuratorin an der Kunsthalle, hatte sich nun zusammen mit einigen Beteiligten in die Archive begeben, mittlerweile in diverse Himmelsrichtungen verstreute ehemalige Beteiligte kontaktiert, um von ihnen Arbeiten zu erhalten und auf dieser Basis ein mehrteiliges Filmprogramm zusammengestellt.

    Gezeigt wurde letzteres dann im Form thematischer Programme, deren Schwerpunkte vom Strukturellen Film bis zum Politischen Aktivismus reichten; jeweils mit einem Vortrag eingeführt und teilweise - wie man hier sieht - neuvertont. (Gut, zugegeben: Das war ein Special zur Eröffnung, zu der David Pfluger Richard Buchers auf Super-8 gebannte Dokumentation der Basler Hausabrisse zwischen 1975 und 1978 zünftig am Schlagzeug begleitete).

    Dazu kam dann noch die Ausstellung, die nicht nur per Auslage das komplette Jahrgangsarchiv der FILMFRONT zugänglich machte, sondern auch eine Auswahl von Filmen auf Monitoren zeigte. Mit Blick auf deren Ausgangsmaterial - eben Super-8 und 16 mm - und dessen Materialästhetik, die ja nun gerade im Experimentalfilm eine zentrale Rolle spielt, mag das zwar ziemlich schräg wirken. War aber wohl der Preis, der aus konservatorischen Gründen gezahlt werden musste. Nun, immerhin gabs wohl in einigen Fällen die Möglichkeit zum Vergleich.

    Mit von der Partie in Aussttellung und Programm: Urs Berger, Ruedi Bind, Marcel Stüssi, Matthias Bosshart, Richard Bucher, Kilian Dellers, Claude Gaçon, André Lehmann, Reinhard Manz, Ueli Meyer, Verena Moser, Werner von Mutzenbecher, Balz Raz, Werner Suter, Urs Breitenstein, Paul Müller und Arc Trionfini.

    flmfrt_g2.gif[Beiseit bemerkt, und ganz sicher soll das keine Schmälerung der Würdigungsperspektive sein - aber der Zwang zum Nachrechnen war grad einfach da: Mindestens dieser FILMFRONT mangelt es doch deutlich an Ausgewogenheit im Verhältnis der Geschlechter. Da war man möglicherweise doch ein wenig konservativ bis konventionell...]

    Last but not least vielleicht auch für diejenigen, die ebenfalls nicht dabei sein konnten die Empfehlung: Das pdf der Programmübersicht holen, so lange es noch erhältlich ist (genau: dieses liegt beim Stadtkino Basel - während die entsprechende Seite der Kunsthalle schon wieder verschwunden bzw. ausgetauscht worden ist). Ist schon mal ein gutes Datenblatt fürs Archiv.

    Noch viel schöner wäre es natürlich, würde der gesamte FILMFRONT-Schatz einmal digitalisiert und online gestellt. Oh nein - bitte nicht die Filme, jedenfalls nicht als hurschelige Clips ins Web (oder wenn dann nur in würdiger Umgebung, also beim ubuweb Vilm).
    Hingegen, selbst wenn pdf Papier nicht ersetzen kann (und wahrscheinlich auch nicht so lange lebt): Die Zeitschrift im Netz, mit allen ihren wichtigten Texten und Dokumenten - das wäre doch mal ein Projekt, oder nicht?

    [Bildchen: FILMFRONT(AL) total - und dafür vielen Dank an Silke Baumann, die Kunsthalle Basel, sowie natürlich die FILMFRONT selbst.]

    Von miss.gunst am 05.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    04.06.07

    DIY grosses kino ff.

    smidak_ksw.gifA propos Berlin, da hätten wir noch was. Vielleicht den nächsten netten DIY-Trend. In jedem Fall aber eine ziemlich muntere Idee für die kurzweilige Freizeitgestaltung, die sich zudem prima an die hier bereits mehrfach freudig notierte Pflege des Volkssports Kino-Karaoke anschliesst, zu dessen öffentlicher Ausübung beispielsweise das Total Recall-Festival regelässig einlädt.

    Vergangenen Freitag fand in der deutschen Hauptstadt nun eine Veranstaltung statt, die weniger auf verbale Narration denn auf szenisches Nacherleben setzt, um grosses Kino zum Leben zu erwecken:

    smidak_g1.gifDie "Freunde der audiovisuellen Sozialisation" luden zum "remake: movieoke world championship" ein.

    Bei dieser Form des Kino-Karaoke geht es darum, ausgewählte Spielfilmszenen auf möglichst überzeugende und ergreifende Weise nachzustellen. Die Pflichtübungen werden dabei vorgegeben - wer jedoch die Herzen von Jury und Publikum wirklich für sich gewinnen will, legt selbstredend auch Wert auf einen gelungene Kür, für welche die Szenen dann frei gewählt werden können.

    Wie es war? Nun, wir waren nicht dabei. Haben aber schon mal zwei eigens engagierte Protagonisten fleissig üben lassen. An einer der Schlüsselszenen eines echten Klassikers natürlich.
    Welchem? Also bitte, wenn man das nicht sofort sieht...

    [Bildchen: Zeigt besagte Schlüsselszene. Nein, die aus dem Film mit dem haarigen Affen und der blonden Frau ist natürlich nicht gemeint! Dramatische Liebesszene stimmt allerdings schon mal. Also wenn es wirklich noch eine Hilfestellung braucht: Mal wirklich hinschauen bitte, zumal das in diesem Fall auch im Sinne der Handlung ist. S.a. den Zoom oben links. Noch immer keine Idee? Herrjeh. Dann werden die beiden wohl so schnell keinen Preis gewinnen.]

    Von miss.gunst am 04.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    03.06.07

    ohrkan

    okwt_ksw.gifZur Abwechslung mal ganz was anderes - nämlich ein waschechter Familienausflugs-Tagestipp zum schönen Sonntag.
    Und zwar nach Winterthur, wo Musikschule und Konservatorium zum Tanz Ohrkan bitten.

    Noch bis 19:00 Uhr kann man vor Ort auf dem Musikschulareal allerlei Erkundungen "anders artige(r) Klänge für unerhörte Kinder und Erwachsene" untehmen, so verspricht es jedenfalls der durchaus programmatisch tönende Untertitel der Veranstaltung.

    Die Weltpremiere der Muziek Fabriek - einer Gemeinschaftsproduktion des musikkollegium Winterthur, der belgischen Zonzo Compagnie (Ausrichter eines gleichnamigen Kindermusikfestivals) und des Antwerpener Muziektheater Transparent - ist zur Stunde zwar leider schon Vergangenheit.

    okwt_g.gifAber wärmstens empfehlen lässt sich nach wie vor (und aus HOME MADE-Perspektive sowieso vor allem anderen), in "Pandora's Kabinett", nämlich bei den Installationen in der Reinhart-Villa vorbeizuschauen.

    Neben "Instant City" von Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth a.k.a. rosen + spademan, die HOME MADE-EnthusiastInnen natürlich nicht mehr vorgestellt werden müssen, ist dort auch der Basler Martin Müller mit seiner "Maschinenkunst" vertreten (brauchts einen Appetithappen? Bitte, hier hat es Bilder seiner Kreationen - Klänge aber dann eben nur vor Ort ;)).

    Alles weitere Wissenswerte wie eine kleine Karte sowie das vollständige Ohrkan-Programm gibt es praktischerweise auch als in druckerfreundlich zarten Farben gehaltene pdf-Übersicht. Und ansonsten sollte man sich wohl besser hurtig auf den Weg machen, denn sonst ist der Nachmittag vorbei...

    Merci an Bille und Daniel für den Tipp!

    Von miss.gunst am 03.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    02.06.07

    tönende typo

    tbm07_ksw.gifDa wir grad in Berlin waren - virtuell mit dem gestrigen Eintrag, aber eben kürzlich auch vor Ort - lässt sich gleich noch etwas aus dem Exkursionskulturbeutel schütteln: Nämlich zur TYPO Berlin, die sich in diesem Jahr ja speziell dem Thema Musik verschrieben hatte.
    Kommt für eine Berichterstattung zwar denkbar spät. Aber dafür ist auch etwas nahrhaftes für die Daheimgebliebenen dabei.

    Gleich vorab: Das soll und kann sowieso kein erschöpfender Abriss über die Veranstaltung als solche werden.* Eigentlicher Anlass der eigenen Exkursion war nämlich eine ganz andere Konferenz, weshalb wir bei der TYPO leider nur hineinfensterln konnten.
    Und zudem ist das Medium ja auch nicht vom Fach, was die hohe Kunst der Schriftgestaltung betrifft.

    tbm07_g2d.gifMit Medien und Musik schaut das an sich schon ein bisschen anders aus - weshalb sich allerdings beim ersten Überfliegen des Programms durchaus eine gewisse Skepsis einstellte. Dass es da keine Ausflüge in historische Gefilde wie zu Schwitters (lesenswerter Text zum Thema von Kevin Cocannon und Sound dazu bei ubu) oder in die Lautpoesie, den Avantgardefilm oder zu Künstlerschallplatten(-Covern) gab: Geschenkt. Eine TYPO ist ja kein Kunstfestival.
    [Mehr in den nicht vorhandenen Bart gemurmelt: Nun, die eine oder andere Brücke hätte sich sicher schlagen lassen, gerade aus zeitgenössischer Perspektive. Und von dort hätten sich sicher nochmals ganz andere Aktive fürs Line-Up der abendlichen TYPOsounds gewinnen lassen (was nicht heisst, dass das Gebuchte - u.a. mit Meek FM, Wolfraam und Frank Popp - etwa schlecht gewesen wäre). Aber das nur beiseit und auf dünnen Planken - denn möglicherweise gabs dazu auch einiges in den unzähligen Veranstaltungen der drei TYPO-Tage, das nicht vorweg in dicken Lettern im Programm bzw. den Abstracts zu dessen Punkten vorweg so explizit ausformuliert war.]

    Vor Ort nämlich und von nahem betrachtet stellte sich schnell ein ziemlich guter Eindruck von der ganzen Sache ein.
    Mittendrin war man quasi schon lange vor Betreten der per se schon mal prächtigen Lokation, dem feschesten Ost-Futurismus ausstrahlenden Berliner Congress Center (Anfang der 1960er, der Zukunft zugewandt, als "Haus des Lehrers" erbaut - es schaut auch drinnen wirklich grossartig aus): Insofern spätestens ab Alexanderplatz überall geschäftige Menschen herumwuselten, die aus gutem Grund höchst freiwillig Werbung für die Veranstaltung machten.

    tbm07_g1.gifDas besondere Gimmick zum sowieso sehr leckeren Corporate Design war nämlich eine wirklich schicke Schultertasche, die mindstens am Donnerstag auch definitiv von allen getragen wurde. Kurzum: Grünes Gezwitscher wohin das Auge blickte.
    Drinnen dann natürlich sowieso - aber da ist ganz sicher auch die nachgerade frappierend gute Stimmung erwähnenswert, die über dem Gewusel im Entree und an den Ständen ebenso lag wie hernach drinnen bei den Veranstaltungen. Erinnerte eher an ein Outdoor-Festival als an eine Konferenz (nur eben ohne Schlamm und so). Wirklich ziemlich beeindruckend, zumal wenn man eher erwartetet hatte, vor versammelter Coolness ins Frösteln zu geraten.

    Ergo war es dann um so bedauerlicher, dass es nur für besagte Stippvisite reichen konnte. Zumal sich auch die beiden Nachmittagsvorträge, auf welche zielstrebig die Wahl gefallen war, als echte Highlights entpuppten.

    Schon vom Stoff her konkurrenzlos grossartig war Piet Schreuders' im Programm unter dem unverdächtigen Titel "Typographie und Musik" laufender Ausflug in die wunderbare Welt der Filmmusik zu den Slapstick-Klassikern von und mit Laurel und Hardy (bzw. "Dick & Doof"; wobei Schreuders sehr zu recht gleich eingangs demonstrierte, dass die deutschen Fassungen eben auch mit einer anderen musikalischen Untermalung verbreitet wurden). Als Fan derselben hatte sich der Designer nämlich auf eine jahre- bzw. jahrzehntelange Recherche-Odyssee nach den Original-Partituren von Leroy Shield begeben, deren ebenso kurzweilige wie charmante Schilderung (wenngleich die Typographie der zugehörigen Cover für die damals eigens für die inspielungen gegründeten The Beau Hunks dabei eher eine Nebenrolle spielte) in jeglicher Hinsicht mitreissen musste.

    pnmt_gk.gifNicht weniger sympathisch hatte zuvor mo. Sauer von phlow.net seinen Beitrag zu Netzlabels kredenzt. Inhaltlich gab es da zwar - mindestens für das brave Medium - so viel Neues nicht zu erfahren. Aber zum einen hatte sich Sauer hierfür ein sehr nettes Format überlegt, indem er die Reise durch die Netzlabelszene, unterstützt von einer Assistentin aus dem Publikum, mit einem Live-Mix untermalen liess. Und zum anderen kann man die Kernaussagen seines Beitrags - dessen Leitfaden natürlich nicht einfach nur ein Das-alles-gibt-es-also, sondern die visuelle Gestaltung von Netzlabelseiten und EP-Covern war - wirklich nur unterstreichen.

    Erstens: Anders als materielle Tonträger mögen EPs vielleicht nicht auf ein Cover angewiesen sein. Aber das entsprechend kulturell trainierte Auge hört doch trotzdem immer ein bissl mit, oder? Also, liebe DesignerInnen, entdeckt euer Herz für die Netzlabelszene.
    Zweitens: Bekanntlich werden viele (um nicht zu sagen: derzeit noch die meisten) Netzlabelpublikationen unter CC lizensiert. Wäre doch wunderbar, wenn sich dazu dann auch die entsprechend engagierten GestalterInnen hinreissen liessen.

    Um gleich mal mit gutem Beispiel voranzuschreiten, hat Sauer nicht nur eine Doku zu seinem Vortrag ins Netz gestellt, sondern präsentierte schon vor Ort die zugehörige EP-Kompilation - das wirklich wunderschöne Cover dazu stammt von seiner Freundin Jeannette Corneille.

    Soweit die auszugsweise Summe aus dem auch sonst und insgesamt eben sehr leckeren und sympathischen TYPO-Tag; gleich den Vorsatz gefasst: Nächstes Jahr wieder und dann unbedingt mit mehr Zeit.

    * Mehr zur TYPO:
    - Videodokumentationen zahlreicher Programmpunkte, einschliesslich der beiden Vorträge von Sauer und Schreuders, gibts im typovideo-Blog
    - Berichte im fontblog, der zur Fontshop AG gehört, die auch die TYPO veranstaltet
    - Bilder bei flickr (mehr als vierhundert mittlerweile, *ächz*)
    - Reviews zum ersten, zum zweiten und zum dritten Tag im news-Blog der De:Bug.

    [Bildchen: Das eine sicher selbsterklärend, dh das herzerzwitschernde Logo der TYPO; die freie Fläche rechts könnte theoretisch noch das nicht minder attraktive Cover des Programms aufnehmen. Aber da fragen wir doch besser nochmal nach, bevor es noch Ärger in Sachen Copyrights gibt. Besonders grosses Merci geht in jedem Fall nicht nur an mo. Sauer fürs mp3-Mixtape, sondern vor allem bzw. anderen an Jeanette Corneille für ihr Ja-Wort zur Wiedergabe des schönsten EP-Covers ever!]

    Von miss.gunst am 02.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

    01.06.07

    radio territories im ballhaus naunyn

    rtbn_ksw.gifSchon länger nicht mehr Richtung Berlin gewunken. Dabei stehen eigentlich sogar noch Berichte aus. Erst mal aber muss eine tagesaktuelle Empfehlung weitergereicht werden: Wer vor Ort weilt, sollte sich heute Abend unbedingt ins Ballhaus Naunyn begeben.

    Dort laden nämlich Derek Holzer, Jason Kahn und Brandon LaBelle zu einer Audio-Tour ein. Anzunehmen, dass alle drei wohl nicht nur treuen LeserInnen dieses Log.Buchs alles andere als unbekannt sind. Gleichwohl dürfte ihre aktuelle Kooperation, bei der es um eine radiophone Bespielung des Ballhauses gehen soll, schon etwas ganz Besonderes werden.

    rtbn_g1.gifZwar liest sich die Ankündigung der Veranstaltung (gibts als pdf im Programmkalender) teilweise etwas wirr; aber alles in allem tönt es doch sehr vielversprechend, wenn da geschrieben steht:

    "Mit dem Potential geheimer Streuungsinformationen jenseits legaler Grenzen, die den Äther mit flüchtigen Sounds füllen, wird Radio im Kern das bleiben, was wir mit Kommunikation durch Stromkreise meinen. Inspiriert durch radiophone Exzesse und marginale Handlungen werden die Soundkünstler eine performative Installation kreieren, in der sie mit und um das Radio arbeiten und mit dessen medialer Ästhetik."

    Warum das Ganze unter der Überschrift "Radio Territories" steht, wird allerdings nicht verraten. Allein um vage Assoziationen zur Besetzung akustischer Räume sollte es jedenfalls nicht gehen, denn im Programm wird auch mit einem Anker auf das gleichnamige Projekt gewunken, das seinerseits zum radia fm-Netzwerk gehört - das uns seinerseits aus guten Gründen ja schon häufiger mal in den Radar gegangen ist.

    Ob das wohl heisst, dass wir früher oder später im radia-Programm bzw. den entsprechenden Archiven nach einer Sendung auslugen dürfen? Was natürlich phantastisch wäre für alle, die keine Chance haben, diesem Abend im Ballhaus beizuwohnen. Nur: Ob und wie sich dann eine radiophone Raumintervention über vier Stunden (nämlich von 19:00 bis 23:00) und wohl auch an verschiedenen Orten des Gebäudes in ein schnödes Streaming bannen lässt? Aber was hilfts, zumal aus der Ferne: Hoffen wir einfach auf was auch immer und halten den Radar auf Empfang...

    [Bildchen: Der Dank für das Basismaterial, aus dem das aurale Territorium inklusive Besetzung geformt wurde, geht wie oft an die Wikipedia Commons und diesmal ganz konkret an David Bebennick, der in diese sein Foto eines linken menschlichen Ohrs einspeiste. Und wie von ihm gewünscht, wird auch das Ergebnis der Transformation unter cc-by-sa-2.0 lizensiert.]

    Von miss.gunst am 01.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)