« filmfront(al) | Hauptseite | Neue Interfaces, neue Instrumente »
06.06.07
regenbogenkriegerInnen
Werden längst als Pop-Act weitergereicht und spielen in ausverkauften Hallen. Haben sich aber trotzdem im Radar von HOME MADE verfangen. Nicht nur, weil sie bekanntlich gern mit Spielzeuginstrumenten musizieren.
Denn selbst auf der aktuellen Tour, mit der sie ihr mittlerweile drittes Album präsentieren, weht noch eine gute Portion DIY-Spirit über die Bühne: CocoRosie, weiland als RegenbogenkriegerInnen unterwegs.
Was genau "Rainbowarriors" sind, verrät zwar weder das gleichnamige Stück, das als programmatischer Auftakt zu ihrem jüngsten musikalischen Abenteuer, "The Adventures of Ghosthorse and Stillborn" fungiert.
Noch auch liesse sich behaupten, dass die beiden selbst eine erschöpfende Antwort auf diese Frage geben würden. Wobei das Zitat, das ihr Label Touch and Go Records hierzu bereit hält, bei aller CocoRosie-typisch kryptischen Poesie durchaus schon ein wenig weiterhelfen kann:
"Rainbowarriors are on a crusade for the kind of drug-free America where the elected officials are tranny shaman and the religious leaders are winged evangelists who speak in tongues of Happy Core. [...] They hear disharmonies of sadness sung by drunken glowworms. They sleep in swollen barns; they sleep through silver nights. [...] Rainbowarriors live by the hero myth; Rainbowarriors ain’t nothin’ to fuck with."
Ansonsten lassen sich die Assoziationen ebenso in Richtung OZ schicken wie in jene verzauberten Gefilde, wo sonst gern Regenbogenfahnen wehen. Schliesslich spielen die Sistaz Casady nicht nur mit den Geschlechterrollen und zählen die New Yorker Queer Folk-Szene zum erweiterten Familienkreis, sondern funkeln durchaus auch mit ihrem eigenen Label VODOO EROS entsprechenden Farben.
Wie auch immer. Viel interessanter als das beliebte Rästelraten darum, welches Schächtelchen denn das passende sein könnte, ist doch allemal zu schauen, wie sich die beiden musikalisch weiterentwickelt haben. Mehr oder weniger erwartungsgemäss wurden seitens der Presse fuderweise Rosen auf den Weg der aktuellen Europatournee gestreut - aber man möchte es natürlich gerne selber wissen. Und zwar idealerweise nicht nur vom Tonträger, sondern auch live.
Wie das war? Nun: Anders als zum ziemlich umjubelten Berliner Konzert fehlte beim gestrigen Auftritt im Frankfurter Mousonturm leider schon einmal Bunny Rabbit (mal reinlauschen? geht hier bei VOODOO EROS. Statt dessen zupfte eine blutjunge Bardin an den Seiten ihrer Akustik-Gitarre und trug mit eher zartem Stimmchen traurige Weisen vor. Verfrühten Fluchtgedanken konnte nur dadurch Einhalt geboten werden, dass sie sich nach gefühlten Stunden erfreulich wenigen Stücken durch die Human Beatbox TEZ ablösen liess. Deren Performance neigte zwar ein wenig zu Längen, aber Talent ist Talent - was offenbar auch CocoRosie so sehen, denn später konnte man TEZ dann als vollwertigem Schlagwerkersatz für den Hauptakt des Abends wiederbegegnen.
Und der? Hachja. Nunja. Im Prinzip hätte das ja tatsächlich ein wunderbares Konzert werden oder sein können. Wie man im Grunde ja schon vom Tonträger wusste, sind unter den neuen Stücken mehrere echte Herzensbrecher - und zwar gerade weil Coco/Bianca dabei auch mal mehr in Richtung HipHop experimentiert. Sonst ja eigentlich alles andere als des braven Mediums favorisierte Gattung; sagen wirs doch einfach mal so: Es ist schlicht die Mischung/Brechung. Wie es eigentlich überhaupt und seit je der Beitrag eben dieser Dame ist, der aus dem Süppchen eine richtig fette gute leckere Suppe macht.
Allein: Die Stimmung oben auf der Bühne schien doch ein wenig seltsam und befremdlich - und mit CocoRosie-Feerie hatte das nun wirklich nichts zu tun. Selbst "disharmonies of sadness sung by drunken glowworms" dürften wohl noch mehr Frohsinn und Harmonie der Glühwürmchen untereinander vermitteln. Diese betrübliche Beobachtung weiters zu interpretieren steht hier weder an noch sonstwie zu berechtigter Debatte. Aber ein dickes Stück vom prinzipiellen Glück eines Abends in CocoRosieland bröselte da doch in Richtung von verhextem Wasser überschwemmten Sumpflands weg. Sehr schade das.
Hoffen wir daher mal das Beste - also dass es sich nur um ein mitteldeutsches Tief handelte und nicht um eine veritable Cumulonimbuswolkendecke, die sich da über den Häuptern zusammengebraut hat. Und empfehlen allein schon zur Überprüfung grad umso wärmer, morgen Abend (08.06.07.) im Moods selbst zu testen, wie es aussieht mit der aktuellen Witterung.
[So man dazu in der Lage ist, also schon eine Karte hat - denn natürlich ist auch dieses Konzert bereits ausverkauft.]
Und wenn nicht? Tja. Hilft es vielleicht, tapfer und laut die Hymne der Rainbowarriors mitzusingen (wer den Tonträger noch nicht hat, findet sie auch hier; den Text dazu gibts im für Getreue eh unverzichtbaren Hairnet Paradise):
"If you look hard you can find a Rainbow trail / it’s deep inside ya Goldenlight / on everything gleaming..."
[... und dann bitte alle, den Refrain mindestens gefühlt da capo al infinito ...]
"We are rainbowarriors / Evil come not near / Rainbow love awaits us /
With hearts of love and tearz"
[Bildchen: In obigem Sinne seien den RegenbogenkriegerInnen mal ein paar heitere Schnurrbartschwalben mit auf den Weg gegeben (und siehe: sie fliegen hoch, es wird also keinen Gewitterregen geben). Eigentlich mögen wir ja auch trunkene Glühwürmchen - haben die ihre Trübsal sicherheitshalber aber auf der anderen Seite des Regenbogens blasen lassen.]
Von miss.gunst am 06.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)
Kommentare
Kommentieren:
Thanks for signing in, . Now you can comment. (sign out)
(If you haven't left a comment here before, you may need to be approved by the site owner before your comment will appear. Until then, it won't appear on the entry. Thanks for waiting.)