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02.06.07

tönende typo

tbm07_ksw.gifDa wir grad in Berlin waren - virtuell mit dem gestrigen Eintrag, aber eben kürzlich auch vor Ort - lässt sich gleich noch etwas aus dem Exkursionskulturbeutel schütteln: Nämlich zur TYPO Berlin, die sich in diesem Jahr ja speziell dem Thema Musik verschrieben hatte.
Kommt für eine Berichterstattung zwar denkbar spät. Aber dafür ist auch etwas nahrhaftes für die Daheimgebliebenen dabei.

Gleich vorab: Das soll und kann sowieso kein erschöpfender Abriss über die Veranstaltung als solche werden.* Eigentlicher Anlass der eigenen Exkursion war nämlich eine ganz andere Konferenz, weshalb wir bei der TYPO leider nur hineinfensterln konnten.
Und zudem ist das Medium ja auch nicht vom Fach, was die hohe Kunst der Schriftgestaltung betrifft.

tbm07_g2d.gifMit Medien und Musik schaut das an sich schon ein bisschen anders aus - weshalb sich allerdings beim ersten Überfliegen des Programms durchaus eine gewisse Skepsis einstellte. Dass es da keine Ausflüge in historische Gefilde wie zu Schwitters (lesenswerter Text zum Thema von Kevin Cocannon und Sound dazu bei ubu) oder in die Lautpoesie, den Avantgardefilm oder zu Künstlerschallplatten(-Covern) gab: Geschenkt. Eine TYPO ist ja kein Kunstfestival.
[Mehr in den nicht vorhandenen Bart gemurmelt: Nun, die eine oder andere Brücke hätte sich sicher schlagen lassen, gerade aus zeitgenössischer Perspektive. Und von dort hätten sich sicher nochmals ganz andere Aktive fürs Line-Up der abendlichen TYPOsounds gewinnen lassen (was nicht heisst, dass das Gebuchte - u.a. mit Meek FM, Wolfraam und Frank Popp - etwa schlecht gewesen wäre). Aber das nur beiseit und auf dünnen Planken - denn möglicherweise gabs dazu auch einiges in den unzähligen Veranstaltungen der drei TYPO-Tage, das nicht vorweg in dicken Lettern im Programm bzw. den Abstracts zu dessen Punkten vorweg so explizit ausformuliert war.]

Vor Ort nämlich und von nahem betrachtet stellte sich schnell ein ziemlich guter Eindruck von der ganzen Sache ein.
Mittendrin war man quasi schon lange vor Betreten der per se schon mal prächtigen Lokation, dem feschesten Ost-Futurismus ausstrahlenden Berliner Congress Center (Anfang der 1960er, der Zukunft zugewandt, als "Haus des Lehrers" erbaut - es schaut auch drinnen wirklich grossartig aus): Insofern spätestens ab Alexanderplatz überall geschäftige Menschen herumwuselten, die aus gutem Grund höchst freiwillig Werbung für die Veranstaltung machten.

tbm07_g1.gifDas besondere Gimmick zum sowieso sehr leckeren Corporate Design war nämlich eine wirklich schicke Schultertasche, die mindstens am Donnerstag auch definitiv von allen getragen wurde. Kurzum: Grünes Gezwitscher wohin das Auge blickte.
Drinnen dann natürlich sowieso - aber da ist ganz sicher auch die nachgerade frappierend gute Stimmung erwähnenswert, die über dem Gewusel im Entree und an den Ständen ebenso lag wie hernach drinnen bei den Veranstaltungen. Erinnerte eher an ein Outdoor-Festival als an eine Konferenz (nur eben ohne Schlamm und so). Wirklich ziemlich beeindruckend, zumal wenn man eher erwartetet hatte, vor versammelter Coolness ins Frösteln zu geraten.

Ergo war es dann um so bedauerlicher, dass es nur für besagte Stippvisite reichen konnte. Zumal sich auch die beiden Nachmittagsvorträge, auf welche zielstrebig die Wahl gefallen war, als echte Highlights entpuppten.

Schon vom Stoff her konkurrenzlos grossartig war Piet Schreuders' im Programm unter dem unverdächtigen Titel "Typographie und Musik" laufender Ausflug in die wunderbare Welt der Filmmusik zu den Slapstick-Klassikern von und mit Laurel und Hardy (bzw. "Dick & Doof"; wobei Schreuders sehr zu recht gleich eingangs demonstrierte, dass die deutschen Fassungen eben auch mit einer anderen musikalischen Untermalung verbreitet wurden). Als Fan derselben hatte sich der Designer nämlich auf eine jahre- bzw. jahrzehntelange Recherche-Odyssee nach den Original-Partituren von Leroy Shield begeben, deren ebenso kurzweilige wie charmante Schilderung (wenngleich die Typographie der zugehörigen Cover für die damals eigens für die inspielungen gegründeten The Beau Hunks dabei eher eine Nebenrolle spielte) in jeglicher Hinsicht mitreissen musste.

pnmt_gk.gifNicht weniger sympathisch hatte zuvor mo. Sauer von phlow.net seinen Beitrag zu Netzlabels kredenzt. Inhaltlich gab es da zwar - mindestens für das brave Medium - so viel Neues nicht zu erfahren. Aber zum einen hatte sich Sauer hierfür ein sehr nettes Format überlegt, indem er die Reise durch die Netzlabelszene, unterstützt von einer Assistentin aus dem Publikum, mit einem Live-Mix untermalen liess. Und zum anderen kann man die Kernaussagen seines Beitrags - dessen Leitfaden natürlich nicht einfach nur ein Das-alles-gibt-es-also, sondern die visuelle Gestaltung von Netzlabelseiten und EP-Covern war - wirklich nur unterstreichen.

Erstens: Anders als materielle Tonträger mögen EPs vielleicht nicht auf ein Cover angewiesen sein. Aber das entsprechend kulturell trainierte Auge hört doch trotzdem immer ein bissl mit, oder? Also, liebe DesignerInnen, entdeckt euer Herz für die Netzlabelszene.
Zweitens: Bekanntlich werden viele (um nicht zu sagen: derzeit noch die meisten) Netzlabelpublikationen unter CC lizensiert. Wäre doch wunderbar, wenn sich dazu dann auch die entsprechend engagierten GestalterInnen hinreissen liessen.

Um gleich mal mit gutem Beispiel voranzuschreiten, hat Sauer nicht nur eine Doku zu seinem Vortrag ins Netz gestellt, sondern präsentierte schon vor Ort die zugehörige EP-Kompilation - das wirklich wunderschöne Cover dazu stammt von seiner Freundin Jeannette Corneille.

Soweit die auszugsweise Summe aus dem auch sonst und insgesamt eben sehr leckeren und sympathischen TYPO-Tag; gleich den Vorsatz gefasst: Nächstes Jahr wieder und dann unbedingt mit mehr Zeit.

* Mehr zur TYPO:
- Videodokumentationen zahlreicher Programmpunkte, einschliesslich der beiden Vorträge von Sauer und Schreuders, gibts im typovideo-Blog
- Berichte im fontblog, der zur Fontshop AG gehört, die auch die TYPO veranstaltet
- Bilder bei flickr (mehr als vierhundert mittlerweile, *ächz*)
- Reviews zum ersten, zum zweiten und zum dritten Tag im news-Blog der De:Bug.

[Bildchen: Das eine sicher selbsterklärend, dh das herzerzwitschernde Logo der TYPO; die freie Fläche rechts könnte theoretisch noch das nicht minder attraktive Cover des Programms aufnehmen. Aber da fragen wir doch besser nochmal nach, bevor es noch Ärger in Sachen Copyrights gibt. Besonders grosses Merci geht in jedem Fall nicht nur an mo. Sauer fürs mp3-Mixtape, sondern vor allem bzw. anderen an Jeanette Corneille für ihr Ja-Wort zur Wiedergabe des schönsten EP-Covers ever!]

Von miss.gunst am 02.06.2007 | Anker zu diesem Artikel | Kommentare (0)

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